Zielsetzung und Anlass: In Deutschland sind etwa 48 % der 557 in der roten Liste bewerteten Bienen- und Hummelarten bestandsgefährdet oder sogar schon ausgestorben (Bundesamt für Naturschutz 2011). Die Gründe für diesen Rückgang sind vielfältig und komplex, aber grundsätzlich verknüpft mit einer qualitativen Verschlechterung und einem quantitativen Verlust von Lebensräumen für diese Insekten. Unter anderem ist dies das Ergebnis der monotonen sowie intensiven Landwirtschaft und der damit einher gehenden Artenverarmung von Agrarökosystemen, die wiederum weniger Raum und Nahrung für Wildinsekten bieten. Als Folge besteht das Risiko, dass Ökosystemleistungen durch Bestäuberinsekten in Deutschland nicht mehr ausreichend erbracht werden können. Darum hat der Ausbau einer insektenverträglichen Landbewirtschaftung eine wichtige Bedeutung. Das Projekt behandelt die Arzneipflanze Lavendel (Lavandula angustifolia), dessen Anbau in landwirtschaftlichen Betrieben erprobt werden soll und zu einer Erweiterung der Kulturpflanzenvielfalt in der Agrarlandschaft beitragen soll. Der Lavendel bringt ausgezeichnete Eigenschaften mit sich, um im Feldanbau als Lebensraum und Nahrungsquelle für Insekten zu dienen. Durch das Projekt soll der Naturschutz mit einer neuen, nachhaltigen Naturnutzung in Nutzlandschaften durch den Anbau von Lavendel kombiniert werden. Damit soll ein wesentlicher Beitrag zu umweltfreundlicheren und vielfältigeren Agrarökosystemen geleistet werden. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Fachhochschule Erfurt mit externen Projektpartnern werden kleine Lavendelfelder mit durchschnittlich 1000 m² in der Agrarlandschaft an ausgewählten Standorten auf landwirtschaftlichen Flächen entstehen und wissenschaftlich untersucht. Mithilfe eines Monitoringsystems soll der Einfluss des Lavendels auf die Artenvielfalt von Tagfaltern und Wildbienen entomologisch untersucht werden. Um eine Bewertung der Maßnahme zu ermöglichen, werden zum Vergleich Daten aus der typischen Agrarlandschaft sowie in der Landwirtschaft gängigen Umweltschutzmaßnahmen (z.B. mehrjährige/einjährige Blühstreifen) hinzugezogen. Gleichzeitig wird die Wirtschaftlichkeit des Lavendelanbaus auf den beteiligten Praxisbetrieben in Thüringen untersucht. Dabei werden spezifische Parameter analysiert und ätherisches Öl im Rahmen einer Destillation gewonnen. Mit einer ersten Berechnung der Erlöse aus dem Lavendelanbau und einer Kostenanalyse kann ein Rückschluss auf die wirtschaftliche Rentabilität des Lavendelanbaus in Thüringen und Deutschland gezogen werden. Ziele: Als Gesamtziel ergibt sich ein wichtiger Beitrag zu umweltfreundlicheren und vielfältigeren Agrarökosystemen. Im Projekt werden folgende Ziele verfolgt: a. Entwicklung einer langfristigen, nachhaltigen und bodenschonenden Nutzung der natürlichen Ressourcen durch eine extensive und mehrjährige Kultur b. Aussage über die agrarökologische Eignung und wirtschaftliche Tragfähigkeit des Lavendelanbaus unter Thüringer Klimabedingungen c. Überprüfung der Einflüsse des Lavendelanbaus auf Wildbienen und Tagfalter in der Agrarlandschaft und einem Abgleich mit üblichen Agrarumweltmaßnahmen d. Erfassung der wichtigen quantitativen und qualitativen Eigenschaften des ätherischen Öls zur Bewertung der Eignung in der Arznei- und Lebensmittelindustrie e. Sensibilisierung der Bevölkerung durch Aufklärungs-, Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit im Bereich der nachhaltigen Landbewirtschaftung und des Naturschutzes
Elektromagnetische Felder und die belebte Umwelt Nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand schützen die für den Menschen geltenden Empfehlungen auch Tieren und Pflanzen. Die festgelegten Grenzwerte gelten nur dort, wo sich Menschen aufhalten. Flugfähige Tiere oder große Pflanzen können sich jedoch bspw. Stromleitungen oder Mobilfunkmasten stärker annähern und den Feldern damit stärker ausgesetzt sein. Einige Tiere und Pflanzen haben spezialisiertere Sinne und Signalwege als der Mensch, wodurch manche Arten empfindlicher auf elektromagnetische Felder reagieren können. In der freien Natur werden elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder ( EMF ) erzeugt. Quellen dafür sind beispielweise Stromleitungen, Erd- und Seekabel, drahtlose Ladestationen oder Funkanlagen wie Mobilfunkmasten. Die unterschiedlichen Felder können bei Tieren und Pflanzen verschiedene Reaktionen auslösen. Welche möglichen Wirkmechanismen dabei in Frage kommen, hängt von der Frequenz der Felder ab. Wirkungen sind frequenzabhängig Für Magnetfelder bei Frequenzen unterhalb von 100 Megahertz, beispielsweise von Stromleitungen oder Seekabeln, sind möglicherweise folgende Wirkmechanismen relevant: Ströme im Körper, der Radikalpaarmechanismus und die Kraftwirkung auf das Mineral Magnetit. Weiterhin haben einige Tierarten wie zum Beispiel Fische und Insekten spezalisiertere Sinne, mit denen sie statische und niederfrequente elektrische Felder wahrnehmen. Bei elektromagnetischen Feldern mit Frequenzen oberhalb von 100 Megahertz, wie sie beispielsweise von Funkanlagen ausgehen, ist nur die Wärmewirkung wissenschaftlich belegt . Welche Wirkungen gehen von Stromleitungen aus? Einige Tiergruppen – Insekten, Vögel und einige Säugetierarten – können das statische Erdmagnetfeld wahrnehmen und sich danach orientieren. Diese Tiere können auch die statischen Magnetfelder von Gleichstromleitungen wahrnehmen, die ihr Verhalten beeinflussen könnten. Demgegenüber stören die Wechselfelder der Stromversorgung die Orientierung der Tiere am Erdmagnetfeld nicht. Viele Insektenarten, unter anderem Bienen, können elektrische Felder und elektrostatische Aufladungen wahrnehmen. Sie nutzen diese auch zur Orientierung und Kommunikation. Starke elektrische Felder oberhalb der in der 26. Bundesimmissionsschutzverordnung (26. BImSchV ) festgelegten Grenzwerte können das Verhalten von Bienen stören. Es ist jedoch nicht untersucht, ob dies auch unter realistischen Bedingungen im Freiland passiert. Bei Pflanzen ist nachgewiesen, dass statische Magnetfelder wie das Erdmagnetfeld einen Einfluss auf das Pflanzenwachstum haben. Statische und niederfrequente Magnetfelder bestimmter Intensitäten und Frequenzen können das Pflanzenwachstum fördern und auch in der Landwirtschaft genutzt werden. Es gibt keine belastbaren Hinweise auf negative Auswirkungen von Stromleitungen auf Pflanzen wie z.B. auf deren Wachstum. Welche Wirkungen gehen von Seekabeln aus? Im Zusammenhang mit der Energiewende werden vermehrt Offshore-Windenergieanlagen gebaut. Deshalb werden Seekabel verlegt. Diese erzeugen statische oder niederfrequente Magnetfelder und induzieren im Salzwasser elektrische Felder . Viele Fischarten nutzen das Erdmagnetfeld zur Orientierung und können die von Seekabeln ausgehenden Felder wahrnehmen. Haie und Rochen können sehr schwache elektrische Felder wahrnehmen, sich danach orientieren oder nach Beute suchen. Insgesamt haben Felder von Seekabeln keine direkten negativen physiologischen Wirkungen auf Tiere. Bisher sind nur Verhaltensreaktionen bekannt. Solange Tiere den Kabeln nur selten begegnen, sind Auswirkungen auf die gesamte Population unwahrscheinlich. Welche Wirkungen gehen von Funkanlagen aus? Flugfähige Tiere können in der Nähe von Mobilfunksendeanlagen hochfrequenten elektromagnetischen Feldern bei Feldstärken oberhalb der für Menschen geltenden Grenzwerte ausgesetzt sein. Dies kann möglicherweise zur Gewebeerwärmung führen. In bisherigen Studien zum Einfluss hochfrequenter Felder auf Insekten wurden mehrfach negative Auswirkungen beschrieben. Diese Studien hatten jedoch überwiegend Qualitätsmängel. Deswegen ist das Vertrauen in deren Ergebnisse gering und weitere Forschung notwendig. Weiterhin begann das viel diskutierte Insektensterben schon in den 90er Jahren und damit vor dem rasanten Ausbau von Mobilfunksendeanlagen. Deshalb ist ein Zusammenhang mit den Feldern des Mobilfunks unwahrscheinlich. Für Vögel ist bekannt, dass schwache elektromagnetische Felder im Frequenzbereich von 0,1 bis 100 Megahertz die Orientierung am Erdmagnetfeld stören. Unter Laborbedingungen führte das zu einer Desorientierung der Vögel. Dieser Frequenzbereich wird von Radiosendern genutzt, nicht aber von Mobilfunksendeanlagen. Störungen des Vogelzugs im Freiland sind aufgrund dieser Ergebnisse nicht zu erwarten. Bisher wurde dies auch nicht beobachtet, da sich Vögel auch nach Sonne, Sternen oder Landmarken orientieren können. Einigen Beobachtungstudien zufolge ist die Populationsdichte und den Bruterfolg von Vögeln in der Nähe von Mobilfunksendeanlagen geringer. Ein ursächlicher Zusammenhang ist jedoch nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Fledermäuse meiden leistungsstarke Radarsender, aber nicht Mobilfunksendeanlagen. In einigen Berichten wird behauptet, dass hochfrequente Felder von Mobilfunksendeanlagen landwirtschaftlichen Nutztieren schaden. In der wissenschaftlichen Literatur ergibt sich diesbezüglich jedoch kein schlüssiges Bild. Ein ursächlicher Zusammenhang wurde nicht nachgewiesen. Ebenso wird ein solcher auch durch das Wissen über die bekannten Wirkmechanismen nicht gestützt. Hochfrequente elektromagnetische Felder können unter Laborbedingungen möglicherweise biologische Vorgänge in Pflanzen geringfügig beeinflussen. Diese Einflüsse sind mit leichten Stressreaktionen vergleichbar und können in Folge auch einen Einfluss auf das Wachstum haben. Dies ist jedoch nicht endgültig wissenschaftlich nachgewiesen. Ebenso sind etwaige Wirkmechanismen unbekannt. Vereinzelt wurden vermehrt Baumschäden in der Umgebung von Mobilfunkbasisstationen berichtet. Wegen fehlender Zufallsauswahl und fehlender Berücksichtigung von bekannten anderen Einflussfaktoren sind solche Studien jedoch ungeeignet, um einen ursächlichen Zusammenhang zu untersuchen. Stand: 19.02.2026
Alle 24 in Deutschland vorkommenden Fledermausarten sind in Anhang IV der Fauna-Flora-Habitat(FFH)-Richtlinie aufgeführt und stehen somit in Deutschland unter strengem Schutz. Für ein effektives Monitoring und den Schutz dieser Arten ist eine belastbare und langfristige Datenbasis erforderlich, aus der artspezifische Populationstrends abgeleitet werden können. Die Dringlichkeit einer solchen Datengrundlage wird durch zunehmende Gefährdungen wie Quartierverlust, Insektenrückgang und den Ausbau der Windenergie verstärkt. In den letzten Jahrzehnten haben viele im Fledermausschutz haupt- und ehrenamtlich Aktive Fledermaus-Zähldaten erhoben, die nicht oder nur teilweise in dezentralen Datenbanken gesichert sind. Ziel des Projekts „Bedrohte Daten von bedrohten Arten“ war es, diese Zähldaten zu identifizieren und sie in eine zentrale Datenbank mit einem einheitlichen Datenformat zu überführen, um sie mit Hilfe moderner statistischer Methoden für die Bestimmung bundesweiter Trends wissenschaftlich auswerten zu können. Anschließend sollten die Populationstrends der Öffentlichkeit unter Nennung der originalen Datenquellen zugänglich gemacht werden. Dazu wurde die Webanwendung BATLAS entwickelt, in der vorliegende Daten automatisch mit entsprechenden Modellen ausgewertet und die geschätzten Populationstrends angezeigt werden können. Des Weiteren können autorisierte Benutzerinnen und Benutzer im Login-Bereich eigene Daten selbstständig auswerten, indem sie das eingebaute Analysewerkzeug nutzen. Derzeit liegen Populationstrends von 16 Fledermausarten vor, wofür ausschließlich Zähldaten aus Winterquartieren einbezogen wurden. BATLAS soll langfristig mit weiteren Daten gefüllt werden. Dabei sollen auch Zähldaten aus anderen Quartiertypen (zum Beispiel Wochenstuben) genutzt werden, um für möglichst viele einheimische Arten umfassende Populationstrends berechnen zu können.
Pollination is crucial for maintaining angiosperm biodiversity and represents one of the most important ecosystem services. With the increasing threats of massive insect decline, studying pollination and associated networks has become more important than ever. However, studying plant-pollinator interactions at a species level with morphological methodologies is time-consuming, expensive, and depends on exceptional taxonomic expertise. In this study, we target the plant-pollinator networks of two important crops (caraway and apple) using a combination of traditional methods with DNA barcoding and metabarcoding. With this approach, we can identify potential dipteran and hymenopteran pollinators and - from their pollen load's their associated plant species. This project is a collaboration between the ZFMK and the Agroecology and Organic Farming Group (INRES) at the University of Bonn and part of GBOL II.
null Jahresrückblick 2023 der LUBW: Klimawandel hat uns fest im Griff Baden-Württemberg/Karlsruhe. „Der Klimawandel hat uns fest im Griff, das zeigt sich auch an den Aufgaben der LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg“, so Dr. Ulrich Maurer, Präsident der LUBW beim heutigen Pressegesprächs zum Jahresrückblick 2023. „Das Jahr 2023 war das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, sowohl global und deutschlandweit als auch für Baden-Württemberg. Seit der Jahrtausendwende verzeichnen wir einen Wärmerekord nach dem anderen, die Temperatur steigt immer schneller an. Direkte Folge sind vermehrte Hitzewellen und veränderte Niederschlagsverhältnisse, indirekte Auswirkungen sind Trockenheit und Niedrigwasser. Gleichzeitig ist der Klimawandel Ursache für immer häufiger auftretende Starkniederschläge und Überschwemmungen. Diese können gerade in den Sommermonaten heftiger werden. Im Winter werden die Niederschläge immer seltener als Schnee fallen. Wir müssen uns auf schnell wechselnde Wetterlagen einstellen“, fasst er die Situation zusammen. Der menschengemachte Klimawandel beeinflusst auch die Tier- und Pflanzenwelt. Wärmeliebende Arten werden häufiger, wohingegen alpine und kälteangepasste Arten immer weniger Lebensräume finden und zurückgehen. Milde Winter haben unter anderem Auswirkungen auf Tiere, die Winterschlaf oder Winterruhe halten wie Igel, Siebenschläfer oder Weißstörche. Monitoring und Kartierungen der LUBW: Fokus Tierarten Die Kartierung der Fauna und Flora in Baden-Württemberg sind eine Daueraufgabe im jährlichen Arbeitskatalog der LUBW „Wir können nur schützen und erhalten, was wir kennen“, betont Maurer. „Wir müssen verstehen, wie sich die Arten im Land entwickeln und welchen Gefährdungen sie ausgesetzt sind. Die LUBW legt Wert auf eine systematische und langfristige Erfassung. Nur so lassen sich aus unseren Beobachtungen belastbare Schlussfolgerungen für den Artenschutz ziehen.“ Insekten In Baden-Württemberg wurde das Insektenmonitoring im Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt im Jahr 2017 aufgenommen und ist damit bundesweit Vorreiter. Der Einfluss der Menschen und die Auswirkungen des Klimas zeichnen sich in den Ergebnissen deutlich ab. Das Jahr 2023 war das schlechteste Tagfalterjahr seit Beginn des Insektenmonitorings 2018. Die nassen Monate März und April bewirkten ein Absterben von Überwinterungsstadien und jungen Raupen. Die schwachen Ausgangspopulationen im Frühjahr 2023 ist auch auf die lange Dürreperiode im Sommer 2022 zurückzuführen. Höhere Temperaturen und geringere Niederschläge führten ab Juni wieder zu einem gewissen Anstieg der Tagfalterzahlen, jedoch nur bei Sommerarten. Brutvögel Entsprechend dem Rückgang bei den Insekten überrascht es nicht, dass bei den häufigen Brutvögeln insbesondere die insektenfressenden Feldvogelarten stark abgenommen haben, die im Acker oder Grünland brüten. Fast die Hälfte der 199 baden-württembergischen Brutvogelarten gelten als gefährdet. Besonders auffällig ist, dass auch die Bestände einst weitverbreiteter Vögel wie der Kiebitz stark zurückgegangen sind. Seit dem Jahr 2021 beobachtet die LUBW auch seltenere Brutvögel. So wurden im Jahr 2023 beispielsweise für den seltenen Koloniebrüter Uferschwalbe in Baden-Württemberg noch knapp 5 000 Brutröhren festgestellt. Ihr Lebensraum ist in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr zurückgegangen. Die Vögel graben ihre Brutröhren in festsandige oder lehmige Abbruchkanten und Steilufer. Sie finden beispielsweise an der renaturierten Donau seit dem Jahr 2009 wieder optimale Lebensbedingungen. Für das Rebhuhn wurden im selben Jahr 227 Ruf-Reviere ermittelt. In den 1950er Jahren wurde der Bestand noch auf 50.000 Reviere (Grundlage Jagdstrecken) geschätzt. „Auch wenn diese Zahlen nicht direkt vergleichbar sind, da sie nicht mit den gleichen Methoden ermittelt wurden, zeigen sie jedoch deutlich, wie unsere Umwelt in den letzten Jahrzehnten verarmt ist“, so Maurer. Niedrigwasser-Informationszentrum der LUBW (NIZ) „Nach dem regenreichen Winter sind nun Anfang Frühling 2024 unsere Grundwasserspeicher gut gefüllt, die Pegelstände in den Fließgewässern sind normal und auch die Bodenfeuchte ist sehr gut. Das ist gut so. Dennoch können langanhaltende Trockenperioden mit großer Hitze auch in diesem Jahr wieder schnell dazu führen, dass Flüsse – wie beispielsweise die Dreisam in Freiburg – im Sommer trockenfallen. Genauso möglich ist, dass kurze starke Regenfälle, also Starkregen, im Sommer auf trockene Böden fallen und schnell regional zu Überschwemmungen führen. Wir müssen uns auf diese Extreme einrichten. Dies spiegeln auch unsere beide Einrichtungen Hochwasservorhersagezentrale, die HVZ, und das Anfang des Jahres 2024 in Betrieb gegangene Niedrigwasser-Informationszentrum, das NIZ, wieder. Das NIZ ist im Grunde ein ‚Kind des Klimawandels‘, die HVZ gibt es bereits seit dem Jahr 1991, Auslöser war damals das Jahrhunderthochwasser im Februar 1990“, so Maurer. Wasserbehörden und Kommunen erhalten künftig durch das NIZ schneller regionale Bewertungen des Wasserdargebots. Auf dieser Grundlage können sie entscheiden, ob beispielsweise die Einschränkung der Wasserentnahme aus Fließgewässern oder Grundwasser notwendig ist. „Sind Niedrigwasservorhersagen bislang für bis zu 7 Tage in die Zukunft machbar, möchten wir unsere Modelle so erweitern, dass bis zu einen Monat Vorhersagen über die Entwicklung der Wasserstände möglich sein wird“, zeigt Maurer die nächsten Schritte auf. Ende 2024 soll eine Karte folgen, in der die Niedrigwassergefahr und Gebiete, in denen die Wasserentnahme eingeschränkt ist, angezeigt werden. Ressourcenschonendes Leben: Zirkuläres Bauen Maurer betonte in seiner Bilanz: „Der Klimawandel ist menschgemacht. Die Lösungen auch. Ein wichtiger Bereich, in dem man viele Ressourcen und auch CO2 einsparen kann, ist der Bausektor. Dieser wird noch viel zu wenig beachtet. Wir verbrauchen in Deutschland in diesem Bereich rund 50 Prozent unserer Rohstoffe. Der Gebäudesektor verursacht knapp 40 % der Treibhausgasemissionen weltweit, in Baden-Württemberg werden allein 3,6 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr durch die Zementherstellung erzeugt.“ Seit dem vergangenen Jahr unterstützt das Innovationszentrum Zirkuläres Bauen (InZiBau) der LUBW die Branche bei der notwendigen Transformation. Ziel ist es, Bauabfälle als Ressourcen zu nutzen, anstatt sie als Abfälle zu beseitigen. Möglichst geschlossene Kreisläufe können unseren ökologischen Fußabdruck deutlich verkleinern. Im Idealfall wird alte Bausubstanz erhalten und wiederverwendet. Das Innovationszentrum Zirkuläres Bauen versteht sich als Informations- und Vernetzungsplattform für die unterschiedlichen Akteure und Akteurinnen in Verwaltung, Wirtschaft und Forschung und alle interessierten Fachkreise. Lärm Nicht nur vor dem Hintergrund der notwendigen CO2-Reduktion im Verkehrssektor sollten wir unser Mobilitätsverhalten überdenken, sondern auch im Hinblick auf den Lärm, der durch unsere motorisierte Mobilität entsteht. Allein außerhalb der Ballungszentren sind bereits rund 1,4 Millionen Menschen entlang der Hauptverkehrsstraßen von Verkehrslärm betroffen. Dies haben die im Herbst 2023 veröffentlichten Berechnungen der LUBW ergeben. Die LUBW erstellt die Lärmkartierung alle fünf Jahre. Weiterführende Informationen LUBW-Broschüre: Schwerpunkte 2023 – Beobachten. Bewerten. Beraten. Wir entwickeln Lösungen. Hitzeaktionspläne: Gesundheit der Bevölkerung steht im Fokus 11.03.2024 Landesregierung fördert Kommunen – praktisch und finanziell Handlungshilfe für Kommunen zum zirkulären und nachhaltigen Bauen 08.02.2024 Nachhaltigkeit durch Bestandssanierung statt Neubau Gerüstet für zunehmend trockene Sommer 24.01.2024 Baden-Württemberg richtet ein Niedrigwasser-Informationszentrum (NIZ) an der LUBW ein Neue Lärmkarten für BW online verfügbar 17.10.2023 1,4 Mio. Menschen an den Hauptverkehrsstraßen betroffen Ökologischen Fußabdruck beim Bauen reduzieren 21.09.2023 Recycling von Baustoffen schont Ressourcen, Deponien und das Klima 20 Jahre Erfassung der Brutvogelbestände in Baden-Württemberg 01.06.2023 Frühwarnsystem für Zustand der Natur und Grundlage zur Politikberatung Amphibien und Reptilien in Not 01.02.2023 18 von 31 Arten sind in Baden-Württemberg gefährdet Insektenmonitoring in Baden-Württemberg 13.01.2023 Biotopschutz und ökologische Bewirtschaftung leisten wichtigen Beitrag zum Insektenschutz Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW. Telefon: +49(0)721/5600-1387 E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de
null Naturschutzgebiete alleine können die Vielfalt der Insekten nicht bewahren Baden-Württemberg/Karlsruhe/Königsbach-Stein . Dr. Ulrich Maurer, Präsident der LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, veranschaulichte heute gemeinsam mit seinem Team im Naturschutzgebiet „Beim Steiner Mittelberg“ in Königsbach-Stein, welche entscheidende Rolle die Landschaft für einen intakten Insektenbestand spielt. Sie zeigten Vertreterinnen und Vertretern baden-württembergischer Behörden und Medien bei dem Vorort-Termin auch, welche Methoden bei der Erfassung der Insekten im Gelände zum Einsatz kommen. Exakte Standards beim Monitoring sind besonders wichtig, um verlässliche Daten zu gewinnen. Ziel ist es, über alle Flächen hinweg vergleichbare und aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen, um belastbare Aussagen zur Entwicklung der Insekten zu treffen. Naturschutzgebiete sind für Insekten Rettungsinseln in der Landschaft Das kleine Naturschutzgebiet „Beim Steiner Mittelberg“ liegt für Insekten wie eine Rettungsinsel inmitten einer überwiegend konventionell genutzten Landschaft, die von Wirtschaftswäldern, Siedlungen und Äckern geprägt ist. Das geschützte Gelände bietet den Insekten einen großen Reichtum an hochwertigen Strukturen. Arten mit unterschiedlichen Ansprüchen an ihre Umgebung finden hier einen Lebensraum. „Wir sehen, dem Naturschutzgebiet sind enge Grenzen gesetzt. Die strukturarme Umgebung bietet den Insekten kaum Nistplätze, Nektarquellen für Wildbienen oder Futterpflanzen für die Raupen der Falter“, beschreibt Maurer die umliegende Szenerie. „Angesichts der Tatsache, dass 2,4 Prozent der Flächen in Baden-Württemberg als Naturschutzgebiete ausgewiesen sind, wird schnell deutlich, dass wir nicht allein mithilfe dieser Gebiete unsere Insektenpopulation und die Biodiversität im Land erhalten können. Die gesamte Landschaft muss als Einheit betrachtet werden, in der ein Netzwerk aus geeigneten Lebensräumen den Insekten Nischen bietet für Nahrungssuche und Fortpflanzung.“ Insektenmonitoring liefert Fakten und ermöglicht Anpassungsstrategien „Viele Menschen haben den Eindruck, dass es heutzutage weniger Schmetterlinge gibt als früher, können dies jedoch nicht anhand von Zahlen belegen. Die Beurteilung von Veränderungen gestaltet sich besonders schwierig, wenn sie fast unbemerkt und schleichend ablaufen. Hier setzt das systematische Insektenmonitoring an“, fährt Maurer fort. Es sei eine wichtige Grundlage, um den Ursachen des Insektensterbens mit gezielten Maßnahmen zu begegnen. Das Insektensterben bedroht die Lebensgrundlagen der Menschen, da Insekten in den Ökosystemen Schlüsselaufgaben übernehmen, wie die Bestäubung von Pflanzen, die Aufbereitung abgestorbenen Materials oder den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Zudem bilden sie die Nahrungsgrundlage für viele andere Tiere, wie Vögel und Fledermäuse. Erfassungsmethoden des Insektenmonitorings Je nach Insektenart und Lebensweise kommen im Monitoring unterschiedliche Erfassungsmethoden zum Einsatz, darunter Transektzählungen, Boden- und Malaise-Fallen. Im Naturschutzgebiet „Beim Steiner Mittelberg“ werden in diesem Jahr die Biomasse flugaktiver Insekten, Tagfalter und Widderchen sowie Heuschrecken mittels Malaise-Fallen und Transektzählungen erfasst. Die systematische Erfassung von Insekten bedeutet eine hohe logistische Herausforderung. Die Insekten sind meist sehr mobil und nur zu bestimmten Jahreszeiten und Witterungen nachweisbar. Fachwissen ist daher unerlässlich, um eine weitgehend objektive Erfassung zu gewährleisten. Die Ergebnisse der Erfassungen können je nach untersuchtem Gebiet stark variieren, berichtet Dr. Florian Theves, zuständig bei der LUBW für das Insektenmonitoring. „Manchmal findet sich über Stunden nur ein einzelner Falter, während sich ein andermal gleich Hunderte auf einer Blumenwiese tummeln.“ Insgesamt wurden so im ersten Durchgang des Insektenmonitorings, der sich über vier Jahre erstreckte, über 342.000 Insekten erfasst und 6.100 Proben genommen. Nun findet der zweite Durchgang statt. Foto zeigt: Aufbau einer Malaise-Falle durch Mitarbeiter des Naturkundemuseums Stuttgart, Quelle: Dr. Torsten Bittner Foto zeigt: Malaise-Falle beim Steiner Mittelberg. Links ist ein Niederschlagsmesser aufgestellt. Quelle: Dr. Florian Theves Hintergrundinformation Erfassungsmethoden: Für Transektzählungen wird in jeder Stichprobenfläche ein individuell auf Wegen und an Grenzen verlaufendes Linien-Transekt (Strecke, auf der die Falterindividuen gezählt werden) von 1.500 Meter Länge eingerichtet. Die Breite des Transektes beträgt zehn Meter. Dieses Transekt wird dann in allen künftigen Kartierungen wiederverwendet. Bei geeigneter Witterung werden zwischen Mai und August fünf Mal Tagfalter und Widderchen im vorgegebenen Begehungszeitraum von zwei Stunden beiderseits der Linie erfasst und meist sofort bestimmt. Die Aufnahme von Arten und Individuen erfolgt auf dem Hinweg punktgenau mittels einer App, die für das Biodiversitätsmonitoring Schweiz entwickelt wurde. Die exakte Lokalisierung der Falterindividuen erlaubt die spezifische Zuordnung von Biotop- und Nutzungstypen im Verlauf des Transektes. Auf dem Rückweg werden rein qualitativ nur Arten aufgenommen, die zuvor nicht registriert wurden. „Malaise-Fallen“ sind Stoffzelte mit Mittelwand und zwei großen quadratischen Öffnungen an zwei Seiten. Sie wurden nach dem schwedischen Entomologen René Malaise benannt, der die Fallen erstmals im Jahr 1937 einsetzte. Die umherfliegenden Insekten stoßen per Zufall auf die Mittelwand und orientieren sich automatisch an dem von oben hereinfallenden Tageslicht. An der höchsten Spitze des Zelts befindet sich eine Öffnung, an der eine Flasche sitzt. In dieser sammeln sich die Tiere in konservierendem Alkohol. Das Abtöten der Insekten ist notwendig, da in Malaise-Fallen Gruppen wie Fliegen und Hautflügler (z. B. kleine Schlupfwespen) dominieren, die oft sehr schwer bestimmbar sind. Die Fallen besitzen keine anlockende Wirkung und stehen nur alle vier Jahre am selben Ort. Eine Gefährdung der Bestände lokaler Insektenpopulationen wird so vermieden. Die exakte Entfernung, aus der die anfliegenden und sich in den Fallen sammelnden Insekten stammen, kann nicht näher bestimmt werden. Deshalb wird der Faktor „Biomasse-Luft“ als Landschaftsindikator behandelt. Je Stichprobenfläche wird eine Falle eingesetzt. Das Fanggefäß wird alle zwei Wochen gewechselt. Die Insekten-Biomasse (Gewicht) der Proben wird nach einem Standardverfahren gewogen. Es hat sich gezeigt, dass die Masse fliegender Insekten in den letzten Jahrzehnten erheblich zurückgegangen ist. Laufkäfer werden auf insgesamt 80 Flächen in Baden-Württemberg mittels Bodenfallen erfasst. Die Fallen bestehen aus zwei ineinander gestellten ebenerdig in den Boden eingegrabenen Plastik-Trinkbechern. Die vorwiegend nachtaktiven Käfer geraten beim Umherlaufen zufällig in die Fallen. Für das Insektenmonitoring werden die Fallen zu einem Drittel mit einer ungiftigen Fangflüssigkeit gefüllt. Aufgrund der großen Zahl an Stichprobenflächen, der Trittempfindlichkeit der Nutzpflanzenkulturen und der schweren Bestimmbarkeit sind Lebendfänge, für die die Fallen täglich geleert werden müssten, nicht möglich. Unbeabsichtigte Beifänge kleiner Wirbeltiere werden durch in die Becher eingesetzte Trichter weitgehend ausgeschlossen. Die Expositionszeit der Fallen beträgt sechs Wochen von Ende April bis Anfang Juni. Damit wird der für Untersuchungen von Laufkäfergesellschaften wichtige Frühjahrsaspekt abgedeckt. Pro Ackerstandort werden acht Fallen eingesetzt, je vier auf zwei Linien einen Meter bzw. dreißig Meter vom Feldrand entfernt. Der Abstand der Fallen der parallel zum Ackerrand verlaufenden Linien-Transekte untereinander beträgt zehn Meter. Blick zurück: Weckruf Krefeldstudie Vor sieben Jahren ließ die sogenannte „Krefeldstudie“ erstmals aufhorchen: Sie belegte einen Rückgang der Insektenbiomasse von bis zu 75 Prozent. Neu und alarmierend war die Erkenntnis, dass auch ehemals weitverbreitete und häufige Insektenarten betroffen sind. Jahre 2018 – 2021: Erste Erfassungsrunde Der erste Erfassungsdurchgang des modular aufgebauten Insektenmonitorings fand in den Jahren 2018 – 2021 statt. Die 201 Probeflächen bestehen aus 161 Flächen, die unsere „normale Kulturlandschaft“ außerhalb der größeren Waldgebiete repräsentieren (Offenland der Normallandschaft) und zum Vergleich aus weiteren 40 Flächen in Naturschutzgebieten. Vergleichende Untersuchungen der LUBW mit historischen Daten der Naturkundemuseen in Baden-Württemberg bestätigten, dass auch die Insektenvielfalt und -anzahl in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen ist. Ende 2021 lagen erstmals zu allen sechs Bausteinen des Monitorings (Tagfalter und Widderchen, Heuschrecken, Laufkäfer, Nachtfalter, Biomasse Boden, Biomasse Luft) und zu allen 201 Flächen Daten vor. Im Herbst 2022 wurden die ersten Auswertungen des vollständigen Datensatzes für die Jahre 2018 bis 2021 vorgenommen. Weiterführende Informationen: Sie finden Informationen zu bisher erzielten Erkenntnisse in den folgenden Pressemitteilungen der letzten Jahre: Insektenmonitoring in Baden-Württemberg: Biotopschutz und ökologische Bewirtschaftung leisten wichtigen Beitrag zum Insektenschutz 13.01.2023 Insektenmonitoring in Baden-Württemberg Nachtfalter: Vergleich aktueller und historischer Daten bestätigen einen deutlichen Rückgang der Arten und des Bestands 22.10.2021 Insektenrepositorium – handfestes Archiv für die Entwicklung der Arten Weitere Ergebnisse des Insektenmonitorings der LUBW 26.11.2020 Schmetterlinge im Fokus Studie der LUBW Landesanstalt für Umwelt zeigt massives Insektensterben in Baden-Württemberg 13.09.2019 Staatssekretär Andre Baumann „Die ersten Daten des landesweiten Insekten-Monitorings sind alarmierend und bestätigen alle Befürchtungen.“ Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW. Telefon: +49(0)721/5600-1387 E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de
Praxistipps für mehr Artenvielfalt in Dorf und Stadt [Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] Aktiv für wilde Pflanzen Praxistipps für mehr Artenvielfalt in Dorf und Stadt Diese Broschüre wurde im Rahmen des Bildungsprojektes www.wildkräuterbotschafter.de erstellt, das der NABU im Auftrag der Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz durchführt. Vorwort Im Auftrag der Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz führte das NABU-Zentrum Rheinauen bis zum Jahr 2024 das Bildungsprojekt „Wildkräuterbotschafter“ in Rheinhessen durch. Im Verlauf mehrerer Workshops wurden den Teilnehmenden die wichtigsten heimischen Pflanzenfamilien und Wildkräuterarten vorgestellt und Informationen zu deren Ökologie sowie zur Anlage von Wildkräuterflächen vermittelt. Ziel des Projekts war es, engagierte Ehrenamtliche als Multiplikatoren zu befähigen, ihr Wissen an andere Interessierte weiterzugeben und diese von der Idee zu begeistern, wieder mehr Natur im eigenen Wohnumfeld zuzulassen und so Biodiversität zu fördern.Warum aber gerade Wildkräuter? Blühende Wildkräuter waren früher prägende Elemente des Landschafts- bildes. Doch mit der Intensivierung der Landwirtschaft, dem zunehmenden Düngemittel- und Herbizideinsatz und der Ausweitung von Siedlungen gehen viele ehemals typische Wildkräuterarten deutlich zurück. Mit ihnen verschwin- den auch die Tierarten, denen sie als Futterpflanzen dienen, wie z.B. viele Insektenarten, die wiederum die Nah- rungsgrundlage für Amphibien, Vögel, Säugetiere sind. Einleuchtend, dass Wildkräuter als Grundlage eines solch artenreichen „Lebenssystems“ schüt- zens- und erhaltenswert sind! Artenreiche Wiese auf dem RheindeichWildbiene an Wiesensalbei 2 Vorwort Einführung Insektensterben, Artenrückgang un- geahnten Ausmaßes, dramatischer Biodiversitätsverlust – medienwirksame Schlagworte, die oft als Panikmache abgetan werden. Aber mittlerweile be- legen zahlreiche Studien, was Wissen- schaftler*innen und Fachleute schon lange befürchten: Die globale Artenviel- falt ist enorm gefährdet, eine Million der geschätzten acht Millionen welt- weit auftretenden Tier- und Pflanzen- arten sind vom Aussterben bedroht, ein Artenrückgang von erschreckender Geschwindigkeit zeichnet sich ab. Als Hauptfaktoren werden vor allem die menschliche Nutzung von Landflächen und Meeren, die zunehmende Umwelt- verschmutzung, die Zunahme invasiver Arten sowie der Klimawandel ange- führt, die viele Tier- und Pflanzenarten – direkt oder indirekt durch Zerstörung ihres Lebensraums – an den Rand ihrer Existenz bringen. Auch wenn diese Nachrichten beunru- higen, sollte man sich vor Augen halten, dass jeder von uns etwas tun kann – und das schon im Kleinen und mit einfachsten Mitteln! Diese Broschüre vermittelt allen Interessierten und En- gagierten eine Anleitung zu konkreten Maßnahmen zur Förderung von Biodi- versität im eigenen Wohnumfeld. Intensive Landwirtschaft: Ernte auf dem Maisacker NABU/Klemens Karkov Einführung 3 In der Schaffung neuer Lebensräume als grüne Oasen, von denen nicht nur Wildtiere und -pflanzen, sondern auch der Mensch selbst profitiert, besteht ein riesiges Potential. Ob Balkonkasten, Blumenkübel oder Gartenbeet, ob Garagendach oder Hofeinfahrt – die Entwicklung solcher Biodiversitätsinseln ist an vielen Stand- orten im privaten Bereich möglich und auch kleinräumige Aktionen sind loh- nenswert, da sie gerade in der zersiedel- ten Landschaft als Trittsteine zwischen entfernt gelegenen natürlichen Lebens- räumen unverzichtbar sind. Auch im weiteren Wohnumfeld gibt es unzählige Möglichkeiten, Natur zu Wussten Sie, dass private Gärten in Deutschland mit ca. 930.000 Hektar 2,6% der Gesamt- fläche der BRD ausmachen? Wildkräuter und Trockenmauer NABU/E. Neuling Ruheoase in der Blumenwiese 4 NABU/Sebastian Hennigs Einführung fördern: Der städtische Pflanzkübel vor der Haustür eignet sich dazu ebenso wie der verbuschte Wegrand am Kinder- garten oder Altenheim, viele kommu- nale oder private Grünlandflächen im Siedlungsbereich oder die typischen „Unkrautvernichtungsmittelschneisen“ entlang von Sportplätzen, Vereinshei- men, Fabrikgebäuden, Straßen u.v.m. Da viele Personen bereits für das Thema Biodiversitätsförderung sensibilisiert sind, wird es sicherlich in vielen Fällen glücken, auf der Grundlage von über- zeugenden Argumenten ein gemein- sames Konzept für solche Flächen zu erarbeiten. Wildstaudenbeet an einer Terasse NABU Einführung 5
| Organisation | Count |
|---|---|
| Bund | 52 |
| Land | 55 |
| Weitere | 42 |
| Wissenschaft | 9 |
| Zivilgesellschaft | 5 |
| Type | Count |
|---|---|
| Ereignis | 1 |
| Förderprogramm | 27 |
| Gesetzestext | 1 |
| Lehrmaterial | 2 |
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| Text | 104 |
| unbekannt | 7 |
| License | Count |
|---|---|
| Geschlossen | 104 |
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| Language | Count |
|---|---|
| Deutsch | 144 |
| Englisch | 9 |
| Resource type | Count |
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|---|---|
| Boden | 76 |
| Lebewesen und Lebensräume | 146 |
| Luft | 54 |
| Mensch und Umwelt | 145 |
| Wasser | 61 |
| Weitere | 125 |