API src

Found 16 results.

Related terms

Bedeutung der Nieren im Osmomineralhaushalt der Fische bei veraenderten Umweltbedingungen

Euryhaline Forellen und stenohaline Rotaugen werden an verschiedene Salzkonzentrationen angepasst und die Veraenderungen des Urinflusses und der Elektrolyte im Blut und im Urin bestimmt. Im Vordergrund der Versuche steht die Bestimmung der glomerulaeren Filtrationsrate (GFR). Die Adaptation vieler Knochenfische an ein hypotones bzw. hypertones Aussenmedium fuehrt im allgemeinen zu einer Steigerung bzw. Verringerung der GFR. Es soll ermittelt werden, ob dieser Vorgang allein auf eine veraenderte Filtrationsleistung einzelner Nephrone zurueckzufuehren ist ('Single Nephron Filtration Rate', SNGFR), oder auf einer Aenderung in der Gesamtzahl filtrierender Glomeruli des Nierengewebes beruht ('Glomerular Intermittency'). Das Ziel der Versuche ist, eine bessere Kenntnis von dem Regulationsmechanismus der GFR zu erhalten, der mit zum Ueberleben der Fische bei veraenderten Umweltbedingungen beitraegt.

Revision der Aeduelliden (Knochenfische, Paläozoikum): Morphologie und Paläoökologie

In den zumeist kontinentalen Ablagerungen des europäischen Spätpaläozoikum (Rotliegend i.w.S.) gehört die Knochenfischfamilie der Aeduellidae, zusammen mit den nahe verwandten Paramblypteridae, zu den häufigsten Fossilgruppen. Die Aeduelliden dominierten im westeuropäischen Raum, wanderten aber zu bestimmten Zeiten auch in den mitteleuropäischen Raum ein, wo sie in Konkurrenz zu den Paramblypteriden traten. Zusammen mit letzteren sind sie für ökostratigraphische Korrelationen zwischen den diversen mitteleuropäischen und westeuropäischen Becken von entscheidender Bedeutung. Dazu müssen noch ihre mitteleuropäischen Arten detailliert anatomisch bearbeitet und rekonstruiert sowie die westeuropäischen Arten entsprechend nachbearbeitet werden. Darauf bauen dann funktionsmorphologische, paläoökologische, phylogenetische und paläobiogeographische Auswertungen auf.

Systematik der Syngnathidae, Gobiesocidae, Clinidae, Eviota/Gobiidae Neukaledoniens Checkliste der Fische Neukaledoniens - Ichthyologie: Systematik der Callionymidae, Draconettidae

38_Jg_2001_N-LSA_SH.pdf

NATURSCHUTZ 38. Jahrgang · 2001 · Sonderheft ISSN 1436-8757 IM LAND SACHSEN-ANHALT Die Tier- und Pflanzenarten nach Anhang II der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie im Land Sachsen-Anhalt SACHSEN A N H A LT Landesamt für Umweltschutz Elbelandschaft – Habitat der Grünen Flußjungfer (Ophiogomphus cecilia) und des Fischotters (Lutra lutra) (Fotos: Elbe u. Fischotter – S. Ellermann; Grüne Flußjungfer – J. Müller) Dübener Heide – Habitat des Europäischen Bibers (Castor fiber) und des Bachneunauges (Lampetra planeri) (Fotos: Dübener Heide u. Bachneunauge – S. Ellermann; Biber – K.-J. Hofer) Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt 38. Jahrgang · 2001 · Sonderheft · ISSN 1436-8757 Die Tier- und Pflanzenarten nach Anhang II der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie im Land Sachsen-Anhalt 1 2 3 3.1 3.1.1 3.1.2 3.1.3 3.1.4 3.2 3.2.1 3.2.2 3.2.3 4 4.1 4.2 5 6 7 8 Vorwort (P. Wenzel) Zur Vorgehensweise im Land Sachsen-Anhalt (P. Schnitter, F. Meyer) Die Tierarten nach Anhang II der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie im Land Sachsen-Anhalt Wirbellose: Einführung und allgemeine Bemerkungen (P. Schnitter) Mollusca (Weichtiere) (G. Körnig) Odonata (Libellen) (R. Steglich unter Mitarb. v. J. Müller) Lepidoptera (Schmetterlinge) (P. Schmidt) Coleoptera (Käfer) (E. Grill; W. Malchau; V. Neumann; S. Schornack) Wirbeltiere: Einführung und allgemeine Bemerkungen (F. Meyer) Cyclostomata und Osteichthyes (Rundmäuler und Knochenfische) (U. Zuppke unter Mitarb. v. S. Hahn) Amphibia und Reptilia (Lurche und Kriechtiere) (F. Meyer, T. Sy) Mammalia (Säugetiere) (T. Hofmann) Die Pflanzenarten nach Anhang II der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie im Land Sachsen-Anhalt Bryophyta (Moose) (J. K. Becher) Pteridophyta (Gefäßpflanzen): Einführung und allgemeine Bemerkungen (H. Herdam; J. Peterson; P. Schnitter) Zusammenfassung der Ergebnisse (P. Schnitter; F. Meyer) Zum Monitoring bzw. zur Ermittlung von Bestand und Bestandsentwicklung der Arten nach Anhang II der FFH-Richtlinie im Rahmen der Berichtspflichten an die Europäische Union (EU) im Land Sachsen-Anhalt (P. Schnitter; F. Meyer) Ausblick (F. Meyer; P. Schnitter) Literatur Seite 3 5 8 8 10 15 23 35 46 48 71 78 95 97 120 124 137 139 SACHSEN ANHALT Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt 1

Schwerpunktprogramm (SPP) 1158: Antarctic Research with Comparable Investigations in Arctic Sea Ice Areas; Bereich Infrastruktur - Antarktisforschung mit vergleichenden Untersuchungen in arktischen Eisgebieten, Erweiterte Stabilisotopenanalysen zur Untersuchung von ökologischer Segregation und historischen Veränderungen in Trophieebenen - Eine vergleichende Untersuchung in Antarktischen und Subantarktischen Seevogelgemeinschaften

Stickstoff- und Kohlenstoff-Isotopenanalysen bieten ein nützliches Werkzeug, um die ökologische Segregation innerhalb und zwischen Arten in marinen Ökosystemen zu untersuchen und liefern Informationen zu trophischen Ebenen und räumlicher Verteilung. Jedoch ist die Anwendung oft durch einen Mangel an Isotopen-Basiswertenwerte behindert. Zum Beispiel können wir inzwischen die ganzjährige Verbreitung auch kleinerer Seevögel feststellen und wenn diese in fernen Gewässern mausern, werden Informationen über ihre Nahrung in ihren Federn konserviert. Allerdings sind oft keine Nahrungsproben aus jenen fernen Gebieten verfügbar, die einen Isotopen-Basiswert bieten würden. Jedoch wurden zwei erweiterte Isotopentechniken vorgeschlagen, um diese Limitationen zu überwinden: Komponenten-spezifische Analysen der Aminosäuren (CSIA, McClelland & Montoya 2002) und die Analyse von Wasserstoffisotopen (HSIA, Ostrom et al. 2014). CSIA basiert darauf, dass Tiere einige essentielle Aminosäuren (z.B. Phenylalanin) unverändert übernehmen, während andere zwischen der Nahrung und dem Konsument verändert werden (z.B. Glutaminsäure). Somit können trophische Ebenen aus der Differenz der Stickstoff-Isotopenwerte in Glutaminsäure und Phenylalanin berechnet werden. HSIA wurde als ein Werkzeug beschrieben, um bei Seevögeln zwischen Nahrung zu unterscheiden, die aus isosmotischen Tintenfischen und Crustaceen oder aus hyposmotischen Knochenfischen besteht. Da sich die Salzbelastung zwischen isosmotischer und hyposmotischer Nahrung unterscheidet, findet beim Verzehr von isosmotischen Diäten während der Salzausscheidung ein stärkerer Wasserverlust statt. Dieser ist mit Isotopendiskriminierung assoziiert und kann zu Deuterium-angereichertem Gewebe führen. Das Ziel der vorliegenden Studie ist es, unser Verständnis der ökologischen Segregation in Seevogel-Gemeinschaften mit diesen erweiterten Stabilisotopenanalysen zu verbessern. In einer vergleichenden Studie werden wir die trophische Struktur von vier Seevogel-Gemeinschaften aus der Antarktis und Subantarktis analysieren, mit Schwerpunkt auf kleine Röhrennasen (Sturmschwalben, Walvögel, Sturmvögel). Mit dem vorgeschlagenen Studiendesign können wir Hypothesen über die Verteilung der trophischen Ebenen in den Gemeinschaften überprüfen, welche sich in der Artenzahl und in ihrer Verbreitung unterscheiden. Darüber hinaus werden wir Jahresunterschiede und historische Veränderungen in der Nahrungsökologie der pelagischen Sturmvögel in polaren Gewässern analysieren: Es werden Federn über Jahre mit unterschiedlicher Nahrungsverfügbarkeit und historischen Zeiträumen (ca. 60-160 Jahre alte Federn aus einer bereits bestehenden Sammlung) auf Veränderungen in trophischen Ebenen untersucht.

pfl-tiere-st_Kiemenfuesser.pdf

Kiemenfüßer (Anostraca) und ausgewählte Gruppen der Blatt- füßer (Phyllopoda) Bestandssituation Volker Neumann, Bernd Heinze & Ralf Hennig Einführung Die Kiemenfüßer (Anostraca) und die Blattfüßer (Phyllopoda) bilden nach Hannemann et al. (1992) Un- terklassen der Klasse der Krebse (Crustacea). Zu den Phyllopoda gehören die Ordnungen der Rückenschaler (Notostraca) und Zweischaler (Diplostraca). Die Dip- lostraca werden in die Unterordnungen der Muschel- schaler (Conchostraca) und Wasserflöhe (Cladocera) unterteilt. Auf die Cladocera wird nicht näher einge- gangen. Eine etwas andere systematische Einteilung als die genannten Autoren geben Vollmer (1952) und Flössner (1972). Bei den Anostraca und Phyllopoda handelt es sich um „ursprünglich organisierte“ Krebse. Sie besiedeln seit rund 500 Millionen Jahren die Erde. Die älteste Gruppe unter ihnen bilden die Conchostraca. Im Devon eroberten die Knochenfische die Meere und Süßwasser- flächen. Die ursprünglichen Krebse waren willkomme- ne Nahrungstiere. Ökologische Nischen sicherten ein Überleben der Tiere in nahezu unveränderter Form bis zur heutigen Zeit. Es handelt sich um lebende Fossili- en (Heidecke & Neumann 1987, Eder & Hödl 1995). Triops cancriformis trat bereits im Keuper vor rund 180 Millionen Jahren auf und ist nach Erben (1952) die äl- teste rezente Tierart. Deshalb bezeichnet Eder (2003) die heterogene Gruppe der Groß-Branchiopoden auch als „Urzeitkrebse“. Simon (1998) gibt für die genannten Taxa in Deutschland zwölf Arten an, von denen acht derzeit bestätigte Vorkommen aufweisen. Für Sachsen-Anhalt konnte das Vorkommen von acht Arten belegt werden. Bei vier Arten (Branchipus schaefferi, Eubranchipus grubii, Lepidurus apus und Triops cancriformis) existieren über Jahrzehnte bestän- dige Nachweise. Die meisten Vorkommen wurden für E. grubii und L. apus ermittelt. Verschollen oder aus- gestorben sind Streptocephalus torvicornis und Lynceus brachyurus. Sporadisch, wahrscheinlich durch Ausset- zen angesiedelt, tritt in Sachsen-Anhalt das Salzkrebs- chen Artemia salina auf. Neu nachgewiesen wurde Ta- nymastix stagnalis (Grosse & Engelmann (2002). Sämtliche Arten Sachsen-Anhalts kommen spora- disch an Stellen mit meist periodischer Wasserführung vor. Die Gewässer sind oft nur wenige Quadratmeter groß. Eine extreme Anpassung an diese außergewöhn- lichen Bedingungen sichert den Tieren das Überleben. Die Zeit zwischen den Überschwemmungen überste- hen die Kleinkrebse als Dauereier. Solche Trockenpe- rioden können wahrscheinlich Jahrzehnte überstanden werden. Bedingungen wie Trockenheit, Frost, Tierfraß usw. ermöglichen bei einigen Arten erst den Schlupf der Larven aus den Eiern bei erneutem Kontakt mit Wasser. Vögel, die solche Krebse als Nahrung aufnehmen, sor- gen neben Windverdriftung und Hochwasser für eine Ausbreitung. Die Eier der gefressenen Krebse werden nach Darmpassage unbeschadet mit dem Kot ausge- schieden und können unter entsprechenden Bedingun- gen wieder zur Ausbildung von Populationen führen. Die Lebensweise der Urkrebse, ihre relative Selten- heit und eine lückenhafte faunistische Erfassung gestal- ten eine Zuordnung in die Gefährdungskategorien der Roten Liste sowie eine Einschätzung der Bestandsent- wicklung schwierig. So fand z. B. der seltene Kiemen- fuß Triops cancriformis in Brandenburg und Sachsen in periodisch abgelassenen und bespannten Fischteichen mit Fischbrut zusagende Lebensbedingungen. Es kam zeitweilig zu einem Massenauftreten und Schäden in der Fischbrutaufzucht. In Sachsen-Anhalt sind alle bis- her nachgewiesenen Arten in ihrer Existenz gefährdet. Bearbeitungsstand, Datengrundlagen Triops cancriformis in einer wassergefüllten Fahrspur. Colbitz- Letzlinger Heide, 12.6.2014, Foto: V. Neumann. 572 Literaturangaben zur Verbreitung von Branchipus scha- efferi, Eubranchipus (Siphonophanes) grubii, Lepidurus apus und Triops cancriformis in Sachsen-Anhalt geben u. a. Taschenberg (1909), Buchholz (1962), Flössner (1972), Heidecke & Neumann (1987), Engelmann et al. (1988), Neumann & Heidecke (1989), J. M. (1992), Zu- ppke & Hennig (1993), Nicolai (1994), Berbig (1995), Täuscher (1996), Jacobs (1996), Hahn et al. (1997), Neu- mann (1996, 1998, 1999), Grosse & Engelmann (2002), Heinze (2003), Zuppke (2005, 2007), Dietze (2008), Frank, D. & Schnitter, P. (Hrsg.): Pflanzen und Tiere in Sachsen-Anhalt Pellmann (2008) und Driechciarz (2012). Den faunis- tischen Wissensstand über Vorkommen von Lepidurus apus, Triops cancriformis, Eubranchipus grubii, Tanymas- tix stagnalis und Branchipus schaefferi bis 2003 für die Länder Deutschland und Österreich mit Tabellen von Artnachweisen und Beobachtern geben Engelmann & Hahn (2004). Seit etwa 1990 wuchs national und international das Interesse an den beschriebenen Gruppen dieser Krebse. Es half, national Verbreitungslücken der Arten in den Bundesländern zu schließen, brachte Veränderungen in der Artenzahl und ein Wiederauffinden verscholle- ner Spezies. So entdeckten z. B. Stephan & Schwartz (2004) in den Rühstädter Elbtalauen (Brandenburg) den Eichener Kiemenfußkrebs Tanymastix stagnalis. Auch in Niedersachsen gelangen Funde in Druckwassertümpeln in der Elbaue. Grosse & Engelmann (2002) nennen ei- nen Nachweis von Tanymastix stagnalis für die Wörlitzer Elbaue. In einem Wiesentümpel wurde im April 2001 durch C. Grosser (Wittenberg) die Art vergesellschaftet mit Eubranchipus grubii nachgewiesen. Anmerkungen zu ausgewählten Arten 1) Das Salzkrebschen bzw. der Salinenkrebs Artemia salina kommt in stark salzhaltigen, stehenden oder langsam fließenden Binnengewässern und Küstenla- gunen vor. Föckler (1937) nennt Nachweise von September 1935 bis Februar 1936 für zwei salzhaltige Teiche bei Leopoldshall (jetzt Ortsteil von Staßfurt). Viele Salzkrebschen fanden sich im sogenannten So- leteich mit 6,7 % Salzgehalt. Flössner (1972) erwähnt dieses Vorkommen nicht. Die Vorkommensgebiete existieren mit ihren damaligen Gegebenheiten nicht mehr. Auch Herbst (1962) berichtet über deutsche Fundorte (u. a. bei Magdeburg). Neumann & Heinze (2004) berichten über ein Vorkommen in Lachen am Fuß der Salzhalde von Teutschenthal, welches wahr- scheinlich durch Aussetzen von Eiern bzw. Tieren entstanden ist. 2) Branchipus schaefferi bevorzugt warme, lehmige Wasseransammlungen des Offenlandes. Die Art wur- de ebenso wie Triops cancriformis besonders in was- sergefüllten Fahrspuren, Gräben und Senken ehe- maliger (z. B. südlich Halberstadt – Nicolai 1994, Gegend um Stendal – Dietze 2008) und bestehen- der Truppenübungsplätze (Colbitz-Letzlinger Heide – Driechciarz 2012) gefunden. So wurden aktuell auch im Juli 2014 im Südteil des Truppenübungs- platzes der Colbitz-Letzlinger Heide von E. Walter und V. Neumann in einer Lache B. schaefferi und T. cancriformis vergesellschaftet gefunden. Am 9.8.2000 befanden sich bei Kamern (Nähe Havelberg) in der Fahrspur eines Weges ca. zehn Pfützen, wovon in sieben B. schaefferi und in einer Pfütze B. schaefferi und T. cancriformis beobachtet wurden (W. Trapp, B. Heinze). Weitere Fundorte von B. schaefferi befinden sich nördlich von Magdeburg (z. B. Wiesenpark, Bie- deritz) und auf dem Truppenübungsplatz Altengra- bow (8.7.2010, > 10 besiedelte Pfützen, R. Hennig). Über Nachweise von B. schaefferi und T. cancriformis bei Magdeburg (Krakauer Anger, Biederitzer Busch) berichten bereits Meyer (1907) und Wolterstorff (1907). Wolterstorff (1907) kannte diese Vorkom- men bereits seit 1879 bzw. 1880. Im Landkreis Wit- tenberg wurde B. schaefferi erstmalig am 25.6.2004 in einer Pfütze in der Teucheler Heide durch R. Scha- rapenko nachgewiesen (Zuppke 2005). Eine detail- lierte Zusammenstellung von Funden bis 2003 geben Engelmann & Hahn (2004). 3) Eubranchipus (Siphonophanes) grubii erscheint im zeitigen Frühjahr in temporären Auengewässern wie Schmelzwassersenken, Gräben, Überflutungsgebieten und Druckwasseransammlungen. So befinden sich zahlreiche Vorkommen in Flussauenresten der Elbe, Havelniederung, Mulde, Unteren Schwarzen Elster, Saale-Elster-Aue, oft in Tümpeln und Gräben von Nie- derungswäldern oder Grünlandsenken. Für Fund- orte im Wald ist eine Laubschicht auf dem Grund der Wasseransammlungen charakteristisch (Flössner 1972). Eine detaillierte Zusammenstellung von Fun- den geben Engelmann & Hahn (2004) und Grosse & Neumann (2014). Im Umfeld der Stadt Halle (Saale) wird E. grubii seit 2004 fast regelmäßig an verschie- denen Stellen gesehen. In den davor liegenden Jahr- zehnten wurde die Art hier nur gelegentlich nachge- wiesen und dann auf Exkursionen von Dr. J. Klap- perstück und Dr. R. Piechocki (Zoologisches Insti- tut Halle/S., Martin-Luther-Universität Halle-Witten- berg) mit dem regelmäßig im Gebiet vorkommenden Lepidurus apus vorgestellt (W.-R. Grosse, V. Neu- mann). Von März bis Mai 2007 ermittelte Jeschke zahlreiche Fundorte von E. grubii aus der Muldeaue nördlich und südöstlich von Jessnitz (Belegtiere in MNVD). Ebenso wie E. grubii ist Lepidurus apus eine Kaltwasser- bzw. Frühjahrsform. Sie bevorzu- gen Wassertemperaturen bis 15 ° C. Beide Arten sind mitunter vergesellschaftet, da sie den gleichen Biotop bevorzugen. Meist treten nur Weibchen auf. Dieser Notostrace schwankt in seinem Vorkommen stark. Mitunter kann er an bekannten Fundplätzen mehrere Jahre nicht beobachtet werden. Die Verbreitung von L. apus ist ähnlich der von E. grubii. Eine detaillierte Zusammenstellung von Funden geben Grosse & En- gelmann (2002), Engelmann & Hahn (2004) so- wie Grosse & Neumann (2014). Über Nachweise in der Elbaue bei Wittenberg berichtet Zuppke (2007). Auch aus dem nördlichsten Teil Sachsen-Anhalts, der Garbe-Alandniederung, gibt es aktuelle Nachweise von L. apus (26.3.2012) und E. grubii (26.3.2012, 573 22.4.2013) von P. Müller (schriftl. Mitt., Biosphä- renreservat Mittelelbe). 4) Lynceus brachyurus kann von April bis Oktober in periodischen Gewässern mit Lehm- oder Sandunter- grund auf Wiesen, Feldern und an Waldrändern ge- funden werden. Flössner (1972) nennt Halle (Saale) als Fundort, jedoch ohne nähere Angaben. Diese Mit- teilung scheint auf einen Nachweis von Osterwald (1920) zurückzugehen. Dieser fand am 8.5.1917 im Ruchtendorfer Tümpel (s. Fundort Streptocephalus torvicornis) sowie in einer weiteren Lache in der Nähe derselben Lehmgrube L. brachyurus. Taschenberg (1909) erwähnt diese Spezies für Halle und Umge- bung nicht, auch sind in MLUH keine Belege vor- handen. 5) Streptocephalus torvicornis gilt als wärmeliebende Sommerform. Er besiedelt Tümpel und kleine Dorf- teiche mit stark schwankender Wasserführung im offenen Gelände der Niederungen (Flössner 1972). Dieser Autor nennt als einzigen sicheren deutschen Fundort der Art den sogenannten Ruchtendorfer Tümpel (bei Zörbig), wo sie am 28.6.1914 durch Os- terwald & Schwan (1919) vereinzelt angetroffen wurde. Schon Osterwald (1920) erwähnt, dass seit 1914 die Art nicht wieder bestätigt werden konnte. Das Vorkommen ist erloschen. 6) Triops cancriformis gilt wie Branchipus schaefferi als Sommerform. Beide Arten können auch gemeinsam vorkommen und vertragen niedrigere Temperatu- ren. Triops-Eier benötigen zur Entwicklung nicht unbedingt eine Austrocknungsphase. So können sich mehrere Generationen hintereinander entwickeln. Triops cancriformis kann ab Mai bis zum September/ Oktober gefunden werden. Erstmalig berichtet Pell- mann (2008) über ein gemeinsames Vorkommen von T. cancriformis mit der Frühjahrsform Lepidurus apus nach dem Frühjahrshochwasser der Elbe auf einer Überschwemmungsfläche im Mai 2006 bei Rogätz. Aktuelle Nachweise bestehen von einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Halberstadt, vom Truppen- übungsplatz Colbitz-Letzlinger Heide (Driechciarz 2012), sowie von Überflutungsflächen im Umfeld von Magdeburg und Havelberg. Eine detaillierte Zusam- menstellung von Funden geben Engelmann & Hahn (2004) und Grosse & Neumann (2014). Gefährdungsursachen, Schutzmaßnahmen Bauliche, landschaftsverändernde und landwirtschaft- liche Maßnahmen gefährden zurzeit im besonderen Maße die Existenz dieser urtümlichen Krebse. Bedeut- sam könnten geplante und immer wieder diskutierte wasserbauliche Maßnahmen werden, wie z. B. Staustu- fenbau in Saale und Elbe, die die auentypischen Wasser- standsschwankungen beeinträchtigen. Sie würden Haupt- 574 vorkommen der Arten vernichten. Es reichen Bodenver- änderungen von wenigen Metern (z. B. Auffüllungen), um Vorkommen zum Erlöschen zu bringen. In wasser- gefüllten Fahrspuren ehemaliger Truppenübungsplätze wurden in den letzten Jahren insbesondere Branchipus schaefferi und Triops cancriformis nachgewiesen. In Fol- ge der Einstellung militärischer Nutzung dieser Wege könnte Bewuchs (Gras, Sträucher) diese Standorte ge- fährden (Nicolai 1994, Neumann 1998). Biologische und chemische Schädlingsbekämpfungsaktionen füh- ren zu erhöhter Sterblichkeit bei Branchiopoden. Dies beobachtete Simon (1987) z. B. bei Einsatz von BTI (Bacillus thuringiensis var. israelensis). Die Angaben von Simon (1987) über die Toxizität von Bacillus thuringien- sis var. israelensis konnten durch experimentelle Unter- suchungen an Triops cancriformis, Branchipus schaefferi und Leptestheria dahalacensis nicht bestätigt werden (Eder & Schönbrunner 2010). Aufgrund ihrer unauffälligen, aber sehr extremen Le- bensweise ist es oft schwierig, allen Beteiligten (Kommu- nen, Landwirten, ja selbst so manchem Naturschützer) die Bedeutung dieser Vorkommen klarzumachen und zur Erhaltung dieser notwendigen „Kleinstbiotope“ – wie eben auch die Fahrspur eines Feldweges – beizutra- gen. So konnte bei Stendal der Ausbau eines Feldweges mit nachgewiesenen Vorkommen von B. schaefferi und T. cancriformis verhindert werden. Doch nun droht die Gefahr, dass durch den Bau der A 14 dieser Feldweg eine Sackgasse wird. Aufgrund der dann geringeren Nutzung des Weges würde bei einer einsetzenden Sukzession (Vergrasung) dieses geeignete Biotop und damit das Vorkommen beider Arten verschwinden (Dietze 2005). Eine umfassende Analyse der Gefährdungsursachen von Groß-Branchiopoden in Deutschland geben Reiss- mann & Engelmann (2005). In Deutschland werden nur noch 10–20 % der Auen regelmäßig überschwemmt (Krüger et al. 2013). So führen auch Reissmann & En- gelmann (2005) die „Renaturierung der gegenwärti- gen Auen zu naturnahen, dynamischen und sich selbst erhaltenden Naturraumkomplexen“ als Zielstellung zur Erhaltung der Arten auf. Eder & Hödl (1995) schreiben: „Urzeitkrebse stehen stellvertretend für eine intakte, seit Millionen von Jahren unberührte Natur. Wenn – entwicklungsgeschichtlich betrachtet – selbst die Dinosaurier für sie nur ‚kleine Fische‘ waren, sollte sich heute der Mensch nicht anma- ßen, ihren Lebensraum zu zerstören“. Danksagung Den Herren A. Berbig, Prof. Dr. M. Engelmann, P. Eschke, T. Friedrichs, PD Dr. W.-R. Grosse, Dr. T. Ka- risch, P. Müller, J. Peterson, W. Trapp, D. Spitzenberg und W. Woborzil danken wir für Fundortangaben und kritische Durchsicht des Manuskriptes.

Fisch des Jahres 2011 ist die Äsche

Der Verband Deutscher Sportfischer (VDSF), das Österreichische Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz (ÖKF), das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) haben die Äsche (Thymallus thymallus) zum Fisch des Jahres 2011 gewählt. Mit der Wahl soll auf die Gefährdung der Bestände in heimischen Gewässern hingewiesen werden.

T-Zell-abhängige Immunreaktionen in Knochenfischen - Untersuchungen am Modell Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss)

Ziel des vorliegenden Projektes ist die Untersuchung der Funktion von T-Lymphozyten in der Immunantwort bei phylogenetisch alten Vertebraten am Modell der Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss). Im Projekt sollen insbesondere die Funktion des TCR/CD3-Komplexes bei der Antigenerkennung durch T-Lymphozyten, die Funktion des CD8-Moleküls bei der Interaktion mit MHC I, sowie die Funktion des CD4-Moleküls bei der Interaktion mit MHC II untersucht werden. Die Existenz dieser Moleküle wurde bereits auf mRNA-Ebene nachgewiesen, deren Transkription sowie die Expression auf der Zellmembran und die funktionelle Interaktion dieser Moleküle (CD8 - MHCI; CD4 - MHC II) ist aber bislang nicht charakterisiert worden.Im Rahmen des Projektes sollen monoklonale Antikörper gegen die o.g. Moleküle hergestellt und damit die Expression dieser Moleküle auf T-Zellen, ontogenetisch und funktionsabhängig, charakterisiert werden. Die Funktion von CD8+ bzw. CD4+ T-Lymphozyten soll nach deren Anreicherung in Funktionsassays in vitro untersucht werden. Außerdem soll die Funktion dieser Zellen nach adoptivem Transfer von stimulierten Forellen (Immunisierung mit Modellantigenen, allogene Stimulation, Virusinfektion) auf naive Rezipienten in vivo charakterisiert werden.

16_Kiemenfüsser

Rote Listen Sachsen-Anhalt Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt 39 (2004) Rote Liste der Kiemenfüßer (Anostraca) und ausgewählter Gruppen der Blattfüßer (Phyllopoda) (Klasse: Crustacea) des Landes Sachsen-Anhalt Bearbeitet von Volker NEUMANN und Bernd HEINZE (2. Fassung, Stand: Februar 2004) Einführung Die Kiemenfüßer und die Blattfüßer bilden nach HANNEMANN et al. (1992) Unterklassen der Krebse (Crustacea). Zu den Phyllopoda gehören die Ord- nungen der Rückenschaler (Notostraca) und Zwei- schaler (Diplostraca). Die Diplostraca werden in die Unterordnungen der Muschelschaler (Con- chostraca) und Wasserflöhe (Cladocera) unterteilt. In dieser Roten Liste wird auf die Cladocera nicht näher eingegangen. Eine etwas andere systema- tische Einteilung als die von den erwähnten Auto- ren geben VOLLMER (1952) und FLÖSSNER (1972). In der Bezeichnung der Arten wurde im Wesentli- chen nach FLÖSSNER (1972) vorgegangen. Gefährdungskategorien schwierig. So fand z.B. der seltene Kiemenfuß Triops cancriformis in den Ländern Brandenburg und Sachsen in periodisch abgelassenen und bespannten Fischteichen mit Fischbrut zusagende Lebensbedingungen. Es kam zeitweilig zu einem Massenauftreten und Schäden in der Fischbrutaufzucht. Bei dieser Sommerform benötigen die Eier zur Entwicklung nicht unbedingt eine Austrocknungsphase. Von den zwölf Arten Deutschlands (SIMON 1998) wurden in Sachsen-Anhalt bisher sieben nachge- wiesen. Die Arten kommen sporadisch an Stellen mit meist periodischer Wasserführung vor. Die Gewässer sind oft nur wenige Quadratmeter groß. Eine extreme Anpassung an diese außergewöhn- lichen Bedingungen sichert das Überleben. Die Zeit zwischen den Überschwemmungen überste- hen die Tiere als Dauereier. Solche Trockenperi- oden können wahrscheinlich Jahrzehnte ertragen werden. Erst Bedingungen wie Trockenheit, Frost, Tierfraß usw. ermöglichen bei einigen Arten ei- nen Schlupf der Larven aus den Eiern nach ei- nem erneuten Kontakt mit Wasser. Vögel, die sol- che Krebse als Nahrung aufnehmen, sorgen ne- ben Windverdriftung und Hochwasser für eine Ausbreitung. Die Eier der gefressenen Krebse werden nach Darmpassage unbeschadet mit dem Kot ausgeschieden und können unter entspre- chenden Bedingungen wieder zur Ausbildung von Populationen führen.Datengrundlagen Im Land Sachsen-Anhalt sind alle bisher bekann- ten vorkommenden Arten trotz vermehrter Mel- dungen im letzten Jahrzehnt in ihrer Existenz ge- fährdet. Ausgestorben oder verschollen sind Streptocephalus torvicornis und Lynceus brachy- urus. OSTERWALD & SCHWAN (1919), zwei ehemali- ge Mitarbeiter des Zoologischen Institutes der Universität Halle-Wittenberg, berichteten über ein Vorkommen von S. torvicornis in der Nähe von Halle (Saale), wo sie am 28.6.1914 Tiere entdeck- ten. Die Art bewohnt Tümpel im offenen Gelände und kleine Dorfteiche mit stark schwankender Wasserführung. FLÖSSNER (1972) nennt als einzi- gen sicheren deutschen Fundort den sogenann- ten Ruchtendorfer Tümpel in Zörbig/Lkr. Bitterfeld, wo die Exemplare 1914 vereinzelt von Ende Juni bis zum Austrocknen des Tümpels Mitte Juli an- getroffen wurden. Wir konnten in Zörbig keinen Tümpel dieses Namens finden. Ruchtendorf ist eine Wüstung des 30 jährigen Krieges, die in der Nähe von Spören (bei der Landstraße Zörbig-Bit- terfeld) liegt. Dort befinden sich auch Tümpel, die inzwischen völlig von Kraut, Buschwerk und Bäu- men bewachsen und von freier Ackerfläche um- geben sind. Das Vorkommen scheint erloschen. In der Sammlung des Zoologischen Institutes der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sind keine Belege vorhanden. Lynceus brachyurus lebt von April bis Oktober in periodischen Gewässern mit Lehm- oder Sanduntergrund auf Wiesen, Fel- dern und an Waldrändern (FLÖSSNER 1972). Die- ser Autor nennt Halle a.d. Saale als Fundort ohne nähere Angaben. TASCHENBERG (1909) erwähnt diese Spezies für Halle und Umgebung nicht, auch sind in der Sammlung des Zoologischen Institu- tes der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg keine Belege vorhanden. Die Lebensweise der Urkrebse, ihre relative Sel- tenheit und eine immer noch lückenhafte faunisti- sche Erfassung gestalten eine Zuordnung in dieIn Sachsen-Anhalt wird seit Jahren regelmäßig wieder der Salinenkrebs Artemia spec. nachge- wiesen. Arten dieser Gattung kommen in stark Bei den Anostraca und Phyllopoda handelt es sich um „ursprünglich organisierte“ Krebse. Sie besie- deln seit rund 500 Millionen Jahren die Erde. Die älteste Gruppe unter ihnen bildet die Conchostra- ca. Im Devon eroberten die Knochenfische die Meere und Süßwasserflächen. Die ursprünglichen Krebse waren willkommene Nahrungstiere. Öko- logische Nischen sicherten ein Überleben der Tie- re in nahezu unveränderter Form bis zur heuti- gen Zeit. Es handelt sich um lebende Fossilien (HEIDECKE & NEUMANN 1987, NEUMANN & HEIDECKE 1989, EDER & HÖDER 1995). $# Artenzahl (absolut) Anteil an der Gesamtartenzahl (%) 0 2 33,3 Gefährdungskategorie R 1 2 - 1 1 - 16,7 16,7 3 2Rote Liste 6 33,3100 salzhaltigen, stehenden oder langsam fließenden Binnengewässern und Küstenlagunen vor. So berichtete bereits FÖCKLER (1937) über Artemia salina (LINNAEUS, 1758)-Nachweise vom Septem- ber 1935 bis zum Februar 1936 für zwei salzhalti- ge Teiche bei Leopoldshall (jetzt Ortsteil von Staß- furt). Auch HERBST (1962) berichtet über deutsche Fundorte (u.a. bei Magdeburg). Bei den jetzigen Nachweisen aus der Umgebung von Teutschen- thal dürfte es sich um eine Population handeln, die sich durch das Aussetzen von Artemia-Eiern durch Aquarianer bildete. Die aus den Eiern schlüpfenden Nauplius-Larven werden von Aqua- rianern zur Aufzucht von Fischen genutzt. Nach GRABOW (1998) dürfte es sich bei den aus Kalifor- nien importierten Eiern um Artemia franciscana KELLOW, 1906 handeln. Eier einer anderen Arte- mia-Art wurden vom Großen Salzsee (Utah, USA) importiert. Der Artstatus der Tiere von Lachen der Salzhalde bei Teutschenthal ist noch nicht abge- klärt. Der Name Artemia salina für Salzkrebschen allgemein war wissenschaftlich nicht mehr gültig (DOST 2003), wird jetzt aber wieder anerkannt, wobei für die Charakterisierung einer Salzkrebs- chen-Art multidisziplinäre Untersuchungen sowie die Durchführung von Kreuzungsversuchen not- wendig sind (DOST 2004). Alle Arten der Kiemen- und Blattfüßer bedürfen einer Gefährdungskategorie. Seit etwa 1990 wuchs national und international das Interesse an den beschriebenen Gruppen dieser Krebse. Es half national Verbreitungslücken der Arten in den Bundesländern zu schließen, brachte Veränderun- gen in der Artenzahl und ein Wiederauffinden ver- schollener Spezies. So entdeckte z.B. STEPHAN (2002) in der Elbtalaue „um Rühstädt“ des benach- barten Bundeslandes Brandenburg den Eichener KiemenfußkrebsTanymastix stagnalis (LINNAEUS, 1758). Ein Auffinden dieser Art für das Elbegebiet Sachsen-Anhalts erscheint somit auch möglich. Neuere Angaben (ab 1990) und Mitteilungen zur Verbreitung von Branchipus schaefferi, Eubran- chipus (Siphonophanes) grubei, Lepidurus apus und Triops cancriformis in Sachsen-Anhalt geben u.a. M.J. (1992), ZUPPKE & HENNIG (1993), NICOLAI $$ Gesamt 6 Tab. 1: Übersicht zum Gefähr- dungsgrad der Kiemen- und Blattfüßer Sachsen-Anhalts. (1994), JACOBS (1996), HAHN et al. (1997), NEU- MANN (1996, 1999), HEINZE (2003). Diese Litera- turangaben sowie Mitteilungen von D. SPITZENBERG (1994), W. WOBORZIL (1997), A. BERBIG (1999), T. FRIEDRICHS (1999), R. HENNIG (1999), W. TRAPP (1999) und J. PETERSON (2000), dazu die Selten- heit und der weltweite Rückgang der Arten ver- anlasste die Bearbeiter zur Einstufung in die an- gegebenen Gefährdungskategorien. Gefährdungsursachen und erforderliche Schutzmaßnahmen Bauliche, landschaftsverändernde und landwirt- schaftliche Maßnahmen gefährden zur Zeit im besonderen Maße die Existenz dieser urtümlichen Krebse. Bedeutsam könnten geplante und disku- tierte wasserbauliche Maßnahmen, wie Staustu- fenbau in Saale und Elbe, die die auentypischen Wasserstandsschwankungen beeinträchtigen, werden. Sie würden Hauptvorkommen der Arten vernichten. Beständige Vorkommen von Lepidu- rus apus könnten durch eine Trassenführung des ICE durch die Saale-Elster Aue bei Halle vernich- tet werden. Es reichen Bodenveränderungen von wenigen Metern (z.B. Auffüllungen usw.), um Vor- kommen zum Erlöschen zu bringen. Im konkre- ten Falle sollten bei Arten, wie Branchipus scha- efferi, ein Artenschutzprogramm erarbeitet wer- den (BRAASCH 1993). EDER & HÖDL (1995) schreiben:“ Urzeitkrebse ste- hen stellvertretend für eine intakte, seit Millionen von Jahren unberührte Natur. Wenn - entwick- lungsgeschichtlich betrachtet - selbst die Dinosau- rier für sie nur „kleine Fische“ waren, sollte sich heute der Mensch nicht anmaßen, ihren Lebens- raum zu zerstören.“ Danksagung Wir danken herzlich allen bereits namentlich ge- nannten Kollegen für Informationen und Überlas- sung von Funddaten sowie den Herren Dr. P.H. SCHNITTER und Dr. M. TROST vom Landesamt für Umweltschutz für die Unterstützung bei der Er- stellung des Manuskriptes. Art (wiss.)Art (deutsch)Kat.Bem. Anostraca, Branchpodidae Branchipus schaefferi FISCHER, 1834 Eubranchipus (Siphonophanes) grubei (DYBOWSKI, 1860)Sommer-Feenkrebs Handköpfchen1 3§ BA, S F 0S 3 2F S 0§ BA Anostraca, Streptocephalidae Streptocephalus torvicornis (WAGA, 1842) Notostraca, Triopsidae Lepidurus apus (LINNAEUS, 1758) Triops cancriformis (BOSC, 1801) Conchostraca, Lynceidae Lynceus brachyurus O.F. MÜLLER , 1776 Kleiner Rückenschaler Kiefenfuß Nomenklatur nach FLÖSSNER (1972). Abkürzungen und Erläuterungen, letzter Nachweis/ Quelle (Spalte „Bem.“)Art: EG-VO Anhang A und B, FFH Anhang IV, Europä- ische Vogelarten (VR) und BA Anlage 1; § - (fett) streng geschützte Art: EG-VO Anhang A, FFH Anhang IV und BA Anlage 1, Kreuz in Spalte 3 BA - Bundesartenschutzverordnung F- Frühjahrsform S- Sommerform LiteraturNEUMANN, V. (1995): Rote Liste der Kiemenfüßer und ausge- wählter Gruppen der Blattfüßer des Landes Sachsen-An- halt.- Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sach- sen-Anhalt, 18: 45-47. NEUMANN, V. (1996): Das Biosphärenreservat „Mittlere Elbe“, ein Schwerpunktgebiet für den Artenschutz - Anmerkun- gen zu den Roten Listen und zur Gefährdungssituation ausgewählter Gruppen der Kiemen- und Blattfüßer sowie der Bock- und Buntkäfer.- Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, 21: 52-62. NEUMANN, V. (1999): Bestandssituation der Kiemenfüßer (An- ostraca) und ausgewählter Gruppen der Blattfüßer (Phyl- lopoda).- In: FRANK, D. & V. NEUMANN (Hrsg.)(1999): Be- standssituation der Pflanzen und Tiere Sachsen-Anhalts.- Stuttgart (Hohenheim), Ulmer Verlag: 454-456. NICOLAI, B. (1994): Zum Vorkommen der Krebse Branchipus schaefferi FISCHER, 1934, und Triops cancriformis (BOSC, 1801) in Sachsen-Anhalt (Crustacea: Anostraca, Notos- traca).- Abh. Ber. Mus. Heineanum, 2: 83-89. OSTERWALD, H. & A. SCHWAN (1919): Über das Vorkommen von Streptocephalus auritus KOCH in Deutschland.- Zoologi- sches Jahrbuch, Abt. f. Systematik, Jena, 42: 281-289. RIEDER, N. (1984): Rote Liste ausgewählter Gruppen der Blatt- fußkrebse (Phyllopoda).- In: BLAB, J., NOWAK, E., TRAUT- MANN, W. & H. SUKOPP (Hrsg.)(1984): Rote Liste der ge- fährdeten Tiere und Pflanzen in der Bundesrepublik Deutschland.- Greven: 121-122. SIMON, L. (1998): Rote Liste ausgewählter Gruppen der Blatt- fußkrebse (Branchiopoda: Anostraca, Notostraca, Conchos- traca).- In: Rote Liste gefährdeter Tiere Deutschlands.- Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz, Bun- desamt für Naturschutz: Bonn-Bad Godesberg, 55: 280-282. STEPHAN, S. (2002): Spezialisten im Lebensraum auf Zeit - Qualmwasserkrebse in der Elbtalaue.- Kurzvortrag auf der Herbsttagung des Biosphärenreservats Flußlandschaft Elbe-Brandenburg am 23.11.2002. TASCHENBERG, O. (1909): Die Tierwelt.- In: ULE, W. (1909): Heimatkunde des Saalkreises und des Mansfelder See- kreises.- Halle. VOLLMER, C. (1952): Kiemenfuss, Hüpferling und Muschel- krebs.- Leipzig. ZUPPKE, U. & R. HENNIG (1993): Der Schuppenschwanz Lepi- durus apus (L.) im Mittelelbegebiet.- Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt, 30: 48-49. §- Gesetzlicher Schutz nach § 10 (2) Nr. 10 u. 11 Bundes- naturschutzgesetz bezüglich Anhang A und B der EG- VO Nr. 338/97, FFH-Richtlinie Anhang IV, Vogelschutz- Richtlinie (Europäische Vogelarten) und Bundesarten- schutzverordnung Anlage 1: § - besonders geschützte BRAASCH, D. (1993): Zum Schutz der Blattfußkrebse (Phyllo- poda) - dargestellt am Beispiel von Branchipus schaefferi Fischer.- Naturschutz und Landschaftspflege in Branden- burg, 1: 31-32. DOST, U. (2003): Begegnung mit Triops cancriformis, dem krebs- gestaltigen Dreiauge.- Aquaristik aktuell, 11(2): 60-65. DOST, U. (2004): Salzwasserkrebschen der Gattung Artemia beliebt als Futtertiere und interessante Beobachtungsob- jekte.- Aquaristik aktuell (Sonderheft: Garnelen, Krebse, Krabben & Co. im Süßwasseraquarium): 70-74. EDER, E. & W. HÖDL (1995): Wiederentdeckung seltener „Ur- zeitkrebse“.- DATZ, 48: 395-397. FLÖSSNER, D. (1972): Kiemen- und Blattfüßer, Branchiopoda. Fischläuse, Branchiura.- Jena. FÖCKLER, H. (1937): Neuer Fundort von Artemia salina (L.) in Mitteldeutschland.- Z. Naturw., 91: 99-100. GRABOW, K. (1998): Urzeitkrebse (Crustacea: Anostraca, No- tostraca) in der Umgebung von Braunschweig, Niedersach- sen.- Braunschw. Naturkdl. Schr., 5(3): 523-530. HAHN, T., JOOST, W. & M. ENGELMANN (1997): Wiederentdeckung von Branchipus schaefferi FISCHER im außeralpinen Wien- er Becken. Biologie und Gesamtverbreitung der Art in Deutschland und Österreich (Crustacea: Anostraca: Bran- chipodidae).- Faunistische Abhandlungen Staatliches Museum für Tierkunde, 21(1): 1-12. HANNEMANN, H.-J., KLAUSNITZER, B. & K. SENGLAUB (1992): Ex- kursionsfauna von Deutschland. Bd. 1. Wirbellose.- Begr. von STRESEMANN, E., 8. Aufl., Berlin. HEIDECKE, D. & V. NEUMANN (1987): Zur Verbreitung und Öko- logie von Triops cancriformis BOSC und Lepidurus apus L. in der DDR.- Hercynia N. F., 24: 107-118. HEINZE, B. (2003): Lebende Fossilien im Extrem-Lebensraum: „Urkrebse“ in der Altmark.- Untere Havel, Naturkundl. Be- richte, 13: 33-37. HERBST, H. V. (1962): Blattfußkrebse.- Kosmos Verlag, Stuttgart. JACOBS, W. (1996): Zum Vorkommen des Kiemenfußes, Si- phonophanes grubei (DYBOWSKI 1860), (Crustacea; Anos- traca) im Landkreis Wittenberg.- Naturw. Beiträge Muse- um Dessau, 9: 169-171. M. J. (1992): Redaktionelle Anmerkungen zum Artikel von Herrn von Bülow.- Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt, 29: 36. NEUMANN, V. & D. HEIDECKE (1989): Die Verbreitung von Lepi- durus apus L. und Triops cancriformis BOSC in der DDR.- Hercynia N. F., 26: 387-399. $%

Quellen und Auswirkungen von Unterwasserlärm in Nord- und Ostsee auf Meeresökosysteme

A) Problemstellung: Unterwasserlärm ist neben gefährlichen Stoffen und Nährstoffen eine der Verschmutzungsquellen des Meeres. Im Gegensatz zu den stofflichen Verschmutzungen sind die Auswirkungen des Unterwasserlärms nicht gut untersucht. Bisherige Erkenntnisse beziehen sich vornehmlich auf Schnabelwale und militärischen Unterwasserlärm. Derzeitige deutsche Forschungen fokussieren auf Schweinswale und Offshorewindanlagenlärm. Wichtig ist auch die Bewertung des Lärms von akustischen Forschungsgeräten und dessen Auswirkungen auf Wale. Weitere Lärmquellen von vergleichbarer Lautstärke treten bei der Öl- und Gasexploration und beim Schiffsverkehr auf. Eine vergleichende Quantifizierung dieser Lärmquellen hinsichtlich Frequenz, Energiegehalt, Impulslänge usw. steht bisher aus. Der Vorsorgegrenzwert des UBA für Emissionen ist nicht weiter hinsichtlich dieser Größen spezifiziert. B) Handlungsbedarf: Für die nationale und Europäische Meeresstrategie ist es wichtig, die fachliche Grundlage für die Beurteilung aller potentiellen Lärmquellen im Meer zu erstellen. Dabei sollten in einer Literaturstudie sämtliche Unterwasserlärmquellen vergleichend gegenübergestellt werden. Die Auswirkungen des Lärms auf das Meeresökosystem (Wale, Robben, Reptilien, Knochenfische, Knorpelfische, Tintenfische) sind entsprechend der Literatur zu recherchieren und der Grenzbereich zur Erlangung einer TTS (temporary threshold shift, temporären Gehörschwellenverschiebung) ist für die Artengruppen zu definieren. Dabei sollten die Emissionsgrenzwerte hinsichtlich Frequenz, Energiegehalt, Impulslänge etc. spezifiziert werden. C) Ziel des Vorhabens: Das Ziel des Vorhabens ist die Ableitung von Emissionsgrenzwerten für die verschiedenen Geräte/Arbeiten, die in der Forschung, Windenergie, Öl- und Gasindustrie, Schifffahrt und Militär zum Einsatz kommen um den Schutz der Meeresumwelt vor Unterwasserlärm zu gewährleisten.

1 2