Die natürlichen Auswirkungen des Klimawandels treffen sowohl global als auch innerstaatlich auf gesellschaftliche Realitäten wie Armut, soziale Ungleichheit und politische Exklusion. Demnach resultiert Vulnerabilität (Verwundbarkeit) gegenüber Klimawandel nicht allein aus den ökologischen Ereignissen, sondern wird maßgeblich durch den politischen, sozialen und ökonomischen Kontext bestimmt. Ansätze sozialer Vulnerabilität fokussieren gesellschaftliche Dimensionen und fragen danach, welche Gruppen aus welchen Gründen stärker verwundbar gegenüber klimatischen Auswirkungen sind als andere. In Wechselwirkung mit den ökologischen Auswirkungen von Klimaveränderungen, ergibt sich eine sozial-ökologische Vulnerabilität. Mit dieser sozial-ökologischen Perspektive auf Klimawandel und Anpassung, geht die Hypothese einher, dass eine Wechselwirkung zwischen Vulnerabilität und politischer Gestaltungsmacht besteht. Das Promotionsvorhaben möchte deshalb anhand empirischer Untersuchungen die Forschungsfrage prüfen, welche Rolle die Inklusion gesellschaftlicher Gruppen und die gesellschaftliche Partizipation an politischen Planungs- und Entscheidungsprozessen auf den verschiedenen Ebenen der Klima- und Anpassungspolitik in Bolivien und Peru einnehmen. Es soll anhand der konkreten Länderbeispiele analysiert werden, inwieweit partizipative Prozesse zu der Reduzierung von sozial-ökologischer Vulnerabilität und zu einer Erhöhung der Anpassungsfähigkeit gegenüber Klimaveränderungen beitragen können. Im Fokus der Betrachtungen sollen vor allem die indigenen Mehrheiten in den beiden Fallbeispielen stehen. In der Politikwissenschaft ist das Vorhaben innerhalb der wissenschaftlichen Disziplin der Internationalen und innergesellschaftlichen Beziehungen und der governance-Forschung anzusiedeln. Das Vorhaben besitzt eine hohe Relevanz für die Erforschung der sozialen Dimensionen des Klimawandels und damit für die sozialwissenschaftliche Klima- und Anpassungsforschung. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den politischen Dimensionen von Vulnerabilität, mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen, mit politischen Einflussmöglichkeiten auf den verschiedenen Ebenen sozialer Aushandlung im Klimaprozess, stellt nach wie vor eine zentrale und ungelöste Herausforderung dar. Mit diesem Forschungsinteresse ist der zentrale Untersuchungsgegenstand kein etabliertes Politikfeld, sondern die Mehrebenen-Struktur der Klimaanpassung und ihre Institutionen und Prozesse. Dabei werden Ansätze der Vulnerabilitätsforschung mit demokratietheoretischen governance-Ansätzen verknüpft.
Ein Praxisleitfaden zu BNE in der Offenen Jugendarbeit. [Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] Zukunft
gestalten.
Jugendliche
beteiligen.
Ein Praxisleitfaden zu BNE in der
Offenen Jugendarbeit.
Einstieg
Liebe Leser:innen,
junge Menschen erleben heute eine Welt, die sich rasant
verändert. Klimawandel, soziale Ungleichheiten und
globale Krisen prägen ihren Alltag. Gleichzeitig wird von
ihnen erwartet, in komplexen Fragen schnell eine klare
Haltung zu finden, oft bevor genug Raum für Fragen und
Zweifel bleibt. Viele Jugendliche wünschen sich deshalb
Orte, an denen sie sich orientieren, ausprobieren und
eigene Antworten entwickeln können.
Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) bietet dafür idea-
le Voraussetzungen. Sie schafft Räume, in denen junge
Menschen ernst genommen werden, Verantwortung
übernehmen und Zukunft gestalten können. Bildung für
nachhaltige Entwicklung (BNE) knüpft an diese Stärke
an. Sie verbindet globale Fragen mit der Lebenswelt jun-
ger Menschen und macht erfahrbar, dass nachhaltiges
Handeln im Kleinen beginnt und im gemeinsamen Tun
wächst.
Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung arbeitet seit
vielen Jahren daran, Bildung für nachhaltige Entwicklung
in der Offenen Kinder und Jugendarbeit zu stärken.
Dazu gehören auch Projekte wie Zukunftsformer, in de-
nen Erfahrungen gesammelt und Impulse entwickelt
wurden, die in diese Publikation eingeflossen sind. Im
Auftrag und mit Unterstützung des Ministeriums für
Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität Rheinland-
Pfalz konnten wir diesen Weg weiter vertiefen. Unser
Dank gilt allen Fachkräften, Jugendlichen und Partnern,
die ihre Erfahrungen geteilt und Einblicke in ihre Praxis
ermöglicht haben.
Diese Publikation möchte Einrichtungen unterstützen,
eigene Wege in der Bildung für nachhaltige Entwicklung
zu finden. Sie setzt auf Praxisnähe und auf das, was im
Alltag von Jugendhäusern möglich und sinnvoll ist. Sie
bündelt Erkenntnisse aus der Praxis, stellt Werkzeuge
bereit und lädt Teams ein, gemeinsam zu entdecken, wie
nachhaltige Entwicklung im Jugendhaus lebendig werden
kann.
3
Inhaltsverzeichnis
Grundlagen: BNE, Beteiligung und
Gestaltungskompetenzen4
Methoden: Beteiligung und
BNE praktisch gestalten 26
Warum Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA)
unverzichtbar ist5
Vertiefung, Reflexion und Ausblick35
Gestaltungskompetenzen:
Was junge Menschen brauchen, um Zukunft
zu gestaltenZertifizierung zum fairen Jugendhaus:
„Wenn Nachhaltigkeit Teil der Kultur wird,
dann bleibt sie.“6
36
Jugendbeteiligung:
Wie nachhaltiges Lernen wirksam wirdCheckliste: BNE starten im Jugendhaus38
9Vernetzung & Förderung40
Persönliche Perspektive:
BNE beginnt im Alltag10Ausblick & Trends:
Was BNE in der OKJA in den kommenden
Jahren prägen wird42
Aus der Praxis für die Praxis14Reflexion & Teamgespräch44
Praxisbeispiel 1: „Ich sage dir schon,
wenn du Panik kriegen musst.“15Impressum47
Praxisbeispiel 2: Wenn der Wald zum
Erlebnisraum wird18Praxisbeispiel 3: „Wir kochen Zukunft“ – Wie ein
Jugendzentrum in Trier BNE lebendig macht21Erlebnisbericht:
Das JugendKlimaForum Rheinland-Pfalz –
Beteiligung über die Veranstaltung hinaus24
4
Grundlagen
Grundlagen:
BNE, Beteiligung
und Gestaltungs-
kompetenzen
BNE, Beteiligung und Gestaltungskompetenzen
5
Warum Bildung für nachhaltige
Entwicklung (BNE) in der Offenen
Kinder- und Jugendarbeit (OKJA)
unverzichtbar ist
Nachhaltige Entwicklung ist eine gesamtgesellschaftli-
che Aufgabe. Sie betrifft ökologische Herausforderungen
ebenso wie soziale Gerechtigkeit, demokratische Teil-
habe, kulturelle Vielfalt und die Frage, wie wir in Zukunft
zusammenleben wollen. Bildung für nachhaltige Entwick-
lung (BNE) unterstützt junge Menschen dabei, diese Zu-
sammenhänge zu verstehen und sich als selbstwirksame
Akteur:innen in ihrer Welt zu erleben.
Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) bietet dafür be-
sonders gute Voraussetzungen. Sie schafft zwangfreie
Räume, in denen junge Menschen eigene I nteressen ver
folgen, Verantwortung übernehmen und neue Perspek
tiven – jenseits des schulischen Kontexts – entwickeln
können. Im Unterschied zur Schule stehen keine Prüfun-
gen und Bewertungen im Vordergrund. Entscheidend
sind Beziehungen, Beteiligung und die Möglichkeit, Ideen
auszuprobieren. Dadurch entstehen informelle Lernge-
legenheiten, die unmittelbar an den Alltag der Jugend-
lichen anschließen.
BNE kann in diesem Umfeld wachsen, weil sie nicht an
Unterrichtsformate gebunden ist. Sie findet statt, wenn
Jugendliche gemeinsam kochen, einen Raum gestalten,
ein Projekt planen, ein Fest organisieren oder im Stadt-
teil aktiv werden. Nachhaltige Entwicklung wird im Tun
erfahrbar, im (Aus-)Handeln und im gemeinsamen Ent-
scheiden. Jugendliche erleben, dass ihre Ideen Wirkung
haben und dass Veränderungen möglich sind, wenn sie
Verantwortung übernehmen.
Jugendhäuser sind Räume, in denen verschiedene Lebens-
realitäten aufeinandertreffen. Diese Vielfalt bietet be
sondere Chancen für nachhaltige Bildung. Jugendliche
lernen, Interessen auszuhandeln, Konflikte zu bearbeiten
und gemeinsame Lösungen zu entwickeln. Sie erfahren,
dass Zukunft nicht festgelegt ist, sondern gemeinsam ge-
staltet werden kann.
BNE in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bedeutet
nicht, zusätzliche Programme einzuführen, sondern be-
stehende Stärken weiterzuentwickeln und bewusst Räu-
me zu schaffen, in denen junge Menschen Orientierung
finden und Zukunft gestalten können.
BNE ist Haltung. Sie beginnt,
wenn junge Menschen erleben,
dass ihr Handeln zählt und dass
Zukunft nichts Abstraktes ist,
sondern jeden Tag entsteht.