Description: 45. Jahrgang · 2008 · Heft 1 ISSN 0940-6638 Naturschutz Im Land S a c h s e n - A n h a lt SACHSEN-ANHALT Landesamt für Umweltschutz Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt 45. Jahrgang • 2008 • Heft 1 • ISSN 0940-6638 Inhaltsverzeichnis Seite Aufsätze Uwe Kramer Joachim Müller Die Auswirkungen der Separation auf die Landschaft – dargestellt an ausgewählten Gemeinden im Landkreis Mansfeld-Südharz3 Libellen mediterraner Verbreitung zunehmend als neue Faunenelemente in Sachsen-Anhalt13 Kerstin Reichhoff & Bodenschutz in der Landschaftsplanung am Beispiel der Henrik Helbig Erarbeitung des Landschaftsplanes der Stadt Jessen Uwe Patzak, Ulrike Krause Erkenntnisse zur Dynamik des Hartholzauenwaldes auf Wald- & Piroska Patzak dauerbeobachtungsflächen im Biosphärenreservat „Mittelelbe“ 23 32 Mitteilungen Ehrungen Informationen Matthias Jentzsch 45 Katrin Hartenauer & Peer Schnitter Inge HaslbeckGewöllanalyse aus dem Naturschutzgebiet „Bucher Brack – Bölsdorfer Haken“Zum Vorkommen der Weinbergschnecke (Helix pomatia Linnaeus, 1774) in Sachsen-Anhalt49 56 Berit Otto & Holger LienewegÜbersicht der nach Naturschutzrecht geschützten Gebiete und Objekte Sachsen-AnhaltsWiederfund des in Sachsen-Anhalt verschollenen Lebermooses Kurzia Lieneweg pauciflora58 Wird die Rot-Esche zum Problem an der Elbe?60 Veranstaltungen Lutz Reichhoff & Astrid Eichhorn Schrifttum SACHSEN-ANHALT Landesamt für Umweltschutz Geschützte und gefährdete Pflanzen, Tiere und Landschaften des Landes Sachsen-Anhalt Zu den Abbildungen 2. und 3. Umschlagseite (Texte: J. Müller, L. Reichhoff; Fotos: J. Müller, U. Patzak) Feuerlibelle Crocothemis erythraea – thermophi- ler Neusiedler in Sachsen-Anhalt Mit der thermophilen Feuerlibelle Crocothemis erythraea (Brullé, 1832) erscheint in Sachsen-An- halt seit etwa 2003 ein leuchtendes Signal für die Klimaerwärmung. Diese erst seit 1981 als selbstän- dige Art anerkannte Segellibelle (Libellulidae) ist ein äthiopisches Faunenelement mit weiter Ver- breitung im gesamten Mittelmeerraum und in Afrika bis Vorderasien und belegt beispielhaft seit zwei Jahrzehnten die klimabedingte Arealerweite- rung mediterraner Libellen-Arten nach Deutsch- land. Sie besiedelt ein weites Spektrum sonnenexpo- nierter, meso- bis eutropher Stillgewässer mit reicher Unterwasservegetation und erscheint da- mit nicht bestandsgefährdet. Bisher ist sie ohne erkennbare Störung neben dem Blaupfeil und Vierfleck eingenischt. Die rasche Ausbreitung wird durch eine in Mitteleuropa einjährige Entwicklung anspruchsloser Larven forciert. In wärmeren Gebie- ten, wie z. B. im Mittelmeergebiet und Afrika, ist sie wegen der schnellen Larvalentwicklung bivoltin, d. h. es gibt dort sogar zwei Jahresgenerationen. In Mitteleuropa schlüpft C. erythraea hauptsächlich im Juni (Mai bis Juli) und fliegt dann bis etwa Mit- te August bei einem sonnenbedingten Aktivitäts- maximum in der Mittagszeit zwischen etwa 11:00 bis 15:00 Uhr, wo auch die Paarungen und Haupt- eiablagen in die Unterwasservegetation erfolgen. Die Feuerlibellen ruhen gern auf einzeln hervor- ragenden Stengeln am Schilfrand oder im Groß- seggenbestand und auch bodennah in der Hoch- staudenflur. Die leuchtend-roten Männchen sind häufiger zu sehen als die verborgeneren, schlicht bräunlich-olivfarbenen Weibchen, die durch einen auffallend weißgelben Streifen zwischen den gelb- en Flügelbasen klar von den ähnlichen Blaupfeilen zu unterscheiden sind. Die wissenschaftliche Bezeichnung Crocothemis erythraea ist einerseits von „krokos“ (gr.) = saf ranfarben, orange und dem großen safranfarbigen Basisfleck der Flügel und andererseits von „eryth- raios / erythros“ = rot vom feuerroten Männchen abgeleitet. J. M. 2 Rot-Esche (Fraxinus pennsylvanica), eine inva- sive Baumart im Mittelelbegebiet Die Rot-Esche ist eine nordamerikanische Baumart. Sie tritt dort in Auen auf und bevorzugt nähr- stoffreiche und feuchte Böden, die oft überflutet werden. Sie hat den Charakter einer Pionierart. Im Mittelelbegebiet wurde sie als Forstbaum um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Preu- ßen und Anhalt eingeführt und bis in die 80er Jah- re des 20. Jahrhunderts angebaut. Im Mittelelbegebiet tritt die Art auf 20 % der Wald- fläche mit mehr als 10 % Bestandsbeteiligung auf. Hierbei weist sie eine deutliche standörtliche Bin- dung an die tief liegenden, häufig überfluteten und nassen Senken und Rinnen der untersten Au- enterrasse auf und vermehrt sich hier natürlich. Die Baumart kommt auch im Offenland, in Gehöl- zen und an Flussufern vor und breitet sich auch hier natürlich aus. Sehr auffällig ist die Besiedlung der Waldränder. Ihre Samen werden durch Wind und Wasser transportiert. Sie kann in Böden ein Samendepot aufbauen. Auf Grund der hohen generativen und vegetativen Vermehrungsfreudigkeit bildet die Rot-Esche auf den nassen Auenstandorten Dominanzbestände. Dabei kann sie die Stiel-Eiche als Folge ihrer Vor- wüchsigkeit verdrängen. Die Art weist ab etwa dem Alter von 80 Jahren eine auffallende Häufigkeit von Stammfäule auf. Die- se führt zum Stammbruch. Die Folge ist, dass sich keine mächtigen und langlebigen Stämme mit großen Höhlen und Kronen für Horste ausbilden können. Im Falle der Verdrängung der heimischen, auen- waldtypischen Baumarten und des Aufbaus von Dominanzbeständen der Rotesche kann der Er- haltungszustand des FFH-Lebensraumtyps Hart- holzauenwald vermindert und in letzter Konse- quenz sogar der Status als FFH-Lebensraumtyp gefährdet sein. Im Rahmen der forstlichen Bewirtschaftung der Hartholzauenwälder ist deshalb die Rot-Esche kon- sequent zurückzudrängen. In Kernzonen sollte im Rahmen der Verordnung eine gezielte, standorts- gebundene Bekämpfung geregelt werden. L.R Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt 45. Jahrgang • 2008 • Heft 1: 3–12 Die Auswirkungen der Separation auf die Landschaft – dargestellt an ausgewählten Gemeinden im Landkreis Mansfeld-Südharz Uwe Kramer 1 Einleitung „Die Kulturlandschaft ist ein Spiegel der poli- tisch-gesellschaftlichen, territorialen und religi- ösen Verhältnisse, sowie der Siedlungsgeschichte des Menschen. Die vom Menschen verursachten physikalischen Einwirkungen bilden die histo- rische Dimension der Umwelt und haben in der Landschaft nicht nur harmonische Spuren hinter- lassen“ (Hoffmann & Amling 2005). So ist das uns heute vertraute Bild der Landschaft immer wieder von Veränderungen gekennzeichnet. Im 19. Jahrhundert waren es die Reformen im länd- lichen Raum, angefangen von der Aufhebung der feudalrechtlichen Verhältnisse bis zur Durchfüh- rung der Separation, die das Bild der Landschaft in Mitteleuropa tief greifend veränderten. Zum Begriff Separation Separation, in anderen deutschsprachigen Ge- bieten Arrondierung, Verkoppelung, Kommas- sation, Vereinödung genannt, ist die Zerlegung gemeinschaftlicher Anlagen und Flurstücke mit Verteilung auf die Mitglieder der Separationsin- teressenten unter gleichzeitiger Flurbereinigung. Jeder Landbesitzer erhielt für seinen Besitzstand und seine Teilnahmerechte Landabfindung „in möglichst wirtschaftlichem Zusammenhang“. Zum Abschluss des Separationsverfahrens wurde ein „Rezess“ (lat.: recedere: zurückgeben, abge- ben) aufgestellt, der die dem Verfahren zugrun- de liegenden Verhältnisse in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht beschreibt, die Eigentums- verhältnisse vor und nach der Separation nach- weist, die Rechte und Pflichten der Beteiligten begründet und den Ablauf des Verfahrens und die in ihm durchgeführten Maßnahmen darlegt (Schomacker 1995). Der Weg wurde damals frei für eine moderne, leistungsfähige Landwirtschaft – eine Landwirt- schaft, die in der Lage war, die zu jener Zeit stark wachsende Bevölkerung in Deutschland besser mit Lebensmitteln zu versorgen. Zugleich hatten die Separationen erhebliche Folgen für die Öko- systeme und verursachten einen großen Wandel in der Pflanzen- und Tierwelt. Die Auswirkungen der Separation auf die Gesell- schaft waren sehr groß, da zu jener Zeit (1871) 64 % der deutschen Bevölkerung auf dem Land lebten (Jacobeit 1987). Die Zahl der in der Landwirt- schaft Tätigen lag doppelt so hoch wie die von Handwerk und Industrie zusammen (Jacobeit 1987). Noch im Jahr 1882 (Jahr der ersten umfas- senden Berufszählung im Deutschen Reich) lag der Anteil der in Land- und Forstwirtschaft, so- wie in der Fischerei Beschäftigten bei 46,7 % aller Berufstätigen (Meyers Konversationslexikon 1894). Auch wenn im Harzgebiet und damit im Untersuchungsgebiet der Anteil der in Bergbau und Industrie beschäftigten Personen über dem Reichsdurchschnitt lag, so bewirtschaftete in der damaligen Zeit praktisch jedermann eine kleine Landwirtschaft und hielt Nutztiere. Vergleichs- weise lag im Jahr 2003 der Anteil der in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft Berufstätigen in der Bundesrepublik Deutschland bei 2,44 % al- ler Beschäftigten (Statistisches Bundesamt Deutschland 2004). 2 Die Verhältnisse im ländlichen Raum vor Durchführung der Separation Zu Beginn des 19. Jahrhunderts herrschten in den deutschsprachigen Ländern noch weithin feudal- rechtliche Verhältnisse, wenngleich erste Schritte zur Verbesserung der sozialen Lage der Bauern be- reits in der Mitte des 18. Jahrhunderts eingeleitet worden waren. Vorherrschende Produktionswei- se in der Landwirtschaft war die Dreifelderwirt- 3
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Language: Deutsch
Issued: 2009-03-03
Modified: 2009-03-03
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