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Description: Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt Halle, Sonderheft 2/2010: 153–168 4.3.5 Maculinea nausithous (BERGSTRÄSSER, 1779) – Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling Christoph SCHÖNBORN und Peter SCHMIDT Lepidoptera: Lycaenidae (Bläulinge) Abb. 4.3-28: Maculinea nausithous (BERGSTRÄSSER, 1779) – Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Männchen; links Ansicht von oben, rechts Ansicht von unten (Zoologische Sammlungen der Martin-Luther-Universität, coll. DRECHS- LER, Fotos: A. STARK). Kurzcharakteristik der Art Kurzbeschreibung: Die Männchen von Maculi- nea nausithous sind oberseits dunkelblau gefärbt. Ihre Flügel werden von einer breiten schwarzen Randbinde und einer Reihe strichförmig ausge- zogener schwarzer Flecken sowie von einem ebenfalls schwarzen Zellendfleck geziert. Einfar- big braun ist dagegen das Weibchen. Lediglich die Basalregion der Flügel kann schwach blau bestäubt sein. In beiden Geschlechtern weisen die Flügelunterseiten eine Reihe schwarzer, hell um- ringter Ocellen auf dunklem, graubraunem Grund auf. Da sitzende Falter die Flügel fast immer nach oben zusammengeklappt halten, kann die blaue Farbe nur am fliegenden Tier beobachtet werden. Lebensraum und Biologie: Den Dunklen Wie- senknopf-Ameisenbläuling trifft man vorzugsweise auf frischen bis feuchten Mähwiesen in Tälern von Bächen und Flüssen an, die nicht regelmäßig über- schwemmt werden. Oft kommt die Art entlang von Gräben, an Böschungen und auf Dämmen vor. M. nausithous bildet eine Generation im Jahr aus, die von Anfang Juli bis Ende August fliegt. Die mit einer Lebensdauer von nur ca. zehn Tagen aus- gestatteten Falter saugen fast ausschließlich an Blütenköpfen des Großen Wiesenknopfs (Sangu- isorba officinalis). Auch die Eier werden hier ab- gelegt. Wie auch für einige andere Bläulingsarten bekannt, leben die Larven von M. nausithous zeit- weilig in Ameisennestern, speziell in denen der Knotenameisenart Myrmica rubra. Bestände des Wiesenknopfs und das Vorhandensein einer ge- nügenden Anzahl von Nestern der Wirtsameise stellen damit essenzielle Lebensvoraussetzungen dar. Die frisch geschlüpften Raupen bohren sich zunächst in die Blütenköpfe der Wirtspflanzen ein, um diese nach der dritten Häutung im Herbst zu verlassen. Von den Ameisen werden sie dann in das Nest eingetragen. Dort verhalten sich die Raupen „kleptoman“, d. h. sie werden von den Ameisen gefüttert (ELMES & THOMAS 1987), um dann normalerweise im nächsten Jahr als Falter zu erscheinen. Eine zweimalige Raupenüberwin- terung im Ameisennest scheint vorzukommen (WEIDEMANN 1995). Neuerdings wird auch eine räu- berische Lebensweise der Raupen diskutiert (PE- TERSEN et al. 2003). Die Abundanz des Dunklen Wiesenknopf-Ameisen- bläulings hängt entscheidend von der Anzahl der Kolonien der Wirtsameise ab (THOMAS 1984). Da ein Ameisennest zahlreiche Raupen ernähren kann (WEIDEMANN 1995), wird der standorttreue Falter gegebenenfalls in recht hoher Populationsdichte selbst in kleinflächigen Biotopen beobachtet. 153 2000 Meldungen aus acht naturräumlichen Haupt- einheiten. Neben dem Schwerpunktvorkommen im Elbe-Mulde-Tiefland (D10) mit etwa 63 % der beflogenen Lokalitäten kam die Art auch in den Naturräumen Elbetalniederung (D09), Fläming (D11), Thüringer Becken mit Randplatten (D18), Sächsisches Hügelland und Erzgebirgsvorland (D19), Östliches Harzvorland mit Börden (D20), Altmark (D29) und Nördliches Harzvorland (D33) vor, wobei einige Regionen dichter besiedelt wa- ren und andere wohl nur zeitweilig vereinzelte Po- pulationen beherbergten. Nachweise jüngeren Datums stammten aus den Naturräumen D10, D19, D20 und D33 (EVSA 2000). Im Nördlichen Harzvorland kam der Bläuling in den letzten Jahren in einem weniger typischen Habi- tat des FFH-Gebietes „Kalkflachmoor im Helsun- ger Bruch“ recht beständig vor, allerdings nur in geringer Dichte. Abb. 4.3-29: Maculinea nausithous (BERGSTRÄSSER , 1779) – Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Foto: T. SÜSSMUTH). Verbreitung: M. nausithous galt lange als euro- päischer Endemit mit kleinem Areal in Mittel- und Osteuropa, ist aber nach WYNHOFF (1998) auch noch in Westasien verbreitet. Ein isoliertes Vor- kommen existiert auf der Iberischen Halbinsel. In den Alpen, in Südost- und Nordeuropa und auch auf weiten Strecken im nordmitteleuropäischen Tiefland fehlt die Art. Bezüglich des Gefährdungs- und Schutzstatus wird auf Tab. 1-1 verwiesen. Kenntnisstand und Vorkommen in Sachsen-Anhalt Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling kam bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hin- ein besonders im südlichen Teil Sachsen-Anhalts vor und war hier weit verbreitet (z. B. BERGMANN 1952). Extensiv genutzte Auenwiesen (Wiesen- knopf-Silgenwiesen) entlang der Flüsse stellten damals die bevorzugten Lebensräume dar. Insgesamt konnten für das Bundesland 72 Fund- meldungen zusammengetragen werden (EVSA 2000). Damit ist diese Art unter den Anhang-II- Schmetterlingen in Sachsen-Anhalt am häufigs- ten verzeichnet. Die Mehrzahl der zusammengetragenen Daten bezieht sich auf die Elbe-Mulde-Region, wo die Art besonders in der Umgebung von Dessau auch noch bis zum Hochwasser des Jahres 2002 manchmal sogar recht zahlreich nachgewiesen wurde. Dagegen war der Norden des Landes sehr spärlich besiedelt. Hier liegen seit Jahrzehnten keine Neumeldungen vor, so dass die vorhande- nen Bestände als erloschen gelten. Zusammen- gefasst ergaben die EVSA-Recherchen im Jahr 154 43 Nachweise konnten sechs FFH-Gebieten zu- geordnet werden, die dann im Untersuchungspro- gramm bearbeitet wurden. In der nachfolgenden Tabelle sind die Altfunde nach FFH-Gebieten ge- gliedert dargestellt. Erfassungsmethodik Nach den durch EVSA (2000) vorgelegten Ergeb- nissen konnte von Vorkommen des Dunklen Wie- senknopf-Ameisenbläulings in sechs FFH-Gebie- ten ausgegangen werden, die 2005/06 zur Bewer- tung des Erhaltungszustandes bearbeitet wurden. Zusätzlich wurden zwei weitere FFH-Gebiete, aus denen nachträglich Vorkommen bekannt gewor- den sind, mit beurteilt. Der Untersuchungsrahmen und die Bewertung orientierten sich hierzu an den Vorgaben von SCHNITTER et al. (2006). Während der Flugzeit lassen sich die Falter an den Blütenköpfen des Großen Wiesenknopfes leicht nachweisen, auch später können Vorkom- men anhand von Eierresten und Jungraupen an bzw. in den Blütenköpfen noch erkannt werden (HERMANN 1999). Aufgrund ihrer bestandsregulie- renden Wirkung auf die Individuendichte des Bläu- lings wurde auch auf die Anzahl von Nestern der Wirtsameise geachtet. Situation in den bearbeiteten FFH-Gebieten FFH-Gebiet 0067 – „Dessau-Wörlitzer Elbauen“ Vorkenntnisse: In der „Großschmetterlingsfauna von Dessau und Umgebung“ werden zahlreiche Funde publiziert (KELLNER 2006), die vor allem auch das FFH-Gebiet 0067 betreffen: • Dessau-Waldersee, Minkwitzlinie, 1977 (ZIEG- LER) Tab. 4.3-15: Ausgangsdatenlage zum Vorkommen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings (M. nausithous) in sachsen-anhaltischen FFH-Gebieten FFH-GebietAnzahl der Meldungen in Datenbank LAU (Stand 2005)Zeitraum der Nachweise FFH 0067321967–1999 (KELLNER 2006) FFH 012951950–1995 (KELLNER 2006) FFH 01351vor 1937 (BERGMANN 1952) FFH 023531925 leg. GAEDE FFH 024011996 (TRIOPS 1996) FFH 028411993 (leg. MEINICKE) • Vier Meldungen: Dessau-Waldersee, ohne nä- here Angabe, 1992–1995 (KELLNER, GÖRG- NER) • Fünf Meldungen für Dessau-Waldersee, Luisi- um, 1992–1999 (KELLNER, OTTO, SCHELL- HORN) • Vockerode, ohne nähere Angabe, 1975 (ELIAS) · Neun Meldungen: Vockerode, Niederförste, 1975–1979 (ZIEGLER, KELLNER) • Vockerode, Damm Friedrich-Franz-Weg vor der Autobahn, 1996 recht zahlreich (OTTO) · Wörlitz, 1994 (GÖRGNER) • Ehrwalder Moor, 1998 (KELLNER) · Neun Meldungen Oranienbaum, 1967–83 (BLEYL, LEHMANN, MÜTZE, ZIEGLER) Aktuelle Vorkommen: Die Art konnte im FFH- Gebiet 0067 aktuell nicht nachgewiesen werden. Bewertung des aktuellen Erhaltungszustandes: Eine Bewertung des Erhaltungszustandes wurde aufgrund der ausgebliebenen Artnachweise nicht vorgenommen. Die letzten Beobachtungen von M. nausithous erfolgten vor dem Jahrhundert-Hoch- wasser im August 2002. Durch Dammbrüche und langfristige Überflutung von außendeichs liegen- den Grünländern zwischen Dessau und Wörlitz sind die Bestände wohl schlagartig zusammen- gebrochen. Auch die Wirtsameisenvorkommen gingen drastisch zurück. Nur im Habitat 1 konnte eine hinreichende Anzahl von Myrmica rubra-Nes- tern ausgemacht werden. In den anderen zuvor genutzten Fluggebieten fehlte sie ganz oder trat extrem spärlich auf. Das Aufkommen an Sangui- sorba officinalis in den einzelnen Habitaten ist bezüglich der Häufigkeit differenziert, zeigt aber gegenüber der Vergangenheit überwiegend rück- Abb. 4.3-30: Lage potenzieller Habitate von M. nausithous im FFH-Gebiet 0067. 155

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Issued: 2010-11-15

Modified: 2010-11-15

Last harvest: 14.05.2026 01:26

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