<p> <p>Das neue Rechenzentrumsregister schafft Transparenz über Energieverbrauch, Auslastung und Effizienz deutscher Rechenzentren. Eine erste UBA-Auswertung zeigt: Viele Rechenzentren sind bei Energieeffizienz und erneuerbaren Energien gut aufgestellt. Befürchtungen vor zu hohen Anforderungen sind unbegründet. Defizite bestehen jedoch bei Auslastung und Datenqualität.</p> </p><p>Das neue Rechenzentrumsregister schafft Transparenz über Energieverbrauch, Auslastung und Effizienz deutscher Rechenzentren. Eine erste UBA-Auswertung zeigt: Viele Rechenzentren sind bei Energieeffizienz und erneuerbaren Energien gut aufgestellt. Befürchtungen vor zu hohen Anforderungen sind unbegründet. Defizite bestehen jedoch bei Auslastung und Datenqualität.</p><p> <p>Mit dem am 14. August 2026 veröffentlichten <a href="https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/RZReg/rechenzentrums-register.html">Energieeffizienzregister für Rechenzentren des Bundeswirtschaftsministeriums</a> liegen erstmals amtliche Daten zu Rechenzentren in Deutschland vor. Betreiber von Rechenzentren ab einer elektrischen Anschlussleistung von 300 Kilowatt sind ab 2024 verpflichtet, unter anderem Angaben zu Energieverbrauch, Anschlussleistung, Energieeffizienz, Stromversorgung mit erneuerbaren Energien sowie Wasserverbrauch zu berichten. Für das aktuelle Berichtsjahr sind Daten von nur 319 Rechenzentren veröffentlicht. Eine erste Auswertung des Umweltbundesamtes (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/uba">UBA</a>) vom 21. September 2026 zeigt: Viele der im Register aufgeführten Rechenzentren sind bei Energieeffizienz und dem Einsatz erneuerbarer Energien bereits heute gut aufgestellt. Die Mehrheit dieser Rechenzentren erfüllt schon jetzt die Anforderungen des Energieeffizienzgesetzes (EnEfG), die erst ab 2027 verbindlich werden. </p> <p>Bisweilen geäußerte Befürchtungen, die gesetzlichen Vorgaben zu Energieeffizienz und dem Einsatz von Ökostrom seien zu ambitioniert, lassen sich anhand der Daten nicht bestätigen. Jedoch zeigen die veröffentlichten Daten, dass diese Rechenzentren im Schnitt nur rund 35 Prozent ihrer möglichen Rechenzentrumskapazität nutzen. Defizite gibt es bei den Angaben selbst: Die gemeldeten Daten weisen sowohl im Umfang als auch in der Qualität erhebliche Lücken auf – nach unserer Recherche fehlen sehr viele Rechenzentren namhafter internationaler Betreiber bislang ganz im öffentlichen Register.</p> <p><strong>Umfang der veröffentlichten Rechenzentren ist stark lückenhaft</strong></p> <p>Rechenzentren mit einer Anschlussleistung von 300 KW und höher sind nach §13 EnEfG verpflichtet bestimmte Daten zu Energieeffizienzkennzahlen und -verbräuchen zu veröffentlichen. Jedoch besteht keine Pflicht dies über das Rechenzentrumsregister vorzunehmen.</p> <p>Ein Abgleich mit anderen Informationsquellen weist darauf hin, dass der veröffentlichte Datensatz im Rechenzentrumsregister nicht den gesamten Rechenzentrumsbestand in Deutschland abbildet. Nach Recherchen des UBA fehlen viele Rechenzentren namhafter internationaler Betreiber. Der aktuell Datensatz umfasst nur 319 Rechenzentren. Auch die <a href="https://www.bitkom.org/Bitkom/Publikationen/Studie-Rechenzentren-in-Deutschland">jährlichen Berichte des Branchenverbands Bitkom</a> über Anzahl und Energieverbrauch der Rechenzentren legt nahe das nur ein geringer Teil der Rechenzentren im Rechenzentrumsregister ausgewiesen ist.</p> <p>Auffällig ist, dass insbesondere große internationale Betreiber Daten zu ihren Rechenzentren nicht oder nur teilweise im Register veröffentlicht haben. Eine stichprobenhafte Recherche bei zwei Unternehmen ergab, dass die nach dem EnEfG gesetzlich zu veröffentlichenden Daten auch auf den Unternehmenswebsites nicht in der vorgesehenen Differenzierung und dem erforderlichen Datenumfang nach Rechenzentrumsstandorten verfügbar waren.</p> <p><strong>Daten weisen große Qualitätsmängel auf</strong></p> <p>Einige Datensätze im Rechenzentrumsregister sind fehlerhaft und unvollständig. So sind bei zwölf Prozent der Meldungen die elektrischen IT-Anschlussleistung höher oder gleich der elektrischen Anschlussleistung des gesamten Rechenzentrums. Das legt nahe, dass der Strombedarf für die notwenige Gebäudetechnik, wie zum Beispiel für die Klimatisierung, nicht in die Gesamtenergiebilanz einbezogen wurde. Die Berechnung der Energieeffizienz führt in diesem Fall zu einem fehlerhaften Ergebnis. </p> <p>Auch bei den Angaben zur Wärmeenergie treten Unstimmigkeiten auf. Ein Rechenzentrum kann nur so viel Wärmeenergie abgeben, wie es an elektrischer Energie verbraucht. Bei vier Prozent der Datensätzen wurde mehr Wärmeenergie erzeugt, als elektrische Energie verbraucht wurde. </p> <p>Um die veröffentlichten Effizienz-Kennzahlen zu Energie, Wasser und Abwärme verifizieren zu können, werden wichtige Eingangsgrößen benötigt, wie etwa den Gesamtenergieverbrauch der IT oder Gesamtwasserverbrauch. Für diese bestehen keine Veröffentlichungspflicht, obwohl die Daten berichtspflichtig sind und somit vorliegen.</p> <p><strong>Viele Rechenzentren erfüllen künftige Effizienzvorgaben bereits jetzt</strong></p> <p>Ein wesentlicher Teil der veröffentlichten Rechenzentren erreicht die künftig geltenden gesetzlichen Anforderungen an die Energieeffizienz bereits heute. Für die Auswertung der Energieeffizienz wurde der veröffentlichte Datensatz um die erkennbar fehlerhaften Datensätze reduziert. Rund 70 Prozent der Rechenzentren erreichen bereits jetzt die geforderte Energieverbrauchseffektivität (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pue">Power Usage Effectivness - PUE</a>) von 1,5 oder besser – ein Wert, der erst ab Juli 2027 verbindlich wird. Rund 40 Prozent erreichen bereits einen PUE-Wert von 1,3 oder besser, ein Wert der erst ab Juli 2030 gilt. Die Energieverbrauchseffektivität wird über das Verhältnis des gesamten Energieverbrauchs eines Rechenzentrums zum Energieverbrauch der informationstechnischen Ausstattung berechnet. </p> <p>Vor dem Hintergrund der starken Diskussion zu den geforderten Mindesteffizienzwerten im EnEfG zeigen unsere Ergebnisse, dass die Anforderungen erreichbar und nicht zu ambitioniert sind. </p> <p>Gleichzeitig weisen knapp sieben Prozent der gemeldeten Rechenzentren eine PUE von 2,0 und schlechter auf. Demnach müssen diese Rechenzentren ihre Energieeffizienz noch deutlich steigern, denn sie verschwenden aktuell unnötig Energie. </p> <p>Die Behauptung, dass der geforderte PUE nur mit einem erhöhten Wasserverbrauch erreicht werden könne, kann anhand der veröffentlichten Daten nicht bestätigt werden. Ein Zusammenhang zwischen einem hohen Wasserverbrauch und einem ambitionierten PUE von 1,3 besteht nicht. </p> <p><strong>Erneuerbare Energien: Die überwiegende Anzahl der Rechenzentren wird bilanziell mit erneuerbaren Energien versorgt</strong></p> <p>Für Rechenzentren, die unter das EnEfG fallen, besteht ab dem 1. Januar 2027 die Verpflichtung ihren Energiebedarf zumindest bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu versorgen. Nach Auswertung der Daten kann festgestellt werden, dass bereits 80 Prozent der Rechenzentren, die in der öffentlichen Datenbank gelistet sind, ihren Stromverbrauch zu 100 Prozent bilanziell mit erneuerbaren Energien decken.</p> <p><strong>Auslastung: Rechenzentrumskapazitäten vielfach nicht ausgeschöpft</strong></p> <p>Die vorgesehene Kapazität der Rechenzentren im Rechenzentrumsregister wird nur zu einem geringen Teil genutzt. Das bedeutet, dass in den Rechenzentren tatsächlich nur ein Teil der vorgesehenen Informationstechnik betrieben wird, für das sie eigentlich ausgelegt sind: Die Rechenzentren sind bezogen auf ihre elektrische Anschlussleistung durchschnittlich nur zu rund 35 Prozent ausgelastet. Diese schlechte Auslastung der Rechenzentren lässt sich nicht allein mit dem Vorhalten für eine Spitzenlast begründen.</p> <p>Damit bleiben einerseits erhebliche Rechenzentrumskapazitäten ungenutzt. Andererseits werden elektrische Anschlusskapazitäten blockiert, die anscheinend nicht benötigt werden. Die Ergebnisse werfen damit die Frage auf, in welchem Verhältnis der vermeintliche Bedarf neuer Rechenzentren zur bereits vorhandenen Rechenzentrumskapazität steht, und wie der weitere Ausbau von Rechenzentren vor diesem Hintergrund zu bewerten ist.</p> </p><p>Informationen für...</p>
Die Informationslage zum Energieverbrauch und über die Energieeffizienz der Rechenzentren in Deutschland ist derzeit unbefriedigend. Um wirkungsvolle Maßnahmen zur Begrenzung des Energieverbrauchs der Rechenzentren und somit der digitalen Infrastruktur ergreifen zu können, sind genaue Kenntnisse über die Verteilung, die Größe und den Energieverbrauch der Rechenzentren zwingend erforderlich. Mit dem Forschungsvorhaben „Aufbau eines Registers für Rechenzentren in Deutschland und Entwicklung eines Bewertungssystems für energieeffiziente Rechenzentren“ (Kurztitel: Peer DC) wurde die Grundlage für eine gesicherte Datenbasis und die Vorrausetzung zur Erhöhung der Energieeffizienz in Rechenzentren geschaffen. Die wesentlichen drei Ziele des Vorhabens waren: Durch das „Register für Rechenzentren“ sollen verlässliche Angaben zum Energieverbrauch und zur Energieeffizienz der Rechenzentren in Deutschland bereitstehen. Dadurch können die Auswirkungen der Digitalisierung auf den künftigen Energieverbrauch der Rechenzentren von der Öffentlichkeit und der Bundesregierung besser beurteilt und die Effizienzpotenziale realistischer eingeschätzt werden. Gleichzeitig kann das Register durch das Aufzeigen der Rechenzentren als nutzbare Abwärmequellen einen Beitrag zur Wärmewende leisten. Im September 2023 wurde das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) erlassen, das Betreiber von Rechenzentren dazu verpflichtet, jährlich Daten zu ihrem Energieverbrauch und ihrer Effizienz in ein zentrales Register einzutragen. Hier ergaben sich teilweise Überschneidungen, sodass das Projektteam die Bundesregierung hinsichtlich Datenerhebung und Umsetzung beraten konnte und die bereits entwickelten Tools zur Verfügung gestellt hat. Veröffentlicht in Texte | 70/2025.
Die Informationslage zum Energieverbrauch und über die Energieeffizienz der Rechenzentren in Deutschland ist derzeit unbefriedigend. Um wirkungsvolle Maßnahmen zur Begrenzung des Energieverbrauchs der Rechenzentren und somit der digitalen Infrastruktur ergreifen zu können, sind genaue Kenntnisse über die Verteilung, die Größe und den Energieverbrauch der Rechenzentren zwingend erforderlich. Mit dem Forschungsvorhaben „Aufbau eines Registers für Rechenzentren in Deutschland und Entwicklung eines Bewertungssystems für energieeffiziente Rechenzentren“ (Kurztitel: Peer DC) wurde die Grundlage für eine gesicherte Datenbasis und die Vorrausetzung zur Erhöhung der Energieeffizienz in Rechenzentren geschaffen. Die wesentlichen drei Ziele des Vorhabens waren:Aufbau eines Registers für Rechenzentren und Visualisierung der Inhalte des RegistersEntwicklung eines Bewertungssystems und einer Bewertungssoftware für energieeffiziente RechenzentrenPrüfung der Übertragbarkeit der Ergebnisse und Machbarkeit eines Bewertungssystems für Rechenzentren auf europäischer EbeneDurch das „Register für Rechenzentren“ sollen verlässliche Angaben zum Energieverbrauch und zur Energieeffizienz der Rechenzentren in Deutschland bereitstehen. Dadurch können die Auswirkungen der Digitalisierung auf den künftigen Energieverbrauch der Rechenzentren von der Öffentlichkeit und der Bundesregierung besser beurteilt und die Effizienzpotenziale realistischer eingeschätzt werden. Gleichzeitig kann das Register durch das Aufzeigen der Rechenzentren als nutzbare Abwärmequellen einen Beitrag zur Wärmewende leisten.Im September 2023 wurde das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) erlassen, das Betreiber von Rechenzentren dazu verpflichtet, jährlich Daten zu ihrem Energieverbrauch und ihrer Effizienz in ein zentrales Register einzutragen. Hier ergaben sich teilweise Überschneidungen, sodass das Projektteam die Bundesregierung hinsichtlich Datenerhebung und Umsetzung beraten konnte und die bereits entwickelten Tools zur Verfügung gestellt hat.
a) Zielstellung, fachliche Begründung: Forschung, Wirtschaft und Politik suchen nach Lösungen, um die Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen durch die IKT zu reduzieren. Rechenzentren werden derzeit weder statistisch erfasst, noch existiert eine Datenbasis in der die Energieverbräuche der RZ in Deutschland anhand gemessener oder von den Unternehmen bilanzierter und gemeldeter Zahlen enthalten sind. Dieser Umstand macht es schwierig, die Energieeffizienz von Rechenzentren und die Entwicklung der Energieverbräuche der Branche zu bewerten. Das Vorhaben soll Rahmenbedingungen schaffen, die zur Erhöhung der Energieeffizienz in den deutschen RZ beitragen. Anhand eines entwickelten Standards soll die jeweilige Situation, in Bezug auf die Energieeffizienz des RZ, transparent und nachvollziehbar gemacht werden. b) Output Das Vorhaben hat folgende Schwerpunkte: 1. Klassifizierung der RZ in Deutschland anhand von Marktdaten, Umfragen und weiteren Recherchemöglichkeiten. Entwicklung eines zentral raumbezogenen Informationssystems, das in der Form einer Landkarte für RZ im Internet veröffentlicht werden soll.2. Prüfung von Möglichkeiten, ob und wie eine möglichst vollständige und kontinuierliche Datenerfassung der RZ erreicht werden kann.3. Entwicklung eines nationalen Bewertungssystem für energieeffiziente RZ und Ermittlung von Eigenschaften und Indikatoren, die geeignet sind einen Energieindex berechnen zu können und somit die RZ im Bestand zu bewerten.4. Entwicklung einer Software, die für die Berechnung der Energieeffizienz eines Rechenzentrums alle relevanten Berechnungen durchführt und dem Nutzer der Software ein Ergebnis der Berechnung generiert.5. Untersuchung der Machbarkeit eines EU-Bewertungssystems für RZ. Auf drei Begleitkreistreffen sollen die Ergebnisse des VH mit der Fachöffentlichkeit diskutiert werden.
Das in 2021 gestartete Forschungsvorhaben "PeerDC" (Public Energy Efficiency Register of Data Centres), in dem ein Energie-Effizienzregister für Rechenzentren und ein System für die Bewertung der Energie-Effizienz entwickelt werden, befindet sich im Schlussspurt. Wir* haben viel erreicht und neue Erkenntnisse gewonnen, die wir mit diesem Artikel teilen. © 2023 Vogel Communications Group