Subterrane Ökosysteme beherbergen eine breite Vielfalt spezialisierter und endemischer Organismen, die einen einzigartigen Bruchteil der globalen Vielfalt ausmachen. Darüber hinaus leisten sie entscheidende Beiträge der Natur für die Menschen – insbesondere die Bereitstellung von Trinkwasser für mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. Diese unsichtbaren Ökosysteme werden jedoch bei den Biodiversitäts- und Klimaschutzzielen für die Zeit nach 2020 übersehen. Nur 6,9 % der bekannten subterranen Ökosysteme überschneiden sich mit dem ´Netzwerk von Schutzgebieten. Zwei Haupthindernisse sind für diesen Mangel an Schutz verantwortlich. Erstens bleiben subterrane Biodiversitätsmuster weitgehend unkartiert. Zweitens fehlt uns ein mechanistisches Verständnis der Reaktion subterraner Arten auf vom Menschen verursachte Störungen. Das DarCo-Projekt zielt darauf ab, subterrane Biodiversität in ganz Europa zu kartieren und einen expliziten Plan zur Einbeziehung subterraner Ökosysteme in die Biodiversitätsstrategie der Europäischen Union (EU) für 2030 zu entwickeln. Zu diesem Zweck haben wir ein multidisziplinäres Team führender Wissenschaftler in subterraner Biologie und Makroökologie zusammengestellt und Naturschutz aus einem breiten Spektrum europäischer Länder. Das Projekt gliedert sich in drei Arbeitspakete, die der direkten Forschung gewidmet sind (WP2-4), plus ein viertes (WP5), das darauf abzielt, die Verbreitung der Ergebnisse und das Engagement der Interessengruppen für die praktische Umsetzung des Naturschutzes zu maximieren. Zunächst werden wir durch die Zusammenstellung bestehender Datenbanken und die Nutzung eines kapillaren Netzwerks internationaler Mitarbeiter Verbreitungsdaten, Merkmale und Phylogenien für alle wichtigen subterranen Tiergruppen sammeln, einschließlich Krebstiere, Mollusken, Insekten und Wirbeltiere (WP2). Diese Daten werden dazu dienen, die Reaktionen von Arten auf menschliche Bedrohungen mithilfe der hierarchischen Modellierung von Artengemeinschaften (WP3) vorherzusagen. Die Vorhersagen der Modelle zur Veränderung der biologischen Vielfalt werden die Grundlage für eine erste dynamische Kartierung des subterranen Lebens in Europa bilden. Durch die Verschneidung von Karten von Diversitätsmustern, Bedrohungen und Schutzgebieten werden wir einen Plan zum Schutz der subterranen Biodiversität entwerfen, der das aktuelle EU-Netzwerk von Schutzgebieten (Natura 2000) ergänzt und gleichzeitig klimabedingte Veränderungen in subterranen Ökoregionen berücksichtigt (WP4). Schließlich versuchen wir durch gezielte Aktivitäten in WP5, das gesellschaftliche Bewusstsein für subterrane Ökosysteme zu schärfen und Interessengruppen einzuladen, die subterrane Biodiversität in multilaterale Vereinbarungen einzubeziehen. In Übereinstimmung mit dem europäischen Plan S werden wir alle Daten offen und wiederverwendbar machen, indem wir eine zentralisierte und offene Datenbank zum subterranen Leben entwickeln – die Subterranean Biodiversity Platform.
Gewässerrenaturierungsprojekte zielten bisher hauptsächlich darauf ab, natürliche lokale Habitatbedingungen wiederherzustellen und dadurch die Biodiversität zu erhöhen. Dieser habitatbasierte Ansatz auf lokaler Ebene vernachlässigt den starken Einfluss von großräumigen Umweltfaktoren. Außerdem sind die gesellschaftlichen Bedürfnisse und der Nutzen von Renaturierungen bislang kaum untersucht und ihre Beziehung zum lokalen und regionalen Umweltkontext unklar. In letzter Zeit wurden Konzepte zu den relevanten räumlichen Skalen für die Gewässerrenaturierung entwickelt, diese wurden aber noch nicht an großen Datensätzen getestet. Das COSAR-Projekt untersucht den Einfluss des gegenwärtigen und historischen räumlichen Kontextes von Renaturierungsprojekten auf die ökologischen und gesellschaftlichen Renaturierungsergebnisse. Die Projektpartner kombinieren ihre vorhandenen ökologischen Monitoringdaten von 200 Restaurierungsprojekten aus Mittel- und Nordeuropa. Zusätzlich werden Social-Media-Posts von renaturierten Standorten analysiert, um Rückschlüsse auf Ökosystemleistungen und die Interaktion der Menschen mit renaturierten Standorten zu ziehen. Das Projekt besteht aus drei Arbeitsschritten. Erstens definieren und quantifizieren wir ökologische und gesellschaftliche Indikatoren für den Erfolg von Renaturierungen und untersuchen ihre Synergien und Zielkonflikte. Zweitens kontextualisieren wir die ökologischen und gesellschaftlichen Restaurierungsergebnisse mit biotischen und abiotischen Umwelt- und sozioökonomischen Daten auf verschiedenen räumlichen Skalen, um die relevanten Treiber und Skalen zu identifizieren, die den Renaturierungserfolg fördern oder verhindern. In diesen Analysen berücksichtigen wir auch historische Umweltbedingungen. Drittens entwickeln und verbreiten wir ein interaktives Online-Werkzeug, das während der Restaurierungsplanung genutzt werden kann, um das in den ersten beiden Stufen gewonnene Wissen auf eigene Restaurierungsszenarien anzuwenden. Zusätzlich stellen wir Faktenblätter zur Verfügung und zeigen Best-Practice-Beispiele für die Renaturierungsplanung auf. Wir wenden einen transdisziplinären Ansatz an und legen großen Wert auf die Einbindung von Stakeholdern in allen Projektphasen. Diese Stakeholder vertreten verschiedene Interessengruppen aus allen am Projekt beteiligten Nationalitäten. Sie helfen bei der Identifizierung der relevanten Erfolgsindikatoren, gestalten den Fokus der Kontextanalysen, geben Ratschläge, um die Relevanz und Benutzerfreundlichkeit der Projektergebnisse sicherzustellen und fungieren als Botschafter bei der Verbreitung der Projektergebnisse. Mit diesem Projektdesign stellen wir neues Wissen und Werkzeuge zur Verfügung, um den ökologischen und gesellschaftlichen Nutzen von Renaturierungsprojekten zu fördern, die Planung vielversprechender Renaturierungsprojekte zu erleichtern um die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie und die Sustainable Development Goals 3, 6, 14 &15 zu erreichen.
Das Kili-SES1 gewonnene Wissen über „Natures Contributions to People“ (NCP) und die Werte der Natur berücksichtigend erweitert SP3 in Kili-SES2 seinen Fokus, um fundiertes Wissen über das nachhaltige transformative Potenzial des sozial-ökologischen Systems (SES) am Kilimandscharo zu gewinnen. Auf Basis eines gemischten Methoden-Ansatzes haben wir in Kili-SES1 (1) Zusammenhänge zwischen der Nachfrage nach NCP und den Werten der Natur gemäß den Profilen von Interessengruppen identifiziert, (2) die sozialen, kulturellen und geografischen Faktoren ermittelt, die die Nachfrage nach NCP und die Werten innerhalb der Interessengruppen beeinflussen, und (3) festgestellt, dass die Dorfbewohnerenden eher eine dystopische Sichtweise bezüglich des Zustands der Natur haben. Um diesen entgegenzuwirken und stattdessen eine nachhaltigere und gerechtere Welt zu fördern, zielt Kili-SES-2 darauf ab, das transformative Potenzial des Kilimandscharo SES umfassender zu verstehen. Dazu greifen wir auf unsere Forschung in Kili-SES-1 und drei bestehende Rahmenwerke zur Nachhaltigkeitstransformation zurück: (1) Nachhaltigkeitsinitiativen, die wir als „Seeds of Good Anthropocenes“ verstehen, (2) Werte-Regeln-Wissen und (3) „Leverage Points“. Spezifischer zielt SP3 darauf ab (1) Cluster sozial-ökologischer Transformationen basierend auf den Entscheidungsprozessen der „Seeds“ zu identifizieren, basierend auf Werten, Regeln und Wissen (WP1), (2) diese Cluster basierend auf ihren Transformationsresultaten zu charakterisieren (WP2) und (3) das Förderungspotenzial von Transformationen innerhalb und außerhalb des Kilimandscharo SES mittels sozialer Netzwerke zu erforschen (WP3). In WP1 identifizieren wir „Seeds of Good Anthropocenes“ im Kilimandscharo SES und clustern sie basierend auf ihren Werten, Regeln und ihrem Wissen. In WP2 bewerten wir das Transformationspotenzial der „Seeds“, d.h., ihre Fähigkeit, problematische sozial-ökologische Dynamiken radikal zu verändern und positive Auswirkungen auf die soziale und ökologische Integrität und Gerechtigkeit zu erwirken. Für WP1 und WP2 führen wir semi-strukturierte Interviews mit den wichtigsten Informant*innen der „Seeds“ durch und analysieren diese mittels Inhaltsanalyse und multivariater Statistik. In WP3 führen wir eine soziale Netzwerkanalyse durch, um zu bewerten, ob sich die Position eines „Seeds“ in verschiedenen Netzwerken basierend auf unterschiedlichen Beziehungen, die Transformationen fördern, unterscheidet. SP3’ Forschung entwickelt das in Kili-SES gewonnene Wissen weiter, indem es das auf Kili-SES1 basierende und in Kili-SES2 erweiterte Rahmenwerk in die Praxis umsetzt und uns mit System- und Transformationswissen auseinandersetzt. SP3 wird das Research Unit bereichern, indem es das Wissen über die Konzeptualisierungen nachhaltiger Transformationen und transformativen Potenzials vorantreibt und methodische Werkzeuge bereitstellt, um Transformationen umfassend und systematisch zu identifizieren und zu charakterisieren.
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