Materielle sowie immateriellen Beiträge der Natur zu Menschen (nature’s contributions to people, NCP) sind wichtige Bestandteile des menschlichen Wohlbefindens, werden jedoch selten gemeinsam untersucht. Wichtig hierbei ist, dass derzeit ein gutes Verständnis der Beziehungen und Mechanismen fehlt, die die biologische Vielfalt und materielle und immaterielle NCP verbinden. Dies gilt insbesondere für tropische Gebirgsökosysteme. Das übergeordnete Ziel von KiLi-SES SP2 besteht darin, Komponenten der biologischen Vielfalt zu identifizieren und zu quantifizieren, die die Versorgung mit materiellen und immateriellen NCP unterstützen, und die Auswirkungen von Klima- und Landnutzungsgradienten auf die Beziehungen zwischen biologischer Vielfalt und NCP zu untersuchen. Für materielle NCP werden wir uns auf die Produktion von Brennholz und Holzkohle (Energie), Pflanzen, Lebensmittel aus der Natur, Viehfutter und schädliche Arten (für Lebensmittel und Futtermittel), Ethnopharmazie (medizinische Ressourcen), Holzproduktion und Kleidung (Materialien) konzentrieren. Für immateriellen NCP werden wir Freizeitaktivitäten, Klanglandschaften, Landschaftsästhetik und psychologisch nützliche und schädliche Arten (physische und psychologische Erfahrungen) sowie die Zufriedenheit mit dem Kennen bestimmter Arten und heiliger Orte (unterstützende Identitäten) untersuchen. Wir werden uns zum einen auf Datensätze stützen, die in KiLi 1 auf der Ebene von 65 Untersuchungsflächen entlang des Höhengradienten am Kilimandscharo gesammelt wurden. Zum anderen werden wir weitere Datenerhebungen durchführen, um Biodiversitätskomponenten auf der Ebene der Arten, über taxonomische, phylogenetische und funktionelle Vielfalt, bis hin zur Vielfalt von Ökosystemen zu erfassen. Insbesondere sind zusätzliche Daten erforderlich, um spezifische Biodiversitätskomponenten zu quantifizieren, die materielle NCP (z. B. Sorten, Ernteertrag) und nicht-materielle NCP (z. B. Landschaftsästhetik, Klanglandschaften) unterstützen. Unsere spezifischen Ziele sind: (1) Die Bewertung des Angebots an materiellen und immateriellen NCP am Kilimandscharo, (2) Die Untersuchung, welche Biodiversitätskomponenten für materielles und immaterielles NCP und deren Beziehung zu Klima- und Landnutzungsgradienten verantwortlich sind, und (3) die Untersuchung der Synergien und Zielkonflikte beim Angebot multipler materieller und immaterieller NCP in Bezug auf die verschiedenen am Kilimandscharo anwesende Akteursgruppen. KiLi-SES SP2 wird daher wichtige Informationen zur Versorgung mit materiellen und immateriellen NCP und deren Treibern liefern, die zusätzlich zu den Daten zur Regulierung von NCP in KiLi-SES SP1 zu einem grundlegenden Verständnis dessen beitragen, wie die Natur zum Wohlbefinden von Menschen in tropischen Gebirgsökosystemen beiträgt.
Holzkohlemeilerrelikte (HKMs) sind anthropogene Kleinformen, die in historischen Montanregionen der Mittelgebirge in Europa weit verbreitet sind. Neue Funde von mehreren tausend HKMs im Norddeutschen Tiefland und die Auswertung hochauflösender digitaler Geländemodelle (DGMs) haben gezeigt, dass die historische Holzkohleproduktion eine bedeutende Rolle bei der spätholozänen Landschaftsentwicklung spielen kann. Neben den historischen und archäologischen Aspekten von HKMs sind die möglichen ökosystemaren Auswirkungen der Köhlerei von Bedeutung, u.a. Veränderungen der physikalischen und chemischen Bodeneigenschaften, erhöhte Gehalte an Bodenkohlenstoff und Effekte auf das Pflanzenwachstum. Es besteht ein beachtliches Forschungsdefizit hinsichtlich der allgemeinen ökologischen Relevanz von HKMs, da die gesamte Dimension der großen HKM-Landschaften bisher nur in Ansätzen verstanden ist. Köhlerei war auch im Nordosten der USA von Bedeutung, obwohl dort deren Auswirkungen auf die Landschaft weitgehend unbekannt sind. Jüngst konnten mittels Analyse von schattenplastischen Reliefkarten über 3.000 HKMs in einem 40 km2 großen Gebiet in Pennsylvania und über 20.000 HKMs in einem 1.170 km2 großen Areal in Litchfield County (NW Connecticut) nachgewiesen werden. Aufgrund dieser Befunde ergibt sich ein komplett neues Bild hinsichtlich der anthropogenen Komponente bei der Entwicklung der Bodenlandschaft im Nordosten der USA. Relativ dicht gedrängt finden sich HKMs in den Litchfield Hills in der Umgebung von West Cornwall, Litchfield County, Connecticut. Die HKMs sind an den Hängen des Housatonic River besonders gut erhalten und bilden kreisförmige Plattformen mit Durchmessern von i.d.R. weniger als zehn Metern. Es ist bemerkenswert, dass heute unter dichter Bewaldung diese Hinterlassenschaften der frühen Holzkohleindustrie weitgehend in Vergessenheit geraten sind, obwohl viele Meiler noch Ende des 19. Jahrhunderts in Betrieb waren. Weitere Forschungen sind erforderlich, um unser Verständnis zu den Umweltauswirkungen der historischen Köhlerei zu verbessern und die Quantität sowie Qualität dieses Nutzungserbes auf unsere modernen Ökosysteme zu erfassen. Die Litchfield Hills bieten beste Voraussetzungen, um Eigenschaften, Entwicklung und Verbreitung der HKM-beeinflußten Böden zu untersuchen und generell neue Erkenntnisse zu anthropogenen Bodenlandschaften zu erhalten.
Analyse der Situation im Haushaltsenergiesektor der sechs IGADD-Mitgliedstaaten. Untersuchung der Nutzung von Holz- und Holzkohleoefen, der Holzkohlebereitung, von Kerosin und anderen alternativen Energiequellen; der Versorgung mit Brennholz, der Nutzung und dem Management von Forst, Baumsavanne und Holzplantagen. Erarbeitung von nationalen und regionalen Strategien und Projektvorschlaegen.
Unser derzeitiges Wissen über die paläoklimatische Entwicklung des Nahen Ostens nach 250.000 Jahre ist noch unzureichend untersucht. Der Vansee (Ostanatolien, Türkei) ist ein hervorragender Standort für die Untersuchung der Klimaentwicklung im kontinentalen östlichen Mittelmeerraum zwischen der nördlichen Levante und dem Mittelmeerraum. Dieses Projekt bietet die einzigartige Möglichkeit, die Variabilität von lokaler / regionaler Vegetation, Feuerintensität und die Klimaveränderungen während des drittletzten glazial-interglazialen Zyklus (Marine Isotope Stage (MIS) 8 bis 10; ca. 240 bis 350 ka BP), unter Verwendung von Palynologie, Auswertung von mikroskopischer Holzkohle sowie der Messung von stabilen Isotopen, zu bewerten. Die in diesem Projekt erstellten hochauflösenden palynologischen Datensätze bilden die Grundlage für die Biomodellierung und Rekonstruktion der Klimaentwicklung im östlichen Mittelmeerraum, die mit multivariaten statistischen Methoden entwickelt werden (z. B. Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion zur Rekonstruktion von Temperatur und Niederschlag). Ziel dieser Studie ist es, globaler Klimasignale unterhalb von Milankovitch-Zyklen zu untersuchen, und deren direkten Einfluss auf die Vegetationszusammensetzung und / oder die Umweltbedingungen in dieser Region.
We consider clay minerals, iron oxides and charcoal as major components controlling the formation of interfaces relevant for sorption of organic chemicals, as they control the assemblage of organic matter and mineral particles. We studied the formation of interfaces in batch incubation experiments with inoculated artificial soils consisting of model compounds (clay minerals, iron oxide, char) and natural soil samples. Results show a relevant contribution of both iron oxides and clay minerals to the formation of organic matter as sorptive interfaces for hydrophobic compounds. Thus, we intend to focus our work in the second phase on the characterization of the interface as formed by organic matter associated with clay minerals and iron oxides. The interfaces will be characterized by the BET-N2 and ethylene glycol monoethyl ether (EGME) methods and 129Xe and 13C NMR spectroscopy for determination of specific surface area, sorptive domains in the organic matter and microporosity. A major step forward is expected by the analysis of the composition of the interface at different resolution by reflected-light microscopy (mm scale), SEM (scanning electron microscopy, micrometer scale) and secondary ion mass spectrometry at the nanometer scale (nanoSIMS). The outcomes obtained in combination with findings from cooperation partners will help to unravel the contribution of different types of soil components on the formation and characteristics of the biogeochemical interfaces and their effect on organic chemical sorption.
The formation of biogeochemical interfaces in soils is controlled, among other factors, by the type of particle surfaces present and the assemblage of organic matter and mineral particles. Therefore, the formation and maturation of interfaces is studied with artificial soils which are produced in long-term biogeochemical laboratory incubation experiments (3, 6, 12, 18 months. Clay minerals, iron oxides and charcoal are used as major model components controlling the formation of interfaces because they exhibit high surface area and microporosity. Soil interface characteristics have been analyzed by several groups involved in the priority program for formation of organo-mineral interfaces, sorptive and thermal interface properties, microbial community structure and function. Already after 6 months of incubation, the artificial soils exhibited different properties in relation to their composition. A unique dataset evolves on the development and the dynamics of interfaces in soil in the different projects contributing to this experiment. An integrated analysis based on a conceptual model and multivariate statistics will help to understand overall processes leading to the biogeochemical properties of interfaces in soil, that are the basis for their functions in ecosystems. Therefore, we propose to establish an integrative project for the evaluation of data obtained and for publication of synergistic work, which will bring the results to a higher level of understanding.
Das LSG ist Teil des mit etwa 1000 km² größten zusammenhängenden Waldgebietes der mitteldeutschen Tiefebene. Einst bedroht von Tagebauen und Abgasen der Chemieregion Wolfen-Bitterfeld, wird die große Heidelandschaft zwischen Mulde und Elbe nun zu einem länderübergreifenden Naturpark entwickelt. Das LSG liegt im Südwesten des Kreises Wittenberg und im Nordosten des Kreises Bitterfeld. Es umfaßt den gesamten nordöstlichen Teil der Landschaftseinheit Dübener Heide. Randbereiche des LSG gehören zu den Landschaftseinheiten Tagebauregion Gräfenhainichen beziehungsweise Tagebauregion Bitterfeld. Der gesamte Komplex der Dübener Heide ragt als Hügellandschaft mit Höhen um 100 m aus dem nördlich, östlich und teils auch südlich umgebenden Urstromtal heraus. Das LSG umfaßt Erhebungen wie den Gabelberg mit 187 m über NN, den Wurzelberg mit 182 m über NN und den Meuroer Berg mit 147 m über NN sowie im Nordosten den Gollmer Berg mit 132 m über NN. Westlich der B 2 befindet sich die Hohe Gieck, mit 193 m über NN, die höchste Erhebung der Dübener Heide. Während der nördliche und der südliche Teil des LSG von einer aufgelockerten Wald-Acker-Landschaft eingenommen werden, ist der mittlere Teil von einer geschlossenen Waldlandschaft bedeckt. Lediglich die Bereiche um Söllichau, Tornau und Schköna sind waldfreie ”Inseln”. Im zentralen Teil der Dübener Heide, im Bereich der Stauchendmoräne, finden sich Waldungen mit der natürlichen Waldgesellschaft, dem Wachtelweizen-Traubeneichen-Buchenwald, die wesentlich zur landschaftlichen Schönheit des Gebietes beitragen. Auf den kuppigen Grundmoränen im Norden und auf den Sanderböden im Süden müßte der Traubeneichen-Hainbuchenwald vorkommen, von dem jedoch nur Reste erhalten sind. Größere Flächen werden von eintönigen Kiefernforsten eingenommen. Reizvolle Waldwiesen lockern den Waldbestand mehrfach auf und bereichern das Landschaftsbild. In der Umgebung von Bad Schmiedeberg und Reinharz bestimmen die Lausiger Teiche, Ausreißerteich, Roter Mühlteich, Heidemühlteich, Brauhausteich und Heideteich sowie weitere kleinere Gewässer, wie zum Beispiel der Jagdhüttenteich, die Landschaft. Das Tal des Fliethbaches mit seinen bachbegleitenden Gehölzen, Hochstaudensäumen und Grünland durchzieht das LSG ebenso wie das Tal des Hammerbachs. Der im Norden liegende Bergwitzsee und der im Südwesten liegende Muldestausee bilden durch ihre großen Wasserflächen und die auf den Kippböden an den Ufern stockenden Sukzessionswälder sowie durch das durch die Kippen entstandene Relief ein eigenständiges, jedoch auch reizvolles Landschaftsbild. Das Gebiet der Dübener Heide wurde zum ersten Mal in der mittleren Altsteinzeit aufgesucht. Die Menschen lebten damals von der Jagd und vom Sammeln der Früchte. Bei Gröbern wurde im Zuge des Braunkohlentagebaus ein Schlachtplatz entdeckt, an dem Menschen vor 100 000 Jahren mit seinen steinernen Werkzeugen einen Waldelefanten zerlegt hatten. Während der Jungsteinzeit und der frühen Bronzezeit blieb das Gebiet der Dübener Heide weitgehend unbesiedelt. Erste Hinweise auf einen dauerhaften Aufenthalt durch eine jungsteinzeitliche Bevölkerung geben Gräber der Kugelamphoren- und der Schnurkeramikkultur. Erst am Ende der mittleren Bronzezeit wurde das Gebiet von Osten her durch Angehörige der Lausitzer Kultur besiedelt. Ihre Blüte erlebte die Besiedlung in der jüngeren Bronzezeit. Der Waldbestand trug dazu bei, daß sich die klassische Grabform dieser Zeit, der Grabhügel, oberirdisch erhalten hat, während er im umgebenden Ackerland vollständig von der Erdoberfläche verschwunden ist und sich nur noch im Luftbild über die einstmals die Hügel umschließenden Ringgräben zu erkennen gibt. Die Grabhügelfelder, von denen in der Dübener Heide noch mehr als 40 existieren, umfassen mitunter über 80 Einzelhügel. Als wirtschaftlichen und politischen Kristallisationspunkt der Besiedlung kann die mit Wall und Graben befestigte Burg bei Kemberg gedeutet werden. Die gegenüber der Lausitzer Kultur auffällige Fundstellenarmut im Zusammenhang mit der aus dieser hervorgegangenen Billendorfer Kultur deutet auf einen Siedlungsrückgang während der frühen Eisenzeit hin. Zu dieser Zeit rückte von Westen her die Hausurnenkultur über die Mulde in die Dübener Heide bis in die Höhe von Möhlau vor. Die Gründe für den Siedlungsrückgang dürften in der im 8. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesenen Klimaverschlechterung liegen, wobei die Abwanderung mit einem feuchteren und kühleren Klima verbunden war, was die Ausbreitung des Waldes begünstigt haben mag. Die lichten Eichenmischwälder, die während der Bronzezeit auf dem Gebiet der Dübener Heide Ackerbaumöglichkeiten boten, verdichteten sich, wobei der Bestand an Buchen und Kiefern zunahm. Die Siedlungen der jüngeren Eisenzeit beschränkten sich vorwiegend auf die Ränder der Flußtäler an Mulde und Elbe, das Innere der Heide wurde dagegen gemieden. Aus der frühgermanischen Kultur der Zeitenwende lassen sich wieder einige Gräberfelder und Siedlungen auch auf dem Gebiet der Heide nachweisen. Dies hängt wohl ursächlich mit den in der Heide ausgebildeten Raseneisenerzen zusammen, deren Verhüttung vor Ort stattfand. Aus jüngeren Perioden sind bislang keine Fundstellen bekannt geworden. Erst die Sorben haben in der Heide wieder Siedlungen angelegt und Raseneisenerz verhüttet. Die Dübener Heide zählte damals zum Stammgebiet der Nizizi. Im Mittelalter wurden dann eine ganze Reihe von Ortschaften gegründet. Ihnen war aber keine Dauer beschert, und so wurden sie schon im Spätmittelalter wieder verlassen und fielen wüst. Sie sind nur noch in den Namen der Gemarkungen überliefert. Bei Oppin hat sich im Wald sogar noch ein die Gemarkung einst umfassender Graben erhalten. Wie die 1749 von P. Schenk in Amsterdam gedruckte Karte der "Emmter Wittenberg und Graefenhaynichen" zu erkennen gibt, war die Dübener Heide im 18. Jahrhundert zu kleinen Waldinseln zusammengeschrumpft. Dennoch blieb das Waldgebiet lange Zeit wegen der ungünstigen Bedingungen nur spärlich besiedelt. Wüstungen künden davon, daß diese Siedlungen wegen der nicht ausreichenden Ertragslage auch wieder aufgegeben oder im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurden. Die Wälder der Dübener Heide wurden weitestgehend nur für die Holznutzung aufgesucht, die jedoch nicht nur für die Brennholzerzeugung erfolgte. Zur Verarbeitung als Bauholz wurden entlang des Fliethbaches mehrere Sägemühlen errichtet, von denen eine bei Ateritz noch heute (allerdings mit Elektroantrieb) in Betrieb ist. Einige alte, heute nicht mehr ausgeübte Handwerke, wie das der Splittmacher (Dachschindeln aus Holz) oder der Muldenhauer (Mulden, Backtröge, Schaufeln aus Holz), wurden hier betrieben. Am Hammerbach bei Torgau sind heute noch die Döbelts- und die Weichersmühle zu finden, beide waren ursprünglich Papiermühlen. Im Landkreis Bitterfeld arbeitete bis 1954 auf der Mulde bei Schwemsal eine Flußschiffmühle, die nun im Garten der Bad Dübener Burg ausgestellt ist. An mehreren Stellen, in den Pechhütten, wurde aus dem kienhaltigen Holz in doppelwandigen Retortenöfen Pech gebrannt. Im sächsischen Teil der Dübener Heide ist die Friedrichshütte noch erhalten. Das alte Handwerk der Köhlerei gibt es heute noch: in der Nähe von Eisenhammer wird, wenn auch nicht mehr in übermannshoch aufgeschichteten Kohlenmeilern, sondern in Metallretorten, Holzkohle gebrannt. Am Hammerbach wurde früher mit Wasserkraft eine Hammerschmiede betrieben, die der Ansiedlung den Namen ”Eisenhammer” gab. Im Heidedorf Reinharz wurde vom Ritter Heinrich Löser ein Rittergut geschaffen und später von den Nachfahren das Wasserschloß errichtet, das nach dem II. Weltkrieg als Erholungs- und Kurheim genutzt wurde. Zur Zeit der Ostkolonisation wurde das Gebiet des heutigen Bad Schmiedeberg besiedelt. Nachdem die Zahl der Siedler ständig wuchs und Handel und Gewerbe aufblüten, erhielt der Ort 1350 das Stadtrecht. Von den zahlreichen Handwerksinnungen sollen besonders das Brauereiwesen und die Töpferei genannt werden. 1878 wurde in Schmiedeberg aufgrund der Erfahrung der Töpfer, die ihre von Rheumatismus schmerzenden Glieder in warme Moorerde zu stecken pflegten und dadurch Linderung erlangten, das Moorbad gegründet, das besonders nach 1945 ständig steigende Gästezahlen erreichte. Bei Bergwitz und Gniest befinden sich Flächen und Stellen, an denen früher Braunkohle abgebaut wurde. Während die bis zur Oberfläche aufgestaute Braunkohle bei Gniest nicht mächtig genug war, wurde bei Bergwitz bis 1955 die unter 10 bis 20 m mächtigen Deckschichten nicht gestauchte Braunkohle abgebaut, wonach der fast 200 ha große Bergwitzsee entstand. Neben der Braunkohle wurden auch Tone, Sande und Kiese abgebaut. Das Gebiet der Dübener Heide hatte jedoch die größte Bedeutung für die Holznutzung in den Wäldern. So setzte die Rodungstätigkeit bereits im 11. bis 13. Jahrhundert mit den deutschen Siedlern ein. Diese erhielten vom Landesherren mit der Landnahme mehrere Gewohnheitsrechte, sogenannte Servitute, wie Brenn- und Bauholz-, Kien- und Leseholz- sowie Streu- und Lehmentnahme, aber auch Hutungs-, Gräserei- und Triftberechtigungen. Diese überkommene Form der Servitute wirkte sich nachteilig auf den Waldbestand aus, da zum Beispiel durch die Streu- und Waldweidenutzung jeglicher Jungwuchs verhindert wurde. Einschneidende Veränderungen in der natürlichen Waldbestockung fanden dann jedoch im 19. und 20. Jahrhundert mit der Einführung der Kahlschlagwirtschaft und Monokulturpflanzung statt. In der Zeit vor 1990 war die Dübener Heide ein bedeutendes Holzeinschlagsgebiet, das vom Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb ”Dübener Heide” in Tornau, Ortsteil Eisenhammer, bewirtschaftet wurde. Durch die SO2-haltigen und staubförmigen Emissionen der Braunkohle-Kraftwerke Zschornewitz und Vockerode sowie der chemischen Industrie in Bitterfeld und Wolfen wurde das Waldgebiet stark geschädigt, da diese Abgase durch die vorherrschenden Südwest- und Westwinde in das Gebiet getragen wurden. Die Dübener Heide wurde zu einem ”klassischen” Rauchgas-Schadensgebiet mit gravierenden Auswirkungen auf das Ökosystem Wald mit seinen einzelnen Kompartimenten. Das Gebiet der Dübener Heide ist das Ergebnis eiszeitlicher Vorgänge. Es wird geologisch durch die Stauchendmoräne zwischen Gräfenhainichen und Bad Schmiedeberg geprägt, die in einem älteren Stadium der Saalevereisung (vor zirka 250 000 Jahren) entstanden ist. Durch mehrere Vorstoß- und Rückzugsphasen der nördlichen Inlandvereisung wurde das hügelige Relief geschaffen. Der Endmoränenbogen bezeichnet das Gebiet, in dem die Vereisung zum Stillstand kam. Durch die Endmoräne wurden vorwiegend braunkohleführende tertiäre Schichten des Miozäns und des Oligozäns stark aufgestaucht und geschuppt. Dabei reicht die Stauchwirkung 70 bis 100 m tief in die tertiäre Schichtenfolge hinein. So wurden stellenweise Sedimente aus 100 m Tiefe bis an die heutige Oberfläche aufgestaucht, beispielsweise die Braunkohle bis auf teilweise nur wenige Meter Tiefe. Einen bevorzugten Abscherungshorizont bildete dabei die Oberfläche des Rupeltones. Die zwischen den vorwiegend grundwasserstauend wirkenden tertiären Schollen eingelagerten quartären Schmelzwassersande und -kiese sind die grundwasserleitenden Elemente in der Stauchungszone. Durch die von der Stauchung erfaßten bindigen Sedimente wird der Komplex nicht nur in übereinander, sondern auch in nebeneinander gelagerte Grundwasserleiter verschiedenen Alters gegliedert. Die einzelnen Grundwasserleiter folgen dem Streichen der Falten und haben, wo die Stauchfalten zerrissen sind, eine hydraulische Verbindung. Die Schmiedeberger Stauchendmoräne bildet eine Grundwasserscheide im Gebiet, so daß das Grundwasser im südwestlichen Teil dem Muldetal zufließt, im Nordosten aber in das Schmiedeberger Becken fließt und dort zur Ausbildung vermoorter Alluvionen geführt hat. Diese bilden heute die Grundlage für den Moorbadebetrieb. In dem zur Mulde abfließenden Grundwasser kommt es aufgrund der Aufstauchung zu artesischer Spannung, welche bereits um die Jahrhundertwende zur Hauswasserversorgung in Düben, heute Bad Düben, genutzt wurde. Der anstehende Druck erreichte selbst Wohnungen in der zweiten Etage. Die Nutzung der im Tertiär entstandenen Braunkohleflöze führte südlich von Bergwitz, nördlich von Gröbern und zwischen Schlaitz und Pouch zu tiefgreifenden Landschaftsveränderungen. In diesem Gebiet ist auch in kleinen Tagebauen Braunkohle abgebaut worden. Davon zeugen zahlreiche kleine Seen, wie beispielsweise ”Langer See”, ”Königsee”, ”Froschsee” und andere. Aus bodenkundlicher Sicht kann man von einer Zweiteilung des LSG sprechen. Man unterscheidet den östlichen Teil zwischen Tornau und Pretzsch im Bereich der Schmiedeberger Endmoräne vom westlichen Teil zwischen Tornau und Muldenstein außerhalb der Schmiedeberger Endmoräne. Der östliche Teil ist bodenkundlich differenzierter als der westliche Teil. Letzterer enthält dafür als Besonderheit die Kippen und Restlöcher wie den Muldestausee, den Blauen See und den Roten See des ehemaligen Braunkohlentagebaus Muldenstein. Im östlichen Teil folgt über dem gestauchten Tertiär und dem saalekaltzeitlichen Geschiebemergel der weichselkaltzeitliche Geschiebedecksand, so daß alle Bodenprofile, mit Ausnahme der in den Bachtälern, zweischichtig sind; zum Beispiel Sand über Lehm, Sand über Ton, Sand über Sand. Die unterschiedlichen bodenphysikalischen Eigenschaften der übereinander liegenden Substrate bedingen sehr unterschiedliche Böden. Dort, wo lehmig-tonige Substrate unter sandigen Substraten liegen, finden sich Böden mit Neigung zur Stauvernässung, z.B. Pseudogley-Braunerden, Pseudogley-Fahlerden oder an Braunerde-Fahlerden ohne Staunässe. Diese Böden werden überwiegend als Acker genutzt. Dort, wo sandige Substrate über Sand liegen, finden sich podsolige Sauerbraunerden, Braunerde-Podsole und Acker-Braunerde-Podsole. Mit Ausnahme der letzteren sind diese Böden Waldstandorte. In den Bachtälern kommen in den Quellbereichen Gleye aus Sand, sonst bachabwärts Humusgleye bis Anmoorgleye vor. Diese Standorte werden meist als Grünland genutzt. Der westliche Teil liegt außerhalb der Schmiedeberger Endmoräne. Deshalb gibt es die zur Stauvernässung neigenden Böden hier nicht, es überwiegen sandige Böden. An der Westgrenze dieses Teilgebietes befindet sich der ehemalige Braunkohlentagebau Muldenstein. Im Gegensatz zu den kleinen Tagebauen im östlichen Teilgebiet handelt es sich hier um einen Großtagebau. Durch die Rekultivierung sind vier wassergefüllte Restlöcher und etwa 1000 ha Kippenfläche aus unterschiedlichen Kippsubstraten entstanden. Die Kippsubstrate werden nach ihren stabilen Parametern wie Korngrößenzusammensetzung, Karbonatgehalt, Substratmischung benannt. Durch die Vorsilbe ”Kipp” wird auf ihre Entstehung hingewiesen, zum Beispiel bei Kipp-Lehm, Kipp-Kieslehm, Kipp-Kalklehm, Kipp-Kieskalklehmsand, Kipp-Gemengekieslehmsand. Kippböden unter landwirtschaftlicher Nutzung zeigen bereits nach drei bis fünf Jahren eine Horizontdifferenzierung. Mit Karbonatgehalt sind diese Böden als Kipp-Pararendzinen, ohne Karbonatgehalt als Kipp-Regosole anzusprechen. Die Oberflächengewässer werden besonders vom weitverzweigten Fließgewässersystem des Fliethbaches geprägt, der von mehreren Quellzuflüssen südlich von Reinharz gespeist wird und in der Elbeaue nördlich von Wörlitz in die Elbe mündet. Direkt an der Landesgrenze nach Sachsen fließt der kleine Grenzbach ebenso wie der weiter nördlich fließende Pretzscher Bach in östlicher Richtung zur Elbe. Im Waldgebiet am Eisenhammer nördlich von Tornau entspringt der Hammerbach, der in südlicher Richtung der Mulde zufließt. Nördlich von Krina entspringt in einem anmoorigen Gebiet der Schmerz-Sollnitzbach, der westwärts fließt und bei Sollnitz in die Mulde mündet. Alle diese Bachtälchen sind Schmelzwasserrinnen vom ehemaligen Inlandeis zu den Urstromtälern. An stehenden Gewässern finden sich in der Dübener Heide mehrere anthropogen, also in der Folge von Kohle- oder Tonabbau oder durch Anstau von Fließgewässern entstandene Seen oder Teiche, wie Großer und Kleiner Lausiger Teich, Ausreißerteich, Patzschwiger Tonteiche, Roter Mühlteich Reinharz, Heidemühlteich, Heideteich, Brauhausteich Reinharz, Blaues Auge Reinharz und Gniester Seen. Die größten Wasserflächen entstanden aber nach Aufgabe der Braunkohlenförderung bei Bergwitz im Jahr 1952 mit dem 200 ha großen Bergwitzsee (mittlere Tiefe = 14 m) und 1975 nach Flutung des 605 ha großen Muldestausees (mittlere Tiefe = 19,5 m). Der zentrale Bereich der Dübener Heide ist dem Klimagebiet ”Binnenbecken und Binnenhügelland im Lee der Mittelgebirge” zuzurechnen. Der umgebende Bereich gehört zum Klimagebiet des stärker kontinental beeinflußten Binnentieflands. Die Dübener Heide stellt eine Klimascheide zwischen dem atlantisch getönten Raum um Bitterfeld im Westen und dem bereits kontinentaler geprägten Elbtal bei Torgau dar. Hinsichtlich der Jahresniederschläge hebt sich der zentrale Teil der Dübener Heide mit mehr als 600 mm Niederschlagsmenge deutlich gegen die Randgebiete ab, die teilweise um die 550 mm Niederschlag empfangen. Das Jahresmittel der Lufttemperatur beträgt im zentralen Bereich der Dübener Heide 8,0 bis 8,5 o C (mittlere Lufttemperatur Januar 0 bis –1 o C, Juli 17,0-18,0 o C) und liegt in dessen Randbereich ca. 0,5 bis 1,0 o C höher. Die potentiell natürlichen Waldgesellschaften sind durch die forstliche Nutzung des Gebietes stark zurückgedrängt worden. Seit den 1980er Jahren wird der Rotbuchenanbau gefördert, so daß auch wieder Jungbestände vorzufinden sind. Charakteristisch für den niederschlagsreicheren südlichen Teil der Dübener Heide sind Hainsimsen-Buchenwälder der ärmeren Podsole und Flattergras- saure Waldmeister-Buchenwälder der Braun- und Fahlerdestandorte. Der zentrale, durch Endmoränen gekennzeichnete Kern der Dübener Heide wird von Linden-Traubeneichen-Hainbuchenwäldern umschlossen. Je nach Trophie des Standortes kommt es zu grasreichen und krautreichen Ausbildungen. Bei Staunässeeinfluß und Ausbildung von Pseudogleyen gehen diese Wälder in Waldziest-Stieleichen-Hainbuchenwälder und insbesondere im südöstlichen Teil der Dübener Heide in Seegrasseggen-Stieleichen-Hainbuchenwälder über. Als azonale Vegetation treten in Tälern und Niederungen Pfeifengras-Eichenwälder im Komplex mit Sternmieren-Stieleichen-Hain-buchenwäldern auf Gleystandorten auf. Die Anmoorstandorte werden von Traubenkirschen-Erlen-Eschenwäldern und die Niedermoorstandorte von Erlenbrüchern verschiedener Ausprägung eingenommen. Die großflächig vorhandenen Kiefernforste weisen eine zunehmende Vergrasung mit Land-Reitgras auf. Südlich von Lübast existieren noch Vorkommen mehrerer Arten von Wintergrüngewächsen, ebenso kommt das Wintergrün bei Schmerz, Gröbern und Krina vor. Schwarzer Holunder, Faulbaum und Stiel-Eiche sowie Adlerfarn und Brombeere treten in den Kiefernbeständen als Unterwuchs auf. An Einzelstandorten wurden auch zahlreiche floristische Besonderheiten nachgewiesen, wie Leberblümchen, Türkenbundlilie, Nestwurz, Süße Wolfsmilch, Echtes Lungenkraut, Sanikel und Gelbes Windröschen, die jedoch aktueller Bestätigung bedürfen. Die ehemals für die Dübener Heide typischen großflächigen Heidelbeerbestände, die im Sommer viele Beerensucher in die Heide lockten, sind der zunehmenden Vergrasung gewichen, die als eine Folge der vormals starken Luftbelastung angesehen wird. Auch der Reichtum an Großpilzen entspricht nicht mehr dem früherer Zeiten, wenn auch immer noch Stein-, Butter-, Birkenpilze, Pfifferlinge, Blutreizker, Hallimasch und weitere Pilzarten gefunden und von Sammlern an den Straßen angeboten werden. Die zunächst vegetationsfreien Kippböden der Bergbaufolgelandschaften unterliegen zunehmend der Sukzession, so daß sich hier aus Hänge-Birke, Zitter-Pappel und Wald-Kiefer bereits Vorwälder gebildet haben, teilweise auch forstlich begründet. Eine besonders artenreiche Vegetation ist in den Bereichen der Heideteiche vorzufinden. Hier bilden Weiße Seerose und Gelbe Teichrose, Froschbiß, Kleine Wasserlinse, Schwimmendes Laichkraut, Wasserhahnenfußarten, Wasser-Knöterich, Südlicher Wasserschlauch und Wasserfeder die Schwimmblattvegetation sowie Schilf, Schmal- und Breitblättriger Rohrkolben und Teichsimse dichte Röhrichte. An einigen Teichufern, besonders am Südufer des Ausreißerteiches und des Kleinen Lausiger Teiches, haben sich Flachmoorgesellschaften mit Grau-Segge, Hunds-Straußgras, Schmalblättrigem Wollgras, Wassernabel, Flatter-Binse, Sumpf-Blutauge und Torfmoos-Teppichen herausgebildet. Auch einige andere stehende Gewässer im LSG weisen eine derartige Wasser- und Ufervegetation auf. Das Fließgewässersystem des Fliethbaches ist von zahlreichen Makrophyten bestanden. Hier bildet besonders der Große Wasserschwaden mit der Wasser-Schwertlilie schmale Bachröhrichte, von den submersen Pflanzen kommen in der Quellregion Alpen-Laichkraut, in der Mittelregion vorwiegend Kanadische Wasserpest, Schild-Wasserhahnenfuß und Schwimmendes Laichkraut vor. Auf wenigen, extensiver bewirtschafteten Kleinäckern auf stark sauren, nährstoffarmen Sandböden wurden Ackerwildkrautarten der sehr selten gewordenen Knäuel-Lämmersalat-Gesellschaft nachgewiesen. Entsprechend diesem vielfältigen Lebensraumangebot ist im LSG eine artenreiche Tierwelt anzutreffen. In den großflächigen Wäldern finden mit Rothirsch, Reh, vereinzelt Wildschwein und Damhirsch, vier Schalenwildarten Einstand. Mit Dachs, Baum- und Steinmarder, Iltis, Hermelin und in den Randlagen zu offenen Bereichen auch Mauswiesel kommen alle Waldmarder im LSG vor. An einigen Gewässern (wie am Bergwitzsee) haben sich die für die Heide nicht typischen Elbebiber angesiedelt, vermutlich begünstigt durch abwandernde Biber aus einer ehemaligen Hälterungsanlage des Forstbetriebes in Köplitz. Das Artenspektrum der Kleinsäugerfauna und das der baumbewohnenden Fledermäuse ist noch relativ unbekannt. Besonders artenreich ist die waldbewohnende Vogelwelt vertreten, zum Beispiel durch Buchfink, Star, Eichelhäher, Wald- und Gartenbaumläufer, Kleiber, Pirol, Kohl-, Blau-, Hauben-, Tannenmeise, Trauerschnäpper, Sommer- und Wintergoldhähnchen, Amsel, Zilpzalp, Fitis, Misteldrossel, Singdrossel, Rotkehlchen, Heidelerche, Baumpieper, Kuckuck, Buntspecht, Turteltaube, Ringeltaube, Waldschnepfe, Mäusebussard, Habicht und Sperber. Im Zuge seiner Wiederausbreitung erreichte der Kolkrabe neben dem Fläming auch die Dübener Heide als eines der ersten Wiederansiedlungsgebiete, wo er inzwischen wieder überall vorkommt. Bemerkenswert sind die Vorkommen der Vogelarten, die bevorzugt die Altbuchenbestände bewohnen, wie Schwarzspecht, Grauspecht, Waldlaubsänger, Zwergschnäpper, und Hohltaube. Auf den weiten vegetationslosen bzw. -armen Flächen des Tagebaus Gröbern sind Brachpieper und Heidelerche in einer erstaunlichen Dichte anzutreffen. Auch die gefährdeten Großvogelarten Kranich, Seeadler und Schwarzstorch finden mit jeweils 1 - 2 Brutpaaren Lebensraum im LSG. Dagegen ist der ehemals an den Mühlen des Fliethbachtales vorkommende kleine Bestand der Gebirgsstelze wohl völlig erloschen. An den Heideteichen leben verschiedene Wasservogelarten, wie Hauben-, Rothals- und Zwergtaucher, Stock-, Tafel- und Reiherente, Bleß- und Teichralle, Rohrweihe, Drossel-, Teich- und Sumpfrohrsänger sowie die Rohrammer. Der Weißstorch ist mit einem Brutpaar in Bad Schmiedeberg sowie in Randgemeinden des Landschaftsschutzgebietes wie Bergwitz, Pretzsch, Sachau und Priesitz, vertreten. Eine besondere Bedeutung für die Rast durchziehender Wasservögel besitzen die beiden großen Tagebauseen (Muldestausee, Bergwitzsee), insbesondere für Zehntausende von Saat- und Bleßgänsen sowie Lachmöwen. Auf der Insel des Muldestausees hat sich eine Brutkolonie der Sturmmöwe gebildet. Wenn auch in den geschlossenen Waldungen der Dübener Heide kaum Lurche zu finden sind, sind sie an den stehenden und fließenden Gewässern des Gebietes sowie in den dort angrenzenden feuchteren Wiesen und Wäldern vertreten. Hier konnten bisher insgesamt folgende zehn Arten nachgewiesen werden: Kammolch, Teichmolch, Knoblauchkröte, Erdkröte, Kreuzkröte, Laubfrosch, Grasfrosch, Moorfrosch, Teichfrosch und Kleiner Wasserfrosch. Dabei sind Teichfrosch, Grasfrosch und Erdkröte die häufigsten Arten. Bemerkenswert sind die Vorkommen der gefährdeten Arten Kammolch und Laubfrosch sowie des Kleinen Wasserfrosches, die sich besonders an den Gewässern im Schmiedeberger Becken konzentrieren. Von den Kriechtieren kommt die Ringelnatter an den Heideteichen vor. Die Waldeidechse ist an den Waldwegen und -rändern zu finden, die Zauneidechse nur an Stellen mit lückiger oder fehlender Vegetation, zum Beispiel an Abgrabungen. In den Wäldern lebt die Glattnatter. Dagegen fehlen von der oftmals vermuteten Kreuzotter aktuelle Nachweise. Die Fischfauna in den fischereilich genutzten Heideteichen wird von den wirtschaftlich nutzbaren Arten, insbesondere Karpfen, geprägt, die hier in großer Stückzahl eingesetzt werden. Das herbstliche Abfischen an den Lausiger Teichen wird seit einigen Jahren als Volksfest mit ständig steigenden Besucherzahlen durchgeführt. Das Fließgewässersystem des Fliethbaches wird im Bereich der Dübener Heide mit dem sommerkühlen Oberlauf bis etwa Reinharz und dem sommerwarmen Mittellauf von den Fischarten Bachforelle, Bachneunauge, Schmerle, Gründling, Drei- und Neunstachliger Stichling besiedelt. Durch Besatz sind in den beiden Tagebauseen vorwiegend fischereilich nutzbare Fische vorzufinden. So wurden beispielsweise in den Bergwitzsee Kleine Maränen und in den Muldestausee Welse eingesetzt. Die Fischvorkommen haben auch die Ansiedlung des Fischadlers auf Hochspannungsmasten am Muldestausee begünstigt. In den flacheren und unverschlammten Bereichen des Muldestausees hat sich eine starke Teichmuschelpopulation entwickelt. Das LSG wird infolge der unterschiedlichsten Lebensräume auch von einer Vielzahl wirbelloser Tierarten besiedelt. Bedeutsam ist das Vorkommen des Edelkrebses in den Gewässern des Fliethbachsystems, das als eines der wenigen nach dem allgemeinen Rückgang des Bestandes dieser Art in Deutschland erhalten geblieben ist. Im Gebiet der Dübener Heide wurden 102 Tagfalterarten nachgewiesen, von denen 55 regelmäßig vorkommen, von den Schwärmern und Spinnern wurden 187 Arten festgestellt, von denen 138 regelmäßig im Gebiet anzutreffen sind. Auch eine artenreiche Libellenfauna ist beschrieben, von der besonders die spezialisierten Fließgewässerarten wie Blauflügelprachtlibelle, Gebänderte Prachtlibelle, Grüne Keiljungfer und Zweigestreifte Quelljungfer zu erwähnen sind. Schließlich seien noch die Käfer genannt, von denen besonders die xylobionten Arten in den Wäldern Lebensbedingungen finden. Der imposante Hirschkäfer kommt in Alteichenbeständen vor. Für das LSG ergibt sich als Hauptentwicklungsziel die Erhaltung des waldreichen Naturraumes als Lebensraum einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt im Einklang mit einer nachhaltigen forstwirtschaftlichen Nutzung und der Entwicklung des Erholungswesens. Die forstwirtschaftliche Nutzung muß demzufolge die bestockte Waldfläche im vollen Umfang erhalten und sollte dabei die schrittweise Umwandlung der monotonen Kiefernbestände in naturnahe Laubholzbestände entsprechend des Standortes betreiben. Insbesondere die Hainsimsen-Traubeneichen-Rotbuchenwälder, Birken-Stieleichenwälder und Stieleichen-Hainbuchenwälder kämen den potentiell natürlichen Waldgesellschaften nahe. Besondere Bedeutung kommt auch der Erhaltung der Naßstandorte in den Bachtälern zu, um die vorhandenen Erlen-Bruchwald- und Erlen-Eschenbestände zu bewahren. Wasserabführende Maßnahmen sind dort in keiner Weise durchzuführen, vorhandene Entwässerungen sind zu unterbinden. Die im LSG vorhandenen Wiesen sind zu erhalten und nicht in Ackerland umzuwandeln. Ihre Nutzung bzw. Pflege ist zu gewährleisten, damit diese Flächen offen bleiben und das vorhandene Mosaik verschiedener Landnutzungen und Lebensräume, erhalten bleibt. Die sorgfältige und sparsame Anwendung von Mineraldüngemitteln sollte einen Nährstoffeintrag in die Gewässer verhindern. Die Fließgewässer sind in ihrem naturnahen Zustand zu belassen. Vorhandene Verbauungen sind zu renaturieren. Insbesondere die ökologische Durchgängigkeit des Fliethbaches ist zu verbessern, indem vorhandene Querverbauungen rückgebaut oder in Sohlgleiten umgewandelt werden. Die Instandhaltungsmaßnahmen sind auf ein Minimum zu beschränken und örtlich und zeitlich versetzt durchzuführen, um den Fließgewässerorganismen Rückzugsgebiete zu erhalten, von denen eine Wiederbesiedlung des übrigen Gewässerlaufes erfolgen kann. Zur Erhöhung des Erholungswertes ist das bereits vorhandene und gut verteilte Wegenetz in seinem Zustand weiter zu verbessern und seine Erreichbarkeit durch die Schaffung von Parkmöglichkeiten an den Zufahrtsstraßen zu gewährleisten. Die Nutzung der beiden großen Tagebauseen für Erholungszwecke (Segeln, Surfen, Tauchen sowie Baden und anderes) ist im ökologisch verträglichen Rahmen zu gestalten. In dem durch Wanderwege gut erschlossenen LSG können von Kemberg, Bad Schmiedeberg, Gräfenhainichen oder auch Bad Düben aus zahlreiche Wanderungen unternommen werden. Ein über 60 km langer, überregionaler Wanderweg mit dem Lutherstein an der B 2 als Mittelpunkt wird den beliebten Bergwitzsee im sachsen-anhaltischen Teil mit dem sächsischen Südteil der Heide verbinden. Köhlerei Eisenhammer - Lutherstein - Wachtmeister - Bertagrab - Reitergrab In der Köhlerei Eisenhammer, an der sogenannten ”Dachszange” unmittelbar an der B 2, wurde seit altersher Holzkohle in Meilern gebrannt. Heute wird die Holzkohle hier in großen Eisenbehältern hergestellt. Der Lutherstein ist ein 15 - 20 t schwerer Findling aus Biotitgranit, der in der Eiszeit vom Inlandeisblock bis in das Gebiet der heutigen Dübener Heide transportiert wurde. Der Sage nach soll Martin Luther bis zu diesem Stein von Studenten begleitet worden sein, als er 1519 nach Leipzig zum Disput mit Dr. Johann Eck zog. Für die Bewohner der Heide soll dieser Stein früher als Opferstein ein Heiligtum gewesen sein. Unweit des Luthersteins kann man die umfangreiche Dammbautätigkeit einer Biberfamilie am Hammerbach besichtigen. Die ebenfalls an der B 2 gelegene heutige Gaststätte ”Wachtmeister” ist ein schönes altes Fachwerkgebäude, das von dem Wachtmeister Starke 1715 erbaut wurde, 1717 das Schankrecht erhielt und mit dem sich entwickelnden Postverkehr auch als Poststation genutzt wurde. Einen Kilometer nördlich vom Wachtmeister liegt das Grab der Jungfer Berta, die der Sage nach im Dreißigjährigen Krieg durch einen schwedischen Reiter getötet wurde, der ihr den vom Bräutigam geschenkten Schmuck raubte. Nicht weit davon entfernt befindet sich das Reitergrab, das Grab des Mörders der Berta, der durch den Bräutigam getötet wurde, als er sich im Wald verirrte, nach dem rechten Weg fragte und als Lohn Bertas Schmuck anbot. Da jeder Wanderer einen Stein auf dieses Grab wirft, ist es heute zu einem großen Steinhaufen angewachsen. Bad Düben In der 981 erstmalig erwähnten Stadt befindet sich unmittelbar am Ufer der Mulde die Burganlage mit Wachtturm und Wächteranlage, die sowohl Blücher als auch Napoleon als Hauptquartier vor der Völkerschlacht in Leipzig diente und in der heute ein Landschaftsmuseum zur Dübener Heide eingerichtet ist, das wissenswertes über Geologie und Frühgeschichte sowie alte Handwerke des Gebietes vermittelt. Hier steht auch die letzte deutsche Schiffsmühle, die von 1610 - 1688 als Amtsmühle und später privat auf der Mulde betrieben wurde. Pretzsch - Bad Schmiedeberg - Reinharz Das Schloß im 965 erstmalig erwähnten Pretzsch entstand 1380 durch den Umbau eines alten Burgwards. Es wurde Familiensitz des Geschlechts der Löser und 1720 -1727 ständiger Wohnsitz der Gattin des Kurfürsten von Sachsen, Christine-Eberhardine. In der durch Pöppelmann umgebauten Stadtkirche St. Nicolaus befindet sich das Grab der Kurfürstin. Neben dem Geburtshaus des Musikpädagogen Friedrich Wieck, dessen Tochter Clara den Komponisten Robert Schumann heiratete, befindet sich in Pretzsch noch ein Heimatmuseum mit einer Sammlung über die Stadtgeschichte. In Bad Schmiedeberg ist das Au-Tor, als Nordtor der mittelalterlichen Stadtbefestigung, das Wahrzeichen der Stadt, das mit der spätgotischen Stadtkirche, dem Renaissance-Rathaus und dem Kurhaus das Ensemble der bedeutenden Bauwerke der Stadt prägt. Neuerdings ist das Erlebnisbad ”Basso” neuer Anziehungspunkt. Unweit südlich von Bad Schmiedeberg befindet sich der um 1900 erbaute Turm ”Schöne Aussicht” mit Gaststätte, von dem sich eine eindrucksvolle Sicht über die Dübener Heide bietet. Das barocke Wasserschloß Reinharz wurde 1690 - 1701 erbaut und besitzt einen 68 m hohen Schloßturm und eine interessante Parkanlage mit dem Schloßteich und dem angrenzenden Brauhausteich. Daneben ragt der Turm der Barockkirche hoch aus dem ringsum befindlichen Wald“meer“. Kemberg Die Stadt Kemberg, am Übergang zwischen dem Urstromtal der Elbe und der Dübener Heide gelegen, ist mit ihrer teilweise noch gut erhaltenen Stadtbefestigung mit Mauer, Wall und Graben sowie der Stadtkirche ”Unserer lieben Frauen”, dem historischen Markt mit Rathaus und Bürgerhäusern und einer kursächsischen Postdistanzsäule aus dem Jahr 1727 ein beliebtes Ausflugsziel. Rundwanderung um den Bergwitzsee und Rundwanderung um den Muldestausee Beide große Seen können in mehrstündigen Wanderungen umrundet werden, wofür Rundwanderwege ausgeschildert sind. Am Muldestausee lohnt sich ein Besuch des ”Hauses am See” mit einer interessanten Ausstellung zur Flora und Fauna des Gebietes. Am Bergwitzsee kann der Naturlehrgarten im Ort besucht werden. Waldschäden durch Luftverunreinigungen Luftverunreinigungen durch industrielle Abgase haben in Deutschland ein starkes Ansteigen der sogenannten ”Waldschäden” hervorgerufen. Die Dübener Heide liegt vollständig in der Hauptwindrichtung der braunkohleverarbeitenden und chemischen Industrie von Bitterfeld und Wolfen. Die von diesen Emittenten langjährig in die Atmosphäre ausgestoßenen Schadstoffe, wie Schwefeldioxid, Staub, Stickoxide, Fluorverbindungen und anderen verursachten an den Waldbeständen enorme Schäden, so daß die Dübener Heide als das Gebiet mit der höchsten Belastung in Sachsen-Anhalt eingestuft wird. Diese Schadstoffe wirken als Gase auf die oberirdischen Pflanzenteile (Nadeln, Blätter, Borke) oder als Säuren über den Waldboden auf die Wurzeln. Sie stören die natürlichen Stoffwechselvorgänge der Pflanzen, insbesondere die Photosynthese. Weiterhin greifen sie die Blätter oder Nadeln auf ihrer Oberfläche an, so daß es zu Nekrosen und anderen Erscheinungen kommt und führen zu schädlichen Bodenveränderungen, indem pflanzenschädliche Metallionen im Boden freigesetzt werden, welche zu Wurzelschädigungen führen. Obwohl sich die Luftbelastung in Sachsen-Anhalt insgesamt deutlich verringert hat, sind die Auswirkungen auf den Wald langfristiger. Die Schadstoffe haben sich im Kreislauf des Ökosystems Wald im Laufe der Zeit angereichert, insbesondere im Boden, so daß die Schäden nach der Verringerung oder dem Wegfall der Luftbelastung nicht schlagartig verschwinden. Die Nachwirkungen können teilweise noch nach Jahrzehnten festgestellt werden. Außerdem wirken in den Bereichen, die vom Straßenverkehr tangiert werden, die bisher weiterhin ansteigenden Schadstoffbelastungen aus den Kfz-Abgasen. veröffentlicht in: Die Landschaftsschutzgebiete Sachsen-Anhalts © 2000, Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, ISSN 3-00-006057-X Die Natur- und Landschaftsschutzgebiete Sachsen-Anhalts - Ergänzungsband © 2003, Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, ISBN 3-00-012241-9 Letzte Aktualisierung: 18.11.2025
Die Vorhersage und Anpassung der Gesellschaft an die Folgen des gegenwärtigen Klimawandels benötigt ein tiefes Verständnis der natürlichen, internen Wechselwirkungen an der Erdoberfläche, unabhängig vom Einfluss der Menschen. Die arktische Tundra und die borealen Wälder reagieren besonders sensitiv auf Klimaveränderungen und beeinflussen globale biogeochemische und biophysikalische Mechanismen maßgeblich, z.B. über ihr Feuerregime. Allerdings sind die langfristigen Wechselwirkungen zwischen Feuerregime, Vegetation und Klima weitestgehend unklar, obwohl gerade die langfristige natürliche Variabilität stark die kurzfristige Variabilität beeinflusst. Besonders unbekannt ist, ob und wie die derzeitig stark ansteigenden Temperaturen über der Arktis zu Verschiebungen der Biome und zu Veränderungen der Feuerregime führen. Daher wird dieses Projekt nordostsibirische Feuerregimeveränderungen während mehrerer plio- und pleistozäner Interglaziale untersuchen und dabei das einzige kontinuierliche Sedimentarchiv der letzten 3,6 Millionen Jahre nutzen: den ICDP-See El'gygytgyn. Mit einer Fokussierung auf Interglaziale verschiedener klimatischer Ausprägung (z.B. der Temperaturen) und Vegetationstypen (Tundra, sommergrüner, immergrüner Nadelwald) bearbeite ich die höchst-relevanten Fragen, was die Langfriständerungen der Feuerregime in den hohen nördlichen Breiten steuert ist - Klima oder Vegetation, und welche internen Feuer-Permafrost Interaktionen die Vegetation stabilisieren oder destabilisieren. Regionale Feuerregime werden untersucht über die Analyse von mikroskopischer Holzkohle als Proxy für Hochintensitätsfeuer, die für den immergrünen Nadelwald charakteristisch sind, und, von den gleichen Proben, die neuen sedimentären Proxies für Geringtemperaturfeuer - die Anhydrozucker Levoglucosan und seine Isomere. Diese Biomarker entstehen bei Biomasseverbrennung kleiner als 350 Grad Celsius, z.B. in den für die sommergrünen borealen Lärchenwälder charakteristischen Bodenfeuern. Um die Steuergrößen für Feuerregimeveränderungen zu identifizieren werden die Feuerrekonstruktion statistisch mit Vegetationsrekonstruktionen von Pollen und unabhängigen Klimarekonstruktionen aus dem gleichen Archiv bzw. aus der Kompilation regionaler und globaler Archive verglichen. Um zu quantifizieren, inwieweit häufige Feuer die Permafrostdegradierung und -erosion und damit die internen Vegetations-Permafrost-Interaktionen beeinflussen, werden die Feuerzeitreihen mit regionalen und lokalen Erosionsproxyreihen aus der neuen Auswertung von Korngrößendaten mittels Endmember-Modellierung verglichen. Dabei ermöglichen die Probennahme und die Analysestrategie robuste und quantitative Aussagen, unabhängig von der absoluten Altersunsicherheit der Proben. Dadurch wird das Projekt zu einem neuen und essentiellen Verständnis zeitskalenabhängiger Wechselwirkungen zwischen Klima, Feuer, Vegetation und Permafrost beitragen um die derzeitigen Umweltveränderung langfristig besser einordnen zu können.
Unter Ögödei (1229-1241), dem Nachfolger von Dschingis Khan, tritt das Mongolische Reich in eine Phase der Konsolidierung ein. Er lässt 1235 Karakorum als Hauptstadt ausbauen und siedelt Handwerker sowie Verwaltungsfachleute in der Stadt an. Gesandtschaften, Tribute und Beute erreichen die Stadt, von den prall gefüllten Schatzhäusern neben dem Herrscherpalast wird wiederholt berichtet. Die verfügbaren Daten aus schriftlichen Quellen und der Archäologie deuten darauf hin, dass die Stadt Karakorum, die Residenzen und die Siedlungen in einem Zeitraum von nur vier Jahren (1235-1238) errichtet wurden. Die Schaffung einer Stadtlandschaft aus dem Nichts in einer Region, in der keine Städte bestanden, ist eine Meisterleistung, die bis heute nicht als solche erkannt wurde. Das Tal muss sich in kürzester Zeit von einer Pastoralwirtschaft mit geringer Camp- und Bevölkerungsdichte in eine vom Reich organisierte Stadtlandschaft verwandelt haben, mit entsprechend radikalen Veränderungen in den Siedlungsmustern, der Flächennutzung und der Zusammensetzung der Bevölkerung. Der plötzliche Bedarf an zusätzlicher Energie und auch an anderen Ressourcen muss eine Herausforderung für Natur und Mensch gewesen sein. Nimmt man alle Indizien zusammen, so ist von einer starken urbanen Beeinflussung der Umwelt auszugehen. Ziel dieses Projektes ist die Untersuchung aller bekannten Siedlungen mit permanenter Architektur des Mongolenreiches im mittleren Orkhon-Tal. Diese Siedlungen sollen in ihrem Umfang vollständig erfasst, Siedlungspläne erstellt und ihre Struktur beschrieben werden. Pyrotechnische Anlagen sollen lokalisiert und, wenn möglich, ihre Funktion bestimmt werden. In enger Zusammenarbeit mit SP3 und SP4 werden im Rahmen dieses Projekts präzise magnetische und topographische Karten aller in Frage kommenden Standorte erstellt. Darüber hinaus werden für die Mongolei erstmals zwei Aktivitäten erfasst, die für die Verifizierung der Thesen der Forschergruppe zentral sind: Landwirtschaft und Eisenverhüttung. Durch die enge Zusammenarbeit mit SP5 wird eine Kenntnis der landwirtschaftlichen Praktiken am Standort Bayan Gol erreicht und darüber hinaus erstmals in der Mongolei eine Klassifizierung und Datierung der Flursysteme vorgenommen. Es werden mehrere Surveys durchgeführt, um die Eisenverhüttungsplätze in der Region zu lokalisieren. Wir gehen davon aus, dass vor allem Holz bzw. Holzkohle als Brennstoff verwendet wurde, so dass der sprunghaft gestiegene Bedarf in den Umweltarchiven erfasst werden kann. In Zusammenarbeit mit SP2 werden wir die Fußgängersurveys im Orkhon-Tal fortsetzen, mit besonderem Augenmerk auf das Gebiet im nordwestlichen Teil des Tals, wo wir eine neue Siedlung entdeckt haben. Zusammen mit Informationen aus früheren Erhebungen werden wir ein erstes Verständnis der Dichte des Siedlungsmusters, des Verhältnisses zwischen saisonalen und permanenten Standorten und des Netzes von Produktionsstätten für die Versorgung der Stadt und der Wohngebiete gewinnen.
Trockenphasen, Waldbrände und nicht-nachhaltige Nutzung haben in den letzten Jahrzehnten zu einem erheblichen Verlust an Waldfläche in der Mongolei geführt. Dieser weiterhin fortschreitende Verlust verläuft nicht gleichförmig. Es ist eine deutliche Differenzierung durch verschiedene Faktoren erkennbar, insbesondere durch Topographie, Hydrologie, Permafrost, Bodeneigenschaften und anthropogene Einflüsse. Dieses Projekt zielt auf die Identifikation der Kausalzusammenhänge zwischen der Konstellation der an einem Standort wirksamen geoökologischen und anthropogenen Faktoren einerseits und den Mustern des diskontinuierlichen Permafrosts, der Waldverbreitung, des Auftretens von Waldbränden und der Sukzession der Vegetation nach einem Brand (zurück zu Wald oder aber zu Steppe) andererseits ab. Dabei werden auch gegenseitige Wechselwirkungen (z. B. Permafrost - Wald / Wald - Permafrost) berücksichtigt. Anhand von sechs Hypothesen werden die zugrundeliegenden Kausalketten mittels einer Kombination verschiedener methodischer Ansätze analysiert. Die aktuelle Faktorenkonstellation wird über geomorphologische und bodenkundliche Kartierungen, Vermessung der Verbreitung und Tiefenlage des Permafrosts mittels Georadar, Vegetationsaufnahmen, Analyse von Fernerkundungsdaten, Reliefparametrisierung und Biomassebestimmung erfasst. Im gewählten Untersuchungsgebiet im nördlichen Khangai-Gebirge, zwischen der Ortschaft Tosontsengel im Norden und dem Khangai-Hauptkamm im Süden, treten regelmäßig Waldbrände auf. Seit Mitte des letzten Jahrhunderts erfolgt intensiver Holzeinschlag. In natürlichen und anthropogen genutzten Wäldern sowie auf Waldbrandflächen werden die Nutzungs- und Waldbrandgeschichte, Bodeneigenschaften, Tiefenlage des Permafrostes, Hydrologie und Vegetation analysiert. Holzkohle, fossile Böden und äolische Decksedimente dienen in Kombination mit Lumineszenz- und Radiokarbondatierungen zur Rekonstruktion der Wald- und Landschaftsgeschichte in der Zeit vor den intensiven anthropogenen Eingriffen. Diese Rekonstruktion wird zur Ermittlung des Ausmaßes des menschlichen Einflusses innerhalb des Wirkungsgefüges der verschiedenen wirksamen Faktoren auf die Vegetationsmuster herangezogen. Im nächsten Schritt werden die erfassten geoökologischen Parameter geostatistisch ausgewertet. Dabei werden Klima-, Gesteins-, Boden- und Reliefeinflüsse (Exposition, Hangposition, Reliefform etc.) auf Vegetationsmuster herausgearbeitet und auf der Basis von Digitalen Geländemodellen und multispektralen Satellitenszenen flächenhaft modelliert. Anschließend wird geprüft, wie sich diese Ergebnisse mit Satellitendaten mittlerer Auflösung in einen größeren räumlichen Kontext übertragen lassen. Auf Basis der identifizierten Kausalzusammenhänge werden Gebiete mit entsprechenden Gefährdungspotentialen in Bezug auf Trockenstress, Brandgefahr und Sukzessionsbarrieren für fragmentierte Waldstandorte ausgewiesen und Prognosen für die weitere Vegetations- und Permafrostentwicklung erstellt.
| Organisation | Count |
|---|---|
| Bund | 97 |
| Europa | 1 |
| Land | 16 |
| Weitere | 3 |
| Wissenschaft | 35 |
| Zivilgesellschaft | 4 |
| Type | Count |
|---|---|
| Chemische Verbindung | 1 |
| Daten und Messstellen | 1 |
| Ereignis | 1 |
| Förderprogramm | 86 |
| Gesetzestext | 1 |
| Text | 17 |
| Umweltprüfung | 3 |
| unbekannt | 5 |
| License | Count |
|---|---|
| Geschlossen | 23 |
| Offen | 92 |
| Language | Count |
|---|---|
| Deutsch | 87 |
| Englisch | 49 |
| Resource type | Count |
|---|---|
| Bild | 2 |
| Datei | 2 |
| Dokument | 10 |
| Keine | 85 |
| Webseite | 23 |
| Topic | Count |
|---|---|
| Boden | 115 |
| Lebewesen und Lebensräume | 110 |
| Luft | 74 |
| Mensch und Umwelt | 115 |
| Wasser | 64 |
| Weitere | 108 |