<p> So gelingt die Ernte in Ihrem Obstgarten <ul> <li>Wählen Sie widerstandsfähige Sorten und vielfältige Arten.</li> <li>Achten Sie auf einen passenden Standort, am besten sonnig und luftig.</li> <li>Lichten Sie die Bäume regelmäßig aus.</li> <li>Kontrollieren Sie die Bäume regelmäßig, um frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen.</li> <li>Verwenden Sie engmaschige Kulturschutznetze.</li> <li>Ein Verzicht auf <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflanzenschutzmittel">Pflanzenschutzmittel</a> schont die Umwelt und Ihre Gartenmitbewohner.</li> </ul> Gewusst wie <p><strong>Schädlingen und Krankheiten vorbeugen:</strong></p> <ul> <li>Wählen Sie Sorten, die gegen problematische Krankheiten resistent bzw. generell robust und widerstandsfähig sind. Informieren Sie sich zu passenden Sorten in Fachmedien und lassen Sie sich im Fachhandel (z.B. Gärtnereien, Baumschulen) dazu beraten.</li> <li>Sorgen Sie für optimale Standortbedingungen um den unterschiedlichen Ansprüchen der Bäume gerecht zu werden. Prüfen Sie, ob die gewünschten Obstarten zum <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klima">Klima</a> in Ihrer Region passen.</li> <li>Pflanzen Sie nicht zu eng und entfernen Sie zu dicht stehende oder ins Bauminnere hineinwachsende Äste. Das sorgt für eine gute Durchlüftung.</li> <li>Vermeiden Sie Verletzungen an den Bäumen (z.B. beim Mähen), denn diese erleichtern das Eindringen von Krankheitserregern. Achten Sie beim Baumschnitt auf saubere, fachgerechte Schnittflächen.</li> <li>Gestalten Sie Ihren Garten möglichst naturnah, so dass sich viele Nützlinge darin wohl fühlen. Konkrete Tipps dazu finden Sie <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/57308">HIER</a>.</li> <li>Achten Sie auf hygienische Bedingungen damit sich Erreger gar nicht erst ausbreiten können. Desinfizieren Sie Schnittwerkzeuge mit 70-prozentigem Alkohol, wenn sie Kontakt mit kranken Pflanzen hatten.</li> <li>Entsorgen Sie befallene Pflanzenteile im Haus- oder Biomüll. Im Kompost können die erforderlichen Temperaturen, um die Erreger abzutöten, eventuell nicht erreicht werden.</li> </ul> Die wichtigsten Schädlinge im Überblick <p><strong>Kirschfruchtfliege: </strong>Die Kirschfruchtfliege (<em>Rhagoletis cerasi</em>) wird etwa vier Millimeter groß und ist schwarz-gelb gefärbt. Sie legt ihre Eier in heranreifende, gerne auch in vorgeschädigte Kirschen. Die Kirschfruchtfliege ist der wichtigste heimische Schädling an Süßkirschen, aber auch Sauerkirschen werden befallen.</p> <ul> <li>Bauen Sie Süßkirschen-Sorten an, die früh reifen. Je früher die Reifung, desto weniger Fruchtfliegen sind unterwegs.</li> <li>Gemulchte oder ungemähte Baumscheiben verzögern den Schlupf der Kirschfruchtfliege, weil sich der Boden dann langsamer erwärmt.</li> <li>Bei kleineren Bäumen können Sie die Kronen von Mitte Mai bis zur Ernte mit Kulturschutznetzen umspannen. Das hält die erwachsenen Fliegen von der Eiablage im Baum ab. Gegen Kirschfruchtfliegen reichen Netze mit einer maximalen Maschenweite von 1,3 Millimetern. Um gleichzeitig auch Kirschessigfliegen (siehe unten) abzuwehren, darf die Maschenweite aber nur maximal 0,8 Millimeter betragen.</li> <li>Wenn Sie nicht alle Kirschen brauchen, reicht es auch, nur einzelne Äste einzunetzen. Hungrige Vögel und Insekten freuen sich über die restlichen Früchte.</li> <li>Bei großen Bäumen können Sie, statt der Krone, den Boden unterhalb des Kirschbaums mit einem Netz bedecken. Das Netz sollte Mitte Mai ausgelegt sein und eine maximale Maschenweite von 0,8 Millimetern haben. Das Netz hält aus dem Boden geschlüpfte Fruchtfliegen zurück und senkt den Befall im nächsten Jahr, weil sich die Larven nicht wieder im Boden verpuppen können.</li> <li>Hühner fressen die im Boden eingegrabenen Puppen der Kirschfruchtfliege und vertilgen heruntergefallene Kirschen samt den Maden. Auch eine Schafbeweidung trägt zur Reduzierung der Kirschfruchtfliegen bei. Der Tritt der Tiere dezimiert die schlüpfenden Fliegen im Frühjahr und am Boden liegende Kirschen werden aufgefressen. Achten Sie auf eine artgerechte Haltung der Hühner und Schafe.</li> <li>Sofern nicht die Stare den Baum leer gefressen haben sollten Sie möglichst keine Kirschen hängen lassen und abgefallene Früchte rasch auflesen.</li> <li>Natürliche Feinde der Fruchtfliegen sind Ameisen, Schlupfwespen, Spinnen, Laufkäfer und Kurzflügler. Fördern Sie diese Nützlinge durch eine naturnahe Gartengestaltung und den Verzicht auf <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflanzenschutzmittel">Pflanzenschutzmittel</a>.</li> <li>Sie können gelbe Leimtafeln in den Baumkronen aufhängen. Diese dienen jedoch eher der Befallskontrolle als der direkten Bekämpfung. Gelbtafeln locken Insekten durch ihre Farbe an, einige enthalten auch zusätzlich Lockstoffe (Pheromone). Die Insekten, nützliche wie schädliche, bleiben am Leim kleben. Aber auch <a href="https://www.nabu-leipzig.de/gruppen/arbeitskreis-ornithologie-und-vogelschutz/leimfallen/">Vögel und Fledermäuse können daran kleben bleiben</a> und verenden. Die Flugzeit der Kirschfruchtfliege dauert von Mitte Mai bis Anfang Juli. Ist sie vorbei sollten die Gelbtafeln schnellstmöglich abgenommen werden. Besser wäre, auf Leimtafeln zu verzichten.</li> </ul> <p><strong>Kirschessigfliege:</strong> Die <a href="https://drosophila.julius-kuehn.de/">Kirschessigfliege</a> (<em>Drosophila suzukii</em>) ist nur drei Millimeter groß, kann aber große Ernteverluste verursachen. Sie befällt nicht nur Kirschen, sondern auch andere Steinobstarten und Beerenfrüchte. Markant sind die roten Augen und der sägeartige Ei-Legeapparat, mit dem die Weibchen in die Fruchthaut eindringen. Die invasive, aus Asien stammende Kirschessigfliege wurde 2011 erstmalig in Deutschland nachgewiesen und hat sich innerhalb von nur drei Jahren bundesweit ausgebreitet. Sie wird durch befallene Früchte verbreitet, kann aber auch selbst weite Strecken zurücklegen. Unter den klimatischen Bedingungen in Deutschland kann sie bis zu acht Generationen pro Jahr zeugen. Es gibt keine Insektizide, die für den Haus- und Kleingarten zugelassen sind. Aufgrund der hohen Vermehrungsrate und des kurzen Entwicklungszyklus würde die Kirschessigfliege wahrscheinlich schnell Resistenzen gegen Insektizide entwickeln. </p> <ul> <li>Kirschessigfliegen gehören zu den Taufliegen, sie mögen es dementsprechend feucht. Sonne, Wind und Frost mögen sie dagegen nicht. Sorgen Sie also dafür, dass die Obstgehölze möglichst sonnig stehen, fachgerecht geschnitten sind und Unterbewuchs kurzgehalten wird.</li> <li>Kleinere Bäume können mit <a href="https://droso-demo-netz.julius-kuehn.de/index.php?menuid=41">Kulturschutznetzen</a> (Maschenweite maximal 0,8 Millimeter) komplett eingenetzt werden. Schließen Sie die Netze sofort nach der Blüte und kontrollieren Sie die Netze regelmäßig auf Schadstellen.</li> <li>Natürliche Gegenspieler der Kirschessigfliege sind Ohrwürmer und parasitierende Wespen (Gallwespen, Brackwespen, Zehrwespen, Erzwespen). Fördern Sie Nützlinge durch eine naturnahe Gartengestaltung.</li> <li>Pflücken Sie regelmäßig alle reifen Früchte und auch solche, die von Krankheiten und Schädlingen befallen sind. Entsorgen Sie befallene Früchte, am besten gut verpackt, im Hausmüll. Kompostieren können Sie befallene Früchte nur, wenn vorher die Larven der Kirschessigfliege abgetötet werden. Dazu müssen Sie die Früchte entweder in einem dicht verschlossenen Behälter in die Sonne legen oder einfrieren. Auch vergraben in einer Bodentiefe von mindestens 50 Zentimetern ist eine Option.</li> </ul> <p><strong>Vogelfraß: </strong>Für Amseln, Drosseln und Stare sind Kirschen ein beliebtes Futter. Dabei können insbesondere Stare einen entsprechenden Schaden verursachen, wenn sie in großen Schwärmen auftreten.</p> <ul> <li>Verwenden Sie keine Vogelabwehrnetze! Vögel verfangen sich darin und sterben qualvoll. Wenn Sie trotzdem nicht auf die Netze verzichten wollen, dann achten Sie darauf, dass sie straff gespannt sind und nach unten dicht verschlossen sind. Kontrollieren Sie die Netze mehrmals täglich, um etwaig gefangene Vögel zu befreien.</li> <li>Bringen Sie, anstatt eines Netzes, einen Starenkasten an Ihrem Kirschbaum an. Das darin brütende Starenpaar wird den Baum gegen Artgenossen verteidigen, Sie müssen die Kirschen dann nur mit einem Paar, und nicht mit einem ganzen Schwarm teilen. Bieten Sie dem ansässigen Starenpaar weitere beerentragende Gehölze an, so dass diese über das Jahr verteilt Futter in Ihrem Garten finden. Stare mögen z.B. Holunder, Sanddorn, Ebereschen und Efeubeeren.</li> <li>Weitere Alternativen zu Netzen sind Abwehrdrachen mit Greifvogelsilhouetten oder andere abschreckende Dinge, die während der Kirschreife im Baum aufgehangen werden (z.B. Konservendosen, CDs, Folienstreifen, holographische Bänder, Vogelschreckballons). Leider lernen die schlauen Tiere schnell, dass diese Dinge nicht wirklich gefährlich sind. So sind immer wieder Veränderungen nötig, um den Gewöhnungseffekt zu begrenzen.</li> <li>Auch die Pflanzung einer gelben Kirschsorte kann Abhilfe schaffen. Vögel erkennen reife Früchte an den Signalfarben rot und blauschwarz, gelbe Kirschen werden dagegen als "unreif" angesehen.</li> </ul> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/3111/bilder/steinobst_made-kirschfruchtfliege.jpg"> </a> <strong> Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi) </strong> <br>Gegen Kirschfruchtfliegen helfen Netze und Hühner. Quelle: Bauer Karl | www.wikimedia.org | Made der Kirschfruchtfliege in einer geöffneten Kirsche | https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.en <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/3111/bilder/steinobst_kirschessigfliege.jpg"> </a> <strong> Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) </strong> <br>Mit einer Lupe kann man die roten Augen der Kirschessigfliege erkennen. Die Männchen haben auf ihren Flügeln einen gut sichtbaren schwarzen Punkt. Quelle: Martin Hauser Phycus | www.wikimedia.org | male of Drosophila suzukii. California | https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/deed.en <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/klebetafel_nabu_leipzig.jpg"> </a> <strong> Vorsicht beim Einsatz von Leimringen und Klebetafeln zur Schädlingsbekämpfung! </strong> Quelle: NABU Leipzig Weiter <i> </i> Vorherige <i> </i> Die wichtigsten Krankheiten im Überblick <p><strong>Schrotschusskrankheit und Sprühfleckenkrankheit:</strong> Beide Krankheiten äußern sich ähnlich und können bei allen Steinobstarten auftreten. Die Schrotschusskrankheit wird durch den Pilz <em>Stigmina carpophila </em>verursacht. Sind Blätter davon befallen, sehen sie aus, als wären sie von Schrotkugeln durchlöchert. Die burgunderroten Blattflecken der Sprühfleckenkrankheit sind etwas kleiner. Diese Krankheit wird durch den Pilz <em>Blumeriella jaapii</em> verursacht. Die Blätter werden kurz nach der Infektion gelb und fallen ab. Beiden Krankheiten können Sie mit denselben Maßnahmen vorbeugen.</p> <ul> <li>Ein regelmäßiger fachgerechter Schnitt beugt der Infektion vor. So gelangen Wind und Sonne gut ins Kroneninnere und Feuchtigkeit kann entweichen.</li> <li>Kontrollieren Sie insbesondere die unteren Triebe regelmäßig und pflücken Sie befallene Blätter ab. Schneiden Sie erkrankte Triebe bis ins gesunde Holz zurück.</li> <li>Die Pilze überwintern im Falllaub. Entfernen Sie deshalb befallenes Laub und entsorgen Sie dieses. Falls Sie das Laub <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/15470">kompostieren</a>, decken Sie es gut mit anderen Gartenabfällen ab, damit daraus keine neuen Sporen ausfliegen.</li> <li>Pflücken und entsorgen Sie vertrocknete, im Baum hängengebliebene Früchte. Schaderreger können darin überwintern und den Baum im nächsten Jahr erneut infizieren.</li> <li>Achtung, die Schrotschusskrankheit kann leicht mit Bakterienbrand verwechselt werden. Eine sorgfältige Diagnose ist wichtig um die richtige Bekämpfungsstrategie zu finden. Während erstere durch einen Pilz verursacht wird, entsteht letztere durch ein Bakterium (<em>Pseudomonas syringae</em>).</li> </ul> <p><strong>Scharka-Virus:</strong> Das Scharka-Virus (<em>plum pox virus</em>) tritt vorwiegend an <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflaumen">Pflaumen</a> auf, kann aber auch Aprikosen, Pfirsiche und Nektarinen treffen. Die befallenen Früchte sind pockenartig eingesunken oder verformt, die Blätter sind unregelmäßig aufgehellt. Das Fruchtfleisch der Pflaumen ist an einigen Stellen rötlich verfärbt, es ist gummiartig zäh und nahezu geschmacklos. Die Übertragung erfolgt durch Blattläuse, insbesondere durch die Grüne Pfirsichblattlaus (<em>Myzus persicae</em>).</p> <ul> <li>Das Scharka-Virus ist eine gefährliche Pflanzenkrankheit und daher meldepflichtig! Übermitteln Sie jeden Verdachtsfall an den<a href="https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/02_Verbraucher/03_HausKleingarten/01_amtl_Auskunftsstellen/Auskunftsstellen_node.html"> in Ihrem Bundesland zuständigen Pflanzenschutzdienst</a>.</li> <li>Sie können das Virus nicht direkt bekämpfen, sondern nur vorbeugen, indem Sie resistente bzw. widerstandsfähige Sorten anbauen.</li> <li>Vom Virus befallene Bäume sollten gerodet werden und durch robustere Sorten ersetzt werden.</li> </ul> <p><strong>Narren- oder Taschenkrankheit:</strong> Früchte, die von dem Pilz <em>Taphrina pruni</em> befallen sind, nehmen eine verkrümmte Form an, die an eine Narrenkappe oder eine Handtasche erinnert. Die sogenannte Narren- oder Taschenkrankheit betrifft vor allem Pflaumen und Pfirsiche. Die befallenen Früchte vertrocknen und bleiben so am Baum hängen.</p> <ul> <li>Beschneiden Sie die Baumkronen regelmäßig. Entfernen Sie zu dicht stehende und in die Krone hineinwachsende Äste. Dann kann Wind durch die Krone wehen und Feuchtigkeit rasch verdunsten.</li> <li>Entfernen Sie alle befallenen Früchte und Fruchtmumien.</li> <li>Bepflanzen Sie die Baumscheibe mit Knoblauch.</li> <li>Der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/grundstoff">Grundstoff</a> Ackerschachtelhalm kann unterstützend verwendet werden.</li> </ul> <p><strong>Monilia-Pilze: </strong>Die Erreger <em>Monilia laxa</em> und <em>Monilia fructigena</em> befallen vor allem Pflaumen- und Kirschbäume, aber auch Apfel- und Birnbäume. Sie sorgen für Fruchtfäule und lassen die Triebspitzen absterben, man spricht deshalb auch von Spitzendürre. Jede Verletzung der Fruchthaut, z. B. durch Hagel, Wespenfraß oder Pflaumenwicklerbefall, begünstigt eine Infektion. Um die <em>Monilia</em>-Pilze vom Feuerbrand, einer gefährlichen Bakterienerkrankung, zu unterscheiden, können Sie ein Stück eines erkrankten Triebs mit einem feuchten Tuch in eine saubere Kunststofftüte legen. Ist der Trieb mit <em>Monilia laxa</em> befallen, hat sich nach spätestens zwei Tagen ein weißer Pilzrasen gebildet.</p> <ul> <li>Wählen Sie einen sonnigen, aber luftigen Standort. Vermeiden Sie Staunässe.</li> <li>Lichten Sie den Baum regelmäßig aus, damit das Laub schnell trocknen kann.</li> <li>Die Infektion geht von Fruchtmumien aus. Ernten Sie die Obstbäume deshalb vollständig ab. Unbrauchbare Früchte und Fruchtmumien sollten entsorgt werden.</li> <li>Falls es zum Befall kommt, schneiden Sie die Triebe mindestens 20 Zentimeter tief ins gesunde Holz zurück.</li> <li>Die Sporen der <em>Monilia</em>-Pilze sind sehr widerstandsfähig. Entsorgen Sie Schnittabfälle und Fruchtmumien deshalb nicht auf dem Kompost, sondern im Haus- oder Biomüll.</li> </ul> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/3111/bilder/steinobst_schrotschusskrankheit.jpg"> </a> <strong> Schrotschusskrankheit (Stigmina carpophila) </strong> <br>Rote Blattflecken sind typisch für Kirschen, die von der Schrotschusskrankheit befallen sind. Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Schrotschusskrankheit (Clasterosporium carpophilum) an Süßkirsche | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/clasterosporium_carpophilum.jpg"> </a> <strong> Schrotschusskrankheit (Stigmina carpophila) </strong> <br>Die ehemals roten Blattflecken der Schrotschusskrankheit trocknen nach und nach ein. Das trockene Material fällt aus dem Blatt heraus. Quelle: Rainer Wahl | www.greencommons.de | Schrotschusskrankheit | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/spruehfleckenkrankheit.jpg"> </a> <strong> Sprühfleckenkrankheit (Blumeriella jaapii) am Blatt der Süßkirsche </strong> Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Sprühfleckenkrankheit Blumeriella jaapii an Süßkirsche | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/3111/bilder/steinobst_scharka-virus.jpg"> </a> <strong> Scharka-Virus (plum pox virus) </strong> <br>Unregelmäßige bis ringförmige Blattaufhellungen deuten auf das Scharka-Virus hin. Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Typische Blattsymptome durch das Scharka-Virus (PPV = plum pox virus) | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/narrentaschenkrankheit_an_mirabellen.jpg"> </a> <strong> Pflaumen-Narrentasche (Taphrina pruni) </strong> <br>Längliche gekrümmte Früchte sind ein Symptom der Narren- oder Taschenkrankheit. Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Narrentaschenkrankheit an Mirabellen | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/monilia_laxa2.jpg"> </a> <strong> Monilia-Pilze (Monilia laxa und Monilia fructigena) </strong> <br>Monilia-Pilze sorgen unter anderem dafür, dass die Triebspitzen der Bäume absterben. Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Monilia laxa | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ Weiter <i> </i> Vorherige <i> </i> <p><strong>Pflanzenschutzmittel nur im Notfall:</strong> Bevorzugen Sie grundsätzlich immer nicht-chemische Maßnahmen, bevor Sie <a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/pflanzenschutzmittel/wissenswertes-ueber-pflanzenschutzmittel">Pflanzenschutzmittel</a> einsetzen. Verwenden Sie Pflanzenschutzmittel nur, wenn alle anderen Maßnahmen keinen Erfolg gebracht haben und wenn mit großen Ernteverlusten zu rechnen ist. Prüfen Sie, ob Ihr Ziel auch mit <a href="https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/01_Aufgaben/04_Pflanzenstaerkungsmittel/psm_Pflanzenstaerkungsmittel_node.html">Pflanzenstärkungsmitteln</a> oder mit dem Einsatz von <a href="https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/04_Anwender/02_AnwendungGrundstoffe/psm_AnwendungGrundstoffe_node.html;jsessionid=FDBEE81656F55AB03C484996E1D3360E.internet942#doc11030656bodyText2">Grundstoffen</a> erreicht werden kann. Entscheiden Sie sich doch für ein Pflanzenschutzmittel, wählen Sie möglichst umweltverträgliche Wirkstoffe. Verwenden Sie nur zugelassene Pflanzenschutzmittel und halten Sie sich genau an die Packungsbeilage. Weitere Tipps zum richtigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln finden Sie <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/57293">HIER</a>.</p> </p><p> So gelingt die Ernte in Ihrem Obstgarten <ul> <li>Wählen Sie widerstandsfähige Sorten und vielfältige Arten.</li> <li>Achten Sie auf einen passenden Standort, am besten sonnig und luftig.</li> <li>Lichten Sie die Bäume regelmäßig aus.</li> <li>Kontrollieren Sie die Bäume regelmäßig, um frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen.</li> <li>Verwenden Sie engmaschige Kulturschutznetze.</li> <li>Ein Verzicht auf <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflanzenschutzmittel">Pflanzenschutzmittel</a> schont die Umwelt und Ihre Gartenmitbewohner.</li> </ul> </p><p> Gewusst wie <p><strong>Schädlingen und Krankheiten vorbeugen:</strong></p> <ul> <li>Wählen Sie Sorten, die gegen problematische Krankheiten resistent bzw. generell robust und widerstandsfähig sind. Informieren Sie sich zu passenden Sorten in Fachmedien und lassen Sie sich im Fachhandel (z.B. Gärtnereien, Baumschulen) dazu beraten.</li> <li>Sorgen Sie für optimale Standortbedingungen um den unterschiedlichen Ansprüchen der Bäume gerecht zu werden. Prüfen Sie, ob die gewünschten Obstarten zum <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klima">Klima</a> in Ihrer Region passen.</li> <li>Pflanzen Sie nicht zu eng und entfernen Sie zu dicht stehende oder ins Bauminnere hineinwachsende Äste. Das sorgt für eine gute Durchlüftung.</li> <li>Vermeiden Sie Verletzungen an den Bäumen (z.B. beim Mähen), denn diese erleichtern das Eindringen von Krankheitserregern. Achten Sie beim Baumschnitt auf saubere, fachgerechte Schnittflächen.</li> <li>Gestalten Sie Ihren Garten möglichst naturnah, so dass sich viele Nützlinge darin wohl fühlen. Konkrete Tipps dazu finden Sie <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/57308">HIER</a>.</li> <li>Achten Sie auf hygienische Bedingungen damit sich Erreger gar nicht erst ausbreiten können. Desinfizieren Sie Schnittwerkzeuge mit 70-prozentigem Alkohol, wenn sie Kontakt mit kranken Pflanzen hatten.</li> <li>Entsorgen Sie befallene Pflanzenteile im Haus- oder Biomüll. Im Kompost können die erforderlichen Temperaturen, um die Erreger abzutöten, eventuell nicht erreicht werden.</li> </ul> Die wichtigsten Schädlinge im Überblick <p><strong>Kirschfruchtfliege: </strong>Die Kirschfruchtfliege (<em>Rhagoletis cerasi</em>) wird etwa vier Millimeter groß und ist schwarz-gelb gefärbt. Sie legt ihre Eier in heranreifende, gerne auch in vorgeschädigte Kirschen. Die Kirschfruchtfliege ist der wichtigste heimische Schädling an Süßkirschen, aber auch Sauerkirschen werden befallen.</p> <ul> <li>Bauen Sie Süßkirschen-Sorten an, die früh reifen. Je früher die Reifung, desto weniger Fruchtfliegen sind unterwegs.</li> <li>Gemulchte oder ungemähte Baumscheiben verzögern den Schlupf der Kirschfruchtfliege, weil sich der Boden dann langsamer erwärmt.</li> <li>Bei kleineren Bäumen können Sie die Kronen von Mitte Mai bis zur Ernte mit Kulturschutznetzen umspannen. Das hält die erwachsenen Fliegen von der Eiablage im Baum ab. Gegen Kirschfruchtfliegen reichen Netze mit einer maximalen Maschenweite von 1,3 Millimetern. Um gleichzeitig auch Kirschessigfliegen (siehe unten) abzuwehren, darf die Maschenweite aber nur maximal 0,8 Millimeter betragen.</li> <li>Wenn Sie nicht alle Kirschen brauchen, reicht es auch, nur einzelne Äste einzunetzen. Hungrige Vögel und Insekten freuen sich über die restlichen Früchte.</li> <li>Bei großen Bäumen können Sie, statt der Krone, den Boden unterhalb des Kirschbaums mit einem Netz bedecken. Das Netz sollte Mitte Mai ausgelegt sein und eine maximale Maschenweite von 0,8 Millimetern haben. Das Netz hält aus dem Boden geschlüpfte Fruchtfliegen zurück und senkt den Befall im nächsten Jahr, weil sich die Larven nicht wieder im Boden verpuppen können.</li> <li>Hühner fressen die im Boden eingegrabenen Puppen der Kirschfruchtfliege und vertilgen heruntergefallene Kirschen samt den Maden. Auch eine Schafbeweidung trägt zur Reduzierung der Kirschfruchtfliegen bei. Der Tritt der Tiere dezimiert die schlüpfenden Fliegen im Frühjahr und am Boden liegende Kirschen werden aufgefressen. Achten Sie auf eine artgerechte Haltung der Hühner und Schafe.</li> <li>Sofern nicht die Stare den Baum leer gefressen haben sollten Sie möglichst keine Kirschen hängen lassen und abgefallene Früchte rasch auflesen.</li> <li>Natürliche Feinde der Fruchtfliegen sind Ameisen, Schlupfwespen, Spinnen, Laufkäfer und Kurzflügler. Fördern Sie diese Nützlinge durch eine naturnahe Gartengestaltung und den Verzicht auf <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflanzenschutzmittel">Pflanzenschutzmittel</a>.</li> <li>Sie können gelbe Leimtafeln in den Baumkronen aufhängen. Diese dienen jedoch eher der Befallskontrolle als der direkten Bekämpfung. Gelbtafeln locken Insekten durch ihre Farbe an, einige enthalten auch zusätzlich Lockstoffe (Pheromone). Die Insekten, nützliche wie schädliche, bleiben am Leim kleben. Aber auch <a href="https://www.nabu-leipzig.de/gruppen/arbeitskreis-ornithologie-und-vogelschutz/leimfallen/">Vögel und Fledermäuse können daran kleben bleiben</a> und verenden. Die Flugzeit der Kirschfruchtfliege dauert von Mitte Mai bis Anfang Juli. Ist sie vorbei sollten die Gelbtafeln schnellstmöglich abgenommen werden. Besser wäre, auf Leimtafeln zu verzichten.</li> </ul> <p><strong>Kirschessigfliege:</strong> Die <a href="https://drosophila.julius-kuehn.de/">Kirschessigfliege</a> (<em>Drosophila suzukii</em>) ist nur drei Millimeter groß, kann aber große Ernteverluste verursachen. Sie befällt nicht nur Kirschen, sondern auch andere Steinobstarten und Beerenfrüchte. Markant sind die roten Augen und der sägeartige Ei-Legeapparat, mit dem die Weibchen in die Fruchthaut eindringen. Die invasive, aus Asien stammende Kirschessigfliege wurde 2011 erstmalig in Deutschland nachgewiesen und hat sich innerhalb von nur drei Jahren bundesweit ausgebreitet. Sie wird durch befallene Früchte verbreitet, kann aber auch selbst weite Strecken zurücklegen. Unter den klimatischen Bedingungen in Deutschland kann sie bis zu acht Generationen pro Jahr zeugen. Es gibt keine Insektizide, die für den Haus- und Kleingarten zugelassen sind. Aufgrund der hohen Vermehrungsrate und des kurzen Entwicklungszyklus würde die Kirschessigfliege wahrscheinlich schnell Resistenzen gegen Insektizide entwickeln. </p> <ul> <li>Kirschessigfliegen gehören zu den Taufliegen, sie mögen es dementsprechend feucht. Sonne, Wind und Frost mögen sie dagegen nicht. Sorgen Sie also dafür, dass die Obstgehölze möglichst sonnig stehen, fachgerecht geschnitten sind und Unterbewuchs kurzgehalten wird.</li> <li>Kleinere Bäume können mit <a href="https://droso-demo-netz.julius-kuehn.de/index.php?menuid=41">Kulturschutznetzen</a> (Maschenweite maximal 0,8 Millimeter) komplett eingenetzt werden. Schließen Sie die Netze sofort nach der Blüte und kontrollieren Sie die Netze regelmäßig auf Schadstellen.</li> <li>Natürliche Gegenspieler der Kirschessigfliege sind Ohrwürmer und parasitierende Wespen (Gallwespen, Brackwespen, Zehrwespen, Erzwespen). Fördern Sie Nützlinge durch eine naturnahe Gartengestaltung.</li> <li>Pflücken Sie regelmäßig alle reifen Früchte und auch solche, die von Krankheiten und Schädlingen befallen sind. Entsorgen Sie befallene Früchte, am besten gut verpackt, im Hausmüll. Kompostieren können Sie befallene Früchte nur, wenn vorher die Larven der Kirschessigfliege abgetötet werden. Dazu müssen Sie die Früchte entweder in einem dicht verschlossenen Behälter in die Sonne legen oder einfrieren. Auch vergraben in einer Bodentiefe von mindestens 50 Zentimetern ist eine Option.</li> </ul> <p><strong>Vogelfraß: </strong>Für Amseln, Drosseln und Stare sind Kirschen ein beliebtes Futter. Dabei können insbesondere Stare einen entsprechenden Schaden verursachen, wenn sie in großen Schwärmen auftreten.</p> <ul> <li>Verwenden Sie keine Vogelabwehrnetze! Vögel verfangen sich darin und sterben qualvoll. Wenn Sie trotzdem nicht auf die Netze verzichten wollen, dann achten Sie darauf, dass sie straff gespannt sind und nach unten dicht verschlossen sind. Kontrollieren Sie die Netze mehrmals täglich, um etwaig gefangene Vögel zu befreien.</li> <li>Bringen Sie, anstatt eines Netzes, einen Starenkasten an Ihrem Kirschbaum an. Das darin brütende Starenpaar wird den Baum gegen Artgenossen verteidigen, Sie müssen die Kirschen dann nur mit einem Paar, und nicht mit einem ganzen Schwarm teilen. Bieten Sie dem ansässigen Starenpaar weitere beerentragende Gehölze an, so dass diese über das Jahr verteilt Futter in Ihrem Garten finden. Stare mögen z.B. Holunder, Sanddorn, Ebereschen und Efeubeeren.</li> <li>Weitere Alternativen zu Netzen sind Abwehrdrachen mit Greifvogelsilhouetten oder andere abschreckende Dinge, die während der Kirschreife im Baum aufgehangen werden (z.B. Konservendosen, CDs, Folienstreifen, holographische Bänder, Vogelschreckballons). Leider lernen die schlauen Tiere schnell, dass diese Dinge nicht wirklich gefährlich sind. So sind immer wieder Veränderungen nötig, um den Gewöhnungseffekt zu begrenzen.</li> <li>Auch die Pflanzung einer gelben Kirschsorte kann Abhilfe schaffen. Vögel erkennen reife Früchte an den Signalfarben rot und blauschwarz, gelbe Kirschen werden dagegen als "unreif" angesehen.</li> </ul> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/3111/bilder/steinobst_made-kirschfruchtfliege.jpg"> </a> <strong> Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi) </strong> <br>Gegen Kirschfruchtfliegen helfen Netze und Hühner. Quelle: Bauer Karl | www.wikimedia.org | Made der Kirschfruchtfliege in einer geöffneten Kirsche | https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.en <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/3111/bilder/steinobst_kirschessigfliege.jpg"> </a> <strong> Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) </strong> <br>Mit einer Lupe kann man die roten Augen der Kirschessigfliege erkennen. Die Männchen haben auf ihren Flügeln einen gut sichtbaren schwarzen Punkt. Quelle: Martin Hauser Phycus | www.wikimedia.org | male of Drosophila suzukii. California | https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/deed.en <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/klebetafel_nabu_leipzig.jpg"> </a> <strong> Vorsicht beim Einsatz von Leimringen und Klebetafeln zur Schädlingsbekämpfung! </strong> Quelle: NABU Leipzig Weiter <i> </i> Vorherige <i> </i> </p><p> Die wichtigsten Krankheiten im Überblick <p><strong>Schrotschusskrankheit und Sprühfleckenkrankheit:</strong> Beide Krankheiten äußern sich ähnlich und können bei allen Steinobstarten auftreten. Die Schrotschusskrankheit wird durch den Pilz <em>Stigmina carpophila </em>verursacht. Sind Blätter davon befallen, sehen sie aus, als wären sie von Schrotkugeln durchlöchert. Die burgunderroten Blattflecken der Sprühfleckenkrankheit sind etwas kleiner. Diese Krankheit wird durch den Pilz <em>Blumeriella jaapii</em> verursacht. Die Blätter werden kurz nach der Infektion gelb und fallen ab. Beiden Krankheiten können Sie mit denselben Maßnahmen vorbeugen.</p> <ul> <li>Ein regelmäßiger fachgerechter Schnitt beugt der Infektion vor. So gelangen Wind und Sonne gut ins Kroneninnere und Feuchtigkeit kann entweichen.</li> <li>Kontrollieren Sie insbesondere die unteren Triebe regelmäßig und pflücken Sie befallene Blätter ab. Schneiden Sie erkrankte Triebe bis ins gesunde Holz zurück.</li> <li>Die Pilze überwintern im Falllaub. Entfernen Sie deshalb befallenes Laub und entsorgen Sie dieses. Falls Sie das Laub <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/15470">kompostieren</a>, decken Sie es gut mit anderen Gartenabfällen ab, damit daraus keine neuen Sporen ausfliegen.</li> <li>Pflücken und entsorgen Sie vertrocknete, im Baum hängengebliebene Früchte. Schaderreger können darin überwintern und den Baum im nächsten Jahr erneut infizieren.</li> <li>Achtung, die Schrotschusskrankheit kann leicht mit Bakterienbrand verwechselt werden. Eine sorgfältige Diagnose ist wichtig um die richtige Bekämpfungsstrategie zu finden. Während erstere durch einen Pilz verursacht wird, entsteht letztere durch ein Bakterium (<em>Pseudomonas syringae</em>).</li> </ul> <p><strong>Scharka-Virus:</strong> Das Scharka-Virus (<em>plum pox virus</em>) tritt vorwiegend an <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflaumen">Pflaumen</a> auf, kann aber auch Aprikosen, Pfirsiche und Nektarinen treffen. Die befallenen Früchte sind pockenartig eingesunken oder verformt, die Blätter sind unregelmäßig aufgehellt. Das Fruchtfleisch der Pflaumen ist an einigen Stellen rötlich verfärbt, es ist gummiartig zäh und nahezu geschmacklos. Die Übertragung erfolgt durch Blattläuse, insbesondere durch die Grüne Pfirsichblattlaus (<em>Myzus persicae</em>).</p> <ul> <li>Das Scharka-Virus ist eine gefährliche Pflanzenkrankheit und daher meldepflichtig! Übermitteln Sie jeden Verdachtsfall an den<a href="https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/02_Verbraucher/03_HausKleingarten/01_amtl_Auskunftsstellen/Auskunftsstellen_node.html"> in Ihrem Bundesland zuständigen Pflanzenschutzdienst</a>.</li> <li>Sie können das Virus nicht direkt bekämpfen, sondern nur vorbeugen, indem Sie resistente bzw. widerstandsfähige Sorten anbauen.</li> <li>Vom Virus befallene Bäume sollten gerodet werden und durch robustere Sorten ersetzt werden.</li> </ul> <p><strong>Narren- oder Taschenkrankheit:</strong> Früchte, die von dem Pilz <em>Taphrina pruni</em> befallen sind, nehmen eine verkrümmte Form an, die an eine Narrenkappe oder eine Handtasche erinnert. Die sogenannte Narren- oder Taschenkrankheit betrifft vor allem Pflaumen und Pfirsiche. Die befallenen Früchte vertrocknen und bleiben so am Baum hängen.</p> <ul> <li>Beschneiden Sie die Baumkronen regelmäßig. Entfernen Sie zu dicht stehende und in die Krone hineinwachsende Äste. Dann kann Wind durch die Krone wehen und Feuchtigkeit rasch verdunsten.</li> <li>Entfernen Sie alle befallenen Früchte und Fruchtmumien.</li> <li>Bepflanzen Sie die Baumscheibe mit Knoblauch.</li> <li>Der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/grundstoff">Grundstoff</a> Ackerschachtelhalm kann unterstützend verwendet werden.</li> </ul> <p><strong>Monilia-Pilze: </strong>Die Erreger <em>Monilia laxa</em> und <em>Monilia fructigena</em> befallen vor allem Pflaumen- und Kirschbäume, aber auch Apfel- und Birnbäume. Sie sorgen für Fruchtfäule und lassen die Triebspitzen absterben, man spricht deshalb auch von Spitzendürre. Jede Verletzung der Fruchthaut, z. B. durch Hagel, Wespenfraß oder Pflaumenwicklerbefall, begünstigt eine Infektion. Um die <em>Monilia</em>-Pilze vom Feuerbrand, einer gefährlichen Bakterienerkrankung, zu unterscheiden, können Sie ein Stück eines erkrankten Triebs mit einem feuchten Tuch in eine saubere Kunststofftüte legen. Ist der Trieb mit <em>Monilia laxa</em> befallen, hat sich nach spätestens zwei Tagen ein weißer Pilzrasen gebildet.</p> <ul> <li>Wählen Sie einen sonnigen, aber luftigen Standort. Vermeiden Sie Staunässe.</li> <li>Lichten Sie den Baum regelmäßig aus, damit das Laub schnell trocknen kann.</li> <li>Die Infektion geht von Fruchtmumien aus. Ernten Sie die Obstbäume deshalb vollständig ab. Unbrauchbare Früchte und Fruchtmumien sollten entsorgt werden.</li> <li>Falls es zum Befall kommt, schneiden Sie die Triebe mindestens 20 Zentimeter tief ins gesunde Holz zurück.</li> <li>Die Sporen der <em>Monilia</em>-Pilze sind sehr widerstandsfähig. Entsorgen Sie Schnittabfälle und Fruchtmumien deshalb nicht auf dem Kompost, sondern im Haus- oder Biomüll.</li> </ul> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/3111/bilder/steinobst_schrotschusskrankheit.jpg"> </a> <strong> Schrotschusskrankheit (Stigmina carpophila) </strong> <br>Rote Blattflecken sind typisch für Kirschen, die von der Schrotschusskrankheit befallen sind. Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Schrotschusskrankheit (Clasterosporium carpophilum) an Süßkirsche | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/clasterosporium_carpophilum.jpg"> </a> <strong> Schrotschusskrankheit (Stigmina carpophila) </strong> <br>Die ehemals roten Blattflecken der Schrotschusskrankheit trocknen nach und nach ein. Das trockene Material fällt aus dem Blatt heraus. Quelle: Rainer Wahl | www.greencommons.de | Schrotschusskrankheit | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/spruehfleckenkrankheit.jpg"> </a> <strong> Sprühfleckenkrankheit (Blumeriella jaapii) am Blatt der Süßkirsche </strong> Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Sprühfleckenkrankheit Blumeriella jaapii an Süßkirsche | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/3111/bilder/steinobst_scharka-virus.jpg"> </a> <strong> Scharka-Virus (plum pox virus) </strong> <br>Unregelmäßige bis ringförmige Blattaufhellungen deuten auf das Scharka-Virus hin. Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Typische Blattsymptome durch das Scharka-Virus (PPV = plum pox virus) | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/narrentaschenkrankheit_an_mirabellen.jpg"> </a> <strong> Pflaumen-Narrentasche (Taphrina pruni) </strong> <br>Längliche gekrümmte Früchte sind ein Symptom der Narren- oder Taschenkrankheit. Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Narrentaschenkrankheit an Mirabellen | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/monilia_laxa2.jpg"> </a> <strong> Monilia-Pilze (Monilia laxa und Monilia fructigena) </strong> <br>Monilia-Pilze sorgen unter anderem dafür, dass die Triebspitzen der Bäume absterben. Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Monilia laxa | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ Weiter <i> </i> Vorherige <i> </i> </p><p> <p><strong>Pflanzenschutzmittel nur im Notfall:</strong> Bevorzugen Sie grundsätzlich immer nicht-chemische Maßnahmen, bevor Sie <a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/pflanzenschutzmittel/wissenswertes-ueber-pflanzenschutzmittel">Pflanzenschutzmittel</a> einsetzen. Verwenden Sie Pflanzenschutzmittel nur, wenn alle anderen Maßnahmen keinen Erfolg gebracht haben und wenn mit großen Ernteverlusten zu rechnen ist. Prüfen Sie, ob Ihr Ziel auch mit <a href="https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/01_Aufgaben/04_Pflanzenstaerkungsmittel/psm_Pflanzenstaerkungsmittel_node.html">Pflanzenstärkungsmitteln</a> oder mit dem Einsatz von <a href="https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/04_Anwender/02_AnwendungGrundstoffe/psm_AnwendungGrundstoffe_node.html;jsessionid=FDBEE81656F55AB03C484996E1D3360E.internet942#doc11030656bodyText2">Grundstoffen</a> erreicht werden kann. Entscheiden Sie sich doch für ein Pflanzenschutzmittel, wählen Sie möglichst umweltverträgliche Wirkstoffe. Verwenden Sie nur zugelassene Pflanzenschutzmittel und halten Sie sich genau an die Packungsbeilage. Weitere Tipps zum richtigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln finden Sie <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/57293">HIER</a>.</p> </p><p>Informationen für...</p>
[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] LUA-BILANZ
WEINÜBERWACHUNG
Ergebnisse von Kontrollen und Untersuchungen der rheinland-pfälzischen Weinüberwachung 2023
© Eberhard / AdobeStock
Schäden beim Menschen hätten auslösen können,
im Jahr 2023 nicht festgestellt wurden.
Schwierige Wetterbedingungen und neue rechtli-
che Regelungen stellten Weinerzeuger und Wein-
überwachung im vergangenen Jahr gleicherma-
ßen vor Herausforderungen. Dennoch blieb die
Zahl von Kontrollen, Untersuchungen und Bean-
standungen durch das Landesuntersuchungsamt
(LUA) weitgehend konstant. Auch im Jahr 2023
verzeichneten die Fachleute der Weinüberwa-
chung in Rheinland-Pfalz viele Kennzeichnungs-
fehler, aber auch einige schwerwiegende Verstöße
gegen das Weinrecht.Frühe Rebsorten faulten rasch
Rheinland-Pfalz ist das größte Weinbau treiben-
de Bundesland, weshalb die Weinüberwachung
hier eine besondere Bedeutung hat. Um die red-
lich arbeitenden Winzer und Kellereien vor den
schwarzen Schafen der Branche zu schützen, ha-
ben die Fachleute des LUA im Jahr 2023 knapp
4.131 Kontrollen vor Ort durchgeführt und 3.734
Proben untersucht. Die weit überwiegende An-
zahl der Beanstandungen bezog sich allerdings auf
die Kennzeichnung: Häufige Mängel sind dabei
ein falsch angegebener Alkoholgehalt, unzutref-
fende Geschmacksangaben (zum Beispiel trocken
oder halbtrocken), unzutreffende Rebsortenan-
gaben oder unzureichende Hinweise auf Allergie
auslösende Stoffe. Nicht immer ist dabei von vor-
sätzlichen Vergehen auszugehen: Die sich stän-
dig ändernden und teils komplizierten Kennzeich-
nungsvorschriften lassen auch gutwillige Winzer
bisweilen den Überblick verlieren.
Aber das LUA deckt auch immer wieder schwer-
wiegende Täuschungen und echte Verfälschungen
auf. Hier muss von vorsätzlichem Handeln ausge-
gangen werden, das der gesamten Branche scha-
det. 2023 fielen insgesamt 57 Proben (1,5 Pro-
zent) in- und ausländischer Weinerzeugnisse auf
wegen Grenzwertverstößen oder unzulässigen
Weinbehandlungen wie etwa durch die verbo-
tene Zugabe von künstlichen Aromastoffen. Der
Gesetzgeber zieht hier aus gesundheitlichen und
qualitativen Gründen klare Grenzen. Umso erfreu-
licher ist es, dass Verstöße, die gesundheitliche
2
Die Weinernte im Jahr 2023 war von extremen
Wetterbedingungen geprägt. Ein zu nasses Früh-
jahr führte zu Mehltauinfektionen, dann kam ein
sehr trockener und warmer, langer Sommer –
auch Anfang September herrschten noch Tempe-
raturen von 30 Grad. Dieses Wetter, kombiniert
mit Regen kurz vor der Ernte, verursachte rasche
Fäulnis bei früh reifenden Sorten wie Burgundern
und Probleme durch die Kirschessigfliege bei den
roten Rebsorten. Die Weinlese begann früher als
erwartet und der Lesezeitraum war ungewöhnlich
kurz. Dies bedeutete für die Weinkontrolleure ge-
zieltes und schlagkräftiges Vorgehen bei den Kon-
trollen. Für die Winzer hatte das Wetter negative
Folgen: Partien wurden bereits im Herbst verwor-
fen und nicht weiterverarbeitet.
Alkoholfreier Wein ist im Trend
Noch ist der Marktanteil gering, doch alkoholfreie
Weine sind im Kommen. Immer mehr Winzer und
Kellereien nehmen die alkoholfreien Alternativen
in ihr Sortiment auf. Entalkoholisierte und teilwei-
se entalkoholisierte Weine fallen auch unter die
weinrechtlichen Vorschriften, die zum Jahresende
2021 durch die Änderung der EU-Agrarmarktord-
nung in Kraft getreten sind. Zwischenzeitlich ist
im nationalen Recht auch die Weinverordnung ge-
ändert worden. Diese grundlegenden Neuerungen
sind mit einem erhöhten Arbeitsaufwand verbun-
den und haben das Arbeitsfeld von Weinkontrolle
und Weinchemie deutlich erweitert.
mit dem Smartphone gescannt werden und führt
auf eine neutrale Seite, die keine Informationen
zu Verkaufs- oder Vermarktungszwecken anzeigt
und keine Nutzerdaten erhebt. Diese grundlegen-
den Neuerungen verlangten von den Weinkontrol-
leurinnen und Weinkontrolleuren des LUA einen
hohen Bedarf an Fortbildung, um ihr Wissen über
die Kennzeichnungsregeln auf den neusten Stand
zu bringen. Die Folge ist ein erhöhter Zeitaufwand
bei den Kontrollen vor Ort, um diese Neuerungen
umzusetzen und mit dem nötigen Augenmaß zu
begleiten.
Vorsatz oder Verschleppung?
Aroma in inländischen Bioweinen
Bei einer sensorischen Prüfung fiel ein rheinhessi-
scher Grauburgunder wegen einer starken wein-
fremden Aromatisierung auf. Dieser Wein so-
wie weitere Erzeugnisse des pfälzischen Betriebes
wurden im LUA chemisch-analytisch untersucht.
Ergebnis: Insgesamt wurden vier Weine wegen
weinfremder Aromastoffe natürlicher Herkunft
beanstandet.
Der Herstellerbetrieb füllt neben Wein und Perl-
wein auch aromatisierte weinhaltige Getränke
ab - sowohl für den eigenen Betrieb als auch als
Lohnabfüller. Die Ursache für die im Wein festge-
stellten weinfremden Aromastoffe konnte nicht
geklärt werden. Künftig muss der Betrieb jedoch
den „Leitfaden der guten fachlichen Praxis zur
Verhinderung von technisch vermeidbaren Aro-
maverschleppungen bei Wein“ beachten und ver-
änderte die Abläufe während der Abfüllung. So
gibt es jetzt zum Beispiel separate Schläuche und
eigene Tanks für aromatisierte Getränke.
Wein braucht jetzt Nährwertdeklaration
Es dürfte vielen Verbraucherinnen und Verbrau-
chern noch gar nicht aufgefallen sein: Sämtliche
Weinerzeugnisse, die nach dem 08.12.2023 her-
gestellt wurden, brauchen nun eine Nährwertde-
klaration und ein Zutatenverzeichnis auf dem Eti-
kett. Weil der Platz dort begrenzt ist, befindet sich
auf vielen Etiketten nun ein QR-Code. Der kann
Nicht rechtens: Biowein
mit Sorbinsäure konserviert
Im Rahmen der Lebensmittelüberwachung eines
benachbarten Bundeslandes wurde ein in Rhein-
land-Pfalz abgefüllter Wein durch Beprobung im
Einzelhandel auffällig. Dieser biologisch erzeug-
te argentinische Wein der Rebsorte Malbec, Jahr-
gang 2021, war aufgrund seines Gehaltes an Sor-
binsäure zu beanstanden. Auf dem Etikett wurde
der Wein mit dem Fließtext „Dieser […] Malbec
aus Argentinien wurde im Einklang mit der Natur
nach streng ökologischen Richtlinien an- und aus-
gebaut“ beworben, sowie mit dem Logo der EU
für ökologische/biologische Produktion mitsamt
Codenummer der Kontrollstelle ausgelobt.
Seit 2012 gelten europaweite Mindeststandards
für ökologische Produktionsmethoden von Bio-
wein. Sie erlauben eine deutlich geringere Zahl an
Hilfsstoffen und Verfahren als bei der konventio-
nellen Kellerwirtschaft. So ist das Konservierungs-
mittel Sorbinsäure (bzw. dessen Salz Kaliumsor-
bat) für die Behandlung von ökologisch erzeugten
Weinen nicht zugelassen, während für konventio-
nellen Wein in der Europäischen Union im Ender-
zeugnis Gehalte bis maximal 200 Milligramm pro
Liter erlaubt sind. Sorbinsäure wirkt wachstums-
hemmend auf Hefen, andere Pilze und verschie-
dene Bakterien, aber nicht auf Milchsäure-Bakte-
rien. Sie kommt daher insbesondere bei Weinen
mit Restsüße zum Einsatz, um eine zweite Fer-
mentierung zu vermeiden. Hierbei gilt es, durch
besondere Sauberkeit und zusätzliche Schwefel-
gaben den unerwünschten Weinfehler „Geranien-
ton“ zu vermeiden.
Die Inhaber der betroffenen Weinkellerei erklär-
ten auf Nachfrage, dass sie diesen Stoff nicht ver-
wendet, sondern den Wein lediglich vor der Ab-
füllung ökologisch zulässig mit Schwefeldioxid
und Metaweinsäure behandelt hätten. Der Ein-
trag von Sorbinsäure müsse bereits in Argenti-
nien erfolgt sein. Der Wein war aber ausweislich
des zugehörigen Begleitdokuments als „organico“
aus dem Drittland bezogen worden. Der Bestand
von rund 87.000 Flaschen des Erzeugnisses war
zum Zeitpunkt der Feststellung bereits aus-
verkauft, der Artikel wird
aber mittlerweile
nicht mehr im Sor-
timent der
Kellerei
geführt.
© seen / Fotolia
Bilanz der Weinüberwachung 2023:
Schutz für Verbraucher und Branche
3
Alles im grünen Bereich:
Schwermetalle und Allergenedas „Geheimversteck“ wurde dann bei einer Kont-
rolle im Betrieb entdeckt.
Das LUA hat im vergangenen Jahr 29 Weine, die
überwiegend aus rheinland-pfälzischem Anbau
stammten, auf Schwermetallgehalte untersucht.
Die gute Nachricht: Für Aluminium, Arsen, Cad-
mium, Blei, Kupfer und Zink gelten in der Wein-
verordnung festgelegte Grenzwerte, die in al-
len untersuchten Weinen eingehalten und sogar
deutlich unterschritten wurden.Insgesamt handelte es sich um 6.667 Liter Wein,
die unter Umgehung der Hektarhöchstertragsre-
gelung in Verkehr gebracht werden sollten. Diese
Regelung erlaubt Weinbaubetrieben nur eine be-
stimmte Erntemenge, wodurch die Qualität des
Produktes Wein sichergestellt werden soll. Konse-
quenz für den Betrieb: Die Übermengen musste er
zu Industriealkohol destillieren lassen.
Positiv ist auch das Fazit bei der Untersuchung auf
Allergene. Auf Weinetiketten ist seit 2012 eine
Allergenkennzeichnung erforderlich, sofern die-
se Weine mit allergenhaltigen Behandlungsmit-
teln hergestellt wurden und die Parameter Case-
in aus Milch oder Albumin und Lysozym aus Ei im
Enderzeugnis noch nachweisbar sind. Casein- und
albuminhaltige Behandlungsmittel reduzieren im
Wein den Anteil an Gerbstoffen und tragen da-
mit zur Geschmacksharmonisierung bei. Das En-
zym Lysozym wird aufgrund seiner antibakteriel-
len Eigenschaft eingesetzt und unterdrückt einen
unerwünschten biologischen Säureabbau. Die drei
Stoffe können in ausreichend großer Menge bei
Milch- bzw. Ei-Allergikern allergische Reaktionen
auslösen. 2023 wurden insgesamt 20 Weine im
Labor auf Gehalte an Casein, Albumin und Lyso-
zym überprüft. Das erfreuliche Ergebnis: Die Stof-
fe wurden in keiner Probe nachgewiesen.
Anonyme Anzeige führt Weinkontrolle
auf die Spur von illegalen Übermengen
Es mutet wie eine Szene aus einem Krimi an:
Hinter einer mit Styropor verstellten Eingangs-
tür fanden Weinkontrolleure des LUA in einem
rheinland-pfälzischen Betrieb etikettierte Fla-
schenweine vor, deren Herkunft in der Weinbuch-
haltung nicht dokumentiert war. Bei vielen Partien
wurde ein höherer Flaschenweinbestand gezählt
als die im Antrag zur Erteilung der amtlichen Prüf-
nummer angegebene Abfüllmenge. Auf die Spur
dieser sogenannten Übermengen hatte die Wein-
überwachung eine anonyme Anzeige gebracht,
4
Anforderungen nicht erfüllt:
Weinhändler ist kein Weingut
Auf seiner Homepage warb ein Weinhändler mit
dem Slogan „Wir sind kein normales Weingut“.
An die Verwendung des Begriffes Weingut sind
allerdings hohe Ansprüche gesetzt, wie die Be-
wirtschaftung eigener Rebflächen und der Aus-
bau und die Abfüllung selbst erzeugter Weine. Der
Weinhändler musste sich dann einen neuen Slo-
gan überlegen, denn die strengen Kriterien eines
Weingutes konnte er nicht einhalten.
An dem Kriterium, dass ein Weingut alle verwen-
deten Trauben selbst erzeugen muss, scheitern
manchmal auch die „normalen“ Weingüter: Etwa
im Fall eines Weingutes aus der Pfalz, das Trau-
benmost zur Süßung seines fertigen Weins zuge-
kauft hatte. In diesem Fall hätte der Wein nicht
die Betriebsangabe Weingut tragen dürfen.
Herabstufung von Qualitätswein zu Landwein
Bei Wein darf der Alkoholgehalt unter anderem
mit Saccharose, also Zucker erhöht werden. Hier-
für gibt es, je nach Qualitätsstufe, aber unter-
schiedliche Grenzwerte. Bei Deutschem Wein
oder Landwein sind diese niedriger als bei Qua-
litätswein. In einem Fall aus dem Jahr 2023 hat-
te ein Wein die Hürde der Qualitätsweinprüfung
nicht bestanden und wurde als Rheinischer Land-
wein etikettiert und verkauft. Was das Winzerpaar
übersehen hatte, war der überhöhte Gesamtalko-
hol, der eine Abstufung zu Landwein nicht zulässt.
Nicht nur Romantik: Wer Weine verkauft, muss viele Regelungen beachten. Auch die Verwendung der Bezeichnung
„Steillage“ ist an Bedingungen geknüpft, die von der Weinüberwachung kontrolliert werden. © RalfenByte / Fotolia
Wieder und wieder: Weine
ohne amtliche Prüfungsnummer
Qualitäts- und Prädikatsweine brauchen eine
amtliche Prüfungsnummer (AP-Nummer) der
Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, damit
diese beiden Bezeichnungen verwendet werden
dürfen. Erteilt wird diese Nummer bei der so ge-
nannten Qualitätsweinprüfung, zu der neben ei-
ner sensorischen Prüfung durch geschultes Perso-
nal auch eine Laboranalyse der Weine gehört. In
der Vergangenheit hat sich immer wieder gezeigt,
dass sich einige wenige Betriebe die amtliche Prü-
fungsnummer auf illegale Weise und ohne eine
Qualitätsweinprüfung erschleichen wollen.
Bei einer Routinekontrolle wurde beispielsweise in
einem Betrieb an der Mosel festgestellt, dass ein
Wein nicht zur amtlichen Qualitätsweinprüfung
angestellt worden war. Hierbei handelte es sich
um eine Menge von rund 2.400 Flaschen à 0,75
Liter, die unzulässigerweise ohne zugeteilte AP-
Nummer in Verkehr gebracht worden ist.
Hintergrund: Die 2.400 Flaschen enthielten eine
Teilmenge eines Weines, der ursprünglich in ei-
nem Zuge abgefüllt werden sollte. Wegen feh-
lender Verschlüsse musste die Füllung dieser
Teilmenge jedoch verschoben werden. Vor dem
folgenden Abfülltermin wurde dem Wein aber
noch ein Verschnittpartner hinzugefügt, so dass
der Wein substantiell nicht mehr mit der ersten
Füllung identisch war.
Der Verkauf von Wein ohne AP-Nummer ist kein
Kavaliersdelikt, in aller Regel gehen solche Fäl-
le an die Staatsanwaltschaft. Den Winzern drohen
rechtliche und finanzielle Konsequenzen in Form
einer Gewinnabschöpfung. Zudem sind solche Be-
triebe in den folgenden Jahren im besonderen Fo-
kus der Weinüberwachung.
An Bedingungen geknüpft:
Wein mit der Bezeichnung „Steillage“
Bei einer Betriebskontrolle stellten Weinkontrol-
leure des LUA fest, dass in zwei Fällen Fasswei-
ne mit der Bezeichnung „Steillage“ in Verkehr ge-
bracht wurden, obwohl nur ein kleiner Teil der
gelieferten Weine tatsächlich aus einer Steillage
stammte. Die Angabe „Steillage“ oder „Steillagen-
wein“ darf aber nur verwendet werden, wenn der
Wein ausschließlich aus Weintrauben hergestellt
worden ist, die von einer Rebfläche stammen, de-
ren Neigung mindestens 30 Prozent beträgt. Es
handelte sich um eine Gesamtmenge von 15.650
Liter, die so nicht vermarktet werden durfte.
5
Weinüberwachung in Zahlen
Weine von nicht handelsüblicher Beschaffenheit 2023
Wein, Gesamtübersicht der untersuchten Proben, Beanstandungen nach Herkunft 2023
DeutschlandEU,
ohne InlandDrittlanddavon
Zollwein*
3734285459428621
378675199242131861475728454
26917960303
Gesamt
Probenzahl
überprüfte Menge [hl]
Zahl der insgesamt beanstandeten Proben
Anteil der insgesamt beanstandeten Proben in %
7,2
Zahl der wegen Grenzwertverstößen und unzulässiger
6,3
57
Behandlung beanstandeter Proben
Anteil der wegen Grenzwertverstößen und unzulässiger
Behandlung beanstandeten Proben in %
insgesamt beanstandete Menge [hl]
Anteil insgesamt beanstandeter Menge in %
10,1
10,5
45
14,3
12
1,51,6
2,0
254031978149951231244
6,79,90,410,814,7
*) Drittlandswein, der bei der Einfuhr ins Inland von den Zollbehörden für eine
stichprobenartige Untersuchung entnommen wurde.
Wein, unzulässige Behandlungsstoffe und -verfahren 2023
Über- und Unterschreitung von Grenzwerten 2023
Inland Ausland Gesamt
Proben gesamt
2854
880
3734
Zusatz von Zucker zwecks
Süßung bzw. Anreicherung von
Prädikatsmosten und -weinen011
Aromazusatz314
Wasserzusatz13013
Rot-/Weißverschnitt202
Sonstiges112
Beanstandungen gesamt19322
(Bei einzelnen Proben sind Mehrfachnennungen möglich.)
Verstöße gegen Bezeichnungsvorschriften 2023
InlandAuslandGesamt
Proben gesamt28548803734
Beanstandungen351752
(Bei einzelnen Proben sind Mehrfachnennungen möglich.)
Übersicht der Weinkontrollen im Jahr 2023
InlandAuslandGesamt
28548803734
Fehlende Identität, ohne
A.P.-Nr. in Verkehr ge-
bracht oder fingiert, Prä-
mierung, Los193150
Alkoholgehaltsangabe281139
Herkunftsangabe819
Geschmacksangabe10313
Jahrgang022
Proben gesamt
Gesamtzahl der Kontrollen4131davon Weinbaubetriebe, Genossenschaften3348davon Weinhandlungen, Weinkellereien,
Großbetriebe532Qualitätsangabe202
davon Gastronomie3Weingutsangabe505
davon Schaumweinbetriebe72Verkehrsbezeichnung224
davon Weinkommission (Vermittler)14Allergenkennzeichnung347
davon Sonstige162Tätigkeiten auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft12Unzulässige Verwendung
oder Verwechslungsge-
fahr bei geschützten
Begriffen111324
Prüfberichte224Schriftgröße729
Bemängelungen, Abmahnungen,
Auflagen erteilt241Weinbuchführung426
Menge vorläufig sichergestellter Weine
(Verkaufsverbot, Verarbeitungsverbot) (hl)2142Los-Nummer178
Sonstige358
10383186
InlandAuslandGesamtProben gesamt28548803734davon Inland (hl)2142
Schwefeldioxid224davon Ausland (hl)0
Flüchtige Säure/
Ethylacetat628Zahl der entnommenen Proben (WC 33, 34)3018
Mindest- oder
Höchstalkohol909davon Inland2607
davon Europäische Union275
Kohlendioxidüberdruck426davon Drittländer115
Citronensäure101Sensorische Gutachten2685
Sorbinsäure033Geschäftspapiere59592
Restzucker Höchstgehalt303davon Inland52853
Unzulässige
Zusatzstoffe/Zutaten101davon Ausland6739
Beanstandungen gesamt26935
Beanstandungen gesamt
(Bei einzelnen Proben sind Mehrfachnennungen möglich.)
(Bei einzelnen Proben sind Mehrfachnennungen möglich.)
6
7
Mainzer Straße 112
56068 Koblenz
poststelle@lua.rlp.de
www.lua.rlp.de