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Entstehungsursachen allergischer und nicht-allergischer Dermatosen bei Berufsanfaengern im Friseur-, Krankenpflege- und Metallhandwerk unter besonderer Beruecksichtigung endogener Risikofaktoren

Im abgeschlossenen Projekt F0054 'Haeufigkeit atopischer Stigmata und deren diagnostische Relevanz bei atopischen Ekzemen' wurde ein Atopie-Score entwickelt, mit dem standardisiert und reproduzierbar die Auspraegung einer Atopie anhand anamestischen, klinischen und laborchemischen Kriterien diagnostiziert werden kann. - Ziel: Validierung des Atopie-Score durch eine Feldstudie; neue Erkenntnisse zum Zusammenwirken von endogenen und exogenen Risikofaktoren bei der Entstehung von Berufsekzemen und Allergien. - Methodik: Prospektive epidemiologische Studie; Untersuchung von Berufsanfaengern in besonders hautbelastenden Berufen (Friseur, Krankenpflege, Metallberufe) zu Beginn der Ausbildung (insbesondere endogene Risikofaktoren) und anschliessend ausbildungsbegleitend mindestens zweimal; gleiches Untersuchungsinstrumentarium wie Projekte 38-08, OF-21 und OF-23 (Projekte sind koordiniert). Ergaenzend je eine Fallkontrollstudie bei Friseuren und Baeckern mit angezeigtem Verdacht auf berufsbedingte Hauterkrankung (mit entsprechenden Kontrollgruppen). - Umsetzung geplant: Verbesserung der Praevention von Berufsekzemen und Allergien durch gezielte Beratung von Berufsanfaengern und durch effektive arbeitsmedizinische Vorsorge in hautbelastenden Berufen.

Klimamodell Berlin - Planungshinweise Stadtklima 2015

Stadtklima und Gesundheit – eine Herausforderung für die Gestaltung städtischer Lebensräume Die menschliche Gesundheit ist unsere Lebensgrundlage. Die städtischen Lebens- und Umweltbedingungen haben maßgeblich Einfluss auf das Wohlbefinden, die Gesundheit und die Lebenserwartung für städtische Bevölkerungen. Die Umweltwirkungen auf die menschliche Gesundheit im Kontext des städtischen Klimas können von den bioklimatischen Eigenschaften der Stadt, vor allem bestimmt durch städtische Wärmeinseln und Luftschadstoffe, abgeleitet werden. Bereits heute, vor allem aber in der Zukunft stellen die Besonderheiten des Stadtklimas im Verbund mit den Auswirkungen des Klimawandels, der Überalterung der Gesellschaft, städtischen Lebensweisen und einer ungleichen sozialen Verteilung von Umweltbelastungen große Herausforderungen für die Gestaltung städtischer Lebensräume dar. Da Metropolen wie Berlin ein innerstädtisches Mosaik verschiedener Stadt-, Bevölkerungs- und Sozialstrukturen sowie Umweltbedingungen aufweisen, sind gesundheitliche Auswirkungen ebenso räumlich unterschiedlich ausgeprägt. So sind nicht nur die Umweltbedingungen in einem Stadtgebiet entscheidend, sondern auch wie hoch der Anteil der Personengruppen ist, die diesen Belastungen gegenüber eine besondere Vulnerabilität aufweisen. Vor allem ältere und allein lebende Personen, chronisch Kranke oder sozial Schwache sind von Umweltbelastungen häufig in einem stärkeren Ausmaß betroffen (Böhme et al. 2013). Zum Erhalt bzw. zur Schaffung einer für den Menschen gesunden städtischen Umwelt ist einerseits das Verständnis von den Wirkungen des Stadtklimas auf die Gesundheit entscheidend. Andererseits stellen räumlich differenzierte Betrachtungen zu Mensch-Umwelt-Beziehungen in städtischen Gebieten eine wichtige Grundlage dar. Der Stadtplanung kommt dabei eine maßgebliche Aufgabe zuteil, gerade im Hinblick auf die Folgen des Klimawandels. So hat die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt 2011 den Stadtentwicklungsplan Klima (SenStadtUm 2011) veröffentlicht und im Rahmen der Klimaanpassungsstrategie des Landes Berlin das Klimaschutzteilkonzept „Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ (SenStadtUm 2016) entwickelt. Planungshinweiskarten unterstützen das Ziel, ein gesundes Stadtklima zu erhalten bzw. zu schaffen. Bei der Bewertung stadtklimatischer Belastungssituationen und Entlastungsfunktionen sowie der Ausweisung von Flächen mit besonderen stadtklimatischen Missständen und der Vulnerabilität gegenüber dem Stadtklima werden neben Flächennutzungen und Grünflächenversorgungen auch demographische Strukturen berücksichtigt. Die Identifizierung von erhöhten gesundheitlichen Risiken durch Wärme- und Luftschadstoffbelastungen auf Basis von Gesundheitsdaten in räumlicher Auflösung können als wichtige Ergänzung für die Planung und Umsetzung von Minderungs- und Anpassungsmaßnahmen zum Schutz der Gesundheit verstanden werden. Wie ist der Zusammenhang zwischen dem Stadtklima und der menschlichen Gesundheit? Stadtstrukturen modifizieren die bioklimatisch relevanten Parameter Lufttemperatur, Luftfeuchte und Luftbewegungen sowie den Strahlungs- und Energieaustausch. Dabei kann sich das Stadtklima auf direktem und indirektem Wege auf den Menschen auswirken. Denn städtische Wärmeinseln und Luftschadstoffe in der Stadtatmosphäre haben nicht nur direkten Einfluss auf den Menschen, sondern auch auf Wasser, Boden, Flora sowie Fauna in der Stadt. Und über diese Teilsphären (Hydrosphäre, Pedosphäre, Biosphäre) lassen sich ebenso indirekte Wirkungspfade zum Menschen feststellen. Im Folgenden soll der Schwerpunkt der Betrachtung auf den direkten Auswirkungen der städtischen Wärmebelastung auf die menschliche Gesundheit liegen. Städtische Wärmeinseln Die städtische Wärmeinsel wirkt bioklimatisch sowohl vorteilig als auch nachteilig auf die menschliche Gesundheit. Positiv zu bewerten sind eine Verkürzung der winterlichen Frostperiode und eine Reduzierung der Anzahl der Heiztage, wodurch Luftschadstoffimmissionen nachlassen (Kuttler 1998) und das Risiko bezüglich kälteassoziierter Erkrankungen und Sterbefälle vermindert ist. Verkürzte Frostperioden bzw. mildere Winter bedingen allerdings auch eine Verlängerung der Vegetationsperiode und damit der Pollensaison, was Allergien fördern und verstärken bzw. das Allergenspektrum verändern kann (Eis et al. 2010). Ebenso ist mit erhöhten Infektionsrisiken zu rechnen, da es zu günstigeren Lebens- und Ausbreitungsbedingungen für tierische Zwischenwirte und Überträger (Vektoren) von Krankheitserregern kommt (Eis et al. 2010). Nachteilig äußert sich die städtische Überwärmung vor allem in den Sommermonaten, wo die größte Intensität nachts ausgeprägt ist. Da diese Belastungsschwerpunkte mit der nächtlichen Erholungsphase des Menschen zusammentreffen, stellen sie an kontinuierlich heißen Tagen eine zusätzliche Beanspruchung für den menschlichen Organismus dar (Koppe et al. 2004). Aber auch tagsüber können im Sommer hohe Lufttemperaturen, geringe Windintensitäten und räumlich unterschiedliche Strahlungsverhältnisse zu Hitzestress führen. Dabei ist der Grad der Wärmebelastung hauptsächlich durch die Sonneneinstrahlung bestimmt. Hitzewellen, also mehrere wärmebelastete Tage in Folge, stellen in Städten ein spezielles Problem dar, da sich Gebäude und versiegelte Flächen über Tage aufheizen, diese Wärme speichern und verzögert wieder abgeben. Wenn in diesen Fällen eine adäquate Belüftung über Nacht ausbleibt, empfinden Einwohner in diesen Stadtgebieten einen anhaltenden thermischen Stress über die Tages- und Nachtstunden, während Bewohner in begünstigten Stadtarealen durch den kühlenden Einfluss benachbarter Freiflächen eine Wärmeentlastung über Nacht erfahren. Berlin zeichnet sich mit seiner herausragenden Mischung von bebauten und begrünten Flächen durch ein Mosaik verschiedener mikroskaliger Klimate und damit große Unterschiede in den thermischen Bedingungen auf kleinem Raum aus. Deren klimatische Auswirkungen zu bewerten, ist eine vorrangige Aufgabe der dreigeteilten Planungshinweiskarte Stadtklima. Wärmebelastung Unter Wärmebelastung wird eine gesundheitsrelevante Bewertung der thermischen Umwelt verstanden. Die Wärmebelastung wird entweder anhand einfacher Verfahren bestimmt, z.B. Schwellenwerte der Lufttemperatur (klimatologische Kenntage), oder anhand komplexer Verfahren, z.B. mittels dem Predicted Mean Vote (PMV), der gefühlten Temperatur, der Physiological Equivalent Temperature (PET) oder dem Universal Thermal CIimate Index (UTCI), einer Fortschreibung des vom Deutschen Wetterdienst angewendeten Klima-Michel-Modells und der gefühlten Temperatur (Koppe 2005, Jendritzky et al. 2009). Die thermische Belastung unterscheidet sich in Wärmebelastung und Kältereiz. Ab einer starken Wärmebelastung wird auch von Hitzebelastung oder Hitzestress gesprochen, wobei die Begriffe häufig synonym verwendet werden bzw. keine einheitlichen Definitionen vorliegen. Werden die Mortalität (Sterblichkeit oder Sterberate bezogen auf die Gesamtheit der Bevölkerung) und z.B. die Lufttemperaturen über das Kalenderjahr betrachtet, kann im Allgemeinen ein U-förmiger Kurvenverlauf festgestellt werden (vgl. Abbildung 21). h6. Durchgezogene Linie: Temperatur-Mortalitäts-Beziehung über das Kalenderjahr. Gestrichelte Linie: Temperatur-Mortalitäts-Beziehung während Phasen starker Wärmebelastung oder während Sommermonaten (Scherber 2014) Der Kurvenverlauf kann in Abhängigkeit des regionalen Klimas, der betrachteten Saison im Jahr und der Todesursache variieren (Koppe et al. 2004, Michelozzi et al. 2009, Schneider et al. 2009). In den mittleren Breiten weist die Gesamtmortalität (alle Todesursachen) ein Maximum im Winter und ein Minimum im Sommer auf. In besonders heißen Sommern, wie es in Berlin in den Jahren 1994, 2006 und 2010 der Fall war, kann die Gesamtmortalität jedoch das Wintermaximum auch überschreiten (vgl. Abbildung 22). Hitzebedingte Erkrankungen Der menschliche Organismus toleriert Abweichungen der Körperkerntemperatur nur in sehr geringem Maße. Die Körperschale (Arme, Beine und Haut) kann hingegen variierende Temperaturen viel stärker tolerieren. Steigt die Körperkerntemperatur an bzw. kommt es zur Überschreitung der oberen Grenze des sogenannten thermischen Komforts oder zur Störung des menschlichen Wärmehaushaltes, wird der Organismus zunehmend durch Hitzestress belastet. Selbst bei gesunden Personen kann es bereits bei körperlicher Ruhe zu erheblichen Zunahmen der Pumpleistung des Herzens und damit zum Abbau physiologischer Funktionsreserven und eingeschränkter geistiger kognitiver Arbeit kommen (BMU 2011). Der Körper reagiert mit Unwohlsein, verminderter physischer Leistungsbereitschaft und Konzentrationsschwäche. Symptome von Hitzestress sind ein Beeinträchtigungs- und Belastungsgefühl. Bei bereits Erkrankten kann es zur Notwendigkeit vermehrter Medikamenteneinnahme kommen. Eine anhaltende Exposition gegenüber hohen Temperaturen kann zu hitzebedingten Notfallsituationen (z.B. Hitzekrämpfe, Hitzschlag), Erkrankungen bis hin zu Todesfällen führen. Bei hitzebedingten Erkrankungen sind hauptsächlich das Herz-, Gefäß- und Atmungssystem betroffen, welches aufgrund zusätzlicher Einwirkungen von Luftschadstoffen und Pollen beansprucht ist (BMU 2011, Michelozzi et al. 2009, Schneider et al. 2011). Hohe Temperaturen und eine geringe Luftfeuchte können zudem die Schleimhäute austrocknen, was im Sommer als auch im Innenraum im Winter relevant ist. Auf trockenen Schleimhäuten können sich leicht Erreger festsetzen, welche Atmungssystemerkrankungen hervorrufen oder bestehende Symptome verschlechtern. Gefährdete Personen und Risikofaktoren gegenüber Wärmebelastung Der Wasserverlust über die Haut bei der Schweißverdunstung steigt bei erhöhter Umgebungstemperatur erheblich an und wird bei körperlicher Arbeit oder bestehender Erkrankung, die ihrerseits Wasser verbraucht (z.B. Diabetes mellitus, Durchfall), weiter verstärkt. Für ältere und kranke Menschen, Säuglinge und Kleinkinder ist ein hoher Wasserverlust besonders problematisch, da ihr Thermoregulationssystem eingeschränkt arbeitet, die Durstwahrnehmung vermindert und die hormonelle Regulation des Wasser- und Elektrolythaushaltes verändert sind. Wenn der Wasser- und Elektrolythaushalt nicht entsprechend ausgeglichen wird, kommt es in Folge des Wasserverlustes zum Volumenmangel im Kreislaufsystem mit Beeinträchtigung der Kreislauffunktion und Nierentätigkeit, der bis zum Zusammenbruch des Organismus führen kann. Junge Erwachsene können kurzfristig durch alleiniges Trinken selbst schweren Wasserverlust ausgleichen. Ältere Menschen benötigen häufig mehrere Tage dafür (Wichert, von 2004). Zu den hitzegefährdeten Menschen gehören des Weiteren Personen mit bereits bestehenden schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch z.B. Herz-Kreislauf- und Atmungssystemerkrankungen, Bettlägerigkeit, neurologische oder psychiatrische Erkrankungen. Sie können sich unter Umständen nicht selbstständig versorgen und nehmen zumeist Medikamente ein, die sich auf den Elektrolyt- und Wärmehaushalt auswirken, wie z.B. Diuretika (wasserausschwemmend), Neuroleptika (antipsychotisch), Betablocker (blutdrucksenkend) und Barbiturate (schlaffördernd). Neben dem Alter und Vorerkrankungen sind als weitere Risikofaktoren für hitzebedingte Erkrankungen Alkohol- und Drogenmissbrauch, anstrengende körperliche Tätigkeiten während extremer Wetterbedingungen, Akklimatisationsmangel, geringe Fitness, Übergewicht, körperliche Ermüdung, physische und soziale Isolation, niedriger sozioökonomischer Status, Wohnen in Ballungsräumen sowie fehlende oder unzureichende Klimatisierung zu nennen (Eis et al. 2010, Koppe et al. 2004). Akklimatisation Die Akklimatisation ist ein wesentlicher Aspekt bei den Auswirkungen von Wärmebelastung. Unter Akklimatisation ist die physiologische Anpassung des menschlichen Organismus an veränderte klimatische Bedingungen zu verstehen. Durch Effizienzsteigerung im Thermoregulationssystem und hormonelle Veränderungen wird die auf den Körper wirkende thermische Belastung reduziert. Eine Kurzzeit-Hitzeakklimatisation stellt sich für gewöhnlich nach 3 – 12 Tagen ein, wobei eine Langzeit-Hitzeakklimatisation mehrere Jahre dauern kann. Die Kurzzeit-Hitzeakklimatisation führt u.a. zu einer vermehrten Schweißproduktion schon bei geringerer Körpertemperatur und einer verringerten Salzkonzentration im Schweiß und Urin. Diese Form der Akklimatisation stellt sich jedoch nur ein, wenn die Hitzeexposition täglich über mehrere Stunden erfolgt, und sie bildet sich innerhalb mehrerer Wochen nach der Hitzeexposition wieder zurück (Koppe et al. 2004). Geschwindigkeit und Stärke der Akklimatisation hängen von unterschiedlichen individuellen Faktoren wie dem Alter, dem Geschlecht, der genetischen Prädisposition, dem Gesundheitszustand, der körperlichen Leistungsfähigkeit und der Fitness ab. Ebenso sind äußere Faktoren, wie z.B. die Nutzung von Klimaanlagen, sowie nationale, geographische und jahreszeitliche Unterschiede für die Akklimatisation und individuelle Hitzetoleranz entscheidend (Koppe 2005). Aufgrund der Relevanz der physiologischen Anpassung bei der Bewertung der thermischen Umwelt wurde die Methode HeRATE (Health Related Assessment of the Thermal Environment) eingeführt (Koppe 2005). Diese Methode wird für die Berechnung der Schwellenwerte des thermischen Indexes „gefühlte Temperatur“ für Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes mit berücksichtigt. Deshalb liegen die Schwellenwerte der gefühlten Temperatur für Hitzewarnungen bei frühsommerlichen Hitzewellen und in höheren Breiten etwas niedriger, im Hochsommer und in niederen Breiten etwas höher. Wie können Auswirkungen des städtischen Klimas auf die Gesundheit untersucht werden? Zusammenhänge zwischen dem städtischen Klima und der menschlichen Gesundheit können einerseits anhand der Auswirkungen von Wärme- und Luftschadstoffbelastungen auf die Mortalität (Sterblichkeit), Morbidität (Krankheitshäufigkeit) oder z.B. auf individuelle körperliche und psychische Parameter untersucht werden. Diese Gesundheitsindikatoren stammen häufig von Daten der Sterbefallstatistiken, Krankenhausdiagnosestatistiken (z.B. Patientenaufnahmen in Krankenhäusern), von gesetzlichen Krankenkassen (z.B. Abrechnungsdaten) oder Rettungsdiensteinsätzen. Zur Erfassung der Wärme- und Luftbelastung werden Daten über stationäre Messnetze, mobile Messungen oder auf Basis räumlicher Interpolationen bezogen. Bei den Untersuchungen von Zusammenhängen zwischen Umweltexpositionen und gesundheitlichen Auswirkungen wird in Kurzzeit- und Langzeiteffekte unterschieden. Kurzfristige Wirkungen treten in unmittelbarer zeitlicher Nähe zur Exposition auf (d.h. innerhalb weniger Tage). Langfristig können aber auch chronische Erkrankungen resultieren (Breitner et al. 2013). Andererseits kann das Risiko für gesundheitliche Folgen von Wärme- und Luftschadstoffbelastungen auch von Stadt-, Bevölkerungs- und Sozialstrukturen abgeleitet werden. Unter Berücksichtigung von weiteren Gesundheits- und meteorologischen Indikatoren stellen im Ergebnis dieses Ansatzes Vulnerabilitäts-, Umweltrisiko- oder Hitzestresskarten das potentielle Risiko für Hitzestress oder weitere Umweltbelastungen räumlich dar (vgl. Kapitel „besondere Vulnerabilität aufgrund der demographischen Zusammensetzung“, Dugord et al. 2014, Kim et al. 2014, SenStadtUm 2015d). Der Zusammenhang zwischen Wärme- oder Hitzebelastung, Luftschadstoffen und gesundheitlichen Auswirkungen wird am häufigsten anhand von epidemiologischen Studien untersucht. Die Epidemiologie ist eine wissenschaftliche Disziplin, die sich mit den Ursachen und Folgen sowie der Verbreitung von gesundheitsbezogenen Zuständen und Ereignissen in Populationen beschäftigt (Mücke et al. 2013). In Zeitreihenstudien werden Daten von Umweltexpositionen und sogenannten Gesundheitsendpunkten (z.B. Erkrankung, Todesfall) auf der Ebene aggregierter Populationen (anstelle von Einzelpersonen) zugrunde gelegt und Änderungen der Stärke von Umwelteinflüssen und bestimmte gesundheitliche Effekte über Regressionsanalysen in verschiedenen zeitlichen Auflösungen (meist Tag oder Monat) untersucht. Dabei können auch mögliche Störeinflüsse, wie z.B. saisonale Einflüsse, zeitliche Trends, Meteorologie und sozioökonomischer Status der untersuchten Population berücksichtigt werden. Da sich gesundheitliche Wirkungen nicht immer unmittelbar nach Veränderungen der Umwelteinflüsse zeigen, wird die beobachtete zeitliche Verzögerung der gesundheitlichen Wirkungen auch als Zeit-Lag oder Lag bezeichnet (Breitner et al. 2013). Zeitreihenstudien ermöglichen den Einbezug großer Fallzahlen und Zeiträume, sowie auch hohe Auflösungen auf räumlicher Ebene, was gerade für innerstädtische Differenzierungen von Umweltwirkungen auf die Stadtbevölkerung relevant ist. Zusammenhänge zwischen Umweltexpositionen und gesundheitlichen Wirkungen lassen sich aber auch auf personen- oder personengruppenbezogener Basis mittels z.B. Fall-Kontroll-Studien, Kohortenstudien oder über Befragungen exponierter Personen zum Gesundheitszustand, der Leistungsfähigkeit oder dem Wohlbefinden erfassen. Diese Studiendesigns halten meist weniger Fallzahlen vor, ermöglichen aber eine bessere Kontrolle von Störfaktoren und lassen Zusammenhänge auf individueller Ebene abbilden. Einen Überblick zu Untersuchungen der Auswirkungen von Wärme- und Luftbelastungen auf die Gesundheit in Berlin mit Angabe der verwendeten Daten, zeitlichen und räumlichen Auflösungen zeigt Tabelle 3. Stadtklima und Gesundheit in Berlin – Ein Überblick zu Forschungsergebnissen Bereits in den 1980er Jahren gingen Turowski und Haase der Frage nach, welche bioklimatischen Wirkfaktoren die tägliche Sterbehäufigkeit beeinflussen und werteten dafür Totenscheine u.a. aus Ost-Berlin für den Zeitraum 1958 – 1967 hinsichtlich des Klima- und Wettereinflusses statistisch aus. Die Untersuchung zeigte, dass eine erhöhte Sterblichkeit im Sommerhalbjahr mit erhöhten Werten von Lufttemperatur, Luftfeuchte und Globalstrahlung einhergingen. Die Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislaufsystemerkrankungen war bei überdurchschnittlich hohen Lufttemperaturen im Sommer in Ost-Berlin signifikant erhöht (bis zu 10 % Abweichung vom Erwartungswert). Für die Sterblichkeit aufgrund von Atmungssystemerkrankungen betrug die Abweichung vom Erwartungswert bis zu 45 %. Am Beispiel von Erkältungskrankheiten bei Berliner Kindern konnte zudem ein Wärmeinseleffekt festgestellt werden. Erkältungen bei Kindern, die in der Innenstadt lebten, kamen im Sommer bei überdurchschnittlich hohen Lufttemperaturen signifikant häufiger vor, wohingegen sich diese Effekte für die Außenbezirke nicht zeigten (Turowski 1998, Turowski und Haase 1987). Gabriel konnte für den Untersuchungszeitraum 1990-2006 anhand von Daten zur Gesamtmortalität (alle Ursachen) und meteorologischer Parameter in Tagesauflösung darstellen, dass in Berlin und Brandenburg hauptsächlich Ältere (> 50-Jährige) und besonders Frauen eine erhöhte Hitzevulnerabilität aufwiesen. Die Mortalitätsraten waren im Untersuchungszeitraum während Hitzewellen höher (bis zu 67 % im Sommer 1994 im Stadtzentrum Berlins), und ein Zusammenhang zwischen Mortalitätsraten und der Dichte urbaner Strukturen innerhalb Berlins konnte festgestellt werden. Die Mortalitätsraten stiegen mit der Dichte urbaner Strukturen (Gabriel 2009, Gabriel und Endlicher 2011). Burkart et al. stellten für den Untersuchungszeitraum 1998-2010 in einer statistischen Auswertung von Gesamtmortalitäts-, Wetter- und Luftgütedaten in Tagesauflösung dar, dass in Berlin das Mortalitätsrisiko mit zunehmender Wärmebelastung steigt und hohe Ozon- sowie Feinstaub (PM10)-Konzentrationen mit einer erhöhten hitzebedingten Mortalität verbunden sind (Burkart et al. 2013). Da zwischen der Lufttemperatur und Luftschadstoffbelastungen oft ein enger Zusammenhang besteht, wurden in der Studie auch mögliche Interaktionen zwischen der Wärmebelastung (ermittelt über den Universal Thermal Climate Index) und den Ozon- und PM10-Konzentrationen einerseits und deren Einfluss auf die Mortalität andererseits untersucht. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Mortalität bei hoher Wärme- und Ozonbelastung stark ansteigt (vgl. Abbildung 23). Diese Interaktionseffekte zeigen sich für PM10 weniger stark ausgeprägt (vgl. Abbildung. 24). Auch Scherer et al. verwendeten Daten zur Gesamtmortalität (alle Ursachen), um unter Anwendung eines hitzeereignisbasierten Risikomodells die mit der Wärmebelastung einhergehende Mortalität in Berlin zu quantifizieren. Das Modell identifiziert Hitzeereignisse auf Basis von Lufttemperaturdaten in Tagesauflösung. Ein Hitzeereignis wird dabei als Folge von mindestens drei aufeinander folgenden Tagen definiert, an denen die Lufttemperatur einen bestimmten Schwellenwert übersteigt. Die Studie weist nach, dass ca. 5 % aller Todesfälle in Berlin in den Jahren von 2001 bis 2010 statistisch mit erhöhten Lufttemperaturen korreliert sind. Die betroffenen Personen sind meist 65 Jahre oder älter, während der Zusammenhang zwischen erhöhten Lufttemperaturen und Mortalität bei jüngeren Personen statistisch nur schwach ausgeprägt ist. Die besten Ergebnisse wurden auf der Basis von Tagesmittelwerten der Lufttemperatur und bei einer Überschreitung des Schwellenwertes von 21 °C erzielt (vgl. Abbildung 25). Auf der Basis räumlich verteilter Daten würde die Risikoanalyse auch räumliche Variationen des Stadtklimas und demographischer Eigenschaften berücksichtigen können (Scherer et al. 2013). Die größten sogenannten Überschussmortalitäten, welche als hitzebezogene zusätzliche Sterblichkeit (zusätzlich zur Basisrate der Gesamtmortalität) verstanden wird und eine statistisch berechnete Größe darstellt, wurden für die Jahre 2006 und 2010 anhand des hitzeereignisbasierten Risikomodells von Scherer et al. (2013) ermittelt (vgl. Tab. 4). Eine erhöhte Mortalität in den besonders heißen Sommern 2006 und 2010 in Berlin weisen auch die Untersuchungen von Gabriel und Endlicher (2011), Scherber (2014) und Schuster et al. (2014) nach. Fenner et al. untersuchten für den Zeitraum 2001 – 2010 in Berlin, inwieweit sich die klimatischen Bedingungen innerhalb dichter Bebauung von Bedingungen auf Freiflächen und außerhalb des bebauten Stadtgebietes unterscheiden und welchen Effekt diese Bedingungen auf das Mortalitätsrisiko haben. Das Mortalitätsrisiko (Gesamtmortalität) wurde mit dem hitzeereignisbasierten Risikomodell von Scherer et al. (2013) ermittelt, und zur Identifizierung von Hitze wurden die klimatologischen Kenntage „Heißer Tag (Hitzetag)“ (Tagesmaximumtemperatur ≥ 30 °C) und „Tropennacht“ (Tagesminimumtemperatur ≥ 20 °C) berechnet. Während die Anzahl heißer Tage ähnlich an den vier unterschiedlichen Messstationen ist, treten Tropennächte innerhalb der dichten Bebauungsstruktur wesentlich häufiger auf als auf Freiflächen (vgl. Abbildung 26). Die gestrichelten farbigen Linien zeigen den arithmetischen Mittelwert der Jahre 2001–2010 der jeweiligen Station. Die schwarze Schraffur zeigt die Anzahl der Tage, an denen heiße Tage in Kombination mit Tropennächten aufgetreten sind. Stationen: DAHF – Dahlemer Feld, DESS – Dessauer Straße, TGL – Berlin-Tegel, THF – Berlin-Tempelhof. An der Station DAHF gab es im August 2004 Messausfälle. Die Stationen DAHF und DESS sind Teil des Stadtklima-Messnetzes des Fachgebiets Klimatologie, Institut für Ökologie, Technische Universität Berlin. Die Stationen TGL und THF werden vom Deutschen Wetterdienst betrieben Es wird an allen vier Stationen deutlich, dass die Mehrzahl der Tropennächte in Kombination mit heißen Tagen auftritt (Schraffur in Abb. 26). Dies sind die aus bioklimatischer Sicht äußerst problematischen Situationen, an denen die Menschen nicht nur während des Tages starker Hitze im Freien ausgesetzt sind, sondern der Körper auch in den Nachtstunden durch hohe Lufttemperatur belastet sein kann. Die hitzebezogenen zusätzlichen Sterbefälle zeigen für die Messstation Dessauer Straße (dichte Bebauung) und Tempelhof (Freifläche), dass ca. 4-5 % der Sterbefälle im Untersuchungszeitraum statistisch mit Hitzeereignissen in Verbindung gebracht werden können (Fenner et al. 2015). Sterbefälle sind die gravierendste Folge von Umweltwirkungen. So ist anzunehmen, dass bei extremen Umweltbedingungen auch sonst Gesunde in Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden beeinträchtigt werden und Menschen mit krankheitsbedingter mangelhafter Anpassungskapazität schon bei geringeren äußeren Störungen mit einer Zustandsverschlechterung reagieren (Laschewski, 2008). Um angemessene Präventionsmaßnahmen zu etablieren und hitzebedingte Sterbefälle zu vermeiden, sind Untersuchungen zu Auswirkungen von Wärmebelastung bereits auf der Ebene von Gesundheitsindikatoren, wie z.B. Erkrankungs- oder Behandlungsfälle oder physiologische Parameter (z.B. körperliche Aktivität, Lungenfunktion) wichtig. In klinischen Studien an der Charité Berlin (Arbeitsbereich Pneumologische Onkologie) wurde in den Sommern 2011 und 2012 in Berlin untersucht, inwieweit sich Wärmebelastung auf Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) oder mit pulmonal-arterieller Hypertonie (PAH) auswirkt (Jehn et al. 2013, 2014). Dazu wurden Lungenfunktion, der klinische Status und die körperliche Aktivität der Patienten ermittelt und in Abhängigkeit von der Lufttemperatur bzw. der Wärmebelastung ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass Wärmebelastung die Symptome der Patienten verschlechtert, andererseits aber Möglichkeiten bestehen, frühzeitig auf die Verschlechterungen zu reagieren, z.B. durch eine telemedizinische Versorgung der Patienten (Jehn et al. 2013). Eine epidemiologische Studie in Berlin für den Zeitraum 1994-2010 über die Zusammenhänge zwischen Wärme- und Luftbelastungen und Patientenaufnahmen sowie Sterbefällen im Krankenhaus zeigte, dass das relative Risiko für die Mortalität (Sterbefälle) als auch Morbidität (Patientenaufnahmen) ab einer starken Wärmebelastung (UTCImax = 32 °C) zunimmt und vor allem ältere Menschen und chronisch Kranke unter Hitzestress leiden (Scherber 2014). Der Risikoanstieg ist für die Mortalität stärker ausgeprägt als für die Morbidität. Allerdings muss dabei berücksichtigt werden, dass die Fallzahlen für Patientenaufnahmen um ein vielfaches größer sind als die Sterbefälle. Die Atmungssystemerkrankungen zeigten neben den Herz-Kreislaufsystemerkrankungen und der Gesamtheit aller Erkrankungen die stärksten Wärmebelastungseffekte an. Wärmebelastung wirkt sich auf das Herz-Kreislaufsystem als auch auf das Atmungssystem aus. Das Atmungssystem wird zudem durch zusätzliche Luftschadstoffeffekte und Begleiterkrankungen beansprucht (Michelozzi et al. 2009; Schneider et al. 2011). In der Untersuchung der Luftschadstoffbelastungseffekte wies Feinstaub (PM10) die stärksten Assoziationen auf, vor allem für Patientenaufnahmen und Sterbefälle im Krankenhaus mit der Diagnose Atmungssystemerkrankungen (Scherber 2014). Im Hinblick auf eine klimawandelbedingte Zunahme der Wärmebelastung in Berlin (SenStadtUm 2015a), stellt sich die Frage, wie sich Wärmebelastungseffekte in naher Zukunft auf Patientenaufnahmen und Sterbefälle auswirken könnten. Unter Annahme mittlerer Bevölkerungsprognosen (SenStadtUm/AfS 2012) und Lufttemperatur-Szenarien für das Tagesmaximum (STAR2-Projektionen, 2 K-Szenario, Realisierung 50) bis 2030 konnte für Berlin eine Zunahme der Patientenaufnahmen und Sterbefälle im Krankenhaus für die Sommermonate ermittelt werden (Scherber 2014). Die Zunahme ist für ≥ 65-Jährige und Herz-Kreislauf-Systemerkrankungen am stärksten ausgeprägt (vgl. Tab. 5). Da Großstädte wie Berlin ein innerstädtisches Mosaik hinsichtlich der Stadt-, Bevölkerungs- und Sozialstrukturen aufweisen, können gesundheitliche Auswirkungen der Wärmebelastung ebenso räumlich unterschiedlich ausgeprägt sein. Räumlich epidemiologische Analysen sind daher ein wichtiger Ansatz, um Stadtgebiete mit erhöhten gesundheitlichen Risiken gegenüber Wärmebelastung zu identifizieren, gerade im Hinblick auf die Entwicklung von spezifischen Interventions- und Präventionsstrategien im Gesundheitswesen und auch langfristig für die Berücksichtigung in der Stadtplanung. Daher wurden für Berlin Sterbefälle und Patientenaufnahmen in Assoziation mit Wärmebelastung auch räumlich differenziert untersucht (Gabriel und Endlicher 2011, Scherber et al. 2014, Schuster et al. 2014). Schuster et al. betrachteten die Gesamtmortalität (alle Ursachen) für eine räumliche Analyse hitzebedingter Überschussmortalität auf Ebene der Planungsräume (SenStadt 2009) im Untersuchungszeitraum 2006-2010 für Berlin. Die hitzebedingte Überschussmortalität wurde anhand des Verhältnisses der Gesamtsterblichkeit in den heißen Julimonaten 2006 und 2010 zur Gesamtsterblichkeit in den eher kühlen Julimonaten von 2007-2009 berechnet, welche im Untersuchungszeitraum die niedrigsten Monatsmittel des täglichen Lufttemperaturmaximums aufwiesen (vgl. Abb. 27). Die Überschussmortalität wurde altersstandardisiert berechnet, um Einflüsse unterschiedlicher Altersausprägungen der Bevölkerung in einzelnen Planungsräumen (PLR) auszuschließen. Im Ergebnis zeigt sich eine innerstädtische Variabilität der hitzebedingten Überschussmortalität, ausgedrückt durch das relative Risiko (RR) (vgl. Abbildung 28). Planungsräume mit erhöhtem und bzw. geringerem relativen Risiko waren relativ gleichverteilt über das Stadtgebiet. Ein erhöhtes relatives Risiko (RR > 1) wurde für mehr als zwei Drittel der Planungsräume festgestellt, in welchen insgesamt 2,26 Mio. von 3,35 Mio. Einwohnern (Stand 31.12.2007) wohnen. Ein allgemeiner Mortalitätsgradient vom Zentrum zum Stadtrand, entsprechend dem städtischen Wärmeinseleffekt, war nicht zu beobachten. Planungsräume mit hohem relativem Risiko fanden sich sowohl innerhalb als auch außerhalb des Innenstadtrings. Planungsräume mit den höchsten relativen Risiken (RR > 4) wurden im Bezirk Neukölln (PLR Rollberg) aber auch in Stadtrandlagen (PLR Döberitzer Weg, PLR Bucher Forst, PLR Schlangenbader Str.) identifiziert (Schuster et al. 2014). Räumliche Ausprägungen von hitzebezogenen Mortalitätsrisiken unter Einbezug aller Diagnosen und Altersgruppen weisen demnach für Berlin keine eindeutigen Zusammenhänge zwischen verdichteten Stadtgebieten und erhöhten gesundheitlichen Risiken auf. Anders stellt es sich für differenzierte Betrachtungen nach hitzevulnerablen Personengruppen dar. Auf Basis von Postleitzahlgebieten wurden relative Risiken für Patientenaufnahmen und Sterbefälle im Krankenhaus während der Sommermonate im Zeitraum 2000 – 2009 mit räumlich aufgelösten Daten zur Wärmebelastung (SenStadtUm 2010b) korreliert (Scherber 2014). Dabei konnte ein signifikanter schwach positiver Zusammenhang zwischen der mittleren Wärmebelastung und den relativen Risiken für Patientenaufnahmen mit Atmungssystemerkrankungen bei ≥ 65-Jährigen auf Postleitzahlebene (Patientenwohnorte) identifiziert werden (Scherber et al. 2014). Die unterschiedlichen Bevölkerungsanteile der ≥ 65-Jährigen in den Postleitzahlgebieten wurden dabei berücksichtigt. Da Atmungssystemerkrankungen und ein Alter über 65 Jahre zu den Risikofaktoren gegenüber Wärmebelastung zählen, sind diese Gruppen besonders relevant. Bei der Suche nach räumlichen Häufungen (Clustern) erhöhter relativer Risiken (als Risikorate) für Patientenaufnahmen mit Atmungssystemerkrankungen bei ≥ 65-Jährigen konnten fünf signifikante Cluster identifiziert werden (vgl. Abb. 29). Folgende Patientenwohnorte weisen innerhalb dieser Cluster die höchsten relativen Risiken (RR > 1,5) auf: die Ortsteile Gesundbrunnen, Mitte, Moabit, Tiergarten und Wedding im Bezirk Mitte und der Ortsteil Neukölln im Bezirk Neukölln. Diese Stadtgebiete weisen zugleich hohe Bebauungsdichten und starke Wärmebelastungen im Sommer bei gleichzeitig gesundheitlich nachteiligen sozioökonomischen Bedingungen auf (SenGUV 2011, SenStadtUm 2015d).

Holzgeruch - Einfluss von Herkunft, klimatischen Bedingungen und Trocknung auf Geruch und generelle Emissionsprofile von Zirbenkiefer (Pinus cembra L.)

Zahlreiche Holzarten sind besonders reich an flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs), weshalb einige Anstrengungen unternommen wurden, ihre flüchtige Zusammensetzung zu ergründen. Solche Untersuchungen wurden oft in Hinblick auf die Auswirkungen der flüchtigen Emissionen von Holz und Holzwerkstoffen auf die Luftqualität in Innenräumen und damit auf ihre möglichen physiologischen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit motiviert. Holzemissionen wurden dabei oft als kritisch angesehen, da sie möglicherweise die Atemwege beeinträchtigen oder allergische Reaktionen hervorrufen können. In letzter Zeit gewinnt das Thema Holzgeruch jedoch zunehmend an Aufmerksamkeit, was die Wahrnehmung von Natürlichkeit und deren positiven Einfluss auf das Wohlbefinden betrifft. In dieser Hinsicht fühlt sich der Mensch zum Geruch von Bergwäldern und Bäumen hingezogen und sucht Entspannung in Verbindung mit solchen Gerüchen. Das Holz der Zirbe (Pinus cembra L.) ist eine besonders geschätzte Art, die auch als Zirbelkiefer und "Königin der Alpen" bekannt ist. Dieses Holz wird in Mitteleuropa häufig für den Möbelbau verwendet und wird wegen seines charakteristischen und langanhaltenden Geruchs geschätzt sowie in der Aromatherapie eingesetzt. Sein Geruch soll Stress abbauen, wobei physiologisch nachgewiesen wurde, dass durch Aufenthalt in der Umgebung von Zirbenholz die Herzfrequenz gesenkt werden kann. Es wurde auch berichtet, dass der Geruch einen gesunden Schlaf fördert, insbesondere bei Personen, die in Betten aus Zirbenholz schlafen. Einige wenige Studien haben sich bis dato mit der Zusammensetzung der ätherischen Öle beschäftigt, welche vorwiegend aus Nadeln und Zapfen gewonnen werden. Doch speziell die Geruchsstoffe aus dem Holz, welche für die physiologischen Effekte ursächlich scheinen, sind noch unzureichend untersucht. Zudem ist wenig über den Einfluss von Umwelt- und Trocknungsfaktoren während der Erstlagerung auf dieses charakteristische Holzgeruchsprofil bekannt. Ziel dieses Projektes ist es daher, die molekularen Grundlagen dieses hochwertigen Materials zu klären, wobei die VOC- und Geruchsstoffzusammensetzung identifiziert und quantifiziert sowie die Beziehungen zu allgemeinen holzchemischen Parametern hergestellt werden sollen. Hierzu werden ausgewählte Holzproben hinsichtlich der enthaltenen Zucker und Extraktstoffe bezüglich ihres Gehalts und ihrer Zusammensetzung mit etablierten Standardmethoden charakterisiert. Darüber hinaus werden Proben unterschiedlicher Herkunft vor und nach der Holztrocknung in einem arbeitsgruppenübergreifenden Ansatz komplementären Analysen unterzogen, die sowohl multidimensionale hochauflösende Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC/MS) als auch GCxGC-MS, Hochleistungs-Flüssigkeitschromatographie, Fourier-Transform-Infrarot-Spektroskopie und GC-MS mit Flüssiginjektion nach Silylierung umfassen. Weiterhin wird das Holzmehl mittels Pyrolyse-GC/MS (Py-GC/MS) sowie Thermodesorptions-GC/MS (TD-GC/MS) analysiert.

Impact of urbanisation on the allergenicity of birch pollen grains

Evidence is compelling for a positive correlation between urbanisation and increment of allergic sensitisation and diseases. The reason for this association is not clear to date. Some data point to a pro-allergic effect of anthropogenic factors on susceptible individuals. Data analysing the impact of environmental - natural and anthropogenic - factors on the allergenicity of allergen carriers such as pollen grains are scarce, and if applicable only taken from in vitro experimental designs. This study will analyse one of the most common allergy inducers in northern Europe - the birch pollen. Under natural exposure conditions, birch pollen will be analysed with respect to their allergenicity. Within an interdisciplinary research team this study will evaluate the effect of natural (e.g. soil, climate, genetic background) and anthropogenic (e.g. traffic pollutants) factors on birch pollen in a holistic approach including analysis of allergen bioavailability, release of pollen associated lipid mediators from birch pollen grains, in vitro immunostimulatory activity and in vivo allergenic potential. These data collected in the time course of three years will significantly add to our understanding how urbanisation and climate change influence the allergenicity of birch pollen and will help us in the future to set up primary prevention studies.

Allergie und Umwelt

Das Immunsystem hat den Zweck, das Individuum vor unguenstigen Umweltfaktoren zu schuetzen. Deshalb muessen sich veraenderte Umweltfaktoren auf immunologische Reaktionsmuster auswirken, welche einfach messbar sind wie beispielweise allergologisch feststellbare Sensibilisierungen. Messungen bei Schulkindern erlauben Praevalenzvergleiche ueber Jahre und Regionen . Allergische Erkrankungen nehmen offensichtlich zu. Allergologische Sensibilisierungen konnten bei bis zu 50 Prozent der Schueler von Grabs nachgewiesen werden. Es waere deshalb ausserordentlich sinnvoll, entsprechende Untersuchungen auch in anderen Regionen fuer Vergleiche zu institutionalisieren.

LUA-Bilanz Weinüberwachung 2024

[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] LUA-BILANZ WEINÜBERWACHUNG Ergebnisse von Kontrollen und Untersuchungen der rheinland-pfälzischen Weinüberwachung 2024 © mmphoto / AdobeStock Schwierige Wetterbedingungen und neue rechtli- che Regelungen stellten Weinerzeuger und Wein- überwachung im vergangenen Jahr gleichermaßen vor Herausforderungen. Dennoch sind Kontrol- len und Untersuchungen durch das Landesunter- suchungsamt (LUA) wichtig, um sowohl die Ver- braucher als auch die Branche zu schützen. Auch im Jahr 2024 verzeichneten die Fachleute der Weinüberwachung in Rheinland-Pfalz wieder vie- le Kennzeichnungsfehler, aber auch einige schwer- wiegende Verstöße gegen das Weinrecht. Rheinland-Pfalz ist das größte Weinbau treibende Bundesland, weshalb die Weinüberwachung hier eine besondere Bedeutung hat. Die Fachleute des LUA haben 2024 insgesamt 3.877 Kontrollen vor Ort durchgeführt und 3.791 Proben untersucht. 272 Proben wurden beanstandet, das entspricht 7,2 Prozent. Die weit überwiegende Anzahl der Be- anstandungen bezog sich auf die Kennzeichnung: Häufige Mängel sind ein falsch angegebener Alko- holgehalt, unzutreffende Geschmacksangaben (z. B. „trocken“ anstelle von „halbtrocken“), unzutref- fende Rebsortenangaben oder unzureichende Hin- weise auf Allergie auslösende Stoffe. Nicht immer ist dabei von vorsätzlichen Vergehen auszugehen: Die sich ständig ändernden und teils komplizier- ten Kennzeichnungsvorschriften lassen auch gut- willige Winzer bisweilen den Überblick verlieren. Aber das LUA deckt auch immer wieder schwer- wiegende Täuschungen und echte Verfälschungen auf. Hier muss von vorsätzlichem Handeln ausge- gangen werden, das der gesamten Branche scha- det. 2024 fielen insgesamt 104 Proben (2,7 Pro- zent) in- und ausländischer Weinerzeugnisse auf wegen Grenzwertverstößen oder unzulässigen Weinbehandlungen wie etwa durch die verbo- tene Zugabe von künstlichen Aromastoffen. Der Gesetzgeber zieht hier aus gesundheitlichen und qualitativen Gründen klare Grenzen. Umso erfreu- licher ist es, dass Verstöße, die gesundheitliche Schäden beim Menschen hätten auslösen können, im Jahr 2024 nicht festgestellt wurden. 2 Qualitätswein ohne PrüfungsnummerUnzulässiger Einsatz von Saccharose Um deutsche Weine als Qualitätsweine oder Prä- dikatsweine vermarkten zu dürfen, müssen sie sich zuerst einer Prüfung unterziehen. Stellt die Prüfbehörde die Ordnungsmäßigkeit des Weines fest, so erteilt sie die begehrte amtliche Prüfungs- nummer, die auch auf der Flasche angebracht werden muss (meist als A.P.-Nr. abgekürzt).Wein ist ein Naturprodukt, dessen Qualität maß- geblich von der Reife der verarbeiteten Trauben abhängt. Um den klimatischen Gegebenheiten ei- nes Weinanbaugebiets Rechnung zu tragen und notfalls auch jahrgangsbedingte Schwankungen ausgleichen zu können, erlaubt das europäische Weinrecht diverse Maßnahmen zur Reifekorrektur. Die „Anreicherung“ ist in der Weintechnologie ein Verfahren, das bei suboptimaler Traubenreife zur Anwendung kommt, um Weinen letztlich einen höheren Alkoholgehalt (Gesamtalkoholgehalt) zu verleihen. Den Erzeugnissen werden vor bzw. wäh- rend der Gärung nach gesetzlichen Vorgaben und Einschränkungen unter anderem Zucker (chemi- sche Bezeichnung: Saccharose) zugesetzt, der zu Alkohol verstoffwechselt werden muss. Gegebe- nenfalls muss die Gärung durch Zusatz von Rein- zuchthefen oder Hefenährsalze bzw. durch Erhö- hung der Temperatur unterstützt werden. Es ist verboten, einem Wein nach abgeschlossener Gä- rung Saccharose zuzusetzen und so dessen Ge- schmack einzustellen. Es kommt hin und wieder vor, dass auch Weine als Qualitäts- bzw. Prädikatsweine in Verkehr ge- bracht werden, ohne dass dieser Wein der zustän- digen Behörde, was in Rheinland-Pfalz die Land- wirtschaftskammer ist, vorgestellt wurde. Um zu vertuschen, dass der Wein nicht das Verfahren durchlaufen hat, verwenden die Winzer eine fikti- ve, ausgedachte Prüfungsnummer. Ein Winzer, der bisher schon achtmal in dieser Richtung in den letzten 20 Jahren auffällig war, brachte auch im Jahr 2024 wieder 30 Weine mit einer fiktiven Prüfungsnummer in Verkehr. Brisant dabei ist, dass er wegen dem Vorgängerverfahren – ebenfalls wegen des Verkaufs ohne Prüfungs- nummer – noch auf der Anklagebank saß, als die- se 30 weiteren Weine mit fiktiver Nummer über den Ladentisch gingen. Inhaltlich und geschmack- lich waren die Weine zwar fehlerfrei, ohne amt- liche Prüfung durften sie jedoch nicht als Quali- tätsweine bezeichnet werden. Ein neues Verfahren wird folgen. Durch die Anzeige eines Familienmitgliedes bei der Finanzverwaltung und bei der Weinkontrolle in der Folge von Erbstreitigkeiten kam es zu dem seltenen Fall, dass bei der Hausdurchsuchung bei einem Winzer die Weinkontrolle die Steuerfahn- dung begleitet hat. Denn aufgrund des Steuer- geheimnisses erfolgt in der Regel keine automa- tische Information der Weinkontrolle durch die Steuerbehörden. Dabei wurde festgestellt, dass vom verantwortlichen Betriebsleiter insgesamt zwölf Weine ohne amtliche Prüfungsnummer in Verkehr gebracht wurden. Unabhängig von Steu- erstrafverfahren kommt nun noch ein weiteres Verfahren wegen Weinrechtsverstößen hinzu. Ungeachtet dieses Verbots wollte ein Winzer sei- nen Wein sensorisch „nachkorrigieren“ und stellte kurz vor der Abfüllung den Restzuckergehalt durch Zugabe von Zucker ein. Der weinfremde Zucker ließ sich jedoch chemisch-analytisch leicht nach- weisen und so mussten 1.250 Liter Wein aus dem Verkehr gezogen werden noch bevor dieser ver- marktet werden konnte. Für italienische Weine ist bei der Anreicherung - anders als in Deutschland - die Verwendung von Saccharose (Rübenzucker) nicht zulässig, vielmehr muss konzentrierter Traubenmost oder rektifizier- tes Traubenmostkonzentrat eingesetzt werden. Ein italienischer Wein aus dem Billigpreissegment war entgegen dieser Rechtsvorschriften in unzu- lässiger Weise mit Saccharose angereichert. Au- ßerdem war dieser Wein mit Wasser gestreckt worden, was bereits in der Verkostung der Probe durch die geschulten Weinkontrolleure sensorisch leicht festzustellen war. Sowohl die Wässerung als auch die Anreicherung mit Saccharose hat das LUA danach auch mit stabilisotopischen Analy- severfahren nachgewiesen. Die übrigen Weinfla- schen des Erzeugnisses wurden aus dem Restpos- tenmarkt entfernt und die zuständige Behörde in Italien informiert. Schwermetalle und Allergene unkritisch Im vergangenen Jahr wurden 42 Weine im LUA auf Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Ar- sen sowie auf Spurenelemente wie Kupfer, Zink und Aluminium untersucht. Für all diese Elemen- te sind in der Weinverordnung Grenzwerte fest- gelegt. Beprobt wurden vorrangig rheinland-pfäl- zische Weine, wobei verstärktes Augenmerk auf biologisch / ökologisch erzeugte Weine bzw. La- gen mit tendenziell erhöhter Bodenbelastung ge- legt wurde. Die Untersuchungen zeigten, dass in allen Weinen die Grenzwerte eingehalten und bis- weilen deutlich unterschritten wurden. Auf Weinetiketten ist eine Allergenkennzeichnung erforderlich, sofern diese Weine mit allergenhalti- gen Behandlungsmitteln hergestellt wurden und die Parameter Casein, Albumin und Lysozym im Enderzeugnis noch nachweisbar sind. Die OIV (Internationale Organisation für Rebe und Wein) hat als Nachweisgrenze 0,25 Milli- gramm pro Liter festgelegt. Über diesem Wert lie- gende Gehalte an Casein, Albumin und Lysozym lösen eine vorgegebene Kenntlichmachung aus. Sie kann zum Beispiel durch die Wörter Ei, Eipro- tein, Eiprodukt, Lysozym aus Ei oder Albumin aus Ei erfolgen. Im Falle von Casein ist eine Kenntlich- machung durch die Worte Milch, Milcherzeugnis, Milchprotein oder Casein aus Milch möglich. Zu- sätzlich können diese Stoffe in einem Piktogramm dargestellt werden. Die Kennzeichnung soll All- ergiker darauf hinweisen, dass das Trinken dieses Weins bei ihnen allergische Reakti- onen auslösen könnte. Casein- und albuminhal- tige Behandlungsmit- tel reduzieren im Wein den An- © akf / AdobeStock Bilanz der Weinüberwachung 2024: Kontrollen schützen Verbraucher 3 teil an Gerbstoffen und tragen damit zur Ge- schmacksharmonisierung bei. Das Enzym Lysozym wird aufgrund seiner antibakteriellen Eigenschaft eingesetzt und unterdrückt einen unerwünsch- ten biologischen Säureabbau. 39 Weine wurden im vergangenen Jahr im LUA auf Gehalte an Case- in, Albumin und Lysozym überprüft. In keinem Fall wurde ein positiver Befund ermittelt. Eine Kennt- lichmachung war somit auch nicht erforderlich. Falsche Alkoholangabe auf dem Etikett Fast alle Weine eines Betriebes fielen wegen deut- licher Abweichung bei der Angabe des Alkohol- gehaltes auf dem Etikett zum tatsächlich ermit- telten Alkoholgehalt auf. Die Ursache dafür war die fehlende Analytik der Weine vor der Abfüllung bzw. der Alkoholgehalt wurde vom Betriebsinha- ber berechnet. Dieser berechnete Wert wurde für die Angabe in der Etikettierung verwendet. Da die Flaschen direkt bei der Abfüllung etikettiert wur- den, blieb laut Betriebsinhaber keine Zeit mehr, die Weine vor Beauftragung der Etiketten zur Ana- lyse ins Weinlabor zu geben. Die deutlichen Ab- weichungen führten zu einem Verfahren bei der Staatsanwaltschaft. Aromatisierung von spanischem Wein Im Rahmen der routinemäßigen Überwachung ausländischer Weine wurde von der Weinkontrol- le spanischer Roséwein in einer rheinland-pfälzi- schen Weinkellerei beprobt, die das Erzeugnis ab- gefüllt hatte. Bei der sensorischen Prüfung im LUA fiel diese Probe durch eine deutliche, aufgesetzt und untypisch wirkende Pfirsicharomatik auf. Die daraufhin durchgeführte Analyse der nach Pfir- sich bzw. Aprikose schmeckenden ɣ-Lactone zeig- te Aromastoffmuster aus chemisch-synthetischer Herstellung. Eine Aromatisierung bzw. ein Zusatz oder Eintrag weinfremder Aromastoffe ist kein zu- gelassenes önologisches Verfahren bei Wein. Dem Transporteur des Weines war von dem spa- nischen Lieferanten eine Rückstellprobe mitgege- ben worden. Deren Untersuchung im LUA ergab die gleichen Mengen der unerlaubten Aromastof- 4 fe. So ließ sich nachvollziehen, dass die Aroma- tisierung in Spanien erfolgt war und nicht in der deutschen Weinkellerei. Der Restbestand des Wei- nes wurde zur Vernichtung in eine Biogasanlage überführt.haben. Bei weiteren Kontrollen wurde nachgewie- sen, dass es auch Lieferungen gewässerten Weins an andere Abnehmer im Umfang von insgesamt über 1.200.000 Liter gegeben hat. Das LUA hat im Jahr 2024 weitere Aromatisie- rungsfälle aufgedeckt: Ein weiterer spanischer Ro- séwein biologischer Herkunft mit geschützter Ur- sprungsbezeichnung wurde im Rahmen einer Prämierung ausgezeichnet und dort auch beprobt. Ergebnis der Untersuchung: Der Rosé enthielt ebenfalls das „künstliche“ ɣ-Decalacton in ver- gleichbarer Größenordnung.Irreführung verboten: Angaben auf dem Etikett müssen stimmen Ein portugiesischer Weißwein schmeckte bei der Verkostung fremdartig-fruchtig, auch nach Citrus, und wies das racemische ɣ-Decalacton in sehr ge- ringen Mengen auf, welches vermutlich zur Erzie- lung einer fruchtigen Note Bestandteil eines Aro- mapräparates gewesen war. In der Analyse einer Probe USA-Rotwein eines bekannten Weinkel- lers stellte das LUA zudem weinfremdes natürli- ches Pfirsicharoma fest. Die Aromatisierungsfälle wurden den für Vertrieb bzw. Import zuständigen Bundesländern zum weiteren Vollzug übermittelt. Hightech bringt illegale Wässerung ans Licht Die Kombination aus hochmoderner Analytik und europaweiten Referenzdaten hat einen Fall illega- ler Wässerung von Wein zu Tage gefördert. Einen ersten Verdacht hatte ein hessischer Sektherstel- ler bereits bei der eigenbetrieblichen Qualitäts- sicherung: Er hatte Sektgrundweine aus Rhein- land-Pfalz im Umfang von mehreren 100.000 Litern bezogen, die nicht dem Jahrgangsprofil ent- sprachen. Die Beurteilung des vom Hersteller be- auftragten Handelslabors legte eine unzulässige Wässerung der Sektgrundweine nahe. Daraufhin wandte sich die Weinüberwachungs- behörde in Hessen an das LUA mit der Bitte um Untersuchung und Beurteilung der in Hessen entnommenen Proben. Der Verdacht des Han- Der Gesetzgeber macht klare Vorgaben: Informa- tionen über Lebensmittel dürfen nicht irreführend sein. Und: Sie müssen zutreffend, klar und für die Verbraucher leicht verständlich sein. Diese Infor- mationen können mittels eines Etiketts, sonstigen Begleitmaterials oder in anderer Form zur Verfü- gung gestellt werden. Sie können durch Schrift, Bilder, Grafiken oder mündliche Äußerungen in Medien beziehungsweise Gesprächen vermittelt werden. Informationen sind Tatsachen, aber auch Mitteilungen in Form von Meinungsäußerungen und Werturteilen. Vor der Hightech kommt die Handarbeit: Ein Labormit- arbeiter bei der Vorbereitung einer Probe. © LUA delslabors wurde durch die amtliche Untersu- chung im LUA bestätigt. Die Grundlage dafür war ein Vergleich mit authentischen Proben aus der EU-Referenzdatenbank, die europaweit für jedes Anbaugebiet und jeden Jahrgang geführt wird. Hintergrund des Verfahrens ist die Bestimmung des Sauerstoff-Isotopen-Verhältnisses zwischen den schwereren 18O-Sauerstoffatomen und den leichteren, überwiegend vorkommenden 16O- Sauerstoffatomen. Im Grundwasser, welches die Trauben aufnehmen, wird ein stets niedrige- rer 18O-Anteil bestimmt als in dem natürlich im Wein vorhandenen Wasser, da die 18O-Sauer- stoffatome durch die Verdunstung des Wassers über die Blätter der Rebe stark angereichert wer- den. Aufgrund dieser starken Anreicherung an 18O-Sauerstoffisotopen ist es möglich, die Zuga- be von exogenem Wasser zu Wein nachzuweisen. Mit diesem Verfahren konnte der Weinkellerei nachgewiesen werden, dass die von ihr gelieferten Weine einen unzulässigen Wasserzusatz erhalten Der häufigste Fall einer Irreführung bei im Jahr 2024 beprobten Erzeugnissen des Weinrechts war das Inverkehrbringen von Weinen als Qualitäts- wein oder Prädikatswein ohne bzw. ohne gültige Amtliche Prüfungsnummer. Dabei wird suggeriert, dass die betreffenden Erzeugnisse bei der Amtli- chen Prüfung verkostet und für gut befunden wur- den, obwohl dies tatsächlich nicht der Fall war. Mit einigem Abstand betraf der zweithäufigste Fall einer Irreführung den etikettierten Gehalt an vorhandenem Alkohol. Beträgt die Abweichung hier mehr als 1,0 Volumenprozent, so wird dies als irreführend gewertet. Weitere Beanstandungs- gründe sind „irreführende Angaben im Zusam- menhang mit Prämierungen“ und „Irreführung im Zusammenhang mit geschützten Begriffen“, die entweder unzulässig verwendet wurden oder bei denen eine Verwechslungsgefahr besteht. Weitere beanstandete Irreführungen betrafen die Angaben der Rebsorte, der Herkunft und des Jahr- gangs sowie Qualitätsangaben, die Öko-Kenn- zeichnung und Angaben im Zusammenhang mit dem Begriff „Weingut“. So stand zum Beispiel ei- 5 nem Wein die Angabe „Prädikatswein“ nicht zu, da es sich „nur“ um einen Qualitätswein handel- te. Ein weiterer Wein wurde mit den Begriffen „Er- zeugerabfüllung Weingut XY“ vermarktet, obwohl es sich um Zukaufsware handelte, die eben nicht selbst erzeugt wurde. Auch Phantasiebezeichnungen können zur Irre- führung geeignet sein, da sie häufig zu Werbe- zwecken bewusst in Anspielung auf geschütz- te bzw. an bestimmte gesetzliche Anforderungen geknüpfte Begriffe verwendet werden. Neu hin- zugekommen sind irreführende Angaben im Zu- tatenverzeichnis. Da die Angabe eines Zutaten- verzeichnisses bei Weinen erst ab dem aktuellen Jahrgang 2024 allgemein verpflichtend ist, wer- den hier noch recht häufig Mängel belehrt oder auch beanstandet. Zutatenverzeichnis, Nährwertkenn- zeichnung und QR-Code in der Praxis Wein benötigt jetzt eine Nährwertkennzeichnung Viele Verbraucherinnen und Verbraucher ha- ben es wahrscheinlich noch nicht bemerkt: Alle Weinerzeugnisse ab dem Jahrgang 2024 müssen eine Nährwertangabe und ein Zutatenverzeich- nis auf dem Etikett haben. Mit der EU-Verordnung 2021/2117 wurde die Deklaration von Wein den bisher bereits geltenden Regelungen für Lebens- mittel angepasst. Auf vielen Etiketten befindet sich nun ein QR-Code, da der Platz auf dem Eti- kett begrenzt ist. Er kann mit einem Smartphone gescannt werden und leitet auf die Website des Herstellers weiter, wo das Zutatenverzeichnis und die Nährwertangaben digital verfügbar sind. In der Praxis führte dies zu zahlreichen Unsicher- heiten bei den Winzern. Wie etwa die doppel- te Kennzeichnung eines Allergens in der Etiket- tierung, sofern es bereits im Zutatenverzeichnis aufgeführt ist. Die größte Herausforderung liegt allerdings bei der Nährwertdeklaration und beim Verzeichnis der Zutaten mittels QR-Code. Ein Bei- spiel: Auf den Plattformen, auf die die Verbrau- cherinnen und Verbraucher per QR-Code gelan- 6 gen, werden oft zusätzliche Informationen zu Verkaufs- oder Vermarktungszwecken angeboten. Dies ist aber laut EU-Verordnung verboten. Für das LUA bedeuteten die Schwierigkeiten der Win- zer mit den neuen Verpflichtungen vor allem, dass bei den Kontrollen vor Ort der Beratungsumfang angewachsen ist. Neue Anforderungen an das Zutatenverzeich- nis für aromatisierte weinhaltige Getränke Aromatisierte Weinerzeugnisse wie Sangria, Wer- mutwein oder Glühwein werden nach den Vor- gaben in VO (EU) 251/2014 aus bestimmten Weinbauerzeugnissen hergestellt. Die neue VO (EU) 2024/585 legt nun fest, dass diese Haupt- zutat „Wein“ in dem Zutatenverzeichnis anzuge- ben ist; unmittelbar dahinter in Klammern ge- setzt folgen die einzelnen Zutaten dieses Weines nach Maßgabe der speziellen weinrechtlichen Re- gelungen. Anschließend sind in absteigender Rei- henfolge ihres Gewichtsanteils die weiteren Zuta- ten wie beispielsweise Zucker, Wasser, Gewürze, Aromen oder geschmackgebenden Lebensmittel aufzuführen. Hierbei sind Stoffe, die sowohl beim Wein selbst als auch bei der weiteren Herstellung des Getränks erneut eingesetzt werden, wie zum Beispiel das „Antioxidationsmittel: Sulfite“, dann auch doppelt zu nennen. Diese rechtlichen Vorga- ben führten zu einigen Startschwierigkeiten in der Praxis, die das LUA sicher auch noch weitere Zeit begleiten werden. Für kurzfristigen Klärungsbedarf sorgte auch die jährliche Glühweinsaison im Einzelhandel: Kann im Einklang mit den Bezeichnungen im Zutaten- verzeichnis „trinkfertig gewürzt“ ausgelobt wer- den oder ist doch eher die Angabe „mit dem Aroma von Zimt und Nelke“ angemessen? Als verantwortlicher Betrieb hält man sich für die Be- zeichnungen im Zutatenverzeichnis am besten an die Deklarationsempfehlungen aus den Produkt- spezifikationen der verwendeten Aromen. „Aro- ma“ geht immer, aber an „natürliches Aroma“ oder gar an „natürliches Zimt-Aroma“ oder „Ge- würznelkenextrakt“ sind aus lebensmittelrechtli- cher Sicht besondere Anforderungen geknüpft. So Gar nicht so einfach: Ab dem Jahrgang 2024 müssen alle Weinerzeugnisse eine Nährwertangabe und ein Zutaten- verzeichnis auf dem Etikett haben. In der Praxis läuft das noch nicht ganz rund. © industrieblick / AdobeStock müssen für die beiden zuletzt genannten Bezeich- nungen mindestens 95 Gewichtsprozent der aro- magebenden Bestandteile aus dem benannten Gewürz stammen.Die Angabe des Gesamtalkoholgehalts, die die An- gabe des vorhandenen Alkohols ersetzt, entspricht hingegen dem Alkoholgehalt nach einer vollstän- digen Vergärung des enthaltenen Zuckers. Zutatenverzeichnis und Nährwertkennzeich- nung jetzt auch für FederweißerDa Federweißer und Co. zu den ersten hergestell- ten Erzeugnissen eines Jahrgangs gehören, muss- ten die neuen Vorgaben zur Deklaration bei diesen Produkten entsprechend früh umgesetzt werden. Daher ist es wenig verwunderlich, dass bei Feder- weißer und Co. im Jahr 2024 erhöhter Beratungs- aufwand anfiel und sich bei einigen Proben noch Fehler in der Nährwertdeklaration eingeschlichen haben. Hinzu kommt, dass sich für das saisona- le Nischenprodukt mit zeitlich stark eingegrenz- ter Verkaufszeit kaum eine Laboranalyse für Nähr- werte lohnt. Zum Glück ist die Berechnung der relevanten Nährwerte nur anhand von Mostge- wicht und Gesamtsäuregehalt möglich. Wer hier den Überblick behalten möchte, dem sei das vom LUA auf der Homepage veröffentlichte Merkblatt zu teilweise gegorenem Traubenmost empfohlen. Auch teilweise gegorener Traubenmost (darun- ter Federweißer, Neuer Süßer, Rauscher und Co.) benötigt seit dem Jahrgang 2024 die Angabe von Nährwertkennzeichnung und Zutatenverzeichnis auf dem Etikett. Alternativ ist auch hier die Anga- be mittels QR-Code möglich. Da sich das beliebte Herbstgetränk in Gärung befindet, verändern sich naturgemäß Zucker- und Alkoholgehalt sowie der unter anderem daraus berechnete Brennwert fort- laufend. Daher werden in der Nähwertkennzeich- nung von teilweise gegorenem Traubenmost die Werte des Mostes vor Beginn der Gärung angege- ben. Auf diesen Umstand sollte der Inverkehrbrin- ger bei der Nährwertkennzeichnung hinweisen. 7 Mainzer Straße 112 56068 Koblenz poststelle@lua.rlp.de www.lua.rlp.de Diese Druckschrift wird im Rahmen der Öffent- lichkeitsarbeit der Landesregierung Rheinland- Pfalz herausgegeben. Sie darf weder von Partei- en von von Wahlwerberinnen/Wahlwerbern oder Wahlhelferinnen/Wahlhelfern zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Auch ohne zeit- lichen Bezug zu einer bevorstehenden Wahl darf die Druckschrift nicht in einer Weise verwendet werden, die als Parteinahme der Landesregierung zu Gunsten einer politischen Gruppe verstanden werden könnte.

VDI-Handlungsempfehlung: Klimawandel – Luftqualität – Pollenallergie

Die Umweltbedingungen ändern sich derzeit in hohem Maße, insbesondere bedingt durch den Klimawandel, mit Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Bei der Anpassung an den Klimawandel sind interdisziplinäre Ansätze gefragt. Denn eine auf den ersten Blick gute Idee, um negative Einflüsse des Klimawandels zu verringern, kann sich an anderer Stelle nachteilig auswirken. Expertinnen und Experten unterschiedlichster Disziplinen – darunter Medizin, Meteorologie und Atmosphärenchemie – haben im VDI e.V. gemeinsam Zielkonflikte im Zusammenspiel von Klimawandel, Luftqualität und Pollenallergien identifiziert und Vorschläge zum Umgang damit herausgearbeitet, die in der VDI-Handlungsempfehlung „Klimawandel – Luftqualität – Pollenallergie“ zur Verfügung gestellt werden. Allergische Erkrankungen sind mit einer hohen individuellen Krankheitslast sowie mit direkten und indirekten Kosten für die Gesundheitssysteme verbunden. Ihr Auftreten ist abhängig von individuellen Einflussgrößen, aber auch von Umwelteinflüssen, wie die Luftverschmutzung und das Klima, das seinerseits Wetter und Witterung beeinflusst. In der Folge verändern sich die Pollenproduktion der Pflanzen, die Ausbreitungsbedingungen für die Pollen sowie ihr zeitliches Auftreten im Jahresverlauf. Luftschadstoffe wirken nicht nur auf die Zusammensetzung von Pollen, sondern machen den menschlichen Körper auch anfälliger für allergische Reaktionen. Gleichzeitig beeinflusst das Klima direkt und indirekt die Luftqualität – etwa durch Hitzewellen oder Veränderungen bei der Verteilung von Schadstoffen. Die VDI-Handlungsempfehlung „Klimawandel – Luftqualität – Pollenallergie“ bündelt die Erkenntnisse des interdisziplinären Austauschs und zeigt neben dem aktuellen Forschungsbedarf vor allem Maßnahmen in den Bereichen der Stadt- und Regionalplanung, der Verminderung der Luftschadstoffbelastung und der besseren Aufklärung der Öffentlichkeit auf. Zielgruppe Adressiert werden politisch handelnde Personen auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene, Planungsbüros, Gartenbaubetriebe, die Wissenschaft, aber auch alle im Gesundheitssektor Tätige, Institutionen aus den Bereichen Gesundheit, Klimaschutz und Luftreinhaltung sowie Bürgerinnen und Bürger. Wissenschaftlicher Hintergrund Die „VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft“ (KRdL) erstellt im interdisziplinär besetzten Gemeinschaftsausschuss „Bioaerosole und biologische Agenzien“ Richtlinien, die sich mit der Entstehung, Ausbreitung, Erfassung, gesundheitlichen Bewertung sowie mit den jeweiligen Minderungsmaßnahmen von Bioaerosolen befassen, darunter auch allergierelevante Pollen. Die beteiligten Expertinnen und Experten bringen Fachkenntnisse aus ihren jeweiligen, sehr unterschiedlichen Bereichen der Wissenschaft und Praxis ein. Ihnen bietet die KRdL eine Plattform für den Austausch und die Verknüpfung der Disziplinen. Die wissenschaftlichen Hintergründe zur VDI-Handlungsempfehlung „Klimawandel – Luftqualität – Pollenallergie“ werden im Artikel „Climate Change, Air Quality, and Pollen Allergies ‐ state of the art and recommendations for research and public health“ in der Fachzeitschrift „Allergy“ dargelegt.

Projekt Beobachtungsgesundheitsaemter - Ein Monitoring der internen Schadstoffbelastung und der Wirkung von Luftschadstoffen

Ziele: Ermittlung der internen Belastung mit Schwermetallen (Blei, Cadmium, Arsen, Quecksilber) und organischen Schadstoffen (Hexachlorbenzol, Polychlorierte Biphenyle). Ermittlung der Haeufigkeit des Auftretens bzw. der Schwere von Atemwegserkrankungen und Allergien. Fragestellungen: Gibt es Unterschiede in der internen Belastung von Kindern aus unterschiedlich strukturierten Regionen? Unterscheiden sich Kinder aus Regionen mit unterschiedlicher Luftbelastung in Baden-Wuerttemberg hinsichtlich der Entwicklung der Atemwege? Besteht ein Zusammenhang zwischen der Immissionssituation und der Haeufigkeit des Auftretens bzw. der Schwere von Atemwegserkrankungen und Allergien? Bisherige Ergebnisse: Die Ergebnisse liegen insgesamt in einem Bereich, der bei vergleichbaren Untersuchungen im Bundesgebiet beobachtet wurde. Bei der Belastung mit Schadstoffen traten fuer einzelne Parameter Unterschiede zwischen den Orten auf, denen jedoch aufgrund der insgesamt geringen Konzentrationsunterschiede eine geringe Bedeutung zukommt. Fuer die Haeufigkeit von Atemwegserkrankungen und Allergien erwies sich die familiaere Veranlagung als Haupteinflussfaktor. Der Anteil der Kinder, die eine Sensibilisierung aufweisen, liegt im Ballungsgebiet Mannheim deutlich niedriger als in den eher laendlich strukturierten Regionen Kehl und Aulendorf/Bad Waldsee.

Epidemiologie allergischer Erkrankungen

In diesem Projekt soll die Praevalenz verschiedener allergischer Erkrankungen in der deutschen Bevoelkerung und moegliche Trends in der Haeufigkeit ermittelt werden. Bisherige Untersuchungen haben im Kindesalter eine Haeufigkeit von 20 vH atopischer Erkrankungen (Asthma, Rhinitis allergica, atopisches Ekzem (=Neurodermitis)) bei fuenf- bis sechsjaehrigen Kindern ergeben. Durch analytische Epidemiologie in Zusammenhang mit Messung von Allergen- und Schadstoffbelastung im Umfeld des Patienten sollen Schluesse ueber den moeglichen Einfluss von Umweltnoxen auf die Entwicklung allergischer Erkrankungen gewonnen werden.

Schutz vor der Entstehung allergischer Erkrankungen: Protektive Faktoren des landwirtschaftlichen Lebens (ALEX)

Ziel: Ziel der Studie ist die Analyse der protektiven Faktoren, die dafür verantwortlich sind, dass Kinder von Landwirten im Vergleich zu Kindern der Kontrollgruppen geringere Prävalenzen von Heuschnupfen, allergischen Sensibilisierungen und asthmatischen Erkrankungen haben. Methodik: Rekrutierung von Grundschulkindern auf dem Lande, die auf einem Bauernhof wohnen oder nicht, Fragebogenerhebung, Allergietestung, Staubsammlung im häuslichen Bereich, Endotoxinbestimmung und Allergenmessung im Staub sowie multivariate Analyse. Ergebnisse: An Heuschnupfen litten 8,8 Prozent der nicht-bäuerlichen Kinder gegenüber nur 2,9 Prozent der Bauernkinder. Im SX1-Screeningtest hatten 22,3 Prozent der Nicht-Bauernkinder und 12,3 Prozent der Bauernkinder einen positiven RAST. Die Endotoxinkonzentrationen sind im häuslichen Milieu von Bauernkindern höher als in dem von Nicht-Bauernkindern. Weitere Auswertungen sind nötig um zu zeigen, ob tatsächlich ein protektiver Effekt für die Entstehung allergischer Erkrankungen durch frühkindliche Endotoxin-Exposition gegeben ist.

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