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Dual-Röntgen-Absorptiometrie zur Früherkennung der primären Osteoporose : Wissenschaftliche Bewertung des Bundesamtes für Strahlenschutz gemäß § 84 Absatz 3 Strahlenschutzgesetz

Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung, welche in erster Linie durch eine niedrige Knochenmasse und eine mikroarchitektonische Verschlechterung des Knochengewebes charakterisiert ist. Als Risikofaktoren der primären Osteoporose gelten unter anderem ein fortgeschrittenes Lebensalter, weibliches Geschlecht, frühe Menopause der Frau, positive Familienanamnese, niedriges Körpergewicht, geringe körperliche Aktivität und Kalzium- und Vitamin-D-Mangel. Eine geringe Knochendichte allein verursacht keine klinischen Beschwerden – diese treten erst durch Knochenbrüche (Frakturen) auf, typischerweise in Form von Hüft-, Wirbelkörper- und/oder Ober-/Unterarmfrakturen. Vor dem Auftreten von Frakturen kann die Osteoporose mittels Knochendichtemessung mit Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA) erkannt werden. Für das Screening mit einer einmaligen DXA zeigt sich auf Grundlage schwacher Evidenz für Frauen im Alter von 65-90 Jahre mit mindestens einem Risikofaktor oder einem hohen 10-Jahres-Risiko mittels FRAX® und einer Nachbeobachtungsdauer von drei bis fünf Jahren eine Reduktion des Risikos für Hüftfrakturen. Eine DXA-Messung geht mit einer sehr geringen Strahlenexposition einher (effektive Dosis < 0,01 mSv). Das damit verbundene Strahlenrisiko ist vernachlässigbar. Insgesamt kann von einem ausreichend hohen Nutzen-Risiko-Verhältnis ausgegangen werden. Die Durchführung der DXA zur Früherkennung einer Osteoporose bei Frauen ab 65 Jahren, die ein 10-Jahres-Risiko mittels FRAX® für schwere osteoporotische Frakturen von ≥ 15 % aufweisen, ist aus Perspektive des Strahlenschutzes gerechtfertigt. Da der FRAX® das Frakturrisiko über einen Zeithorizont von 10 Jahren abbildet, sollte bei unveränderten Risikofaktoren eine erneute Durchführung der Früherkennungs¬unter¬suchung frühestens nach Ablauf dieses Zeitraums in Betracht gezogen werden.

Röntgendiagnostik: Häufigkeit und Strahlenexposition für die deutsche Bevölkerung

Röntgendiagnostik: Häufigkeit und Strahlenexposition für die deutsche Bevölkerung Das BfS schätzt, wie viele Röntgenuntersuchungen in Deutschland durchgeführt werden und wie hoch die daraus resultierende Strahlenexposition für die Bevölkerung ist. Diese Daten werden für jedes Kalenderjahr erhoben und mindestens alle zwei Jahre ausgewertet und bewertet. Für das Jahr 2023 wurde für Deutschland eine Gesamtzahl von etwa 125 Millionen Röntgenanwendungen abgeschätzt, gut 40 Prozent davon allein im zahnmedizinischen Bereich. Jede Röntgenuntersuchung ist mit einem gewissen – wenn auch geringen – Strahlenrisiko verbunden. Daher wird regelmäßig abgeschätzt, wie viele Untersuchungen durchgeführt werden und wie hoch die daraus resultierende Strahlenexposition für die deutsche Bevölkerung ist. Diese Daten werden für jedes Kalenderjahr erhoben, ausgewertet und bewertet, um auch zeitliche Trends erkennen zu können. Die Auswertungen erfolgen mindestens alle zwei Jahre. Wie wird die Häufigkeit von Röntgenuntersuchungen abgeschätzt? Ärztliche Leistungen werden über spezielle Gebührenziffern abgerechnet, die die ärztlichen Maßnahmen und damit auch die hier interessierenden radiologischen Maßnahmen beschreiben. Da ca. 98 % der deutschen Bevölkerung gesetzlich oder privat krankenversichert sind, kann die Häufigkeit röntgendiagnostischer Untersuchungen gut mithilfe dieser Gebührenziffern abgeschätzt werden. Diese werden dem BfS für den ambulanten Bereich regelmäßig von der kassenärztlichen beziehungsweise kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung sowie dem Verband der privaten Krankenversicherung zur Verfügung gestellt. Für den stationären Bereich stehen dem BfS zu zahlreichen Röntgenuntersuchungen, insbesondere zu dosisintensiveren Verfahren wie der Computertomographie ( CT ), verlässliche Daten des Statistischen Bundesamtes zur Verfügung. Darüber hinaus gehen hier die Ergebnisse eines Ressortforschungsvorhabens ein. Wie wird die Strahlenexposition durch Röntgendiagnostik abgeschätzt? Für die Abschätzung der kollektiven effektiven Dosis (Kollektivdosis) werden für die verschiedenen Untersuchungsarten jeweils die Produkte von Untersuchungshäufigkeit und einem repräsentativen Schätzwert für die mittlere effektive Dosis dieser Untersuchungsart ermittelt und über alle Untersuchungsarten aufsummiert. Mithilfe jährlicher Bevölkerungszahlen wird die mittlere effektive Dosis pro Einwohner und Jahr berechnet. Abbildung 1: Häufigkeit von Röntgenuntersuchungen in Deutschland Ergebnisse der aktuellen Auswertung Häufigkeit Für das Jahr 2023 wurde für Deutschland eine Gesamtzahl von etwa 125 Millionen Röntgenanwendungen abgeschätzt (ohne zahnmedizinischen Bereich etwa 80 Mio. ). Die Anzahl von Röntgenuntersuchungen in Deutschland lag zwischen 2016 und 2023 im Mittel bei ca. 1,5 pro Einwohner und Jahr (siehe Abbildung 1). Etwa 80 % aller Röntgenmaßnahmen werden im ambulanten Bereich durchgeführt und hiervon ca. 90 % bei Kassenpatienten, wobei es sich im ambulanten Bereich vorwiegend um konventionelle Röntgenaufnahmen handelt. Die Gesamthäufigkeit von Röntgenanwendungen verlief zwischen 2016 und 2023 leicht abnehmend. Auffallend ist ein durch die COVID-19-Pandemie bedingter Rückgang der Häufigkeit in 2020 mit anschließendem Wiederanstieg in 2021. Konventionelle Röntgenaufnahmen Abbildung 2: Prozentualer Anteil der verschiedenen Untersuchungsarten an der Gesamthäufigkeit (links) und an der kollektiven effektiven Dosis (rechts) für das Jahr 2023 Etwa 40 % aller Röntgenuntersuchungen im Jahr 2023 wurden in der Zahnmedizin (inklusive Kieferorthopädie) durchgeführt (siehe Abbildung 2). Neben den zahnmedizinischen Untersuchungen entfiel der größte Teil aller Röntgenuntersuchungen auf das Skelett (das heißt Schädel, Schultergürtel, Wirbelsäule, Beckengürtel, Extremitäten) und auf den Brustkorb (Thorax). Die Anzahl der meisten konventionellen Röntgenuntersuchungen, z.B. von Schädel, Thorax und Wirbelsäule, hat in den letzten 15 Jahren deutlich abgenommen. Die Häufigkeit von Mammographien nahm infolge der Einführung des Deutschen Mammographie-Screening-Programms zwischen 2007 und 2009 um 35 % zu und ist – nach anschließender geringfügiger Abnahme – ab 2011 weitgehend konstant (Ausnahme: Pandemie-bedingter Rückgang in 2020). Computertomographie ( CT ) Die Häufigkeit von CT -Untersuchungen hat zwischen 2016 und 2023 um ca. 25 % zugenommen (siehe Abbildung 1). Etwa die Hälfte aller CT -Untersuchungen werden bei stationären Patienten und Patientinnen durchgeführt. Eine Zunahme der Untersuchungshäufigkeit ist übrigens auch bei der Magnetresonanztomographie ( MRT ) , also einem Schnittbildverfahren, das keine ionisierende Strahlung verwendet, zu verzeichnen. Dosis Abbildung 3: Mittlere effektive Dosis (in mSv) pro Einwohner und Jahr durch Röntgenuntersuchungen in Deutschland Die mittlere effektive Dosis infolge von Röntgenanwendungen in Deutschland pro Einwohner beläuft sich für das Jahr 2023 auf 1,5 Millisievert ( mSv ) (siehe Abbildung 3). Die mittlere effektive Dosis durch CT -Untersuchungen pro Einwohner und Jahr hat im betrachteten Zeitraum zugenommen, wobei dieser Anstieg wegen der über die Jahre abnehmenden Dosis pro CT -Untersuchung moderater ausfällt als die zugehörige Zunahme der CT -Häufigkeit. Bei den restlichen Untersuchungsverfahren nimmt die jährliche Pro-Kopf- Dosis über den Zeitraum 2016 bis 2023 dagegen ab (siehe Abbildung 3). Im kassenärztlichen ambulanten Bereich hat sich die Pro-Kopf- Dosis durch konventionelle Röntgenuntersuchungen in den letzten 15 Jahren nahezu halbiert. Erwartungsgemäß ist der relative Anteil konventioneller Röntgenuntersuchungen an der kollektiven effektiven Dosis eher gering. Beispielsweise beträgt dieser für Untersuchungen des Skelettsystems nur etwa 5 % , obgleich der Anteil an der Häufigkeit bei ca. einem Viertel liegt. CT -Untersuchungen sowie die ebenfalls dosisintensiven Angiographien und interventionellen Maßnahmen der Blutgefäße tragen zwar lediglich ca. 15 % zur Gesamthäufigkeit bei, ihr Anteil an der kollektiven effektiven Dosis betrug im Jahr 2023 jedoch beinahe 90 % (siehe Abbildung 2). Stand: 02.12.2025

Induktion von Chromosomenaberrationen in menschlichen Lymphozyten durch ionisierende Strahlen ('biologische Dosimetrie') und Radiomimetika

Entnimmt man einer strahlenexponierten Person Blut, so laesst sich nach Kultivierung der Lymphozyten die Haeufigkeit bestimmter Chromosomenmutationen (dizentrische Chromosomen, Ringchromosomen) ermitteln, die durch die Strahlung induziert worden waren. Mit Hilfe von 'Eichkurven', die die Abhaengigkeit der Zahl der Aberrationen pro Zeile von der Strahlendosis wiedergeben, kann man die empfangene Dosis als 'Ganzkoerperaequivalentdosis' abschaetzen. Bei sehr niedrigen Dosen begnuegt man sich mit dem Nachweis einer statistisch signifikanten Erhoehung der Kontrollrate. Untersuchter Personenkreis: beruflich exponierte Personen, Strahlenunfallopfer, bestrahlte Patienten. Die Methode soll weiterentwickelt werden durch a) 'Semiautomatisierung' der mikroskopischen Auswertung, b) Ausarbeitung adaequater statistischer Verfahren. Diese strahlenbiologischen Untersuchungen werden ergaenzt durch Untersuchungen zur Induktion von Chromosomenaberrationen in menschlichen Lymphozyten durch Radiomimetika (z.B. Bleomycin, Phleomycin).

Neuberechnung der Anlage IV der Strahlenschutzverordnung

Berechnung der 50-Jahre-Folgeaequivalentdosis fuer Organe und Gewebe, der effektiven Aequivalentdosis und der daraus resultierenden Grenzwerte der Jahresaktivitaetszufuhr fuer beruflich strahlenexponierte Personen. Ueberpruefung der metabolischen Daten, die in der Publikation ICRP 30 vorgeschlagen werden und eventuelle Unterbreitung eines Vorschlages. Vergleichsrechnungen mit alternativen metabolischen Daten. Sensitivitaetsanalyse fuer ausgewaehlte Verbindungen. Untersuchung der Relevanz kritischer Einwaende gegen die Anwendung des ICRP 30 Konzepts. Modellberechnungen der normierten Dosisleistung bei externer Bestrahlung.

Weiterentwicklung vom ARTM zur realistischeren Berechnung der effektiven Dosis bezüglich Gammasubmersion, Radon-222 Folgeprodukte und Resuspension

Luminescence dating of sediment samples from NEP 1 and NEP 3, Nördlingen, southern Germany

We established a luminescence based chronology by dating 7 samples collected from profiles NEP 1 and NEP 3. The methods allows to determine the last sunlight exposure of sediment grains (commonly quartz and feldspar). All measurements were conducted in the luminescence laboratory within the Geo-and Environmental research center in Tübingen. We used a so called pIR150 protocol on polyminerals. The results point to various periods of deposition between approximately 1-8 ka.

Dosiskoeffizienten zur Berechnung der Strahlenexposition

Dosiskoeffizienten zur Berechnung der Strahlenexposition Die Strahlenschutzverordnung ( StrlSchV ) legt zur Begrenzung der Strahlenexposition der Bevölkerung im Alltag und bei der Berufsausübung Dosisgrenzwerte und Richtwerte fest. Zur Berechnung der Strahlenexposition dienen die Dosiskoeffizienten. Die Bekanntmachung der Dosiskoeffizienten erfolgte in der Beilage 160 a und b zum Bundesanzeiger vom 28. August 2001. Sie finden die Dosiskoeffizienten auf der Internetseite des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung im Handbuch Reaktorsicherheit und Strahlenschutz . Hinweis: Die Urheberrechte dieser Dosiskoeffizienten liegen bei der ICRP (International Commission on Radiological Protection, Internationale Strahlenschutzkommission ). Zusätzlich hat das Bundesamt für Strahlenschutz weitere Dosiskoeffizienten erstellt: Dosiskoeffizienten für beruflich exponierte Personen für die Abschätzung der effektiven Dosis für das ungeborene Kind nach Inkorporation von Radionukliden durch die Mutter Dosiskoeffizienten für Einzelpersonen der Bevölkerung für die Abschätzung der effektiven Dosis für das ungeborene Kind nach Inkorporation von Radionukliden durch die Mutter Erläuterungen und Rechenbeispiele unterstützen beim Umgang mit den Dosiskoeffizienten. Stand: 05.05.2026

Phasen eines Notfalls

Phasen eines Notfalls Die einzelnen Phasen eines radiologischen Notfalls erfordern unterschiedliche Gegenmaßnahmen, um Mensch und Umwelt vor seinen Folgen zu schützen. Grundsätzlich wird während einer Notfallexpositionssituation zwischen einer Dringlichkeitsphase (während eines Notfalls) und einer Nachfreisetzungsphase (nach der Freisetzung von Radioaktivität ) unterschieden. Ein radiologischer Notfall lässt sich nicht nur in mögliche Szenarien , sondern auch in die möglichen Ereignis-Phasen Vorfreisetzungsphase Freisetzungsphase Frühe Nachfreisetzungsphase Späte Nachfreisetzungsphase gliedern. Die verschiedenen Notfallphasen erfordern unterschiedliche Gegenmaßnahmen, um Mensch und Umwelt vor den Folgen des radiologischen Notfalls zu schützen. Die vier Notfallphasen lassen sich in zwei Hauptphasen unterteilen: Die Dringlichkeitsphase und die Nachfreisetzungsphase. Während dieser Notfallphasen liegt eine sogenannte Notfallexpositionssituation vor. Diese kann nach Beendigung des Notfalls durch die zuständigen Behörden in eine bestehende Expositionssituation überführt werden. Die unterschiedlichen Notfall -Phasen einer Notfall -Expositionssituation sind im Allgemeinen Notfallplan des Bundes (ANoPl) verabschiedet. Dringlichkeitsphase Die Dringlichkeitsphase eines Notfalls beginnt mit der Feststellung eines Notfalls und endet mit dem Ende der Freisetzung radioaktiver Stoffe . Sie ist zu Beginn oft gekennzeichnet durch große Unsicherheiten und fehlende Informationen über die tatsächliche radiologische Lage. Sie umfasst in der Regel Stunden bis Tage. Bei Bedarf werden in dieser Phase frühe Schutzmaßnahmen ergriffen, wie zum Beispiel die Ausgabe und Einnahme von Jodtabletten , die Aufforderung zum Aufenthalt in Gebäuden oder die Evakuierung . Nachfreisetzungsphase Der Nachfreisetzungsphase werden alle Phasen während eines radiologischen Notfalls zugeordnet, die nach der Freisetzung von Radioaktivität stattfinden. Während der Nachfreisetzungsphase wird die radiologische Lage in den betroffenen Gebieten analysiert, dies geschieht vor allem durch umfassende radiologische Messungen , werden frühere Schutzmaßnahmen überprüft und ggf. angepasst, können langfristige Schutzmaßnahmen erforderlich werden, um die erhöhte Strahlenexposition der betroffenen Personen zu beenden oder zu reduzieren (wie zum Beispiel Maßnahmen im landwirtschaftlichen Bereich oder Dekontaminationsmaßnahmen) werden Maßnahmen mit dem Ziel durchgeführt, die Notfallexpositionssituation zu beenden und zum Beispiel in eine bestehende Expositionssituation zu überführen. Diese Phase kann von einigen Wochen bis hin zu Jahrzehnten andauern. Wann ist ein Notfall zu Ende und was passiert danach? Das Ende eines Notfalls wird durch Prüfung im Rahmen von wiederkehrenden Bewertungen der radiologischen Lage durch das Radiologische Lagezentrum des Bundes und/oder die Länder beschlossen. Wichtige Kriterien für die Beendigung eines Notfalls sind insbesondere dass sich die radiologische Lage im Wesentlichen stabilisiert hat, dass eine zukünftige Freisetzung ausgeschlossen werden kann und dass die notfallbedingte verbleibende effektive Dosis für die Bevölkerung unter 20 mSv im Jahr beträgt. Nach dem Ende eines Notfalls bzw. einer Notfallexpositionssituation ist der weitere Verlauf davon abhängig, ob langfristige Schutzmaßnahmen notwendig sind und wie hoch die notfallbedingte verbleibende effektive Dosis für die Bevölkerung ist: Beträgt diese Dosis unter 1 mSv im Jahr und Schutzmaßnahmen sind nicht nötig, z.B. nach einem Fehlalarm oder wenn die Gefahr einer Freisetzung durch Gegenmaßnahmen abgewendet werden konnte, kann der Notfall ohne weitere Auswirkungen für beendet erklärt werden. Beträgt diese Dosis 1-20 mSv im Jahr und sind weitere Schutzmaßnahmen nötig, wird die Notfallexpositionssituation in eine sogenannte „bestehende Expositionssituation“ überführt. Bestehende Expositionssituation Wird ein Notfall in eine bestehende Expositionssituation überführt, beträgt die notfallbedingte, verbleibende effektive Dosis für die Bevölkerung im betroffenen Gebiet zwischen 1 mSv und 20 mSv im Jahr. Bei einem schweren nuklearen Notfall mit großräumiger Kontamination der Umwelt kann diese Phase mehrere Jahre bis Jahrzehnte andauern. In dieser Phase nach dem Ende des Notfalls stehen die weitere Normalisierung der infolge der Kontamination beeinträchtigten Lebensbedingungen und der sozioökonomischen Aktivitäten im Vordergrund. In vielen Themenbereichen müssen nun komplexe Aufgaben behandelt und koordiniert werden, darunter öffentliche Gesundheit und Strahlenschutz , Kontinuität der wirtschaftlichen und sozialen Aktivitäten , langfristige Einschränkungen für die Nutzung von Lebensmitteln, Dekontaminationsmaßnahmen und die Abfallwirtschaft. Ein wichtiger Bestandteil ist auch die offene Kommunikation mit der betroffenen Bevölkerung und Miteinbeziehung von Stakeholdern in Entscheidungsprozesse. Analog zu dem Allgemeinen Notfallplan des Bundes muss vor dem Übergang in eine bestehende Expositionssituation ein Plan des Bundes zum Schutz der Bevölkerung in der nach dem Notfall bestehenden Expositionssituation verabschiedet werden. Medien zum Thema Mehr aus der Mediathek Strahlenschutz im Notfall Auch nach dem Ausstieg Deutschlands aus der Kernkraft brauchen wir einen starken Notfallschutz. Wie das funktioniert, erklärt das BfS in der Mediathek. Stand: 14.04.2026

Notfall-Dosiswerte

Notfall-Dosiswerte Notfall -Dosiswerte geben an, ab welcher zu erwartenden Strahlenbelastung des Menschen in einem radiologischen Notfall welche Schutzmaßnahmen ergriffen werden sollten. Für die Schutzmaßnahmen "Aufenthalt von Menschen in Gebäuden" bzw. "Evakuierung" ist der Notfall -Dosiswert eine effektive Dosis von 10 bzw. 100 Millisievert innerhalb von 7 Tagen. Für die Schutzmaßnahme "Einnahme von Jodtabletten" ist der Notfall -Dosiswert eine Organdosis der Schilddrüse von 50 Millisievert für Kinder bis 18 Jahren und Schwangere bzw. 250 Millisievert für Personen von 18 bis 45 Jahren innerhalb von 7 Tagen. Um in einem radiologischen Notfall schnell und angemessen handeln zu können, ist es notwendig, vorab festzulegen, ab welcher zu erwartenden Strahlenbelastung des Menschen Maßnahmen ergriffen werden sollten. Daher gibt es " Notfall -Dosiswerte" – das sind Dosiswerte, bei deren Überschreitung gehandelt wird, damit Mensch und Umwelt in einem radiologischen Notfall so wenig ionisierender Strahlung wie möglich ausgesetzt sind. Sie sind in der Notfall-Dosiswerte-Verordnung festgelegt. Als Bewertungsmaßstab dient die Dosis der Strahlung . Sie gibt an, wieviel Strahlung ein Mensch – im Verhältnis zu seiner Masse - aufgenommen hat. Notfall -Dosiswerte werden in der Einheit Millisievert ( mSv ) angegeben. Dosiswerte lassen sich vor bzw. während einer Freisetzung von Radioaktivität durch Prognosen abschätzen. Die Prognosen helfen, rechtzeitig auf drohende Freisetzungen von Radioaktivität zu reagieren und bestmögliche Schutzmaßnahmen zu starten. Das BfS betreibt hierfür das Entscheidungshilfesystem RODOS . Wird Radioaktivität bereits freigesetzt, können aktuelle radiologische Umwelt-Messdaten die vorab prognostizierten Dosiswerte präzisieren. Dabei helfen auch Messungen an Menschen , die in einem radiologischen Notfall Strahlung ausgesetzt waren. Wozu braucht man Notfall-Dosiswerte? In einem radiologischen Notfall gibt es unterschiedliche frühe Schutzmaßnahmen: die Evakuierung von Menschen, der Aufenthalt von Menschen in Gebäuden und die Einnahme von Jodtabletten . Feste Notfall -Dosiswerte geben an, ab wann welche Maßnahme aus Strahlenschutzgründen durchgeführt werden soll. Dabei spielen für unterschiedliche frühe Schutzmaßnahmen auch unterschiedliche Dosis -Arten eine Rolle: Für die Einnahme von hochdosierten Jodtabletten ist nur die Organdosis der Schilddrüse relevant. Das ist die Dosis , die nur auf die Schilddrüse wirkt. Damit in einem radiologischen Notfall die Schilddrüse kein radioaktives Jod aufnehmen kann, sollen hochdosierte Jodtabletten die Schilddrüse vorher mit nicht-radioaktivem Jod sättigen. Der Notfall -Dosiswert für diese Maßnahme ist daher ein Organdosiswert für die Schilddrüse. Für die Notfall -Dosiswerte der Maßnahmen " Evakuierung " und " Aufenthalt von Menschen in Gebäuden " wird die effektive Dosis als Maß genommen. Die effektive Dosis ist die Summe aller Organdosen, beschreibt also die Wirkung der Strahlung auf den gesamten Körper. Notfall -Dosiswerte dienen als Maßstab dafür, wann aus Sicht des Strahlenschutzes bestimmte Schutzmaßnahmen gerechtfertigt sein können. Bei einer Entscheidung über solche Maßnahmen müssen aber noch weitere Aspekte berücksichtigt werden, wie zum Beispiel, ob die Maßnahme durchführbar ist und welche zusätzlichen Risiken ( z. B. bei der Evakuierung von Krankenhäusern) dabei entstehen. Wird ein Notfall -Dosiswert überschritten, löst dies daher nicht automatisch eine Maßnahme aus. Liegen die Dosiswerte unterhalb des jeweiligen Notfall -Dosiswertes, sind die frühe Schutzmaßnahmen unter dem Aspekt der Verhältnismäßigkeit zu erörtern. Die Strahlenbelastung der Menschen soll in jedem Fall so gering wie vernünftigerweise erreichbar gehalten werden. Notfall-Dosiswerte im Überblick Maßnahme zum Schutz vor Katastrophen Organdosis (Schilddrüse) Effektive Dosis Integrationszeiten und Expositionspfade Aufenthalt von Menschen in Gebäuden 10 Millisievert Äußere Strahlenexposition in 7 Tagen und effektive Folgedosis durch in diesem Zeitraum inhalierte Radionuklide Einnahme von Jodtabletten 50 Millisievert (Kinder bis zu 18 Jahren sowie Schwangere) 250 Millisievert (Personen von 18 bis 45 Jahren) Im Zeitraum von 7 Tagen inhaliertes radioaktives Jod einschließlich der Folge- Äquivalentdosis Evakuierung 100 Millisievert Äußere Strahlenexposition in 7 Tagen und effektive Folgedosis durch in diesem Zeitraum inhalierte Radionuklide Katastrophenschutzmaßnahmen Aufenthalt von Menschen in Gebäuden / Evakuierung Einnahme von Jodtabletten Aufenthalt von Menschen in Gebäuden / Evakuierung Maßnahmen "Aufenthalt von Menschen in Gebäuden" und "Evakuierung" Für die frühe Schutzmaßnahme "Aufenthalt von Menschen in Gebäuden" ist der Notfall-Dosiswert eine effektive Dosis von 10 Millisievert ; für die frühe Schutzmaßnahme "Evakuierung" ist der Notfall-Dosiswert eine effektive Dosis von 100 Millisievert . Diese effektive Dosis setzt sich zusammen aus der Dosis , die ein Erwachsener erhalten würde, wenn er sich während des Unfalls 7 Tage durchgehend im Freien aufhalten würde: dabei wirkt sowohl die Strahlung von außen ("äußere Exposition ") als auch die Strahlung durch eingeatmete radioaktive Teilchen ("innere Exposition "), und der Dosis , die dieser Erwachsene aus der in den folgenden Monaten und Jahren aus den radioaktiven Teilchen abgegebenen Strahlung erhalten würde, die über die Atmung in diesen 7 Tagen in den Körper aufgenommen und nicht gleich wieder ausgeschieden wurde (effektive Folgedosis). Manche radioaktiven Teilchen verbleiben nur kurz im Körper und werden über den Stoffwechsel schnell ausgeschieden, andere werden in die Knochen eingebaut und verbleiben dort bis sie zerfallen. Je nach Halbwertszeit des jeweiligen Radionuklids vergehen bis zum Zerfall Sekunden bis Jahrzehnte. Einnahme von Jodtabletten Maßnahme "Einnahme von Jodtabletten" Für die frühe Schutzmaßnahme "Einnahme von Jodtabletten" ist der Notfall -Dosiswert für Kinder bis 18 Jahren und Schwangere eine Organdosis der Schilddrüse von 50 Millisievert sowie für Erwachsene zwischen 18 und 45 Jahren eine Organdosis der Schilddrüse von 250 Millisievert . Die Organdosis setzt sich zusammen aus der Dosis des eingeatmeten ("inhalierten") radioaktiven Jod ( Radiojod ), wenn man sich während einer Freisetzung von Radioaktivität 7 Tage lang durchgehend im Freien aufhalten würde, und der Dosis , die aus der Strahlung des in der Schilddrüse eingelagerten Jods in den folgenden Monaten resultieren würde (das langlebigste Jod-Isotop Jod-131 hat eine Halbwertszeit von 8 Tagen und ist zu 99,9 % nach 80 Tagen zerfallen). Über 45-Jährige sollten von einer Einnahme der Jodtabletten absehen, da mit steigendem Alter häufiger Stoffwechselstörungen der Schilddrüse auftreten. Dadurch erhöht sich die Gefahr von Nebenwirkungen einer Jodblockade. Zudem nimmt mit steigendem Alter die Wahrscheinlichkeit stark ab, an durch ionisierende Strahlung verursachtem Schilddrüsenkrebs zu erkranken. Medien zum Thema Mehr aus der Mediathek Strahlenschutz im Notfall Auch nach dem Ausstieg Deutschlands aus der Kernkraft brauchen wir einen starken Notfallschutz. Wie das funktioniert, erklärt das BfS in der Mediathek. Stand: 08.04.2026

Gesundheitliche Folgen des Unfalls von Tschornobyl in der ehemaligen Sowjetunion

Gesundheitliche Folgen des Unfalls von Tschornobyl in der ehemaligen Sowjetunion Durch den Reaktorunfall von Tschornobyl (russ.: Tschernobyl) erhielten insbesondere Notfallhelfer*innen und Aufräumarbeiter*innen (sogenannte Liquidator*innen) hohe Strahlendosen. Auch die Bevölkerung in der Nähe war z.T. einer hohen Strahlendosis ausgesetzt. 28 Notfallhelfer*innen starben in Folge eines akuten Strahlensyndroms. Ein Anstieg von Schilddrüsenkrebserkrankungen ist auf die Strahlung zurückzuführen. Die gesundheitlichen Folgen werden bis heute untersucht. Blumen am Denkmal für die Feuerwehrleute von Tschornobyl Die gesundheitlichen Folgen des Reaktorunglücks von Tschornobyl wurden in zahlreichen Publikationen untersucht. Wichtige Zusammenfassungen dieser Erkenntnisse liefern u.a. die Berichte vom Wissenschaftlichen Komitee über die Effekte der atomaren Strahlung der Vereinten Nationen (United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation, UNSCEAR ) und des Tschernobyl-Forums . Das Tschernobyl-Forum war eine Arbeitsgruppe der Internationalen Atomenergie-Organisation (International Atomic Energy Agency, IAEA ), der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organisation, WHO ), mehrerer UN -Organisationen und der Regierungen von Russland, Belarus und der Ukraine, die zwischen 2003 und 2005 die wissenschaftliche Aufarbeitung der Folgen des Reaktorunfalls für Mensch und Umwelt vorantrieb. Bei der Untersuchung werden oftmals folgende Personengruppen unterschieden: Notfallhelfer*innen und Liquidator*innen Am Tag des Reaktorunfalls, dem 26. April 1986, waren rund 600 Notfallhelfer*innen ( z. B. Werksangehörige, Feuerwehrleute und Rettungskräfte) an dem Kraftwerk tätig. In den Jahren 1986 und 1987 waren über 240.000 Personen als Aufräumarbeiter*innen (sogenannte Liquidator*innen) im Umkreis von 30 Kilometern um das Kraftwerk eingesetzt. Weitere Aufräumarbeiten wurden bis etwa 1990 durchgeführt. Die Gesamtzahl der für den Einsatz registrierten Liquidator*innen betrug etwa 600.000. Bevölkerung 1986 wurden etwa 116.000 Bewohner*innen aus der unmittelbaren Umgebung des Unfallreaktors evakuiert (im Umkreis von 30 Kilometern um das Kraftwerk und in weiteren Gebieten mit gemessenen Ortsdosisleistungen von mehr als 0,2 Millisievert pro Stunde). In den Folgejahren waren es zusätzlich etwa 220.000 Personen. Im Jahr 2006 lebten noch etwa 6 Millionen Menschen in den "kontaminierten Gebieten". Als "kontaminiert" gelten dabei die Gebiete der ehemaligen Sowjetunion, die am Boden Cäsium-137 -Konzentrationen von mehr als 37.000 Becquerel pro Quadratmeter aufwiesen. Auch die damals in der Ukraine, Belarus und in den 19 "betroffenen Oblasten" (Verwaltungsbezirke) in Russland lebenden 98 Millionen Menschen wurden bei der Untersuchung der gesundheitlichen Folgen betrachtet. Als "betroffen" gelten dabei die Oblaste von Russland, die kontaminierte Gebiete enthielten. Akute gesundheitliche Folgen Zwei Werksmitarbeiter starben unmittelbar an den schweren Verletzungen durch die Explosion des Reaktors. 134 Notfallhelfer*innen erlitten ein akutes Strahlensyndrom . Davon starben 28 innerhalb von vier Monaten nach dem Unfall. Ihr Tod ist auf die hohen Strahlendosen zurückzuführen. Weitere 19 Personen mit einem akuten Strahlensyndrom starben in den Folgejahren (1987 - 2004). Ihr Tod steht möglicherweise auch im Zusammenhang mit den Strahlendosen nach dem Unfall. Für die Überlebenden des akuten Strahlensyndroms sind Hautverletzungen und später auftretende, strahleninduzierte Katarakte , also eine Trübung der Augenlinse oder Grauer Star, die schwerwiegendsten gesundheitlichen Schäden. Die 134 Personen mit akutem Strahlensyndrom erhielten Ganzkörperdosen durch externe Gammastrahlung von 0,8 bis 16 Gray . Manche erhielten zudem durch Betastrahlung Hautdosen von 400 bis 500 Gray , die zu schweren Verbrennungen führten. Die meisten der Verstorbenen starben an Infektionen infolge der Verbrennungen. 13 Personen mit einem akuten Strahlensyndrom wurden mit einer Knochenmarktransplantation behandelt. Nur eine der behandelten Personen überlebte. Bei den Liquidator*innen und in der Bevölkerung wurden nach den vorliegenden Berichten keine akuten Strahlenschäden beobachtet. Später auftretende gesundheitliche Folgen In Folge des Reaktorunfalls erhielten die Liquidator*innen und die im Umkreis lebende Bevölkerung erhöhte Strahlendosen, die zu später auftretenden Strahlenschäden geführt haben können bzw. in Zukunft immer noch führen können. Die Höhe der Strahlendosen kann sich stark unterscheiden: Liquidator*innen erhielten in Folge ihrer Aufräumarbeiten im Zeitraum von 1986 bis 1990 im Mittel eine zusätzliche effektive Dosis von 120 Millisievert . Die Dosiswerte variierten von weniger als 10 bis mehr als 1000 Millisievert . Für 85% von ihnen lag sie im Bereich von 20 bis 500 Millisievert . Evakuierten Personen erhielten im Mittel eine zusätzliche effektive Dosis von 33 Millisievert . 6 Millionen Menschen in den kontaminierten Gebieten erhielten im Zeitraum von 1986 bis 2005 eine effektive Dosis von durchschnittlich 9 Millisievert . Bei 70% der Menschen lag die zusätzliche effektive Dosis unter 1 Millisievert , bei 20% zwischen 1 und 2 Millisievert , bei 2,5% lag die effektive Dosis über 50 Millisievert . 98 Millionen Menschen auf dem Gebiet der Ukraine, Belarus und den 19 betroffenen Oblasten in Russland erhielten im Mittel eine vergleichsweise geringe zusätzliche effektive Dosis (im Zeitraum von1986 bis 2005) von insgesamt 1,3 Millisievert . Zum Vergleich: Auf dem Gebiet der Ukraine, Belarus und den 19 betroffenen Oblasten in Russland wurde für denselben Zeitraum eine Hintergrundstrahlung von 50 Millisievert geschätzt. Die ermittelten zusätzlichen effektiven Dosen stellen damit in Teilen eine deutliche Erhöhung gegenüber der Hintergrundstrahlung dar. Wie viele Menschen wegen der erhöhten Strahlendosen in Folge des Reaktorunfalls erkrankten oder starben, lässt sich nicht genau angeben. Das Tschernobyl-Forum schätzte 2005, dass ungefähr 4.000 Todesfälle auf die zusätzlichen Strahlendosen zurückzuführen sind. Medien zum Thema Mehr aus der Mediathek Tschornobyl (russ. Tschernobyl) Was geschah beim Reaktorunfall 1986 in Tschornobyl? In Videos berichten Zeitzeugen. Broschüren und Bilder zeigen die weitere Entwicklung. Stand: 11.03.2026

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