In Zeiten des Klimawandels wird die Pflanzengesundheit durch kombinierten Stress durch abiotischen, klimawandelbedingten Faktoren und biotischem Faktoren durch Schädlinge und Krankheitserreger beeinträchtigt. Dieses Projekt zielt darauf ab, die Auswirkungen abiotischer, klimawandelbedingte Stressfaktoren, wie z. B. erhöhtem atmosphärischen CO2-Gehalt (eCO2) und Trockenstress, auf die Interaktion zwischen Weinreben, Blattrollviren (GLRaV), und virusübertragenden Schmierläusen zu untersuchen. GLRaV, insbesondere GLRaV-3, verändert die CO2-Assimilation, die Wassernutzungseffizienz sowie die primären und sekundären Stoffwechselprodukte der Pflanze, was letzendlich zu Ertragsminderungen, verzögerter Fruchtreife und schlechter Traubenqualität führt. Das Virus wird durch infiziertes Vermehrungsmaterial und phloemsaugende Insekten, wie z. B. Schmierläuse, verbreitet. Es ist bekannt, dass eCO2- und Wasserstress einen erheblichen Einfluss auf die Pflanzenphysiologie und die Schädlingsbekämpfung haben kann. Außerdem weiß man, dass Pflanzenviren biotischen Stress für die Pflanzen verursachen und das Verhalten der Virusvektoren verändern können. Gleichzeitig werden Viren von denselben klimawandelbedingten abiotischen Stressfaktoren beeinflusst, wie die anderen Mitglieder des Ökosystems. Es gibt nur sehr wenige Studien über die Auswirkungen des Klimawandels auf Virusinfektionen auf Weinreben und keine einzige über die Auswirkungen auf Schmierläuse als Virusvektoren. Schlussfolgerungen aus anderen Pathosystemen zu ziehen, gestaltet sich schwierig, da die Auswirkungen von abiotischem, klimawandelbedingtem Stress oft artspezifisch sind. Bisher hat sich die Forschung vor allem mit den Wechselwirkungen einzelner Klimawandelparameter mit Pflanzen, Insekten oder Krankheitserregern befasst. Um die Wechselwirkungen zwischen mehreren Stressoren und die komplexen Beziehungen zwischen Pflanzen, Krankheitserregern und Vektoren zu verstehen, sind breitere Forschungsansätze nötig. Nur so können wirksame Anpassungsstrategien entwickelt werden um Pflanzen in der Zukunft gesund und produktiv zu halten. Im Rahmen des Projekts werden eine Reihe von Experimenten durchgeführt, bei denen Weinreben zwei Klimawandelparametern (Wasserstress + CO2) in Kombination mit biotischem Stress durch eine GLRaV-3-Infektion ausgesetzt werden. Untersucht werden die Mechanismen (Genexpression) und die Auswirkungen auf die Pflanzen (Aminosäuren, Phenole, C/N, Zucker, Chlorophyll) und den Insektenvektor (Fressverhalten, Fitness), zusätzlich zu klassischen Übertragungsexperimenten mit GLRaV. Die Forderung nach multifaktoriellen Stress-Experimenten wird seit Jahrzehnten erhoben. Diese Experimente sind ehrgeizig und komplex, aber sie sind der notwendige nächste Schritt, um Erkenntnisse über die zukünftige Entwicklung der Blattrollkrankheit zu gewinnen.
Das Absterben der Bäume in verschiedenen Ökosystemen erfordert umfangreichere Forschungen zu verursachenden Krankheitserregern und auslösenden interagierenden Prozessen als bisher. Innerhalb des Ursachenkomplexes nehmen Pflanzenviren eine besondere Stellung ein, wobei zu Pflanzenviren wenig bekannt ist. Erst in den letzten Jahren ließen Fortschritte in der methodischen Vorgehensweise, insbesondere die Hochdurchsatzsequenzierung, die Entdeckung einer Reihe neuer Viren zu. Die genaue Charakterisierung der bekannten Viren in Bäumen wurde dadurch intensiviert. Dieses Projekt wird umfangreiche Informationen über die Auswirkungen eines natürlichen Viroms bei Laubbäumen unter sich verändernden klimatischen Bedingungen liefern. Im Fokus steht hier eine simulierte Erhöhung der Lufttemperatur sowie ein Trockenstress. Mit unseren langjährigen Studien bestätigen wir, dass Viren in Stadt- und Waldbäumen stärker verbreitet sind, als vermutet. Inwieweit die Viren mit anderen Stressoren interagieren, ist bisher in Bäumen nicht untersucht. Um die komplexen Prozesse der Virus- und Pflanzeninteraktion zu untersuchen, werden transkriptomische und proteomische (Stress-) Reaktionen untersucht. Wir verfolgen die Hypothese, dass bestimmte virale Kombinationen in Betula sp. das Pflanzenproteom derart verändern können und dies mit degenerativen Prozessen und frühzeitigem Altern des Baumes korreliert. Insbesondere der Einfluss des Klimawandels, d.h. Erwärmung und Trockenstress, auf das Pathosystem der Virus infizierten Pflanzen wird in diesem Projekt mit einem umfassenden Ansatz erstmalig untersucht. Eine Empfindlichkeit der Bäume gegenüber Erwärmung und Trockenheit - abhängig von der viralen Kombination in der Koinfektion - wird zudem hypothetisiert. tdecktes Das kürzlich entdeckte Virom der Birke dient hierbei als Modellsystem. Die Untersuchung eines bisher unbekannten Baumviroms und dessen Einflüsse auf das Baumtranskriptom und -proteom in Samenplantagen im Zusammenspiel mit sich ändernden klimatischen Eigenschaften ist neu. Da Samenplantagen lebende Sammlungen der fittesten Klone sind, die uns zur zukünftigen Kultivierung von Stadt -und Waldbäumen zur Verfügung stehen, ist der Status von Virusinfektionen in diesen und deren Interaktion im System Virus/Pflanze unter Klimawandelbedingungen von essenziellem Interesse für die zukünftige Wiederaufforstung. Vor diesem Hintergrund wollen wir verschiedene akademische Denkansätze miteinander verbinden - Pflanzenvirologie und Pflanzenphysiologie. Die fachliche Kompetenz auf beiden Gebieten und ein Systemdenken soll in diesem interdisziplinären Team gestärkt werden.
Die Scharka-Krankheit, verursacht durch das Scharka-Virus der Pflaume (plum pox potyvirus, PPV), zählt gegenwärtig in Europa zu den wirtschaftlich wichtigsten Viruskrankheiten des Steinobstes. Die effektivste und zugleich umweltschonendste Gegenmaßnahme stellt der Anbau resistenter Sorten dar. Der Züchtung müssen dazu Genotypen mit bekannten Resistenzeigenschaften zur Verfügung gestellt werden. Literaturangaben und eigenen Erkenntnissen zufolge wird die Resistenz in Abhängigkeit vom Virusstamm und von der Umwelt ausgeprägt. Deshalb sollte es sich um genetisch unterschiedliches Zuchtmaterial handeln, das außerdem für die hiesigen Anbaubedingungen geeignet ist. Das Pflaumensortiment der Genbank Obst Dresden-Pillnitz des IPK Gatersleben erscheint für vergleichende Resistenzprüfungen besonders geeignet, da einheitliche Infektions- und Standortverhältnisse vorliegen. Insgesamt umfaßt es 242 Akzessionen (unterschiedliche Sorten z.T. verschiedener Herkünfte, einige Auslesen bzw. Zuchtklone). In Voruntersuchungen zeigte sich bereits ein differenziertes Verhalten gegenüber dem Scharka-Virus. Im Rahmen des geplanten Vorhabens ist vorgesehen, die nach Durchführung von Freilandbonituren und anschließender serologischer Testung als befallsfrei oder schwach befallen hervorgegangenen Genotypen mit Hilfe eines Gewächshaustestes (KEGLER et al., 1994) zu überprüfen. Die Reaktion handveredelter, getopfter Gewächshauspflanzen gestattet die frühzeitige Aussage zur PPV-Resistenz und gibt gleichzeitig einen Hinweis zum wahrscheinlichen Verhalten der Genotypen im Freiland im Falle eines hohen natürlichen Infektionsdruckes. Mit ausgewählten Genotypen folgen weitere Untersuchungen im Gewächshaus und Freiland unter Verwendung serologischer Methoden (ELISA, TPIB) und der PCR, um Kenntnisse zur Virusverteilung im Gehölz zu gewinnen. Hinzu kommt die Testung interessanter Exemplare mit verschiedenen, molekularbiologisch definierten Virusisolaten und unterschiedlichen Methoden der Virusübertragung. In Einzelfällen sind die Eltern resistenter Genotypen zu ermitteln und diese ebenfalls einer Testung zu unterziehen. Letzteres könnte Aussagen zur Vererbung der Scharka-Resistenz liefern. Die zusätzliche Ermittlung der Vektorresistenz gestattet eine umfassende Charakterisierung des Resistenzverhaltens von Pflaumengenotypen sowie die Ableitung züchterischer und anbauseitiger Empfehlungen.
Das Hauptziel des Projektes IdeMoDeResBar ist die Aufrechterhaltung von Ertragsstabilität und Qualität der Gerste-Ernte, die durch verschiedene Schaderreger negativ beeinflusst werden kann. Dieses Ziel soll erreicht werden durch (i) die Identifikation und Isolierung bisher unbekannter Resistenzgene, welche die Ausprägung von Abwehrmechanismen gegen wichtige Pflanzenpathogene Pilze und Viren regulieren, (ii) durch die Erzeugung neuer Allele anhand von Geneditierung an zwei bereits charakterisierten Reistenzgenen sowie (iii) die Nutzung dieser Gene bzw. Allele in der praktischen Züchtung durch die Anwendung entsprechender molekularer Markertechnologien. Die einzelnen Projektteile werden von den unterschiedlichen Institutionen durchgeführt, die über eine ausgesprochene Expertise auf ihrem jeweiligen Fachgebiet verfügen. Das Projekt wird langfristig zu einem besseren Verständnis der zugrundeliegenden Resistenzmechanismen gegen Gelbmosaikviren, Zwergrost (Puccinia hordei), Rhynchosporium commune, dem Erreger der Blattfleckenkrankheit sowie Pyrenophora teres f. teres Drechsler, dem Erreger der Blattfleckenkrankheit beitragen. Auf dieser Grundlage können Maßnahmen entwickelt werden, die eine effektive Bekämpfung der entsprechenden Pathogene ermöglichen und so langfristig einen nachhaltigen Gerstenanbau gewährleisten und Ernteverluste minimieren.
Das Hauptziel des Projektes IdeMoDeResBar ist die Aufrechterhaltung von Ertragsstabilität und Qualität der Gerste-Ernte, die durch verschiedene Schaderreger negativ beeinflusst werden kann. Dieses Ziel soll erreicht werden durch (i) die Identifikation und Isolierung bisher unbekannter Resistenzgene, welche die Ausprägung von Abwehrmechanismen gegen wichtige Pflanzenpathogene Pilze und Viren regulieren, (ii) durch die Erzeugung neuer Allele anhand von Geneditierung an zwei bereits charakterisierten Reistenzgenen sowie (iii) die Nutzung dieser Gene bzw. Allele in der praktischen Züchtung durch die Anwendung entsprechender molekularer Markertechnologien. Die einzelnen Projektteile werden von den unterschiedlichen Institutionen durchgeführt, die über eine ausgesprochene Expertise auf ihrem jeweiligen Fachgebiet verfügen. Das Projekt wird langfristig zu einem besseren Verständnis der zugrundeliegenden Resistenzmechanismen gegen Gelbmosaikviren, Zwergrost (Puccinia hordei), Rhynchosporium commune, dem Erreger der Blattfleckenkrankheit sowie Pyrenophora teres f. teres Drechsler, dem Erreger der Blattfleckenkrankheit beitragen. Auf dieser Grundlage können Maßnahmen entwickelt werden, die eine effektive Bekämpfung der entsprechenden Pathogene ermöglichen und so langfristig einen nachhaltigen Gerstenanbau gewährleisten und Ernteverluste minimieren.
Das Hauptziel des Projektes IdeMoDeResBar ist die Aufrechterhaltung von Ertragsstabilität und Qualität der Gerste-Ernte, die durch verschiedene Schaderreger negativ beeinflusst werden kann. Dieses Ziel soll erreicht werden durch (i) die Identifikation und Isolierung bisher unbekannter Resistenzgene, welche die Ausprägung von Abwehrmechanismen gegen wichtige Pflanzenpathogene Pilze und Viren regulieren, (ii) durch die Erzeugung neuer Allele anhand von Geneditierung an zwei bereits charakterisierten Reistenzgenen sowie (iii) die Nutzung dieser Gene bzw. Allele in der praktischen Züchtung durch die Anwendung entsprechender molekularer Markertechnologien. Die einzelnen Projektteile werden von den unterschiedlichen Institutionen durchgeführt, die über eine ausgesprochene Expertise auf ihrem jeweiligen Fachgebiet verfügen. Das Projekt wird langfristig zu einem besseren Verständnis der zugrundeliegenden Resistenzmechanismen gegen Gelbmosaikviren, Zwergrost (Puccinia hordei), Rhynchosporium commune, dem Erreger der Blattfleckenkrankheit sowie Pyrenophora teres f. teres Drechsler, dem Erreger der Blattfleckenkrankheit beitragen. Auf dieser Grundlage können Maßnahmen entwickelt werden, die eine effektive Bekämpfung der entsprechenden Pathogene ermöglichen und so langfristig einen nachhaltigen Gerstenanbau gewährleisten und Ernteverluste minimieren.
Rote Listen Sachsen-Anhalt Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt Halle, Heft 1/2020: 513–524 32 Bearbeitet von Werner Witsack (3. Fassung, Stand: August 2019) Einführung Obwohl die phylogenetisch-systematische Stellung der Zikaden (Auchenorrhyncha) kompliziert ist und nicht einheitlich gehandhabt wird, ist es praktikabel, die beiden Unterordnungen Fulgoromorpha und Cicado- morpha zu dieser Gruppe zusammenzufassen (Strümpel 2010). Beide Gruppen sind Pflanzensaftsauger, die ihre Nahrung aus dem Phloem, Xylem oder den Blattparen- chymzellen entnehmen (Die Gruppe der Achilidae, die offenbar Pilzhyphen aussaugt, ist zwar in Deutschland mit drei Arten vertreten, fehlt aber in Sachsen-An- halt.). Aufgrund von Saftentzug und vor allem durch die Übertragung von Pflanzenviren und Phytoplasmen ist eine Reihe von Arten phytopathologisch von Be- deutung. Sie sind von extremen Trockenrasen bis zu Mooren und Nassstandorten und in den verschiede- nen Waldhabitaten – häufig in großen Individuendich- ten – verbreitet. Wegen ihrer teilweise engen Bindung an spezielle Wirtspflanzen, aber auch wegen ihrer spezifischen Habitatsansprüche gelten sie als gute Bio- indikatoren und lassen sich deshalb besonders für die unterschiedlichen Rasen- und Feuchtwiesenhabitate für Umweltgutachten u. ä. gut nutzen. Vor dem Jahr 2000 war die Determination der Zikaden Deutschlands häufig nur mit der Hilfe von Experten möglich. Inzwischen existiert auch erfreu- licherweise geeignete deutschsprachige Bestim- mungsliteratur (Holzinger et al. 2003, Biedermann & Nie- dringhaus 2004, Kunz et al. 2011). Ergänzend kann auch bestimmte ältere Literatur (Französische Fauna – Ri- baut 1936, 1952, skandinavische Fauna – Ossiannilsson 1978 –1983) sowie Spezialliteratur zur Determination herangezogen werden. Bezüglich der Lebensweise und der Wirtspflan- zen hat sich die Wissenssituation insbesondere durch die Arbeit von Nickel (2003) wesentlich verbessert. Schließlich muss auf die zusammenfassende Darstel- lung der verschiedenen Aspekte über die Zikaden von Strümpel (2010) hingewiesen werden. Die Nomenklatur richtet sich (bis auf Ausnah- men) nach der inzwischen erschienenen neuen Fassung der Roten Liste der Zikaden Deutschlands (Nickel et al. 2016). Datengrundlagen Die Anzahl der aus Deutschland bekannten Arten betrug im Jahr 1994 etwa 597 Arten (Remane & Fröhlich 1994) und 2003 insgesamt 620 Arten (Nickel & Remane 2003). Inzwischen sind 635 Arten (Nickel et al. 2016) Zikaden (Auchenorrhyncha) nachgewiesen worden. In der ersten Fassung der „Bestandssituation der Zikaden“ in Sachsen-Anhalt aus dem Jahr 1999 (Witsack 1999) sind insgesamt 394 Arten aufgeführt. Die Artenzahl hat sich für Sach- sen-Anhalt bis 2013 auf 443 erhöht (Witsack 2016). Inzwischen wurden noch weitere Arten nachgewie- sen (aktuell insgesamt 459 Arten). Die Gründe für das Anwachsen der Artenzahl sind vielfältig. Es sind einmal Arten, die aktiv (durch selbstständige Aus- breitung) oder passiv (z. B. durch Pflanzenmaterial) in unser Gebiet gekommen sind. Andere Arten sind wegen ihrer speziellen, bisher unbekannten bzw. ver- borgenen Lebensweise oder ihrer Seltenheit früher übersehen worden. Und schließlich sind „neue“ Arten in Folge taxonomischer Studien aus bestehenden Arten herausgelöst worden. Da der Nachweis einer Reihe von seltenen Ar- ten zumeist schwierig ist (z. B. Tettigometra-Arten), kann die Bestätigung älterer Nachweise problema- tisch sein. Auch der Nachweis extrem seltener Arten ist – bei stark lokal begrenzten Vorkommen – recht schwierig (z.B. Ribautodelphax vinealis). Die erste Bearbeitung der Roten Liste des Landes Sachsen-Anhalt (Witsack 1995) enthält 176 Rote-Lis- te-Arten (aller Kategorien) von insgesamt 385 Arten. In der zweiten Fassung der Roten Liste (Witsack 2004) sind von den bis dahin 421 nachgewiesenen Arten in den Gefährdungskategorien 0–3 und R inzwischen 142 Spezies (33,7 %) bzw. 202 Arten aller Kategorien (48 %) enthalten. Aktuell sind für Sachsen-Anhalt 459 Arten nachgewiesen. Davon wurden 151 Arten in die Gefährdungskategorien 0–3 und R sowie weitere 107 Arten in die Kategorien D und V eingeordnet, sodass sich nun insgesamt 258 Arten in allen Kategorien (= 56,2 % der Arten Sachsen-Anhalts) befinden. Hierzu gehören zumeist Magerrasen-, aber auch Moor- und sonstige Feuchthabitatbesiedler. Die vorliegende Rote Liste basiert einerseits auf den sehr umfassenden faunistischen Bearbeitungen der Zikaden der östlichen Bundesländer durch Schie- menz (1987, 1988, 1990) und Schiemenz et al. (1996). Andererseits sind die eigenen Nachweise der letzten Jahrzehnte, aber auch Nachweise aus Bestimmungs- sendungen Dritter und besonders aus verschiedenen Publikationen und Projekten für die Einschätzung des Gefährdungsgrades herangezogen worden. Die Kenntnisse über die Verbreitung der Zika- den sind in Sachsen-Anhalt trotz verstärkter Erfas- sungsaktivitäten immer noch lückenhaft. Relativ gut bearbeitet ist das Gebiet um Halle. Deutliche Reserven gibt es im Harz (mit Ausnahme des Natio- nalparks Harz), im nördlichen Harzvorland und im Osten Sachsen-Anhalts. Der gesamte Norden Sach- sen-Anhalts wies noch vor Jahren die größten Be- 513 Zikaden Tab. 1: Übersicht zum Gefährdungsgrad der Zikaden Sachsen-Anhalts. Artenzahl (absolut) Anteil an der Gesamtartenzahl (%) Gefährdungskategorie R 1 2 2 15 58 0,4 3,3 12,6 0 9 2,0 Rote ListeGesamt 151 32,9459 Sonstige GesamtGesamt 107 23,3459 3 67 14,6 Tab. 2: Übersicht zu den sonstigen Kategorien. Artenzahl (absolut) Anteil an der Gesamtartenzahl (%) G - Kategorien D 56 12,2 arbeitungslücken auf. Dies hat sich inzwischen durch verschiedene Bemühungen, wie das Drömling-Projekt durch Walter & Nickel (2009), das Trockenrasen-Projekt durch Witsack (2003) und durch die Erfassungspro- jekte der Entomologen-Vereinigung Sachsen-Anhalt (EVSA) in der Altmark im Norden Sachsen-Anhalts (Witsack 2005) bzw. im Ohre-Aller-Hügelland (Witsack 2009) verbessert. Auch das Wissen über die Zikaden des Südharzes ist durch ein solches Projekt der EVSA deutlich erweitert worden (Witsack 2013). Die in den vergangenen über zwei Jahrzehnten durch das BMBF, das LAU und das UFZ, den Nationalpark Harz und das Biosphärenreservat Mittelelbe geförderten Projekte erbrachten weitere wertvolle Daten über die Verbrei- tung der Zikaden in Sachsen-Anhalt. Jedoch sind nach wie vor noch weitere umfangreichere Erfassungen in Teilen Sachsen-Anhalts notwendig. Anmerkungen zu ausgewählten Arten An dieser Stelle kann – von den insgesamt 258 in allen Kategorien der Roten Liste sich befindenden Arten – nur auf einige besondere Arten eingegangen werden. Aphrophora major Uhler, 1896 Von der Alpenschaumzikade gab es früher in den neu- en Bundesländern nur einen (fraglichen) Nachweis aus der Umgebung von Berlin (Schiemenz 1988). Der bisher einzige Nachweis aus Sachsen-Anhalt stammt von W. Bäse im Jahr 2011 aus dem Mahlpfuhler Fenn. V 51 11,1 geführt, die auch an mehreren Lokalitäten im Karst- gebiet Südharz westlich von Sangerhausen und bei Rübeland im Harz erfolgreich waren. Chlorita pusilla (Matsumura, 1906) Schiemenz (1990) nennt nur Nachweise aus zwei Ge- bieten im Schweriner und Frankfurter Bereich. Die an Thymus lebende Art wurde in den letzten Jahren in Sachsen-Anhalt neu an dem Standort von Zyginidia viaduense bei Gerwisch durch H. Nickel und W. Witsack nachgewiesen. Cicadella lasiocarpae Ossiannilsson, 1981 Die in Feuchtgebieten lebende Spezies konnte bisher nur bei Untersuchungen im Drömling gefunden wer- den (Walter & Nickel 2009). Cicadetta montana (Scopoli, 1772) Hierbei scheint es sich um einen Komplex von Arten zu halten, die zurzeit nur bioakustisch unterschieden werden können (Nickel 2003). Die Artzugehörigkeit der Tiere aus Sachsen-Anhalt ist bisher noch nicht überprüft worden. Möglicherweise ergibt sich später eine andere Zuordnung. Criomorphus williamsi China, 1939 Im Rahmen eigener Untersuchungen von Wiesenha- bitaten im Biosphärenreservat Mittlere Elbe konnte die Art nachgewiesen werden. Inzwischen sind drei weitere Vorkommen zwischen Wörlitz und Magde- burg festgestellt worden. Aguriahana pictilis (Stal, 1853) In den letzten Jahren gelangen die ersten Nachweise der offenbar in höheren Gebirgslagen an Heidelbeere lebenden Art im Nationalpark Harz durch W. Witsack und H. Nickel.Erotettix cyane (Boheman, 1845) Die Art lebt an Schwimmblattpflanzen (z. B. Nym- phaea) auf Stillgewässern und ist deshalb schwierig nachzuweisen. Chlorionidea flava P. Loew, 1885 Da die Art bisher in Sachsen-Anhalt nicht nachgewie- sen worden war, wurden umfangreiche Nachsuchen an Standorten ihrer Wirtspflanze Sesleria varia durch-Hyalesthes obsoletus Signoret, 1865 Trotz umfangreicher Suche in den Bereichen früher bekannter Vorkommen wurde die Art 1952 letztmalig gefunden. In den zurückliegenden Jahren konnte sie 514 Zikaden 12 34 56 Abb. 1: Die Heidelbeer-Blattzikade (Aguriahana pictilis) wurde erst in den letzten Jahren in meist lichten Fichtenbeständen in höheren Lagen des Nationalparks Harz an Heidelbeere festgestellt. Abb. 2: Die Blaugras-Spornzikade (Chlorionidea flava) ist an wenigen Standor- ten in westlichen Teilen Sachsen-Anhalts an ihrer Wirtspflanze Sesleria varia erst in den letzten Jahren nachgewiesen worden. Abb. 3: Die Winden-Glasflügelzikade (Hyalesthes obsoletus) wurde nach 1952 erst wieder in den letzten Jahren in Weinanbaugebieten an der Unstrut und westlich von Halle sporadisch gefunden. Abb. 4: Die Gelbseggen-Spornzikade (Kelisia sima) wurde im Rahmen von durch den National- park geförderten Untersuchungen in höheren Lagen an drei Hochmoor-Standorten nachgewiesen. Abb. 5: Die Forkenzikade (Mandrausus pauxilus) war seit den 60er Jahren an dem letzten bekannten Standort nicht mehr gefunden worden. Erst in den letzten Jahren konnte sie ca. 10 km entfernt wieder an einem sehr kleinräumigen Standort nachgewiesen werden. Abb. 6: Die Weiden-Glasflügelzikade (Myndus musivus) war früher (bis 1947) an der Saale, Elbe und Mulde in Weidenbeständen der Kiesbänke vertreten. Durch die Melioration und die Verunreinigung der Flüsse verschwand die Art. Trotz zahlreicher Kontrollen an früheren Fundorten gelang erst 2016 wieder ein Nachweis der Art (alle Fotos: G. Kunz). 515
Das Hauptziel des Projektes IdeMoDeResBar ist die Aufrechterhaltung von Ertragsstabilität und Qualität der Gerste-Ernte, die durch verschiedene Schaderreger negativ beeinflusst werden kann. Dieses Ziel soll erreicht werden durch (i) die Identifikation und Isolierung bisher unbekannter Resistenzgene, welche die Ausprägung von Abwehrmechanismen gegen wichtige Pflanzenpathogene Pilze und Viren regulieren, (ii) durch die Erzeugung neuer Allele anhand von Geneditierung an zwei bereits charakterisierten Reistenzgenen sowie (iii) die Nutzung dieser Gene bzw. Allele in der praktischen Züchtung durch die Anwendung entsprechender molekularer Markertechnologien. Die einzelnen Projektteile werden von den unterschiedlichen Institutionen durchgeführt, die über eine ausgesprochene Expertise auf ihrem jeweiligen Fachgebiet verfügen. Das Projekt wird langfristig zu einem besseren Verständnis der zugrundeliegenden Resistenzmechanismen gegen Gelbmosaikviren, Zwergrost (Puccinia hordei), Rhynchosporium commune, dem Erreger der Blattfleckenkrankheit sowie Pyrenophora teres f. teres Drechsler, dem Erreger der Blattfleckenkrankheit beitragen. Auf dieser Grundlage können Maßnahmen entwickelt werden, die eine effektive Bekämpfung der entsprechenden Pathogene ermöglichen und so langfristig einen nachhaltigen Gerstenanbau gewährleisten und Ernteverluste minimieren.
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