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Kapitel 68 Schnabelfliegen Rote Listen Sachsen-Anhalt 2020

Description: Rote Listen Sachsen-Anhalt Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt Halle, Heft 1/2020: 849–852 68 Bearbeitet von Daniel Rolke und Wieland Röhricht* (3. Fassung, Stand: März 2020) Einleitung und Datengrundlagen Von dieser kleinen Insektengruppe sind in Deutsch- land 10 Arten bekannt. Acht davon wurden bisher in Sachsen-Anhalt gefunden. Die Ordnung umfasst in Deutschland die drei Familien Panorpidae (Skorpions- fliegen, Abb. 1), Boreidae (Winterhafte, Abb. 2) und Bittacidae (Mückenhafte, Abb. 3), Seit den letzten Bearbeitungen der Roten Liste der Schnabelfliegen Sachsen-Anhalts (Röhricht 1995, 2004) sind weitere Aufsammlungen erfolgt (u. a. Röh- richt 2000) und es ergaben sich Möglichkeiten weitere Sammlungen auszuwerten (z. B. Coll. J. Müller, Mag- deburg), die allerdings bis auf zwei Ausnahmen (s. u.) nicht zu einer Neubeurteilung der Gefährdungssituati- on der Gruppe führten. Die Nomenklatur der Mecopte- ra folgt im Wesentlichen Kleinsteuber & Röhricht (2000). Das Taxon Panorpa alpina Rambur, 1842 wurde inzwi- schen in die Gattung Aulops Enderlein, 1910 gestellt (s. a. Willmann 2019). Bemerkungen zu ausgewählten Arten Gebirgs-Skorpionsfliege – Aulops alpina (Rambur, 1842) Nachweise der Gebirgs-Skorpionsfliege erfolgten während der zurückliegenden Jahre kaum (vgl. Röhricht 2000). Daher muss die aus älterem Material abgeleitete Häufigkeit der Art revidiert werden. Die wenigen Vorkommen von A. alpina im Lande werden als „Gefährdet“ eingestuft. Schnabelfliegen (Mecoptera) Hagens Mückenhaft – Bittacus hageni Brauer, 1860 Das Vorkommen von Bittacus hageni wurde erstmals von Victor von Röder bei Hoym im Jahr 1869 entdeckt (Abb. 3). Erfreulicherweise konnte Herr Prof. Dr. R. Willmann (Göttingen) die Spezies im Sommer 2003 wiederfinden (Trost, in litt.). In ganz Mitteleuropa ist diese Art sehr rar. Die Art ist in Sachsen-Anhalt vom Aussterben bedroht, das Vorkommen akut gefährdet. Gefährdungsursachen und erforderliche Schutzmaßnahmen Beide Arten der Familie Bittacidae sind entweder „Ausgestorben bzw. verschollen“ oder „Vom Ausster- ben bedroht“, zwei Skorpionsfliegen „Gefährdet“. Ins- besondere die beiden Mückenhafte (Bittacus spp.) be- dürfen während der Larvalentwicklung wohl feuchten Bodens. Als mögliche Schutzmaßnahmen bieten sich daher am trocken gefallenen Fundort die Zulassung stärkerer Vernässung durch einfache und vorsichtige Renaturierungsmaßnahmen des Wasserlaufes an. Danksagung Für die Übermittlung von Daten wird ganz herz- lich den Herren Dr. M. Trost (Halle/S.) und Prof. Dr. R. Willmann (Göttingen) gedankt. Daneben gilt ebenso besonderer Dank für die geduldige und großzügige Bereitstellung von Material den Herren Dr. T. Karisch (Dessau), W. Bäse (Lutherstadt Wittenberg), Dr. P. Sa- cher (Abbenrode) und Dr. E. Stolle (Halle/S.). Tab. 1: Übersicht zum Gefährdungsgrad der Schnabelfliegen Sachsen-Anhalts. Taxa Artenzahl (absolut) Anteil an der Gesamtartenzahl (%) 0 1 12,5 Gefährdungskategorie R 1 2 - 1 - - 12,5 - Art (wiss.) Aulops alpina (Rambur, 1842) Bittacus hageni Brauer, 1860 Bittacus italicus (O. F. Müller, 1766) Panorpa cognata Rambur, 1842 3 2 25,0 Art (deutsch) Gebirgs-Skorpionsfliege Hagens Mückenhaft Italienischer Mückenhaft Kenntliche Skorpionsfliege Rote ListeGesamt 4 50,08 Kat. 3 1 0 3 Bem. 1881 01) Nomenklatur nach Kleinsteuber & Röhricht (2000) sowie Willmann (2019). Abkürzungen und Erläuterungen, letzter Nachweis/Quelle (Spalte „Bem.“) 01) - s. Rostock (1881) * Auf Herrn W. Röhricht geht die Fassung der Roten Liste der Schnabelfliegen 2004 zurück. Der Autor stand für eine grundlegende Aktuali- sierung der aktuellen Fassung der Liste nicht mehr zu Verfügung. Neben der Einarbeitung von nomenklatorischen Änderungen wurden weitere, seinerzeit nocht nicht zugängliche Aufsammlungen von Schnabelfliegen gesichtet (z. B. coll. J. Müller, Magdeburg, ZNS Halle). Daraus ergaben sich keine Veränderungen im Status der Arten dieses Taxons in ST, so dass ein Vergleich zur Roten Liste 2004 gegen- standslos ist. 849 Schnabelfliegen 1 2 Abb. 1: Die Gemeine Skorpionsfliege (Panorpa communis) ist die häufigste der drei in Sachsen-Anhalt vorkommenden Arten dieser Gattung. Während die Bittacus-Arten aktiven Beutefang betreiben, ernähren sich die Skorpionsfliegen vornehmlich von toten Insekten (Byers & Thorn- hill 1983). Hier frisst ein Männchen an einer durch Bekämpfungsmaßnahmen mit Bacillus-thuringiensis-Präparaten gestorbenen Raupe des Eichen-Prozessionsspinners (Foto: A. Stark). Abb. 2: Die Taxonomie der Boreiden ist immer noch mit Unsicherheiten behaftet. In Sachsen-An- halt kommen die Arten Boreus hyemalis (Linnaeus, 1767) und B. westwoodi Hagen, 1866 vor. Am fotografischen Beleg aus dem Freiland sind beide nicht unterscheidbar (Foto: A. Stark). 850 Schnabelfliegen Abb. 3: Hagens Mückenhaft (Bittacus hageni) kann mit Fug und Recht als eine der größten faunistischen Besonderheiten der Insektenfauna Sachsen-Anhalts bezeichnet werden. Sein Vorkommen in unserem Bundesland ist nach heutigem Kenntnisstand von der Bewahrung eines einzigen kleinflächigen Biotops im nördlichen Harzvorland abhängig. Die Kenntnis von diesem Fundort geht auf die Aktivitäten des Dipteren- sammlers Victor von Röder zurück, der – wie er in einem kurzen Artikel ausführt (v. Röder 1870), hier mehrfach zahlreiche Individuen des schna- kengroßen Insekts gefunden hat. Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts weltweit größte Privatsammlung von Dipteren wurde nach dem Tod von Röders zusammen mit seiner Bibliothek dem damaligen Zoologischen Institut der Universität Halle übereignet (Stark 1995). Hier ist das einzige verbliebene Exemplar aus der von Röderschen Sammlung am heutigen Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen abgebildet. Da das Abdomen fehlt, kann das Geschlecht des Exemplars nicht mit letzter Sicherheit benannt werden. Die Tarsen aller drei Beinpaare sind zu Fangklauen umgebildet, die beim Männchen etwas kräftiger sind. Möglicherweise handelt es sich beidiesem Individuum um ein Männchen (vgl. Willmann 1986) (Foto: A. Stark). Literatur Byers, G. W. & Thornhill, G. (1983): Biology of the Mecoptera. – Annual Review of Entomology 28: 203 –228. Kleinsteuber, E. & W. Röhricht (2000): Mecoptera – Schnabelfliegen. – In: Hannemann, H.-J., Klausnit- zer, B. & K. Senglaub (Hrsg.): Exkursionsfauna von Deutschland. Bd. 2: Wirbellose: Insekten. – 9. neubearb. Aufl. Heidelberg, Berlin, Spektrum Aka- demischer Verlag: 687–689. Röder, V. von (1870): Ueber Bittacus Hageni Brauer. – Berliner entomologische Zeitschrift 13 (1869) 1870: 446. Röhricht, W. (1995): Rote Liste der Schnabelfliegen des Landes Sachsen-Anhalt. – Berichte des Landesam- tes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt 18: 35–36. Röhricht, W. (2000): Netzflügler und Schnabelfliegen aus Mitteldeutschland (1. Nachtrag). – Naturwis- senschaftliche Beiträge des Museums Dessau 12: 82–92. 851

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Language: Deutsch

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Issued: 2020-08-31

Modified: 2020-08-31

Last harvest: 11.05.2026 04:56

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