Ausgangssituation, Problematik und Motivation:
Aufgrund des enormen Energieverbrauchs - ca. 40% des weltweiten Verbrauchs, zumeist aus nicht erneuerbaren Energieträgern - kommt dem Bausektor bei der Reduktion des Energieverbrauchs und damit verbundener Umweltwirkungen oberste Priorität zu. Vor dem Hintergrund ambitionierter internationaler Klimaziele (COP21 Paris Agreement) ist das erklärte Ziel der Internationalen Energieagentur (IEA) und der Europäischen Union (EU) daher bis 2050 eine Reduktion der Treibhausgas-Emissionen um 80% zu erreichen.
Der derzeitige Strategieplan des IEA Energy in Buildings and Communities Technology Collaboration Programme (EBC TCP) benennt explizit die Notwendigkeit einer Reduktion des Gesamtenergieverbrauchs und der CO2-Emissionen im Gebäudelebenszyklus. Weiter wird auf die Notwendigkeit einer Harmonisierung der Bewertungsmethoden und deren praxistauglicher Anwendung im Planungsprozess hingewiesen.
Entscheidend, um die ambitionierten Ziele der Weltgemeinschaft, als auch die Anforderungen auf europäischer und nationaler Ebene, in Bezug auf den Bausektor zu erreichen ist demnach ein transparente und harmonisierte Bewertungsmethidik der Umweltwirkungen von Gebäuden über deren gesamten Lebenszyklus.
Ziele und Innovationsgehalt:
Der IEA EBC Annex 72 konzentriert sich deshalb auf die Harmonisierung der Methoden zur Bewertung von bauproduktspezifischen und betriebsbedingten Umweltwirkungen (Primärenergiebedarf, Treibhausgasemissionen und anderen Indikatoren) während des gesamten Lebenszyklus von Gebäuden.
Um die Anwendbarkeit harmonisierter Methoden in der Planung zu unterstützen, wird zudem die Integration in digitale Entwurfs- und Planungsprozesse untersucht, sowie auf Grundlage einer Vielzahl internationaler Case Studies die Entwicklung von Richtwerten auf Gebäudeebene vorangetrieben. Für teilnehmende Länder, in denen noch keine regionalen, bausektorspezifischen Datenbanken zur Verfügung stehen, sollen die Entwicklung dieser unterstützt werden.
Angestrebte Ergebnisse und Erkenntnisse:
Neben wissenschaftlichen Berichten zur harmonisierten Bewertungsmethode, den Erkenntnissen aus der Analyse der Case Studies sowie potentiellen daraus abzuleitenden Benchmarks, werden konkrete Leitlinien für die Anwendung der Bewertungsmethode im Planungsprozess erarbeitet und Architekten und Planern zur Verfügung gestellt.
In der Schweiz fallen jährlich grosse Mengen an mineralischem Material aus Abbrüchen von Bauwerken an, die in Zukunft noch zunehmen dürften. Heute werden diese Materialien zu einem grossen Teil in anspruchslosen Anwendungen wiederverwendet oder direkt deponiert. Die gesamtheitlichen ökologischen Auswirkungen verschiedener Verwendungsalternativen sind bislang nicht bekannt.
In dieser Studie sollen Empfehlungen für ein Baustoffmanagement erarbeitet werden, aus der einer minimalen Belastung der Umwelt und eine maximale nachhaltige Entwicklung resultiert.
Dafür werden mittels dynamischer Stoffflussanalyse (MFA) Szenarien erstellt werden, wo und zu welcher Zeit welche Mengen und Qualitäten an Abbruchmaterialien anfallen dürften. Für dieselbe Periode werden auch Prognosen der im Strassen- und Hochbau benötigten Mengen und Qualitäten von Materialien erarbeitet. Weiter soll in einer Akteursanalyse untersucht werden, unter welchen Voraussetzungen die Bauherren, Planer und Baufirmen bereit sind, Recyclingmaterialien in verschiedenen Bauwerkstypen zu verwenden. Aufgrund der Ergebnisse dieser zwei Schritte, sowie aus unterstützenden EMPA Projekten, soll die potentielle Nachfrage für Recyclingprodukte aus Abbruchmaterialien bestimmt werden. Mit diesen Informationen können verschiedene Handlungsalternativen erarbeitet und aus Nachhaltigkeitssicht bewertet werden. Dabei werden die ökologisch vorteilhaften Handlungsalternativen in einer hybriden Stofffluss-/Lebenszyklusanalyse (MFA/LCA) untersucht werden. Anhand einer Industrieanalyse werden die ökonomischen Kriterien untersucht und quantifiziert. Die sozialen Auswirkungen werden anhand von Experteninterviews mit den betroffenen Akteuren analysiert.
Projektziel:
Entwicklung eines Instrumentes zur Bewertung von konkreten Strategien zur Nutzung von Recyclingbaustoffen und Erarbeiten von Empfehlungen, wie Angebot und Nachfrage von mineralischen Abbruchmaterialien aus Hoch- und Tiefbau unter Berücksichtigung von ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten so in Übereinstimmung gebracht werden können, dass eine bezüglich nachhaltiger Entwicklung optimale Situation resultiert.