Grünlandökosysteme sind der Schwerpunkt von Biodiversitätsforschung in den letzten Jahrzehnten, wobei die Biodiversitätsexploratorien einen wichtigen Beitrag geleistet haben. Die unterschiedlichen Pflanzentypen z.B. Leguminosen, Gräser und Krautige und deren Vorkommen in Lebensgemeinschaften haben einen starken Einfluss auf den Nährstoffumsatz und die Biomasseproduktion im Grünland. Viele Forschungsarbeiten konzentrierten sich auf den Einfluss von Mechanismen der Landnutzungsänderung welche die Biodiversität von diesen Ökosystemen erklären. In diesem Zusammenhang wurde die Rolle von Silizium (Si) und Calcium (Ca) diskutiert. Beide Elemente werden von Pflanzen genutzt um Herbivorie abzuwehren. Poaceae sind reich an Si und arm and Ca wohingegen Fabaceae viel Ca und wenig Si akkumulieren. Die Anreicherung von Si und Ca in Pflanzen steht in Zusammenhang mit der Ressourcenaufnahmestrategie und Abbaubarkeit entlang des „fast-slow economic spectrum“. Durch den pflanzenspezifisch unterschiedlichen Bedarf an Si und Ca wirken sich unterschiedliche Verfügbarkeiten dieser Elemente im Boden unterschiedlich auf die Pflanzengemeinschaften aus. Die Si-Verfügbarkeit im Boden hat einen Einfluss auf die Biomasseproduktion von Gräsern und deren Phosphorgehalt. Für Leguminosen ist Ca wichtig für den Stickstoff- und Phosphorgehalt der Pflanzen. Im Rahmen der Biodiversitätsexploratorien wurde gezeigt, dass Landnutzungsart und -intentsität einen starken Einfluss auf Pflanzengemeinschaften hat. Da Si und Ca einen starken Einfluss auf die Ökosystemleistung im Grünland haben und dies bisher nicht umfassend untersucht wurde, möchten wir in unserem Projekt auf diesen Aspekt fokussieren. Wir erwarten direkte und indirekte Zusammenhänge zwischen Landnutzung, Si und Ca in Boden und Pflanzen im Hinblick auf Ökosystemprozesse und Ökosystemdienstleistung im Grünland. Das Ziel des Projekts ist es, die Mechanismen aufzuklären, welche die Verfügbarkeit von Si und Ca im Boden in Bezug zu der Konzentration von Si und Ca in Pflanzen für die verschiedenen Pflanzentypen und Pflanzengemeinschaften unter verschiedenen Nutzungsbedingungen in den Biodiversitätsexploratorien zugrunde liegen. Daher möchten wir aufklären, wie sich Landnutzung auf die Si und Ca- Gehalte in der Biomasse von Pflanzengemeinschaften auswirkt (Ziel 1), wie sich unterschiedliche Verfügbarkeit von Si und Ca in Böden auf die Zusammensetzung von Pflanzengemeinschaften auswirkt (Ziel 2), und wie unterschiedliche Arten und funktionelle Gruppen plastisch auf Si- und Ca-Verfügbarkeit reagieren (Ziel 3). Schlussendlich wollen wir die kausalen Zusammenhänge verstehen, welche zu unterschiedlichen Si- und Ca-Konzentrationen in der oberirdischen Biomasse im genutzten Grünland führen (Ziel 4).
Zunehmende Landnutzungsintensität (LUI) verursacht umweltrelevante Stickstoff (N)-Verluste und den Rückgang von Artenvielfalt und Multifunktionalität in Grünlandökosystemen. Gezielte Minderungsstrategien werden jedoch durch ein mangelhaftes mechanistisches Verständnis der Wechselwirkungen zwischen LUI, ober- und unterirdischer Biodiversität und dem N-Kreislauf verhindert. BE_BioMON will über die interdisziplinäre Integration von molekularbiologischer Bodenökologie, biogeochemischer Prozessforschung zur kurzfristigen N-Allokation im System Pflanze-Boden-Mikroorganismen und physikochemischer Prozessforschung zur langfristigen Retention von organischem Stickstoff (SON) diese Wissenslücke schließen. Dabei werden Messungen und Modellierungen verknüpft. Wir erwarten, dass sich mit abnehmendem LUI und einem artenreicheren Mikrobiom die N-Verteilung von Nitrifikation/Denitrifikation zu biotischer Assimilation verschiebt. Dies fördert die N-Retention durch Nekromassestabilisierung in partikulärem und mineralassoziiertem SON in Abhängigkeit von Aggregatumsatz und mikroskaliger Bodenarchitektur. Wir nehmen zudem an, dass eine Erhöhung der LUI zu einer Verschiebung von symbiotischer zu assoziativer N-Fixierung führt, was das N2:N2O-Emissionsverhältnis aufgrund verkürzter Denitrifikation bei symbiotischen N-Fixierern erhöhen wird. Darüber hinaus erwarten wir, dass d15N im Boden einen Fingerabdruck der Auswirkungen der LUI auf den N-Kreislauf liefert und somit als prozessintegrierende Bezugsgröße für Ökosystemmodelle dienen kann. Wir erwarten uns hiervon eine verbesserte räumlich-zeitliche Skalierung von LUI-Effekten auf den N-Kreislauf. Um die Hypothesen zu testen, werden wir 15N-Dünger-Tracing-Experimente auf ausgewählten Parzellen unterschiedlicher LUI in allen 3 Biodiversitätsexploratorien (BE) durchführen (WP1). In WP2 werden Mesokosmen-Experimente unter 15N2-Exposition durchgeführt, um die Auswirkungen von LUI auf Umsetzung von BNF-N zu untersuchen. WP3 zielt darauf, den N-Kreislauf im Rahmen der BE-Bodenbeprobungskampagne auf allen Grünland-EPs durch vertikale d15N-Bodenprofile, Metagenomik und SON-Fraktionierung zu bestimmen. Die gewonnenen Erkenntnisse aus WP1-3 und aus bereits verfügbaren BExIS-Daten werden zum Testen und Weiterentwickeln der N-Routinen des prozessbasierten Ökosystemmodells LandscapeDNDC verwendet. Dieses Modell, erweitert um ein dynamisches Vegetationsmodell CoSMo, wird dann verwendet, um den N-Kreislauf für die sämtliche BE-Grünlandparzellen zu simulieren (WP4). In WP5 (Synthese) werden wir LUI und Biodiversität, gemessene und modellierte biogeochemischen N-Umsetzungen, N-Retention durch organo-mineralische Interaktionen und vollständige N-Bilanzen auf Skalen von Tagen bis Jahren mechanistisch verknüpfen. Wir erwarten somit, dass diese Synthese ein mechanistisches und funktionales Verständnis des N-Kreislaufs unter dem Einfluss von LUI, ober- und unterirdischer Biodiversität sowie standortspezifischen Eigenschaften ermöglicht.
Wir benötigen effiziente Renaturierungsmaßnahmen, um die fortschreitende Verschlechterung der biologischen Vielfalt, der Funktionen und der Dienstleistungen des europäischen Grünlandes durch Nutzungsintensivierung aufzuhalten. Nutzungsextensivierung könnte die einfachste Technik zur Grünlandrenaturierung sein, beruhend auf der Idee, dass die Rückkehr zur Nutzungsintensität eines Referenz-Grünlandsystems zur Wiederherstellung artenreicher Pflanzengemeinschaften, ihrer Funktionen und der Dienstleistungen ausreicht. Allerdings sind die Mechanismen, der Zeitrahmen und das Potenzial der Extensivierung als Restaurierungsmaßnahme unklar. Dies schränkt die Möglichkeiten der politischen Entscheidungsträger ein, zu bestimmen, wann Extensivierung als Instrument zur Renaturierung der Artenvielfalt, Funktion und Ökosystemdienstleistungen von Grünland angemessen ist. Das ReCovFun-Projekt schlägt einen neuen ganzheitlichen Ansatz vor, um diese Wissenslücken zu schließen: i) Identifizierung des Extensivierungspotenzials im Hinblick auf eine ganzheitliche Auswahl von Restaurierungszielen; ii) Untersuchung der Mechanismen, die den Extensivierungseffekten auf die multitrophische Vielfalt, die Funktionen und die Ökosystemdienstleistungen von Grünland zugrunde liegen; und iii) Ausarbeitung von Szenarien und Bewirtschaftungsrichtlinien für den optimalen Nutzen der Extensivierung als Instrument der Grünlandrenaturierung. Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass Verschiebungen in den Prozessen des Nährstoffkreislaufs und die damit verbundenen Interaktionen zwischen Pflanzen- und Bodengemeinschaften eine zentrale Rolle für die Auswirkungen der Landnutzung auf Grünlandökosysteme spielen. Das RecovFUN-Projekt untersucht daher die Mechanismen der Extensivierung, indem es die damit verbundenen Veränderungen der Umweltbedingungen quantifiziert, d. h. die Verfügbarkeit von Nährstoffen, Licht und Etablierungsstellen. Dann misst es die Reaktionen der Pflanzen- und mikrobiellen Bodengemeinschaften, ihre funktionellen Merkmale und Interaktionen auf diese Veränderungen und ermittelt die Folgen für den Nährstoffkreislauf im Boden und die Biomasseproduktion. Die neuartigen, standortübergreifenden Experimente (REX, LUX) zur Reduzierung der Grünlandnutzung im Rahmen des Projekts Biodiversity Exploratories (BE) dienen als ideale Plattform zur Bewertung der Extensivierungsmechanismen und ihres Potenzials als Instrument zur Grünlandrenaturierung. Der wesentliche Mehrwert von RecovFun für die aktuellen BE-Ziele liegt in i) seinem Beitrag zum mechanistischen Verständnis der Beziehungen zwischen Landnutzung, Biodiversität und Funktionsweise, ii) der Integration der untersuchten Mechanismen in den soziokulturellen und akteursbezogenen Kontext der Grünlandrenaturierung und iii) den Möglichkeiten der Datensynthese durch die Übertragung etablierter Mechanismen für Pflanzen-Boden-Interaktionen auf andere Organismengruppen und damit verbundene Funktionen und Dienstleistungen.
Die Identifikation stöchiometrischer Beziehungen von Makro- und Mikronährstoffen wird als vielversprechendes Werkzeug gesehen, um das Verhalten von Pflanzen unter verschiedenen Umweltbedingungen zu verstehen und vorherzusagen. Ökologische Grundlagen legen nahe, dass die Stöchiometrien von Pflanzen, Böden, Mikroorganismen und extrazellulären Enzymaktivitäten verschiedener Elementkreisläufe gekoppelt sind. Die Rhizosphäre ist ein Hotspot solcher Kopplungen. Die Verbindung des Konzepts der ökologischen Stöchiometrie mit morphologischen ober- und unterirdischen Pflanzenmerkmalen in realen Grünlandökosystemen ist noch in der Anfangsphase. PEGasuS will die Interaktionen von 13 Grünlandpflanzenarten, mit verschiedenen ober- und unterirdischen funktionellen Merkmalen entlang des Gradienten der Landnutzungsintensität (LUI), und den Exo-Enzymkinetiken in der Rhizosphäre verstehen und für die Pflanzen- und Mikrobenernährung (C:N:P:S und weitere Bioelemente: Mg, Ca, K, Cu, Mn, Zn, Fe) bewerten. Die Faktoren, die die fünf gekoppelten stöchiometrischen Nischen steuern (Blätter, Wurzeln, Bodenlösung, mikrobielle Biomasse und Exo-Enzymkinetiken in der Rhizosphäre), werden durch die Kombination von gemischten Modellen und informationstheoretischen Ansätzen identifiziert. Trotz ihrer Sensitivität werden enzymatische Substrataffinitäten oder katalytische Effizienzen noch nicht verwendet, um stöchiometrische Beziehungen aufzuklären. Wir werden Enzymreaktionen mit einem erweiterten Michaelis-Menten Ansatz basierend auf nichtlinearen Modellen mit gemischten Effekten ermitteln. Wie der Grad stöchiometrischer Homöostase die Verteilung der Arten und ihre kompetitiven Fähigkeiten in unterschiedlich intensiv bewirtschaftetem Grünland einschränkt und wie Pflanze-Enzym Interaktionen sich nach Reduktion der LUI im Vergleich zu etablierten Referenz-Plots mit langjährig (>10 Jahre) niedrigem LUI verändern, soll mechanistisch geklärt werden. Auf 60 Grünland EPs (45 EPs des etablierten Experimentes REX plus 15 EPs mit niedrigem LUI) und 45 Plots mit reduziertem LUI (RPs) werden wir die stöchiometrischen Strategien hierfür identifizieren. Daten der Biodiversitätsexploratorien zur „Umwelt der Pflanzengemeinschaft“ zusammen mit PEGasuS-Daten zur „Umwelt der Zielpflanzenart“ ermöglichen die Identifikation von Mechanismen, die die Pflanze-Enzym Interaktionen entlang der LUI-Gradienten und ihre Reaktion auf LUI-Reduktion steuern. So werden die Effekte von taxonomischer und funktioneller Pflanzendiversität auf Plot- und Individuum-Niveau als auch von LUI-induzierten Ressourcengradienten auf die Pflanze-Enzym Interaktionen in einem Multielement-stöchiometrischen Ansatz bewertet. Durch die Verbesserung des mechanistischen Verständnisses der Effekte von LUI und LUI-Reduktion auf Ökosystemfunktionen (Kohlenstoff- und Nährstoffumsatz) sowie entsprechender Produktionsfunktion (Futterqualität und -quantität) generiert PEGasuS einen erheblichen Mehrwert für die Biodiversitätsexploratorien.
Übergangszonen zwischen verschiedenen Ökosystemen weisen unterschiedliche abiotische Gradienten auf, die Muster von Biodiversität und Ökosystemleistungen (ÖSL) für die umgebenden Agrarlandschaften bilden. Wald-Grünland-Übergangszonen sind bedingt durch Landnutzungsveränderungen, Fragmentierung und landwirtschaftliche Intensivierung in europäischen Agrarlandschaften verbreitet. Grünland zählt zu den europäischen Vorrangflächen für Naturschutz in Agrarlandschaften, da hier ober- und unterirdisch etliche endemischer Pflanzen- und Tierarten vorkommen, die ÖSL bereitstellen. Die Effekte von Grünlandmanagement auf Biodiversität-und ÖSL sind gut untersucht, die Auswirkungen von Landschaftsfaktoren hingegen sind weniger klar. Dieses Forschungsprojekt zielt darauf ab, die Reaktion von Grünlandpflanzen- und bodenbiotischen Arten auf vergangenes und gegenwärtiges Management sowie die Entfernung von Wald zu verstehen. Grünlandpflanzengemeinschaften haben hintereinandergeschaltete Auswirkungen auf die Bodenfauna. Eine höhere Pflanzenvielfalt mit größeren und komplexeren Bodenfaunagemeinschaften ermöglicht dadurch die Steigerung von ÖSL. Wie das Management mit der Entfernung zum Wald interagiert, soll anhand folgender Hypothesen getestet werden: (1) Positive Auswirkungen von Wald auf die Biodiversität im Grünland und ÖSL nehmen mit der Entfernung zur Waldgrenze ab; (2) Die Beta-Diversität der biotischen Gemeinschaften von Pflanzen und Böden unterscheidet sich zwischen beweideten und gemähten Grünlandflächen in Interaktion mit der Entfernung zur Waldgrenze; (3) Komplexere biotische Pflanzen- und Bodengemeinschaften führen zu verstärkter Dekompostierung, größerer C- und N-Speicherung und höherer Futterqualität und -menge; (4) Die Dauer der Landnutzungs- und Grünlandbewirtschaftung der Landnutzer korreliert mit ihrem Wissen über wichtige Pflanzen- und Bodenarten und deren Beitrag zu ÖSL; (5) Die frühere Grünlandbewirtschaftung wirkt sich auf die Unterschiede zwischen den Arten und den ÖSL-Beziehungen aus. Pflanzen und Bodenfauna, am Beispiel von Regenwürmern und Bodenmikroorganismen, werden in Grünlandflächen in Nordostdeutschland untersucht, entlang von Transekten, die vom Wald in jede Fläche reichen. Böden werden auf Kohlenstoff, Stickstoff und Mineralisierung untersucht. Dekompostierung wird im Feld mit Teebeuteln bewertet. Biomasse wird geerntet, getrocknet und gewogen. Landnutzerwissen über das vergangene und gegenwärtige Management sowie ihre Wahrnehmung von Wald-Grünland-Übergangszonen wird in Interviews erfragt. Pflanzen-, Regenwurm- und mikrobielle Gemeinschaften sowie die ÖSL, zu denen sie beitragen, werden in Bezug auf Management und Entfernung zum Wald statistisch modelliert. Dieses Projekt wird zeigen, wie Muster der Biodiversität mit ÖSL in den Übergangszonen interagieren, was zu einer veränderte Wahrnehmung von Agrarlandschaften beitragen könnte und die Rolle von Übergangszonen zwischen Wäldern und Grünland für Naturschutz und ÖSL unterstreichen.