Der Nachweis und die Zuordnung von anthropogenen Klimaänderungen ist von großer Bedeutung, da Maßnahmen zur Abminderung oder Vermeidung zukünftiger Klimaänderungen dadurch begründet werden. Wegen der verbundenen ökonomischen Werte sind statistisch belastbare Aussagen zwingend. Die Anwendung der Bayesischen Statistik auf Klassifikationsprobleme zeigt einen Weg auf, den Nachweis und die Zuordnung anthropogener Klimaänderungen zu bestimmten Ursachen einheitlich durchzuführen. Basierend auf eigenen Vorarbeiten und vorhandenen Klimasimulationen ist deshalb die Erweiterung des bestehenden Bayes-Verfahrens auf regionale Temperatur- und Bodenluftdruckverteilungen das methodische Ziel. Wissenschaftliches Ziel ist die Quantifizierung der Unsicherheit bei der Zuordnung der Beobachtungen zu den Modellsimulationen der natürlichen Variationen bzw. der Szenariobeschreibungen anthropogener Klimaänderungen unter Berücksichtigung der Unschärfen, die durch die unterschiedlichen Formulierungen verschiedener Klimamodelle entstehen. Ein wissenschaftspolitisches Ziel ist es, einen fundierten und belastbaren Beitrag zum geplanten vierten Sachstandsbericht des IPCC zur Nachweis- und Zuordnungsproblematik zu liefern.
This fact sheet summarizes the results and content of the status report from the project “Meta-analysis - Global nitrous oxide/N₂O-sources: Inventories, trends, consideration in IPCC scenarios”. The properties of nitrous oxide (N₂O) as a greenhouse gas with an impact on the climate and the different methods for accounting of nitrous oxide sources and sinks will be briefly described. Additionally, the quantitative development of various anthropogenic and natural sources on a global and regional level is illustrated. Ultimately, options for reducing anthropogenic nitrous oxide emissions are identified.
<p>Weltklimarat in China: die Themen stehen, der Zeitrahmen nicht </p><p>Ende Februar haben sich die wichtigsten Köpfe der internationalen Klimawissenschaft und die Mitgliedsstaaten des IPCC („Weltklimarat“) in China getroffen, um den 2023 begonnenen siebten Berichtszyklus zum Sachstand des Klimawandels zu diskutieren. UBA-Mitarbeitende waren Teil der deutschen Delegation. Ein besonders brisanter Diskussionspunkt in China: der Zeitrahmen des siebten Sachstandsberichts.</p><p><p>Vom 23. Februar bis 1. März hat der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change - <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/i?tag=IPCC#alphabar">IPCC</a>) zum 62. Mal getagt, diesmal in Hangzhou, China. Zum IPCC gehören 195 Mitgliedsstaaten. In China kamen etwa 400 Delegierte aus 130 Ländern zusammen, um die dringendsten Fragen zum weiteren Ablauf des siebten Berichtszyklus zu klären. Zum Zeitrahmen konnte während der langwierigen und kontroversen Verhandlungen jedoch auch nach einer Verlängerung um 30 Stunden erneut keine Einigung gefunden werden.</p></p><p>Vom 23. Februar bis 1. März hat der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change - <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/i?tag=IPCC#alphabar">IPCC</a>) zum 62. Mal getagt, diesmal in Hangzhou, China. Zum IPCC gehören 195 Mitgliedsstaaten. In China kamen etwa 400 Delegierte aus 130 Ländern zusammen, um die dringendsten Fragen zum weiteren Ablauf des siebten Berichtszyklus zu klären. Zum Zeitrahmen konnte während der langwierigen und kontroversen Verhandlungen jedoch auch nach einer Verlängerung um 30 Stunden erneut keine Einigung gefunden werden.</p><p>Die deutsche Delegation bestand aus Vertretern des Auswärtigen Amtes, des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/b?tag=BMBF#alphabar">BMBF</a>), der deutschen <a href="https://www.de-ipcc.de/">IPCC-Koordinierungsstelle</a> und des Umweltbundesamtes (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/u?tag=UBA#alphabar">UBA</a>).</p><p><strong>Zeitrahmen für siebten Sachstandsbericht weiterhin unklar</strong></p><p>Besonders umstritten ist noch immer der Zeitrahmen des siebten Sachstandsberichts (Seventh Assessment Report, AR7). Nach dem Plan der führenden IPCC-Wissenschaftler*innen und sehr vielen Ländern, darunter auch Deutschland, sollte der Bericht spätestens bis <a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/internationale-eu-klimapolitik/uebereinkommen-von-paris/begleitung-der-ersten-globalen-bestandsaufnahme">zur „Zweiten Globalen Bestandsaufnahme“</a> (Second Global Stocktake - GST2) im Jahr 2028 fertig gestellt werden. Die GST bewertet alle fünf Jahre den kollektiven Fortschritt bei der Umsetzung der Ziele des <a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/internationale-eu-klimapolitik/uebereinkommen-von-paris">Übereinkommens von Paris</a> (ÜvP). Die Informationen aus dem AR7 sollten als Grundlage für die Zweite Globale Bestandsaufnahme und für ambitioniertere Beschlüsse zum globalen <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/k?tag=Klimaschutz#alphabar">Klimaschutz</a> beitragen. Dies betrifft in erster Linie die Ausgestaltung der nationalen Beiträge zum Klimaschutz (Nationally Determined Contributions – NDC) unter dem ÜvP, aber auch die künftigen Verhandlungen unter der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/internationale-eu-klimapolitik/klimarahmenkonvention-der-vereinten-nationen-unfccc">Klimarahmenkonvention (UNFCCC)</a>. Dass der Klimaschutz international an Fahrt aufnimmt wird immer dringender, weil sich das Zeitfenster für die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels von Paris sehr bald zu schließen droht.</p><p>Einige Entwicklungs- und Schwellenländer, wie unter anderem Indien und Saudi-Arabien, bewerten den Zeitrahmen für die Fertigstellung des AR7 bis 2028 allerdings als zu ambitioniert. Sie argumentieren, dass sie nicht die nötige Zeit bekommen würden, um sich in die Erstellung des Berichts gleichberechtigt einzubringen. Generell nutzen aber gerade die OPEC-Staaten jedes denkbare Argument, um im Interesse ihrer Geschäftsmodelle wirksame globale Klimaschutzanstrengungen möglichst lange hinauszuzögern.</p><p>Andere Entwicklungsländer, wie unter anderem kleine Inselstaaten, lateinamerikanische Staaten sowie auch viele besonders arme afrikanische Länder, fordern gerade wegen ihrer starken Betroffenheit durch den <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/k?tag=Klimawandel#alphabar">Klimawandel</a> eine möglichst schnelle Fertigstellung des AR7, damit die GST2 und die dritte Runde der NDCs endlich zu einer wirksamen Begrenzung der Klimaschäden beitragen.</p><p>Aufgrund der erheblichen Interessenkonflikte konnte bei der Sitzung in China keine Entscheidung zum Zeitplan für die Fertigstellung des AR7 getroffen werden. Der aktuell auf 2028 hinauslaufende Zeitplan wurde aber für die nächsten Arbeitsschritte zunächst beibehalten, sodass die Fertigstellung zur Zweiten Globalen Bestandsaufnahme theoretisch weiterhin möglich bleibt.</p><p><strong>Berichte im siebten Zyklus zum Sachstand des Klimawandels</strong></p><p>Wie in jedem Zyklus werden im AR7 die neuesten Erkenntnisse zu den Schwerpunktthemen der drei Arbeitsgruppen des Weltklimarats zusammengetragen: Naturwissenschaftliche Grundlagen (Arbeitsgruppe I), Folgen, Anpassung und <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/v?tag=Verwundbarkeit#alphabar">Verwundbarkeit</a> (Arbeitsgruppe II) und Minderung des Klimawandels (Arbeitsgruppe III).</p><p>Neben dem zusammenfassenden Sachstandsbericht sind in diesem siebten Zyklus ein Methodikbericht zur Inventarisierung von kurzlebigen klimawirksamen Substanzen (SLCF), ein Sonderbericht zu Klimawandel und Städten sowie ein Methodikbericht zur Inventarisierung von <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/c?tag=CO2#alphabar">CO2</a>-Entnahme sowie CO2-Abscheidung, -Nutzung und -Speicherung geplant. Die Veröffentlichung der drei Berichte ist bisher für 2027 vorgesehen.</p><p><strong>Wichtige Diskussionen und Entscheidungen in China</strong></p><p>Wichtige Beschlüsse konnten in China zu Struktur und Inhalten des siebten Sachstandsberichts getroffen werden. Die Delegierten einigten sich auf Kapitelthemen sowie die Gliederung der Kapitel. Neben den üblichen Themen wird es im AR7 beispielsweise auch ein eigenes Kapitel zu Kipppunkten geben.</p><p>Sehr kontrovers gestaltete sich die Diskussion um die Inhalte des Methodikberichts zur Inventarisierung von CO2-Entnahme, der als Ergänzung der 2006 bis 2019 veröffentlichten IPCC-Richtlinien zu nationalen Treibhausgasinventaren dienen soll. Der Bericht soll verschiedene Sektoren abdecken, darunter Energie, industrielle Prozesse und <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/l?tag=Landnutzung#alphabar">Landnutzung</a>. Direkte CO2-Entnahme aus Ozeanen wurde besonders kontrovers diskutiert, da viele Länder, wie auch Deutschland, große Wissenslücken und Risiken gegenüber geringem bis gar keinem Minderungspotenzial bei diesen völlig neuen Technologien sehen. Wenige Länder, vor allem Saudi-Arabien und andere OPEC-Mitglieder, sehen mehr Potenzial und wünschten sich einen eigenständigen Band (<em>Volume</em>) zu dem Thema. Die Diskussionen dazu müssen nun auf der nächsten IPCC-Plenarsitzung fortgesetzt werden.</p><p><strong>USA nicht mit in China dabei</strong></p><p>Erstmalig war keine Delegation aus den USA zur IPCC-Sitzung angereist. Auch die Co-Vorsitzende der Arbeitsgruppe III, Katherine Calvin von der NASA, konnte nicht persönlich an der Plenarsitzung teilnehmen. Zudem wurde den US-Mitarbeitenden der Technical Support Unit (TSU) durch die US-Regierung gekündigt, welche die Co-Vorsitzende in ihrer Arbeit unterstützt. Dadurch wurde die organisatorische Arbeit der Arbeitsgruppe III kurzfristig massiv erschwert. Mit Unterstützung der sieben stellvertretenden Vorsitzenden konnte jedoch durch die zweite Co-Vorsitzende Joy Pereira aus Malaysia und den Vize-Vorsitzenden Jan Fuglestvedt (Norwegen) die Arbeitsfähigkeit der Arbeitsgruppe III während der Plenarsitzung gesichert werden. Derzeit wird auf mehreren Ebenen versucht, einen möglichen dauerhaften Ausfall der USA zu kompensieren.</p><p>Im vierten Quartal 2025 tagt der Weltklimarat voraussichtlich in Peru, dann zum 63. Mal.</p><p> </p><p> </p><p> </p>
Der vorliegende Bericht enthält eine umfassende Meta-Analyse zur Rolle von Lachgasquellen und -senken im globalen Klimasystem und bietet eine detaillierte Bilanzierung der weltweiten natürlichen und anthropogenen N2O-Emissionen. Anhand präziser Daten des „Global Carbon Project“ werden Herausforderungen und Ansätze zur Reduzierung dieser Emissionen und potenzielle Minderungsstrategien aufgezeigt. Gestützt auf aktuelle Forschungen und die Berichte des IPCC bietet diese Studie damit einen Einblick in die komplexe Dynamik von Lachgas als dritthäufigstem Treibhausgas in der Atmosphäre und zeigt auf, dass trotz der Zunahme der globalen N2O-Emissionen um fast 35% seit 1980, die konsequente Umsetzung von Minderungsmaßnahmen die Lachgasemissionen deutlich senken könnte und damit einen entscheidenden Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels geleistet werden könnte.
Dieses Factsheets fasst die Ergebnisse und den Inhalt des Sachstandsberichtes aus dem Vorhaben „Metaanalyse – Weltweite Lachgas/N₂O-Quellen: Bilanzierungen, Veränderungen, Berücksichtigung in IPCC-Szenarien“ zusammen. In Kürze werden sowohl die Eigenschaften von Lachgas (Distickstoffoxid, N₂O) als klimawirksames Treibhausgas und die unterschiedlichen Methoden zur Bilanzierung der Lachgasquellen und -senken aufgeführt, als auch die mengenmäßige Entwicklung verschiedener anthropogener sowie natürlicher Quellen auf globaler und regionaler Ebene geschildert. Letztendlich werden auch Optionen zur Minderung anthropogener Lachgasemissionen benannt.
<p>Der Klimawandel ist ein globales Phänomen, das nur durch internationale Kooperation bewältigt werden kann. Die Klimapolitik auf internationaler Ebene beschäftigt sich mit der Ausgestaltung von Strategien und Maßnahmen zum Schutz des Klimas durch die Vermeidung von Treibhausgasen und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels.</p><p>Internationale Klimapolitik</p><p>Der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/k?tag=Klimawandel#alphabar">Klimawandel</a> macht nicht vor nationalen Grenzen Halt. Er ist aufgrund seiner Ursachen und seiner Folgen eine globale Herausforderung, die internationale Lösungen und die Kooperation aller Staaten erfordert.</p><p>Die Internationale Klimapolitik beschäftigt sich damit, mit welchen Maßnahmen effektiver <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/k?tag=Klimaschutz#alphabar">Klimaschutz</a> erreicht werden kann. Eines der zentralen Handlungsfelder ist die Vermeidung und Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen (Minderung). Zudem erarbeiten die internationalen Staatenvertreter Lösungsstrategien, wie die nicht mehr vermeidbaren Folgen des Klimawandels bewältigt und eingedämmt werden können (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimafolgen-anpassung/werkzeuge-der-anpassung/klimalotse/intensivdurchgang/1-einfuehrung/13-klimawandel-anpassung">Anpassung</a>) und wie mit den nicht zu vermeidenden Schäden und Verlusten in Folge des Klimawandels umgegangen werden kann. Die Finanzierung der hierfür notwendigen Maßnahmen ist ein wichtiger und kontrovers diskutierter Punkt.</p><p>Übergeordnetes Ziel der internationalen Kooperation zum Klimaschutz ist es, eine für Menschen und Ökosysteme gefährliche Störung des Klimasystems zu verhindern. Der heute bereits eintretende Klimawandel hängt mit der globalen Erwärmung zusammen. Der zunehmende Ausstoß von Treibhausgasen durch den Menschen, insbesondere seit Beginn der Industrialisierung, erhöht den <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/t?tag=Treibhauseffekt#alphabar">Treibhauseffekt</a> und ist die Hauptursache dieser Erwärmung. Die globale Erwärmung aufzuhalten und den Klimawandel und seine Folgen einzudämmen erfordert eine deutliche Reduktion des Treibhausgasausstoßes weltweit – kurzfristig sowie in den kommenden Jahren und Jahrzehnten</p><p>Das maßgebliche völkerrechtliche Vertragswerk zum internationalen Klimaschutz ist die <a href="https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/klimarahmenkonvention">Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen</a> (United Nations Framework Convention on Climate Change, <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/u?tag=UNFCCC#alphabar">UNFCCC</a>)sowie das von der Klimarahmenkonvention ausgehandelte Übereinkommen von Paris. Heute umfasst die Klimarahmenkonvention 198 Mitgliedsstaaten und das <a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/internationale-klimapolitik/uebereinkommen-von-paris">Übereinkommen von Paris</a> 195 Mitgliedsstaaten, sowie die EU als regionale Wirtschaftsorganisation. Damit haben sich fast alle Länder der Welt zu den Zielen und Prinzipien dieser völkerrechtlichen Vereinbarungen bekannt. Konkrete Einigungen sind aufgrund der Vielzahl von Interessen jedoch oft nur schwer zu erzielen. Die Entscheidungen, die die Mitgliedstaaten auf den jährlichen Konferenzen nach Konsensprinzip verabschieden, genießen dafür jedoch eine umso höhere Legitimation und Bindungskraft.</p><p>Neben der Klimarahmenkonvention und dem Übereinkommen von Paris gibt es auch andere internationale politische Bemühungen, Klimaschutz in Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern weiter voranzubringen. Sie unterscheiden sich vor allem in ihren Themenschwerpunkten und dem Kreis der Mitglieder.</p><p>Temperatur- und Emissionsziele</p><p>Geeint werden die klimaschutzpolitische Bemühungen der internationalen Staatengemeinschaft seit der Verabschiedung des Übereinkommens von Paris auf ein verabschiedetes gemeinsames Politikziel: die Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C, möglichst jedoch auf 1,5 °C, gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Dieses Ziel ist eine aus der Wissenschaft begründete (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimawandel/weltklimarat-ipcc/sonderbericht-des-weltklimarates-ueber-15degc">siehe Sonderbericht des Weltklimarates über 1,5 °C globale Erwärmung</a>) und politisch festgesetzte Schwelle, bei deren Überschreitung gefährliche, nicht mehr tragbare Klimaänderungen für Mensch und Umwelt angenommen werden.</p><p>Seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis 2020 hat sich die durchschnittliche Temperatur der Erdoberfläche bereits um circa 1,1 Grad Celsius erwärmt. Laut des umgangssprachlich als „Weltklimarat“ bezeichneten <a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimawandel/weltklimarat-ipcc">Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change)</a>, wäre mit einer Fortschreibung der bis 2020 umgesetzten Klimaschutzmaßnahmen eine mittlere globale Erwärmung von 3,2 °C im Jahr 2100 zu erwarten. Dies hätte verheerende Folgen für Menschen und Ökosysteme auf der ganzen Welt, insbesondere aber für die ärmsten Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern. Zur Stabilisierung des Klimas auf einem als gerade noch „verträglich“ eingeschätztem Niveau müssen die weltweiten Treibhausgasemissionen unmittelbar und langfristig stark gesenkt werden.</p><p>Wesentliche Erkenntnisse zur notwendigen Reduktion der Treibhausgasemissionen gibt der 2023 erschienene <a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/grundlagen-des-klimawandels/weltklimarat-ipcc/sechster-sachstandsbericht-des-weltklimarates-ipcc">sechste Sachstandbericht des Weltklimarates</a>. Für eine langfristige Klimastabilisierung, bei der die Erwärmung auf 1,5 °C mit einer 50 prozentigen Wahrscheinlichkeit nicht oder nur geringfügig und begrenzt überschritten würde, wird eine Reduktion um 43 % bzw. 60 % der globalen Treibhausgasemissionen bis 2030 bzw. 2035 gegenüber dem Niveau von 2019 als notwendig angesehen. Das Jahr maximaler globaler Treibhausgasemissionen liegt für die Emissionspfade, die eine 50 prozentige Wahrscheinlichkeit der Einhaltung 1,5 °C Ziel voraussetzen zwischen 2020 und 2025. Das heißt, der Gipfelpunkt der globalen Treibhausgasemissionen muss vor 2025 erreicht und der Trend ab diesem Zeitpunkt rückläufig sein (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/i?tag=IPCC#alphabar">IPCC</a> 2023).</p><p>Die den 1,5°C- bzw. 2°C-Pfaden entsprechenden, verbleibenden <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/c?tag=CO2#alphabar">CO2</a>-Budgets nach 2019 betragen 510 (330-710) Gigatonnen (Gt) CO2 bzw. 890 (640-1160) GtCO2. 2022 wurden mit 57,4 GtCO2 äquivalente (eq) ein neuer Höchststand erreicht (<a href="https://www.unep.org/resources/emissions-gap-report-2023">UNEP 2023</a>). Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen beträgt die Lücke zwischen den bisherigen Maßnahmen und dem was nötig wäre um 2030 bzw. 2035 das Langfristziel von 1,5 °C in Reichweite zu halten 24 GtCO2eq bzw. 31 GtCO2eq. Diese Differenz zu verringern, bedarf weltweiter, sofortiger und ehrgeiziger Anstrengungen die über das hinausgehen, was die Staaten bisher an Treibhausgas-Reduktionen umgesetzt beziehungsweise bis 2030 zugesagt haben.</p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p>
<p>Konsequenter Klimaschutz ist wichtig, um die Erderwärmung zu begrenzen und damit die Anpassung an den Klimawandel zu ermöglichen. Der IPCC beschreibt in seinem aktuellen Bericht die globalen Risiken und die Möglichkeiten zur Anpassung. Die Klimawirkungs- und Risikoanalyse des Bundes benennt für Deutschland die größten Klimarisiken, wie und wo wir uns dem Wandel am drängendsten anpassen müssen.</p><p>Fragen, die uns in Deutschland und der Welt bewegen: Wie wirkt sich der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/k?tag=Klimawandel#alphabar">Klimawandel</a> auf die Natur, unseren Alltag, unsere Lebensgrundlagen, Gesundheit und Wirtschaft aus? Wo können wir durch Anpassung die Klimarisiken verringern? Und wo müssen wir dringend etwas tun?</p><p>Der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/i?tag=IPCC#alphabar">IPCC</a> antwortet: In allen Regionen der Welt hat der vom Menschen beeinflusste Klimawandel schon heute erhebliche negative Folgen für Ökosysteme und Gesellschaften. Extremereignisse wie Hitzewellen oder <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/s?tag=Starkregen#alphabar">Starkregen</a> und vielfach gleichzeitig auftretende <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/k?tag=Klimafolgen#alphabar">Klimafolgen</a> führen zu schwerwiegenden, teilweise irreversiblen oder kaskadenartigen Folgen. Ein weiter fortschreitender Klimawandel kann zu Folgen führen, die deutlich schwerwiegender wären, als die bisher beobachteten. Die Betroffenheit von Ökosystemen und Gesellschaften hängt vom Ausmaß des Klimawandels und von gesellschaftlichen Entwicklungen wie der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/l?tag=Landnutzung#alphabar">Landnutzung</a> ab. Aktivitäten zur Anpassung haben in den letzten Jahren weltweit zugenommen und einige negative Folgen des Klimawandels verringert. Dennoch gilt: Insgesamt müssen die Anpassungsaktivitäten gesteigert werden, um Klimarisiken wirksam und dauerhaft zu verringern. Sehr wichtig sind der Schutz und das Management von Ökosystemen: Verbunden mit Anpassungsmaßnahmen können hierdurch die Risiken für die biologische Vielfalt und damit auch für den Menschen verringert werden.</p><p>Klimarisikoanalyse für Deutschland untersucht über 100 Klimawirkungen und regionale Betroffenheiten</p><p>Für Deutschland liefert die Klimawirkungs- und Risikoanalyse (KWRA) Antworten. Sie erscheint alle sechs Jahre. Die Ergebnisse der jüngsten Analyse wurden Mitte 2021 veröffentlicht und nun in einer Broschüre zusammengefasst, ergänzt mit den Schlussfolgerungen der Interministeriellen Arbeitsgruppe <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/a?tag=Anpassung_an_den_Klimawandel#alphabar">Anpassung an den Klimawandel</a> der Bundesregierung. Bei der KWRA haben unter Federführung des Umweltbundesamt im Behördennetzwerk "Klimawandel und Anpassung" 25 Bundesbehörden aus neun Ministerien und ein wissenschaftliches Konsortium mitgewirkt. Insgesamt waren über 180 Personen daran beteiligt. Die Ergebnisse der Analyse gelten als wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung der deutschen Strategie zur Anpassung an den Klimawandel. </p><p>Die KWRA entwirft zwei Szenarien bis zum Jahr 2100. Ein pessimistischer Fall geht von einem starken weltweiten Klimawandel aus: plus 3 Grad Celsius zur Mitte des Jahrhunderts als Jahresmittelwert und gegenüber der frühindustriellen Zeit. Ein optimistischerer Fall beschreibt einen schwächeren Klimawandel mit einem Anstieg der Temperatur um 2 Grad Celsius weltweit. Beide Szenarien hätten gravierende Auswirkungen für Deutschland.</p><p>In der KWRA wurden mehr als 100 Wirkungen des Klimawandels in Deutschland und deren Wechselwirkungen untersucht. Unterteilt sind sie nach den Auswirkungen heute, zur Mitte und zum Ende des Jahrhunderts. Die leitenden Fragen waren: Welche Regionen und welche Lebensbereiche sind vom Klimawandel besonders betroffen? Wie können wir die Klimarisiken durch Anpassung reduzieren? Und wie lange haben wir noch Zeit um zu handeln?</p><p>Die Studie zeigt: Alle Lebewesen und Systeme in Deutschland sind vom Klimawandel betroffen, aber räumlich und zeitlich unterschiedlich. Bisher zeigt sich eine intensive Betroffenheit von Hitze, Trockenheit oder <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/s?tag=Starkregen#alphabar">Starkregen</a> in nur wenigen Regionen in Deutschland. Bei einem starken Klimawandel würden bis Mitte des Jahrhunderts sehr viel mehr Regionen damit konfrontiert sein. Die Leidtragenden sind zukünftige Generationen. Eine Hotspotanalyse hat gezeigt, dass sich bei einem weiter fortschreitenden Klimawandel im Westen und Süden Deutschlands das <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/k?tag=Klima#alphabar">Klima</a> relativ zu heute am stärksten verändern wird. Im Südwesten und Osten werden klimatische Extreme am häufigsten vorkommen. Die Flüsse und Flusstäler werden durch Folgen von wasserspezifischen Risiken, wie Niedrig- und Hochwasser, betroffen sein. In der zweiten Jahrhunderthälfte werden an der Küste die Gefahren aufgrund des Anstiegs des Meeresspiegels deutlich steigen. </p><p>Keine guten Aussichten: Ende des Jahrhunderts kann ganz Deutschland ein Hotspot sein</p><p>Die natürlichen Systeme und Ressourcen, wie Wasser, Boden, Arten, Ökosysteme, sind vom <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/k?tag=Klimawandel#alphabar">Klimawandel</a> besonders bedroht. Das hat Dominoeffekte etwa auf die Fischerei, die Land- und Forstwirtschaft sowie auf die menschliche Gesundheit. Die Studie sagt klar: Konsequenter <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/k?tag=Klimaschutz#alphabar">Klimaschutz</a> ist besonders wichtig. Zudem müssen die natürlichen Systeme von der von Menschen verursachten Verschmutzung und Übernutzung entlastet werden. Denn nur so können sie sich anpassen und Dominoeffekte verhindert werden. Das ist besonders herausfordernd, weil relativ wenige Anpassungspotenziale vorhanden sind und Grenzen der Anpassung schnell erreicht werden. Beispielsweise sind Ökosysteme wie in den Gebirgen und einzelne Arten an ein bestimmtes <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/k?tag=Klima#alphabar">Klima</a> und Umfeld angepasst und können nur langsam reagieren, teils zu langsam. Bereits zur Mitte des Jahrhunderts können die Klimarisiken erheblich sein, besonders wenn ein starker Klimawandel eintritt und keine Anpassungsmaßnahmen getroffen werden.</p><p>Die gute Nachricht: Es gibt in Deutschland (noch!) viele Anpassungsmöglichkeiten. Die Studie zeigt aber auch: Bei einem starken Klimawandel benötigen wir weitere, teils tiefgreifende Anpassungsmaßnahmen. Risiken durch den Klimawandel werden in Zukunft immer mehr Lebens- und Wirtschaftsbereiche erfassen. Bei einem starken Klimawandel werden sehr viele Lebensbereiche in Deutschland von hohen Klimarisiken bedroht sein. Dann könnten die in Deutschland bereits eingeleiteten Maßnahmen oft nicht ausreichen. Die Studie benennt 31 Wirkungen des Klimawandels mit sehr dringendem Handlungsbedarf. Zentral sind die Klimarisiken infolge von Hitze auf die Gesundheit, von Trockenheit und Niedrigwasser auf wasserabhängige Systeme wie Ökosysteme, von <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/s?tag=Starkregen#alphabar">Starkregen</a> und Sturzfluten besonders für Infrastrukturen und Gebäude sowie die Auswirkungen der graduellen Erderwärmung etwa auf den Meeresspiegel an den Küsten oder in den Gebirgen. </p><p>Die Botschaft ist klar: Nur wenn wir unverzüglich handeln können viele Maßnahmen rechtzeitig wirksam werden</p><p>In vielen Bereichen greifen bereits Anpassungsmaßnahmen oder sind geplant, beispielsweise Dachbegrünungen oder das Pflanzen von Stadtbäumen zur Kühlung der Städte. Es gibt eine gute Basis durch vorhandenes Wissen, aktive Netzwerke und gute Vorbilder. Eine Vielzahl von weiteren Maßnahmen sind schon heute umsetzbar und können die Klimarisiken bis Mitte des Jahrhunderts für Deutschland wirksam mindern, wie die Humuswirtschaft und andere bodenschonende Landwirtschaftsformen. Doch bei einigen Klimawirkungen benötigen wir innovative, tiefgreifende Maßnahmen und verstärkte Forschung, wie wir beispielsweise unsere Städte zu Schwammstädten umbauen können. Besonders schnell sollte dort gehandelt werden, wo viele Kaskadeneffekte ausgelöst werden können, bereits heute hohe Klimarisiken bestehen oder wo hohe Klimarisiken erwartet werden, aber die Anpassung sehr viel Zeit benötigt, um wirksam zu werden. Allerdings besteht an vielen Stellen ein Umsetzungsdefizit und es muss mehr getan werden. Vor allem auf kommunaler Ebene fehlen finanzielle Mitteln, rechtliche Rahmenbedingungen und Akzeptanz, Klimaanpassungen voranzutreiben.</p><p>Die KWRA ist für viele Akteure, insbesondere für Entscheidungsträger im Bund, den Ländern und Kommunen, von Interesse.</p><p>Die Interministerielle Arbeitsgruppe <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/a?tag=Anpassung_an_den_Klimawandel#alphabar">Anpassung an den Klimawandel</a> (IMA-A) weist daher alle Akteure auf die Grundsätze für zukünftiges Anpassungshandeln hin:</p><p>Es wird anerkannt, dass für eine verstärkte Umsetzung auf allen Ebenen ein verlässlicher finanzieller und gesetzlicher Rahmen geschaffen und entsprechende Kapazitäten bereitgestellt werden sollen.</p><p>Im Angesicht der aufgezeigten Risiken beschloss die IMA-A auch zukünftig die Anpassung an den Klimawandel in Deutschland gemeinsam weiterzuentwickeln, bekannte Anpassungsmaßnahmen umzusetzen und die Forschung zu weiteren, auch tiefgreifenden Maßnahmen zu verstärken. </p><p> </p><p><em>Autorin und Autor: Dr. Inke Schauser, Dr. Achim Daschkeit (Umweltbundesamt)</em></p><p><em>Dieser Artikel wurde als Schwerpunktartikel im <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/newsletter/archiv/newsletter-klimafolgen-anpassung-nr-77">Newsletter Klimafolgen und Anpassung Nr. 77</a> veröffentlicht. <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/newsletter">Hier</a> können Sie den Newsletter abonnieren.</em></p><p>Hier finden Sie ein <a href="https://www.umweltbundesamt.de/transkrition-erklaerfilm-klimawirkungs">Text-Transkript</a> des Videos im Sinne der Barrierefreiheit.</p>
The present dataset is a comprehensive earthquake catalogue for the Northern Chile subduction zone forearc covering the period 2007-2021, determined from IPOC seismic station data (GFZ and CNRS-INSU 2006; https://doi.org/10.14470/pk615318) plus some auxiliary stations (IPOC = Integrated Plate Boundary Observatory Chile; http://www.ipoc-network.org). The method of automatized earthquake catalogue retrieval, the different relocation steps as well as the different earthquake class labels, and the structures outlined by the seismicity are described in detail in Sippl et al. (2023). The catalogue builds on the one from Sippl et al. (2018; https://doi.org/10.5880/GFZ.4.1.2018.001), but uses a slightly deviating parameter set and a new event category. The columns of the data files are: year, month, day, hour, minute, second, latitude [dec. degrees], longitude [dec. degrees], depth [km], magnitude [ML], identifier The identifier term provides a first-order spatial classification of the seismicity, an explanation is given in Sippl et al. (2023).
The data publication contains a dataset for fast assessment of earthquakes based on seismic waveforms. The dataset encompasses Northern Chile. Due to the large scale of the dataset, it is intended for use in machine learning. A similar dataset for chile has been published as Münchmeyer et al. (2020). A similar dataset for Japan can be obtained using the scripts at https://github.com/yetinam/TEAM The datasets are provided as a hdf5-file (Folk et al. 2011), a hierachical file format. Source code for reading and processing the data is available at https://github.com/yetinam/TEAM. The hdf5-file contains the two groups “metadata” and “data” that are described below. These groups are the hdf5-analog of folders in a file system.
<p> IPCC Synthesebericht: Fingerzeig und erhobener Zeigefinger</p><p>Der Synthesebericht des IPCC zum sechsten Sachstandsbericht ist erschienen. Grundlage hierfür sind die IPCC-Berichte der vergangenen Jahre. Deswegen kann er keine „neuen“ Erkenntnisse enthalten – aber auf erhöhte Dringlichkeit im Umgang mit dem Klimawandel hinweisen. Auch für Deutschland ist der Bericht für die Einordnung von Risiken und Begründung von Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen relevant.</p><p>Regulär hätte der Synthesebericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/i?tag=IPCC#alphabar">IPCC</a>), auch als Weltklimarat bekannt, bereits Ende 2022 erscheinen sollen. Doch das Team von Autorinnen und Autoren hat ihn in wesentlichen Teilen neu geschrieben. „Ich sehe das ausnahmslos positiv, weil sich die Autorinnen und Autoren noch einmal überlegt haben: Wie können wir die Punkte aus den umfangreichen Berichten am besten zusammenfassen, wie kann eine Synthese gelingen? Was ist besonders wichtig? Das zeugt für mich von Qualität“, sagt Dr. Achim Daschkeit, der sich beim Umweltbundesamt (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/u?tag=UBA#alphabar">UBA</a>) intensiv mit allen Berichten des IPCC auseinandersetzt.</p><p>Der IPCC ist eine Institution der Vereinten Nationen mit aktuell 195 Mitgliedsländern. Seit seiner Gründung 1988 veröffentlicht der Weltklimarat im Abstand von durchschnittlich sechs Jahren ausführliche Sachstandsberichte zum <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/k?tag=Klimawandel#alphabar">Klimawandel</a> und zusätzlich Sonderberichte. Für den aktuell sechsten Sachstandsbericht wertete ein Kernteam von knapp 280 Autorinnen und Autoren aus 65 Ländern mehr als 18.000 Studien zum Thema aus. Die Ergebnisse erschienen in drei Teilen über einen mehrmonatigen Zeitraum von 2021 bis 2022. Die drei Bände sind unterteilt in „Naturwissenschaftliche Grundlagen des Klimawandels“, „Folgen des Klimawandels, Anpassung und Verwundbarkeit“ sowie „Minderung des Klimawandels“. Für den jetzt erschienenen IPCC Synthesebericht wurden außerdem die Sonderberichte „1,5°C globale Erwärmung“, „Ozean und Kryosphäre“ sowie „Klimawandel und Landsysteme“ hinzugezogen.</p><p><strong>Andere Fokussierung, stärkere Betonung: Das zeigt der Synthesebericht</strong></p><p>Im Unterschied zu den bisher veröffentlichten Einzelberichten setzt der Synthesebericht eigene Akzente: Er betont, dass sich der Klimawandel nicht nur beschleunigt hat, sondern die Geschwindigkeit in Zukunft vermutlich sogar noch anziehen wird. Die Wahrscheinlichkeit, die globale Erwärmung von 1,5°C langfristig zu überschreiten, ist im Vergleich zum 1,5°C -Sonderbericht von 2018 bereits gestiegen. Der Synthesebericht zeigt auf, welche Schäden und Risiken diese Entwicklung nach sich ziehen wird. „Wir werden künftig verstärkt über Kaskaden sprechen, die der Klimawandel direkt oder indirekt verursacht. Also, dass beispielsweise starke Hitze Schienen- und Straßenverkehr beeinträchtigt - was Lieferketten beeinflusst; was sich wiederum auf die wirtschaftliche Produktion und Verteilung von Gütern und Ähnliches auswirkt. Gleichzeitig ist in manchen Berufen auch die Arbeitsproduktivität beeinträchtigt“, sagt Daschkeit. Der Klimawandel verursacht bereits heute weit verbreitete, gefährliche und irreversible Schäden in der Natur und für die Gesellschaft. Je stärker der Klimawandel wird, desto mehr wird die Welt von Hitze, Dürren, <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/s?tag=Starkregen#alphabar">Starkregen</a> und Überflutungen betroffen sein.</p><p>Dennoch gehört zu den zentralen Botschaften der IPCC-Berichte, dass die Einhaltung des 1,5°C-Ziels trotz des rasanten Voranschreitens des Klimawandels nach wie vor möglich ist. Voraussetzung dafür wäre allerdings die schnelle und erhebliche Reduktion von <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/t?tag=Treibhausgas#alphabar">Treibhausgas</a>-Emissionen – und zwar weltweit und in allen Sektoren. Aktuell sind diese laut IPCC höher als jemals zuvor – auch wenn sie zuletzt etwas langsamer gestiegen sind. Der Energiesektor spielt zur Eindämmung der Folgen und zur Einhaltung des 1,5°C-Ziels laut Bericht eine große Rolle: Allein das, was derzeit an fossiler Energiegewinnung betrieben wird und künftig noch geplant ist, werde die Begrenzung auf 1,5°C Erderwärmung unmöglich machen. Die Investitionen in diesen Bereich liegen nach wie vor höher als die in <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/k?tag=Klimaschutz#alphabar">Klimaschutz</a> und Anpassung. Dabei müssten Investitionen in Klimaschutz und Anpassung nach Berechnungen allein zwischen 2020 und 2030 um den Faktor drei bis sechs steigen, um überhaupt die 2°C-Erwärmungsgrenze einzuhalten. Die Zeit zum Handeln ist demnach knapp – für lange Überlegungen sei erst gar keine mehr da.</p><p><strong>Wie der IPCC-Bericht für Klimaanpassung in Deutschland verwendet wird</strong></p><p>Die Berichte des IPCC geben keine konkreten Lösungswege oder Handlungsempfehlungen zur Bekämpfung des Klimawandels vor – aber sie sind die evidenzbasierte Grundlage für politische Entscheidungen, zum Beispiel auf Weltklimakonferenzen oder auch auf nationaler Ebene. Als globale wissenschaftliche Quelle ist der IPCC-Bericht daher auch für die Arbeit an Klimaschutz und Klimaanpassung in Deutschland relevant, weil er unter anderem Hinweise liefert, ob beziehungsweise welche Risiken zunehmen, welche Anpassungen funktionieren und welche Maßnahmen erfolglos bleiben. Hieraus lassen sich ganz konkrete Schlussfolgerungen ziehen, worauf künftig geachtet und was getan werden sollte.</p><p>Dr. Inke Schauser beschäftigt sich beim UBA mit bundesweiten Klimarisiken. Ihr hilft der IPCC-Bericht zur Weitung der Perspektive und Einordnung, inwieweit Deutschland betroffen sein kann: „Der Meeresspiegelanstieg ist ein Beispiel dafür. Wenn das Eis an den Polkappen schneller schmilzt, hat das auch große Auswirkungen auf deutsche Küsten. Der IPCC-Bericht ist sozusagen ein Fingerzeig, außerdem Inspirationsquelle für uns: für die Methodik, die Darstellung, die Definitionen, die Kommunikation. Und natürlich beobachten wir wichtige und neue Themen, die sich auf Europa und somit auf Deutschland auswirken können.“ Die Ergebnisse und Erkenntnisse fließen in die <a href="https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/die-risiken-des-klimawandels-fuer-deutschland-0">Klimawirkungs- und Risikoanalyse (KWRA)</a> ein, die zuletzt 2021 erschien und eine wichtige Grundlage für die Deutsche <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/a?tag=Anpassungsstrategie#alphabar">Anpassungsstrategie</a> bildet.</p><p>Diese bundesweite <a href="https://www.umweltbundesamt.de/klimarisikoanalysen-fuer-kommunen-globales-problem?parent=68610#undefined">Klimarisikoanalyse kann auf die kommunale Ebene</a> heruntergebrochen werden; dort, wo der Klimawandel schon jetzt passiert und die Menschen direkt betrifft. Wo Hitzewellen und Starkregenereignissen mit ganz konkreten Maßnahmen begegnet werden kann, wie etwa mit besserem Schutz der Ökosysteme vor Übernutzung und Verschmutzung, bodenschonender <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/l?tag=Landnutzung#alphabar">Landnutzung</a> und Wasserrückhalt in der Fläche, wassersensibler Siedlungsentwicklung und Entsiegelung, mehr Bäumen und Fassadenbegrünung in den Städten. Die nationale Wasserstrategie, das nationale Hochwasserschutzprogramm, die Förderung von Waldumbau hin zu naturnahen, standortgerechten Mischwäldern sowie von Klimaanpassungsmaßnahmen in sozialen Einrichtungen oder von Grün in den Städten sind positive Beispiele für erfolgversprechende Klimaanpassung, die auf den Weg gebracht wurden. Dringender Nachholbedarf besteht dagegen zum Beispiel beim Schutz der Böden und der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/b?tag=Biodiversitt#alphabar">Biodiversität</a>, sowie bei der konkreten Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen.</p><p><strong>Naturbasierte Lösungen – global wie regional gefordert</strong></p><p>Dieser Nachholbedarf deckt sich mit dem, was auch der IPCC-Synthesebericht nach Ansicht von Daschkeit hervorhebt: naturbasierte Lösungen für Klimaschutz und Klimaanpassung. „Wer den Schutz von Ökosystemen und der Natur an den Anfang stellt, hat am Ende der Risikokette, also zum Beispiel bei Gebäuden oder der menschlichen Gesundheit, weniger Schäden, weniger negative Effekte – also auch geringere Kosten“, sagt Daschkeit. Das sei keine neue Erkenntnis und werde auch durch viele Studien belegt. „Schutz der Ökosysteme dient nicht nur der Biodiversität an sich, sondern kann zumindest teilweise auch die Kaskaden-Effekte des Klimawandels bremsen. Wird Wasser in der Landschaft gehalten, schützt das zum Beispiel vor Dürreperioden. Intakte Ökosysteme puffern Starkregenereignisse ab“, ergänzt Schauser. Dass Starkregenereignisse oder Hitze- und Trockenperioden künftig zunehmen, ist ziemlich sicher. Bis zu welchem Grad naturbasierte Lösungen bei den Folgen eines schwerwiegenden Klimawandels ausreichen, ist gegenwärtig eine Forschungsfrage, die mit ziemlicher Sicherheit auch der IPCC weiterhin aufgreifen wird. Ebenso sicher ist: Je ambitionierter der Klimaschutz ist, umso besser kann auch die <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/a?tag=Anpassung_an_den_Klimawandel#alphabar">Anpassung an den Klimawandel</a> gelingen – oder besser noch: gar nicht erst nötig werden. Und je ambitionierter die Klimaanpassung für den nicht mehr vermeidbaren Klimawandel umgesetzt wird, umso mehr Schäden können wir vermeiden.</p><p><em>Autorin: Sandra Lindenberger in Zusammenarbeit mit Achim Daschkeit und Inke Schauser (UBA)</em></p><p><em>Dieser Artikel wurde als Schwerpunktartikel im Newsletter <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/k?tag=Klimafolgen#alphabar">Klimafolgen</a> und Anpassung Nr. 83 veröffentlicht. <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/newsletter">Hier</a> können Sie den Newsletter abonnieren.</em></p>
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