Description: Elektromagnetische Felder und die belebte Umwelt Nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand schützen die für den Menschen geltenden Empfehlungen auch Tieren und Pflanzen. Die festgelegten Grenzwerte gelten nur dort, wo sich Menschen aufhalten. Flugfähige Tiere oder große Pflanzen können sich jedoch bspw. Stromleitungen oder Mobilfunkmasten stärker annähern und den Feldern damit stärker ausgesetzt sein. Einige Tiere und Pflanzen haben spezialisiertere Sinne und Signalwege als der Mensch, wodurch manche Arten empfindlicher auf elektromagnetische Felder reagieren können. In der freien Natur werden elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder ( EMF ) erzeugt. Quellen dafür sind beispielweise Stromleitungen, Erd- und Seekabel, drahtlose Ladestationen oder Funkanlagen wie Mobilfunkmasten. Die unterschiedlichen Felder können bei Tieren und Pflanzen verschiedene Reaktionen auslösen. Welche möglichen Wirkmechanismen dabei in Frage kommen, hängt von der Frequenz der Felder ab. Wirkungen sind frequenzabhängig Für Magnetfelder bei Frequenzen unterhalb von 100 Megahertz, beispielsweise von Stromleitungen oder Seekabeln, sind möglicherweise folgende Wirkmechanismen relevant: Ströme im Körper, der Radikalpaarmechanismus und die Kraftwirkung auf das Mineral Magnetit. Weiterhin haben einige Tierarten wie zum Beispiel Fische und Insekten spezalisiertere Sinne, mit denen sie statische und niederfrequente elektrische Felder wahrnehmen. Bei elektromagnetischen Feldern mit Frequenzen oberhalb von 100 Megahertz, wie sie beispielsweise von Funkanlagen ausgehen, ist nur die Wärmewirkung wissenschaftlich belegt . Welche Wirkungen gehen von Stromleitungen aus? Einige Tiergruppen – Insekten, Vögel und einige Säugetierarten – können das statische Erdmagnetfeld wahrnehmen und sich danach orientieren. Diese Tiere können auch die statischen Magnetfelder von Gleichstromleitungen wahrnehmen, die ihr Verhalten beeinflussen könnten. Demgegenüber stören die Wechselfelder der Stromversorgung die Orientierung der Tiere am Erdmagnetfeld nicht. Viele Insektenarten, unter anderem Bienen, können elektrische Felder und elektrostatische Aufladungen wahrnehmen. Sie nutzen diese auch zur Orientierung und Kommunikation. Starke elektrische Felder oberhalb der in der 26. Bundesimmissionsschutzverordnung (26. BImSchV ) festgelegten Grenzwerte können das Verhalten von Bienen stören. Es ist jedoch nicht untersucht, ob dies auch unter realistischen Bedingungen im Freiland passiert. Bei Pflanzen ist nachgewiesen, dass statische Magnetfelder wie das Erdmagnetfeld einen Einfluss auf das Pflanzenwachstum haben. Statische und niederfrequente Magnetfelder bestimmter Intensitäten und Frequenzen können das Pflanzenwachstum fördern und auch in der Landwirtschaft genutzt werden. Es gibt keine belastbaren Hinweise auf negative Auswirkungen von Stromleitungen auf Pflanzen wie z.B. auf deren Wachstum. Welche Wirkungen gehen von Seekabeln aus? Im Zusammenhang mit der Energiewende werden vermehrt Offshore-Windenergieanlagen gebaut. Deshalb werden Seekabel verlegt. Diese erzeugen statische oder niederfrequente Magnetfelder und induzieren im Salzwasser elektrische Felder . Viele Fischarten nutzen das Erdmagnetfeld zur Orientierung und können die von Seekabeln ausgehenden Felder wahrnehmen. Haie und Rochen können sehr schwache elektrische Felder wahrnehmen, sich danach orientieren oder nach Beute suchen. Insgesamt haben Felder von Seekabeln keine direkten negativen physiologischen Wirkungen auf Tiere. Bisher sind nur Verhaltensreaktionen bekannt. Solange Tiere den Kabeln nur selten begegnen, sind Auswirkungen auf die gesamte Population unwahrscheinlich. Welche Wirkungen gehen von Funkanlagen aus? Flugfähige Tiere können in der Nähe von Mobilfunksendeanlagen hochfrequenten elektromagnetischen Feldern bei Feldstärken oberhalb der für Menschen geltenden Grenzwerte ausgesetzt sein. Dies kann möglicherweise zur Gewebeerwärmung führen. In bisherigen Studien zum Einfluss hochfrequenter Felder auf Insekten wurden mehrfach negative Auswirkungen beschrieben. Diese Studien hatten jedoch überwiegend Qualitätsmängel. Deswegen ist das Vertrauen in deren Ergebnisse gering und weitere Forschung notwendig. Weiterhin begann das viel diskutierte Insektensterben schon in den 90er Jahren und damit vor dem rasanten Ausbau von Mobilfunksendeanlagen. Deshalb ist ein Zusammenhang mit den Feldern des Mobilfunks unwahrscheinlich. Für Vögel ist bekannt, dass schwache elektromagnetische Felder im Frequenzbereich von 0,1 bis 100 Megahertz die Orientierung am Erdmagnetfeld stören. Unter Laborbedingungen führte das zu einer Desorientierung der Vögel. Dieser Frequenzbereich wird von Radiosendern genutzt, nicht aber von Mobilfunksendeanlagen. Störungen des Vogelzugs im Freiland sind aufgrund dieser Ergebnisse nicht zu erwarten. Bisher wurde dies auch nicht beobachtet, da sich Vögel auch nach Sonne, Sternen oder Landmarken orientieren können. Einigen Beobachtungstudien zufolge ist die Populationsdichte und den Bruterfolg von Vögeln in der Nähe von Mobilfunksendeanlagen geringer. Ein ursächlicher Zusammenhang ist jedoch nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Fledermäuse meiden leistungsstarke Radarsender, aber nicht Mobilfunksendeanlagen. In einigen Berichten wird behauptet, dass hochfrequente Felder von Mobilfunksendeanlagen landwirtschaftlichen Nutztieren schaden. In der wissenschaftlichen Literatur ergibt sich diesbezüglich jedoch kein schlüssiges Bild. Ein ursächlicher Zusammenhang wurde nicht nachgewiesen. Ebenso wird ein solcher auch durch das Wissen über die bekannten Wirkmechanismen nicht gestützt. Hochfrequente elektromagnetische Felder können unter Laborbedingungen möglicherweise biologische Vorgänge in Pflanzen geringfügig beeinflussen. Diese Einflüsse sind mit leichten Stressreaktionen vergleichbar und können in Folge auch einen Einfluss auf das Wachstum haben. Dies ist jedoch nicht endgültig wissenschaftlich nachgewiesen. Ebenso sind etwaige Wirkmechanismen unbekannt. Vereinzelt wurden vermehrt Baumschäden in der Umgebung von Mobilfunkbasisstationen berichtet. Wegen fehlender Zufallsauswahl und fehlender Berücksichtigung von bekannten anderen Einflussfaktoren sind solche Studien jedoch ungeeignet, um einen ursächlichen Zusammenhang zu untersuchen. Stand: 19.02.2026
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Language: Deutsch
Issued: 2026-02-19
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