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ERA-NET EUPHRESCO: Multiplex-Lockstoffe und Fallen zur Überwachung invasiver Forstschädlinge (MULTITRAP)

Das frühe Auffinden invasiver Forstschadinsekten ist für den Erfolg von Tilgungsmaßnahmen von hervorragender Bedeutung. Wird ein Befall nicht binnen kurzer Zeit nach der Einschleppung entdeckt, kann sich ein Schadinsekt etablieren. Das Insekt kann selbst massive Schäden an Gehölzen verursachen, wie dies etwa beim Asiatischen Laubholzbockkäfer (invasiv in einigen Ländern Europas und Nordamerika) oder dem Asiatischen Eschenprachtkäfer (invasiv in Nordamerika und dem Europäischen Russland) der Fall ist, oder als Vektor für gefährliche Krankheitserreger fungieren, wie z.B. Monochamus-Arten für den Kiefernholznematoden, Verursacher der Kiefernwelke (Iberische Halbinsel und Ostasien). Die meisten dieser Schadinsekten sind mit bestimmten Einschleppungswegen, wie Rundholz, Holzverpackungsmaterial, oder Pflanzenmaterial verbunden. Entsprechend lassen sich Hochrisikogebiete, wie rund um Handelshäfen, Importbetriebe (für Steine, Holz, etc.) oder Baumschulen identifizieren. Ziel des EUPHRESCO-Projektes ist, verbesserte Techniken zur Überwachung mittels Lockstofffallen in den Mitgliedsstaaten zur Verfügung zu stellen. Der Focus liegt dabei auf als sehr gefährlich eingestuften Arten holz- und rindenbrütender Käfer. Die Ergebnisse aus dem Projekt sollen Basis für effiziente Überwachungsprogramme einer möglichst großen Zahl von Arten sein, in denen Fallen mit spezifischen sowie mit generalistischen Lockstoffen eingesetzt werden. Die spezifischen Ziele sind: - Zusammenstellung der verfügbaren Fallensysteme sowie Lockstoffe, sowohl auf Basis pflanzenbürtiger Volatile als auch Pheromonen oder Kairomonen - Beurteilung der Effizienz und des möglichen Einsatzbereiches der unterschiedlichen Fallen und Lockstoffe - Testen von generalistischen Multiplex-Lockstoff Systemen im Vergleich zu spezifischen Systemen - Aufzeigen von Problemen des Falleneinsatzes in Hochrisikogebieten und Erarbeitung von Lösungsansätzen - Entwicklung von international abgestimmten Methoden zum effizienten Monitoring für mehrere Schädlingsarten. Dazu wird das Gesamtprojekt in drei Arbeitspakete aufgeteilt, zu denen jeweils alle Projektpartner Beiträge leisten.

ERA-NET EUPHRESCO: Risikobasierte Strategien zum vorausschauenden Management invasiver, rindenbrütender Prachtkäfer (PREPSYS)

Das EUPHRESCO-Projekt PREPSYS soll die wissenschaftliche Basis für die Erstellung von Leitlinien und Notfallplänen für Agrilus planipennis (EAB) und Agrilus anxius (BBB) liefern, sowie Politik und Stakeholdern wichtige Informationen in passend aufbereiteter Form zur Verfügung stellen. Darauf aufbauend sollen sich die Pflanzenschutzdienste bestmöglich auf die Risiken und Auswirkungen im Falle einer Einschleppung der Schadorganismen vorbereiten können. Das hier beantragte Projekt stellt den Beitrag des BFW zum EUPHRESCO-Projekt dar. Die spezifischen Ziele sind: - Zusammenstellung der potentiellen Risiken und Auswirkungen einer Einschleppung von EAB oder BBB - Identifikation möglicher Einschleppungswege und Gegenmaßnahmen - Verbesserung der frühen Detektion entlang der Einschleppungswege und im Falle eines Auftretens im Freiland, Vorbereitung entsprechender Methoden - Voraussagen zur natürlichen sowie der durch Menschen unterstützen Ausbreitung der beiden Schadorganismen - Zusammenfassung des Wissensstandes und Darstellung effizienter Management- und Bekämpfungsansätze - Kommunikation mit Stakeholdern (Pflanzenschutzdienste, Waldbewirtschafter, Handel, Politik und Öffentlichkeit). Die internationale Zusammenarbeit mit Partnern aus Europa und den USA im Rahmen des EUPHRESCO-Projektes ermöglicht Zugang zu breit gestreuten Informationsquellen. Managementansätze in verschiedenen Ländern können analysiert und auf die Anwendbarkeit in Europa geprüft werden. So wird eine Zusammenstellung erfolgversprechender Ansätze für das Management der Einschleppungswege, für frühe Detektion und für Notfallmaßnahmen möglich. Dazu wird das EUPHRESCO-Gesamtprojekt in sechs Arbeitspakete aufgeteilt, zu denen jeweils alle Projektpartner Beiträge leisten.

Was tun gegen invasive gebietsfremde Arten?

In unserer vernetzten Welt reisen oft Tiere und Pflanzen als blinde Passagiere mit. Dadurch können sie sich schneller denn je neue Lebensräume erschließen. Den Park am Gleisdreieck etwa prägen viele solche Exoten. Manche dieser Arten sind besser als heimische auf die Herausforderungen des Klimawandels eingestellt. Einige bislang nicht heimische Baumarten überstehen zum Beispiel lange Trockenheit recht gut. Dadurch können sie die Stadt auch künftig an heißen Tagen durch Schatten und Verdunstung kühlen. Ein kleiner Teil der neuen Arten gilt jedoch als invasiv: Ihre starke Ausbreitung gefährdet die biologische Vielfalt. Weil sie extrem schnell wachsen und sich vegetativ oder durch Schleuderfrüchte verbreiten, können etwa das Drüsige Springkraut und der Japanische Staudenknöterich rasch große Bestände bilden und sich sogar durch Gartenabfälle ausbreiten. Seit 2015 gibt es eine rechtsverbindliche EU-Verordnung zum Umgang mit invasiven Arten. Die Mitgliedsstaaten haben sich verpflichtet, bestimmte Arten nicht mehr zu handeln, zu transportieren und sie vor allem nicht freizusetzen, ihre Ausbreitung zu überwachen und wo möglich zu verhindern. Derzeit sind 66 Arten in der EU-Verordnung als invasiv aufgenommen; 17 davon haben sich in Berlin etabliert. Gegen diese Arten ergreift Berlin im Einzelfall Maßnahmen, um die Auswirkungen auf die Ökosysteme zu minimieren. Wird eine neue Art entdeckt, sind sofortige Maßnahmen Pflicht, um ihre Ausbreitung zu verhindern. Der Waschbär zum Beispiel ist so verbreitet, dass es mit vertretbaren Mitteln nicht mehr möglich sein wird, ihn zurückzudrängen. Umso mehr gilt es, auf die Umweltbedingungen einzuwirken. Bürgerinnen und Bürger können sich beraten lassen, was sie in Haus und Garten tun können, um Einbrüche von Waschbären zu verhindern. Das ist ein wichtiger Beitrag, die Waschbärpopulation in Berlin zu verringern, denn die Stadt bietet den Tieren reiche Nahrung und viele Unterschlupfe. Eine ganze Reihe invasiver Arten lebt unter Wasser. Ihre Verbreitung hat die Senatsverwaltung 2020 untersuchen lassen. Ein Problem sind Krebsarten, die als Allesfresser das natürliche Artenspektrum in Gewässern stören und den Laich der ohnehin seltener werdenden Amphibien fressen. Damit sie sich nicht (oder doch deutlich langsamer) ausbreiten, werden die Krebse in Reusen gefangen. Im Groß Glienicker See gingen bei Probefischungen Kamber- und Marmorkrebse ins Netz. Im Tiergarten und im Britzer Garten werden Rote Amerikanische Sumpfkrebse regelmäßig mit Reusen abgesammelt. Dabei kommen solche Mengen zusammen, dass die Art in der Nahrungskette der Berlinerinnen und Berliner gelandet ist: In einigen Restaurants steht sie als „Berliner Hummer“ auf der Speisekarte. Schützen Sie die biologische Vielfalt, indem Sie keine Tiere aussetzen und Gartenabfall nicht in der freien Landschaft entsorgen! Invasive gebietsfremde Tiere und Pflanzen gelangen oft unbedacht in die Natur und breiten sich dann aus. Sie lassen sich nur durch gezielte Pflegemaßnahmen wie konsequente Mahd, Entnahme bis hin zur Rodung verdrängen. Haus und Garten vor dem Waschbären zu sichern, ist ebenfalls wichtig. Deshalb sollten Sie Abfalltonnen unzugänglich aufbewahren, Gebäude und Dach kontrollieren und Schlupflöcher verschließen. Elektrozäune auf dem Dach helfen, Waschbären zu vergrämen! Mehr Infos zum Schutz vor Waschbären Artenschutz – Invasive Arten BfN über Neobiota und invasive Arten Unionsliste invasiver Arten

Stechmücken und Stechmücken-übertragene Zoonosen in Deutschland (CuliFo), Teilprojekt 4

Das Projekt soll Daten zur Bewertung des zukünftigen Risikos des Auftretens von Stechmücken-assoziierten Krankheiten in Deutschland produzieren. Neben Vektorkompetenzversuchen mit verschiedenen Mückenarten und Pathogenen werden Blutproben von Tieren und Menschen auf die gegenwärtige Zirkulation von Pathogenen getestet. Eine DNA-Referenzbank aller in Deutschland vorkommenden Stechmückenarten wird aufgebaut, und populationsgenetische und Freiland-ökologische Untersuchungen an relevanten Stechmückenarten werden durchgeführt insbesondere neue invasive Spezies wie Aedes albopictus und Ochlerotatus japonicus. Karten der aktuellen Verbreitung der Stechmückenarten werden erstellt und zukünftige Ver- und Ausbreitungsszenarien modelliert. Die Vektorkompetenzstudien werden primär im Sommer durchgeführt, die Untersuchung der infizierten Mücken auf Viren (qRT-PCR, Virustitration) im Winter. In-vitro- (Infektion über Membran, Wattebausch, Injektion) werden In-vivo-Tests mit Versuchstieren, die immunologisch und patholo-gisch untersucht werden, vorangestellt. Blutproben von Nutz- und Wildtieren sowie von Menschen (Blutspendedienste) werden fortlaufend molekulardiagnostisch und serologisch (Multiplex-PCRs, qRT-PCRs, NGS, ELISA, IFA, VNT) auf Stechmücken-assoziierte Pathogene untersucht. Im Rahmen des Aufbaus einer DNA-Referenzbank für Stechmücken werden interspezifisch polymorphe DNA-Regionen (CO1, ITS1, ITS2, ND4, ND5, evtl. weitere) charakterisiert (PCR, Sequenzierung). Zur genetischen Verwandtschaftsanalyse werden Mikrosatelliten und ND4-Gensequenzen zwischen Sammelstandorten von Oc. japonicus verglichen. Bereits vorliegendes Untersuchungsmaterial wird ständig ergänzt. Während der Sommermonate werden Larven invasiver (Ae. albopictus, Oc. japonicus) und nativer konkurrierender Stechmückenarten zur Aufzucht zusammengegeben. Die Anzahl schlüpfender adulter Tiere wird ausgewertet. Auf der Basis von Stechmückensammlungen werden GIS-basierte Verbreitungskarten erstellt.

Stechmücken-Monitoring in Deutschland (CuliMo), Teilprojekt 4

Das Projekt dient der Erfassung des geografischen und saisonalen Auftretens von Stechmücken-Arten und der von ihnen übertragenen tier- und humanpathogenen Krankheitserreger in Deutschland. Zur Bestimmung der Verbreitung der Stechmücken werden in ganz Deutschland spezielle Lockstoff-Fallen nach einem vorgegebenen räumlichen und zeitlichen Muster betrieben. In Ergänzung dazu sollen Stechmücken passiv über das Citizen Science-Projekt ‚Mückenatlas' gesammelt werden. Die Identifizierung der Stechmücken erfolgt morphologisch oder, wenn nötig, genetisch. Zwecks Screening auf Krankheitserreger werden Stechmücken in Flussauenlandschaften und anderen ausgedehnten Feuchtgebieten unter Einsatz von Fallen, Aspiratoren und Insektennetzen gezielt ‚auf Masse' gefangen. Die Untersuchung der Mücken auf Pathogene wird mit Hilfe von etablierten PCR-Tests durchgeführt. Weiterhin soll der Eintrag invasiver Stechmücken-Arten aus südeuropäischen Ländern durch Beprobung von Raststätten süddeutscher Autobahnen mit Fallen überwacht werden. Schließlich sollen die Ausbreitungstendenzen dreier kürzlich in Süd-, West- und Norddeutschland nachgewiesener Populationen der Asiatischen Buschmücke durch räumlich-zentrifugale Beprobung von potenziellen Brutgewässern in den betroffenen Regionen untersucht werden. Alle erhobenen Daten werden in die deutsche Stechmücken-Datenbank CULBASE eingegeben, um Risikobewertungen zu ermöglichen.

WTZ Russland - BENEFICIAL; Biogeographie der NW Pazifischen Fauna; Vorhaben: Eine Grundlagenstudie für die Einschätzung von Arteneinwanderungen in den Arktischen Ozean in Zeiten rapiden Klimawandels

Das Ziel unseres Projektes ist es eine solide biogeographische Basisstudie des NW-pazifischen Raumes zu liefern. Auf dieser Grundlage möchten wir ein Buch über die Biogeographie ausgewählter, häufiger Schlüsselarten der NW Pazifiks zusammenstellen, die möglicherweise in den Arktischen Ozean in Zukunft einwandern könnten (sowohl aus dem Hadal als auch abyssalen oder flacheren Tiefseegebieten des NW Pazifiks), wenn sich im Globalen Wandel die Meereisbedeckung drastisch verringert. Wir planen auch diese Daten in internationale Datenbanken einzupflegen, wie OBIS (Ocean Biogeographic Information System). Wir hoffen, dass wir eine Grundlage liefern können, um potenzielle Arten-Invasionen in Bereich des arktischen Ozeans Vorhersagen zu können. Unsere Daten werden eine Grundlage für die Beurteilung des Zustandes und die Qualität des arktischen marinen Ökosystems in einer sich verändernden Umwelt liefern. Der Fokus wird in Deutschland auf biogeographischen Arbeiten und in der Zusammenstellung des biogeographischen Buches liegen. Der Wissenschaftler wird den russischen Mitarbeitern vermitteln, welche Daten er/sie von russischer Seite für die Erstellung der biogeographischen Karten benötigt. Sie/er wird Daten aus internationalen Datenbanken wie ARMS (Arktis Register of Marine Species), oder OBIS sammeln und diese zusammen mit den neuen Daten aus unseren Projekten und der russischen Literatur in dem biogeographischen Atlas zusammenführen. Zur gleichen Zeit werden neue Daten von allen Wissenschaftlern in Russland und Deutschland aufgearbeitet und ebenfalls in diese internationalen Datenbanken eingefügt werden. Ein internationaler Workshop wird mit 30 Wissenschaftlern in Deutschland durchgeführt, bei dem auch wichtige Wissenschaftler der internationalen Datenbanken, wie Mark Costello und Ward Appeltrans eingeladen werden.

PHIDColeo: Morphologisch-molekulare Identifikation von Käferarten an Verpackungsholz im Bereich der Pflanzengesundheit, Teilprojekt 2

In diesem Projekt werden neue Diagnoseverfahren für potentiell invasive Käferarten entwickelt, die im Rahmen der Kontrollen der Pflanzengesundheit auftreten können. Die Methoden umfassen klassische morphologische Bestimmungsschlüssel für eine mikroskopische Analyse von Käfern und ihren Larven, sowie molekulare Methoden (PCR). Ergänzt werden die Verfahren um Methoden zur molekularen Analyse von Populationen von Arten. Mit diesen Verfahren ist es möglich, Käferfunde von verschiedenen Befallsorten verwandtschaftlich miteinander zu vergleichen und wahrscheinliche Einschleppungswege von invasiven Arten nachzuvollziehen, z.B. des Asiatischen Laubholzbockkäfers (Anoplophora glabripennis). Mit diesem Forschungsprojekt sollen Gefahren für die Pflanzengesundheit in Deutschland abgewehrt werden.

KMU-innovativ-19: Nema-SMART - Entwicklung einer genetisch optimierten Nematodenlinie zur biologischen Bekämpfung des invasiven Maisschädlings Westlicher Maiswurzelbohrer

Ziel von Nema-SMART ist die Ausweitung des Geschäftsbereichs der e-nema GmbH durch Entwicklung eines konkurrenzfähigen Nematoden-basierten Pflanzenschutzmittels (Heterorhabdits bacteriophora) zur Bekämpfung des Maiswurzelbohrers (MWB). Dieser Nematode wird bereits von e-nema mit dem spezifischen obligaten bakteriellen Symbiont (Photorhabdus luminescens) als Nahrungsquelle produziert. Allerdings ist die Anwendung von Nematoden bei Maisanbau noch erheblich teurer als weniger wirksame chemische Insektizide. Gegenwärtig werden 2 Mrd./ha ausgebracht. Diese Aufwandmenge soll halbiert werden, um mit konventionellen Methoden konkurrieren zu können. Dazu ist es notwendig, die Persistenz, Lagerfähigkeit und Virulenz der Nematoden genetisch zu optimieren. Nema-SMART steht 'Selection with Markers and Advanced Reproductive Technologies' zur genetischen Optimierung des Nematoden H. bacteriophora. Moderne Züchtungsmethoden unter Verwendung von molekulargenetischen Markern und effizienten Genotypisierungs-systemen werden genutzt, um den Phänotyp von Züchtungsprodukten (Kreuzungen) vorhersagen zu können. Gleichzeitig wird die Virulenz der bakteriellen Symbionten auf Grundlage ihrer chemischen Naturstoffe charakterisiert und Neukombinationen von Bakterien und Nematoden auf optimierte Eigenschaften getestet. Das Projekt ist in sechs Forschungs-Arbeitspakete strukturiert: 1) Selektion und Naturstoffprofilierung von hoch virulenten Bakterienisolaten, 2) Phänotypische Charakterisierung von Nematoden Wildtypen und Inzuchtlinien, 3) Genotypisierung und Assoziationsanalyse mit den Phänotypen 4) Marker-gestützte Kreuzungen, 5) Überprüfung der Eigenschaften und Trade-off Analyse, 6) Anmeldung von Schutzrechten.

PHIDColeo: Morphologisch-molekulare Identifikation von Käferarten an Verpackungsholz im Bereich der Pflanzengesundheit, Teilprojekt 1

In diesem Projekt werden neue Diagnoseverfahren für potentiell invasive Käferarten entwickelt, die im Rahmen der Kontrollen der Pflanzengesundheit auftreten können. Die Methoden umfassen dabei klassische morphologische Bestimmungsschlüssel für eine mikroskopische Analyse von Käfern und ihren Larven, sowie molekularer Diagnosehilfen (PCR). Ergänzt werden diese Verfahren um Methoden zur molekularen Analyse von Populationen bereits eingeschleppter Arten. Hierfür wird der Asiatischen Laubholzbockkäfers (Anoplophora glabripennis) als Beispielorganismus herangezogen. Mit den neuen Verfahren kann ein tieferes Verständnis über die Ausbreitungs- und Verschleppungswege invasiver Käferarten gewonnen werden. Dadurch können in der Pflanzenschutzpraxis Befallsereignisse invasiver Käferarten genauer interpretiert und nachvollzogen werden. Ziel des Projekts ist es die Bestimmung potentiell schädlicher Organismen bei Importkontrollen zu beschleunigen und das Wissen um die Ausbreitungsdynamik invasiver Arten zu erweitern.

Kapitel 24 Weberknechte Rote Listen Sachsen-Anhalt 2020

Rote Listen Sachsen-Anhalt Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt Halle, Heft 1/2020: 437–450 24 Bearbeitet von Christian Komposch (3. Fassung, Stand: September 2019) Einleitung Weberknechte oder Kanker sind eine hinsichtlich ihrer Morphologie, Biologie und Ökologie ausgesprochen vielfältige Spinnentierordnung. Sie besitzen in der Be- völkerung eine hohe Popularität, wenngleich nur die langbeinigen Gesellen an den Hausmauern allgemein bekannt sind und auch diese regelmäßig mit Zitter- spinnen verwechselt werden. Seit dem Erscheinen des Weberknechtbandes in der Tierwelt Deutschlands nach der grundlegenden Revision der mitteleuropäi- schen Arten durch Martens (1978) sind die heimischen Vertreter dieser Tiergruppe auch sehr gut bestimm- bar. Umso mehr verwundert es, dass sich im deutsch- sprachigen Raum nur wenige Arachnologen mit diesen Spinnentieren wissenschaftlich beschäftigen. Weberknechte besiedeln alle terrestrischen Land- lebensräume von Hochstaudenfluren bis Höhlen und von Trockenrasen bis hin zu schattigen Felsschluch- ten. Die höchsten Arten- und Individuenzahlen er- reichen sie in bodenfeuchten Wald-, Gebüsch- und Felsbiotopen. Sie leben im Allgemeinen räuberisch, verschmähen aber auch reifes Obst und frisches Aas nicht. Alle Brettkanker und der Schneckenkanker sind in ihrer Ernährungsweise auf Gehäuseschnecken spezialisiert, das Schwarzauge schlägt mit seinen langen Laufbeinen fliegende Insekten aus der Luft herunter. Ihre vielfach enge ökologische Einnischung und Bindung an Strukturen wie Totholz, Fels- und Blockelemente machen Weberknechte zu guten Bio- indikatoren und sensiblen Zeigerorganismen bei öko- logischen Planungen und im Fachlichen Naturschutz (Komposch 1999, 2009a; Holzinger 2010). So indiziert beispielsweise das Auftreten von kurzbeinigen, wenig mobilen Bodenbewohnern wie Moos-, Brett- und Scherenkankern im Allgemeinen ein hohes Alter des untersuchten Standortes, während die ausbreitungs- stärkeren Schneider und Kammkrallen-Weberknechte zu den ersten Besiedlern neu entstandener oder neu geschaffener terrestrischer Lebensräume zählen und damit für die Dokumentation von Sukzessionsvorgän- gen prädestiniert sind. Aus Sachsen-Anhalt sind aktuell 34 Weberknecht- arten bekannt: 32 Spezies wurden in der Checkliste zur Bestandsentwicklung von Komposch (2016) pub- liziert, Barndt (2018) veröffentlichte ein Vorkommen des Streckfußes (Dicranopalpus ramosus) und aktuell gelang ein weiterer Erstnachweis für Sachsen-An- halt, nämlich vom invasiven Namenlosen Rücken- kanker (Leiobunum sp. A). Bundesweit liegen derzeit für 52 Arten Nachweise vor (Muster et al. 2016). Eine Weberknechte (Arachnida: Opiliones) Übersicht für die Weberknechtdiversität Mittel- und Nordeuropas geben Blick & Komposch (2004). Keine der Weberknechtarten Deutschlands ist direkt gesetzlich geschützt. Allerdings besteht ein indirekter Schutz über die Berücksichtigung von Charakterarten von FFH-Lebensraumtypen (Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt 2002); dieser gesamtheitliche und da- mit ökologische Zugang der Betrachtung von Lebens- raumtypen mitsamt ihrer Tier- und Pflanzenwelt wur- de in Sachsen-Anhalt auch für die Weberknechtfauna vorbildlich umgesetzt (Komposch 2002). Datengrundlagen Der faunistische Erfassungsstand der Weberknecht- fauna Sachsen-Anhalts kann als gut bezeichnet wer- den. Für die Bearbeitung der gegenständlichen Roten Liste standen dem Verfasser durch Literaturdaten und eigene Projektarbeiten in seiner Datenbank mehr als 4.200 digitalisierte Datensätze zur Weberknecht- fauna des Landes zur Verfügung, die auf insgesamt mehr als 40.000 gesammelten, determinierten und digitalisierten Individuen basieren. Weitere 25 Daten- sätze (230 Individuen) von seltenen Arten stellte Karl-Hinrich Kielhorn zur Verfügung. Darüber hinaus konnte auf die Verbreitungskarten der Arachnolo- gischen Gesellschaft (https://arages.de), den Atlas der Spinnentiere Europas, zugegriffen werden. Hier standen 474 Datensätze (Nachweise) zur Verfügung, die sich auf 130 Rasterfelder und mindestens 1.498 Individuen verteilen (M. Hohner in litt., Okt. 2019). Die Datensätze der AraGes-Datenbank sind auf nahezu alle Landschaftsteile verteilt: Cluster liegen in allen 4 Himmelsrichtungen des Landes, aus der zentralen Region rund um Bernburg liegen keine Daten vor. Für jede der 34 Weberknechtarten Sachsen-An- halts liegen durchschnittlich 138 Datensätze (DS) und 1.230 Individuen vor. Die im Zuge der genannten Kartierungen am häufigsten nachgewiesenen Arten sind Oligolophus tridens (12.101 Individuen, 514 DS), Phalangium opilio (8.167 Individuen, 865 Datensät- ze), Lophopilio palpinalis (3.181 Ind., 309 DS), Rilae- na triangularis (2.900 Ind., 427 DS) und Nemastoma lugubre (2.697 Ind., 363 DS). Einen bibliographischen Überblick über weber- knechtkundliche Arbeiten in Sachsen-Anhalt geben Komposch et al. (2004). Insbesondere die rege Forscher- tätigkeit von Peter Bliss stellt die Basis zur Kenntnis der Verbreitung der Weberknechte in Sachsen-Anhalt dar. Aus landeskundlicher Sicht hervorzuheben sind dabei seine zusammenfassenden Werke, nämlich das Verzeichnis der Weberknechte für das Gebiet der DDR (Bliss & Hiebsch 1984) sowie die Rote Liste der Weber- knechte des Landes Sachsen-Anhalt (Bliss 1993a). 437 Weberknechte Das Landesamt für Umweltschutz veranlasste in den letzten drei Dekaden breit angelegte Kartierungspro- gramme in allen Landesteilen (Kellerberge, Bindfel- de, Pleistozäninseln Wulkau, Scharlibbe und Klietz, Colbitz-Letzlinger Heide, Mittel- und Unterharz, Nordharzvorland, Südharz, Salziger See, Saale-Un- strut-Trias-Land, Elbtal und Muldeaue, Huy) und den wichtigsten Biotoptypen (Trockenrasen, Sand- und Halbtrockenrasen, Kalk-Pionierrasen, Steppenrasen, Schwermetallrasen, Binnendünen, Gipsfelsheiden, Mähwiesen, Ackerland, Brachen, Zwergstrauchhei- den, Streuobstwiesen, Schilfröhricht, Moore, Au- landschaften, Gebüschbiotope, Vorwald, Mischwald, Eichen-Hainbuchenwälder, Buchenwälder; Komposch 2001, 2002, 2003, 2008, 2019 und weitere unpubl.). Die Determination der einzelnen Taxa erfolgte weitestgehend nach dem Standardwerk von Martens (1978) in der Tierwelt Deutschlands, für die Unter- scheidung des Trogulus-nepaeformis-Komplexes wurde die Arbeit von Chemini (1984) herangezogen. Die No- menklatur richtet sich nach Blick & Komposch (2004). Der Verfasser folgt den Vorgaben zu den Ge- fährdungskategorien der Fachredaktion. Allerdings wird auf die Vergabe der Kategorie „R“ verzichtet; der Grund hierfür liegt in der mehrfach beobachte- ten Fehlinterpretation dieser Kategorie seitens der Bearbeiter und auch im Übersehen dieser abseits der ordinalen Skala liegenden Kategorie durch den amtlichen Naturschutz. Nach den modernen IUCN- Kriterien steht diese Kategorie auch nicht mehr zur Verfügung. Aus fachlicher Sicht ist nach Meinung des Verfassers diese Kategorie hinfällig, da extrem seltene und isolierte Populationen in jedem Fall einem hohen bzw. erhöhten Aussterberisiko unterliegen. Selbst aktuell scheinbar unbeeinträchtigte Landschaftsteile und Biotope wie Höhlen und Berggipfel sind stär- ker von energiewirtschaftlichen und touristischen Eingriffen sowie von Luftschadstoffen, Nitraten und Pestiziden betroffen, als selbst in Ökologenkreisen vielfach angenommen wird. Auch der Rückgang der Insektenbiomasse wird durch den Verfasser als ak- tuell und zukünftig vielfach limitierender Faktor für Extremlebensräume (Höhlen, Blockhalden, Berggipfel aber auch für den Siedlungsraum, etc.) ausgewiesen. Die Auswirkungen des Klimawandels vor allem für kalt-stenotherme und hygrophile Arten müssen an- gesichts der Allgegenwärtigkeit dieses Themas hier nicht näher ausgeführt werden. Den Gefährdungsgrad von Neozoen auszuweisen wird bei Redaktionen von Roten Listen unterschied- lich gesehen. Aus naturschutzfachlicher Sicht ist die Zuweisung einer Gefährdungskategorie für alien species nach Meinung des Verfassers kontraproduktiv und führt zu Fehlinterpretationen der Schutzbedürf- tigkeit. Folglich werden Neozoen in der gegenständli- chen Liste entsprechend der IUCN-Kategorie als „Not Evaluated“ ausgewiesen. 438 Bemerkungen zu ausgewählten Arten Im Folgenden werden alle 34 bislang in Sachsen-An- halt nachgewiesenen Arten kommentiert. Damit wird zum einen die aktuelle Checkliste der Weber- knechte des Landes vorgelegt, zum anderen werden die Gefährdungsszenarien für jene Taxa aufgezeigt, die gegenwärtig noch in keiner Gefährdungskategorie zu finden sind. Auch die von den invasiven Neozoen ausgehenden negativen Wirkungen werden kurz skiz- ziert. Die Reihung der Arten erfolgt für die Familien systematisch, innerhalb der Familien alphabetisch nach dem wissenschaftlichen Namen. Mooskanker – Nemastomatidae Mitteleuropäischer Fadenkanker – Mitostoma chrysomelas (Hermann, 1804) Der frühere deutsche Name Fadenkanker für die Familie Nemastomatidae trifft aufgrund der faden- artig dünnen und langen Beine gut auf die Arten der Gattung Mitostoma, nicht aber auf die übrigen Ne- mastomatiden zu. Folglich wurde der deutsche Name „Mooskanker“ für diese Familie gewählt (Komposch & Gruber 2004, gemeinsam mit J. Martens). Der Mittel- europäische Fadenkanker ist vor allem im Bergland zu finden; die wenigen Funde aus Sachsen-Anhalt liegen im Harz und den Mittelgebirgsvorländern sowie im Süden und Osten des Landes (Komposch 2016, Arachno- logische Gesellschaft 2019). Einzahnmooskanker – Nemastoma dentigerum Canestrini, 1873 Martens (1978: 114) stuft diese Art noch als adriato- mediterran ein; in den 1970er Jahren waren „nörd- lich der Alpen nur (reliktäre) Arealsplitter“ aus dem Rhein-Main-Gebiet, der Umgebung von Stuttgart und Bonn bekannt. Der Einzahnmooskanker breitet sich in Europa aus (Baumann et al. 1992, Wijnhoven 2009, Muster & Meyer 2014, Vanhercke & Baert 2015). Inzwi- schen ist von einem fast flächendeckenden Auftreten in Deutschland auszugehen; in Berlin ist diese Spezies in diversen Vorwäldern (Robinie, Birke), Laubwäldern und Parks zu finden (K.-H. Kielhorn in litt.). Die Fun- dortdichte nimmt allerdings vom Rhein-Main-Gebiet nach Nordosten hin ab (Arachnologische Gesellschaft 2019). Die Frage nach der Autochthonie dieser Art in Mitteleuropa ist für den Verfasser noch nicht rest- los geklärt; Flüsse dürften als Ausbreitungskorridore eine zentrale Rolle spielen (vergl. auch Komposch et al. 2004). Die vergleichsweise (noch) wenigen vorlie- genden Nachweise aus Sachsen-Anhalt würden eine Einstufung in die Gefährdungskategorie „3“ oder die Kategorie „V“ zur Folge haben; das expansive Ver- halten dieser Spezies lässt allerdings von einem sich vergrößernden Areal und zunehmenden Populations- größen ausgehen. Weberknechte 1 3 2 4 5 Abb. 1: Der Schwarze Mooskanker (Nemastoma triste) ist der einzige Weberknecht des Landes Sachsen-Anhalt in der Gefährdungskategorie 0 – „Ausgestorben oder verschollen“. Abb. 2: Vom Mittleren Brettkanker (Trogulus nepaeformis s. str.) liegen bislang nur etwa zwei Dutzend sicher bestimmte Individuen vor. Gefährdungskategorie 2 – „Stark gefährdet“. Abb. 3: Der Schneckenkanker (Ischyropsalis h. hellwigii) ist eine anspruchsvolle, strukturgebundene Waldart, die aufgrund ihrer disjunkten Verbreitung und geringen Individuendichten ohne Boden- fallen sehr schwer nachzuweisen ist. Gefährdungskategorie: 1 – „Vom Aussterben bedroht“. Abb. 4: Der Wandkanker (Opilio parietinus) war noch vor einigen Jahrzehnten eine weit verbreitete und allgegenwärtige Weberknechtart unserer Hausmauern. Mit der Ausbreitung des invasiven Neozoon Apenninenkanker verschwanden die meisten Populationen des Wandkankers. Gefährdungskategorie: 1 – „Vom Aus- sterben bedroht“. Abb. 5: Der Streckfuß (Dicranopalpus ramosus) ist ein in Deutschland inzwischen weit verbreitetes, invasives Neozoon; in Sachsen-Anhalt gelang erst kürzlich der Erstnachweis (Alle Fotos: Christian Komposch/ÖKOTEAM). 439

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