Description: <p><p>Das Klima hat neben anderen Standortfaktoren einen wesentlichen Einfluss auf die Ausbreitung <strong>gebietsfremder Pflanzen und Tieren (Neobiota)</strong>. Auf Grund des Klimawandels können sich besonders wärmeliebende Arten stärker ausbreiten oder gar neu bei uns etablieren. So tragen mildere Winter zum Überwintern frostempfindlicher Arten bei und eine <a href="/klimawandel/phaenologie">verlängerte Vegetationszeit</a> erlaubt das Erreichen der Samenreife. Zudem können Überflutungen durch <a href="/klimawandel/klimatische-aenderungen/starkregen">Starkregen</a> eine schnellere Verbreitung erleichtern. Das Absterben von Bäumen durch <a href="/klimawandel/folgen/wald/trockenstress">Hitzestress</a> verursacht Freiflächen, die schnell von konkurrenzstarken Arten besiedelt werden können. Extreme Dürrephasen lassen Feuchtgebiete austrocknen, die als nährstoffreiche Standorte vielen Neophyten (neuen Pflanzenarten) Konkurrenzvorteile bieten. Der Klimawandel führt darüber hinaus dazu, dass sich manche heimischen Arten schneller vermehren, beispielsweise Insekten, deren Entwicklungszeit durch höhere Temperaturen beschleunigt wird.</p><p>Neobiota sind nicht immer schädlich, doch manche können sich schnell und stark ausbreiten. Teilweise haben sie <strong>negative Auswirkungen</strong> auf ihren neuen Lebensraum oder andere Arten, dann werden sie aus Naturschutzsicht als <strong>invasiv</strong> bezeichnet. So kann durch Konkurrenz um Lebensraum und Ressourcen eine <strong>Verdrängung heimischer Arten </strong>erfolgen. Ist eine Kreuzung mit heimischen Vertretern ihrer Art möglich, besteht die Gefahr des <strong>Verlustes spezieller Anpassungen und Eigenschaften</strong>. Teilweise werden durch sie auch <strong>ökologische Kreisläufe verändert </strong>(beispielsweise durch Stickstoffanreicherung), oder <strong>Krankheitserreger</strong> mitgebracht, für die die heimischen Arten keine Abwehrmechanismen haben (beispielsweise Pilzerkrankungen wie die <a href="https://lfu.rlp.de/natur/anthropogene-wirkungen-auf-arten/salamanderpest">Salamanderpest</a>). Insgesamt verändern neue Arten, insbesondere aber invasive Arten somit die vorherrschenden Lebensräume, wodurch es zu einer Verschiebung von Arealen der heimischen Arten kommen kann. </p><p>Andere neu etablierte oder sich stark vermehrende heimische Arten werden zwar aus Naturschutzsicht nicht als invasiv eingestuft, bringen aber andere Gefahren für die <a href="/klimawandel/folgen/gesundheit">Gesundheit von Menschen</a>, Tieren oder Pflanzen mit sich. So gibt es beispielsweise neue <a href="/klimawandel/folgen/gesundheit/zecken">Zecken</a>- und <a href="/klimawandel/folgen/gesundheit/muecken">Mücken</a>arten, die gefährliche Krankheitserreger übertragen können. Auch die Zunahme von Arten mit allergenen Pollen kann durch den Klimawandel begünstigt werden, da wärmeliebende Arten durch die <a href="/klimawandel/phaenologie">längere Vegetationszeit</a> erst zur Samenreife gelangen und mehr CO2 in der Luft die Pollenproduktion erhöht. So verbreitet sich seit einigen Jahren die <a href="/klimawandel/folgen/gesundheit/ambrosia">Beifuß-Ambrosie</a> insbesondere im Süden von Rheinland-Pfalz, deren Pollen erst spät im Jahr fliegen und besonders allergen sind. </p><p>Die standortheimische und regionaltypische <strong>Biodiversität zu erhalten und zu fördern</strong>, ist ein wesentliches Naturschutzziel. Dafür hat die EU-Kommission mit der EU-Verordnung Nr. 1143/2014 und der „Unionsliste“ (Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung) eine rechtskräftige Grundlage für alle Mitglieder geschaffen. Die <a href="https://lfu.rlp.de/natur/artenschutz/neobiota-invasive-arten/die-invasiven-gebietsfremden-arten-der-unionsliste">Unionsliste</a> wird regelmäßig erweitert und enthaltene Arten unterliegen strengen Beschränkungen und Verboten. Die Nationale Biodiversitätsstrategie (NBS 2030) hat unter anderem als Ziel, Datengrundlagen und Biodiversitätsmonitoring zu verbessern. In Rheinland-Pfalz können Bürger*innen dieses Ziel unterstützen, indem sie das Vorkommen von <a href="https://artenfinder.rlp.de/">Arten melden</a>.</p></p><p><p>Im folgenden sind beispielhaft gefährdende Neobiota aufgelistet, die sich in den letzten Jahren in Rheinland-Pfalz etabliert haben. Eine <a href="https://lfu.rlp.de/natur/artenschutz/neobiota-invasive-arten/invasive-arten-in-rheinland-pfalz">Liste der invasiven Arten</a> in Rheinland-Pfalz sowie entsprechende <a href="https://lfu.rlp.de/natur/artenschutz/neobiota-invasive-arten/management-invasiver-arten">Managementempfehlungen</a> bietet das LfU RLP.</p></p><p><p>Der <strong><a href="https://www.bmleh.de/DE/themen/landwirtschaft/pflanzenbau/pflanzengesundheit/japankaefer.html">Japankäfer</a></strong> (<em>Popillia japonica</em>) ist besonders für die <strong><a href="/klimawandel/folgen/landwirtschaft">Landwirtschaft</a></strong> schädigend. Er kam vermutlich als blinder Passagier nach Deutschland und wurde erstmals 2023 nördlich der Alpen gefunden. Im August 2025 ist er erstmals in Hessen – in unmittelbarer Nähe zu Rheinland-Pfalz – nachgewiesen worden. Die adulten Japankäfer sind etwa 8–11 mm groß (ca. Kaffeebohnengröße) und ähneln besonders dem heimischen Gartenlaubkäfer. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal sind zwei zusätzliche weiße Haarbüschel am Hinterleib – diese fehlen beim Gartenlaubkäfer. Der Japankäfer bevorzugt feuchte Böden, die besonders für die <a href="/klimawandel/folgen/landwirtschaft/gruenlandbewirtschaftung">Grünlandbewirtschaftung</a> relevant sind. Dort legt der Käfer seine Eier in den Boden. Die Larven ernähren sich von den Wurzeln der Pflanzen und schädigen diese. Im Winter wandern sie in tiefere Bodenschichten. Wird es im Frühjahr wärmer, kommen sie wieder nach oben und beginnen erneut zu fressen. Die Hauptflugzeit der Käfer liegt zwischen Juni und September. Nachweise des Japankäfers sind <strong>meldepflichtig</strong>. <a href="https://add.rlp.de/themen/landwirtschaft-und-weinbau/pflanzenschutz/pflanzengesundheit/bekaempfung-des-japankaefers">Helfen Sie mit ihn zu stoppen!</a></p></p><p><p>Die<strong><a href="/klimawandel/folgen/gesundheit/muecken">Tigermücke</a> </strong>(<em>Aedes albopictus</em>) kann sehr <strong>gefährliche Krankheitserreger</strong> übertragen – beispielsweise Dengue- und Chikungunya-Viren – und ist daher ein Gesundheitsrisiko. Sie ist besonders gut an ihrer auffälligen schwarz-weißen Färbung zu erkennen. Seit den 90er Jahren hat sich die Art zunächst im Mittelmeerraum ausgebreitet und wird zumeist durch Warentransport (z.B. Autoreifen) oder durch die Reisetätigkeit über die Alpen nach Deutschland weiterverbreitet. Strenge Winter haben die Etablierung und Ausbreitung hierzulande in der Vergangenheit verhindert. Durch die steigenden Temperaturen im Zuge des Klimawandels ist es der Art inzwischen aber gelungen, sich im Oberrheingebiet zu etablieren. Populationen gibt es vor allem in Baden-Württemberg, aber auch in Rheinland-Pfalz wurden seit 2017 immer wieder überwinternde Gelege entdeckt – in Ludwigshafen und Germersheim geht man derzeit von fest etablierten Populationen aus. <strong>Helfen Sie mit!</strong> Die Bevölkerung ist aufgerufen, <a href="https://www.kabsev.de/1/1_8/Monitoring%20Buerger.php">auffällige Mücken an die KABS zu melden</a>.</p></p><p><p>Der <strong>Riesenbärenklau</strong> (auch Herkulesstaude, <em>Heracleum giganteum</em>) ist besonders für die <a href="/klimawandel/folgen/wald">Wald- und Forstwirschaft</a> problematisch und hat ebenfalls Einfluss auf unsere <a href="/klimawandel/folgen/gesundheit">Gesundheit</a>, da er schwere Verbrennungen auf unserer Haut verursachen kann. Die Pflanze ist heute in allen Bundesländern auf natürlichen (an Fließgewässern, Lichtungen) und anthropogen geprägten Standorten (Verkehrswege, Ruderalstandorte) zu finden. Sie zeichnet sich durch hohe Reproduktionsraten, starke Samenbildung und ein hohes Regenerationspotenzial aus. Die Herkulesstaude ist ein starker Konkurrent im Kampf um Lebensraum und Nährstoffe gegenüber heimischen Pflanzen. Ausgewachsen hält ihr Blätterdach bis zu 80 % der einfallenden Sonnenstrahlung ab, wodurch es in der Regel zur Verdrängung niederer Pflanzen kommt. Der Riesenbärenklau wird in der „Schwarzen Liste“ geführt und der Handel mit der Art ist in der EU verboten. Für eine erfolgreiche Eindämmung sind fachgerechte Strategien von zentraler Bedeutung. Nach mechanischer Entfernung (Achtung: Verbrennungsgefahr!) kann die Entsorgung über Kompostierungs- oder Verbrennungsanlagen erfolgen. Auf eine chemische Bekämpfung sollte nur bei forst- oder landwirtschaftlich genutzten Flächen zurückgegriffen werden. Als sehr effektiv wurde die Beweidung durch Schafe beschrieben, die durch das gezielte Fressen von Wurzel und Kraut eine vollständige Entfernung der Pflanzen ermöglichen.</p></p>
Text(
Editorial,
)
Tags: Käfer ? Mücke ? Schaf ? Insekt ? Baden-Württemberg ? Ludwigshafen ? Gesundheitsgefährdung ? Pflanzennährstoff ? Wandern ? Hessen ? Oberrhein ? Rheinland-Pfalz ? Baum ? Fließgewässer ? Solarstrahlung ? Verkehrsweg ? Überschwemmung ? Deutschland ? Riesenbärenklau ? Ambrosia ? Invasive Arten ? Biodiversitätsmonitoring ? Allergen ? Temperatur ? Pflanzenwurzel ? Chemische Schädlingsbekämpfung ? Gebietsfremde Art ? Grünlandwirtschaft ? Neophyt ? Starkregen ? Feuchtgebiet ? Fahrzeugreifen ? Nationale Biodiversitätsstrategie ? Mykose ? Chikungunya-Virus ? Vegetationsperiode ? Verbrennungsanlage ? Güterverkehr ? Haut ? Pflanze ? Ei ? Ruderalfläche ? Alpen ? Larve ? Beweidung ? Freifläche ? Bodenhorizont ? Asiatische Tigermücke ? Landwirtschaftliche Fläche ? Klimawandel ? Biodiversität ? Krankheitserreger ? Landwirtschaft ? Pollen ? Standortbedingung ?
Region: Rheinland-Pfalz Rheinland-Pfalz
Bounding boxes: 6.1122591° .. 8.5083135° x 48.9664472° .. 50.942304899999996° 6.11235482579604° .. 8.508357430823889° x 48.96657144570153° .. 50.942335092015064°
License: DCAT-AP.de Sonstige geschlossene Lizenz
Language: Deutsch
Last harvest: 13.09.2026 23:42
Helfen Sie mit ihn zu stoppen!
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https://www.klimawandel.rlp.de/klimawandel/folgen/landwirtschaft/gruenlandbewirtschaftung (Webseite) ✓Wald- und Forstwirschaft
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https://www.klimawandel.rlp.de/klimawandel/klimatische-aenderungen/starkregen (Webseite) ✓verlängerte Vegetationszeit
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