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Berichte
4.3.25
des
Landesamtes
für
Umweltschutz
Sachsen-Anhalt,
Heft
RINGELNATTER
4/2015:
511 – 524
Ringelnatter – Natrix natrix (LINNAEUS, 1758)
Jürgen BUSCHENDORF
1 Artsteckbrief
Kennzeichen: Haut mit
hornigen Schuppen/Schilden
bedeckt, unbewegliche Augen-
lider, mehr oder weniger abgesetzter
Kopf, gekielte Rückenschuppen, beiderseits des Hin-
terkopfes ein deutlicher gelber/weißer Fleck, vorn und
hinten schwarz begrenzt.
Größe: ♂♂ durchschnittliche Länge 70 cm (maximal
100 cm), ♀♀ durchschnittliche Länge: 85 cm, (maxi-
mal 150 cm), kräftiger, dicker als ♂♂ (4 – 5 cm Körper-
querschnitt).
Geschlechtsunterschiede/Trachten: Oberseite: Alle
Abstufungen von grau (braungrau-schwarz), oft mit
4 – 6 Längsreihen kleiner schwarzer Flecken, Unter-
seite: Weiß, elfenbeinfarben mit schwarzer oder bläu-
lich-schwarzer Würfelung, ♂♂ mit verdickter Schwanz-
wurzel. Melanistische Exemplare sind nicht selten.
Habitate: Breites Spektrum von offenen und halboffe-
nen Habitaten entlang von Still- und Fließgewässern
mit Eiablageplätzen, Sonnenplätzen und Tagesverste-
cken, natürliche und künstliche Seen, Teiche, Rest-
löcher, terrestrische Habitate: Auwälder, Feuchtgrün-
land, Sümpfe.
Aktivität: Hauptsächlich tagaktiv, Verlassen der Win-
terquartiere März/April, Wandern zum Paarungsplatz,
Paarungsaktivität
Abb. 1: Oben: Auf Ast ruhende
Ringelnatter (Foto: S: Eller-
mann); Unten: Ringelnatter
mit Gelege (Foto: P. IBe)
(Montage).
Mai – Juni,
Aufsuchen
des Eiablageplat-
zes, Aufsuchen des Winterquar-
tiers September/Oktober, Winterstarre.
Wanderungen/Reviere: Hält sich bei günsti-
gen Habitatbedingungen oft jahrelang an denselben
Plätzen auf, Aktionsradius (Normalfall): 300 – 500 m,
„home-range“ 8 – 30 ha, zum Aufsuchen der Eiabla-
geplätze und Abwanderung von diesen werden durch-
schnittlich täglich 150 m zurückgelegt, größte tägliche
Wanderleistung: 460 m (Luftlinie).
Fortpflanzung/Entwicklung: Paarungen Ende April
bis Mai, Eiablage Ende Juni – Anfang August, schnee-
weiße, von klebrigem Sekret umgebene Eier in trau-
benförmigen Klumpen, Gelegegröße: am häufigsten
10 – 30 (6 – 116), Eigrößen: Länge 24 – 30 mm, Breite
14 – 20 mm. Jungtiere schlüpfen nach 30 – 33 Tagen
(4 – 10 Wochen) mit 18 – 21 (13 – 23) cm Länge, 1.
Häutung 1 – 14 Tage nach Schlupf, wachsen bis zur
Einwinterung auf 25 cm Länge.
Nahrung: Frösche (vorrangig Braunfrösche),
Molche und deren Larven, auch Kröten,
Fische, Kleinsäuger (Mäuse, Spitzmäuse).
Alter: Im Freiland 20 – 25
Jahre, im Terrarium
28 – 35 Jahre.
511
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RINGELNATTER
2Verbreitung und Ökologie
2.1Allgemeine Verbreitung
2.1.1 Areal
Die Art kommt in mit Ausnahme von Irland, Schott-
land, Nordskandinavien und einigen Mittelmeerinseln
(Malta, Kreta, Balearen, einige Kykladen) in ganz
Europa vor. Die Nordgrenze des Verbreitungsgebietes
verläuft entlang des 67. Breitengrads durch England,
Wales über Schweden, Norwegen und Finnland zu
den Nordküsten von Ladoga- und Onegasee im euro-
päischen Teil Russlands. Im Osten reicht das Areal bis
zum nördlichen (burjatischen) Teil der Mongolei ca.
200 km östlich des Baikalsees. Die Südgrenze verläuft
durch die Nordwestmongolei, Nord-Xinjiang (China)
durch Kasachstan, Turkmenien, den nördlichen Iran
bis Syrien und den nördlichen Libanon. Reliktar-
tige Vorkommen wurden aus Teilen Nordwestafrikas
gemeldet.
2.1.2 Verbreitung in Deutschland
Die Ringelnatter ist die in Deutschland häufigste und
am weitesten verbreitete Schlangenart. Es gibt aber
zahlreiche Verbreitungslücken, vor allem in gewässer-
armen, ausgeräumten Agrarlandschaften sowie in den
Hochlagen der Mittelgebirge und der Alpen. Höchst-
wahrscheinlich sind auch eine Reihe der Fehlstellen
kartierungsbedingt. Die Ringelnatter wurde bisher
noch nicht auf den Ostfriesischen Inseln nachgewie-
sen. Von den Nordfriesischen Inseln ist sie nur auf
Sylt beobachtet worden. Regionen ohne oder nur mit
wenigen Nachweisen der Art sind einige Geestgebiete
(Ems-Hunte und Ostfriesisch-Oldenburgische Geest),
Wendland-Altmark, Nordbrandenburgisches Platten-
und Hügelland, Luchland, Teile im Osten und Westen
der Westfälischen Bucht, Niederrheinisches Tiefland,
Kölner Bucht und Schwäbische Alb. Sehr lückige Ver-
breitung der Ringelnatter weisen folgende Landschaf-
ten auf: Stader Geest, Lüneburger Heide, Weser-Lei-
ne-Bergland, Östliches und Nördliches Harzvorland
und Börden, Fläming, Thüringer Becken, Teile des
Rheinischen Schiefergebirges (Eifel, Hunsrück,
Süderbergland), Nahe-Bergland, Teile des Südwest-
deutschen Schichtstufenlandes und das Alpenvorland.
2.1.3 An Sachsen-Anhalt grenzende Vorkommen
Die sehr lückige Verbreitung der Art entlang der östli-
chen Landesgrenze setzt sich auch auf brandenbur-
gischem Gebiet fort. Allerdings sind dort im mittleren
Grenzabschnitt (MTB 3239 südwärts bis 3639) mehr
MTB besetzt als in der Elbtalniederung Sachsen-An-
halts. Südlich davon existieren bis zur sächsischen
Grenze beiderseits sehr große Verbreitungslücken
(Fläming und Elbe-Mulde-Tiefland). Die zahlreichen
Vorkommen im Schwarze-Elster-Tal, im Dessauer
Elbtal und in der Dübener Heide setzen sich auch auf
sächsischem Gebiet fort. Wenige Vorkommen existie-
ren im Norden der Düben-Dahlener Heide und im Rie-
sa-Torgauer Elbtal. Die zahlreichen Fundpunkte an der
Mulde auf sachsen-anhaltischem Gebiet finden eine
abgeschwächte Fortsetzung in Sachsen. Gleiches
trifft auch auf das Tal der Weißen Elster zu. Ansonsten
sind auf beiden Seiten des südöstlichen Grenzverlaufs
kaum Vorkommen bekannt. Die Art ist im gesamten
Grenzgebiet zu Niedersachsen nur an wenigen Stellen
nachgewiesen. Das ist der Fall im Norden der West-
lichen Altmarkplatten, im Gebiet der Jeetze, am Mit-
tellandkanal bzw. der Ohre und im Harz. Die wenigen
Vorkommen im Gebiet der Weißen Elster und Saale
auf sachsen-anhaltischem Gebiet finden auf thüringi-
scher Seite ihre Fortsetzung. Die zahlreichen Vorkom-
men in den Grenzgebieten des Südlichen Harzvorlan-
des und der Helme-Unstrut-Niederung setzen sich in
Thüringen nur teilweise fort. Im Mittelharz-Grenzgebiet
konnten sowohl in Sachsen-Anhalt als auch in Thürin-
gen mehrere Vorkommen registriert werden.
2.2
Vorkommen in Sachsen-Anhalt
2.2.1 Verbreitung und Häufigkeit
Datengrundlagen
In Sachsen-Anhalt liegen zur Ringelnatter 1.609
Datensätze (von 9.273 Datensätzen zu Reptilien) vor.
Diese bilden die Grundlage für die Errechnung der
aktuellen Präsenz der Art und eine Reihe anderer Aus-
sagen über die Art.
Aus den 1.609 Datensätzen zur Ringelnatter konnten
1.242 Fundorte (von insgesamt 5.676 Reptilienfundor-
ten in Sachsen-Anhalt) für weitere Auswertungen ver-
wendet werden.
Historische Verbreitung
Aus dem 18. Jahrhundert berichtet Stübner (1790)
über Vorkommen der Art bei Blankenburg und Walken-
ried: „Wasserschlangen, welche zum Theil 4 Fuß lang
sind, schwarze Hauptschilde haben, und nicht bestän-
dig im Wasser, sondern mehrentheils auf dem Lande
Tab. 1: Datengrundlagen zur Ringelnatter in Sachsen-Anhalt.
Karte 1: Aktuelle Verbreitung (1990 – 2014) der Ringelnatter in
Deutschland (modifiziert nach DGHT e. V. 2014).
512
RINGELNATTER
Abb. 2: Ringelnatter in typischer Ruhestellung (Foto: S. Teufert).
leben.“ Im 19. Jahrhundert sind schon mehr Infor-
mationen über das Vorkommen der Ringelnatter auf
dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt bekannt.
So schreibt Zimmermann (1834): „Auf den Höhen
des Oberharzes gar nicht, in den Thälern … selten;
häufiger am Vorharze“. Rimrod (1856a) fand die Art
„am Vorharze i. d. Thälern“ und Geitel (1881) in der
Umgebung von Blankenburg und Goldfuss (1886)
häufig in der Götsche bei Bitterfeld. Kohlmann (1850)
schreibt von Ringelnattereierfunden bei Dessau.
Wolterstorff (1888) fand eine 1,10 m lange Haut
eines Stückes bei Osterburg, wo sein Bruder noch
größere Stücke gesehen haben soll. Er schreibt: „Ich
selbst kenne die Art nur von einen Fundort, Osterburg,
genauer, wo sie in dem keineswegs großen Walde
„der Klei“ sehr häufig ist.“
Alle anderen, von ihm aufgeführten Fundorte sind
Angaben aus der Literatur bzw. von Gewährsleu-
ten, so Naumburg, Salziger See, Seeburg, Goseck
bei Weißenfels, Zöckeritz bei Bitterfeld, Friederiken-
berg östlich von Tochheim bei Zerbst, bei Dessau,
am Regenstein, im Selke- und Bodetal, Treseburg,
am Vorharz, bei Neuhaldensleben (Bode). Köhnke
(1893) schreibt von einer sicheren Beobachtung der
Ringelnatter in der Umgebung von Salzwedel. Wol-
terstorff (1893a) wurden Beobachtungen der Art
von A. Smalian (Halle) mitgeteilt: Im Selkegebiet, z. B.
bei Pansfelde, am Falkenstein, im Selketal, im südöst-
lichen Teil des Harzes seltener beobachtet, Degen-
ershausen, Bodetal bei Treseburg, Sägemühlenteich
und Umgebung bei Blankenburg (häufig), Bodetal, im
Harz weitverbreitet, aber kaum häufig, bei Eisleben ab
und zu vorkommend, Steinklöbe unterhalb Wendel-
Abb. 3: Ringelnatter im Angriffsverhalten (Foto: S. Ellermann).
513
Das Großherzogtum hat eine Fläche von etwa 2586 km2, wobei ca. 32 Prozent bewaldet sind. Nördlich der Stadt Luxembourg bis Mersch sowie südlich von Echternach befinden sich relativ große zusammenhängende Waldgebiete mit optimalen Baummarderhabitaten. Im überwiegend landwirtschaftlich genutzten Osten und Süden befinden sich hingegen viele Feldgehölze und kleine Wälder in Kuppenlagen, die womöglich ebenfalls vom Baummarder besiedelt werden. Diese Tendenz der Besiedelung des Halboffenlandes und kleinerer Waldinseln ist in den Arbeiten von CLEVENGER (1994) für die Balearen sowie in Nordostdeutschland durch STIER (2000) nachgewiesen. Ob die im Norden und Osten des Landes vorhandenen kleinräumige Kuppenwälder, Weinberge, Weinbergsbrachen sowie die abschüssigen Waldstreifen entlang der Flusstäler geeignete Habitate darstellen, ist weitgehend unbekannt (SCHLEY mündl.). Die Dichte von Baummardern in optimalen Lebensräumen Ostpolens wird auf 5,4 Individuen im Mittel auf 10 km2 beschrieben (ZALEWSKI 2006). Ob und in welchen Dichten der Baummarder in den fragmentierten Waldlandschaften Luxemburgs heimisch ist, ist ein Ziel der Arbeit. Die Verbreitung des Baummarders in Luxemburg ist bis jetzt nur sehr lückenhaft durch die Arbeit von Frank Wolff (BFR01/137) dokumentiert. Eine strenge Bindung an Baumbestände von über 20 Meter Höhe, wie sie BRAINERD&ROLSTAD (2002) beschreiben, würde die potentiellen Habitate stark einschränken. Ob dieses Phänomen auch auf luxemburgische Verhältnisse übertragbar ist, oder lediglich für große zusammenhängende Waldgebiete Skandinaviens zutrifft, bleibt zu prüfen. Da die Art in Luxemburg eine ganzjährige Schonzeit genießt, liegen keine Streckendaten vor, die Rückschlüsse auf Vorkommen und Populationsdichten erlauben würden. Lediglich Verkehrsopfer zeigen punktuell, wo Baummarder vorkommen, sie geben aber nur begrenzt Hinweise auf die vorhandenen Dichteverhältnisse. Ziel der geplanten Untersuchung ist zum einen die Erfassung des Baummarderbestandes in Luxemburg und zum anderen die Abschätzung von Populationsdichten mit Hilfe von Telemetriestudien. Hierbei können Homeranges berechnet und Tagesverstecke analysiert werden, was die wichtigsten Grundlagen für den Schutz der Art darstellen. Außerdem kann man die Flächennutzung und die Territorialität der besenderten Tiere feststellen und somit die Ansprüche bezüglich Lebensraumqualität und -quantität definieren. Durch genetische Analysen werden die Ergebnisse der Telemetrieuntersuchungen überprüft und auch auf weitere Landesflächen extrapoliert. Übergeordnetes Ziel der Arbeit ist ein Managementplan, der den langfristigen Schutz des Baummarders in Luxemburg beinhaltet. Untersuchungsgebiet/Methoden: Als Untersuchungsgebiete dienen der Houwald bei Grevenmacher, das Gebiet zwischen Mertert und Mompach und ein weiteres rund um Rodenbourg. Das erstgenannte ist ein etwa 500ha großes, kompaktes Waldgebiet, wobei sich im Süd-Osten Weinberge und Steillagenwälder zur Mosel anschließen. U.s.w.