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Band 1/2021: Gewässerunterhaltung an landeseigenen Gewässern in Niedersachsen - Umsetzung im Kontext von Wasserrahmenrichtlinie und Naturschutz

Description: Informationsdienst Gewässerkunde | Flussgebietsmanagement 1/2021 Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz Gewässerunterhaltung an landeseigenen Gewässern in Niedersachsen Umsetzung im Kontext von Wasserrahmenrichtlinie und Naturschutz Die landeseigenen Gewässer in Niedersachsen Der NLWKN ist insgesamt für ein landeseigenes Gewässernetz von circa 800 km Gewässern erster und zweiter Ordnung sowie für rund 250 km Gewässer dritter Ordnung zuständig. Die Zielvorgabe der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), die Erreichung eines guten ökologischen Zustands oder Potenzials, konnte bisher für keines der Gewässer festgestellt werden. Einer naturschonenden und bedarfsan- gepassten Gewässerunterhaltung kommt eine bedeutende Rolle zu, um eine zu- künftige Zielerreichung gemäß WRRL zu unterstützen und zu ermöglichen. Von Julia Huckschlag, NLWKN Direktion Inhalt Die landeseigenen Gewässer in Niedersachsen2 Unterhaltung im Kontext der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie und unter Berücksichtigung naturschutzrechtlicher Aspekte4 Instrument Unterhaltungsrahmenplan8 Unterhaltungsbeispiele Große Hase Untere Oste10 12 Wissensvermittlung für Unterhaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter14 Berücksichtigung des Artenschutzes bei der Gewässerunterhaltung – Aktuelles zum NLWKN-Leitfaden 15 Die Betreuung der landeseigenen Ge- wässer erfolgt durch den Geschäftsbe- reich I „Betrieb und Unterhaltung“ an den NLWKN-Standorten in Aurich, Brake, Cloppenburg, Lüneburg, Meppen, Stade und Göttingen. Die praktischen Arbeiten zur Gewässerunterhaltung finden zum Großteil durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des NLWKN auf den eigenen Betriebshöfen der jeweiligen Standorte statt. Neben der Gewässerunterhaltung stellen Betrieb und Unterhaltung landes- eigener wasserwirtschaftlicher Anlagen wie Schleusen, Sperrwerke, Brücken, Schöpfwerke, Wehranlagen, Talsperren weitere Aufgaben dar. Die landeseigenen Gewässer erster und zweiter Ordnung setzen sich aus etwa 520 km Fließgewässern natürlichen Ur- sprungs und 280 km künstlichen Kanälen zusammen. Ein Großteil der Kanäle so- wie einige der Fließgewässer sind schiff- bar und für die Schifffahrt zugelassen. Die meisten der Gewässer dritter Ord- nung sind Seitengräben der Kanäle oder Beckenrandgräben der Talsperren und dienen dort dem Erhalt der Standsicher- heit von Deichen und Verwallungen. Auch Altarme der Gewässer erster Ordnung sind meist als Gewässer dritter Ordnung eingestuft. Hinsichtlich der Gewässertypologie domi- nieren „Sand- und lehmgeprägte Tief- landgewässer“. Hierzu gehören bei- spielsweise Hase, Vechte, Dinkel, Mittelaller, Hunte, Jeetzel, Sude und Teile der Oste. Aber auch etliche „Marschen- gewässer“ gehören zu den landeseige- nen Gewässern. Diese befinden sich vor allem in Ostfriesland sowie im Zuständig- keitsbereich der Betriebsstelle Stade. 2 Einige dieser Gewässer sind tidebeein- flusst (zum Beispiel die Oste unterhalb von Bremervörde, das Aper Tief und die Jümme sowie Teile des Nordgeorgsfehn- kanals). Einzelne Kanäle in den Moorre- gionen im Westen des Landes rund um die Betriebsstellen Aurich und Meppen sind derzeit als „Organisch geprägte Gewässer“ eingestuft. Im Zuständigkeits- bereich der Betriebsstelle Süd ist mit der Leine innerhalb des Rückhaltebeckens Salzderhelden und einem Teil der Rhume auch der Gewässertyp „Flüsse des Mit- telgebirges“ vertreten. Die Jeetzel, die bei Hitzacker in die Elbe mündet, ist teilweise als „Kiesgeprägter Tieflandfluss“ einge- stuft. Zukünftig werden einige der landes- eigenen Kanäle dem Sondertyp Schiff- fahrtskanal zuzuordnen sein. Die meisten der landeseigenen Gewässer sind nicht als natürliche Wasserkörper (Natural Water Body; NWB) ausgewie- sen. Aufgrund des starken Ausbaugrades und ihrer Funktion für den Hochwasser- schutz, die Landentwässerung und die Schifffahrt sind viele der Fließgewässer als erheblich veränderte Gewässer (Heavily Modified Water Body; HMWB) gemäß WRRL eingestuft. Nur die Oste oberhalb von Bremervörde sowie Leine und Rhume stellen landeseigene natürli- che Wasserkörper dar. Die Kanäle sind als künstliche Gewässer (Artificial Water Body; AWB) einzuordnen. Der ökologische Zustand und das ökolo- gische Potenzial werden derzeit überwie- gend mit mäßig bis unbefriedigend be- wertet. Die Zielvorgabe der WRRL, die Erreichung eines guten ökologischen Zustands oder Potenzials, hat bislang keines der Gewässer erreicht. Landeseigene Gewässer Einer naturschonenden und bedarfsan- gepassten Gewässerunterhaltung kommt in diesem Zusammenhang eine bedeu- tende Rolle zu, um eine zukünftige Zieler- reichung gemäß WRRL zu unterstützen und zu ermöglichen. Informationen zur Anpassung der Gewässerunterhaltung können unter anderem den „Leitfäden Gewässerunterhaltung in Niedersachsen“ 1, 2 sowie dem Merkblatt DWA-M 610 3 entnommen werden. 1 2 3 Insgesamt haben die landeseigenen Gewässer aufgrund ihrer diversen Typo- logie und den jeweiligen örtlichen Rah- menbedingungen sehr unterschiedliche Anforderungen im Bereich der Unterhal- tung. Neben der Optimierung der Unter- haltung unter ökologischen Gesichts- punkten, als wichtiger Baustein zur Zielerreichung gemäß WRRL, werden an die landeseigenen Gewässer zudem weitere Nutzungsansprüchen gestellt, die es zu berücksichtigen gilt. Hierzu zählen sowohl der Erhalt der Schiffbarkeit als auch Ansprüche hinsichtlich des Wasser- abflusses und des Wasserstandes für die Be- und Entwässerung landwirtschaftlich genutzter Flächen sowie zunehmend auch touristische Ansprüche, welche eine umfassende ökologische Ausrichtung der Unterhaltung erschweren können. Ent- lang eingedeichter Gewässerstrecken, Wasserverbandstag e.V. (2011): Gewässerunterhaltung in Niedersachsen, Teil A: Rechtlich-fachlicher Rahmen Wasserverbandstag e.V. (2020): Gewässerunterhaltung in Niedersachsen, Teil B: Grundlagen, Anforderungen, Entscheidungs- und Umsetzungs- prozesse Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (2010): Merkblatt DWA-M 610, Neue Wege der Gewässerunterhaltung – Pflege und Entwicklung von Fließgewässern 3

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