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Bodenschutz in der Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit

Böden haben für die Menschen in den Städten meist keine direkte Bedeutung mehr. Sie werden häufig lediglich als versiegelte und bebaute Oberflächen erlebt und angesehen. Als Basis für unsere Nahrungsmittelerzeugung und somit Existenzsicherung und als ein mit vielen Lebewesen in Wechselbeziehung stehendes Ökosystem werden Böden dagegen meist nicht wahrgenommen. Das Bewusstsein für diesen einzigartigen und kostbaren Naturkörper Boden, mit seinen verschiedenen Bodenfunktionen für Klima und Wasser, sollte der interessierten Öffentlichkeit sowie Kindern und Jugendlichen schon frühzeitig vermittelt werden. Nur so kann das Verständnis für die Ausnahmestellung des Bodens als wesentliche lokale und globale Lebensgrundlage und Ressource allmählich wachsen. Bodeninformationsangebote Unsere Einstellung zur Natur und den natürlichen Umweltmedien wie Wasser, Luft und Boden wird bereits in der Familie und in der Schule geweckt und geprägt. Berliner Bildungseinrichtungen bringen den Kindern und Jugendlichen altersgerecht, anschaulich und mit lokalem Bezug das Medium Boden näher. Daneben bestehen auch für eine interessierte Öffentlichkeit viele Angebote zur Vermittlung bodenkundlichen Wissens und zur Sensibilisierung für den Schutz des Bodens. Umweltmedium Boden im Berliner Schulunterricht Um das Thema Boden insbesondere jungen Menschen näher zu bringen, bietet es sich an, dies in den Schulunterricht und in den Berliner Gartenarbeitsschulen zu integrieren. Grüner Lernort – Gartenarbeitsschule In Berlin gibt es 17 Standorte der Gartenarbeitsschulen . Hier können Kinder und Schüler mit allen Sinnen lernen und Naturerfahrungen mit Pflanzen und Tieren sammeln. „Lebenslanges Lernen im Garten“: Dieser Slogan wird in den Berliner Gartenarbeitsschulen mit Leben erfüllt und soll auch für das aktive Boden-Begreifen gelten. Dabei wird dem Boden als Mikrokosmos, mit seinen wichtigen Wechselwirkungen mit der belebten und unbelebten Umwelt und als das Fundament terrestrischer Ökosysteme die nötige Aufmerksamkeit gewidmet. Bild: M. Makki (HU Berlin) Berliner Stadtböden Die Böden Berlins spiegeln die bewegte natur- und kulturräumliche Geschichte der Region wider. Die Vielfalt der naturnahen und anthropogenen Böden werden in einem Stadtbodenposter und einer Postkartenserie präsentiert. Weitere Informationen Bild: S. Tenzer (Berliner Weltacker e. V.) Bodenschauprofil des Berliner Weltackers Der Berliner Weltacker im Botanischen Volkspark Blankenfelde-Pankow ist nicht nur ein Ort der biologischen Vielfalt, sondern auch ein lebendiger Lehr- und Schauacker für nachhaltige Landwirtschaft und Bodenschutz. Ein besonderer Anlaufpunkt ist das begehbare Bodenschauprofil, das mit einer Schautafel zu einer Reise in die Geschichte eines Gartenbodens einlädt. Weitere Informationen Bild: www.umweltconsulting.biz Der Bodengarten "Der Bodengarten" ist ein gestalteter Außenbereich innerhalb der Gartenarbeitsschulen. Er existiert seit 2013 und setzt sich speziell mit dem Thema Boden in seinen vielen Facetten auseinandersetzt. Weitere Informationen

Vorsorgender Bodenschutz

Ziel des Vorsorgegedankens ist es, die natürlichen Ressourcen und Lebensgrundlagen zu schützen, bevor Gefährdungen auftreten. Auch das Bundes-Bodenschutzgesetz zielt darauf, bereits das Entstehen schädlicher Bodenveränderungen durch Vorsorge zu verhindern. Vorsorgender Bodenschutz konzentriert sich auf Gefahrvermeidung, auf Maßnahmen, die schon das Entstehen von schädlichen Bodenveränderungen ausschließen. Vorsorgemaßnahmen setzen bereits dann ein, wenn die Besorgnis einer schädlichen Bodenveränderung besteht. Besorgnis beinhaltet den begründeten Verdacht des Entstehens einer schädlichen Bodenveränderung, falls durch Einwirkung auf den Boden langfristig eine Änderung der Bodenfunktion zu erwarten ist. Diese ist also noch nicht eingetreten, wird aber bei Anhalten des aktuellen Zustandes wahrscheinlich eintreten. Nachsorgender Bodenschutz hingegen beseitigt bereits eingetretene schädliche Bodenveränderungen und damit verbundene konkrete und definierte Gefahren (zum Beispiel Altlastensanierung). Vor allem in der Stadt besteht der vorsorgende Bodenschutz zunächst und wesentlich darin, möglichst viel Bodenfläche unversiegelt zu lassen. Als weitere Aufgabe kommt das Vermeiden von stofflichen Belastungen, von Bodenschadverdichtungen und von Bodenerosionen dazu. Generell ist für vorsorgende Maßnahmen kennzeichnend, dass sie möglichen Schäden vorbeugen sollen, für die oft weder die Eintrittswahrscheinlichkeit noch die Schadenshöhe im Einzelnen bekannt sind. So lässt sich kein exakter Grad der Versiegelung angeben, ab dem zum Beispiel die Hochwassergefahr definiert bedrohliche Ausmaße annimmt. Eine vergleichende Betrachtung von Aufwand (an Maßnahmen) und Wirkung (Vermeidung von Schäden) bleibt deswegen nur vage und hängt auch davon ab, welches Risiko man nicht mehr bereit ist zu tragen. Trotzdem sollte diese Risikoeinschätzung nicht nur auf Vermutungen oder Hoffnungen sondern auf Kenntnis der Schadensmöglichkeiten beruhen. Wichtige Informationen dafür liefern u.a. flächendeckende Karten der Böden und ihrer Nutzung. Über die Informationen für ein Fachpublikum hinaus gehört dabei auch das Bewusst machen von Nutzen und Gefährdungen des Bodens durch Öffentlichkeitsarbeit zum vorsorgenden Bodenschutz; ein Bereich, der sich zunehmend entwickelt. Wegen der ökologischen Besonderheiten des Bodens ist die Vorsorge beim Bodenschutz besonders bedeutend: Böden sind im Gegensatz zu Luft und Wasser ortsfest, zeigen nur einen minimalen horizontalen Stoffaustausch und weisen deswegen kleinräumig stark wechselnde Eigenschaften (und Belastungen) auf. Viele Belastungen (zum Beispiel durch umweltgefährdende Stoffe , Verdichtungen sind somit nur bei sehr engmaschiger Beprobung überhaupt erkennbar. Darüber hinaus entziehen Böden sich überwiegend einer direkten Beobachtung, so dass ein Überblick über den aktuellen Zustand extrem erschwert ist. Sie weisen eine große Pufferwirkung gegenüber stofflichen Veränderungen auf, so dass sie träge und spät auf diese Veränderungen reagieren, dann jedoch mit starken Änderungen. Wichtige Veränderungen (zum Beispiel Versauerung, Eutrophierung) der Böden sind nicht unmittelbar sichtbar. Auch nach Ende einer Belastung erholen sie sich – wiederum wegen der Pufferwirkung – nur extrem langsam. Sie sind flächenmäßig nicht erweiterbar und nach Zerstörung praktisch nicht wieder herstellbar. Zusammenfassend lässt sich feststellen: vorsorgender Bodenschutz schützt Böden gebietsbezogen unmittelbar vor zu erwartenden schädlichen Bodenveränderungen, schützt vor schädlichen Bodenveränderungen, die sowohl ökosystemar als auch volkswirtschaftlich nachteilige, häufig nur schwer oder nicht mehr umkehrbare Auswirkungen zur Folge haben, beinhaltet die Erarbeitung von Informationsgrundlagen zur Abschätzung der Auswirkungen von unmittelbaren Änderungen der Nutzungen von Böden sowie von unmittelbaren und mittelbaren nachteiligen Einwirkungen auf Böden und steht kaum in der öffentlichen Diskussion und Wahrnehmung, weil schädliche Bodenveränderungen auf den Boden bezogen meist nur unspezifisch und mittelbar zur Wirkung kommen (im Gegensatz zu Altlasten, die punktuell ausgeprägt häufig eine direkte Gefahr für die Gesundheit des Menschen darstellen). Entsprechend den Gefährdungen wird zwischen Vorsorge gegen stoffliche Belastungen (chemische Veränderungen) und Vorsorge gegen nichtstoffliche Belastungen (Versiegelung, Verdichtung, Erosion) unterschieden. In beiden Fällen gibt es zahlreiche Fachaufgaben, die am vorsorgenden Bodenschutz beteiligt sind. Der (ehemalige) “Wissenschaftliche Beirat Bodenschutz beim BMU” hat im Jahr 2000 ein umfassendes Konzept Wege zum vorsorgenden Bodenschutz (pdf; 1,8 MB) vorgelegt. Informationsgrundlagen für den vorsorgenden Bodenschutz Bodenschutz ist eine Querschnittsaufgabe und erfordert fachübergreifende Handlungsansätze. Für die Berücksichtigung von Belangen des Bodenschutzes in der räumlichen Planung und den Vollzug von Bodenschutzmaßnahmen werden daher Daten aus verschiedenen Bereichen benötigt. Weitere Informationen Beteiligtes Fachrecht für den vorsorgenden Bodenschutz Das Bundes-Bodenschutzgesetz findet immer dann Anwendung, wenn andere Fachrechte keine bodenbezogenen Regelungen enthalten. Weitere Informationen Vorsorge gegen stoffliche Bodenbelastungen Belastungen des Bodens durch schädigende Substanzen sollen schon im Voraus verhindern werden. Solche Belastungen können durch Unfälle oder unsachgemäßen Umgang mit den Stoffen und Abfällen in Betrieben, Landwirtschaft, Haushalten, Tankstellen oder durch luftbürtigen Schadstoffeintrag entstehen. Weitere Informationen Vorsorge gegen nichtstoffliche Bodenbelastungen Vorsorgender Bodenschutz ist gerade beim nichtstofflichen Bodenschutz eine fach-, behörden- und medienübergreifende Aufgabe. Die Fachaufgabe beinhaltet für die Bodenschutzbehörde vor allem Planung und Koordination. Weitere Informationen Bodenschutz in der Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit Das Bewusstsein für den einzigartigen und kostbaren Naturkörper Boden, mit seinen verschiedenen Bodenfunktionen, sollte der interessierten Öffentlichkeit sowie Kindern und Jugendlichen schon frühzeitig vermittelt werden. Nur so kann das Verständnis für die Ausnahmestellung des Bodens als wesentliche lokale und globale Lebensgrundlage und Ressource allmählich wachsen Weitere Informationen

BiodivMon: Erhöhung des gesellschaftlichen Bewusstseins für die Biodiversität des Bodens und Vervielfachung des Monitorings durch studentengestützte Citizen Science Konzepte (SoilRise)

ECHO: Auf dem Weg zu gesünderen Böden

Interesse an Boden und dessen Schutz? Dann werden Sie Teil von ECHO! Bei uns werden Sie zu Bodenwissenschaftler*innen indem Sie den Zustand europäischer Böden erforschen und mehr über die wichtige Rolle gesunder Böden erfahren. Wie das geht? Sie entnehmen mit unserer Unterstützung Bodenproben und analysieren diese auf verschiedene Bodengesundheitsindikatoren, um eine Karte des Bodenzustands in Europa zu erstellen. Das klingt spannend? Dann machen Sie mit! Worum geht es in diesem Projekt? Zum Schutz und zur Wiederherstellung der Bodengesundheit sind Kenntnisse und Bewusstsein für deren langfristige Bedeutung sowie relevante Daten erforderlich, die ein besseres Verständnis des aktuellen Zustands der Böden ermöglichen. Ziel des ECHO-Projekts ist es, das Bewusstsein und das Wissen der Bürger*innen über Böden und die Bedeutung der Bodengesundheit durch die Kartierung der Bodenqualität in Europa zu stärken. Dadurch möchten wir erreichen, dass die Bürger*innen ihren Einfluss auf die Bodengesundheit besser verstehen und sie dazu befähigen, aktiv zu nachhaltigen Praktiken für Böden beizutragen. Ein weiteres Ziel ist die Veröffentlichung einer Karte Europas, die all die analysierten Bodendaten der Bürger*innen enthält und somit den Zustand der Böden der Öffentlichkeit zugänglich macht. Das Projekt wird durch Citizen-Science-Initiativen (2025-2026) in verschiedenen klimatischen und biogeografischen Regionen in ganz Europa umgesetzt, bei denen Bürger*innen durch die Entnahme und Analyse von Bodenproben zur Datenerhebung beitragen. In Deutschland werden die lokalen Initiativen von der Universität Hohenheim zusammen mit ECHO-Botschafter*innen geleitet.

KoMoNa: Kartierung der Bodenqualität im Lausitzer Bergbaurevier

Umweltjournal Nr. 54

[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] umwelt journal Rheinland Pfalz Herausgegeben vom Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz Heft 54 Mai 2010 Sonderausgabe re h a 25 J elt- Umw terium is min land- in Rhe z Pfal Tag der offenen Tür: 29. Mai 2010 Impressum umweltjournal Rheinland-Pfalz Nr. 54 (Mai 2010) Das umweltjournal ist kostenlos. Herausgeber: Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Kaiser-Friedrich-Straße 1 55116 Mainz Tel. 06131 – 16 4433 Fax. 06131 – 164629 Redaktion: Roland Horne Leiter der Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz Dr. Ralph Plugge (verantwortlich) Gestaltung: media machine GmbH, Mainz Druck: Druckzentrum Lang, Mainz Fotos: Titelbild: Christof Lang, Mainz Projektfotos S. 39: Wolfgang Peters MUFV S. 40-41: Landesuntersuchungsamt RLP S. 42: fotolia Sofern nicht besonders erwähnt, wurden die Fotos von den jeweiligen Autoren zur Verfügung gestellt ahre 25 J elt- Umw terium is min land- in Rhe z Pfal 2 umweltjournal 54/2010 umwelt Inhalt Grußworte Ministerpräsident Kurt Beck Ministerin Margit Conrad Ministerin a. D. Klaudia Martini Minister a. D. Dr. Alfred Beth Minister a. D. Hans-Otto Wilhelm Minister a. D. Prof. Dr. Klaus Töpfer3 4 6 8 9 10 Umweltministerium und Gesellschaft Vorgeschichte und Ressortgründung Entwicklung des Umweltrechts Naturschutz als gesellschaftliches Anliegen Die Bedeutung des Ehrenamts 14 16 18 20 Energie und Klimaschutz Energiesicherheit und Klimaschutz Energiesparkampagne „Unser Ener“ Kraft-Wärme-Kopplungsinitiative Rheinland Pfalz Energie- und Klimaschutzstrategien 22 25 26 27 Abfall Von der Abfallbeseitigung zur Rohstoffwirtschaft 28 Wasser Der Rhein – Von der Kloake zum „Ökowunder“ Hochwasserschutz in Rheinland-Pfalz 32 36 Veterinärwesen, Lebensmittelüberwachung, Verbraucherschutz Erhaltung der Lebensqualität für Mensch und Tier 38 Nachhaltigkeit Lokale Agenda 21 LZU: Entwicklung und Arbeitsschwerpunkte 44 48 Wald Landesforsten Rheinland-Pfalz Wald in Rheinland-Pfalz Vom Waldsterben zum Klimawandel Naturnahe Waldwirtschaft 50 52 54 56 Bodenschutz Schaffung von Bodenbewusstsein 58 Technischer Umweltschutz 25 Jahre Luftreinhaltung – Eine Erfolgsgeschichte 25 Jahre Anlagensicherheit – damit alles so läuft wie es soll 25 Jahre Chemikaliensicherheit – eine Daueraufgabe60 62 63 Strahlenschutz Kernkraftwerk Mühlheim-Kärlich Sanierung der Urananlage Ellweiler Reaktorfernüberwachung 25 Jahre Strahlenschutz in der Medizin64 66 67 68 Geburtstagsrap der LZU fürs MUF71 der Grußwort Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, „Der Schutz von Natur und Umwelt als Grundlage gegenwärtigen und künf- tigen Lebens ist Pflicht des Landes, der Gemeinden und Gemeindeverbän- de sowie aller Menschen.“ Artikel 69, Absatz 1 unserer Landesverfassung ist so kurz und klar wie er aktuell und zu- kunftsweisend ist. 25 Jahre Umweltministerium Rheinland- Pfalz sind 25 Jahre Arbeit für die Le- bensqualität der Menschen in unserem Land. 25 Jahre Umweltministerium ist ein Vierteljahrhundert Politik für unsere Lebensgrundlagen: für Boden, Was- ser, Luft, für Tiere, Pflanzen und deren Lebensräume. Dieses Jubiläum steht auch für ständigen Einsatz und Über- zeugungsarbeit für einen sparsamen Gebrauch und die Wiederverwendung von Rohstoffen, die sparsame Nutzung von Energie sowie für den Einstieg und Aufbau einer Energieversorgung auf der Basis erneuerbarer Energien. 25 Jahre Umweltministerium in unserem Land zeigen anschaulich und für jeden praktisch nachvollziehbar: Bewahrung und Schutz der Lebensgrundlagen für uns und kommende Generationen sind die grundlegende Voraussetzung für eine erfolgreiche Wirtschaft und soziale Sicherheit. Daher sind 25 Jahre Um- weltministerium auch 25 Jahre Arbeit für eine zukunftsfähige Infrastruktur in Rheinland-Pfalz. Heute ist es für jeden selbstverständ- lich: Unsere Abwässer aus Betrieben und Haushalten dürfen nur nach ihrer Reinigung wieder in Bäche und Flüsse gelangen. Niemand würde heute Fa- brikschornsteine ohne Filter und Autos ohne Katalysatoren akzeptieren. Unvor- stellbar, dass wir heute unsere Abfälle als Gefahrstoffmix in kleinere oder grö- ßere Gruben überall im Land abkippen. des Ministerpräsidenten Es ist heute jedem einsichtig: Wir nut- zen in unseren Wäldern nur so viel Holz wie nachwächst; wir wollen gesunde Mischwälder und keine Monokulturen. Wenn wir heute durch Bauen in Natur und Landschaft eingreifen, ist uns klar, dass wir für einen Ausgleich zu sor- gen haben. Lebensmittel werden streng überwacht, Verbraucher haben einen Anspruch auf Information. Die Atomen- ergie wird selbst von ihren Befürwortern nur noch als „Brückentechnologie“ be- trachtet. So selbstverständlich uns dies alles heute erscheinen mag, so wenig selbst- verständlich war es in der jeweiligen gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Die besondere Leistung der Umwelt- politik bestand oft darin, den langfristig richtigen Argumenten eine Mehrheit zu verschaffen. Dies ist nicht immer leicht. Der allgemeine Nutzen und der künfti- ger Generationen war und ist im Tages- geschäft kein Selbstläufer. Wer an diesem Auftrag arbeitet, ent- wickelt notwendigerweise einen Blick fürs Ganze. Stand am Anfang der Um- weltpolitik im Mittelpunkt das Auf- und Wegräumen zum Teil gefährlicher Hinterlassenschaften vor der eigenen Haustüre, so geht es heute vor allem um Lebens-, Wirtschafts- und Konsum- weisen, die zukunftsfähig sind. Welt- weit. International beschlossen und anerkannt steht dafür der Begriff der „Nachhaltigkeit“. Die absehbare Ver- knappung natürlicher Rohstoffe und der Klimawandel beschreiben die Heraus- forderungen. Die Märkte der Zukunft sind daher grün. Kreislaufwirtschaft, Effizienztechnologi- en und regenerative Energien bedeuten einen grundlegenden Wandel für die In- dustriegesellschaft mit neuen Produkten und neue Dienstleistungen. Die Frage ist nicht, ob dies kommt, die Frage ist, wie schnell wir uns darauf einstellen. Ich danke allen, die daran mitarbeiten und mitgearbeitet haben, im Parlament, in der Verwaltung und der Wirtschaft. Mein Dank gilt besonders den Frauen und Männern, die sich in den Natur- und Umweltschutzverbänden engagie- ren, den vielen hundert Bachpaten, den Aktiven der Lokalen-Agenda-21 in ihren Kommunen, den Menschen, die sich für den Tierschutz einsetzen, den ehren- amtlich Tätigen in den über hundert Umweltbildungseinrichtungen im Land und auch den Lehrerinnen und Leh- rern, Erzieherinnen und Erziehern, die das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit durch ihre Arbeit kompetent zu den Kin- dern und Jugendlichen tragen. Kurt Beck Ministerpräsident 25 Jahre Umweltministerium in unse- rem Land haben gezeigt: Umweltschutz sichert die Voraussetzungen für lang- fristig erfolgreiches Wirtschaften. Mit dieser Erfahrung sind wir gut gerüstet für die Zukunft. umweltjournal 54/2010 3 Grußwort Ministerin Margit Conrad Die Zukunft begegnet uns nicht zufällig. Die Zukunft begegnet uns in unseren Entscheidungen und unserem Handeln. Liebe Leserinnen und Leser, Als das Umweltministerium in Rhein- land-Pfalz vor 25 Jahren gegründet wur- de, spiegelte sich darin eine zukunftver- gessende Vergangenheit. Unübersehbar waren die Resultate: schwelende De- ponien, stinkende Flüsse und Bäche, Smok-Alarm in den Städten und ster- bende Wälder. Die Natur hat ein langes Gedächtnis. Umweltpolitik vor 25 Jahren musste vor allem noch wegräumen, reinigen, filtern und heilen. Reparatur statt Gestaltung, Nachsorge statt Vorsorge. Ein schlich- tes „weiter so“ war nicht mehr möglich. Die Politik der hohen Schornsteine und des gedankenlosen Natur- und Land- schaftsverbrauchs hatte sich selbst in- frage gestellt. Die Erfolge der Umweltpolitik seither sind bemerkenswert – auch wenn sie uns heute bereits so selbstverständlich erscheinen, dass wir sie im Alltag kaum noch bemerken: Wir reinigen unsere Abwässer rund um die Uhr. Häuser und Wohnungen von mehr als 99 Prozent aller Einwohner sind in unserem Bun- desland an Kläranlagen angeschlos- sen. Im Rhein sind bis auf den Stör alle ursprünglichen Fischarten wieder da. Mit unserer „Aktion Blau“ haben wir 4.200 Kilometer Bäche und Flüsse in Rheinland-Pfalz wieder naturnah ge- staltet. Die Luftbelastung ist drastisch gesunken. Wir recyceln den größten Teil unserer Abfälle, die Zeit der Mülldeponi- en ist vorüber. Wir können heute Natur- schutz und Naturnutzung miteinander verbinden. Unser Wald, den wir natur- nah bewirtschaften, liefert den Rohstoff für mehr als 50.000 Arbeitsplätze im Land. Wir haben Umwelttechnologien und Produkte entwickelt, die auf den Weltmärkten gefragt sind. 4 umweltjournal 54/2010 Lebensgrundlagen schützen – Lebensqualität schaffen Dies macht anschaulich: Umweltpoli- tik heißt Sicherheit für die Menschen, bedeutet Lebensqualität und Entwick- lung vor Ort. Umweltpolitik schafft In- frastruktur und Arbeitsplätze, sie ist Wirtschafts- und Standortpolitik. Aktuell erleben wir ja gerade sehr lebendig im Bereich regenerativer Energien, wie wir mit unserer Umweltpolitik Impulse ge- ben für Innovation und Beschäftigung. Hier liegen auch die Gründe für die stra- tegische Entscheidung von Ministerprä- sident Kurt Beck, die Verantwortung für den Forst und die Energiepolitik im Umweltministerium anzusiedeln. Unse- re vorsorgende, aktive und dem Prinzip der Nachhaltigkeit verpflichtete Politik will den kritischen und informierten Ver- braucher. Wir wollen so beitragen, dass die Nachfrageseite des Marktes dafür zu einer immer stärkeren Kraft wird. Der Ministerpräsident hat entschieden, dass der Verbraucherschutz im Umweltres- sort gebündelt ist und zum ersten Mal auch im Namen des Ministeriums er- scheint. Im Rückblick wirken die Erfolge der Umweltpolitik alternativlos. Tatsäch- lich musste vieles vor allem gegen eine kurzsichtige Denkweise durchgesetzt werden – man könnte auch sagen ge- gen Restbestände der Zukunftverges- senheit. Und doch zeichnet erfolgreiche Umweltpolitik eines in der politischen Auseinandersetzung besonders aus: Sie ist dialogorientiert und kooperativ. Dies gilt auch für den Hochwasserschutz, in den wir seit Anfang der 90er Jahre bereits fast 600 Millionen Euro investiert haben. Den Schwerpunkt dieser Ge- nerationenaufgabe, Deichertüchtigung und Hochwasserrückhaltung am Oberr- hein, wollen wir, soweit nicht beklagt, bis 2012 einsatzbereit fertig stellen. Gut aufgestellt für beginnendes Zeit- alter der Ökologie und Nachhaltig- keit Mit all diesen Erfahrungen und Erfol- gen haben wir Grundlagen geschaffen. Auch heute stellen wir die Weichen für unser Wohlergehen von morgen. Und die Aufgabe, die vor uns liegt - ich for- muliere dies sehr bewusst – sie könnte größer kaum sein. Klimawandel, das absehbare Ende fossiler Energieträger und anderer Rohstoffe, die Gefährdung der weltweiten Artenvielfalt und der tro- pischen Regenwälder mögen hier als Stichworte genügen. Ging es vor 25 Jahren um Schutz und Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen vor un- serer Haustüre, so geht es heute um unsere Lebensgrundlagen weltweit. Es gilt, die wachsende Nachfrage nach Energie und Rohstoffen zu verbinden mit einer drastischen Verringerung der Klimabelastung und gleichzeitig die Entwicklungschancen besonders der armen Staaten nicht zu gefährden. Man muss kein Prophet sein um sich die Verteilungskonflikte auszumalen, sollte dies nicht gelingen. Umweltpolitik, Po- litik für eine Nachhaltige Entwicklung ist daher Friedenspolitik. Die Erde ist ein begrenztes System und in diesem kann man nicht von allem im- mer mehr haben. Wir fangen erst lang- sam an zu verstehen, was dies prak- tisch bedeutet. Auch heute gilt: „Ein weiter so“ ist nicht möglich. Wir müssen vorsorgen. Nachsorgen wird weltweit kaum noch möglich sein. 100 Prozent erneuerbare Energien – weg vom Öl Konkret heißt dies vor allem: Wir müs- sen weg vom Öl. Wir müssen hin zu einer sehr viel größeren Energie- und Ressourceneffizienz. Die Weltklimafor- schung gibt den Industrienationen auf, ihren CO2-Ausstoß bis 2050 um 90 Pro- zent zu senken. Viel Zeit ist das nicht. Es mangelt uns nicht an Erkenntnissen. Es mangelt auch nicht an den notwen- digen Technologien, auch wenn hier noch viele Schätze zu heben sind. Es geht darum, wie schnell und wie mutig wir die Veränderungen angehen. Dieser Wandel in ein neues Zeitalter ist eigent- lich für uns ökologisch zwingend und wirtschaftlich bietet er riesige Chancen. Die Revolutionierung der Material- und Energiewirtschaft ist gefragt. Es ist nicht zu hoch gegriffen, diesen notwendigen Aufbruch in ein ökologisches Jahrhun- dert als die dritte industrielle Revolution zu bezeichnen. Wir müssen und wir können Antwor- ten geben auf diese Herausforderungen und wir haben damit angefangen. Am Beispiel der Energieversorgung wird dies deutlich. Unser Ziel in Rheinland- Pfalz ist die möglichst schnelle und vollständige Versorgung mit regenerati- ver Energie. Energie aus Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Erdwärme. Dabei verbinden wir vier Ziele: Klima schützen, Energieversorgung sichern, Energierechnungen reduzieren und Ar- beitsplätze schaffen. Unserer Energie- strategie hierzu beruht auf den vier Pfei- lern, Energie einsparen, Energieeffizienz steigern, erneuerbare Energien ausbau- en und die eigene Energieversorgung im Land stärken. Sonne und Wind schicken keine Rechnung Wir können nicht die Weltenergiepreise reduzieren – wohl aber unsere Energie- rechnung. Bis zum Jahr 2020 haben wir uns konkrete Ziele gesetzt: Mindestens 30 Prozent Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch, erzeugt in Rheinland-Pfalz. Mindestens 16 Pro- zent Anteil erneuerbarer Energien am Wärmemarkt. Wir sind auf einem guten Weg, ja die Entwicklung ist rasant. Der Primären- ergieverbrauch sank in 2007 auf den niedrigsten Stand seit 13 Jahren. Lag der Anteil erneuerbarer Energien beim Stromverbrauch in Rheinland-Pfalz 2002 bei 5,4 Prozent, so stieg dieser Anteil auf heute rund 15 Prozent. Bei der Photovoltaik und der Solarwär- meerzeugung belegt Rheinland-Pfalz im Vergleich der Bundesländer Platz drei. In Landau arbeitet seit zwei Jah- ren ein Geothermiekraftwerk. Mit dem Anstieg der Stromerzeugung aus der Kraft-Wärme-Kopplung am Stromver- brauch im Land in wenigen Jahren von 17 auf mehr als 27 Prozent übertreffen wir das bundesweite Ziel von 25 Pro- zent in 2020 schon heute. Schwerpunkt unserer Energieeinspar- kampagne „Unser Ener“ mit Partnern aus Handwerk und Gewerbe ist die en- ergetische Sanierung von Gebäuden und der Neubau von Häusern, die mehr Energie produzieren als sie verbrau- chen. Landesweit existieren mittlerweile mehr als 60 Beratungsstellen für eine kostenlose Energieerstberatung über die Verbraucherzentrale. Für kleine und mittelständische Unternehmen gibt es das EffNet als zentraler Ansprechpart- ner für alle Themen zu Energie und Um- welt. Für Kommunen werden Fachbera- tungen angeboten, etwa für den Einsatz erneuerbarer Energien, Energieeinspar- maßnahmen, Abwärmenutzung aus Ab- wässern oder den optimierten Einsatz von Holz als Energielieferant. Jeder Euro, den wir nicht für Ölimporte zahlen, sondern hierzulande zur nach- haltigen Energieerzeugung und Energie- einsparung investieren, schafft regiona- le Wertschöpfung und Einkommen vor Ort, regt regionale Wirtschaftskreisläufe an, bringt dem Handwerk Aufträge und schafft Arbeitsplätze. Der Erfolg unserer Klimaschutzpolitik wird nicht allein daran zu messen sein, wie schnell und wie hoch unsere CO 2 –Minderung ausfällt. Mindestens so wichtig ist, wie schnell wir Know-how und Technologien auf den Weltmärkten zur Verfügung stellen, um damit zur wirkungsvollen globalen Verringerung der Treibhausgase beizutragen. Univer- sitäten, Fachhochschulen, Forschungs- einrichtungen und entwicklungsstar- ke Unternehmen sind wichtige Partner der Klimaschutz- und Energiepolitik in Rheinland-Pfalz. Unsere Produkte wer- den weltweit umso gefragter sein, je besser wir zeigen können, dass und wie sie bei uns funktionieren. Dieses Umweltjournal fasst die Ar- beit aus 25 Jahren Umweltministerium Rheinland-Pfalz zusammen und gibt einen Ausblick auf die Herausforderun- gen, die vor uns liegen. Dies kann nur unvollständig gelingen. Mein Dank gilt natürlich meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Umweltverwaltung und ganz besonders all den Menschen im Land, die sich ehrenamtlich für unse- re Natur und Umwelt, für Tierschutz und nachhaltige Entwicklung engagieren. Erfolgreichen Klimaschutz zum Exportschlager machen Wir sind uns der Verantwortung als In- dustrienation bewusst – in Europa und mit Europa in der Welt. Wir unterstüt- zen die ambitionierten Klimaschutzzie- le in Berlin und in Brüssel. Wir sind uns auch der Verantwortung für den Industriestandort Deutschland und Rheinland-Pfalz bewusst. Mit unse- ren Energiestrategien verfolgen wir die Standortsicherung auch der besonders energieintensiven Unternehmen. Gleich- zeitig wird deren Wettbewerbsfähigkeit gestärkt und die Entwicklung innovati- ver Produkte gefördert. Margit Conrad Ministerin für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz umweltjournal 54/2010 5

Bodenschutz in der Raumplanung

Konzepte (auch der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz) zur Bekämpfung von Bodenverlust durch Flächenverbrauch, Bodenversiegelung und Erosion und zur Förderung des Bodenbewusstseins

Afrikas Ressourcen im Blickpunkt: erster afrikanischer Bodenatlas

Die Europäische Kommission stellte am 26. April 2013 den ersten Bodenatlas für Afrika vor. Der Atlas stützt sich auf Beiträge einer Gruppe international anerkannter Bodenwissenschaftler aus Afrika und Europa, die vom internen wissenschaftlichen Dienst der Europäischen Kommission (JRC) koordiniert wurde. Sein Ziel ist es, das Bewusstsein für die lebenswichtige Bedeutung des Bodens in Afrika auf allen Ebenen zu schärfen – von der Politik bis hin zur breiten Öffentlichkeit. Der Bodenatlas ist eine gemeinsame Initiative der Europäischen Union, der Afrikanischen Union und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. Ihr Ziel ist es, die nachhaltige Nutzung der Bodenressourcen in Afrika und die globale Partnerschaft zum Schutz des Bodens und der Nahrungsmittelsicherheit (Global Soil Partnership for Food Security) zu fördern und zu unterstützen. In dem Atlas werden Ursprung und Funktionen des Bodens erläutert und die verschiedenen Bodenarten sowie ihre Bedeutung für die Bewältigung lokaler und globaler Herausforderungen beschrieben. Zudem zeigt der Atlas die wichtigsten Bedrohungen für den Boden und die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der Bodenressourcen auf.

Biologische Vielfalt im Boden schützen

<p> <p>Ein Teelöffel Boden enthält mehr Organismen als Menschen auf der Erde leben. Im und auf dem Boden leben u.a. Bakterien, Pilze, Insekten, Ameisen, Regenwürmer, Maulwürfe. Diese Bodenvielfalt ist für Klimaschutz und Landwirtschaft von herausragender Bedeutung und trägt zur Reinigung von Luft und Wasser bei. Ein aktuelles Positionspapier fordert deshalb einen stärkeren Schutz der Bodenbiodiversität.</p> </p><p>Ein Teelöffel Boden enthält mehr Organismen als Menschen auf der Erde leben. Im und auf dem Boden leben u.a. Bakterien, Pilze, Insekten, Ameisen, Regenwürmer, Maulwürfe. Diese Bodenvielfalt ist für Klimaschutz und Landwirtschaft von herausragender Bedeutung und trägt zur Reinigung von Luft und Wasser bei. Ein aktuelles Positionspapier fordert deshalb einen stärkeren Schutz der Bodenbiodiversität.</p><p> <p>45 Prozent der Böden in Europa haben durch intensive landwirtschaftliche Nutzung deutlich an organischer Substanz, also an Humus und Bodenlebewesen verloren. Das Bodenleben erstickt mehr und mehr infolge großflächiger Versiegelung unserer Böden durch Asphalt und Beton und ungebremster Flächen-Neuinanspruchnahme. So sind in Deutschland etwa 46 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen versiegelt, das heißt bebaut, betoniert, asphaltiert, gepflastert oder anderweitig befestigt.</p> <p>Deshalb fordern die Kommission Bodenschutz beim Umweltbundesamt (KBU) sowie eine Vielzahl weiterer im Boden- und im Naturschutz tätiger Gremien, Einrichtungen und Verbände in einem <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/81878">gemeinsamen Positionspapier</a> eine verstärkte Wahrnehmung der Bodenbiodiversität und ein entsprechendes Handeln in der Politik.</p> <p>Vier Forderungen zeigen, wie die Vielfalt im und auf dem Boden geschützt und vor weiteren Verlusten bewahrt werden kann.</p> <ol> <li><strong>Ein gemeinsames Handeln von Boden- und Naturschutz mit Land- und Fortwirtschaft sowie Wasserwirtschaft, welches durch die Politik unterstützt wird.</strong><br>Hierzu bedarf es geeigneter Rahmenbedingungen innerhalb der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU und auf nationaler Ebene, welche die Biodiversität im Boden und somit den Boden als Lebensgrundlage auch für den Menschen verbessern. Dazu gehören u.a. ein Verbot des Grünlandumbruchs und die Förderung der Rückumwandlung von Acker in Dauergrünland an geeigneten Standorten, der Erhalt verbliebener und Förderungen neuer ökologischer Vorrangflächen unter der Prämisse der ökologischen Vielfalt auf mindestens zehn Prozent der Fläche sowie die gezielte Entwicklung des ökologischen Landbaus durch attraktive Fördermaßnahmen.</li> <li><strong>Die Berücksichtigung der Sustainable Development Goals (SDGs) der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/un">UN</a> durch die EU in ihrer Bodenschutzstrategie und in einer bodenschützenden EU-Agrarpolitik.</strong><br>Auf Insektenarten oder bestimmte Standorte wie Moore abzielende politische Programme sind unzureichend, Schutzziele und -strategien, vor allem in der Landwirtschaft, müssen an <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/nachhaltigkeit">Nachhaltigkeit</a> und Funktionalität ausgerichtet werden.</li> <li><strong>Ein stärkeres Bewusstsein der Politik für den Wert des Bodens als sensiblen und unverzichtbaren Lebensraum und als begrenzte Ressource.</strong><br>Politische Maßnahmen müssen um Maßnahmen der Bildung, Kommunikation und Partizipation ergänzt werden. Diese sollten die Perspektiven unterschiedlicher Gruppen zusammenbringen, den Teilnehmenden eine informierte Meinungsbildung ermöglichen und möglichst konkrete Handlungsperspektiven eröffnen.</li> <li><strong>Referenzdaten für einen guten ökologischen Bodenzustand.</strong><br>Bestehende <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/monitoring">Monitoring</a>-Programme müssen hierzu dringend um bodenbiologische Erfassungen erweitert, stärker miteinander vernetzt und mit Blick auf die Funktionen der Bodenorganismen ausgewertet werden.</li> </ol> <p>Unterzeichnende sind neben der KBU das Bundesamt für Naturschutz, die in Deutschland im Bodenschutz aktiven Fachverbände wie die Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft und der Bundesverband Boden, der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.), der WWF Deutschland, die Zukunftsstiftung Landwirtschaft und das Museum Senckenberg für Naturkunde Görlitz.</p> <p>Die Bedeutung des gemeinsamen Positionspapiers unterstreicht der vom Europäischen Rechnungshof Anfang Juni 2020 vorlegte <a href="https://www.eca.europa.eu/Lists/ECADocuments/SR20_13/SR_Biodiversity_on_farmland_DE.pdf">Sonderbericht „Biodiversität landwirtschaftlicher Nutzflächen: Der Beitrag der GAP hat den Rückgang nicht gestoppt“</a>. Er kommt zu dem Schluss, dass ein Großteil der Finanzierungen der GAP nur geringe positive Auswirkungen auf die biologische Vielfalt hat. Die meisten Direktzahlungen tragen nicht zum Erhalt oder zur Verbesserung der biologischen Vielfalt von Agrarland bei.</p> <p>Die Übernahme Deutschlands für die EU-Ratspräsidentschaft am 1. Juli 2020 eröffnet die Chance, den Schutz des Bodens und damit der Bodenbiodiversität stärker in den Fokus der politischen Arbeit auf europäischer Ebene zu rücken. Mit der im Mai 2020 von der Europäischen Kommission vorgelegten <a href="https://eur-lex.europa.eu/resource.html?uri=cellar:a3c806a6-9ab3-11ea-9d2d-01aa75ed71a1.0002.02/DOC_1&amp;format=PDF">EU-Biodiversitätsstrategie für 2030</a> ist ein erster Anfang gemacht. Grundsätzlich müssen Schutzziele und -strategien, vor allem in der Landwirtschaft, an Nachhaltigkeit und Funktionalität ausgerichtet werden. Der langfristige Erhalt des Bodenlebens und der Bodenfruchtbarkeit muss Vorrang vor kurzfristigen Produktivitätssteigerungen haben. Der Bodenschutz muss auch Ziel der EU-Agrarpolitik in der neuen Förderperiode, sowie des <a href="https://eur-lex.europa.eu/resource.html?uri=cellar:b828d165-1c22-11ea-8c1f-01aa75ed71a1.0021.02/DOC_1&amp;format=PDF">europäischen Green Deals</a> und der „<a href="https://eur-lex.europa.eu/resource.html?uri=cellar:ea0f9f73-9ab2-11ea-9d2d-01aa75ed71a1.0003.02/DOC_1&amp;format=PDF">Vom Hof auf den Tisch-Strategie</a>“ sein.</p> </p><p>Informationen für...</p>

Research group (FOR) 2179: Microaggregates: Formation and turnover of the structural building blocks of soils

Microaggregate development and turnover and its linkage to the function of soils is a major research field in soil science. The RU 2179 MADSoil - Microaggregates: Formation and turnover of the structural building blocks of soil has mounted the growing awareness of the potential role of microaggregates for the functioning of soils by putting in action a joint collaborative research program. The RU 2179 MAD Soil aims for an advanced mechanistic understanding of the formation, stability and turnover of microaggregates by exploring their structure, composition, and properties in-situ, in-vitro and in-silico. These challenging and demanding goals can only be achieved by a straightforward and purposive coordination and a structured and guided realization of an analysis towards the grand goals by integrating and annealing concepts and findings. Focus of the coordination project for the second phase is thus the synoptic synthesis of the results of the individual projects by expanding of and integrating in the theoretical mechanistic framework provided through our joint modeling endeavor. Besides this scientific focus, continued mission of project PC will be the coordination and organization of sampling campaigns, meetings, symposia and workshops, the provision of the basic physical, chemical and biological parameters of the joint field sites, the loess pedosequence and the organic matter depletion field trial, central data handling including the pre-processing and storage, the dissemination of results, and the realization of outreach activities including the web and social media presence.

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