Description: Phasen eines Notfalls Die einzelnen Phasen eines radiologischen Notfalls erfordern unterschiedliche Gegenmaßnahmen, um Mensch und Umwelt vor seinen Folgen zu schützen. Grundsätzlich wird während einer Notfallexpositionssituation zwischen einer Dringlichkeitsphase (während eines Notfalls) und einer Nachfreisetzungsphase (nach der Freisetzung von Radioaktivität ) unterschieden. Ein radiologischer Notfall lässt sich nicht nur in mögliche Szenarien , sondern auch in die möglichen Ereignis-Phasen Vorfreisetzungsphase Freisetzungsphase Frühe Nachfreisetzungsphase Späte Nachfreisetzungsphase gliedern. Die verschiedenen Notfallphasen erfordern unterschiedliche Gegenmaßnahmen, um Mensch und Umwelt vor den Folgen des radiologischen Notfalls zu schützen. Die vier Notfallphasen lassen sich in zwei Hauptphasen unterteilen: Die Dringlichkeitsphase und die Nachfreisetzungsphase. Während dieser Notfallphasen liegt eine sogenannte Notfallexpositionssituation vor. Diese kann nach Beendigung des Notfalls durch die zuständigen Behörden in eine bestehende Expositionssituation überführt werden. Die unterschiedlichen Notfall -Phasen einer Notfall -Expositionssituation sind im Allgemeinen Notfallplan des Bundes (ANoPl) verabschiedet. Dringlichkeitsphase Die Dringlichkeitsphase eines Notfalls beginnt mit der Feststellung eines Notfalls und endet mit dem Ende der Freisetzung radioaktiver Stoffe . Sie ist zu Beginn oft gekennzeichnet durch große Unsicherheiten und fehlende Informationen über die tatsächliche radiologische Lage. Sie umfasst in der Regel Stunden bis Tage. Bei Bedarf werden in dieser Phase frühe Schutzmaßnahmen ergriffen, wie zum Beispiel die Ausgabe und Einnahme von Jodtabletten , die Aufforderung zum Aufenthalt in Gebäuden oder die Evakuierung . Nachfreisetzungsphase Der Nachfreisetzungsphase werden alle Phasen während eines radiologischen Notfalls zugeordnet, die nach der Freisetzung von Radioaktivität stattfinden. Während der Nachfreisetzungsphase wird die radiologische Lage in den betroffenen Gebieten analysiert, dies geschieht vor allem durch umfassende radiologische Messungen , werden frühere Schutzmaßnahmen überprüft und ggf. angepasst, können langfristige Schutzmaßnahmen erforderlich werden, um die erhöhte Strahlenexposition der betroffenen Personen zu beenden oder zu reduzieren (wie zum Beispiel Maßnahmen im landwirtschaftlichen Bereich oder Dekontaminationsmaßnahmen) werden Maßnahmen mit dem Ziel durchgeführt, die Notfallexpositionssituation zu beenden und zum Beispiel in eine bestehende Expositionssituation zu überführen. Diese Phase kann von einigen Wochen bis hin zu Jahrzehnten andauern. Wann ist ein Notfall zu Ende und was passiert danach? Das Ende eines Notfalls wird durch Prüfung im Rahmen von wiederkehrenden Bewertungen der radiologischen Lage durch das Radiologische Lagezentrum des Bundes und/oder die Länder beschlossen. Wichtige Kriterien für die Beendigung eines Notfalls sind insbesondere dass sich die radiologische Lage im Wesentlichen stabilisiert hat, dass eine zukünftige Freisetzung ausgeschlossen werden kann und dass die notfallbedingte verbleibende effektive Dosis für die Bevölkerung unter 20 mSv im Jahr beträgt. Nach dem Ende eines Notfalls bzw. einer Notfallexpositionssituation ist der weitere Verlauf davon abhängig, ob langfristige Schutzmaßnahmen notwendig sind und wie hoch die notfallbedingte verbleibende effektive Dosis für die Bevölkerung ist: Beträgt diese Dosis unter 1 mSv im Jahr und Schutzmaßnahmen sind nicht nötig, z.B. nach einem Fehlalarm oder wenn die Gefahr einer Freisetzung durch Gegenmaßnahmen abgewendet werden konnte, kann der Notfall ohne weitere Auswirkungen für beendet erklärt werden. Beträgt diese Dosis 1-20 mSv im Jahr und sind weitere Schutzmaßnahmen nötig, wird die Notfallexpositionssituation in eine sogenannte „bestehende Expositionssituation“ überführt. Bestehende Expositionssituation Wird ein Notfall in eine bestehende Expositionssituation überführt, beträgt die notfallbedingte, verbleibende effektive Dosis für die Bevölkerung im betroffenen Gebiet zwischen 1 mSv und 20 mSv im Jahr. Bei einem schweren nuklearen Notfall mit großräumiger Kontamination der Umwelt kann diese Phase mehrere Jahre bis Jahrzehnte andauern. In dieser Phase nach dem Ende des Notfalls stehen die weitere Normalisierung der infolge der Kontamination beeinträchtigten Lebensbedingungen und der sozioökonomischen Aktivitäten im Vordergrund. In vielen Themenbereichen müssen nun komplexe Aufgaben behandelt und koordiniert werden, darunter öffentliche Gesundheit und Strahlenschutz , Kontinuität der wirtschaftlichen und sozialen Aktivitäten , langfristige Einschränkungen für die Nutzung von Lebensmitteln, Dekontaminationsmaßnahmen und die Abfallwirtschaft. Ein wichtiger Bestandteil ist auch die offene Kommunikation mit der betroffenen Bevölkerung und Miteinbeziehung von Stakeholdern in Entscheidungsprozesse. Analog zu dem Allgemeinen Notfallplan des Bundes muss vor dem Übergang in eine bestehende Expositionssituation ein Plan des Bundes zum Schutz der Bevölkerung in der nach dem Notfall bestehenden Expositionssituation verabschiedet werden. Medien zum Thema Mehr aus der Mediathek Strahlenschutz im Notfall Auch nach dem Ausstieg Deutschlands aus der Kernkraft brauchen wir einen starken Notfallschutz. Wie das funktioniert, erklärt das BfS in der Mediathek. Stand: 14.04.2026
Tags: Äquivalentdosis ? Deutschland ? Gebäude ? Strahlenexposition ? Strahlenschutz ? Umweltverschmutzung ? Abfallwirtschaft ? Dekontamination ? Notfallplan ? Radioaktiver Stoff ? Öffentliche Gesundheit ? Atomausstieg ? Lebensmittel ? Radioaktivität ?
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Language: Deutsch
Issued: 2026-04-14
Last harvest: 11.05.2026 23:50
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