Die Haltung von Wiederkäuern, insbesondere von Rindern, Schafen und Ziegen, ist ein wesentlicher Bestandteil rurbaner Räume und Gesellschaften im Globalen Süden, insbesondere in Westafrika. Durch enge Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen der Tierhaltung in den Tropen und Subtropen und der Sozial- und Kulturanthropologie zielt Projekt B03 darauf ab, die Prozesse zu identifizieren und zu analysieren, durch die Viehhaltung zur Entstehung, Unterstützung und Nachhaltigkeit von rurbanen Lebensgrundlagen und Lebensstilen in Accra, Ghana, beiträgt. Ausgehend von den vier analytischen Perspektiven der FOR5903 - Ausstattung & Verortung, Institutionen & Praktiken, Ströme & Konnektivität sowie Lebensgrundlagen & Lebensstile - analysiert das Projekt, durch welche komplementären Prozesse eine heterogene und fragmentierte Rurbanität in Westafrika neue Formen der Konnektivität ermöglicht und wie diese für die Entwicklung von Unternehmen im Viehhaltungssektor genutzt werden. Dabei interessiert insbesondere, wie neue natürliche Ressourcen, soziale Netzwerke, Arbeitskraft (und Kenntnisse) sowie Kapital eine Verhandlungsarena für die Neugestaltung des westafrikanischen Viehsektors eröffnen, in der ständige Kreativität und Anpassung sowie Re- und Selbstorganisation erforderlich sind. Wir werden untersuchen, wie die Tierhaltung als sozial-ökologisches System einen räumlichen und sozialen Zugang zu Rurbanität ermöglicht und wie nachhaltig sie ist.
Mensch-Umwelt-Beziehungen gehören in Südostasien zu den dringlichsten Forschungsgebieten. Dieses Netzwerk von Ethnolog/innen untersucht in sechs über drei Jahre verteilten Arbeitstreffen die Frage, wie sich die heterogenen Theorien und Daten zu Mensch-Umwelt-Beziehungen zu einer neuen Synthese führen lassen, mit Blick einerseits auf praktische Nutzbarkeit, andererseits auf ein größeres Folgeprojekt. Die Transformationen dieser Beziehungen werden dabei durch die Analyse von sechs Spannungsfeldern beleuchtet: 1. die Spannung zwischen lokalem, wissenschaftlichem und staatlich kanalisiertem Wissen über Umwelt, unter Einbezug von strategischem Nicht-Wissen; 2. Divergenzen des Rechtspluralismus, der differenzierten Zugang zu Ressourcen ermöglicht; 3. die Transformationen von Raum und seiner Nutzung im städtischen und ländlichen Bereich; 4. widersprüchliche Konzepte von Nachhaltigkeit und Umwelteffekten auf lokaler und globaler Ebene; 5. Spannungen zwischen den Umweltkonzepten lokaler Kosmologien und globaler Religionen; 6. die Zusammenhänge von Veränderungen in Umweltbeziehungen und Genderbeziehungen. All diese Spannungsfelder tragen zur Produktion pluraler Ökologien bei, bei denen unterschiedliche Menschen und Nicht-Menschen differenziert und oft widersprüchlich integriert werden.