We study the effects of plants and root-associated fungi on wind erosion within the alpine environment of Tibet. China is one of the countries most affected by desertification processes and Tibet, in particular, a key region in desertification combat. The presented project focuses on the Barkha Plain surrounded by Mount Kailash and the Lake of Manasarovar (Ngari Prefecture). This Western Tibet region experienced little scientific attention but, nowadays, faces rapidly increasing touristic activities and expanding local settlements associated with socio-economic changes that are serious threats to the delicate ecological balance and potential triggers of desertification. It exists almost unanimous agreement that revegetation is the most efficient and promising strategy to combat wind erosion and desertification in the long term. However, re-colonising success is often poor, mainly under extreme environmental conditions. Compared to conventional practices, the approach of the presented project attains better accordance with natural succession processes and promises acceleration of both plant and soil development and, conclusively, more efficient desertification control. The project assesses the potential of native plants and symbiotic fungi to control wind erosion and desertification processes. It aims to identify key plants and fungi that increase soil aggregate stability and efficiently drive succession into a natural and self-maintaining cycle of the ecosystem. Furthermore, it provides crucial information for implementing environmentally compatible and cost-effective measures to protect high-elevation ecosystems against desertification. Within three successional stages (early, intermediate, late), field investigations are performed on the basis of Modified-Whittaker plots. Classic methods of vegetation analysis and myco-sociology are combined with analysis of distribution patterns at different scales (patchiness, connectivity). Comprehensive soil analysis is performed comprising grain size distribution, aggregate stability, pH as well as water and nutrient contents. Additionally, important parameters of wind erosion are measured concurrently and continuously to assess their magnitude and variability with respect to vegetation and soil at different levels of development. The parameters addressed, include sediment transport, air temperature, radiation, precipitation, relative humidity as well as speed and direction of wind. Surface moisture is recorded periodically and roughness described. Species and environmental parameters are checked for spatial correlation. Cutting edge technologies are applied in laboratory work, comprising molecular methods for fungal species identification and micro-tomography to analyse soil structure. Furthermore, successfully cultivated fungi and plants are subject of synthesis experiments and industrial propagation in view of practical implementation in restoration measures.
Dieses Vorhaben ist vom Bedarf eines Simulationswerkzeugs für die Optimierung von Maßnahmen zum Schutz von Sedimentböden vor Winderosion motiviert. Zur Kontrolle äolischer Bodenerosion werden verschiedene Reihen von Windschutzzäunen, häufig in Kombination mit Vegetation, aufgestellt, um die Windgeschwindigkeit zu verringern bzw. Sedimentabscheidung herbeizuführen. Die Wirksamkeit einer Windschutzzäunenreihe zum Schutz großskaliger Sedimentlandschaften lässt sich angesichts der Zeitskalen von Erosionsprozessen sowie deren starker Abhängigkeit von lokaler Topographie und Windverhalten jedoch nur schwer durch Feldmessungen alleine vorhersagen bzw. untersuchen. Deshalb soll in diesem Projekt ein numerisches Werkzeug für die Simulation des Sandtransports in Gegenwart von Windschutzzäunen entwickelt werden, mit dessen Unterstützung Optimierungsstrategien für den Schutz von Sedimentböden vor Winderosion konzipiert werden können. Dieses Werkzeug koppelt numerische Strömungsmechanik (CFD) für die Berechnung des turbulenten Windfeldes über der Topographie mit morphodynamischer Modellierung der damit verbundenen äolischen Landschaft. Um die Simulationen zu validieren, werden Feldmessungen äolischer Scherspannung am Boden sowie des Sandflusses und der Entwicklung der Bodentopographie im Dünenfeld von Jericoacoara, Nordosten Brasiliens, durchgeführt, und deren Ergebnisse mit Vorhersagen der Simulationen abgeglichen. Darauffolgend wird das numerische Werkzeug verwendet, um Strategien für die Entwicklung optimierter Reihen von Windschutzzäunen bezüglich Porosität, Abstand und Höhe unter verschiedenen Bedingungen von Wind und Sedimentverfügbarkeit abzuleiten. Um den Effekt der Windschutzzäune auf die Entwicklung einer Vegetationsdecke zu untersuchen, werden die Simulationen anschließend um ein Modell für die Wechselwirkung zwischen Wind, Teilchen in Saltation und Vegetation erweitert. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen später in den Aufbau verbesserter Maßnahmen zur Dünenimmobilisierung sowie zur Bekämpfung äolischer Desertifikation einfließen.
Das übergeordnete Ziel des Vorhabens ist es, zwei verschiedene Möglichkeiten für die Verbesserung der Wasserverfügbarkeit in Ägypten auszuweisen. Die vorgeschlagene Forschung konzentriert sich auf die Verfügbarkeit von Wasser in Ägypten. Dabei werden zwei Aspekte analysiert: a) wie können Änderungen der Landbedeckung lokale Niederschläge auslösen und b) Möglichkeiten zur Verdunstungs-Abschätzung über dem Nasser See. Die Methodik basiert auf modernsten Computer-Simulationen, gekoppelt mit einer Analyse von historischen Satellitenbildern und Wetterdaten. EWA Egypt ist in den Bereichen 'Klimawandel' und 'Wasser' vom BMBF und STDF angesiedelt. Es passt zu den Themen 'securing and sustaining water und 'combating drought and desertification des 'Consolidated Plan of Action of the African Union (CPA) und kann als Teil der EU-Afrika-Strategie zur Bekämpfung der Wüstenbildung durch eine nachhaltige Flächennutzung gesehen werden. Mit Hilfe von Satellitendaten-Analysen soll das DLR vorhandene Effekte von Wärmeinsel-induzieren Niederschlägen entdecken. Weiter stellt das DLR die 'surface boundary conditions für CWRF und berechnet Verdunstungskarten des Nasser Sees. Die Universität Kairo wird das CWRF Modell aufsetzen und betreiben, um mögliche Szenarien von Wärmeinsel-induzieren Niederschlägen zu simulieren und um in der Lage zu sein, die Verdunstung über dem Nasser See vorherzusagen.
Auf der 78. Plenarsitzung am 19. Dezember 2007 erklärt die Generalversammlung der Vereinten auf Empfehlung des Verwaltungsrats des Umweltprogramms der Vereinten Nationen das Jahrzehnt 2010-2020 zur "Dekade der Vereinten Nationen für Wüsten und die Bekämpfung der Wüstenbildung".
Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat das Jahr 2006 zum Internationalen Jahr der Wüsten und Wüstenbildung (IYDD) erklärt. Die Wahl fiel auf 2006, weil sich in diesem Jahr das Inkrafttreten des Übereinkommens der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung zum zehnten Mal jährt. In allen Mitgliedsstaaten, so auch in Deutschland, fanden verschiedenste Veranstaltungen statt. Ziel war dabei, auf die Wüstengebiete der Welt und insbesondere auf das Problem der Wüstenbildung (Desertifikation) aufmerksam zu machen.
Die Vereinten Nationen haben 1994 den 17. Juni zum Welttag für die Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre erklärt. An diesem Gedenktag finden jedes Jahr zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen weltweit statt, um eine breite Öffentlichkeit auf die Problematik der Wüstenbildung und die Folgen von Dürre – vor allem in Afrika – aufmerksam zu machen. Unter Wüstenbildung wird nicht die Ausweitung existierender Wüsten verstanden, sondern Prozesse, die zur Verschlechterung der Bodenqualität in ländlichen Trockengebieten führen und somit dort die Bodenfruchtbarkeit vermindern. Hauptursachen für die Wüstenbildung sind der Klimawandel und menschliche Aktivitäten wie Übernutzung der Landflächen, Überweidung, Abholzung und schlechte Bewässerungspraktiken. Der Verlust fruchtbaren Bodens erstreckt sich auf ein Drittel der Landoberfläche der Erde, dadurch ist die Existenzgrundlage von über einer Milliarde Menschen in den Trockengebieten gefährdet.
Ziel des Vorhabens ist erstens die Identifizierung von rechtlichen Instrumenten, die die Implementation der Zielsetzung aus dem Abschlussdokument der Rio+20-Konferenz, eine land degradation neutral world anzustreben, unterstützen und befördern können, sowie zweitens die Prüfung, ob und in welcher Form diese rechtlichen Instrumenten in verbindliche völkerrechtliche Regelungen integriert werden können und sollten. Die Ergebnisse des Sachverständigengutachtens sollen in den Diskussionsprozess in der von der Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung etablierten Intersessional Working Group eingebracht werden.
Der gravierenden Wüstenausbreitung in China wird mit großdimensionierten Windschutzanpflanzungen begegnet. Eine effiziente Ausnutzung limitierter Wasserressourcen kann hierbei Verbesserungen im Anwuchserfolg der Aufforstungen bewirken und so wirksam zur Wüsteneindämmung und zur Kosteneinsparung beitragen. Ziel des hier beantragten anwendungsbezogenen FuE-Vorhabens ist die Erarbeitung und Optimierung einer ingenieurbiologischen Paketlösung für ein ökologisch und ökonomisch ausgereiftes Bewässerungsverfahren zur erfolgreichen Etablierung großflächiger Windschutzanpflanzungen in desertifikationsgefährdeten Regionen. Hierbei wird das innovative WATERMAN drip stick-System eingesetzt, welches gegenüber konventionellen Verfahren eine erhöhte Wasserökonomie bietet. Durch eine Kombination mit wasserspeichernden, bioaktivierten Bodenzuschlagstoffen, begrünten Erosionsschutzmodulen (ReviTec) und einer an die Standortverhältnisse angepassten Pflanzengesellschaft soll die hohe Wassereffizienz dieser modularisierbaren und anpassungsfähigen Bewässerungstechnologie während eines 24monatigen Aufforstungsexperiments in der Inneren Mongolei demonstriert und optimiert werden.
[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] umwelt journal Rheinland-Pfalz Biodiversität Von Rio bis Bonn Ethik der Biodiversität Biodiversität in Rheinland-Pfalz Wert der Vielfalt Biopiraterie Herausgegeben vom Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucher- schutz Rheinland-Pfalz Heft 50 April 2008 Wanderfische Umweltbildung Von Bali bis Kopenhagen impressum umweltjournal Rheinland-Pfalz inhalt umwelt editorial 3 Nr. 50 (April 2008) Das umweltjournal ist kostenlos. Herausgeber: Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Kaiser-Friedrich-Straße 1 55116 Mainz Tel. 06131 – 16 4433 Fax. 06131 – 164629 Redaktion: Dr. Ralph Plugge (verantwortlich) Gestaltung: media machine GmbH, Mainz Druck: Druckerei Lang, Mainz Fotos: Titel: "Kurzgeschwänzter Bläuling" Christoph Baumann, Mainz Bläulinge: Christoph Baumann, Mainz S.32,33: Stefanie Pietsch, Lioba Liebig S.27-29: Dr. Jörg Schneider S.15: „äußere und innere Landnahme“ Ines Doujak, Wien Sofern nicht besonders erwähnt, wurden die Fotos von den jeweiligen Autoren zur Verfügung gestellt. Titel-Thema Biodiversität - „Von Rio bis Bonn“ – oder : Der Weg ist das Ziel4 - Biodiversität in Rheinland-Pfalz6 - Die Ethik der Biodiversität8 - Der Vielfalt zuliebe: Mehr Frauen in die Waldwirtschaft10 - Der Preis der Vielfalt - die ökonomische Bewertung der Biodiversität12 - Biopiraterie und Biomonopoly14 - Natura 2000 – ein Sicherheitsnetz für die Biodiversität16 - Lebendiger Rhein - Fluss der tausend Inseln18 - Warum und wie Rheinland-Pfalz seine genetischen Ressourcen im Walde schützt20 - Wanderfischprogramme in Rheinland-Pfalz27 LZU-Journal Buch „Die vergessen Heiden der Eifel“23 Bundesweites „Naturerlebniswochenende“ des BANU23 Drei Fragen: Interview mit Frau Ministerin Conrad Die mit Namen der Autoren gezeichneten Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. „Von Bali bis Kopenhagen“24 Wanderfalkenschutz26 Umweltbildung Natura 2000 macht Schule 30 Speyrer Tag der Artenvielfalt 32 kunterBUNDmobil34 Forum Nachhaltigkeit Landeskongress „Schulen gestalten Zukunft“ 2 umweltjournal 50/2008 35 editorial Biodiversität Deutschland ist vom 19. bis zum 30. Mai 2008 Gastgeber der 9. UN-Vertragsstaa- tenkonferenz zur Biodiversitätskonvention. Als Umweltministerin von Rheinland-Pfalz freue ich mich persönlich ganz besonders auf dieses Treffen der Weltgemeinschaft unter deutschem Vorsitz, da ich als Vorsitzende der Umweltministerkonferenz der Bundesländer an seiner Vorbereitung intensiv beteiligt war und bin. Außerdem wer- de ich mich mit vielen Kolleginnen und Kollegen, auch aus anderen internationalen Zusammenkünften, zum Beispiel zum Klimaschutz, erneut austauschen. Klimaschutz und Naturschutz gehören zusammen. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels sind die Anpassung daran und alle Maßnahmen des Klimaschutzes auch für die Er- haltung der Artenvielfalt in Rheinland-Pfalz von großer Bedeutung. In Rheinland-Pfalz leben mehrere zehntausend Tier- und Pflanzenarten. Samt ihren Lebensräumen und den damit verbundenen, genetischen Ressourcen ist diese biolo- gische Vielfalt auch ein kulturlandschaftsprägender Reichtum, auf den wir stolz sind. Die einzelnen Arten bringen faszinierende Schönheiten hervor. Nehmen wir nur die Bläulinge, die das vorliegende Heft illustrieren. Sie sind mit die schönsten Schmetterlinge überhaupt und kommen in einer solchen Vielfalt – Diver- sität – an Farben und Formen auch in Rheinland-Pfalz vor, dass sie ein Sinnbild sein können, für alles, was Biodiversität meint. Die zunehmende Erderwärmung führt zur Verschiebung der Artenareale von Süd nach Nord und von den Ebenen in die Höhenlagen. Wärme liebende Arten wandern ein und etablierte Arten ziehen sich nach Norden zurück. Auch der Wald befindet sich seit einigen Jahren im „Klimastress“. Damit die Arten, auch die Pflanzen des Waldes, diese Anpassungen bewältigen können, brauchen sie ein Netz von Trittstei- nen, über die sie zwischen ihnen zusagenden Gebieten wandern können. Ein solches Netz von beinahe einem Fünftel der Fläche unseres Landes sind die Schutzgebiete Natura 2000. Nimmt man die weiteren Schutzgebiete, wie Landschaftsschutzge- biete und Naturparke hinzu, dann sind mehr als 50 Prozent unserer Landesfläche geschützt. Damit wurde viel erreicht. Darüber hinaus muss jedoch auch die andere Hälfte der Landesfläche lebensfreundlicher werden, durch weniger Flächenverbrauch für Baumaßnahmen, durch angepasstere Straßen, durch mehr ökologische Landwirt- schaft, durch die Schaffung und den Erhalt innerstädtischer Habitate, durch saubere, unverbaute Gewässer, damit der Anpassungsdynamik der Lebewesen keine unnöti- gen Barrieren im Wege stehen. Dafür müssen wir uns alle gemeinsam einsetzen. Aus ethischen Gründen, weil wir verpflichtet sind, die natürliche Vielfalt für die Nachwelt zu erhalten. Aus ökologi- schen Gründen. Vielfalt ist das Überlebensprinzip der Natur und wir selbst sind ein Teil der Natur und sind von ihr abhängig. Aus ökonomischen Gründen, weil wir wirt- schaftlich von der Natur profitieren und auf sie angewiesen sind. Aus ästhetischen, psychologischen und kulturellen Gründen, weil natürliche Vielfalt schön, faszinierend, anregend ist und Wohlbefinden und Kultur darauf aufbauen. Margit Conrad Ministerin für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz umweltjournal 50/2008 3 Von Rio bis Bonn Der Weg ist das Ziel Vom 19.-30. Mai findet in Bonn die 9. Vertragsstaaten- konferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (engl. Convention on biological diversity, CBD) statt. Delegierte aus aller Welt werden in diesen zwei Wochen Entscheidungen zu wichtigen Themen des Naturschutzes und der Entwicklungspolitik fällen, die sowohl von internationaler, europaweiter und nationa- ler Bedeutung sind. Damit soll ein weiterer Fortschritt hin zu einem nachhaltigeren Umgang des Menschen mit der Natur erreicht werden. Das Übereinkommen über die biolo- gische Vielfalt ist neben der Klimarah- menkonvention und der Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung ein Ergebnis der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED), die 1992 in Rio de Janeiro stattfand. Dieser so ge- nannte „Weltgipfel“ war Ausdruck einer gestiegenen weltweiten Wahrnehmung der Umweltveränderungen und -proble- me: globales Artensterben, Abholzung tropischer Wälder, Wüstenbildung und Klimaveränderungen. Hinzu kam eine zunehmende Sensibilisierung für die ei- gene globale Verantwortung, insbeson- dere die der Industriestaaten, innerhalb einer zunehmend globalisierten Welt und die Forderung nach gemeinsamen Lösungsstrategien und gemeinsamem Handeln von Entwicklungs- und Indu- strieländern. Während hierbei jedoch die Industrieländer den Schutzgedanken favorisierten, um die letzten bestehenden Urwälder zu schützen und den rasanten Artenverlust zu stoppen, dominierte bei den Interessen der Entwicklungsländer der Anspruch auf wirtschaftliche Ent- wicklung durch Nutzung ihrer natürlichen Ressourcen. Außerdem forderten sie souveräne Rechte über die genetischen 4 umweltjournal 50/2008 Ressourcen ihrer Länder und eine faire Beteiligung an den Gewinnen, die ande- re, z.B. Pharmafirmen der Industrielän- der, durch die Nutzung dieser geneti- schen Ressourcen erwirtschaften. Nach zehn Jahren intensiver Verhandlungen, kam es in Rio schließlich zur Verab- schiedung des Übereinkommens über die biologische Vielfalt, einer UN-Kon- vention, die sowohl von ihrem Umfang (sie bezieht die biologische Vielfalt auf der Ebene der Ökosysteme, der Artebe- ne und der genetischen Ebene ein und umfasst somit alles nicht-menschliche Leben auf der Erde) als auch von ihren Zielen (Schutz der biologischen Vielfalt, nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile sowie den gerechten Vorteilsausgleich bei der Nutzug genetischer Ressour- cen) die unterschiedlichen Interessen vereint. Dieser „Philosophie der Kon- sensfindung“ (im Rahmen der CBD werden alle Beschlüsse einstimmig gefasst - keine Mehrheitsentscheidun- gen) ist es auch zu verdanken, dass die Konvention in einer für UN-Verhältnisse sehr kurzen Zeit von nur einem Jahr in Kraft treten konnte. Das Übereinkommen über die biologi- sche Vielfalt ist ein Rahmenabkommen, d.h., dass in Rio ein relativ generell ge- haltener Vertragstext beschlossen wurde, der nun in einem Folgeprozess durch Protokolle (eigenständige Vertragswer- ke zur Spezifizierung bestimmter The- men, z.B. das Cartagena-Protokoll zum grenzüberschreitenden Verkehr von genetisch modifizierten Organismen) und Beschlüsse, die von der alle zwei Jahre stattfindenden Vertragsstaaten- konferenz gefasst werden, konkretisiert wird. Auch bei den Vertragsstaatenkon- ferenzen gilt das Einstimmigkeitsprin- zip. Das heißt, dass alle der mittlerweile 191 Vertragsparteien zu jeder einzelnen Beschlussvorlage zustimmen müssen, damit sie verabschiedet werden kann. Die große Stärke der Konvention und Ziel jeder Verhandlung ist somit die Kompromiss- und Konsensfindung. Das Prinzip der Einstimmigkeit trägt aber auch die Gefahr des „Verwäs- serns“ in sich. Ein Problem, das nur durch immerwährende Überzeugungs- arbeit sowie engagiertes und konstruk- tives Verhandeln gelöst werden kann Aufgrund der umfassaenden Zielset- zung der Konvention ist die Bandbreite der Themen, die auf den Vertragsstaa- tenkonferenzen behandelt werden, entsprechend groß. In Bonn werden 26 thematische Tagesordnungspunkte ver- handelt! Dies beinhaltet dabei so unter- schiedliche Bereiche wie Biodiversität und Klimawandel oder invasive, ge- bietsfremde Arten, bis hin zu Umwelt- bildung und Technologietransfer – um nur einige Punkte zu nennen. Trotz des auch hier geltenden Konsensprinzips werden entscheidende Fortschritte in vielen wichtigen Verhandlungsfeldern erwartet. Eines der meistdiskutierten Themen der letzten Jahre sind Regelungen des Zugangs zu genetischen Ressourcen und des gerechten Vorteilsausgleichs bei der Nutzung dieser Ressourcen. Auf Beschluss des Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung, der 2002 in Johannesburg stattfand, sollen bis zum Jahr 2010 die Verhandlungen zu diesem Thema unter der CBD abgeschlossen und Einigungen über international geltende Regelungen erzielt werden. Biodiversität Vertragsstaatenkonferenz vor dem Jahr 2010 ist, hängt es also maßgeblich von der Bereitschaft der dort verhandelnden Staaten ab, ob es auf internationaler Ebene zu entscheidenden Ergebnissen kommen wird. Die Bedeutung der Kon- ferenz geht aber über die internationale Ebene hinaus. Den diplomatischen Verhandlungsprozessen muss die na- tionale Umsetzung folgen. Von den Verhandlungen in Bonn wird es mit ab- hängen, ob sich der politische Wille zur Implementierung dieser Beschlüsse in den einzelnen Vertragsstaaten generie- ren kann. Auch in Deutschland erhofft man sich deutliche Impulse für die Naturschutzarbeit, insbesondere für die Umsetzung der jüngst verabschiedeten nationalen Biodiversitätsstrategie. Hauhechel Bläuling Viele Entwicklungsländer und entwick- lungspolitisch tätige Nichtregierungs- organisationen haben diesbezüglich hohe Erwartungen an die Konferenz in Bonn. Aber auch in anderer Beziehung werden große Hoffnungen gehegt: Immer wieder wurde hervorgehoben, dass Finanzierungslücken weltweit ein großes Problem bei der Umsetzung der Konvention darstellen. In Bonn soll nun eine Strategie verabschiedet werden, die einerseits bestehende Geldquellen wie z.B. staatliche Unterstützungen oder Mittel von Nichtregierungsorgani- sationen effektiver nutzen soll. Hierzu gehört auch ein verstärkter Ausbau der sog. „public-private-partnerships“. Andererseits soll aber auch über neue, innovative Finanzierungsmechanismen wie z.B. die Einführung von Zahlungen für ökosystemare Dienstleistungen diskutiert werden. Eine verbesserte Finanzierungssituation wird von vielen als Voraussetzung dafür angesehen, auch im Bereich der Ausweisung und des Managements von Schutzgebieten weitere Fortschritte zu erzielen. Die Umsetzung des bereits bestehenden Arbeitsprogramms zu Schutzgebieten wird daher ein weiterer Schwerpunkt der Verhandlungen in Bonn sein. Auch bei der Umsetzung des bestehenden Arbeitsprogramms zu Wäldern sollen weitere Ziele erreicht werden. Aus deutscher Sicht besonders bedeutsam sind dabei Spezifizierungen zum bereits beschlossenen, weltweiten Netz von Waldschutzgebieten. Ebenso erhofft man sich im Bereich des Meeresschut- zes Einigung über Kriterien zur Auswahl von schutzwürdigen Meeresgebieten, insbesondere in Bereichen außerhalb der nationalen Hoheitsgewässer, der sog. „Hohen See“. Die Konferenz in Bonn ist somit ein wei- terer, wichtiger Schritt zur Erreichung des sog. „2010-Zieles“ der Vertrags- staaten, das besagt, dass bis zum Jahr 2010 eine signifikante Reduzierung der derzeitigen Verlustrate an biologischer Vielfalt auf internationaler, regionaler und lokaler Ebene erreicht werden soll. Da die Konferenz in Bonn die letzte Es kann also nicht erwartet werden, in Bonn endgültige Lösungen zu finden, die wird und kann es nicht geben. Die Bedeutung der Konferenz liegt darin, einen internationalen Konsens bei strit- tigen Themen zu erreichen, Fortschritte zu erzielen und Prozesse anzustoßen. Der Weg ist das Ziel! Die Autorin: Dipl.–Biol. Jutta Stadler Bundesamt für Naturschutz (BfN) Außenstelle Insel Vilm/Rügen 18581 Putbus Jutta.stadler@bfn-vilm.de Geboren 1968. Studium der Biologie in Tübingen und Hamburg (Schwerpunkt Naturschutz), dazwischen Auslandsjahr in Ohio/USA. Seit 1997 am Bundes- amt für Naturschutz im Fachgebiet I 3.1 „Biologische Vielfalt“ beschäftigt. Mitglied der deutschen Delegation bei den internationalen Verhandlungen zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD). umweltjournal 50/2008 5
| Organisation | Count |
|---|---|
| Bund | 13 |
| Europa | 1 |
| Weitere | 1 |
| Wissenschaft | 3 |
| Type | Count |
|---|---|
| Ereignis | 3 |
| Förderprogramm | 7 |
| Lehrmaterial | 1 |
| Text | 3 |
| License | Count |
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| Geschlossen | 4 |
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| Language | Count |
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| Deutsch | 13 |
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| Resource type | Count |
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| Topic | Count |
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| Boden | 9 |
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| Weitere | 11 |