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Dargestellt werden die Kitas (Kindertagesstätten) inklusive der im Kita-Gutscheinsystem angebotenen Leistungsarten sowie die Anzahl der betreuten Kinder zum jährlichen Stichtag 01. März und der Angabe der pädagogischen Fläche in Quadratmetern (m²).
<p> Diese Maßnahmen helfen gegen Nacktschneckenplagen <ul> <li>Beugen Sie Schneckenplagen mit pflanzenbaulichen Maßnahmen vor.</li> <li>Schaffen Sie Lebensräume für die Fressfeinde der Schnecken.</li> <li>Nutzen Sie Barrieren wie Schneckenzäune, Schneckenkragen oder Schafwolle.</li> <li>Wählen Sie bestimmte, bei Schnecken unbeliebte Pflanzenarten.</li> <li>Locken Sie Schnecken in Fallen, wo Sie die Tiere gezielt absammeln können.</li> <li>Ein Verzicht auf Schneckenkorn ist gut für die Umwelt und Ihre Gartenmitbewohner.</li> </ul> Gewusst wie <p>Mit erstaunlichem Appetit fressen sich manche Schneckenarten durch den Garten und hinterlassen dabei Fraßschäden an Blättern, Blüten und Früchten sowie silbrig glänzende Schleimspuren. Insbesondere nach jungen Gemüsepflanzen, Salaten, Erdbeeren und einigen Zierpflanzen haben sie ein großes Verlangen. Es gibt, geschätzt, 250 bis 300 heimische Schneckenarten, doch nur die Wenigsten von ihnen richten nennenswerten Schaden an. Zu den Schadschnecken gehören die Spanische Wegschnecke sowie die Garten-Wegschnecke und die Genetzte Ackerschnecke. Gehäuseschnecken, wie auch die meisten anderen Schneckenarten, sind dagegen nicht schädlich. Sie leben vorwiegend von totem Pflanzenmaterial und erfüllen wichtige Funktionen im natürlichen Kreislauf. Einige (Nackt-) Schneckenarten sind auch deshalb nützlich, weil sie die Eier problematischer Schneckenarten fressen. Die ebenfalls nützliche Weinbergschnecke ist zudem geschützt nach der <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/bartschv_2005/BJNR025810005.html">Bundesartenschutzverordnung</a> und der <a href="https://www.bfn.de/abkommen-richtlinie/fauna-flora-habitat-richtlinie-ffh-richtlinie-richtlinie-9243ewg-des-rates-vom">FFH-Richtlinie</a>.</p> <strong>Galerie: Schnecken im Garten</strong> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2113/bilder/800px-arion_distinctus_1.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2113/bilder/deroceras_reticulatum.png"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/rote_wegschnecke_gabriela_fink_auf_pixabay.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/hellbraune_wegschnecke.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/gelbstreifige_wegschnecke.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/wurmschnegel.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/tigerschnegel_helga_auf_pixabay.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/weinbergschnecke_th_g_auf_pixabay.jpg"> </a> Weiter <i> </i> Vorherige <i> </i> caption Wo kommen all die Schnecken her? <p>Schneckenplagen haben in den letzten Jahren nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit zugenommen. Die Ursachen dafür sind vielfältig, wirken in der Summe, und sind zum großen Teil menschengemacht. Diese Ursachen sollten Sie kennen:</p> <ul> <li><u><a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimawandel">Klimawandel</a>:</u> Die Vermehrung von Schnecken ist stark von der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/witterung">Witterung</a> abhängig. Ein mildes, feuchtes Frühjahr und ein regenreicher Sommer fördern insbesondere die <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/nacktschnecken">Nacktschnecken</a>. Auch ein milder Winter mit nur wenigen Frosttagen erhöht die Überlebensrate der Nacktschnecken und ihrer Eier. Durch den Klimawandel nehmen in Deutschland <a href="https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/trends-der-niederschlagshoehe#teilweise-sehr-regenreiche-jahre-seit-1965">durchschnittliche Niederschlagsmengen</a> und <a href="https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/trends-der-lufttemperatur#mildere-herbste-und-winter-in-deutschland">milde Winter</a> zu, was die Nacktschnecken weiter begünstigen wird.</li> <li><u>Verlust von <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/biodiversitaet">Biodiversität</a>:</u> Viele Fressfeinde der Nacktschnecken sind in Gärten nur noch selten anzutreffen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Durch die unnatürliche Gestaltung und Bewirtschaftung vieler Gärten finden heimische Tiere, und damit auch Fressfeinde der Nacktschnecken, kaum noch Nahrung und Lebensraum. Ein weiterer Grund ist der Einsatz von Pestiziden. Beispielsweise tötet Schneckenkorn nicht nur die Schadschnecken, sondern auch nützliche Schnecken, welche Schadschnecken und deren Eier vertilgen.</li> <li><u>Pflanzenzüchtung:</u> Wildpflanzen schützen sich mit allerlei Abwehrstoffen vor Fressfeinden. Sie verderben mit Bitterstoffen, Gerbstoffen, ätherischen Ölen und Toxinen den Schnecken den Appetit. Mit der Kultivierung durch den Menschen wurden solche Stoffe jedoch zunehmend aus dem Gemüse herausgezüchtet, um es genießbar und schmackhaft zu machen. Die fehlenden Abwehrstoffe machen die Pflanzen nun anfällig für Schädlingsbefall, und auch die Schnecken sind auf den guten Geschmack gekommen.</li> <li><u>Enge Fruchtfolgen</u>: Eintönige Fruchtfolgen mit schneckenanfälligen Kulturen fördern das Schnecken-Vorkommen, indem sie durchgehend ein sicheres Nahrungsangebot zur Verfügung stellen.</li> <li><u>Hohe Stickstoffgaben:</u> Schnecken mögen Pflanzen, welche durch ein hohes Angebot an leicht löslichen Stickstoffdüngern schnell gewachsen sind. Viel Stickstoff erhöht zwar den Ertrag, schwächt aber die Pflanzengesundheit insgesamt und fördert auch Schnecken.</li> <li><u>Lichtverschmutzung</u>: Nächtliche Beleuchtungen im Garten sind für viele Insektenarten tödliche Fallen, z.B. für Leuchtkäfer ("Glühwürmchen"). Diese vertilgen während ihrer dreijährigen Larvenzeit ausschließlich Schnecken, insbesondere Nacktschnecken. Doch wegen der vielen künstlichen Lichter können sie sich nicht mehr erfolgreich vermehren, weil sie die Lampen nicht von ihren Geschlechtspartnern unterscheiden können. In ihrer kurzen Paarungszeit vergeuden sie somit alle Energie, indem sie orientierungslos von Lampe zu Lampe fliegen.</li> <li><u>Gebietsfremde Schneckenarten:</u> Weltweit, aber auch in Deutschland, breiten sich nicht-heimische Schneckenarten aus. Befördert wird das durch den globalen Warenverkehr und den Klimawandel. Einige gebietsfremde Arten gelten als invasive Arten. Das heißt, sie können sich, mangels natürlicher Feinde, stark vermehren und langfristig heimische Arten verdrängen. Laut Bundesamt für Naturschutz (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/bfn">BfN</a>) gibt es in Deutschland etwa <a href="https://neobiota.bfn.de/invasivitaetsbewertung/weichtiere.html">90 nicht-heimische Weichtierarten</a> (Mollusken), darunter auch Schadarten wie die Garten-Wegschnecke und einige Ackerschnecken-Arten. Keine der eingeschleppten Land-Schneckenarten wurde jedoch als invasiv eingestuft (BfN-Skripten 626, 2022). Die Spanische Wegschnecke gilt dagegen als invasive Art. Inzwischen wurde zwar durch <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/dna">DNA</a>-Analysen festgestellt, dass diese nicht, wie der Name vermuten lässt, aus Spanien stammt, sondern <a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/eva.12177">in Mitteleuropa heimisch</a>. Dennoch hat sie sich in den letzten Jahrzehnten aus obengenannten Gründen extrem vermehrt und über den ganzen Kontinent, insbesondere nach Nord- und Ost-Europa, ausgebreitet. Auch in Nord-Amerika sind bereits Funde bestätigt.</li> </ul> Warum gerade die Spanische Wegschnecke? <p>Gründe für die extreme, aus Schnecken-Sicht "erfolgreiche" Ausbreitung der Spanischen Wegschnecke liegen auch in ihren artspezifischen Merkmalen:</p> <ul> <li><u>Hohe Reproduktionsraten</u>: Eine einzige Wegschnecke kann in ihrem normalerweise einjährigen Leben bis zu 400 Eier legen. Weil sie, wie fast alle Land-Schnecken, Zwitter sind, kann jedes Tier befruchten und befruchtet werden.</li> <li><u>Breites Nahrungsspektrum</u>: Spanische Wegschnecken ernähren sich von 100 verschiedenen Pflanzenarten und fressen auch, im Gegensatz zu anderen Schneckenarten, Aas, Kot, Artgenossen und kleine Tiere. Sogar <a href="https://nsojournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jav.01189">Nestlinge</a> von bodenbrütenden Singvögeln sind nicht vor ihnen sicher.</li> <li><u>Wenige Fressfeinde</u>: Ausgewachsene Wegschnecken haben nicht viele Fressfeinde. Und selbst von diesen werden sie mit wenig Vorliebe gefressen, weil sie so groß und schleimig sind. Jungtiere und Eier der Wegschnecken sind da weitaus beliebter.</li> <li><u>Biologische <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/anpassungsfaehigkeit">Anpassungsfähigkeit</a></u>: Das Genom dieser Schnecke enthält sehr viele sogenannte <a href="https://zsm.snsb.de/gesamtgenom-spanische-wegschnecke/">"springende Gene"</a>. Dadurch kann sie sich besonders gut an veränderte Lebensbedingungen anpassen.</li> <li><u>Konkurrenz für andere Schnecken:</u> Spanische Wegschnecken fressen nicht nur kranke und tote Artgenossen und deren Ei-Gelege, sondern auch andere Schneckenarten. Zudem paaren sich Spanische Wegschnecken mit anderen Arten. Es wird angenommen, dass die dabei entstehenden Hybriden vorteilhafte Genversionen ihrer Verwandten übernehmen. Das <a href="https://idw-online.de/de/news746597">führt langfristig dazu</a>, dass die Spanische Wegschnecke noch konkurrenzstärker wird und andere Schneckenarten, wie die Rote Wegschnecke, verdrängt werden.</li> <li><u>Physiologisches Multitalent:</u> Wegschnecken können hervorragend klettern, sich bei Gefahr zusammenrollen, und relativ weite Strecken zurücklegen: bis zu 25 Meter pro Nacht. Ihre Nahrung riechen sie noch aus einer Entfernung von 50 Metern und erinnern sich zudem an Orte mit Leckerbissen. Über Licht-, Geruchs- und Vibrationswahrnehmungen haben sie eine ausgezeichnete räumliche Orientierung. Über Gerüche kommunizieren Schnecken zudem mit ihren Artgenossen. Sie können in kurzer Zeit große Mengen Nahrung zu sich nehmen: pro Tag brauchen sie nur eine Stunde für die Ernährung. Etwa 70 Prozent des Tages ruhen sie in ihren Verstecken.</li> </ul> Mit pflanzenbaulichen Maßnahmen beugen Sie Schneckenplagen vor <ul> <li><u>Sonniger Standort:</u> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/nacktschnecken">Nacktschnecken</a> mögen es feucht. Legen Sie Beete mit schnecken-empfindlichen Pflanzen deshalb an möglichst sonnige Standorte.</li> <li><u>Geschützter Bereich:</u> Schnecken verstecken sich gern in Wiesen, Brachen, Hecken, Feuchtbiotopen und im Kompost. Pflanzen Sie empfindliche Kulturen deshalb möglichst weit davon entfernt. Auch ein Schutzstreifen kann das Einwandern der Schnecken aus solchen Bereichen mindern. Das kann ein Streifen aus schwer zu überwindendem Material sein (z.B. Kies, Sand, Sägespäne) oder ein Grasstreifen, der sehr kurz und oft gemäht wird.</li> <li><u>Vielfältige Fruchtfolgen:</u> Wechseln Sie den Standort schneckenanfälliger Kulturen jährlich. So verhindern Sie, dass Schnecken sich im Beet dauerhaft ansiedeln.</li> <li><u>Durchdachte Bewässerung:</u> Gießen Sie Ihre Pflanzen nur punktuell, anstatt die ganze Fläche zu bewässern. Gießen Sie am besten früh morgens. So können die Pflanzen das Wasser tagsüber nutzen, und bis zum Abend ist das Beet wieder trocken. Das erschwert den nachtaktiven Nacktschnecken das Vorankommen.</li> <li><u>Wachstumsvorsprung schaffen:</u> Schnecken mögen am liebsten zarte Jungpflanzen. Ziehen Sie deshalb Gemüse und andere empfindliche Pflanzen im geschützten Bereich (z.B. Fensterbank, Gewächshaus) vor. Pflanzen Sie diese erst relativ spät raus, am besten bei trockenem <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/wetter">Wetter</a>. Vor dem Auspflanzen sollten Sie die jungen Pflänzchen erst ein paar Tage an die neuen Klimabedingungen gewöhnen.</li> <li><u>Gründliche Bodenbearbeitung:</u> Nacktschnecken verkriechen sich tagsüber gern in Hohlräumen im Boden. Zur Vermeidung solcher Hohlräume sollten Sie die Erde nach einer Aussaat oder Pflanzung fest andrücken. Regelmäßige Bodenbearbeitung macht den Boden feinkrümelig und zerstört die Verstecke. Umgraben, Hacken oder Grubbern legt die Schnecken und ihre Ei-Gelege frei und setzt sie damit der Sonne bzw. dem Frost sowie ihren Fressfeinden aus. Bedenken Sie jedoch, dass eine intensive Bodenbearbeitung das Bodenleben und die Bodenstruktur schädigen kann. Sie sollten deshalb nur in bestimmten Fällen, z.B. bei empfindlichen Kulturen, oder bei tatsächlichem hohen Schneckenbefall, zu solchen Maßnahmen greifen.</li> <li><u>Vorsicht mit Mulchmaterial:</u> Auch beim Mulchen müssen Vor- und Nachteile abgewogen werden. Mulch hat sehr viele positive Effekte, aber bestimmte Materialien sind bei Schnecken als Versteck und Ei-Ablageplatz beliebt. Dazu gehören z.B. Rasenschnitt, Stroh, aber auch Folien und Vlies. Bei starkem Schneckenbefall kann es deshalb sinnvoll sein, auf Mulch zu verzichten, bzw. diesen, samt Schnecken und Eiern, zu entfernen. Auch Erntereste sollten bei Schneckengefahr entfernt oder rasch eingearbeitet werden.</li> <li><u>Ausgewogene Düngung:</u> Schnecken mögen Pflanzen, die durch hohe Stickstoffgaben schnell gewachsen sind und somit kein festes Pflanzengewebe ausbilden konnten. Mäßigen Sie deshalb das Stickstoffangebot. <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflanzenstaerkungsmittel">Pflanzenstärkungsmittel</a> aus Ackerschachtelhalm unterstützen die Pflanzen bei der Ausbildung von festem Gewebe.</li> <li><u>Gewächshäuser schützen:</u> Aufgrund des feuchtwarmen und frostfreien Klimas sind Gewächshäuser ein beliebter Ort für Schnecken. Deshalb sollten die Folien keine Löcher haben und am Boden dicht abschließen. Lüften Sie nur tagsüber, wenn die nachtaktiven Schnecken nicht unterwegs sind. Der Bewuchs rund um das Gewächshaus sollte stets kurzgehalten werden.</li> <li><u>Ausbreitung vermeiden:</u> Entsorgen Sie Gartenabfälle und auch Erde nicht in der freien Natur, es können Spanische Wegschnecken oder deren Ei-Gelege darin versteckt sein. Das würde eine weitere Ausbreitung der Schnecken in bisher weniger besiedelten, naturnahen Flächen beschleunigen. Es besteht die Gefahr, dass andere heimische Schneckenarten, die in solchen Gebieten noch vorkommen, durch die Spanische Wegschnecke verdrängt werden. Unabhängig davon ist das Entsorgen von Gartenabfällen in der Natur illegal und kann mit einem Bußgeld geahndet werden.</li> </ul> So locken Sie Fressfeinde der Nacktschnecken an <p>Wegschnecken haben eine ganze Reihe von Fressfeinden. Die ausgewachsenen Schnecken sind zwar, aufgrund ihrer Größe und des hohen Schleimgehalts, nicht bei allen sonderlich beliebt. Doch Jungschnecken und Schneckeneier stehen bei vielen heimischen Tieren auf der Speisekarte. Entscheidend ist eine vielfältige und <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/57308">naturnahe Gartengestaltung</a>, so dass viele Nützlinge darin einen geeigneten Lebensraum finden. Auch ein Verzicht auf <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pestizide">Pestizide</a> ist förderlich für Ihre Gartenmitbewohner und deren Nahrungsgrundlagen.</p> <ul> <li><u>Vögel:</u> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=-KGBqkedzqw">Amseln</a>, Drosseln, Stare, Hausrotschwänze und andere Vögel fressen Schnecken und deren Eier. Die Amsel im verlinkten Video rollt die Schnecke hin und her, um den Schleim zu reduzieren, bevor sie diese frisst. Helfen Sie Vögeln mit einem Angebot entsprechender Nistkästen und der Pflanzung heimischer Vogelnährgehölze. Stellen Sie außerdem Vogeltränken und Wasserstellen zum Baden bereit.</li> <li><u>Igel</u>: Schnecken werden von Igeln in Ermangelung von besser geeigneter Nahrung gefressen. Sie übertragen Innenparasiten auf den Igel, die in Verbindung mit weiteren Stressoren zum Tod führen können. Igel sind eigentlich Insektenfresser, am liebsten mögen sie Käfer. Futter finden Igel in Laub-, Reisig- und Totholzhaufen sowie im Kompost. Stellen Sie außerdem eine Schale mit sauberem Wasser bereit.</li> <li><u>Spitzmäuse:</u> Spitzmäuse sind weder Mäuse, noch Nagetiere. Es sind nützliche Insektenfresser, die gern auch Würmer und Schnecken vertilgen. Sie suchen den ganzen Tag über nach Nahrung, durch das ganze Jahr hinweg. Spitzmäuse leben in Stein- und Laubhaufen. Den Winter verbringen sie gern im warmen Kompost.</li> <li><u>Maulwürfe:</u> Maulwürfe sind nützliche Tiere. Sie belüften den Boden und fressen Schnecken, Engerlinge, Schnakenlarven und Wühlmausbabys. Maulwürfe sind nach Bundesnaturschutzgesetz "besonders geschützt" und dürfen somit weder gestört, gefangen, noch getötet werden. Respektieren Sie das kleine Tier, denn seine Anwesenheit zeigt, dass Ihr Boden gesund und lebendig ist.</li> <li><u>Amphibien & Reptilien:</u> Verschiedene Amphibien (<a href="https://youtu.be/yL9LLkGC7tg">Kröten</a>, Frösche, <a href="https://youtu.be/cyt7aODrX8I">Salamander</a>) und Reptilien (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=s3DYdqzj1q8">Blindschleichen</a>, Eidechsen) fressen (junge) <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/nacktschnecken">Nacktschnecken</a>. Legen Sie, wenn möglich, einen Gartenteich für Frösche an. Verzichten Sie dabei auf den Besatz mit Fischen. Errichten Sie Burgen aus <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/totholz">Totholz</a> oder Steinen an einer sonnigen, ruhigen, vegetationsarmen Stelle für wärmeliebende Reptilien. Laubhaufen dienen Kröten als Sommerversteck und Winterquartier.</li> <li><u>Käfer:</u> <a href="https://youtu.be/MrFuhelfpKs">Laufkäfer</a>, Weichkäfer, Aaskäfer, <a href="https://youtu.be/WP55yUB1pyw">Moderkäfer</a> und deren Larven fressen Schnecken bzw. deren Eier. Käfer mögen Totholz besonders gern. Belassen Sie deshalb tote Bäume, oder zumindest Teile davon, in Ihrem Garten. Alternativ können Sie einen <a href="https://schneckenhilfe.de/kaeferkeller-kaeferburg-anlegen-anleitung/">Käferkeller oder eine Käferburg</a> Auch Leuchtkäfer ("Glühwürmchen") brauchen Totholz, um ihre Eier abzulegen. In ihrem dreijährigen Larvenstadium fressen sie ausschließlich Schnecken. Die <a href="https://www.youtube.com/watch?v=MMNk1Sko1e0">Larven der Glühwürmchen</a> spüren die Schnecken anhand ihrer Schleimspur auf, injizieren ihnen ein Gift und fressen sie innerhalb weniger Stunden auf. Den selten gewordenen Glühwürmchen helfen Sie, indem Sie auf künstliches Licht im Garten verzichten.</li> <li><u>Spinnen:</u> Verschiedene Weberknecht-Arten fressen Schneckeneier. Weberknechte mögen dunkle, feuchte Verstecke wie Baumrinden, Keller oder Spalten im Gestein. Gönnen Sie den Tieren ihren Rückzugsort.</li> <li><u><a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/gliederfuesser">Gliederfüßer</a>:</u> <a href="https://www.youtube.com/shorts/7hMGekThfHQ">Hundertfüßer</a> fressen Schneckeneier und Jungschnecken. Auch Hundertfüßer mögen es dunkel und feucht. Man findet sie unter Laub, Steinen und Borken.</li> <li><u>Schnegel</u>: Ob <a href="https://www.youtube.com/watch?v=PLi3Zwbv1Go">Tigerschnegel</a> tatsächlich ausgewachsene Wegschnecken fressen, ist in Fachkreisen umstritten. Bestätigt ist, dass sie diese zumindest angreifen und verdrängen, sowie auch deren Eier und Jungtiere fressen. Schnegel sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber gern an feuchten, kühlen Orten. Komposter, Stein- und Holzhaufen bieten ihnen Lebensraum. Tigerschnegel haben ein <a href="https://youtu.be/SjNHvTlInJE">spektakuläres Paarungsritual</a>. Ihre <a href="https://youtu.be/f4ivpQIA548">Eier</a> sind transparent, im Gegensatz zur Spanischen Wegschnecke, deren Eier weiß sind. Damit Schnegel und andere nützliche Schnecken in Ihrem Garten leben können, sollten Sie auf den Einsatz von Schneckenkorn verzichten. Denn Schneckenkorn tötet nicht nur Schadschnecken, sondern auch nützliche Schnecken.</li> <li><u>Laufenten</u>: <a href="https://youtu.be/bfwPUH1Wm9Q">Laufenten</a> sind eifrige Schneckenjäger, die meiste Beute machen sie morgens und abends sowie bei feuchtem <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/wetter">Wetter</a>. Doch Achtung, sie fressen genauso viele Nützlinge und machen auch vor Ihren Gemüsepflanzen nicht halt. Am besten, Sie lassen die Enten nach der Bodenbearbeitung – aber vor der Bepflanzung auf den entsprechenden Beeten weiden. Oder Sie koppeln den Gemüsegarten ein und lassen die Enten auf den umliegenden Grünflächen weiden. Beachten Sie, dass für die Haltung von Laufenten Fachkenntnisse und eine entsprechende räumliche Ausstattung notwendig sind. Die schwierigste Hürde ist, den Laufenten eine ausreichende Wasserfläche zur Verfügung zu stellen, welche sie für die Auslebung arteigener Verhaltensweisen benötigen. Ein großer Gartenteich kann diese Anforderungen unter Umständen erfüllen. Kleinere, künstliche Wasserflächen (z.B. Badewannen, Wassercontainer) sind nur geeignet, wenn sie täglich gereinigt und neu befüllt werden können.</li> <li><u>Hühner</u>: Für Hühner sind Schneckeneier eine Delikatesse, aber ausgewachsene Nacktschnecken mögen sie nicht. Zudem bringt die Hühnerhaltung jede Menge Arbeit mit sich. Bevor Sie sich Hühner anschaffen, sollten Sie sich unbedingt die nötigen Fachkenntnisse für eine artgerechte Haltung aneignen.</li> </ul> So schützen Sie Ihre Pflanzen mit Barrieren <p>Einige Hindernisse aus bestimmten Materialien können von Schnecken nur schwer oder gar nicht überwunden werden. Damit können Sie einzelne Pflanzen oder ganze Beete vor Schneckenbefall schützen. Zu beachten ist, dass dabei nur die von außen einwandernden Schnecken abgehalten werden. Schnecken, die sich bereits in den zu schützenden Bereichen befinden, müssen abgesammelt werden.</p> <ul> <li><u>Schutzstreifen:</u> Legen Sie um Ihre Beete Schutzstreifen an, die für Schnecken nur schwer zu überwinden sind. Das können z.B. Wege oder Ränder aus Kies sein, oder sehr kurz gemähte Rasenstreifen. Bereiche aus Sand oder Sägespänen zwingen die Weichtiere, besonders viel Schleim zu bilden. Auch das erschwert ihr Vorankommen.</li> <li><u>Abwehrende Mulchmaterialien:</u> Pflanzen können mit frischer <a href="https://youtu.be/P1DKfqknsBs">Schafwolle</a> oder aufgequollenen <a href="https://youtu.be/9bhneGBP_TM">Schafwollpellets</a> vor Schnecken geschützt werden. Das klappt jedoch nur, wenn die Materialien (wieder) trocken sind. Deshalb eignen sie sich besonders gut an Stellen, wo sie vor Regen geschützt sind (z.B. Gewächshaus). Ein weiterer Vorteil der Schafwoll(pellets) ist, dass sie den Pflanzen als Langzeitdünger dienen.</li> <li><u>Schneckenkragen:</u> Kaufen oder basteln Sie einen <a href="https://youtu.be/qDVuxF57X7w">Schneckenkragen</a> für einzelne empfindliche Pflanzen. Insbesondere Setzlinge können damit über einen empfindlichen Zeitraum geschützt werden. Sind die Pflanzen größer, dann bilden sie härteres Gewebe aus, welches für Schnecken weniger schmackhaft ist. Ein Schneckenkragen sollte einen breiten, überstehenden Rand haben und aus robustem, transparentem Material bestehen.</li> <li><u>Pflanzenhüte & Anzuchtglocken:</u> Diese sind insbesondere für den Schutz von Jungpflanzen geeignet. Sie halten nicht nur Schnecken fern, sondern schützen auch vor ungünstiger <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/witterung">Witterung</a>. Man kann sie kaufen oder selbst basteln, z.B. aus großen Einweckgläsern, Plastikflaschen, Schüsseln oder Eimern. In den Boden der Gefäße wird zunächst ein Luftloch gebohrt. Danach werden die Gefäße mit dem Boden nach oben über die Pflanzen gestülpt.</li> <li><u>Schneckenzaun:</u> Auch ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=0aS_F8ohLt0">Schneckenzaun</a> kann das Einwandern der Schnecken stark reduzieren. Da die Zäune relativ teuer sind und das Aufstellen einigen Aufwand verursacht, lohnen sie sich insbesondere für Beete mit empfindlichen Kulturen. Wählen Sie beim Kauf nur Schneckenzäune mit einem großen Überhang, also einem breiten, nach außen gebogenen Rand. Achten Sie beim Aufstellen darauf, dass die einzelnen Stücke ohne Lücken zusammengesetzt werden und nutzen Sie an Ecken spezielle Eckstücke. Halten Sie den Zaun von überhängenden Pflanzen frei, denn Schnecken können diese zur Überwindung der Zäune nutzen.</li> <li><u>Kupferband:</u> Schnecken mögen kein Kupfer, denn dieser <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/stoff">Stoff</a> löst bei Berührung eine chemische Reaktion aus. Beeteinfassungen, Hochbeete und Pflanzgefäße können dementsprechend mit einem (selbstklebenden) <a href="https://youtu.be/MLqippC-LDY">Kupferband</a> geschützt werden. Entscheidend ist, dass das Kupferband mindestens 5 Zentimeter breit ist.</li> <li><u>Schutzanstrich:</u> Senkrecht stehende Materialien können mit einem speziellen <a href="https://youtu.be/uTRRvOHOSk8">Schutzanstrich</a> aus Ölen und Tensiden behandelt werden. Der Anstrich verhindert, dass Schnecken an der Fläche haften bleiben. Sie rutschen ab und können die Fläche somit nicht überwinden. Ein solcher Anstrich kann zum Schutz von Hochbeeten, Pflanzgefäßen und Beeteinfassungen genutzt werden. Er sollte etwa 10 Zentimeter breit aufgetragen werden.</li> </ul> Diese Pflanzenarten sind bei Schnecken unbeliebt <p>Einige Pflanzenarten werden von Schnecken gemieden. Grund dafür sind bestimmte Inhaltsstoffe (z.B. Bitterstoffe, Gerbstoffe, Toxine, ätherische Öle) oder bestimmte Eigenschaften der Pflanzen (z.B. behaarte oder ledrige Blätter, Stacheln und Dornen). Häufig wird empfohlen, solche Arten zwischen empfindliche Kulturen zu setzen, oder als Beetumrandung anzulegen. Doch Vorsicht, auf die abschreckende Wirkung solcher Pflanzungen ist nicht immer Verlass. Schnecken können sehr gut riechen, sie navigieren sich problemlos zwischen unbeliebten Pflanzen hindurch, hin zu den Leckerbissen. Welche Pflanzen sie letztendlich (nicht) fressen ist zudem von der Sorte, dem Alter der Pflanze und deren Gesundheitszustand abhängig.</p> <p>Beispiele für Pflanzenarten, die bei Schnecken eher unbeliebt sind:</p> <ul> <li><u>Kräuter:</u> Rosmarin, Salbei, Thymian, Ysop, Kerbel, Oregano, Bohnenkraut, Estragon</li> <li><u>Gemüse:</u> Tomaten, Kartoffeln, Knoblauch, Lauch, Feldsalat, Topinambur, Zuckerhut, Mangold, Rettich, Rote Bete, Porree, Fenchel, Artischocken</li> <li><u>Zierpflanzen:</u> Bartnelken, Ringelblumen, Beinwell, Fingerhut, Eisenhut, Maiglöckchen, Pfingstrosen, Storchenschnabel, Nelkenwurz, Hauswurz, Wolfsmilch, Bergenien, Flockenblumen, Immergrün, Kapuzinerkresse, Königskerze, Rosen, Nachtkerzen, Primeln, Akelei, Ehrenpreis, Kornblumen, Vergissmeinnicht, Wollziest, Traubenhyazinthen, Hortensien</li> <li><u>Zwischenfrüchte:</u> Bitterlupinen, Sommerwicken, Serradella, Phacelia, Ölrettich, Sareptasenf, Gelbsenf, Buchweizen, Sommerlein</li> <li><u>Pflanzen für schneckenabweisende Mulchmaterialien:</u> <a href="https://youtu.be/PUykObZNzV8">getrocknete Minze</a>, Farnblätter, Buchsbaumblätter, Lavendel, frisch gehäckselte Nadelholzrinde</li> <li><u>Pflanzen für schneckenabweisende Jauchen:</u> Brennnessel, Knoblauch, Schafgarbe, Wermut, Efeu, Rainfarn</li> </ul> <strong>Galerie: Bei Nacktschnecken eher unbeliebt</strong> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/3111/bilder/eisenhut-blauer_eisenhut_xaver_klaussner_fotolia_67084623_m.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/akelei_perlphoto_fotolia_93077130_m.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/sterndolde_astrantia_lila_zwoffel_fotolia_41480235_m_1.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/bergenien_m.schuppich_fotolia_84983525_m.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/schwertlilien_christian_mueller_fotolia_67332227_m.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/lambs_ear_kazakovmaksim_fotolia_42330068_m.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/blauer_fruehblueher_mallivan_fotolia_50779378_m.jpg"> </a> Weiter <i> </i> Vorherige <i> </i> caption Diese Pflanzenarten mögen Schnecken besonders gern <p>Einige Pflanzenarten mögen Schnecken besonders gern. Solche Pflanzen sollten Sie entweder gut schützen oder gar nicht erst anbauen. Sie können diese Pflanzenarten auch ganz gezielt als Ablenkfütterung nutzen, indem Sie ein sogenanntes "Opferbeet" an entfernter Stelle anlegen. Damit sollen die Schnecken aus den Gemüsebeeten in andere Gartenbereiche gelockt werden. Auch direkt im Gemüsebeet können Ablenkfütterungen mit bestimmten Pflanzen, auch Unkräutern, helfen, Ihre Kulturpflanzen zu schützen. Doch auch hier gilt: was tatsächlich gefressen wird, ist von Sorte, Alter und Gesundheitszustand der Pflanzen abhängig.</p> <p>Beispiele für Pflanzenarten, die bei Schnecken besonders beliebt sind:</p> <ul> <li><u>Kräuter:</u> Basilikum, Dill, Beifuß</li> <li><u>Gemüse:</u> alle Salatsorten und Kohlarten, Gurken, Zucchini, Kürbis, Möhren</li> <li><u>Obst:</u> Erdbeeren, Melonen</li> <li><u>Zierpflanzen:</u> Sonnenblumen, Studentenblumen, Rittersporn, Dahlien, Astern, Tulpen, Narzissen, Hyazinthen</li> </ul> So können Sie Schnecken effektiv absammeln <p>Schnecken aus den Beeten abzusammeln, klingt zunächst aufwändig. Tatsächlich ist es aber eine sehr effektive Methode. Zudem ist es die einzige Möglichkeit sicherzustellen, dass wirklich nur Schadschnecken, und keine anderen Arten, entfernt werden. Bevor Sie loslegen: prüfen Sie deshalb, ob Sie wirklich den Schadschnecken auf der Spur sind. Bestimmungs-Bücher oder -Apps können dabei helfen. Die meisten anderen Schneckenarten richten keine nennenswerten Schäden in Ihrem Garten an, sie sollten in ihrem Lebensraum belassen werden. Diese Arten ernähren sich vornehmlich von totem Pflanzenmaterial. Sorgen Sie dementsprechend dafür, dass die harmlosen Schneckenarten zumindest in einigen Bereichen Ihres Gartens totes Pflanzenmaterial finden (z.B. Ernterückstände, Mulchmaterialien).</p> <p>Je besser Sie die Lebensweise der Schadschnecken kennen, desto effektiver können Sie die Schneckenjagd gestalten:</p> <ul> <li><u>Schnecken sind nachtaktiv und lieben hohe Luftfeuchtigkeit</u>: Sie finden die Schnecken deshalb am besten, wenn Sie früh morgens, spät abends, oder bei Regenwetter nach ihnen suchen. Mit einem Schneckengreifer, einer Grillzange oder einem Gartenhandschuh lassen sich die Tiere leicht absammeln. Verwenden Sie gegebenenfalls eine Taschenlampe.</li> <li><u>Verstecke erkennen:</u> Schnecken verstecken sich tagsüber gern an Orten, die feucht, kühl und dunkel sind. Schauen Sie unter Steinen, <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/totholz">Totholz</a> und großen Pflanzenblättern nach. Sie können auch extra Verstecke anlegen, um sie von dort bequem abzusammeln. Als Verstecke eignen sich Bretter, Karton, Tontöpfe, umgedrehte Pflanzgefäße oder andere licht- und wärmeundurchlässige Materialien.</li> <li><u>Köder auslegen</u>: Sie können unter so einem Versteck eine "Futterstelle" für die Schnecken anlegen. Das lockt die Schnecken von Ihren Pflanzen weg und erhöht die Effizienz Ihrer Schneckenjagd. Als Köder eignen sich beispielsweise Salatblätter, Weißbrot, Haferflocken, Hunde- oder Katzenfutter. Achten Sie darauf, die Verstecke so anzulegen, dass wirklich nur die Schnecken hineinfinden und keine Ratten oder andere Tiere angelockt werden. Legen Sie die Futterstellen nicht dauerhaft an, sondern erst wenige Tage vor dem Absammeln.</li> <li><u>Ei-Gelege entfernen</u>: Sammeln Sie die Schnecken am besten gleich im Frühjahr, nachdem sie aus ihren Eiern geschlüpft sind. Damit gar nicht erst so viele Schnecken schlüpfen sollten Sie insbesondere nach den Ei-Gelegen suchen. Die weißlichen, stecknadelkopfgroßen Eier der Spanischen Wegschnecke findet man in feuchten Verstecken, z.B. im Kompost, unter Bodenplatten und Pflanzkübeln, oder oberflächlich in der Erde vergraben. Da jedes Gelege bis zu 400 Eier enthalten kann, ist deren Entfernung sehr effektiv. Sie können die Eier zerstören oder im Hausmüll entsorgen. Es reicht auch, die Eier einfach freizulegen, so dass sie von Fressfeinden gefunden werden, und der Sonne bzw. dem Frost ausgesetzt sind.</li> <li><u>Erneutes Einwandern verhindern</u>: Am sinnvollsten ist das Absammeln der Schnecken auf solchen Flächen, die mit einer Barriere gegen neu einwandernde Schnecken gesichert sind.</li> </ul> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/schneckeneier.jpg"> </a> <strong> Schneckeneier </strong> <br> <p>Die weißlichen, stecknadelkopfgroßen Eier der Spanischen Wegschnecke findet man in feuchten Verstecken. Sie können zerstört oder im Hausmüll entsorgt werden. Alternativ können sie einfach freigelegt werden, so dass Nützlinge sie fressen können.</p> Quelle: David W. | www.wikimedia.org | Schneckeneier in einer Mulde | https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0 Was tun mit den eingesammelten Schnecken? <p>Die Frage nach dem weiteren Vorgehen mit den abgesammelten Schnecken bleibt häufig unbeantwortet, und auch das <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/uba">UBA</a> hat keinen wirklich guten Rat hierfür. Es bestehen zwei Möglichkeiten: die Schnecken zu töten oder sie an anderer Stelle wieder freizulassen. Doch beide Optionen werfen Fragen bezüglich der korrekten Umsetzung auf. Es ist schwierig, eine Lösung zu finden, die für Gärtner*innen praktikabel ist, den Tieren unnötig langes Leiden erspart und nicht zur weiteren Verbreitung der Wegschnecke in der freien Natur beiträgt.</p> <p><u>Schnecken töten:</u> Schnecken verfügen über ein zentrales Nervensystem und zeigen Schmerzreaktionen. Wenn Sie Schnecken töten, sollten Sie den Tieren Leid ersparen und den Tod zumindest schnell und sicher herbeiführen. Welche Methoden dafür tatsächlich geeignet sind, dazu gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Häufig werden folgende Methoden empfohlen:</p> <ul> <li>Zerschneiden mit einem scharfen Messer oder einer Gartenschere. Der Schnitt sollte am ersten Drittel des Körpers angesetzt werden.</li> <li>Die Tiere in einem Eimer mit kochendem Wasser übergießen. Die Wassermenge muss dabei mindestens so groß sein, dass alle Schnecken davon bedeckt sind.</li> <li>Schnecken einzufrieren versetzt sie in einen schlafähnlichen Zustand bevor sie sterben. Diese Methode ähnelt ihrem natürlichen Tod in einem strengen Winter.</li> <li>Töten Sie die Tiere <u>nicht</u> durch Gift, Salz, Essig, Ertränken oder Ersticken.</li> <li>Beachten Sie, dass <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/nacktschnecken">Nacktschnecken</a> auch (tote) Artgenossen fressen und von deren Geruch angezogen werden. Die getöteten Schnecken sollten deshalb vergraben oder im Hausmüll entsorgt werden.</li> <li>Der Gedanke, die eingesammelten Schnecken an Enten und Hühner zu verfüttern, liegt nahe. Doch Vorsicht! Hausgeflügel, welches an die großen schleimigen Schnecken nicht gewöhnt ist, kann beim hastigen Verzehr leicht daran ersticken. Testen Sie zuerst mit einzelnen Schnecken, ob diese angenommen und vertragen werden!</li> </ul> <p><u>Schnecken an anderer Stelle freilassen</u>: Bedenken Sie, dass Spanische Wegschnecken recht ortstreu sind. Sie werden sich an das gute Buffet in Ihrem Garten erinnern und einige Mühen auf sich nehmen, dahin zurück zu kehren. Ihr Lieblingsfutter finden sie noch aus einer Entfernung von 50 Metern. Bei einer Freilassung sollten Gärten und landwirtschaftlich genutzte Flächen dementsprechend weit entfernt sein. Auch Wald und Naturschutzgebiete sollen sich nicht in der Nähe befinden, um die Ausbreitung der Spanischen Wegschnecke in der freien Natur nicht noch weiter zu beschleunigen. Welche Fläche nun tatsächlich für die Freilassung geeignet ist, um weiteren Schaden möglichst gering zu halten, muss vor Ort verantwortungsbewusst entschieden werden. Von Asphalt umgebene, ungenutzte Wiesen im siedlungsnahen Raum, in denen möglichst viele natürliche Feinde der Wegschnecken vorkommen, sind denkbar. Da Spanische Wegschnecken Hundekot fressen, sind auch städtische Hundewiesen eine Option.</p> Auf diese Methoden zur Schneckenabwehr sollten Sie verzichten <ul> <li><u>Bierfallen:</u> Der Geruch lockt <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/nacktschnecken">Nacktschnecken</a> aus der ganzen Umgebung an, doch nur die wenigsten ertrinken tatsächlich in der Bierfalle. Dagegen landen viele Nützlinge in den Fallen. Der Tod durch Ertrinken ist für die Tiere langsam und qualvoll.</li> <li><u>Fadenwürmer</u> (<em>Phasmarhabditis hermaphrodita</em>): Spanische Wegschnecken sind gegen diese Parasiten unempfindlich! Wirksam sind Fadenwürmer gegen Genetzte Ackerschnecken, doch diese kommen in Gärten eher selten vor. Dagegen werden auch nützliche Schneckenarten (z.B. Tigerschnegel) von den Parasiten befallen. Der Tod dauert mehrere Tage. Beim Einsatz der Fadenwürmer gibt es zudem Einiges zu beachten, sie sind sehr empfindlich gegen Licht, Hitze, Kälte, Trockenheit und UV-Strahlung. Der Erfolg der Behandlung ist nur von kurzer Dauer.</li> <li><u>Asche: </u>Verzichten Sie darauf, Asche zu streuen, da sie Schwermetalle und andere Schadstoffe enthalten kann. Die schneckenabweisende Wirkung ist zudem auf wenige Holzarten beschränkt und hält nur im trockenen Zustand an.</li> <li><u>Kaffee(satz) / Koffein:</u> Die Wirkung hält nur sehr kurz an. Manche Pflanzenarten vertragen keinen Kaffee(satz), und insbesondere Jungpflanzen reagieren empfindlich auf das Koffein. Größere Mengen Kaffee(satz) können zudem den <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/ph-wert">pH-Wert</a> des Bodens beeinflussen.</li> <li><u>Verbotene "Hausmittel" wie Salz und Natron:</u> Solche Mittel können nicht nur Schnecken, sondern auch anderen Gartenmitbewohnern schwerwiegenden Schaden zufügen. Salz schädigt zudem die Pflanzenwurzeln und den Boden, außerdem gelangt es ins Grundwasser.</li> </ul> Schneckenkorn nur im Ausnahmefall <p>Als Schneckenkorn werden verschiedene Schneckengifte (Molluskizide) mit unterschiedlichen Wirkstoffen bezeichnet. Die granulatförmigen Fraßköder führen nach der Aufnahme zum Tod der Tiere. Obwohl die zugelassenen Produkte nur gegen Nacktschnecken eingesetzt werden dürfen, können bei der Anwendung genauso harmlose Gehäuseschnecken, nützliche Schnegel und streng geschützte Weinbergschnecken sterben. Da einige Schneckenarten viel empfindlicher auf die Gifte reagieren als die robusten Spanischen Wegschnecken, kann der Einsatz langfristig gerade die harmlosen Schneckenarten in Bedrängnis bringen.</p> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/schneckengift_hans_auf_pixabay.jpg"> </a> <strong> Schneckengift </strong> <br> <p>Schneckenkorn kann auch harmlose Gehäuseschnecken, nützliche Schnegel und streng geschützte Weinbergschnecken töten.</p> Quelle: Hans / pixabay <p>Welche Schneckengifte für den Haus- und Kleingarten zugelassen sind, können Sie in der <a href="https://psm-zulassung.bvl.bund.de/psm/jsp/">Datenbank</a> des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) einsehen. Wählen Sie hierfür die Suchbegriffe "<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/nacktschnecken">Nacktschnecken</a>" und "Haus- und Kleingarten (HuK)". Schneckenkorn kann zwei verschiedene Wirkstoffe enthalten: <em>Eisen-III-phosphat</em> oder <em>Metaldehyd</em>. Ein weiterer Wirkstoff, <em>Methiocarb,</em> ist aufgrund seiner toxischen Wirkung für Nager und Vögel seit 2014 in der EU verboten.</p> <ul> <li><u>Eisen-III-phosphat:</u> Gehört zu den "Wirkstoffen mit geringem Risiko" (low-risk substance, gemäß <a href="https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=celex:32009R1107">EU-Verordnung (EG) Nr. 1107/2009</a>). Das sind Stoffe, welche für die Umwelt nicht schädlich sind und bestimmte Anforderungen erfüllen müssen. <em>Eisen-III-phosphat</em> kommt natürlicherweise im Boden vor und wird von Mikroorganismen in die beiden Pflanzennährstoffe Eisen und Phosphat zerlegt. Der Wirkstoff stört den Flüssigkeitshaushalt der Schnecken. Wenn sie davon gefressen haben stellen sie das Fressen ein und ziehen sich in Verstecke zurück. Dort vertrocknen und verhungern sie.</li> <li><u>Metaldehyd</u>: Im Gegensatz zum <em>Eisen-III-phosphat</em> wirkt <em>Metaldehyd</em> stark giftig auf Vögel und Säugetiere. Insbesondere kleine Vogelarten, z.B. Finken, sind in Gefahr, da sie sich mit nur wenigen Körnern tödlich vergiften können. Die Hersteller versuchen, das Risiko durch eine bestimmte Mindestgröße der Köder zu mindern. Das soll verhindern, dass Vögel die Köder aufgrund der Größe mit Futtersamen verwechseln. Es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass sich Vögel, Igel, Amphibien oder Reptilien vergiften, wenn sie sich von Schnecken ernähren, die <em>Metaldehyd</em>-haltiges Schneckenkorn gefressen haben. Eine weitere Gefahr ist, dass Haus- oder Wildtiere das mehlhaltige Schneckenkorn probieren. Insbesondere Vergiftungsfälle bei Hunden sind belegt. Die Schnecken selbst sterben an Austrocknung. Sie verenden meist direkt im Beet und müssen entsorgt werden, damit durch deren Verwesungsgeruch nicht weitere Schnecken angezogen werden. Auch wegen der Vergiftungsgefahr für andere Tiere sollten die verendeten Schnecken schnellstmöglich abgesammelt werden.</li> </ul> <p>Der Einsatz von Schneckenkorn sollte auf Ausnahmefälle beschränkt sein. Bevorzugen Sie grundsätzlich vorbeugende pflanzenbauliche Maßnahmen, nutzen Sie Barrieren und fördern Sie natürliche Feinde der Schnecken. Soll Schneckenkorn dennoch eingesetzt werden, dann sind Produkte mit dem Wirkstoff <em>Eisen-III-phosphat</em> die bessere Wahl. Manche dieser Produkte enthalten jedoch den umweltschädlichen Beistoff <em><a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/edta">EDTA</a></em>. Ob dieser Beistoff enthalten ist, können Sie nicht an der Verpackung erkennen. Sie können aber bei den Herstellern um Auskunft bitten und sich dann für ein <em><u>EDTA</u></em><u>-freies Produkt</u> entscheiden. Verwenden Sie grundsätzlich nur zugelassene Produkte und halten Sie sich genau an die Packungsbeilage.</p> <p>Obwohl Schnecken seit Jahrzehnten intensiv bekämpft werden, ist keinerlei Rückgang der Schadschneckenarten zu verzeichnen. Im Gegenteil, sie verbreiten sich munter weiter und treten dabei in immer größeren Mengen auf. Schneckengifte lösen das Problem also nicht dauerhaft, und auch die oben genannten nicht-chemischen Maßnahmen führen nicht immer zum Erfolg. Gerade die Spanische Wegschnecke kann geschickt Barrieren überwinden, bei Bedarf ihr Nahrungsspektrum anpassen und bereits abgesammelte Bereiche schnell wieder besiedeln. Sie ist extrem anpassungsfähig, unempfindlich gegen parasitäre Nematoden und kann unter bestimmten Umständen sogar Schneckengifte überleben.</p> </p><p> Diese Maßnahmen helfen gegen Nacktschneckenplagen <ul> <li>Beugen Sie Schneckenplagen mit pflanzenbaulichen Maßnahmen vor.</li> <li>Schaffen Sie Lebensräume für die Fressfeinde der Schnecken.</li> <li>Nutzen Sie Barrieren wie Schneckenzäune, Schneckenkragen oder Schafwolle.</li> <li>Wählen Sie bestimmte, bei Schnecken unbeliebte Pflanzenarten.</li> <li>Locken Sie Schnecken in Fallen, wo Sie die Tiere gezielt absammeln können.</li> <li>Ein Verzicht auf Schneckenkorn ist gut für die Umwelt und Ihre Gartenmitbewohner.</li> </ul> </p><p> Gewusst wie <p>Mit erstaunlichem Appetit fressen sich manche Schneckenarten durch den Garten und hinterlassen dabei Fraßschäden an Blättern, Blüten und Früchten sowie silbrig glänzende Schleimspuren. Insbesondere nach jungen Gemüsepflanzen, Salaten, Erdbeeren und einigen Zierpflanzen haben sie ein großes Verlangen. Es gibt, geschätzt, 250 bis 300 heimische Schneckenarten, doch nur die Wenigsten von ihnen richten nennenswerten Schaden an. Zu den Schadschnecken gehören die Spanische Wegschnecke sowie die Garten-Wegschnecke und die Genetzte Ackerschnecke. Gehäuseschnecken, wie auch die meisten anderen Schneckenarten, sind dagegen nicht schädlich. Sie leben vorwiegend von totem Pflanzenmaterial und erfüllen wichtige Funktionen im natürlichen Kreislauf. Einige (Nackt-) Schneckenarten sind auch deshalb nützlich, weil sie die Eier problematischer Schneckenarten fressen. Die ebenfalls nützliche Weinbergschnecke ist zudem geschützt nach der <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/bartschv_2005/BJNR025810005.html">Bundesartenschutzverordnung</a> und der <a href="https://www.bfn.de/abkommen-richtlinie/fauna-flora-habitat-richtlinie-ffh-richtlinie-richtlinie-9243ewg-des-rates-vom">FFH-Richtlinie</a>.</p> <strong>Galerie: Schnecken im Garten</strong> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2113/bilder/800px-arion_distinctus_1.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2113/bilder/deroceras_reticulatum.png"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/rote_wegschnecke_gabriela_fink_auf_pixabay.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/hellbraune_wegschnecke.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/gelbstreifige_wegschnecke.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/wurmschnegel.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/tigerschnegel_helga_auf_pixabay.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/weinbergschnecke_th_g_auf_pixabay.jpg"> </a> Weiter <i> </i> Vorherige <i> </i> caption </p><p> Wo kommen all die Schnecken her? <p>Schneckenplagen haben in den letzten Jahren nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit zugenommen. Die Ursachen dafür sind vielfältig, wirken in der Summe, und sind zum großen Teil menschengemacht. Diese Ursachen sollten Sie kennen:</p> <ul> <li><u><a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimawandel">Klimawandel</a>:</u> Die Vermehrung von Schnecken ist stark von der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/witterung">Witterung</a> abhängig. Ein mildes, feuchtes Frühjahr und ein regenreicher Sommer fördern insbesondere die <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/nacktschnecken">Nacktschnecken</a>. Auch ein milder Winter mit nur wenigen Frosttagen erhöht die Überlebensrate der Nacktschnecken und ihrer Eier. Durch den Klimawandel nehmen in Deutschland <a href="https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/trends-der-niederschlagshoehe#teilweise-sehr-regenreiche-jahre-seit-1965">durchschnittliche Niederschlagsmengen</a> und <a href="https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/trends-der-lufttemperatur#mildere-herbste-und-winter-in-deutschland">milde Winter</a> zu, was die Nacktschnecken weiter begünstigen wird.</li> <li><u>Verlust von <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/biodiversitaet">Biodiversität</a>:</u> Viele Fressfeinde der Nacktschnecken sind in Gärten nur noch selten anzutreffen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Durch die unnatürliche Gestaltung und Bewirtschaftung vieler Gärten finden heimische Tiere, und damit auch Fressfeinde der Nacktschnecken, kaum noch Nahrung und Lebensraum. Ein weiterer Grund ist der Einsatz von Pestiziden. Beispielsweise tötet Schneckenkorn nicht nur die Schadschnecken, sondern auch nützliche Schnecken, welche Schadschnecken und deren Eier vertilgen.</li> <li><u>Pflanzenzüchtung:</u> Wildpflanzen schützen sich mit allerlei Abwehrstoffen vor Fressfeinden. Sie verderben mit Bitterstoffen, Gerbstoffen, ätherischen Ölen und Toxinen den Schnecken den Appetit. Mit der Kultivierung durch den Menschen wurden solche Stoffe jedoch zunehmend aus dem Gemüse herausgezüchtet, um es genießbar und schmackhaft zu machen. Die fehlenden Abwehrstoffe machen die Pflanzen nun anfällig für Schädlingsbefall, und auch die Schnecken sind auf den guten Geschmack gekommen.</li> <li><u>Enge Fruchtfolgen</u>: Eintönige Fruchtfolgen mit schneckenanfälligen Kulturen fördern das Schnecken-Vorkommen, indem sie durchgehend ein sicheres Nahrungsangebot zur Verfügung stellen.</li> <li><u>Hohe Stickstoffgaben:</u> Schnecken mögen Pflanzen, welche durch ein hohes Angebot an leicht löslichen Stickstoffdüngern schnell gewachsen sind. Viel Stickstoff erhöht zwar den Ertrag, schwächt aber die Pflanzengesundheit insgesamt und fördert auch Schnecken.</li> <li><u>Lichtverschmutzung</u>: Nächtliche Beleuchtungen im Garten sind für viele Insektenarten tödliche Fallen, z.B. für Leuchtkäfer ("Glühwürmchen"). Diese vertilgen während ihrer dreijährigen Larvenzeit ausschließlich Schnecken, insbesondere Nacktschnecken. Doch wegen der vielen künstlichen Lichter können sie sich nicht mehr erfolgreich vermehren, weil sie die Lampen nicht von ihren Geschlechtspartnern unterscheiden können. In ihrer kurzen Paarungszeit vergeuden sie somit alle Energie, indem sie orientierungslos von Lampe zu Lampe fliegen.</li> <li><u>Gebietsfremde Schneckenarten:</u> Weltweit, aber auch in Deutschland, breiten sich nicht-heimische Schneckenarten aus. Befördert wird das durch den globalen Warenverkehr und den Klimawandel. Einige gebietsfremde Arten gelten als invasive Arten. Das heißt, sie können sich, mangels natürlicher Feinde, stark vermehren und langfristig heimische Arten verdrängen. Laut Bundesamt für Naturschutz (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/bfn">BfN</a>) gibt es in Deutschland etwa <a href="https://neobiota.bfn.de/invasivitaetsbewertung/weichtiere.html">90 nicht-heimische Weichtierarten</a> (Mollusken), darunter auch Schadarten wie die Garten-Wegschnecke und einige Ackerschnecken-Arten. Keine der eingeschleppten Land-Schneckenarten wurde jedoch als invasiv eingestuft (BfN-Skripten 626, 2022). Die Spanische Wegschnecke gilt dagegen als invasive Art. Inzwischen wurde zwar durch <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/dna">DNA</a>-Analysen festgestellt, dass diese nicht, wie der Name vermuten lässt, aus Spanien stammt, sondern <a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/eva.12177">in Mitteleuropa heimisch</a>. Dennoch hat sie sich in den letzten Jahrzehnten aus obengenannten Gründen extrem vermehrt und über den ganzen Kontinent, insbesondere nach Nord- und Ost-Europa, ausgebreitet. Auch in Nord-Amerika sind bereits Funde bestätigt.</li> </ul> </p><p> Warum gerade die Spanische Wegschnecke? <p>Gründe für die extreme, aus Schnecken-Sicht "erfolgreiche" Ausbreitung der Spanischen Wegschnecke liegen auch in ihren artspezifischen Merkmalen:</p> <ul> <li><u>Hohe Reproduktionsraten</u>: Eine einzige Wegschnecke kann in ihrem normalerweise einjährigen Leben bis zu 400 Eier legen. Weil sie, wie fast alle Land-Schnecken, Zwitter sind, kann jedes Tier befruchten und befruchtet werden.</li> <li><u>Breites Nahrungsspektrum</u>: Spanische Wegschnecken ernähren sich von 100 verschiedenen Pflanzenarten und fressen auch, im Gegensatz zu anderen Schneckenarten, Aas, Kot, Artgenossen und kleine Tiere. Sogar <a href="https://nsojournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jav.01189">Nestlinge</a> von bodenbrütenden Singvögeln sind nicht vor ihnen sicher.</li> <li><u>Wenige Fressfeinde</u>: Ausgewachsene Wegschnecken haben nicht viele Fressfeinde. Und selbst von diesen werden sie mit wenig Vorliebe gefressen, weil sie so groß und schleimig sind. Jungtiere und Eier der Wegschnecken sind da weitaus beliebter.</li> <li><u>Biologische <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/anpassungsfaehigkeit">Anpassungsfähigkeit</a></u>: Das Genom dieser Schnecke enthält sehr viele sogenannte <a href="https://zsm.snsb.de/gesamtgenom-spanische-wegschnecke/">"springende Gene"</a>. Dadurch kann sie sich besonders gut an veränderte Lebensbedingungen anpassen.</li> <li><u>Konkurrenz für andere Schnecken:</u> Spanische Wegschnecken fressen nicht nur kranke und tote Artgenossen und deren Ei-Gelege, sondern auch andere Schneckenarten. Zudem paaren sich Spanische Wegschnecken mit anderen Arten. Es wird angenommen, dass die dabei entstehenden Hybriden vorteilhafte Genversionen ihrer Verwandten übernehmen. Das <a href="https://idw-online.de/de/news746597">führt langfristig dazu</a>, dass die Spanische Wegschnecke noch konkurrenzstärker wird und andere Schneckenarten, wie die Rote Wegschnecke, verdrängt werden.</li> <li><u>Physiologisches Multitalent:</u> Wegschnecken können hervorragend klettern, sich bei Gefahr zusammenrollen, und relativ weite Strecken zurücklegen: bis zu 25 Meter pro Nacht. Ihre Nahrung riechen sie noch aus einer Entfernung von 50 Metern und erinnern sich zudem an Orte mit Leckerbissen. Über Licht-, Geruchs- und Vibrationswahrnehmungen haben sie eine ausgezeichnete räumliche Orientierung. Über Gerüche kommunizieren Schnecken zudem mit ihren Artgenossen. Sie können in kurzer Zeit große Mengen Nahrung zu sich nehmen: pro Tag brauchen sie nur eine Stunde für die Ernährung. Etwa 70 Prozent des Tages ruhen sie in ihren Verstecken.</li> </ul> </p><p> Mit pflanzenbaulichen Maßnahmen beugen Sie Schneckenplagen vor <ul> <li><u>Sonniger Standort:</u> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/nacktschnecken">Nacktschnecken</a> mögen es feucht. Legen Sie Beete mit schnecken-empfindlichen Pflanzen deshalb an möglichst sonnige Standorte.</li> <li><u>Geschützter Bereich:</u> Schnecken verstecken sich gern in Wiesen, Brachen, Hecken, Feuchtbiotopen und im Kompost. Pflanzen Sie empfindliche Kulturen deshalb möglichst weit davon entfernt. Auch ein Schutzstreifen kann das Einwandern der Schnecken aus solchen Bereichen mindern. Das kann ein Streifen aus schwer zu überwindendem Material sein (z.B. Kies, Sand, Sägespäne) oder ein Grasstreifen, der sehr kurz und oft gemäht wird.</li> <li><u>Vielfältige Fruchtfolgen:</u> Wechseln Sie den Standort schneckenanfälliger Kulturen jährlich. So verhindern Sie, dass Schnecken sich im Beet dauerhaft ansiedeln.</li> <li><u>Durchdachte Bewässerung:</u> Gießen Sie Ihre Pflanzen nur punktuell, anstatt die ganze Fläche zu bewässern. Gießen Sie am besten früh morgens. So können die Pflanzen das Wasser tagsüber nutzen, und bis zum Abend ist das Beet wieder trocken. Das erschwert den nachtaktiven Nacktschnecken das Vorankommen.</li> <li><u>Wachstumsvorsprung schaffen:</u> Schnecken mögen am liebsten zarte Jungpflanzen. Ziehen Sie deshalb Gemüse und andere empfindliche Pflanzen im geschützten Bereich (z.B. Fensterbank, Gewächshaus) vor. Pflanzen Sie diese erst relativ spät raus, am besten bei trockenem <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/wetter">Wetter</a>. Vor dem Auspflanzen sollten Sie die jungen Pflänzchen erst ein paar Tage an die neuen Klimabedingungen gewöhnen.</li> <li><u>Gründliche Bodenbearbeitung:</u> Nacktschnecken verkriechen sich tagsüber gern in Hohlräumen im Boden. Zur Vermeidung solcher Hohlräume sollten Sie die Erde nach einer Aussaat oder Pflanzung fest andrücken. Regelmäßige Bodenbearbeitung macht den Boden feinkrümelig und zerstört die Verstecke. Umgraben, Hacken oder Grubbern legt die Schnecken und ihre Ei-Gelege frei und setzt sie damit der Sonne bzw. dem Frost sowie ihren Fressfeinden aus. Bedenken Sie jedoch, dass eine intensive Bodenbearbeitung das Bodenleben und die Bodenstruktur schädigen kann. Sie sollten deshalb nur in bestimmten Fällen, z.B. bei empfindlichen Kulturen, oder bei tatsächlichem hohen Schneckenbefall, zu solchen Maßnahmen greifen.</li> <li><u>Vorsicht mit Mulchmaterial:</u> Auch beim Mulchen müssen Vor- und Nachteile abgewogen werden. Mulch hat sehr viele positive Effekte, aber bestimmte Materialien sind bei Schnecken als Versteck und Ei-Ablageplatz beliebt. Dazu gehören z.B. Rasenschnitt, Stroh, aber auch Folien und Vlies. Bei starkem Schneckenbefall kann es deshalb sinnvoll sein, auf Mulch zu verzichten, bzw. diesen, samt Schnecken und Eiern, zu entfernen. Auch Erntereste sollten bei Schneckengefahr entfernt oder rasch eingearbeitet werden.</li> <li><u>Ausgewogene Düngung:</u> Schnecken mögen Pflanzen, die durch hohe Stickstoffgaben schnell gewachsen sind und somit kein festes Pflanzengewebe ausbilden konnten. Mäßigen Sie deshalb das Stickstoffangebot. <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflanzenstaerkungsmittel">Pflanzenstärkungsmittel</a> aus Ackerschachtelhalm unterstützen die Pflanzen bei der Ausbildung von festem Gewebe.</li> <li><u>Gewächshäuser schützen:</u> Aufgrund des feuchtwarmen und frostfreien Klimas sind Gewächshäuser ein beliebter Ort für Schnecken. Deshalb sollten die Folien keine Löcher haben und am Boden dicht abschließen. Lüften Sie nur tagsüber, wenn die nachtaktiven Schnecken nicht unterwegs sind. Der Bewuchs rund um das Gewächshaus sollte stets kurzgehalten werden.</li> <li><u>Ausbreitung vermeiden:</u> Entsorgen Sie Gartenabfälle und auch Erde nicht in der freien Natur, es können Spanische Wegschnecken oder deren Ei-Gelege darin versteckt sein. Das würde eine weitere Ausbreitung der Schnecken in bisher weniger besiedelten, naturnahen Flächen beschleunigen. Es besteht die Gefahr, dass andere heimische Schneckenarten, die in solchen Gebieten noch vorkommen, durch die Spanische Wegschnecke verdrängt werden. Unabhängig davon ist das Entsorgen von Gartenabfällen in der Natur illegal und kann mit einem Bußgeld geahndet werden.</li> </ul> </p><p> So locken Sie Fressfeinde der Nacktschnecken an <p>Wegschnecken haben eine ganze Reihe von Fressfeinden. Die ausgewachsenen Schnecken sind zwar, aufgrund ihrer Größe und des hohen Schleimgehalts, nicht bei allen sonderlich beliebt. Doch Jungschnecken und Schneckeneier stehen bei vielen heimischen Tieren auf der Speisekarte. Entscheidend ist eine vielfältige und <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/57308">naturnahe Gartengestaltung</a>, so dass viele Nützlinge darin einen geeigneten Lebensraum finden. Auch ein Verzicht auf <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pestizide">Pestizide</a> ist förderlich für Ihre Gartenmitbewohner und deren Nahrungsgrundlagen.</p> <ul> <li><u>Vögel:</u> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=-KGBqkedzqw">Amseln</a>, Drosseln, Stare, Hausrotschwänze und andere Vögel fressen Schnecken und deren Eier. Die Amsel im verlinkten Video rollt die Schnecke hin und her, um den Schleim zu reduzieren, bevor sie diese frisst. Helfen Sie Vögeln mit einem Angebot entsprechender Nistkästen und der Pflanzung heimischer Vogelnährgehölze. Stellen Sie außerdem Vogeltränken und Wasserstellen zum Baden bereit.</li> <li><u>Igel</u>: Schnecken werden von Igeln in Ermangelung von besser geeigneter Nahrung gefressen. Sie übertragen Innenparasiten auf den Igel, die in Verbindung mit weiteren Stressoren zum Tod führen können. Igel sind eigentlich Insektenfresser, am liebsten mögen sie Käfer. Futter finden Igel in Laub-, Reisig- und Totholzhaufen sowie im Kompost. Stellen Sie außerdem eine Schale mit sauberem Wasser bereit.</li> <li><u>Spitzmäuse:</u> Spitzmäuse sind weder Mäuse, noch Nagetiere. Es sind nützliche Insektenfresser, die gern auch Würmer und Schnecken vertilgen. Sie suchen den ganzen Tag über nach Nahrung, durch das ganze Jahr hinweg. Spitzmäuse leben in Stein- und Laubhaufen. Den Winter verbringen sie gern im warmen Kompost.</li> <li><u>Maulwürfe:</u> Maulwürfe sind nützliche Tiere. Sie belüften den Boden und fressen Schnecken, Engerlinge, Schnakenlarven und Wühlmausbabys. Maulwürfe sind nach Bundesnaturschutzgesetz "besonders geschützt" und dürfen somit weder gestört, gefangen, noch getötet werden. Respektieren Sie das kleine Tier, denn seine Anwesenheit zeigt, dass Ihr Boden gesund und lebendig ist.</li> <li><u>Amphibien & Reptilien:</u> Verschiedene Amphibien (<a href="https://youtu.be/yL9LLkGC7tg">Kröten</a>, Frösche, <a href="https://youtu.be/cyt7aODrX8I">Salamander</a>) und Reptilien (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=s3DYdqzj1q8">Blindschleichen</a>, Eidechsen) fressen (junge) <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/nacktschnecken">Nacktschnecken</a>. Legen Sie, wenn möglich, einen Gartenteich für Frösche an. Verzichten Sie dabei auf den Besatz mit Fischen. Errichten Sie Burgen aus <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/totholz">Totholz</a> oder Steinen an einer sonnigen, ruhigen, vegetationsarmen Stelle für wärmeliebende Reptilien. Laubhaufen dienen Kröten als Sommerversteck und Winterquartier.</li> <li><u>Käfer:</u> <a href="https://youtu.be/MrFuhelfpKs">Laufkäfer</a>, Weichkäfer, Aaskäfer, <a href="https://youtu.be/WP55yUB1pyw">Moderkäfer</a> und deren Larven fressen Schnecken bzw. deren Eier. Käfer mögen Totholz besonders gern. Belassen Sie deshalb tote Bäume, oder zumindest Teile davon, in Ihrem Garten. Alternativ können Sie einen <a href="https://schneckenhilfe.de/kaeferkeller-kaeferburg-anlegen-anleitung/">Käferkeller oder eine Käferburg</a> Auch Leuchtkäfer ("Glühwürmchen") brauchen Totholz, um ihre Eier abzulegen. In ihrem dreijährigen Larvenstadium fressen sie ausschließlich Schnecken. Die <a href="https://www.youtube.com/watch?v=MMNk1Sko1e0">Larven der Glühwürmchen</a> spüren die Schnecken anhand ihrer Schleimspur auf, injizieren ihnen ein Gift und fressen sie innerhalb weniger Stunden auf. Den selten gewordenen Glühwürmchen helfen Sie, indem Sie auf künstliches Licht im Garten verzichten.</li> <li><u>Spinnen:</u> Verschiedene Weberknecht-Arten fressen Schneckeneier. Weberknechte mögen dunkle, feuchte Verstecke wie Baumrinden, Keller oder Spalten im Gestein. Gönnen Sie den Tieren ihren Rückzugsort.</li> <li><u><a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/gliederfuesser">Gliederfüßer</a>:</u> <a href="https://www.youtube.com/shorts/7hMGekThfHQ">Hundertfüßer</a> fressen Schneckeneier und Jungschnecken. Auch Hundertfüßer mögen es dunkel und feucht. Man findet sie unter Laub, Steinen und Borken.</li> <li><u>Schnegel</u>: Ob <a href="https://www.youtube.com/watch?v=PLi3Zwbv1Go">Tigerschnegel</a> tatsächlich ausgewachsene Wegschnecken fressen, ist in Fachkreisen umstritten. Bestätigt ist, dass sie diese zumindest angreifen und verdrängen, sowie auch deren Eier und Jungtiere fressen. Schnegel sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber gern an feuchten, kühlen Orten. Komposter, Stein- und Holzhaufen bieten ihnen Lebensraum. Tigerschnegel haben ein <a href="https://youtu.be/SjNHvTlInJE">spektakuläres Paarungsritual</a>. Ihre <a href="https://youtu.be/f4ivpQIA548">Eier</a> sind transparent, im Gegensatz zur Spanischen Wegschnecke, deren Eier weiß sind. Damit Schnegel und andere nützliche Schnecken in Ihrem Garten leben können, sollten Sie auf den Einsatz von Schneckenkorn verzichten. Denn Schneckenkorn tötet nicht nur Schadschnecken, sondern auch nützliche Schnecken.</li> <li><u>Laufenten</u>: <a href="https://youtu.be/bfwPUH1Wm9Q">Laufenten</a> sind eifrige Schneckenjäger, die meiste Beute machen sie morgens und abends sowie bei feuchtem <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/wetter">Wetter</a>. Doch Achtung, sie fressen genauso viele Nützlinge und machen auch vor Ihren Gemüsepflanzen nicht halt. Am besten, Sie lassen die Enten nach der Bodenbearbeitung – aber vor der Bepflanzung auf den entsprechenden Beeten weiden. Oder Sie koppeln den Gemüsegarten ein und lassen die Enten auf den umliegenden Grünflächen weiden. Beachten Sie, dass für die Haltung von Laufenten Fachkenntnisse und eine entsprechende räumliche Ausstattung notwendig sind. Die schwierigste Hürde ist, den Laufenten eine ausreichende Wasserfläche zur Verfügung zu stellen, welche sie für die Auslebung arteigener Verhaltensweisen benötigen. Ein großer Gartenteich kann diese Anforderungen unter Umständen erfüllen. Kleinere, künstliche Wasserflächen (z.B. Badewannen, Wassercontainer) sind nur geeignet, wenn sie täglich gereinigt und neu befüllt werden können.</li> <li><u>Hühner</u>: Für Hühner sind Schneckeneier eine Delikatesse, aber ausgewachsene Nacktschnecken mögen sie nicht. Zudem bringt die Hühnerhaltung jede Menge Arbeit mit sich. Bevor Sie sich Hühner anschaffen, sollten Sie sich unbedingt die nötigen Fachkenntnisse für eine artgerechte Haltung aneignen.</li> </ul> </p><p> So schützen Sie Ihre Pflanzen mit Barrieren <p>Einige Hindernisse aus bestimmten Materialien können von Schnecken nur schwer oder gar nicht überwunden werden. Damit können Sie einzelne Pflanzen oder ganze Beete vor Schneckenbefall schützen. Zu beachten ist, dass dabei nur die von außen einwandernden Schnecken abgehalten werden. Schnecken, die sich bereits in den zu schützenden Bereichen befinden, müssen abgesammelt werden.</p> <ul> <li><u>Schutzstreifen:</u> Legen Sie um Ihre Beete Schutzstreifen an, die für Schnecken nur schwer zu überwinden sind. Das können z.B. Wege oder Ränder aus Kies sein, oder sehr kurz gemähte Rasenstreifen. Bereiche aus Sand oder Sägespänen zwingen die Weichtiere, besonders viel Schleim zu bilden. Auch das erschwert ihr Vorankommen.</li> <li><u>Abwehrende Mulchmaterialien:</u> Pflanzen können mit frischer <a href="https://youtu.be/P1DKfqknsBs">Schafwolle</a> oder aufgequollenen <a href="https://youtu.be/9bhneGBP_TM">Schafwollpellets</a> vor Schnecken geschützt werden. Das klappt jedoch nur, wenn die Materialien (wieder) trocken sind. Deshalb eignen sie sich besonders gut an Stellen, wo sie vor Regen geschützt sind (z.B. Gewächshaus). Ein weiterer Vorteil der Schafwoll(pellets) ist, dass sie den Pflanzen als Langzeitdünger dienen.</li> <li><u>Schneckenkragen:</u> Kaufen oder basteln Sie einen <a href="https://youtu.be/qDVuxF57X7w">Schneckenkragen</a> für einzelne empfindliche Pflanzen. Insbesondere Setzlinge können damit über einen empfindlichen Zeitraum geschützt werden. Sind die Pflanzen größer, dann bilden sie härteres Gewebe aus, welches für Schnecken weniger schmackhaft ist. Ein Schneckenkragen sollte einen breiten, überstehenden Rand haben und aus robustem, transparentem Material bestehen.</li> <li><u>Pflanzenhüte & Anzuchtglocken:</u> Diese sind insbesondere für den Schutz von Jungpflanzen geeignet. Sie halten nicht nur Schnecken fern, sondern schützen auch vor ungünstiger <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/witterung">Witterung</a>. Man kann sie kaufen oder selbst basteln, z.B. aus großen Einweckgläsern, Plastikflaschen, Schüsseln oder Eimern. In den Boden der Gefäße wird zunächst ein Luftloch gebohrt. Danach werden die Gefäße mit dem Boden nach oben über die Pflanzen gestülpt.</li> <li><u>Schneckenzaun:</u> Auch ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=0aS_F8ohLt0">Schneckenzaun</a> kann das Einwandern der Schnecken stark reduzieren. Da die Zäune relativ teuer sind und das Aufstellen einigen Aufwand verursacht, lohnen sie sich insbesondere für Beete mit empfindlichen Kulturen. Wählen Sie beim Kauf nur Schneckenzäune mit einem großen Überhang, also einem breiten, nach außen gebogenen Rand. Achten Sie beim Aufstellen darauf, dass die einzelnen Stücke ohne Lücken zusammengesetzt werden und nutzen Sie an Ecken spezielle Eckstücke. Halten Sie den Zaun von überhängenden Pflanzen frei, denn Schnecken können diese zur Überwindung der Zäune nutzen.</li> <li><u>Kupferband:</u> Schnecken mögen kein Kupfer, denn dieser <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/stoff">Stoff</a> löst bei Berührung eine chemische Reaktion aus. Beeteinfassungen, Hochbeete und Pflanzgefäße können dementsprechend mit einem (selbstklebenden) <a href="https://youtu.be/MLqippC-LDY">Kupferband</a> geschützt werden. Entscheidend ist, dass das Kupferband mindestens 5 Zentimeter breit ist.</li> <li><u>Schutzanstrich:</u> Senkrecht stehende Materialien können mit einem speziellen <a href="https://youtu.be/uTRRvOHOSk8">Schutzanstrich</a> aus Ölen und Tensiden behandelt werden. Der Anstrich verhindert, dass Schnecken an der Fläche haften bleiben. Sie rutschen ab und können die Fläche somit nicht überwinden. Ein solcher Anstrich kann zum Schutz von Hochbeeten, Pflanzgefäßen und Beeteinfassungen genutzt werden. Er sollte etwa 10 Zentimeter breit aufgetragen werden.</li> </ul> </p><p> Diese Pflanzenarten sind bei Schnecken unbeliebt <p>Einige Pflanzenarten werden von Schnecken gemieden. Grund dafür sind bestimmte Inhaltsstoffe (z.B. Bitterstoffe, Gerbstoffe, Toxine, ätherische Öle) oder bestimmte Eigenschaften der Pflanzen (z.B. behaarte oder ledrige Blätter, Stacheln und Dornen). Häufig wird empfohlen, solche Arten zwischen empfindliche Kulturen zu setzen, oder als Beetumrandung anzulegen. Doch Vorsicht, auf die abschreckende Wirkung solcher Pflanzungen ist nicht immer Verlass. Schnecken können sehr gut riechen, sie navigieren sich problemlos zwischen unbeliebten Pflanzen hindurch, hin zu den Leckerbissen. Welche Pflanzen sie letztendlich (nicht) fressen ist zudem von der Sorte, dem Alter der Pflanze und deren Gesundheitszustand abhängig.</p> <p>Beispiele für Pflanzenarten, die bei Schnecken eher unbeliebt sind:</p> <ul> <li><u>Kräuter:</u> Rosmarin, Salbei, Thymian, Ysop, Kerbel, Oregano, Bohnenkraut, Estragon</li> <li><u>Gemüse:</u> Tomaten, Kartoffeln, Knoblauch, Lauch, Feldsalat, Topinambur, Zuckerhut, Mangold, Rettich, Rote Bete, Porree, Fenchel, Artischocken</li> <li><u>Zierpflanzen:</u> Bartnelken, Ringelblumen, Beinwell, Fingerhut, Eisenhut, Maiglöckchen, Pfingstrosen, Storchenschnabel, Nelkenwurz, Hauswurz, Wolfsmilch, Bergenien, Flockenblumen, Immergrün, Kapuzinerkresse, Königskerze, Rosen, Nachtkerzen, Primeln, Akelei, Ehrenpreis, Kornblumen, Vergissmeinnicht, Wollziest, Traubenhyazinthen, Hortensien</li> <li><u>Zwischenfrüchte:</u> Bitterlupinen, Sommerwicken, Serradella, Phacelia, Ölrettich, Sareptasenf, Gelbsenf, Buchweizen, Sommerlein</li> <li><u>Pflanzen für schneckenabweisende Mulchmaterialien:</u> <a href="https://youtu.be/PUykObZNzV8">getrocknete Minze</a>, Farnblätter, Buchsbaumblätter, Lavendel, frisch gehäckselte Nadelholzrinde</li> <li><u>Pflanzen für schneckenabweisende Jauchen:</u> Brennnessel, Knoblauch, Schafgarbe, Wermut, Efeu, Rainfarn</li> </ul> <strong>Galerie: Bei Nacktschnecken eher unbeliebt</strong> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/3111/bilder/eisenhut-blauer_eisenhut_xaver_klaussner_fotolia_67084623_m.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/akelei_perlphoto_fotolia_93077130_m.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/sterndolde_astrantia_lila_zwoffel_fotolia_41480235_m_1.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/bergenien_m.schuppich_fotolia_84983525_m.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/schwertlilien_christian_mueller_fotolia_67332227_m.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/lambs_ear_kazakovmaksim_fotolia_42330068_m.jpg"> </a> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/blauer_fruehblueher_mallivan_fotolia_50779378_m.jpg"> </a> Weiter <i> </i> Vorherige <i> </i> caption </p><p> Diese Pflanzenarten mögen Schnecken besonders gern <p>Einige Pflanzenarten mögen Schnecken besonders gern. Solche Pflanzen sollten Sie entweder gut schützen oder gar nicht erst anbauen. Sie können diese Pflanzenarten auch ganz gezielt als Ablenkfütterung nutzen, indem Sie ein sogenanntes "Opferbeet" an entfernter Stelle anlegen. Damit sollen die Schnecken aus den Gemüsebeeten in andere Gartenbereiche gelockt werden. Auch direkt im Gemüsebeet können Ablenkfütterungen mit bestimmten Pflanzen, auch Unkräutern, helfen, Ihre Kulturpflanzen zu schützen. Doch auch hier gilt: was tatsächlich gefressen wird, ist von Sorte, Alter und Gesundheitszustand der Pflanzen abhängig.</p> <p>Beispiele für Pflanzenarten, die bei Schnecken besonders beliebt sind:</p> <ul> <li><u>Kräuter:</u> Basilikum, Dill, Beifuß</li> <li><u>Gemüse:</u> alle Salatsorten und Kohlarten, Gurken, Zucchini, Kürbis, Möhren</li> <li><u>Obst:</u> Erdbeeren, Melonen</li> <li><u>Zierpflanzen:</u> Sonnenblumen, Studentenblumen, Rittersporn, Dahlien, Astern, Tulpen, Narzissen, Hyazinthen</li> </ul> </p><p> So können Sie Schnecken effektiv absammeln <p>Schnecken aus den Beeten abzusammeln, klingt zunächst aufwändig. Tatsächlich ist es aber eine sehr effektive Methode. Zudem ist es die einzige Möglichkeit sicherzustellen, dass wirklich nur Schadschnecken, und keine anderen Arten, entfernt werden. Bevor Sie loslegen: prüfen Sie deshalb, ob Sie wirklich den Schadschnecken auf der Spur sind. Bestimmungs-Bücher oder -Apps können dabei helfen. Die meisten anderen Schneckenarten richten keine nennenswerten Schäden in Ihrem Garten an, sie sollten in ihrem Lebensraum belassen werden. Diese Arten ernähren sich vornehmlich von totem Pflanzenmaterial. Sorgen Sie dementsprechend dafür, dass die harmlosen Schneckenarten zumindest in einigen Bereichen Ihres Gartens totes Pflanzenmaterial finden (z.B. Ernterückstände, Mulchmaterialien).</p> <p>Je besser Sie die Lebensweise der Schadschnecken kennen, desto effektiver können Sie die Schneckenjagd gestalten:</p> <ul> <li><u>Schnecken sind nachtaktiv und lieben hohe Luftfeuchtigkeit</u>: Sie finden die Schnecken deshalb am besten, wenn Sie früh morgens, spät abends, oder bei Regenwetter nach ihnen suchen. Mit einem Schneckengreifer, einer Grillzange oder einem Gartenhandschuh lassen sich die Tiere leicht absammeln. Verwenden Sie gegebenenfalls eine Taschenlampe.</li> <li><u>Verstecke erkennen:</u> Schnecken verstecken sich tagsüber gern an Orten, die feucht, kühl und dunkel sind. Schauen Sie unter Steinen, <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/totholz">Totholz</a> und großen Pflanzenblättern nach. Sie können auch extra Verstecke anlegen, um sie von dort bequem abzusammeln. Als Verstecke eignen sich Bretter, Karton, Tontöpfe, umgedrehte Pflanzgefäße oder andere licht- und wärmeundurchlässige Materialien.</li> <li><u>Köder auslegen</u>: Sie können unter so einem Versteck eine "Futterstelle" für die Schnecken anlegen. Das lockt die Schnecken von Ihren Pflanzen weg und erhöht die Effizienz Ihrer Schneckenjagd. Als Köder eignen sich beispielsweise Salatblätter, Weißbrot, Haferflocken, Hunde- oder Katzenfutter. Achten Sie darauf, die Verstecke so anzulegen, dass wirklich nur die Schnecken hineinfinden und keine Ratten oder andere Tiere angelockt werden. Legen Sie die Futterstellen nicht dauerhaft an, sondern erst wenige Tage vor dem Absammeln.</li> <li><u>Ei-Gelege entfernen</u>: Sammeln Sie die Schnecken am besten gleich im Frühjahr, nachdem sie aus ihren Eiern geschlüpft sind. Damit gar nicht erst so viele Schnecken schlüpfen sollten Sie insbesondere nach den Ei-Gelegen suchen. Die weißlichen, stecknadelkopfgroßen Eier der Spanischen Wegschnecke findet man in feuchten Verstecken, z.B. im Kompost, unter Bodenplatten und Pflanzkübeln, oder oberflächlich in der Erde vergraben. Da jedes Gelege bis zu 400 Eier enthalten kann, ist deren Entfernung sehr effektiv. Sie können die Eier zerstören oder im Hausmüll entsorgen. Es reicht auch, die Eier einfach freizulegen, so dass sie von Fressfeinden gefunden werden, und der Sonne bzw. dem Frost ausgesetzt sind.</li> <li><u>Erneutes Einwandern verhindern</u>: Am sinnvollsten ist das Absammeln der Schnecken auf solchen Flächen, die mit einer Barriere gegen neu einwandernde Schnecken gesichert sind.</li> </ul> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/schneckeneier.jpg"> </a> <strong> Schneckeneier </strong> <br> <p>Die weißlichen, stecknadelkopfgroßen Eier der Spanischen Wegschnecke findet man in feuchten Verstecken. Sie können zerstört oder im Hausmüll entsorgt werden. Alternativ können sie einfach freigelegt werden, so dass Nützlinge sie fressen können.</p> Quelle: David W. | www.wikimedia.org | Schneckeneier in einer Mulde | https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0 </p><p> Was tun mit den eingesammelten Schnecken? <p>Die Frage nach dem weiteren Vorgehen mit den abgesammelten Schnecken bleibt häufig unbeantwortet, und auch das <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/uba">UBA</a> hat keinen wirklich guten Rat hierfür. Es bestehen zwei Möglichkeiten: die Schnecken zu töten oder sie an anderer Stelle wieder freizulassen. Doch beide Optionen werfen Fragen bezüglich der korrekten Umsetzung auf. Es ist schwierig, eine Lösung zu finden, die für Gärtner*innen praktikabel ist, den Tieren unnötig langes Leiden erspart und nicht zur weiteren Verbreitung der Wegschnecke in der freien Natur beiträgt.</p> <p><u>Schnecken töten:</u> Schnecken verfügen über ein zentrales Nervensystem und zeigen Schmerzreaktionen. Wenn Sie Schnecken töten, sollten Sie den Tieren Leid ersparen und den Tod zumindest schnell und sicher herbeiführen. Welche Methoden dafür tatsächlich geeignet sind, dazu gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Häufig werden folgende Methoden empfohlen:</p> <ul> <li>Zerschneiden mit einem scharfen Messer oder einer Gartenschere. Der Schnitt sollte am ersten Drittel des Körpers angesetzt werden.</li> <li>Die Tiere in einem Eimer mit kochendem Wasser übergießen. Die Wassermenge muss dabei mindestens so groß sein, dass alle Schnecken davon bedeckt sind.</li> <li>Schnecken einzufrieren versetzt sie in einen schlafähnlichen Zustand bevor sie sterben. Diese Methode ähnelt ihrem natürlichen Tod in einem strengen Winter.</li> <li>Töten Sie die Tiere <u>nicht</u> durch Gift, Salz, Essig, Ertränken oder Ersticken.</li> <li>Beachten Sie, dass <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/nacktschnecken">Nacktschnecken</a> auch (tote) Artgenossen fressen und von deren Geruch angezogen werden. Die getöteten Schnecken sollten deshalb vergraben oder im Hausmüll entsorgt werden.</li> <li>Der Gedanke, die eingesammelten Schnecken an Enten und Hühner zu verfüttern, liegt nahe. Doch Vorsicht! Hausgeflügel, welches an die großen schleimigen Schnecken nicht gewöhnt ist, kann beim hastigen Verzehr leicht daran ersticken. Testen Sie zuerst mit einzelnen Schnecken, ob diese angenommen und vertragen werden!</li> </ul> <p><u>Schnecken an anderer Stelle freilassen</u>: Bedenken Sie, dass Spanische Wegschnecken recht ortstreu sind. Sie werden sich an das gute Buffet in Ihrem Garten erinnern und einige Mühen auf sich nehmen, dahin zurück zu kehren. Ihr Lieblingsfutter finden sie noch aus einer Entfernung von 50 Metern. Bei einer Freilassung sollten Gärten und landwirtschaftlich genutzte Flächen dementsprechend weit entfernt sein. Auch Wald und Naturschutzgebiete sollen sich nicht in der Nähe befinden, um die Ausbreitung der Spanischen Wegschnecke in der freien Natur nicht noch weiter zu beschleunigen. Welche Fläche nun tatsächlich für die Freilassung geeignet ist, um weiteren Schaden möglichst gering zu halten, muss vor Ort verantwortungsbewusst entschieden werden. Von Asphalt umgebene, ungenutzte Wiesen im siedlungsnahen Raum, in denen möglichst viele natürliche Feinde der Wegschnecken vorkommen, sind denkbar. Da Spanische Wegschnecken Hundekot fressen, sind auch städtische Hundewiesen eine Option.</p> </p><p> Auf diese Methoden zur Schneckenabwehr sollten Sie verzichten <ul> <li><u>Bierfallen:</u> Der Geruch lockt <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/nacktschnecken">Nacktschnecken</a> aus der ganzen Umgebung an, doch nur die wenigsten ertrinken tatsächlich in der Bierfalle. Dagegen landen viele Nützlinge in den Fallen. Der Tod durch Ertrinken ist für die Tiere langsam und qualvoll.</li> <li><u>Fadenwürmer</u> (<em>Phasmarhabditis hermaphrodita</em>): Spanische Wegschnecken sind gegen diese Parasiten unempfindlich! Wirksam sind Fadenwürmer gegen Genetzte Ackerschnecken, doch diese kommen in Gärten eher selten vor. Dagegen werden auch nützliche Schneckenarten (z.B. Tigerschnegel) von den Parasiten befallen. Der Tod dauert mehrere Tage. Beim Einsatz der Fadenwürmer gibt es zudem Einiges zu beachten, sie sind sehr empfindlich gegen Licht, Hitze, Kälte, Trockenheit und UV-Strahlung. Der Erfolg der Behandlung ist nur von kurzer Dauer.</li> <li><u>Asche: </u>Verzichten Sie darauf, Asche zu streuen, da sie Schwermetalle und andere Schadstoffe enthalten kann. Die schneckenabweisende Wirkung ist zudem auf wenige Holzarten beschränkt und hält nur im trockenen Zustand an.</li> <li><u>Kaffee(satz) / Koffein:</u> Die Wirkung hält nur sehr kurz an. Manche Pflanzenarten vertragen keinen Kaffee(satz), und insbesondere Jungpflanzen reagieren empfindlich auf das Koffein. Größere Mengen Kaffee(satz) können zudem den <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/ph-wert">pH-Wert</a> des Bodens beeinflussen.</li> <li><u>Verbotene "Hausmittel" wie Salz und Natron:</u> Solche Mittel können nicht nur Schnecken, sondern auch anderen Gartenmitbewohnern schwerwiegenden Schaden zufügen. Salz schädigt zudem die Pflanzenwurzeln und den Boden, außerdem gelangt es ins Grundwasser.</li> </ul> Schneckenkorn nur im Ausnahmefall <p>Als Schneckenkorn werden verschiedene Schneckengifte (Molluskizide) mit unterschiedlichen Wirkstoffen bezeichnet. Die granulatförmigen Fraßköder führen nach der Aufnahme zum Tod der Tiere. Obwohl die zugelassenen Produkte nur gegen Nacktschnecken eingesetzt werden dürfen, können bei der Anwendung genauso harmlose Gehäuseschnecken, nützliche Schnegel und streng geschützte Weinbergschnecken sterben. Da einige Schneckenarten viel empfindlicher auf die Gifte reagieren als die robusten Spanischen Wegschnecken, kann der Einsatz langfristig gerade die harmlosen Schneckenarten in Bedrängnis bringen.</p> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/schneckengift_hans_auf_pixabay.jpg"> </a> <strong> Schneckengift </strong> <br> <p>Schneckenkorn kann auch harmlose Gehäuseschnecken, nützliche Schnegel und streng geschützte Weinbergschnecken töten.</p> Quelle: Hans / pixabay </p><p> <p>Welche Schneckengifte für den Haus- und Kleingarten zugelassen sind, können Sie in der <a href="https://psm-zulassung.bvl.bund.de/psm/jsp/">Datenbank</a> des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) einsehen. Wählen Sie hierfür die Suchbegriffe "<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/nacktschnecken">Nacktschnecken</a>" und "Haus- und Kleingarten (HuK)". Schneckenkorn kann zwei verschiedene Wirkstoffe enthalten: <em>Eisen-III-phosphat</em> oder <em>Metaldehyd</em>. Ein weiterer Wirkstoff, <em>Methiocarb,</em> ist aufgrund seiner toxischen Wirkung für Nager und Vögel seit 2014 in der EU verboten.</p> <ul> <li><u>Eisen-III-phosphat:</u> Gehört zu den "Wirkstoffen mit geringem Risiko" (low-risk substance, gemäß <a href="https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=celex:32009R1107">EU-Verordnung (EG) Nr. 1107/2009</a>). Das sind Stoffe, welche für die Umwelt nicht schädlich sind und bestimmte Anforderungen erfüllen müssen. <em>Eisen-III-phosphat</em> kommt natürlicherweise im Boden vor und wird von Mikroorganismen in die beiden Pflanzennährstoffe Eisen und Phosphat zerlegt. Der Wirkstoff stört den Flüssigkeitshaushalt der Schnecken. Wenn sie davon gefressen haben stellen sie das Fressen ein und ziehen sich in Verstecke zurück. Dort vertrocknen und verhungern sie.</li> <li><u>Metaldehyd</u>: Im Gegensatz zum <em>Eisen-III-phosphat</em> wirkt <em>Metaldehyd</em> stark giftig auf Vögel und Säugetiere. Insbesondere kleine Vogelarten, z.B. Finken, sind in Gefahr, da sie sich mit nur wenigen Körnern tödlich vergiften können. Die Hersteller versuchen, das Risiko durch eine bestimmte Mindestgröße der Köder zu mindern. Das soll verhindern, dass Vögel die Köder aufgrund der Größe mit Futtersamen verwechseln. Es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass sich Vögel, Igel, Amphibien oder Reptilien vergiften, wenn sie sich von Schnecken ernähren, die <em>Metaldehyd</em>-haltiges Schneckenkorn gefressen haben. Eine weitere Gefahr ist, dass Haus- oder Wildtiere das mehlhaltige Schneckenkorn probieren. Insbesondere Vergiftungsfälle bei Hunden sind belegt. Die Schnecken selbst sterben an Austrocknung. Sie verenden meist direkt im Beet und müssen entsorgt werden, damit durch deren Verwesungsgeruch nicht weitere Schnecken angezogen werden. Auch wegen der Vergiftungsgefahr für andere Tiere sollten die verendeten Schnecken schnellstmöglich abgesammelt werden.</li> </ul> <p>Der Einsatz von Schneckenkorn sollte auf Ausnahmefälle beschränkt sein. Bevorzugen Sie grundsätzlich vorbeugende pflanzenbauliche Maßnahmen, nutzen Sie Barrieren und fördern Sie natürliche Feinde der Schnecken. Soll Schneckenkorn dennoch eingesetzt werden, dann sind Produkte mit dem Wirkstoff <em>Eisen-III-phosphat</em> die bessere Wahl. Manche dieser Produkte enthalten jedoch den umweltschädlichen Beistoff <em><a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/edta">EDTA</a></em>. Ob dieser Beistoff enthalten ist, können Sie nicht an der Verpackung erkennen. Sie können aber bei den Herstellern um Auskunft bitten und sich dann für ein <em><u>EDTA</u></em><u>-freies Produkt</u> entscheiden. Verwenden Sie grundsätzlich nur zugelassene Produkte und halten Sie sich genau an die Packungsbeilage.</p> <p>Obwohl Schnecken seit Jahrzehnten intensiv bekämpft werden, ist keinerlei Rückgang der Schadschneckenarten zu verzeichnen. Im Gegenteil, sie verbreiten sich munter weiter und treten dabei in immer größeren Mengen auf. Schneckengifte lösen das Problem also nicht dauerhaft, und auch die oben genannten nicht-chemischen Maßnahmen führen nicht immer zum Erfolg. Gerade die Spanische Wegschnecke kann geschickt Barrieren überwinden, bei Bedarf ihr Nahrungsspektrum anpassen und bereits abgesammelte Bereiche schnell wieder besiedeln. Sie ist extrem anpassungsfähig, unempfindlich gegen parasitäre Nematoden und kann unter bestimmten Umständen sogar Schneckengifte überleben.</p> </p><p>Informationen für...</p>
des Landesamtes für Umwelt Rheinland-Pfalz (LfU) [Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] JAHRESBERICHT 2024 des Landesamtes für Umwelt Rheinland-Pfalz (LfU) Impressum: Herausgeber: Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz Kaiser-Friedrich-Straße 7 • 55116 Mainz Telefon: 06131 6033-0 www.lfu.rlp.de Redaktion und Layout: Stabsstelle Planung und Information Titelfoto: Kartenausshnitt aus der LfU-Cold- und Hotspotkarte Abbildungsnachweis: S. 11: marwin55 – stock.adobe.com; S. 18 unten; Heinz Waldukat – stock.adobe.com; S. 41: Павел Чигирь – stock.adobe.com; S. 48 oben: nd700 – stock.adobe.com alle weiteren Abbildungen, falls nicht anders angegeben: LfU Druck: LM DRUCK + MEDIEN GmbH, Obere Hommeswiese 16, D-57258 Freudenberg © Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz Mai 2025 Nachdruck und Wiedergabe nur mit Genehmigung des Herausgebers Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter. INHALT VORWORT5 ÜBER DAS LANDESAMT6 Hier Messen, Beraten und Bewerten wir6 Zahlen & Fakten8 LfU bietet vielfältige Jobs9 Arbeitskreis Fernerkundung10 KLIMA 12 Neue Karten des LfU zeigen Cold- und Hotspots in Rheinland-Pfalz13 Zukunftsplan Wasser – LfU als oberste Fachbehörde des Landes in zentraler Rolle eingebunden15 UMWELT 18 Sondermessprogramm zu organischen Spurenstoffen im Grundwasser19 Auswirkungen von Mikroplastik auf Mensch und Umwelt – Fachtagung im Rahmen der 3. Mainzer Umwelttage23 Luftschadstoffe: Positiver Trend gebremst25 Messtechnisches Kolloquium in Mainz26 Leitfäden, Handbücher, Arbeitshilfen im Bereich des Bodenschutzes – Einblick in die Arbeitsgruppenarbeit28 Informationsveranstaltung „Gewässerentwicklung aktuell“ 202431 NATUR 34 Start des Monitorings der EU-Vogelschutzgebiete in Rheinland-Pfalz35 Lebensraum-Extremist: die „Sandtaucher“-Steinfliege in den Pfälzerwald-Bächen38 Erster Handlungsleitfaden Saatkrähe veröffentlicht40 Burgunderblutalgen in rheinland-pfälzischen Seen43 Bachpatentage 202546 BEVÖLKERUNG 48 Pfingsthochwasser im südwestlichen Rheinland-Pfalz49 Erster landesweiter Lärmaktionsplan für Rheinland-Pfalz52 Gefährdung von Industriebetrieben durch Starkregen55 Jordanische Fachleute zu Besuch in der Hochwasservorhersagezentrale58 Webseite badeseen.rlp.de in neuem Gewand60 3 4 Rheinallee 97-101, 55118 MainzWallstraße 1, 55122 MainzRheingütestation Worms, Am Rhein 1, 67547 Worms (RA)(WA)(RGS) ohne Zusatz: Kaiser-Friedrich-Str. 7, 55116 Mainz Standorte: Telefonnummer 06131 6033-Durchwahl Dieter Welzel Jens Grünberg Referat 27 DV-Fachanwendungen Gewerbeaufsicht 1213 Janina Sehr 1407 1436 1406 1420 1401 (WA) Wallstraße 1, 55122 Mainz Datenschutzbeauftragter 1211 Martin Franz (RGS) Rheingütestation Worms, Am Rhein 1, 67547 Worms ohne Zusatz: Kaiser-Friedrich-Str. 7, 55116 1511 Mainz Gleichstellungsbeauftragte Eva Finsterbusch (RA) Rheinallee 97-101, 55118 Mainz 1207 Vertrauensperson der Menschen mit Behinderung Standorte: Diana Faller Dr. Dirk Paustian Referat 55 Abwasser N. N. Referat 54 (RGS) Rhein N.N. Referat 53 Gewässerchemie Fulgor Westermann Referat 52 Gewässerökologie, Fischerei Christoph Linnenweber Referat 51 Flussgebietsentwicklung Dr. Jochen Fischer 1526 1580 1516 1513 1517 1501 1619 1601 1606 1637 N.N. Referat 67 (WA) 1681 Radioaktivitätsbestimmungen und radiologische Gewässerbeurteilung Petra Enoch Referat 66 (WA) 1683 Organische Spurenanalytik Wasser Dr. Stefan Ullrich Referat 65 (WA) Allg. Wasseranalytik, Anorganische Spurenanalytik, Badegewässerüberwachung Dr. Michael Weißenmayer Referat 62 (RA) Immissionen und Emissionen Luft Dr. Matthias Zimmer Referat 61 (RA) 1644 Klimawandel, Umweltmeteorologie Markus Willeke Abteilung 6 (RA) Umweltlabor Dr. Heinrich Lauterwald Stabsstelle (RA) Allgemeine Qualitätssicherung Abteilung 5 Gewässerschutz 1203 Thomas Isselbächer Referat 45 1414 Kompetenzzentrum für Staatlichen Vogelschutz und Artenvielfalt in der Energiewende (KSVAE) Steffen Gorell Referat 44 Daten zur Natur, DV-Fachanwendungen Naturschutz Kathrin Linnemann (Vertretung) Referat 43 Mensch und Natur Dr. Marlene Röllig Referat 42 Biologische Vielfalt und Artenschutz Ulrich Jäger Referat 41 Biotopsysteme und Großschutzprojekte Dr. Jana Riemann Abteilung 4 Naturschutz 1102 Vorsitzender des Personalrats Hans AppelReferat 35 1304 DV-Fachanwendungen Kreislaufwirtschaft und Bodenschutz Markus Schmitt N. N. 1271 1307 1308 1332 1317 1301 Referat 26 Lärm, Erschütterungen und nichtionisierende Strahlung Referat 34 Deponietechnik, emissionsbezogener Grundwasserschutz N. N. Referat 33 Bodenschutz Julia Borrmann (Vertretung) Referat 32 Betriebliches Stoffstrommanagement, Sonderabfallwirtschaft Eva Bertsch Referat 31 Kommunales Stoffstrommanagement, Siedlungsabfallwirtschaft Tel. 1902 Allgemeine Vertretung des Präsidenten Paul Burkhard Schneider Eva Bertsch (Vertretung) Abteilung 3 Kreislaufwirtschaft 1917 Martin FranzReferat 25 1211 Sozialer und technischer Arbeits- schutz, Koordinierungsaufgaben Gewerbeaufsicht 1140 Referat 14 Informations- und Kommunikationstechnik 1214 Dr. Jens Schadebrodt Referat 24 Strahlenschutz Marc Deißroth Referat 13 Haushalt, Vergabe 1135 Referat 23 1203 Chemikaliensicherheit, Gefahrgut- transport, Biotechnik, Geräte- u. Produktsicherheit, Geräte- untersuchung N. N. Jennifer Klein (ab 01.06.2025) N. N.Referat 12 Organisation, Innerer Dienst und Fahrdienst 1140 N.N.Referat 21 1244 Emissionshandel, Luftreinhaltung, Anlagensicherheit 1110 1201 Referat 11 Personal, Recht, Aus- und Fortbildung Abteilung 2 Gewerbeaufsicht Dr. Frank Wissmann (komm.) 1102 Milan Sell Stabsstelle Planung und Information Paul Burkhard Schneider Abteilung 1 Zentrale Dienste Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz+ Zentrale: 06131 6033-0 Mail: poststelle@lfu.rlp.de Internet: www.lfu.rlp.de Präsident PD Dr. Frank Wissmann 1712 1712 1710 1717 1701 Stand: 15.05.2025 Salvador Gámez-Ergueta Referat 75 1713 DV-Fachanwendungen Wasser Dr. Stephan Sauer (Vertretung) Referat 74 Grundwasserbewirtschaftung Dr. Stephan Sauer Referat 73 Hydrologischer Dienst des Grundwassers, Grundwasserbeschaffenheit Norbert Demuth Referat 72 Hydrometeorologie, Hochwassermeldedienst Yvonne Henrichs (komm.) Referat 71 Hydrologischer Dienst der oberirdischen Gewässer, Hochwasserschutz Dr. Thomas Bettmann Abteilung 7 Hydrologie VORWORT Liebe Leserinnen und Leser, mit unserem Jahresbericht 2024 möchten wir Ih- nen einen Einblick in unsere besonderen Projekte und umfangreichen Umweltdaten des vergange- nen Jahres bieten. Die Beiträge, gegliedert in un- sere vier Themenfelder „Klima“, „Umwelt“, „Na- tur“ und „Bevölkerung“, nehmen Sie mit auf einen Streifzug durch unsere Arbeit für die Bürgerinnen und Bürger in Rheinland-Pfalz.Besonders freut es mich, dass wir für diese wich- tigen Tätigkeiten in den letzten Jahren zahlreiche neue engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbei- ter gewinnen konnten. Fast ein Drittel unserer Be- schäftigen kam in den letzten Jahren neu zu uns, während langjährige Mitarbeiterinnen und Mit- arbeiter sich in den verdienten Ruhestand verab- schiedet haben – ein echter Generationenwechsel. Als Umweltfachbehörde des Landes messen und erheben wir nicht nur zahlreiche Daten, wie zum Beispiel aus Fließ- und Stehgewässern, Grund- wasservorkommen sowie aus Luft und Böden.Aber nicht nur die Zusammensetzung der Be- schäftigten hat sich geändert, auch bei der Tech- nik und der Datenerhebung ist viel in Bewegung. Mit einem Special zum Thema „Fernerkundung“ in diesem Jahresbericht zeigen wir auf, welche Möglichkeiten Satelliten aus dem All bei der Um- weltbeobachtung bieten. Auch im Bereich der Künstlichen Intelligenz sind vielversprechende Ansätze für unsere Arbeit erkennbar – so betei- ligen wir uns seit diesem Jahr im Rahmen eines Forschungsprojekts mit dem Einsatz von KI in der Hochwasservorhersage. Wir helfen daneben auch beim Schutz der Bevöl- kerung, indem wir unter anderem die Hochwas- servorhersagezentrale des Landes Rheinland-Pfalz betreiben, Radioaktivität in der Umwelt messen oder die Gewerbeaufsicht mit unserem Know- how untersützen. Unsere gut 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbei- ter des LfU ordnen und analysieren diese erhobe- nen Daten und stellen sie Behörden, Kommunen sowie der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. Damit lassen sich der Zustand unserer Umwelt in Rheinland-Pfalz bewerten und zielgerichtete Maßnahmen für Verbesserungen ergreifen. Die meisten dieser Daten sind darüber hinaus über unser Online-Angebot abrufbar. Durch unseren Austausch mit den Umweltämtern der Länder und des Bundes vernetzen wir uns und bleiben hier immer am Ball. Ich wünsche Ihnen einen spannende Lektüre. Ihr Dr. Frank Wissmann Präsident des Landesamtes für Umwelt Rheinland-Pfalz 5
Beschreibung der Kartiereinheiten Die 52 differenzierten Flächentypen , die als Kartiereinheiten für die Stadtstruktur zur Verfügung stehen, werden in sechs Gruppen untergliedert. Dadurch soll zur Unterstützung der Kartierung eine sinnfällige Typzuordnung zu den verschiedenen Nutzungen erleichtert werden. So können z. B. den Blockflächen mit Wohnnutzung nur Flächentypen zugeordnet werden, die den Gruppen „Dichte Wohnbebauung“ und „Aufgelockerte Wohnbebauung“ angehören. In der Karte „Stadtstruktur“ (06.07) werden sich ähnelnde Flächentypen zur besseren Lesbarkeit zu 16 übergeordneten Strukturtypen sowie Gewässer, die nicht zu den „klassischen“ Strukturtypen zählen, zusammengefasst. Eine Definition und Beschreibung der Flächentypen findet sich auch im Bericht zur Dokumentation der Kartiereinheiten und der Aktualisierung des Datenbestandes 2020 (SenStadtWohn 2021a). Gruppe I Tab. 1: Dichte Wohnbebauung Typ 1 Dichte Blockbebauung, geschlossener Hinterhof (1870er – 1918), 5 – 6-geschossig Typ 2 Geschlossene Blockbebauung, Hinterhof (1870er – 1918), 5-geschossig Typ 3 Geschlossene und halboffene Blockbebauung, Schmuck- und Gartenhof (1870er – 1918), 4-geschossig Typ 6 Mischbebauung, halboffener und offener Schuppenhof, 2 – 4-geschossig Typ 10 Blockrandbebauung mit Großhöfen (1920er – 1940er), 2 – 5-geschossig Ty 72 Parallele Zeilenbebauung mit architektonischem Zeilengrün (1920er – 1930er), 2 – 5-geschossig Typ 8 Heterogene, innerstädtische Mischbebauung, Lückenschluss nach 1945 Typ 7 Entkernte Blockrandbebauung, Lückenschluss nach 1945 Typ 73 Geschosswohnungsbau der 1990er Jahre und jünger Typ 9 Großsiedlung und Punkthochhäuser (1960er – 1990er), 4 – 11-geschossig und mehr Typ 11 Freie Zeilenbebauung mit landschaftlichem Siedlungsgrün (1950er – 1970er), 2 – 6-geschossig Der Flächentyp 1 „ Dichte Blockbebauung, geschlossener Hinterhof (1870er-1918), 5-6-geschossig “ entstand in der Gründerzeit (1870 – 1918) zur maximalen Ausnutzung des Bodens für den Wohnungsbau. Er kommt vorrangig innerhalb des S-Bahnringes vor und weist eine geschlossene fünf- bis sechsgeschossige Blockbebauung auf. Zum Teil gibt es noch mehrere Hinterhöfe. Sie sind in der Regel allseitig von Gebäuden umgeben, untereinander nur durch Durchfahrten verbunden und zum Teil auf Lichtschachtgröße reduziert. Die Hinterhöfe werden teilweise gewerblich genutzt. Meist dienen sie aber nur als Zugänge zu Seiten- und Hinterhäusern und als Stellplatz für die Abfallentsorgung oder für Fahrräder. Die Höfe sind nicht nur bei gewerblicher Nutzung nahezu vollständig versiegelt. Dieser Flächentyp ist somit der am dichtesten bebaute und versiegelte Wohnbereich. Mit dem Flächentyp 2 „ Geschlossene Blockbebauung, Hinterhof (1870er-1918), 5-geschossig “ zwischen 1870 und 1918 vorrangig innerhalb des S-Bahnringes für die schnell wachsende Berliner Bevölkerung entstanden. Die Blöcke bestehen zum überwiegenden Teil aus Altbauten mit Seiten- und/oder Querflügeln. Dazu kommen Gewerbe- und Fabrikgebäude, Gemeinbedarfsbauten sowie erneuerte und neue Gebäude im Blockrand. Die Höfe sind mehr-, aber nur selten allseitig von hohen Gebäuden umschlossen. Von benachbarten Höfen werden sie oft durch Mauern oder Zäune getrennt, so dass sie sich zu verwinkelten Blockinnenräumen zusammenfügen. Teilweise wurden im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen Hofflächen durch sparsame Abrisse miteinander vereint und werden nun als zusammenhängende Aufenthaltsfläche für gemeinschaftliche Einrichtungen wie z. B. Kindertagesstätten genutzt. Der Flächentyp ist durch eine starke Durchmischung der Wohnsubstanz mit Arbeitsstätten gekennzeichnet. Auch größere Gewerbebetriebe, die auf eine größere unbebaute Fläche für Lagerzwecke, Anlieferung, Parken etc. angewiesen sind, sind in diesem Flächentyp zu finden. Diese Kategorie weist im Vergleich zum Flächentyp „Dichte Blockbebauung“ einen etwas geringeren Bebauungs- und Versiegelungsgrad auf. In guten Wohngegenden sind die Höfe öfter mit alten Bäumen, gepflasterten Wegen und Schmuckbeeten ausgestattet. In Wohngegenden mit einem geringeren Sanierungsanteil bzw. weniger anspruchsvoller Ausgestaltung der Hofsituation ist der Anteil der vollständig versiegelten und spärlich begrünten Höfe höher. Der Flächentyp 3 „ Geschlossene und halb offene Blockbebauung, Schmuck- und Gartenhof (1870er-1918), 4-geschossig “ ist durch eine viergeschossige Blockbebauung gekennzeichnet; oftmals sind Vorgärten vorhanden. Die Blöcke mit Schmuck- und Gartenhöfen sind während der Gründerzeit (1870er – 1918) in den damaligen Vororten Berlins außerhalb des S-Bahnringes (heutiger Innenstadtrand) entstanden. Die Gebäude haben nur Seiten- oder nur Quergebäude, aber in der Regel nicht beides. Charakteristisch ist ein – im Vergleich zu den beiden vorher beschriebenen Flächentypen gut belichteter Blockinnenraum, der überwiegend gärtnerisch gestaltet ist. Der Flächentyp 6 „ Mischbebauung, halboffener und offener Schuppenhof, 2-4-geschossig “ zeichnet sich durch eine offene Mischbebauung aus, die insbesondere in Innenstadtrand- und Stadtrandlagen zu finden ist und dort vor allem an die alten Ortskerne und Subzentren gebunden ist. Es finden sich Reste alter Bebauung, die schon vor 1870 entstanden – zum Teil niedrige alte Häuser, Schuppen und Werkstätten in den Höfen – und die mit der viergeschossigen Bebauung des Typs „Schmuck- und Gartenhof“ sowie mit Neubauten (sowohl Ein- und Mehrfamilienhäuser als auch Geschosswohnungsbau) aus der Zeit nach 1945 durchsetzt sind. Das Bild dieser Gebiete ist dementsprechend heterogen. Kennzeichnend ist der kleinteilig gegliederte Blockinnenraum, häufig mit gewerblich genutzten Werkstätten, Lager- und Abstellplätzen; es gibt aber auch vereinzelt privat genutzte Gemüse- und Obstgärten. Der Flächentyp 10 „ Blockrandbebauung mit Großhöfen (1920er-1940er), 2-5-geschossig “ bezeichnet eine Art der Blockrandbebauung mit großen Wohninnenhöfen, wie sie in den späten 1920er bis Mitte der 1940er Jahre typisch war. Die großen Höfe werden durch eine geschlossene oder fast geschlossene zwei- bis fünfgeschossige, an den Straßenfluchten orientierte Bebauung gebildet. Sie sind durch mehr oder weniger repräsentativ ausgestattete Eingangsbereiche und manchmal halböffentliche Passagen mit dem Straßenraum verknüpft. Die großflächigen Höfe sind fast vollständig begrünt und durch eine architektonisch-symmetrische Gestaltung geprägt. In einigen frühen Siedlungen wurde der Hof durch heckengefasste Mietergärten genutzt. Ansonsten überwiegt eine Freiraumgestaltung mit Rasenflächen, auf denen verteilt alte Bäume stehen. Besonders charakteristisch sind Arten mit lockerem Habitus (Birke, Weide), die mit symmetrisch angeordneten Bäumen mit architektonischen Formen (Pyramiden-Pappeln, Fichten) kontrastieren. Erschließungswege sind in der Regel sparsam dimensioniert, teilweise wurden jedoch nachträglich Stellplätze und Garagen eingebracht. Im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen werden die Blockinnenbereiche, soweit kein Denkmalschutz besteht, zum Teil vollständig durch neue Gestaltungselemente überformt. Der Flächentyp 72 „ Parallele Zeilenbebauung mit architektonischem Zeilengrün (1920er-1930er), 2-5-geschossig “ beschreibt die Zeilenbebauung der 1920er und 1930er Jahre. Ende der 1920er Jahre und in den 1930er Jahren wurden in Berlin die ersten Häuser in Zeilenform gebaut. Ihr Hauptzweck war bei optimaler Ausnutzung der Grundstücke, in allen Wohnungen viel Licht, Luft und Sonne zu schaffen. Die langgestreckten, zwei- bis fünfgeschossigen Hauszeilen sind parallel zueinander aufgereiht. Der Freiraum zwischen den Häusern ist schmal und langgestreckt und an den kurzen Seiten offen. Die Zeilenbauten geben der Straße eine räumliche Fassung, indem sie nicht locker auf der Fläche verstreut stehen (wie in den Jahren nach 1950 üblich), sondern gleichmäßig rechtwinklig zur Straße stehen, so dass die Schmalseiten die Straßenflucht bilden. Teilweise werden auch abschließende Quergebäude parallel zur Straße angeordnet, so dass eine Mischung aus Zeilen- und Randbebauung entsteht und abwechslungsreiche Außenräume gestaltet werden. Zur optischen Auflockerung werden Durchgänge, Einblicke oder Hausvorsprünge eingesetzt. Außerdem wird der Straßenraum durch leicht vor- und zurück versetzte Gebäude und platzartige Erweiterungen variiert. Vorgärten sind fast immer vorhanden. Der Flächentyp 8 „ Heterogene, innerstädtische Mischbebauung, Lückenschluss nach 1945 “ liegt ebenfalls innerhalb der gründerzeitlichen Wohnquartiere. Im Unterschied zum vorangehenden Flächentyp wurden hier teilweise hohe Miet- und Bürogebäude als Zeilen- oder Punkthäuser auf die Blockfläche gebaut, häufig ohne dass die historische Bauflucht oder die Bauhöhen berücksichtigt wurden. Reste gründerzeitlicher Bebauung sind nur noch vereinzelt anzutreffen. Die Blöcke besitzen weder einen Blockinnenraum noch abgeschlossene halbprivate Hofräume. Die räumlich nicht gefassten Freiflächen dienen als Pkw-Stellplätze in Form von Tiefgaragen und Parkplätzen. Die verbleibenden Freiflächen sind überwiegend als nicht nutzbare Abstandsgrünflächen gestaltet. Der Flächentyp 7 „ Entkernte Blockrandbebauung, Lückenschluss nach 1945 “ liegt verstreut innerhalb der gründerzeitlichen Wohnquartiere in Innenstadt- und Innenstadtrandlage. Die alte, im 2. Weltkrieg zerstörte Bausubstanz wurde durch Wiederaufbau der Altbauten oder Neubebauung der Lücken ersetzt. Die Neubauten wurden in der Regel der alten Bauflucht angepasst, so dass dieser Flächentyp durch einen weitgehend geschlossenen Blockrand charakterisiert ist, der allerdings durch Einfahrten, Parkplätze, Baulücken etc. teilweise unterbrochen ist. Im Rahmen der Modernisierung oder dem Neubau der Vorderhäuser wurden oft sämtliche Quergebäude, Hinterhäuser und Schuppen abgerissen. So entstand gegenüber der ursprünglichen Bebauung ein offenerer Blockinnenraum, der meist an den einzelnen Grundstücksgrenzen mit Zäunen unterteilt ist. Neben den alten Hofgestaltungen dominieren dann häufig Parkplätze mit Umgrünung durch Rasen und Sträucher. Teilweise entstanden aber auch relativ große Innenräume, die als Aufenthaltsraum für die Bewohner mit Grün- und Rasenflächen, Spielplätzen und Bänken gestaltet oder in die Gemeinbedarfseinrichtungen wie Kindertagesstätten gelegt wurden. Der Flächentyp 73 „ Geschosswohnungsbau der 1990er Jahre und jünger “ umfasst alle seit Anfang der 1990er Jahre entstandenen mehrgeschossigen Wohn-Neubauten, die sich erheblich von den typischen Großsiedlungen (vgl. Typ 9 „Großsiedlung und Punkthochhäuser“ (1960er-1990er)) unterscheiden und eine weite Spanne von städtebaulichen Strukturen (z. B. Blockrandbebauung, Zeilenbebauung, Stadtvillen und Townhouses) umfassen. Es handelt sich im Wesentlichen um größere Wohnungsbauvorhaben der 1990er Jahre und der ersten Jahre des 21. Jahrhunderts, die zum Teil im Rahmen städtebaulicher Entwicklungsmaßnahmen realisiert wurden (Wasserstadt Berlin-Oberhavel, Rummelsburger Bucht) sowie weiterer Großprojekte (Karow-Nord, Buchholz etc.). Einfamilienhausgebiete sowie Reihen- und Doppelhaussiedlungen, die erst in den 1990er Jahren oder später entstanden, werden dagegen den entsprechenden Flächentypen mit unspezifischem Baualter zugeordnet (Flächentypen 22: „Reihen- und Doppelhäuser mit Gärten“ und 23: „Freistehende Einfamilienhäuser mit Gärten“). Freiflächen und Innenhofbereiche der seit den 1990er Jahren entstandenen Siedlungen werden häufig als halböffentliche Grünflächen mit Spielplätzen und Aufenthaltsbereichen gestaltet, den Parterre-Wohnungen sind oft Terrassen- oder kleine Gartenbereiche zugeordnet. Stellplätze werden vermehrt in Tiefgaragen untergebracht. Die seit den 1990er Jahren entstandenen Siedlungen weisen zudem aufgrund der aktuellen Standards eine vergleichsweise energiesparende, teilweise ökologisch orientierte Bauweise auf (relativ gute Dämmung, teilweise Passivhäuser, Regenwasserversickerung, Dachbegrünung etc.). Die Bebauung des Flächentyps 9 „ Großsiedlung und Punkthochhäuser (1960er-1990er), 4-11-geschossig und mehr “ entstand zwischen den späten 1960er Jahren bis Ende der 1990er Jahre. Es handelt sich oft um zusammenhängende Großsiedlungen im Stadtrandbereich (Satellitenstädte), die überwiegend in Plattenbauweise errichtet worden sind. Kleinere Siedlungen mit Zeilen oder Blockbebauungen finden sich in den Subzentren und im Innenstadtbereich. Im Ostteil der Stadt wurde die Plattenbauweise punktuell auch innerhalb historischer Strukturen eingesetzt. Typischerweise werden hier, anders als beim nachfolgenden Flächentyp 11 der „Freien Zeilenbebauung der 1950er bis 1970er Jahre“, verschiedene Gebäudehöhen und -formen innerhalb einer Siedlung verwendet. Oft handelt es sich um eine vier- bis achtgeschossige, halboffene Blockrandbebauung oder eine Mischung von Blockrand- und Zeilenbebauung, die z. T. mit mehr als zehngeschossigen Punkthochhäusern oder Hochhausketten kombiniert wird. Insbesondere in den Großsiedlungen haben die Gebäude in ihrer Stellung häufig keinen Bezug zur Straße, so dass eine homogene Straßenraumbildung fehlt. Zwischen den Gebäuden liegen große, räumlich oft nicht gefasste Freiflächen, die durch eine hohe Anzahl ebenerdiger Stellplätze geprägt werden. Auf den unversiegelten Flächen dominieren Zierrasen und Gehölzpflanzungen. Im Rahmen des berlinweiten Programmes „Stärkung Berliner Großsiedlungen“ (SenStadtWohn 2021b) wurden und werden auch bezüglich der Grünflächen der Großsiedlungen vermehrt Anstrengungen zur Qualifizierung dieser Flächen unternommen, um deren Aufenthalts- und ökologische Qualität zu verbessern. Der Flächentyp 11 „ Freie Zeilenbebauung mit landschaftlichem Siedlungsgrün (1950er-1970er), 2-6-geschossig “ entstand in der Nachkriegszeit hauptsächlich in den 1950er bis 1970er Jahren im Rahmen der Wiederaufbauprogramme. Die langgestreckten, in Zeilen angeordneten, hauptsächlich viergeschossigen Hausblöcke wurden meist in Form zusammenhängender Siedlungen in vom Krieg stark zerstörten ehemaligen Wohnbereichen der Innenstadt sowie in den Randbereichen der kompakten Bebauung am Innenstadtrand errichtet. Die Bebauung orientiert sich, im Gegensatz zur Zeilenbebauung der 1920er und 1930er Jahre, nicht mehr direkt am vorgegebenen Straßenraster. Sie steht vielfach in Ost-West-Richtung, um die Besonnung der Wohnungen zu gewährleisten, ist aber nicht mehr so streng parallel angeordnet wie die in den 1920er und 1930er Jahren errichteten Zeilen. In den späteren Jahren baute man die Zeilen häufig gestaffelt in versetzter Anordnung oder reihte sie beliebig um ein geschwungenes Straßennetz an. In den 1970er Jahren baute man auch in Ketten- oder Spinnenform. In Gegensatz zum Flächentyp „Großsiedlung und Punkthochhäuser“ sind dabei in den einzelnen Siedlungen in der Regel einheitliche Bauformen und -höhen vorzufinden. Gruppe II Tab. 2: Aufgelockerte Wohnbebauung Typ 25 Verdichtung im Einzelhausgebiet, Mischbebauung mit Garten und halbprivater Umgrünung (1870er bis heute) Typ 21 Dörfliche Mischbebauung Typ 24 Villen und Stadtvillen mit parkartigen Gärten (überwiegend 1870er – 1945) Typ 22 Reihen- und Doppelhäuser mit Gärten Typ 23 Freistehende Einfamilienhäuser mit Gärten Typ 59 Wochenendhaus- und kleingartenähnliches Gebiet Der Flächentyp 25 „ Verdichtung im Einzelhausgebiet, Mischbebauung mit Garten und halbprivater Umgrünung (1870er bis heute) “ entwickelt sich aus Gebieten der Flächentypen 23 „Freistehende Einfamilienhäuser mit Gärten“ oder Typ 24 „Villen und Stadtvillen mit parkartigen Gärten“. Da vor allem im ehemaligen West-Berlin nicht ausreichend freies Bauland zur Verfügung stand, ging man in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dazu über, alte Villen und Einfamilienhäuser abzureißen und durch den Neubau größerer Miet- oder Apartmenthäuser zu ersetzen, oder die Grundstücke zu teilen und weitere Häuser im ehemaligen parkartigen Garten zu errichten. Der großzügige Blockinnenraum wird nun von Gebäuden durchsetzt. Bei den Neubauten handelt es sich häufig um Mehrfamilienhäuser oder Geschosswohnungsbau, bei dem es keine Gärten mehr gibt, sondern eine das ganze Haus umgebende halbprivate Umgrünung. Der Versiegelungs- und Bebauungsgrad dieses Flächentyps ist dementsprechend höher als bei den Flächentypen 23 „Freistehende Einfamilienhäuser mit Gärten“ und 24 „Villen und Stadtvillen mit parkartigen Gärten“. Das Phänomen ist im Südwesten der Stadt besonders stark ausgeprägt. Der Flächentyp 21 „ Dörfliche Mischbebauung “ liegt im Bereich der alten Ortskerne und ist als Folge neuerer Bebauung insbesondere der Freiräume nur noch außerhalb des S-Bahnringes und nur noch selten in erhaltener Dorfstruktur anzutreffen (z. B. in Kladow, Marienfelde, Buchholz, Malchow, Heiligensee). Die dörfliche Bebauung besteht heute aus einer Mischung von Neubauten und den typischen Bauernhöfen sowie alten Häusern der ehemaligen Dorfkerne. Entscheidend ist, dass die dörflichen Freiraumelemente wie Straßenführung, Anger, Dorfteich, Gutspark, Friedhof an der Kirche etc. teilweise noch ablesbar und in den Randgebieten der Stadt z.T. noch weitgehend erhalten sind. Die typische alte dörfliche Bebauung hat entlang der Straße ein- bis zweigeschossige Wohnhäuser mit dahinterliegenden Wirtschaftshöfen, die oftmals von den Wirtschaftsgebäuden aus Backstein umschlossen werden. Dahinter befinden sich Obst- und Gemüsegärten. Diese niedrige Bebauung wurde im Innenstadtrandbereich durch mehrgeschossige Blockbebauung und im Stadtrandbereich durch Ein- und Mehrfamilienhäuser ergänzt. Neben der Wohnfunktion übernehmen die alten Dorfbereiche heute oft die Funktion örtlicher Subzentren mit Läden, Einzelhandel, Verwaltungszentren, kleineren Werkstätten, Reiterhöfen, Gastronomie und Gartencafés in den alten Hofgebäuden. Der Flächentyp 24 „ Villen und Stadtvillen mit parkartigen Gärten (überwiegend 1870er – 1945) “ umfasst Siedlungsbereiche mit Villen und Stadtvillen, die überwiegend aus dem Zeitraum der Gründerzeit bis zum Kriegsende stammen. Villen sind repräsentative Einfamilienhäuser mit Garten. Stadtvillen ähneln in Bauweise und Gesamteindruck der Villa, sind aber Mehrfamilienhäuser mit etwas größerem Bauvolumen. Bei gleicher Nutzungscharakteristik verfügen diese Gebiete im Vergleich zu dem Flächentyp „Freistehende Einfamilienhäuser mit Gärten“ über größere Grundstücke und ein größeres Gebäudevolumen. Die Gebäude stehen hinter einheitlich breiten Vorgärten in einer Baufluchtlinie relativ dicht nebeneinander am Blockrand. Sie bilden einen gut erkennbaren Blockinnenraum. Die Grundstücke sind durch Hecken oder Mauern getrennt, zum Teil auch durch alte Backsteingebäude, die früher Wohnraum für Angestellte, Schuppen- und Waschhausfunktion hatten und heute häufig als Garagen dienen. Bei den Stadtvillen ist der Blockinnenraum auf Grund des größeren Bauvolumens manchmal relativ klein. Der parkartige Eindruck dieser Gärten entsteht durch den alten Baumbestand, der sich durch große, zum Teil exotische Exemplare auszeichnet. Teilweise sind in den Gärten Gemüse- und Blumenbeete vorhanden, dominierend ist jedoch die mit Bäumen bestandene Rasenfläche mit begleitenden Zierbeeten. Dieser Flächentyp kommt selten in reiner Form blockweit vor, da die durch Kriegsschäden entstandenen Lücken mit Gebäuden anderen Baustils aufgefüllt wurden. Außerdem ist der Veränderungsdruck durch Nachverdichtung aufgrund der relativ großen Grundstücksflächen bei diesem Flächentyp besonders groß (vgl. auch Typ 25 „Verdichtung im Einzelhausgebiet, Mischbebauung mit Garten und halbprivater Umgrünung (1870er bis heute)“). Der Flächentyp 22 „ Reihen- und Doppelhäuser mit Gärten ” beschreibt Reihenhaussiedlungen oder eng stehende Doppelhäuser mit mehr oder weniger lang gestreckten Gärten. Für die Größe des Gartengrundstücks war bis 1945 maßgeblich, dass der Eigenbedarf an Gemüse, Kartoffeln und Obst gedeckt werden konnte und die Haltung von Kleinvieh und Hühnern möglich war. Ein gewisser Anteil an Gemüse und Blumenbeeten, Obstbäumen und -sträuchern ist in diesen alten Reihengärten z.T. bis heute noch vorhanden. Bis 1945 wurden die Häuser immer am Blockrand gebaut, so dass die Gärten im Blockinnern eine große, zusammenhängende grüne Fläche bilden. Die modernen Reihenhäuser stehen meistens nicht mehr um den Blockrand, sondern an Stichstraßen und Erschließungen gestaffelt ins Innere der Blockfläche. Dadurch gibt es keine gemeinsamen offenen Blockinnenräume mehr, sondern nur aufgereihte, einzeln zum Nachbarn hin abgeschirmte Gärten. Ab den 1990er Jahren findet eine Entwicklung zum flächensparenden Bauen statt, bei der durch geringere Grundstücksgrößen der Überbauungsgrad der Grundstücke zunimmt; der Garten nimmt teilweise kaum noch die Hälfte der Grundstücksfläche ein. Die Gärten der Doppelhäuser sind etwas größer als die der Reihenhäuser. Der Flächentyp „Reihen- und Doppelhäuser mit Garten“ gehört immer noch zu den Flächentypen mit einem hohen Freiflächenanteil. Zu dem Flächentyp 23 „ Freistehende Einfamilienhäuser mit Gärten “ gehören zum einen Einfamilienhausgebiete, in denen die Häuser überwiegend in einer Baufluchtlinie hinter gleich tiefen Vorgärten stehen und in denen nur vereinzelt kleinere, einzelnstehende Mehrfamilienhäuser mit entsprechenden Gartengrundstücken integriert sind. Hinter dem Haus erstreckt sich der eigentliche Gartenbereich, der heute meist für Freizeitaktivitäten oder als Ziergarten, aber weniger als Obst- und Gemüsegarten genutzt wird. Im Blockganzen gesehen bildet dieser Gartenbereich einen großen Freiraum, der allerdings durch Zäune und Hecken stark unterteilt ist. Zum anderen werden auch Siedlungsgebiete zu diesem Flächentyp gezählt, die durch eine meist ungeplant gewachsene, inhomogene Baustruktur mit einer häufig ein- bis zweigeschossigen Bebauung aus Einfamilienhäusern, Bungalows, Werkstätten und Garagen unterschiedlichen Baualters charakterisiert sind. Solche offenen, meist ungegliederten Siedlungsgebiete befinden sich in den Außenbezirken der Stadt im Anschluss an die kompakte Bebauung und am Stadtrand. Durch die Errichtung von Gebäuden auf sogenannten Hammergrundstücken in den Blockinnenbereichen und durch die Nachverdichtung mit Mehrfamilienhäusern und Geschosswohnungsbau wird die Bebauungsdichte dieser Gebiete zum Teil erhöht (vgl. auch den Flächentyp 25 „Verdichtung im Einzelhausgebiet, Mischbebauung mit Garten und halbprivater Umgrünung (1870er bis heute)“). Dem Flächentyp 59 „ Wochenendhaus- und kleingartenähnliches Gebiet “ werden alle Block(teil)flächen zugeordnet, die in der Realnutzungskarte als „Wochenendhaus und kleingartenähnliche Nutzung“ dargestellt werden. Wochenendhäuser werden – qua Definition – nicht dauerhaft bewohnt und dienen eher der Erholungsnutzung. Gegenüber einer Einzelhausbebauung mit Wohnnutzung zeichnen sich diese Blöcke in der Regel durch ein geringeres Gebäudevolumen und eine kleinteiligere Parzellierung der Grundstücke aus. Gegenüber Kleingartengebieten sind diese Flächen jedoch dichter bebaut und die Parzellen im Allgemeinen größer. Gruppe III Tab. 3: Handel, Dienstleistung, Gewerbe und Industrie Typ 29 Kerngebiet Typ 31 Gewerbe- und Industriegebiet, großflächiger Einzelhandel, dichte Bebauung Typ 38 Mischgebiet ohne Wohngebietscharakter, dichte Bebauung Typ 30 Gewerbe- und Industriegebiet, großflächiger Einzelhandel, geringe Bebauung Typ 33 Mischgebiet ohne Wohngebietscharakter, geringe Bebauung Typ 32 Ver- und Entsorgung Dem Flächentyp 29 „ Kerngebiet “ werden alle Blockflächen zugeordnet, die in der Realnutzungskarte als Kerngebietsnutzung dargestellt werden. Es handelt sich um Bereiche mit hoher Nutzungsintensität und –dichte, die ausschließlich in den Zentrumsbereichen der Innenstadt sowie den bezirklichen Hauptzentren zu finden sind. Die Kerngebiete besitzen eine übergeordnete Bedeutung für Handel, private und öffentliche Dienstleistungen sowie kulturelle und wissenschaftliche Einrichtungen. Teilweise werden auch übergeordnete Gemeinbedarfsstandorte (wie z. B. überwiegend dem Bund zuzuordnende Verwaltungen, Botschaften u. ä.) im Innenstadtbereich dieser Kategorie zugeordnet. Die Flächen sind nicht identisch mit den im Flächennutzungsplan (FNP) dargestellten gemischten Bauflächen mit Kerngebietscharakter. Baustrukturell sind große Unterschiede zwischen den einzelnen Gebieten festzustellen. Das Spektrum reicht von gründerzeitlicher Blockbebauung bis hin zu in jüngerer Zeit entstandener Hochhausbebauung. Generell zeichnen sich die Flächen durch eine hohe städtebauliche Dichte und einen hohen Versiegelungsgrad aus. Der Flächentyp 31 „ Gewerbe- und Industriegebiet, großflächiger Einzelhandel, dichte Bebauung “ beschreibt Gebiete mit einer entsprechenden Nutzung, deren Grundstücksflächen mehr als zur Hälfte bebaut und intensiv genutzt sind. Vor allem in den Stadtrandlagen sind die für Gewerbe- und Industriegebiete typischen Bebauungsstrukturen mit großen Gebäudekubaturen anzutreffen. Dagegen passt sich die Bebauungsstruktur in den innenstadtnahen Bereichen teilweise – besonders auf kleineren Blöcken – in die kleinteiligere Bebauung der Umgebung ein. Der Flächentyp 38 „ Mischgebiet ohne Wohngebietscharakter, dichte Bebauung “ beschreibt Blockflächen der Mischnutzungen, deren Grundstücksflächen mehr als zur Hälfte bebaut sind und deren Freiflächen nahezu vollständig als Stellplätze oder Lagerflächen genutzt werden. Sie sind durch eine Mischung aus Wohnnutzung und Gewerbe geprägt. Das äußere Erscheinungsbild wird dabei eher durch die gewerbliche Nutzung geprägt, die Charakteristik der Wohnnutzung tritt in den Hintergrund und der Block kann daher keinem der Flächentypen mit Wohngebietscharakter (siehe oben: Gruppe I) zugeordnet werden. Dieser Flächentyp kommt vor allem in den innerstädtischen, verdichteten Gebieten und den Zentren des äußeren Stadtraumes vor. Man findet hier überwiegend eine mehrgeschossige Bebauung, häufig mit Geschäften an den Straßenfronten und Lager- oder Fertigungshallen in den Höfen. Die Grundstücksflächen sind zu mehr als der Hälfte überbaut. Der Flächentyp 30 „ Gewerbe- und Industriegebiet, großflächiger Einzelhandel, geringe Bebauung “ beschreibt Gebiete mit einer entsprechenden Nutzung, deren Grundstücksflächen bis höchstens zur Hälfte bebaut sind. Die Nutzung der großen Grundstücksflächen dient hier fast ausschließlich der gewerblichen Produktion, der Lagerung und dem Güterumschlag oder als Pkw- und Lkw-Stellplatz. Wohnnutzung ist kaum noch vorhanden. Die Gewerbegebiete mit geringer Bebauung befinden sich vermehrt in den Stadtrandbereichen, vorwiegend im Bereich günstiger Verkehrsverhältnisse wie Autobahnen, Bahnanschlüssen und Wasserwegen. Sie weisen eine in der Nachkriegszeit entstandene, überwiegend eingeschossige Bebauung mit großzügigen Abstandsflächen auf. In untergenutzten Bereichen kann eine Durchmischung mit Brachflächen auftreten. Insgesamt weisen diese Gebiete einen geringeren Versiegelungsgrad auf als die Gewerbe- und Industriegebiete mit dichter Bebauung. Der Flächentyp 33 „ Mischgebiet ohne Wohngebietscharakter, geringe Bebauung “ beschreibt Blockflächen der Mischnutzungen, deren Grundstücksflächen bis höchstens zur Hälfte bebaut sind. Die gewerbliche Bebauung, die erst in jüngerer Zeit hauptsächlich außerhalb des S-Bahnrings entstand, besteht aus überwiegend eingeschossigen Hallen- und Gebäudekomplexen mit großen Abstandsflächen. Bei den gewerblich genutzten Flächen handelt es sich oft um Gewerbe mit hohen Anteilen an offenen Lager-, Umschlag- sowie Pkw- und Lkw-Stellplätzen (Schrottplätze, Baustoffhandel, Speditionen, Einzelhandelsbetriebe). Sie nehmen einen wesentlichen Teil der Blockfläche ein, so dass der Block keinem der Flächentypen mit Wohngebietscharakter (siehe oben: Gruppe I) zugeordnet werden kann. Es kommen auch größere nicht oder nur extensiv genutzte Bereiche vor, auf denen sich Spontanvegetation in unterschiedlichen Entwicklungsphasen befindet (Brachflächen). Insgesamt weisen diese Gebiete einen geringeren Versieglungsgrad auf als die Mischgebiete mit dichter Bebauung. Dem Flächentyp 32 „ Ver- und Entsorgung “ werden alle Blockflächen zugeordnet, die in der Realnutzungskarte als Ver- und Entsorgungseinrichtungen dargestellt werden. Die Kategorie umfasst Flächen der technischen Infrastruktur mit Anlagen für die Elektrizitäts-, Gas-, Wasser- und Fernwärmeversorgung sowie der Abfallentsorgung und der Abwasserbeseitigung. Der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) sowie die Bus- und Tram-Betriebshöfe werden ebenfalls dieser Kategorie zugeordnet. Gruppe IV Tab. 4: Verkehrsflächen Typ 92 Bahnhof und Bahnanlagen ohne Gleiskörper Typ 99 Gleiskörper Typ 91 Parkplatz Typ 94 Sonstige Verkehrsfläche Typ 93 Flughafen Unter dem Flächentyp 92 „ Bahnhof und Bahnanlage ohne Gleiskörper “ sind alle Bahnanlagen außer den Gleiskörpern erfasst, wie z. B. oberirdische Bahnhofsanlagen, Güter- bzw. Verladebahnhöfe, Werkstattgelände etc.; auch ehemalige Güter- und Verladebahnhöfe werden dergestalt zugeordnet, solange keine anderweitige Nutzung bzw. veränderte Eigentumsverhältnisse bekannt werden. Die Bahnflächen stellen einen Sonderfall bei der Blockteilflächenbildung dar. Um die Bildung von Blockteilflächen auf das notwendige Maß zu beschränken, wird hier vermehrt von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, Flächen mit einer Doppelnutzung zu belegen. So werden Wald, Stadtplätze / Promenaden, Kleingartenanlagen sowie Brachflächen, die mit Bahnanlagen zusammen in den Bahnblöcken enthalten sind, als Doppelnutzung Verkehrsfläche mit entsprechender Grünnutzung kartiert, sofern die Grünnutzung einen Flächenanteil > 50 % einnimmt. Wird die Fläche durch die Bahn genutzt, dann erfolgt die Typzuweisung entsprechend der betreffenden Bahnnutzung, ansonsten wird die Fläche dem Flächentyp „Sonstige Verkehrsfläche“ zugeordnet. Der Flächentyp 99 „ Gleiskörper “ beschreibt die Gleisanlagen der S- und Fernbahn sowie die außerhalb der Tunnel in einem offenen Einschnitt verlaufenden U-Bahnabschnitte. Der Verlauf der Schienenstränge wird dabei durchgängig dargestellt. Der Flächentyp 91 „ Parkplatz ” wird nur für die Park- und Stellplätze, Parkhäuser sowie Garagenanlagen vergeben, die einen gesamten statistischen Block einnehmen oder offensichtlich nicht mit der im Block vorhandenen Nutzung im Verbund stehen, sodass eine Teilflächenbildung gerechtfertigt ist. So werden z. B. für Stellplatzanlagen im Bereich von Großsiedlungen auch dann keine Blockteilflächen gebildet, wenn sie über der Erfassungsgrenze von einem Hektar liegen, da sie zur speziellen Struktur dieser Wohnnutzung gehören. Liegen diese Stellplätze jedoch in einem separaten Block, werden sie der Nutzung Verkehrsfläche und dem Typ Parkplatz zugeordnet. Diese Vorgehensweise gilt auch für Parkplatzanlagen in der Umgebung von Gemeinbedarfs- und Sondernutzungen, wie z. B. dem Olympiastadion und dem Messegelände. Außerdem werden Mittelstreifen, die als Parkplatz genutzt werden, sowie vereinzelt liegende Großparkplätze im Stadtbereich und in den Erholungsgebieten diesem Typ zugeordnet. Unter dem Flächentyp 94 „ Sonstige Verkehrsfläche “ sind Straßenbahngleisbetten, Verkehrsinseln (außer denjenigen, die als Parkplatz zu erkennen sind), verkehrsbegleitende Grün- und Brachflächen sowie Promenaden zusammengefasst. Es werden auch Wälder und Forsten, Parks / Grünflächen, Stadtplätze / Promenaden, Kleingartenanlagen oder Brachflächen, die in den Bahnblöcken liegen, ohne dass die Flächen durch die Bahn genutzt werden, diesem Flächentyp zugeordnet. In der Nutzungskartierung erhalten sie die Doppelnutzung Verkehrsfläche zusammen mit der entsprechenden Grünnutzung. Unter dem Flächentyp 93 „ Flughafen “ sind sowohl die Rollbahnen, Abfertigungsgebäude und die Erschließungsflächen wie Straßen und Parkplätze erfasst, als auch die extensiven Freiflächen, die die Rollbahnen des Flughafens umgeben und die mit der Doppelnutzung Verkehrsfläche und Brachfläche kartiert wurden. In der Kartierung 2020 ist der Flughafen Tegel noch als Flächentyp 93 kartiert. Er war bis zum 8. November 2020 ein internationaler Verkehrsflughafen und wurde am 5. Mai 2021 entwidmet. Gruppe V Tab. 5: Gemeinbedarf und Sondernutzung Typ 43 Verwaltung Typ 45 Kultur Typ 41 Sicherheit und Ordnung Typ 12 Altbau-Schule (Baujahr vor 1945) Typ 13 Neubau-Schule (Baujahr nach 1945) Typ 44 Hochschule und Forschung Typ 47 Kindertagesstätte Typ 51 Sonstige Jugendeinrichtung Typ 58 Campingplatz Typ 60 Sonstiges und heterogenes Gemeinbedarfs- und Sondergebiet Typ 49 Kirche Typ 46 Krankenhaus Typ 98 Baustelle Alle Blockflächen, die in der Realnutzungskartierung mit einer Gemeinbedarfs- und Sondernutzung kartiert wurden, werden einem der folgenden Flächentypen zugeordnet. Der Flächentyp 43 „ Verwaltung ” wird für Standorte öffentlicher Verwaltungen vergeben. Darunter fallen z. B. die Bezirksämter, Rathäuser, Arbeitsagenturen, Gerichte, Senatsverwaltungen und Bundeseinrichtungen wie die Standorte der Ministerien und des Bundestages. Botschaften werden dagegen der Kategorie „Sonstiges und heterogenes Gemeinbedarfs- und Sondergebiet“ (Typ 60) zugeordnet. Unter dem Flächentyp 45 „ Kultur ” sind Museen, Theater, Opernhäuser, die Philharmonie und ähnliche kulturelle Standorte zusammengefasst. Flächige Ehren- und Denkmale sind hier ebenfalls enthalten. Zu dem Flächentyp 41 „ Sicherheit und Ordnung ” zählen die von Polizei, Feuerwehr, Strafvollzugsanstalten und Militär genutzten Flächen. Der Flächentyp 12 „ Altbau-Schule (Baujahr vor 1945) ” beschreibt die bis zum Jahr 1945 gebauten Schulen, die innerhalb der Quartiere der gründerzeitlichen Blockbebauung auf relativ kleinen Grundstücken Platz gefunden haben. Vom Baustil her entsprechen sie den gründerzeitlichen Flächentypen. Die unbebauten Flächen werden als Pausenhof mit Spielbereichen oder auch als Sportanlage genutzt. Der Flächentyp 13 „ Neubau-Schule (Baujahr nach 1945) ” beschreibt die seit 1945 entstandenen Schulen. Insbesondere die in den 1970er Jahren entstandenen Schulzentren verfügen über sehr große Grundstücke, deren Freiflächen als Pausenhof mit Spielbereich und als Sportanlagen genutzt werden. Sowohl der Flächentyp „Neubau-Schule“ als auch der Flächentyp „Altbau-Schule“ umfassen ausschließlich allgemeinbildende Schulen und Oberstufenzentren. Standorte von Musikschulen, Garten¬arbeitsschulen, Volkshochschulen etc. werden im Flächentyp 60 „Sonstiges und heterogenes Gemeinbedarfs- und Sondergebiet“ eingeordnet, weil sie nicht die für Schulen typischen Gebäude- und Freiflächenstrukturen aufweisen. Zu dem Flächentyp 44 „ Hochschule und Forschung ” zählen neben einigen wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen vor allem die Einrichtungen der Universitäten und Hochschulen sowie die den Hochschulen und sonstigen Einrichtungen zugeordneten Lehr- und Versuchsfelder mit landwirtschaftlichem oder gartenbaulichem Charakter, die in der Nutzungskartierung als Gemeinbedarfs- und Sondernutzung mit einer entsprechenden Freiflächennutzung als Doppelnutzung kartiert wurden. Unter dem Flächentyp 47 „ Kindertagesstätte ” sind größere Block(teil)flächen einnehmende Kindertagesstätten erfasst. Kleinere Anlagen werden regelmäßig im Zusammenhang mit anderen Gemeinbedarfseinrichtungen, wie z. B. Schulen oder als Teil von Wohngebieten kartiert. Die nach dem zweiten Weltkrieg errichteten Gebäude sind meist ein- bis zweigeschossig, selten drei- oder mehrgeschossig. Die älteren Gebäude sind dem jeweiligen Baustil der Umgebung angepasst. Die Kindertagesstätten weisen einen recht hohen Freiflächenanteil auf, der als Aufenthalts- und Spielbereich oft intensiv gestaltet und genutzt wird. Der Flächentyp 51 „ Sonstige Jugendeinrichtung “ umfasst größere Standorte von Jugendeinrichtungen, die nicht anderen Kategorien zugeordnet werden können. Hierunter fallen z. B. Jugendklubs, Jugendfreizeitheime, Jugendausbildungszentren, Kinder- und Jugendheime, Kinder- und Jugendzirkusse, Schullandheime, Verkehrsschulen sowie Jugendherbergen und Jugendgästehäuser. Unter dem Flächentyp 58 „ Campingplatz ” werden Zeltplätze, Campingplätze sowie Dauercampingplätze mit mobilen Unterkünften geführt, nicht jedoch überwiegend versiegelte reine Caravan-Abstellplätze mit Parkplatzcharakter. Bebaute Flächen ergeben sich durch Infrastruktureinrichtungen wie Sanitärgebäude, Einkaufsmöglichkeiten oder Gaststätten; der Bebauungsgrad ist insgesamt jedoch generell relativ gering. Unter dem Flächentyp 60 „ Sonstiges und heterogenes Gemeinbedarfs- und Sondergebiet “ sind alle Gemeinbedarfsflächen zusammengefasst, die wegen fehlender Angaben oder als Folge der Systematik keinem anderen Flächentyp mit Gemeinbedarfs- und Sondernutzungen zuzuordnen waren (z. B. Musikschulen, Studierenden- und Seniorenwohnheime oder Behindertenwerkstätten, aber auch großflächigere Einrichtungen wie der Zoologische Garten, der Tierpark und das Messegelände). Der Flächentyp 49 „ Kirche ” wird vergeben, wenn ein wesentlicher Teil der Fläche eines Blockes bzw. einer Blockteilfläche von Kirchengebäuden eingenommen wird. Sie treten oft im Verbund mit Stadtplätzen oder Friedhöfen auf und können mit einer entsprechenden Doppelnutzung kartiert werden. Der Flächentyp 46 „ Krankenhaus “ umfasst sowohl die baulichen Anlagen als auch die teilweise weitläufigen Außenanlagen der jeweiligen Einrichtung. Die Entstehungszeit der Krankenhäuser fällt in die unterschiedlichsten Bauepochen. Die Anfang des 20. Jahrhunderts entstandenen Krankenhauskomplexe wurden z. T. in Pavillonbauweise errichtet. Die relativ großen Außenanlagen wurden parkartig gestaltet und weisen einen hohen Anteil an Erschließungsflächen auf. In neuerer Zeit ist dieser Baustil zugunsten eines zentralen Hauptgebäudes aufgegeben worden. Große, parkartige Außenanlagen sind aber auch hier meist typisch. Dem Flächentyp 98 „ Baustelle “ werden alle Flächen zugeordnet, die auch in der Realnutzungskarte als Baustelle dargestellt sind. Es handelt sich um Flächen mit typischem Baustellencharakter, in der Regel offenem Boden. Wenn bereits die Fundamente bzw. ersten Stockwerke der Neubebauung zu erkennen sind, erfolgt die Einordnung gemäß der geplanten Nutzung. Naturgemäß ist dieser Flächentyp sehr abhängig vom Zeitpunkt der Erfassung. Gruppe VI Tab. 6: Grün- und Freiflächen Typ 54 Stadtplatz / Promenade Typ 17 Sportanlage, gedeckt Typ 16 Sportanlage, ungedeckt Typ 36 Baumschule / Gartenbau Typ 37 Kleingartenanlage Typ 53 Park / Grünfläche Typ 27 Friedhof Typ 57 Brachfläche Typ 56 Landwirtschaft Typ 55 Wald Typ 100 Gewässer Dem Flächentyp 54 „ Stadtplatz / Promenade “ werden alle Flächen zugeordnet, die in der Realnutzungskarte mit der entsprechenden Nutzung kartiert wurden, sofern ihnen keine Doppelnutzung als Gemeinbedarfs- und Sondernutzung oder als Verkehrsfläche zugewiesen wurde. Es handelt sich um öffentliche Räume des städtischen Lebens, die als Aufenthaltsorte zu Freizeit- und Erholungszwecken, als Versammlungsflächen, Marktplätze u. ä. dienen oder Fußgängern und Radfahrern als Bewegungsraum abseits des Straßenverkehrs dienen. Stadtplätze und Promenaden haben gegenüber dem Flächentyp „Park / Grünfläche“ generell einen höheren Versiegelungsgrad. Unter dem Flächentyp 17 „ Sportanlage, gedeckt “ werden Sportanlagen erfasst, bei denen der Anteil der gedeckten Sportanlagen (Hallensport) dominiert. Dies können z. B. Kombinationen von Sportplätzen und Sporthallen, stark baulich geprägte Stadien und Mehrzweckhallen, Schwimm-, Reit- oder Eislaufhallen sowie stark überbaute Wassersportgrundstücke sein. Der Flächentyp 16 „ Sportanlage, ungedeckt “ umfasst größere Sportstandorte, bei denen der Anteil der ungedeckten (d. h. unbebauten) Sportanlagen das Erscheinungsbild dominiert. Die zu den Sportanlagen gehörenden Gebäude zum Umkleiden und Lagern von Geräten sowie Tribünen werden miterfasst. Zu den ungedeckten Sportanlagen können Wettkampfstadien, einzelne Sportplätze mit und ohne Laufbahn, die sich z.T. auf Schulgrundstücken befinden, Tennisplätze, Freibäder, Golfplätze sowie Flächen für den Reit-, Wasser- und Schießsport gehören. Dem Flächentyp 36 „ Baumschule / Gartenbau “ werden nur Block(teil)flächen zugeordnet, die in der Realnutzungskarte mit der entsprechenden Nutzung kartiert wurden. Es handelt sich um Flächen mit vorwiegendem Freilandanbau. Dabei werden neben den Anbauflächen privater Baumschulen und Gärtnereien auch Bezirksgärtnereien dieser Kategorie zugeordnet. Flächen mit reiner Hallenbebauung bzw. einem Versiegelungsgrad von > 50 % werden dagegen zu den Gewerbe- und Industrienutzungen gezählt. Block(teil)flächen, deren Flächen durch Bauhöfe der Gartenbauämter genutzt werden sowie einzelne Forschungseinrichtungen, wie das Institut für Nutzpflanzenforschung und entsprechende Lehr- und Versuchsfelder der Universitäten, werden mit der Doppelnutzung Gemeinbedarfs- und Sondernutzungen kartiert und dann nicht dem Flächentyp „Baumschule / Gartenbau“ zugeordnet, sondern einem der Flächentypen der Gemeinbedarfs- und Sondernutzungen. Dem Flächentyp 37 „ Kleingartenanlage “ werden alle Flächen zugeordnet, die in der Realnutzungskarte mit der entsprechenden Nutzung kartiert wurden, sofern ihnen keine Doppelnutzung als Verkehrsfläche zugewiesen wurde. Grundlage für die Zuordnung und Flächenabgrenzung der Kleingärten ist der von der Fachverwaltung geführte Datenbestand der Berliner Kleingartenanlagen. Hier sind die nach dem Bundeskleingartengesetz definierten Kleingärten erfasst. Andere Flächen mit ähnlicher Nutzungscharakteristik werden in der Realnutzungskartierung der Nutzungskategorie Wochenendhäuser und kleingartenartige Nutzungen zugeordnet und erhalten entsprechend in der Stadtstrukturkartierung den Flächentyp 59 „Wochenendhaus- und kleingartenartiges Gebiet“. Unter den Flächentyp 53 „ Park / Grünfläche “ fallen nur Block(teil)flächen, die auch in der Realnutzungskarte der Kategorie Park / Grünfläche zugeordnet werden, sofern ihnen keine Doppelnutzung als Gemeinbedarfs- und Sondernutzung oder als Verkehrsfläche zugewiesen wurde. Es handelt sich neben den im Grünflächenverzeichnis geführten öffentlichen Grünanlagen auch um weitere Grünanlagen, sofern sie vom Erscheinungsbild einer öffentlich zugänglichen Grünanlage ähneln und augenscheinlich regelmäßiger gärtnerischer Pflege unterliegen. In der Realnutzungskarte als Park / Grünfläche kartierte weiträumige Park- und Naherholungsanlagen, die sich fast ausschließlich durch extensiv gepflegte oder nicht gepflegte wald- bzw. wiesenartige Bereiche auszeichnen, können ggf. den Flächentypen Brachfläche oder Wald zugeordnet werden (z. B. Volkspark Klein-Glienicke). Dem Flächentyp 27 „ Friedhof “ werden alle Flächen zugeordnet, die in der Realnutzungskarte mit der entsprechenden Nutzung kartiert wurden, sofern ihnen keine Doppelnutzung als Gemeinbedarfs- und Sondernutzung zugewiesen wurde. Neben den zur Bestattung genutzten Flächen handelt es sich auch um ehemalige Friedhöfe, sofern sie vom Charakter her noch als Friedhof erkennbar sind. Strukturell unterscheiden sich Friedhöfe untereinander vor allem hinsichtlich ihres Baumbestandes. Während Waldfriedhöfe und ältere Parkfriedhöfe wesentlich durch ihren alten Baumbestand geprägt werden, können jüngere Friedhofsanlagen noch weitgehend ohne größere Bäume auftreten. Der Flächentyp 57 „ Brachfläche “ beschreibt nicht oder nicht mehr genutzte Flächen, auf denen sich zum Teil vielfältige Vegetationsbestände wie z. B. Mager- und Trockenrasen oder Ruderalfluren entwickeln können. Alle Flächen, die unter einer der „Brachflächennutzungen“ kartiert wurden, werden diesem Typ zusammenfassend zugeordnet, sofern sie nicht gleichzeitig einer Baunutzung unterliegen. In diesem Fall richtet sich die Typzuordnung nach der Baunutzung. Zudem können einzelne unter der Nutzung „Park / Grünfläche“ kartierte Anlagen diesem Flächentyp zugeordnet werden, falls die Fläche keiner offensichtlichen Pflege unterliegt und von Ruderalvegetation geprägt ist (z. B. Tegeler Fließ). In der Karte „Grün-und Freiflächenbestand“ (06.02) (SenStadtWohn 2021e) werden die Brachflächen nach ihrer Vegetationsstruktur in drei Kategorien unterteilt. Dem Flächentyp 56 „ Landwirtschaft “ werden alle Block(teil)flächen zugeordnet, die in der Realnutzungskarte entweder als Grün- oder als Ackerland dargestellt werden, sofern ihnen keine Doppelnutzung als Gemeinbedarfs- und Sondernutzung zugewiesen war. In diesem Fall würden sie einem der oben beschriebenen Flächentypen zugeordnet werden (s.o. Flächentypen der Gemeinbedarfs- und Sondernutzungen). Dem Flächentyp 55 „ Wald “ wurden alle Flächen zugeordnet, die unter der Nutzung „Wald“ kartiert worden sind, sofern sie nicht gleichzeitig einer baulichen Nutzungskategorie unterliegen. In diesem Fall richtet sich die Typzuordnung nach der Baunutzung. Zudem können einzelne unter der Nutzung „Park / Grünfläche“ kartierte Anlagen diesem Flächentyp zugeordnet werden, falls es sich um überwiegend extensiv gepflegte, bestockte Flächen handelt (z. B. Volkspark Klein-Glienicke). Dem Flächentyp 100 „ Gewässer “ werden alle Block(teil)flächen zugeordnet, die auch in der Realnutzungskarte als Gewässer dargestellt werden. Als Gewässer werden neben den natürlichen Gewässern, wie Flüssen und Seen, auch Kanäle sowie die Rückhalte- und Versickerungsbecken der Berliner Wasserbetriebe geführt, sofern sie als Wasserfläche erkennbar sind. Eine differenzierte Definition und Beschreibung der Flächentypen findet sich auch im Bericht zur Flächennutzung und Stadtstruktur – Dokumentation der Kartiereinheiten und Aktualisierung des Datenbestandes 2020 (SenStadtWohn 2021a). Dort werden die einzelnen Kartiereinheiten der Flächentypen ausführlich anhand von Einzeldarstellungen beschrieben und illustriert, auch hinsichtlich ihrer Lage und Verteilung im Stadtgebiet. Die Einzeldarstellungen enthalten jeweils eine textliche Beschreibung, die Nennung der Kartierregeln, Angaben zum Umfang der erfassten Flächen in der jeweiligen Kategorie, Angaben zum prägenden Baualter sowie zu weiteren beschreibenden Merkmalen, Angaben zu charakteristischen Merkmalen, eine Karte, die die Verteilung der betroffenen Blockflächen im Stadtraum darstellt sowie beispielhafte Ausschnitte aus der Karte 1 : 5.000 (K5) und digitalen Luftbildern sowie terrestrische Fotos typischer Block(teil)flächen. Als charakteristische Merkmale werden jeweils der flächengewichtete Mittelwert, das flächengewichtete 5 %- und 95 %-Perzentil und das Summenhäufigkeitsdiagramm folgender Merkmale angegeben: der Versiegelungsgrad (vgl. Umweltatlaskarte „Versiegelung“ (01.02), 2016 ; SenStadtWohn 2017b), die Geschossflächenzahl[1] (vgl. Umweltatlaskarte „Städtebauliche Dichte“ (06.09), 2019 ; SenStadtWohn 2019), die Grundflächenzahl[2] (vgl. Umweltatlaskarte „Städtebauliche Dichte“ (06.09), 2019 ; SenStadtWohn 2019), die Anzahl der Gebäudegeschosse[3], die Anzahl der Einwohner pro Hektar (vgl. Umweltatlaskarte „Einwohnerdichte“ (06.06), 2019 ; SenStadtWohn 2020c) und das Grünvolumen (vgl. Umweltatlaskarte „Grünvolumen“ (05.09), 2010 ; SenStadtWohn 2017a). Bei diesen Merkmalen handelt es sich um in Datenbanken vorliegende Sachdaten, die regelmäßig im Informationssystem Stadt und Umwelt (ISU) mit der Block(teil)flächenkarte als Raumbezug erarbeitet werden. Die in den Steckbriefen enthaltenen Angaben wurden nach der aktuellen Nutzungskartierung durch statistische Auswertungen errechnet. Für die Ermittlung der Spannen wurde als untere Grenze das 5 %-Perzentil angegeben und als obere Grenze das 95 %-Perzentil, um untypische „Ausreißer“ nicht mit zu erfassen. Ausnahmsweise treten also Flächen auf, die aus diesen charakteristischen Spannen herausfallen (10 % der Flächen). _____________________________________ fn1. Die Geschossflächenzahl (GFZ) wird als Verhältnis Summe der Geschossflächen aller Hauptgebäude eines Blocks (ohne Nebengebäude wie Garagen etc.) zur Blockfläche errechnet. fn2. Die Grundflächenzahl (GRZ) wird als Verhältnis der Summe der be- und unterbauten Flächen (Haupt- und Nebengebäude, Tiefgaragen etc.) zur Blockfläche errechnet. fn3. Für die Berechnung der Anzahl der Geschosse wurde der Quotient aus Geschossflächenzahl und Grundflächenzahl gebildet (GFZ / GRZ = Geschosse). Im Rahmen der Fortschreibung wurden anhand der charakteristischen Merkmale automatisierte Plausibilitätsprüfungen durchgeführt und auffällige Flächen einer visuellen Überprüfung unterzogen. Für statistische Auswertungen mit Zuordnung zu den Block(teil)flächen konnten nur diejenigen Flächen herangezogen werden, bei denen die Geometrie gegenüber der ISU5 2015 nicht verändert wurde. Für die neuen Flächen lagen die notwendigen Sachdaten noch nicht vor. Die Tabelle 7 enthält die durch statistische Auswertungen ermittelten Kennwerte für alle Flächentypen. So wird zum Beispiel deutlich, dass die dichte Blockbebauung mit geschlossenen Hinterhöfen mit einer durchschnittlichen Dichte von 508 Einwohnern pro Hektar der am dichtesten besiedelte Flächentyp ist. Die stark überdurchschnittliche Nutzungsintensität der Kerngebiete kann an der hohen durchschnittlichen Geschossflächenzahl abgelesen werden. In der Karte „Stadtstruktur“ (06.07) werden sich ähnelnde Flächentypen zu 16 übergeordneten Strukturtypen sowie Gewässern, die nicht zu den „klassischen“ Strukturtypen zählen, zusammengefasst: Die Darstellung der Strukturtypen konzentriert sich – mehr noch als die der Flächentypen – auf die Flächen mit überwiegender Wohnnutzung. Die 17 differenzierten Flächentypen mit überwiegender Wohnnutzung werden zu 11 Strukturtypen mit überwiegender Wohnnutzung zusammengefasst, während die übrigen 34 Flächentypen (ohne Gewässer) mit anderen Nutzungen zu nur 5 weiteren Strukturtypen zusammengefasst werden. Die 11 Strukturtypen mit überwiegender Wohnnutzung werden anhand ihrer Bebauungs- und Freiraumstruktur sowie des Baualters differenziert: Diese differenzierte Betrachtung hat sich vielfach bewährt. Beispielsweise wurde die Stadtstrukturkartierung als eine Sekundärdatenquelle für die gesamtstädtische Biotopkartierung herangezogen und die Beschreibung der Strukturtypen anhand ihrer Bebauungs- und Freiraumstrukturen wurde weitgehend in die Beschreibung der Biotoptypen für die bebauten Bereiche übernommen (siehe auch: Berliner Biotoptypenliste , SenUVK 2021). Die Nutzung der Stadtstrukturtypen und besonders der Flächentypen ist überall dort von Vorteil, wo es weniger auf die individuelle, kleinteilige Ausprägung vor Ort ankommt als auf die Ableitung von Indikatoren und die Zuordnung von Kenngrößen aus Nutzungen, Flächentypen und Baustrukturen zur Konzeption von Maßnahmen und Programmen (z. B. im Rahmen der Klimaanpassung, vgl. StEP Klima KONKRET , SenStadtUm 2016). Verteilung der Strukturtypen für Berlin Die 11 Strukturtypen mit überwiegender Wohnnutzung nehmen etwa die Hälfte der bebauten Fläche Berlins ein. Die niedrige Bebauung mit Hausgärten nimmt dabei mit 46 % flächenmäßig den weitaus größten Teil der Wohngebiete ein, gefolgt von der hohen Bebauung der Nachkriegszeit (10 %). Die dörfliche Bebauung beansprucht mit 2 % den geringsten Flächenanteil (vgl. Abb. 5). Die Verteilung der Stadtstrukturtypen innerhalb der Berliner Bezirke zeigt deren unterschiedlichen städtebaulichen Charakter (vgl. Abb. 6). In Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg ist mit 58 % bis 65 % der Wohngebietsfläche ein hoher Anteil gründerzeitlicher Blockbebauung erhalten, die jedoch z. T. massiv verändert wurde (Strukturtyp 3, vgl. Tabelle 9). In den übrigen Bezirken ist der Anteil deutlich geringer; im stadtweiten Durchschnitt beträgt der Anteil an erhaltener gründerzeitlicher Bebauung nur 14 %. In Marzahn-Hellersdorf ist sowohl der Anteil der Blockbebauung der Gründerzeit als auch der Anteil an Zeilenbebauung verschwindend gering. Den höchsten Anteil an Zeilenbauweise weist Tempelhof-Schöneberg auf (22 %), gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf und Neukölln (jeweils 20 %). Die hohe Bebauung der Nachkriegszeit nimmt in den Bezirken Lichtenberg (44 %), Friedrichshain-Kreuzberg (27 %) und Marzahn-Hellersdorf (26 %) einen überdurchschnittlich hohen Anteil ein. Niedrige Bebauung mit Gartenstruktur fehlt erwartungsgemäß in den Innenstadtbezirken Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg fast völlig, während sie am Stadtrand in Steglitz-Zehlendorf, Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf und Reinickendorf mit ca. drei Viertel der Wohngebietsfläche die Siedlungsstruktur umgekehrt entscheidend prägt. Die „ Blockbebauung der Gründerzeit mit Seitenflügeln und Hinterhäusern “ (Strukturtyp 1), die seit ihrer Entstehung kaum verändert wurde, findet man in weiten Teilen Charlottenburgs bzw. Wilmersdorfs zwischen Lietzensee, Kurfürstendamm, Richard-Wagner-Straße und Spandauer Damm. Auch in Moabit, Wedding und in Friedrichshain zwischen S-Bahnring und Petersburger Straße, Warschauer Straße sowie in Kreuzberg, Neukölln und Schöneberg zwischen den Achsen Neuköllner Schifffahrtskanal, Skalitzer Straße, Gitschiner Straße und Karl-Marx-Straße, Gneisenaustraße, Yorckstraße, Potsdamer Straße und Hauptstraße in Schöneberg ist die enge Bebauung mit der typischen Hinterhofstruktur weitgehend erhalten geblieben. Die „ Blockrandbebauung der Gründerzeit mit geringem Anteil von Seiten- und Hintergebäuden “ (Strukturtyp 2), zu der die Flächentypen Schmuck- und Gartenhof und Schuppenhof gehören, findet man in den ehemaligen Vororten Berlins außerhalb des S-Bahnrings. Auch diese Baustruktur wurde seit ihrer Entstehung kaum verändert. Größere Gebiete sind in Friedenau, in Steglitz, in Tempelhof und Friedrichshagen, in Oberschöneweide, Karlshorst, Pankow, Niederschönhausen, in Spandau und in Reinickendorf westlich der Provinzstraße vorhanden. Größere Bereiche der „ Blockrandbebauung der Gründerzeit mit massiven Veränderungen “ (Strukturtyp 3), die durch Kriegszerstörungen und Wiederaufbau oder durch Sanierung mit massivem Abriss aus der gründerzeitlichen Blockbebauung entstanden sind, befinden sich innerhalb des S-Bahnrings. Sie liegen in Charlottenburg zwischen Otto-Suhr-Allee und Bismarckstraße sowie entlang des Spandauer Damms, in Tiergarten um die Spreebögen und Invalidenstraße und südlich des Landwehrkanals um die Potsdamer Straße, in Wedding zwischen der S-Bahnlinie Nordbahnhof – Gesundbrunnen und der Bernauer Straße und in Friedrichshain westlich der Straßen Warschauer Straße / Petersburger Straße bzw. östlich dieser Straßen im Bereich Frankfurter Allee. Auch in Schöneberg und Wilmersdorf gibt es viele Bereiche, in denen die typische gründerzeitliche Hinterhofstruktur durch Wiederaufbau und Sanierung massiv verändert wurde. In Prenzlauer Berg, Kreuzberg, Charlottenburg und Neukölln ist noch sehr viel gründerzeitliche Bebauung der Flächentypen „Geschlossener Hinterhof“ bzw. „Hinterhof“, die den Strukturtyp 2 prägen, in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Der Anteil der sehr dichten Bebauung des Typs „Geschlossener Hinterhof“ ist in Neukölln, Wedding und Kreuzberg relativ hoch. Behutsam saniert mit weitgehendem Erhalt der gründerzeitlichen Blockbebauung wurde vor allem in Kreuzberg. Dagegen wurden in Tiergarten, Friedrichshain und Wilmersdorf Kriegsschäden an der gründerzeitlichen Blockbebauung insbesondere durch Neubauten im Nachkriegsblockrand beseitigt. Massive Veränderungen der gründerzeitlichen Bebauung in Form von Sanierung durch Entkernung erfolgten verstärkt im Wedding. Die „ Blockrand- und Zeilenbebauung der 1920er und 1930er Jahre “ (Strukturtyp 4) befindet sich hauptsächlich außerhalb des S-Bahnrings. Häufig wurden die Zeilen und Großhöfe in Nachbarschaft der in der Gründerzeit entstandenen Blockrandbebauung mit wenig Seiten- und Hintergebäuden am Rand der ehemaligen Vororte Berlins errichtet. Sie sind in der Regel gut an das S- und U-Bahnnetz angeschlossen. Die in „ Zeilenbebauung seit den 1950er Jahren “ (Strukturtyp 5) angelegten Siedlungen wurden in erster Linie im Berliner Stadtrandbereich außerhalb des S-Bahnrings errichtet. Sie wurden auf ehemaligen Freiflächen (Landwirtschaftsflächen etc.) unabhängig von vorhandenen Verkehrsachsen oder Baustrukturen erstellt. Innerhalb des S-Bahnrings wurden ehemals bebaute Gebiete durch Zeilenbebauung ersetzt. Hierzu gehören größere Gebiete in Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg. In Kreuzberg stellt die Otto-Suhr-Siedlung westlich des Moritzplatzes ein noch weitgehend unverändertes Beispiel dieser stark durchgrünten Siedlungsform dar. Aber auch in anderen Innenstadtbereichen kommen vereinzelte Flächen mit Zeilenbebauung auf ehemaliger gründerzeitlicher Blockstruktur vor. Die „ Hohe Bebauung der Nachkriegszeit “ (Strukturtyp 6) findet man innerhalb des S-Bahnrings als heterogene, innerstädtische Mischbebauung in den westlichen Ortsteilen. Größere Gebiete dieses Typs sind in Wilmersdorf um die Bundesallee, in Schöneberg im Bereich Nollendorfplatz, Kleiststraße und in Kreuzberg zwischen Wilhelmstraße und Stresemannstraße vorhanden. Der überwiegende Teil der hohen Bebauung der Nachkriegszeit ist dem Flächentyp „Großsiedlungen und Punkthochhäuser“ zugeordnet. Er kommt innerhalb des S-Bahnrings nur in Kreuzberg, Mitte und Friedrichshain vor, wo kleinere Siedlungen dieses Flächentyps entstanden sind. Der zunächst überraschend hohe Anteil an Großsiedlungsbebauung der Nachkriegszeit in einem Innenstadtbezirk wie Friedrichshain-Kreuzberg hat seine Ursache vor allem in den bis zu 10 Geschossen hohen Bauten im Bereich der Karl-Marx- und Frankfurter Allee, die im Wesentlichen im Zuge des Wiederaufbaues nach dem Zweiten Weltkrieg im ehemaligen Ost-Berlin errichtet wurden. Dieses Bauvorhaben strahlt auch noch in den Bezirk Mitte aus (23 % Anteil). In der Regel wurden die Hochhaussiedlungen außerhalb des S-Bahnrings errichtet. Größere in West-Berlin errichtete Komplexe sind die Gropiusstadt in Neukölln, Siedlungen in Lichtenrade, Marienfelde, Lichterfelde und Spandau sowie das Märkische Viertel in Reinickendorf. In Ost-Berlin befinden sich die größten Siedlungen in Hohenschönhausen, Marzahn, Hellersdorf und Lichtenberg. Siedlungen mit Blockrand- und Zeilenbebauung in Plattenbauweise mit einzelnen Punkthochhäusern kommen hauptsächlich in Hellersdorf, Marzahn und in Spandau vor. Kleinere Siedlungen entstanden z. B. in Köpenick und Hohenschönhausen. Größere Flächen des Strukturtyps 8 „ Siedlungsbebauung der 1990er Jahre und jünger “ wurden meist im Rahmen städtebaulicher Entwicklungsvorhaben realisiert und finden sich, wie in Karow-Nord und Buchholz, überwiegend in der Peripherie der östlichen Stadthälfte. Einige der großen Wohnungsbauprojekte wie z. B. die Rummelsburger Bucht liegen auch am Innenstadtrand. Große Projekte im Westteil der Stadt sind die Europacity an der Heidestraße nördlich des Hauptbahnhofs, Bebauungen am Rande des Parks am Gleisdreieck sowie die Wasserstadt Oberhavel in Spandau. Die „ Niedrige Bebauung mit Hausgärten “ (Strukturtyp 10) mit meist Ein- bis Zweifamilienhäusern und entsprechenden Hausgärten sind im gesamten Stadtrandbereich zu finden. Die „ Villenbebauung mit parkartigen Gärten “ (Strukturtyp 11) entstand hauptsächlich während der Gründerzeit in landschaftlich reizvollen Gebieten und ist mittlerweile nicht mehr nur durch eine intakte Struktur gekennzeichnet. Örtlich kommt es auch zu Verdichtungsansätzen am Blockrand und im Blockinnenbereich, z. B. durch Grundstücksteilungen – Entwicklungen, die aber auch andere Strukturtypen der grüngeprägten Wohnnutzung betreffen. Größere Bereiche dieses Typs findet man im Bereich des Grunewalds in Nikolassee, in Zehlendorf, Dahlem, Grunewald und in Lichterfelde, im Bereich des Tegeler Forsts in Hermsdorf, in der Umgebung der Dahme bei Grünau sowie im Bereich der Müggelspree bei Rahnsdorf. Die „ Bebauung mit Gärten und halbprivater Umgrünung “ (Strukturtyp 12), bei der die Villenbebauung bzw. die niedrige Bebauung mit Einfamilienhäusern mit größeren Miet- und Appartementhäusern durchsetzt ist, kommt hauptsächlich im südlichen Stadtgebiet vor, insbesondere in den Übergangsbereichen zwischen Villenbebauung und Einfamilienhausbebauung in Lichterfelde und Zehlendorf. „ Dörfliche Bebauung “ (Strukturtyp 13) ist nur noch in den alten Ortskernen am Stadtrand erhalten, wobei in den östlichen Bezirken noch wesentlich mehr und größere dörfliche Strukturen zu finden sind. „ Strukturtypen mit überwiegender Nutzung durch Handel, Dienstleistung, Gewerbe und Industrie “ konzentrieren sich entlang von Wasserwegen und Bahnlinien. Die „ Bebauung mit überwiegender Nutzung durch Handel und Dienstleistung “ (Strukturtyp 14) findet man häufig in den alten Ortskernen der verschiedenen Stadtteile. Insbesondere fallen die beiden Citybereiche von West- und Ost-Berlin um den Kurfürstendamm / Tauentzienstraße bzw. im Bereich Alexanderplatz / Friedrichstraße auf. „ Dicht bebaute Gewerbegebiete “ (Strukturtyp 16) kommen flächenmäßig weniger vor als „ Gewerbegebiete mit geringer Bebauung “ (Strukturtyp 15). Strukturtypen der „ Bebauung mit überwiegender Nutzung durch Gemeinbedarf und Sondernutzung “ (Strukturtyp 17) sind über das gesamte Stadtgebiet relativ gleichmäßig verteilt zu finden. „ Grün- und Freiflächen “ (Anteil an Strukturtyp 18) sind, betrachtet man den Gesamtbestand einschließlich der Waldflächen und der noch vorhandenen Landwirtschaftsflächen, naturgemäß am Stadtrand deutlich mehr vorhanden als in der Innenstadt. Blendet man diese genannten großflächigen Grünanteile mit ihren über 22 % Flächenanteil an der Berliner Gesamtfläche aus (vgl. Tab. 2 im Begleittext zu den Karten der Realnutzungskartierung, Stand 31.12.2020) bietet sich ein anderes Verteilungsbild. Berlin zeichnet sich weiterhin durch eine auch im europäischen Maßstab besondere Vielfalt und relativ gleichmäßige gesamtstädtische Verteilung des Stadtgrüns aus. Neben den bekannten und großen städtischen Parkanlagen, wie dem Großen Tiergarten sowie den Volksparks wie „Friedrichshain“ und „Humboldthain“, bestehen zahlreiche kleinere, wohnungsnahe Grünflächen. Dazu zählen sowohl grüngeprägte Stadtplätze als auch Kleingartenanlagen und Friedhöfe sowie z. T. prägendes Grün auf Flächen zur Sportnutzung, des Gemeinbedarfes oder als Verkehrsbegleitgrün. Gewinne und Verluste des Grün- und Freiflächenbestandes über die Zeit seit 1945 werden in der Karte „ Freiflächenentwicklung ” (06.03) (SenStadtWohn 2021f) dokumentiert. Als „ Verkehrsflächen “ (Anteil an Strukturtyp 17) fallen beispielsweise der ehemalige Flughafen Tegel, die Bahnflächen sowie die Großparkplätze am Olympiastadion und im Bereich des Messegeländes / ZOB auf.
Erweiterungsbau aus Holz an Freier Waldorfschule Kastellaun wird mit 100.000 Euro über das Klimabündnis Bauen gefördert „Rund die Hälfte des weltweiten Rohstoffverbrauchs und etwa 40 Prozent aller CO2-Emissionen fallen im Bausektor an. Es ist deshalb besonders wichtig, dass wir in diesem Bereich eine Wende hin zu mehr Nachhaltigkeit und effizienterer Ressourcennutzung schaffen. Der neue dreigeschossige Erweiterungsbau der Freien Waldorfschule Kastellaun kombiniert den Anspruch, einer steigenden Anzahl an Schülerinnen und Schülern räumlich gerecht zu werden mit einer nachhaltigen Holzbauweise, die durch eine besonders angenehme Atmosphäre auch das Wohlbefinden und die Kreativität während des Unterrichts steigern soll. Als Referenzprojekt für zukünftige Vorhaben setzt das Gebäude neue Maßstäbe für nachhaltigen, wirtschaftlichen und kreislauffähigen Holzbau“, sagte Klimaschutzministerin Katrin Eder anlässlich einer Förderung für das Projekt in Höhe von 100.000 Euro über das Klimabündnis Bauen. Das Erd- und Obergeschoss sowie die überdachten Bereiche des Gebäudes werden komplett in Vollholz gebaut. Zudem erhält das Gebäude ein begrüntes Flachdach. Im Erweiterungsbau entstehen neue moderne Klassenzimmer, ein Mehrzweckraum, eine großzügig überdachte Pausenhalle sowie ein Raum für bildende Kunst. Bianca Dörrheide, Geschäftsführerin der Freien Waldorfschule Kastellaun, sagte: „Mit unserem Erweiterungsbau setzen wir ein klares Zeichen: Modernes Bauen und kon-sequenter Klimaschutz gehören untrennbar zusammen. Durch die innovative, zirkulä-re Massivholzbauweise schaffen wir nicht nur ein ökologisches Vorbildprojekt, sondern vor allem dringend benötigten Raum für unsere Schulgemeinschaft. In den neuen, lichtdurchfluteten Räumen entsteht ein inspirierendes pädagogisches Umfeld, das Kreativität und Wohlbefinden fördert und in jeder Hinsicht den Werten von morgen entspricht.“ Für das Bauvorhaben werden insgesamt 2,1 Millionen Euro aufgewendet. Als sogenanntes „Nachhaltiges Gebäude Plus“ hat das Gebäude sehr geringe Treibhausgas-Emissionen und es werden schadstofffreie Materialien eingesetzt. Das Projekt ist das erste Schulgebäude in dieser Größenordnung, das ein zirkuläres Massivholzkonstruktionssystem einsetzt, das ganz ohne Metall und Kleber auskommt. Die Holzwände werden nur mit Holz-Holz-Verbindungen zusammengehalten. Geschossdecken und Dach bestehen aus einer einfachen, rückbaubaren Holzbalkenlage – die Dämmung des Gebäudes wird ausschließlich aus natürlichen, nachwachsenden und kompostierbaren Rohstoffen wie Holzfaser oder Zellulose hergestellt. Beim Bau kommen Hölzer verschiedener Baumarten zum Einsatz: Für die tragenden Konstruktionshölzer werden überwiegend Nadelhölzer wie Fichte und Tanne verwendet. Die Außenfassade wiederum wird aus Lärche gefertigt und die Holzfedern im Vollholzwandsystem aus Buche. Die insgesamt rund 550m3 Holz stammen allesamt aus der Region und sind FSC-, PEFC- oder gleichwertig zertifiziert. Innerhalb der Holzwerk- und Dämmstoffe können mehr als 380 Tonnen CO2 gespeichert werden. „Besonders beeindruckend ist die Zirkularität des Gebäudes: Am Ende seiner Nutzungsdauer kann es fast vollständig zerlegt und die Materialien wiederverwendet oder natürlich abgebaut werden. Dadurch bleibt das Gebäude modular und langfristig erweiterbar“, zeigte sich Katrin Eder begeistert. Hintergrund zu Projekten des „Klimabündnis Bauen“ Seit der Beschlussfassung durch den Ministerrat am 24. Mai 2022 über das Konzept „Klimabündnis Bauen in Rheinland-Pfalz – nachwachsende und kreislaufeffiziente Rohstoffe stärken“ wurden nachstehende Projekte über dieses Programm durch das Klimaschutzministerium finanziell unterstützt (Stand 18. November 2025): Forschungsprojekte zur Stärkung der Verwendung nachwachsender Rohstoffe Im Bereich der Forschung wurden insgesamt sieben Forschungsprojekte finanziell mit über zwei Millionen Euro unterstützt: * „Erstellung eines Bauwerks mit einem neuartigen Tragsystem aus Eichenschwachholz“ (Hochschule Trier) * „HIVE HOME“ (Hochschule Koblenz) * „Kreislaufeffizientes Bauen mit Holz/Re-Use-Holzbauelemente“ (Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau) * „Gewachsene Dorfstrukturen stärken – Aufwertung der Bausubstanz mit Methoden der seriellen Sanierung“ (Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau) * „Reversibler Holzmodulbau in einer Bestandshalle“ – Landesgartenschau 2027 (Stadt Neustadt an der Weinstraße) * „PV-Parkplatzüberdachung aus acetylierter Buche“ – Landesgartenschau 2027 (Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau) * Bauen mit Lehm und Eichenholz (Fachwerk 2.0, „TiCO“) (Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau) Machbarkeitsstudien Eine Machbarkeitsstudie ist eine systematische Voruntersuchung, die prüft, ob ein Sanierungsvorhaben technisch, wirtschaftlich, rechtlich und organisatorisch realisierbar ist. Sie dient als Entscheidungsgrundlage für den Bauherren, bevor detaillierte Planungen beginnen: * „Machbarkeitsstudie über die energetische und serielle Sanierung der Skatehalle in Trier“ (Stadt Trier) * „Machbarkeitsstudie über die serielle Sanierung des St.-Willibrord-Gymnasiums in Bitburg“ (Kreisverwaltung des Eifelkreises Bitburg-Prüm) * „Machbarkeitsstudie über die serielle Sanierung und evtl. Erweiterung der Kindertagesstätte in der Gemeinde Morscheid (Verbandsgemeinde Ruwer) „Leuchtturmprojekte“ des Holzbaus Ein weiterer Schwerpunkt vom Klimabündnis besteht in der Förderung von hoch innovativen und musterhaften Holzbauten, die Vorbildcharakter für den modernen Holzbau haben. Insgesamt wurden rund 2,55 Millionen Euro an Förderung an folgende Projekte ausgereicht: * „Neubau von drei Feuerwehrhäusern als Systembaukasten mit regionalem Holz in den Gemeinden Börrstadt, Breunigweiler und Steinbach“ (Verbandsgemeinde Winnweiler) * „Mörs:DORF - Neubau eines generationsübergreifenden Dorfzentrums in Holzbauweise als Begegnungs- und Lernort in der Gemeinde Mörsdorf“ (Verbandsgemeinde Kastellaun) * „Bau einer Wetterschutzhütte“ als Ergebnis eines Studierendenwettbewerbs im Forstamt Westrich“ * „Nachhaltige Sanierung der Dachlandschaft der Grundschule in der Gemeinde Essenheim” (Verbandsgemeinde Nieder-Olm) * „Neubau multifunktionaler Forsthof in Annweiler mit Kastanienhybridträgern“ (Trifels Natur GmbH) * „Neubau eines Gesundheitszentrums in Holz in Bad Kreuznach“ (Unternehmen Enk Verwaltung GmbH/Langenlonsheim) * „Bau von innovativen Fahrzeughallen in Holz-Beton-Hybridbauweise für die Betriebsfahrzeuge der Stadtwerke und der Stadt Trier im Energie- und Technikpark“ (Stadtwerke Trier) * „Neubau eines vierstöckigen energieeffizienten Verwaltungsgebäudes aus Holz in Ingelheim“ (Kreisverwaltung Mainz-Bingen) * „Neubau einer Interimsschule für das Regino-Gymnasium Prüm in demontierbarer Holz-Modulbauweise“ (Kreisverwaltung des Eifelkreises Bitburg-Prüm) * „Neubau eines Aussichtsturms auf dem Idarkopf bei Stipshausen“ (Verbandsgemeinde Herrstein-Rhaunen) * „Sanierung der Fassade und energetische Komplettsanierung der Grundschulturnhalle in der Gemeinde Körperich“ (Verbandsgemeinde Südeifel) * „Neubau von zwei Feuerwehrgerätehäusern in modularer Holzbauweise als Prototyp in den Gemeinden Palzem und Lampaden“ (Verbandsgemeinde Saarburg-Kell) * Neubau einer multifunktionalen Begegnungsstätte aus Holz in der Stadt Rheinböllen (Rhein-Hunsrück-Kreis) Öffentlichkeitsarbeit: Eine weitere wichtige Säule des Klimabündnisses ist die Vermittlung von Wissen an die verschiedenen Zielgruppen zur Steigerung des klimafreundlichen Bauens. Dafür wurde unter anderem eine eigene Homepage aufgebaut und verschiedene Veranstaltungen finanziell unterstützt: * „Westerwälder Holztage 2025“ in Oberhonnefeld-Gierend * Zweitägiges Fachsymposium zum Thema „Kommunales Bauen, Serielles Sanieren und kostengünstiges Bauen mit Holz“ in Saarburg und Konz * Preisverleihung „Holzbaupreis Rheinland-Pfalz 2024“ in Mainz * „7. Trierer Waldforum – Auf dem Holzweg!? Mit Holznutzung und verstärktem Holzbau unterwegs zu mehr Klimaschutz und gesunden Wäldern“ in Trier * Beteiligung am Forum Bois Construction 2025 und 2026 in Paris Außerdem setzt sich das Klimabündnis für die Umsetzung des eingeführten Umweltlabels „Holz von Hier®“ ein. Weitere Informationen zum Klimabündnis Bauen finden Sie unter klimabuendnis-bauen.rlp.de <https://klimabuendnis-bauen.rlp.de>
| Organisation | Count |
|---|---|
| Bund | 2833 |
| Europa | 3 |
| Global | 1 |
| Kommune | 117 |
| Land | 902 |
| Schutzgebiete | 1 |
| Weitere | 311 |
| Wirtschaft | 15 |
| Wissenschaft | 609 |
| Zivilgesellschaft | 281 |
| Type | Count |
|---|---|
| Agrarwirtschaft | 1 |
| Daten und Messstellen | 20 |
| Ereignis | 19 |
| Förderprogramm | 2504 |
| Gesetzestext | 1 |
| Hochwertiger Datensatz | 31 |
| Lehrmaterial | 4 |
| Mitmachportal | 3 |
| Repositorium | 1 |
| Taxon | 7 |
| Text | 683 |
| Umweltprüfung | 365 |
| unbekannt | 347 |
| License | Count |
|---|---|
| Geschlossen | 1129 |
| Offen | 2786 |
| Unbekannt | 68 |
| Language | Count |
|---|---|
| Deutsch | 3832 |
| Englisch | 560 |
| andere | 2 |
| Resource type | Count |
|---|---|
| Archiv | 61 |
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| Webseite | 1200 |
| Topic | Count |
|---|---|
| Boden | 1973 |
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