Das Gesamtprojekt Nordpark im niederbayerischen Plattling (Landkreis Deggendorf) erstreckt sich über rund drei Hektar ehemalige Bahn- und Güterbahnhofsflächen. Nördlich des heutigen Bahnhofs entstand hier ein modernes, multifunktionales Quartier, das Natur, Bildung, Geschichte und Freizeit auf innovative Weise miteinander verbindet. Ein Landschaftspark, ein Hochschulcampus, ein Forschungszentrum und öffentlichen Freiräume werden hier kombiniert. Die Entwicklung des Nordparks erfolgte in mehreren Bauabschnitten und wurde als langfristiger Transformationsprozess angelegt. Es wurden mehrere tausend Quadratmeter Boden entsiegelt und ökologisch aufgewertet. Die landschaftsarchitektonisch prägenden Teile des Nordparks umfassen etwa 2,5 Hektar. Hier schaffen großzügige Grünflächen, naturnahe Pflanzungen, Aufenthaltsbereiche und Freizeitangebote einen vielseitig nutzbaren Park für Menschen aller Altersgruppen. Im Jahr 2013 erlangte der erste Bebauungsplan mit Grünordnungsplan Rechtskraft, es folgten bis zum Jahr 2017 weitere Bebauungspläne. Die Bauarbeiten zur Revitalisierung der Brachfläche begannen im Jahr 2017 mit der Entsiegelung von Böden und der Kampfmittelbeseitigung sowie der Freiflächengestaltung. Es entstanden die ersten Gebäude, die zwei Bildungseinrichtungen, der Fachakademie für Sozialpädagogik und der Berufsfachschule für Musik, dienen. Im zweiten Bauabschnitt begannen im Jahr 2019 die Bauarbeiten für den Technologie Campus Plattling. Auf einer Fläche von rund 1.100 m² entstand hier das Forschungszentrum Moderne Mobilität der Technischen Hochschule Deggendorf. Für diese Bauarbeiten wurden Schutz- und Umsiedlungsmaßnahmen für geschützte Zauneidechsen realisiert. Im Jahr 2020 startete die Sanierung zweier historischer Backsteingebäude aus vormaliger Bahnnutzung, wovon eines zum Bürger- und Vereinshaus und das andere zum Verwaltungsgebäude der TH Degendorf umgenutzt wurden. Anschließend wurde zwischen diesen denkmalgeschützten Gebäuden ein multifunktionaler Bürgersaal neu errichtet. Mit dem Erhalt historischer Eisenbahnarchitektur wurde ein identitätsstiftendes Element in den Nordpark integriert. Insgesamt wurde ein offenes und durchlässiges Stadtquartier mit hoher Aufenthaltsqualität geschaffen, das mit neuen Wegebeziehungen heute verschiedene Stadtteile miteinander verbindet und die fußläufige sowie radverkehrsorientierte Erreichbarkeit verbessert. Möglichkeiten für Freizeit, Erholung und Begegnung, Spazierwege, Sitzbereiche, Grünflächen und naturnahe Aufenthaltsorte laden zum Verweilen ein. Durch die Schaffung attraktiver Freiräume wurde ein neuer Treffpunkt sowie Erholungs- und Begegnungsraum für unterschiedliche Generationen, Familien, Senioren, Studierende und Berufstätige geschaffen. Ein Hauptweg schlängelt sich zwischen Wiesen und der Eisenbahn bis zu einem erhöhten Aussichtspunkt. Auf der ehemaligen Bahnbrache wurden wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten geschaffen. Es wurden über 120 Bäume und mehr als 200 Sträucher neu gepflanzt sowie extensive Wiesenflächen angelegt. Parallel zu den Bahnflächen wurde ein langgezogener Eidechsenwall eingerichtet, der nun als Lebensraum für die geschützten Reptilien auf dem Gelände dient. Außerdem verbessert das Projekt das Stadtklima durch zusätzliche Vegetationsflächen und trägt zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels bei. Der Nordpark schafft damit einen mehrfachen Mehrwert für Umwelt, Artenschutz sowie als Raum hoher Aufenthaltsqualität für die gesamte Stadtgesellschaft. Zudem wurde der Nordpark als Bildungs- und Wissenschaftsstandort etabliert, der Forschung, Lehre und Innovation fördert. Dadurch entsteht eine enge Verknüpfung zwischen wissenschaftlicher Entwicklung und urbanem Leben. Studierende, Forschende, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger profitieren gleichermaßen von den kurzen Wegen und den vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten des Quartiers. Die ökologische Qualität des Projekts wurde 2024 mit dem Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preis in der Kategorie „Pflanzenverwendung und Biodiversität“ ausgezeichnet. Bebauungsplan mit Grünordnungsplan Gutachten zur Kampfmittelräumung Altlasten-Gutachten Naturschutzfachliche Kartierungen Naturschutzfachliche Ausgleichskonzeption Bayerische Förderinitiative „Innen statt Außen“ Bund-Länder-Programm zur Städtebauförderung „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ Bebauungsplan „Nordpark“ mit Grünordnungsplan (2013) Bund Deutscher Landschaftsarchitekt:innen bdla, Landesverband Bayern e.V. (Hrsg.): Bayerischer Landschaftsarchitektur-Preis 2024. Dokumentation
Angesichts des fortschreitenden Klimawandels und der zunehmenden Herausforderungen für den urbanen Raum muss auch der Straßenraum neue Funktionen im Quartier übernehmen. Im knapp bemessenen öffentlichen Raum sind auch im Bereich der Straße Maßnahmen der Klimaanpassung notwendig, um einen Ausgleich zur stark versiegelten und sowohl horizontal als auch vertikal dicht bebauten Stadt zu schaffen. Für Umbaumaßnahmen in dem stark begrenzten und von Nutzungskonflikten betroffenen Verkehrsraum braucht es Strategien der wassersensiblen Stadt, der integrierten Planung und den Blick auf die Machbarkeit. Im Seminar werden Herausforderungen identifiziert und erfolgreiche Instrumente vorgestellt, um urbane Transformation umsetzbar und das veränderte Straßenklima spürbar zu machen. Folgende Fragen werden diskutiert: Welche Herausforderungen gibt es bei der Entwicklung und Umsetzung von Klimastraßen in der kommunalen Praxis? Welche technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sind zu beachten? Welche Erfahrungen haben Kommunen mit der Umsetzung von Klimastraßen gemacht? Wie lassen sich Pilotprojekte erfolgreich in den regulären Stadtplanungsprozess integrieren? Wie gelingt die Planung von grünen Straßen im Rahmen von bestehenden städtebaulichen Konzepten? difu.de/veranstaltungen/2026-03-16/quartiersstrassen-entsiegeln-begruenen-und-beleben
Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen hat im Mai 2026 die Agenda Stadt grün-blau veröffentlicht. Im Mittelpunkt diese Handlungsprogramms stehen konkrete Maßnahmen, mit denen Städte Grünflächen stärken und Wasser besser in die Planung integrieren können. Hierbei geht es darum, Hitze in den Städten zu reduzieren, die Gesundheit zu fördern und öffentliche Räume attraktiver zu gestalten. Hierfür soll eine grüne und wassersensible Stadtentwicklung stärker ressort- und fachübergreifend umgesetzt werden Das Handlungsprogramm ist in fünf Fokusthemen gegliedert: Grün-blau vital: Der Fokus richtet sich auf die wassersensible Stadtentwicklung und das Prinzip der Schwammstadt. Grün-blau gesund: Adressiert die Bedeutung von urbanem Grün für Gesundheit und Vorsorge. Grün-blau sozial: Beleuchtet den Beitrag grün-blauer Infrastruktur für soziale Teilhabe, gutes Zusammenleben und Umweltgerechtigkeit. Grün-blau statt grau: Betrachtet die Nutzung von Flächenpotentialen – von Schulhöfen bis zu Straßenräumen - die für grün-blaue Infrastruktur mobilisiert werden können. Grün-blau kompetent: befasst sich mit Querschnittsthemen wie Daten, Digitalisierung und Planungsinstrumenten und soll bis zum Herbst bearbeitet werden. Grünflächen werden hier in verschiedenen Kontexten wie Hitzevorsorge und Kühlung, Starkregenvorsorge, Bodenwasserhaushalt sowie Gesundheit und Wohlergehen und soziale Interaktion und Umweltgerechtigkeit als multifunktionale Räume betrachtet. In den einzelnen Fokusthemen werden konkrete Maßnahmen benannt. Mit Blick auf den Boden bzw. die Nutzung der Flächen in den Städten zeigt das Fokusthema 4 „Grün-blau statt grau – Raumpotenziale neu gewinnen und vernetzen“ konkrete Aktivitäten der Entsiegelung von Böden auf. So sollen im Zuge der Mobilitäts- und Wärmewende zugleich Entsiegelung, Begrünung und Regenwasserbewirtschaftung im Straßenraum gezielt und effizient umgesetzt werden. Dreifache Innenentwicklung und Flächengerechtigkeit sollen Realität werden. Auch die Entsiegelung von Böden auf halböffentlichen und privaten Flächen soll vorangebracht werden. Als wichtige Referenzprojekte der Entsiegelung werden der bundesweite Wettbewerb „Abpflastern“, der Wettbewerb „Tegelwippen“ in den Niederlanden oder die Schweizer Entsiegelungsinitiative „Asphaltknackerinnen“ genannt. Die Agenda knüpft an das "Weißbuch Stadtgrün" des Bundes aus dem Jahr 2017 an, die darauf abzielte, urbanes Grün als gleichwertige, unverzichtbare Infrastruktur in die Stadtentwicklung zu integrieren sowie die Lebensqualität, Gesundheit und den Klimaschutz durch den Erhalt und Ausbau von Grünflächen zu sichern. Agenda Stadt grün-blau Deutschlandweiter Wettbewerb „Abpflastern“ Wettbewerb „Tegelwippen“ in den Niederlanden Projekt „Asphaltknackerinnen“ in der Schweiz Weißbuch Stadtgrün „Grün in der Stadt – Für eine lebenswerte Zukunft“
Nachdem in den vergangenen Jahren bereits Schnellstraßen entlang der Seine durch Fußgängerbereiche ersetzt wurden und wichtige Verkehrsachsen sowie der historische Stadtkern inzwischen autofrei sind, werden in Paris Straßen in den Wohnquartieren großflächig verkehrsberuhigt und klimaangepasst zu Gartenstraßen (rue jardins) umgebaut. Dabei soll der öffentliche Raum in allen 20 Pariser Bezirken (arrondissements) umgebaut werden, wobei besonders belastete Kieze Priorität haben. Bei der Umsetzung der Maßnahmen werden Verkehrsberuhigung, Entsiegelung, Begrünung und Regenwasserversickerung miteinander kombiniert. Die Bodenentsiegelung spielt eine zentrale Rolle. Asphaltierte Fahrbahnen und Parkplätze werden zu Baumscheiben, Pflanzbeeten, Grünflächen und kleine Gärten oder erhalten wasserdurchlässige Beläge. Die Bürger:innen partizipieren frühzeitig an den Planungen mit Vor-Ort-Veranstaltungen und in Onlinebeteiligungen u.a. zu Themen wie Begrünung, Radwege, Barrierefreiheit und Trinkwasserbrunnen für die Nachbarschaft. Hierfür wurde das Programm „Verschönern Sie Ihre Nachbarschaft“ („Embellir votre quartier“) ins Leben gerufen. Die Begrünungs- und Entsiegelungsmaßnahmen folgen dem Schwammstadtprinzip, wonach Regenwasser lokal versickern soll. Neben der Gartenstraßen zielt auch das Konzept der sogenannten Schulstraßen (rue aux écoles) auf Klimaanpassung, Regenwassermanagement, mehr Stadtgrün und Biodiversität, bessere Luftqualität sowie sichere und attraktivere öffentliche Räume für Kinder und Anwohnende. Hier werden Straßen vor oder in unmittelbarer Nähe einer Schule verkehrsberuhigt, indem der Autoverkehr stark eingeschränkt oder vollständig ausgeschlossen wird, insbesondere zu Schulbeginn und Schulende. Dadurch frei gewordene Flächen werden oft mit Sitzgelegenheiten, Spielmöglichkeiten oder eine und Begrünung umgestaltet. Hierbei werden die Schulen frühzeitig in die Planung eingebunden, um ihre Bedarfe einzubringen. Ab 2020 wurden die Schulstraßen großflächig eingeführt. Es bestehen etwa 300 Schulstraßen (Stand: 2025), so dass mehr als die Hälfte der Pariser Grund- und Vorschulen inzwischen an einer solchen Straße liegen. Die Pariser Schulstraßen wurden ursprünglich eingeführt, um Kinder vor Verkehr und Luftverschmutzung zu schützen. Etwa 100 dieser Straßen sind durch Entsiegelungen und Begrünungen umgestaltet, so dass sie auch der Kühlung in den baulich stark verdichteten Quartieren dienen. Verschiedene stadtweite Konzepte der Transformation bilden den programmatischen Hintergrund für den Ausbau der Gartenstraßen bzw. Schulstraßen. So sieht der Plan Climat de Paris (2024-2030) vor, Paris zu einer „Gartenstadt“ zu transformieren. Ziel des damit verknüpften Plan Local d'Urbanisme (PLU) bioclimatique ist es, bis zu 40 % der Pariser Stadtfläche zu entsiegeln und zu begrünen. Die Baumüberschirmungsfläche soll deutlich ausgedehnt werden. Dafür werden 500 Straßen zu grünen Gartenstraßen (rues jardin) umgestaltet. 66 Prozent der Pariser Bürger:innen stimmten im Jahr 2025 in einer Befragung für den massiven Umbau von Stadtstraßen in Gartenstraßen. In allen Quartieren sollen sechs solcher Straßen entstehen, so dass die Einwohner:innen künftig nicht weiter als 300 Meter von einer solchen Gartenstraße entfernt leben. Zu nennen ist auch der Pariser Fahrradplan "Mission Vélo" für die Schaffung von zusätzlichen 180 Kilometer Radwegen und 130.000 neuen Fahrradparkplätzen im Zeitraum 2021 bis 2026. Er ist Bestandteil der Pariser Mobilitätswende, die eine Reihe von Maßnahmen für einen sicheren Radverkehr und einen Rückzug des Autoverkehrs beinhaltet. Bericht „ Paris, ville-jardin “ Plan Local d'Urbanisme (PLU) bioclimatique Plus de 300 « rues aux écoles » dans Paris
Klimaschutz bedeutet unter anderem, CO 2 -Senken zu bewahren sowie deren Funktion wiederherzustellen oder zu verbessern. Darauf zielt das im Jahr 2023 beschlossene „Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz“ (ANK) ab, in dessen Rahmen Maßnahmen in Wäldern und Auen, Böden und Mooren, Meeren und Gewässern oder auf naturnahe Grünflächen in der Stadt gefördert werden. Das ANK sieht 69 Maßnahmen in insgesamt zehn Handlungsfeldern vor. Für die Umsetzung stehen bis 2028 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Ein Bestandteil dieses großen Programms ist die Förderung der Entsiegelung und der Wiederherstellung von Bodenfunktionen. Mit den Förderprogrammen „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen (ANK-NKK)“ (Umsetzung der Fördermaßnahme durch KfW) und „Natürlicher Klimaschutz in ländlichen Kommunen (ANK-LK)“ (Umsetzung der Fördermaßnahme durch Projektträger Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH) werden Kommunen adressiert, die Flächen entsiegeln und begrünen möchten. Die Fördergegenstände wie unter anderem die Entfernung versiegelnder Schichten, die Verbesserung des Bodens sowie die naturnahe und biodiversitätsfördernde Begrünung sind in Förderrichtlinien der oben genannten Programme geregelt. Im Auftrag Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) wurde außerdem das Kompetenzzentrum Kommunaler Klimaschutz (KNK) eingerichtet, das über Fördermöglichkeiten informiert, Fachinformationen bereitstellt sowie Akteur*innen und Interessierte in Veranstaltungen miteinander vernetzt. Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK), Kabinettsbeschluss vom 29. März 2023 Förderprogramm „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ (ANK-NKK) Förderprogramm „Klimaschutz ländlichen Kommunen“ (ANK-LK) Kompetenzzentrum Kommunaler Klimaschutz (KNK) Informationen des Umweltbundesamts (UBA) zur Bodenversiegelung Informationen des Gesamtverbands der Versicherer (GDV)