Weltweit sind rund 7.400 Raubfliegen-Arten bekannt. In Deutschland sind 83 Arten etabliert. Raubfliegen sind überwiegend schlanke, aber meist kräftige Fliegen mit langen Beinen. Einige größere Arten sind dicht behaart und erinnern mit ihrem schwarz-gelben Hinterleib an Hummeln oder Hornissen. Charakteristisch sind weiterhin die „bärtigen“ Gesichter und die borstigen Beine. Die meisten Raubfliegen bevorzugen offene oder halboffene Lebensräume mit leicht erwärmbaren Böden wie Küsten- und Binnendünnen, Heiden, Magerrasen oder Kahlflächen in Wäldern. Besonders attraktiv sind solche Habitate, wenn Totholz vorhanden ist: Zum einen leben die Larven zahlreicher Raubfliegen in den Fraßgängen holzbewohnender Insekten wie Borkenkäfer, zum anderen nutzen die erwachsenen Raubfliegen Baumstämme oder dürre Zweige gerne als Startplätze bei der Jagd. Raubfliegen fangen und töten nämlich andere Insekten, um sich von ihnen zu ernähren. Meist jagen Raubfliegen andere Fluginsekten, indem sie diesen von einer Sitzwarte aus auflauern, sie anfliegen und mit den Beinen ergreifen. Ihr Sehvermögen ist ähnlich hoch entwickelt wie das der Libellen, die sich ähnlich verhalten. Während Libellen ihre Beute mit den Mundwerkzeugen regelrecht zerschneiden, perforieren Raubfliegen mit ihrem kurzen, messerartigen Stechrüssel das Chitin-Außenskelett ihrer Beute. Dann saugen sie diese nach Spinnenmanier aus, nachdem sie einen Cocktail aus Nervengift und Verdauungsenzymen injiziert haben. Nur ausnahmsweise setzen Raubfliegen ihren Stechrüssel zur Verteidigung ein und nur wenige Arten könnten damit die menschliche Haut durchdringen. Die aktualisierte Rote Liste der Raubfliegen Deutschlands aus dem Jahr 2025 bewertet 83 Arten. Davon sind 36 (43,4 %) bestandsgefährdet, 4 Arten (4,8 %) sind in Deutschland bereits ausgestorben oder verschollen und 7 Arten (8,4 %) sind extrem selten. Auf der Vorwarnliste stehen 3 Arten, eine Art konnte mangels ausreichender Daten nicht eingestuft werden. Lediglich 32 Arten (38,6 %) gelten aktuell als ungefährdet. Die Hauptursachen für den Rückgang der gefährdeten Arten sind der Verlust oder die nachteilige Veränderung ihrer Lebensräume. Aspekte der Nutzungsänderung oder -intensivierung (Landwirtschaft und Forstwirtschaft) sowie der Nutzungsaufgabe sind dabei von großer Bedeutung. (Stand April 2023) Wolff, D. & Kästner, T. (2025): Rote Liste und Gesamtartenliste der Raubfliegen (Diptera: Asilidae) Deutschlands. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (10): 82 S Die aktuellen Rote-Liste-Daten sind als Download verfügbar, die Rote Liste auch als elektronische Publikation .
Halle (Saale), 10.08.2017
Sensation auf sechs Beinen – verschollen geglaubter Käfer in
Sachsen-Anhalt nach 90 Jahren wiederentdeckt
Halle (Saale). Er ist mit ca. 1 cm eher klein, schwarz-braun und ziemlich
unauffällig. Nichts deutet darauf hin, dass er etwas Besonderes sein könnte.
Doch der letzte seiner Art wurde in Sachsen-Anhalt vor 90 Jahren gesichtet.
Nun ist er zurück - der Ausgestorbene mit dem etwas sperrigen Namen
Schmalflügeliger Pelzbienen-Ölkäfer.
Wo Sitaris muralis, so sein wissenschaftlicher Name, all die Jahre gesteckt
haben mag, bleibt sein Geheimnis. "In dem 1956 erschienen Werk „Faunistik
für Deutschland“ wurde eine Sichtung in Naumburg/Saale aus dem Jahr 1924
vermerkt", sagt Dr. Johannes Lückmann. Danach gab es keine weiteren
Nachweise. Der Käferforscher aus Bensheim (Hessen) ist seit vielen Jahren
dem Käfer auf den Fersen und freute sich deshalb umso mehr über den
aktuellen Wiederfund der Art in der Umgebung von Hohenlepte bei Zerbst.
Tragischer Weise schwamm das Tier tot in einem Wassereimer und alle
Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos.
Wie kommt es zu der Rückkehr des Käfers nach Sachsen-Anhalt? Das Insekt
breitet sich seit dem Beginn der 1990er Jahre vom Süden Deutschlands
gerade stärker aus. Mittlerweile gibt es Nachweise aus fast allen
Bundesländern, nur für Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen fehlten
diese. Ob der Käfer tatsächlich in Sachsen-Anhalt vorher ausgestorben war
und den Lebensraum nun vom Süden her wieder besiedelt, oder ob ihn
einfach niemand in der Zwischenzeit gesehen hat, ist nicht zu klären. Obwohl
er eigentlich leicht zu finden wäre, denn man kann ihn von Anfang August bis
Mitte September in Städten und anderen Siedlungen an regengeschützten
Stellen wie z.B. den Wänden unter Balkonen oder den Eingangsbereichen von
Häusern oder alten Mauern ruhig sitzend finden. Fliegen kann er nicht und
großartig herumzukrabbeln ist auch nicht sein Ding. Außerdem ist er ein
Kostverächter, nimmt er während seiner kurzen Lebenszeit als Käfer auch
keine Nahrung zu sich.
Hintergrund:
S. muralis parasitiert an Pelz- und anderen Solitärbienen - mit einer
außergewöhnlichen Vermehrungsstrategie. Die Käferlarven klammern sich im
Frühjahr an den zuerst ausfliegenden männlichen Bienen fest und wechseln
bei der Bienen-Paarung auf das Weibchen. Mit diesem gelangen sie "per Taxi"
in das Nest, wo die Käferlarve dann die Nektarvorräte vertilgt. Die Bieneneier
verspeist sie ebenfalls. Nach dem Schlupf der Käfer legen deren Weibchen in
der Nähe des Nestes ihre Eier ab - Nahrung für den Nachwuchs ist garantiert.
Lückmann vermutet, dass die Lebensbedingungen für einzelne Solitärbienen-
Arten wieder besser geworden sind, so z. B. für die Pelzbienen, die an
trockenen Stellen im Boden ihre Nester anlegen.
Die Präsidentin
PRESSEMITTEILUNG
Nr. 09/2017
E-Mail: Praesidentin@
lau.mlu.sachsen-anhalt.de
Landesamt für Umweltschutz
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06116 Halle(Saale)
Tel.: 0345 5704-101
Fax: 0345 5704-190
Internet:
www.lau.sachsen-anhalt.de
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Doch noch eine weitere Eigenschaft macht den Schmalflügeligen Pelzbienen-Ölkäfer so besonders. Diese
teilt er mit seinen Ölkäfer-Verwandten, den plumpen Maiwürmern oder der grün schillernden Spanischen
Fliege: Er produziert das hochwirksame Reiz- und Nervengift Cantharidin. Es wurde im griechischen Altertum
zur Vollstreckung von Todesurteilen oder auch als Mordgift eingesetzt. Lückmann: "Noch heute findet
Cantharidin in der Medizin Verwendung." Das bloße Anfassen des Käfers ist laut dem Experten jedoch
ungefährlich wie überhaupt der ganze Kerl absolut harmlos ist.
Lückmann hofft nun auf weitere Funde der Art, vor allem in den östlichen Bundesländern. Er möchte die
Ausbreitung von S. muralis weiter verfolgen und ist an Fotos oder Proben interessiert. Naturfreunde, die den
Käfer gefunden haben, können sich bei Johannes Lückmann unter sitaris@t-online.de melden.
Letztlich werden im Landesamt für Umweltschutz im Fachbereich Naturschutz alle verfügbaren Angaben zu
den in Sachsen-Anhalt vorkommenden Tier- und Pflanzenarten zusammengeführt. Somit sind die Hinweise
zu dieser bemerkenswerten Spezies sehr bedeutsam - gerade im Hinblick auf die Fortschreibung und
Aktualisierung der Roten Listen gefährdeter Arten für unser Bundesland. Die Herausgabe der
Neubearbeitung ist für 2019 geplant.
Foto: J. Lückmann
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Die Zahl der genehmigten Tierversuche für Prüfungen des Wirkstoffs Botulinum neurotoxin für die Jahre 2020, 2021, 2022, 2023 und (laufend) 2024. Ferner die daraus abzuleitende Gesamtzahl der Tiere nach Tierarten.
Zudem bitte - sofern für EU-Regulatorien beantragt - die Namen der Antragssteller / Arzneimittelhersteller sowie die Zahl der verwendeten Tiere. EU-Regulatorien wie Medikamententestungen für Zulassungen oder Chargentests fallen insbesondere unter die Informationsfreiheit.