Durch die palaeolimnologische Analyse vorhandener Sediment-Langkerne aus dem Mueggelsee und aus dem Grossen Treppelsee soll die Langzeitentwicklung der benachbarten und im Spaetglazial getrennten Einzugsgebiete der Spree und der Schlaube (Brandenburg) vergleichend untersucht werden. Die Reste der Kieselalgen im geschichteten Sediment dienen dabei als konserviertes Spiegelbild des zeitlich veraenderlichen Gewaesserzustandes. Im Vorprojekt wurde die Diatomeenanalyse genutzt, um mit quantitativen palaeolimnologischen Techniken Veraenderungen des Naehrstoffhaushalts im Havel- und Spreeeinzugsgebiet aufzuzeigen. Aufbauend auf aktuellen autoekologischen Ansaetzen kanadischer und schweizer Wissenschaftler, soll die Eignung von Kieselalgen als Indikatoren der Palaeotemperatur im mitteleuropaeischen Tiefland verifiziert und demonstriert werden. Anhand von kalibrierten Diatomeen-Umwelt-Transfergleichungen sollen im beantragten Vorhaben die Einfluesse klimatischer Veraenderungen auf Gewaesseroekosysteme dargestellt werden. Die Dynamik der direkt oder indirekt vom Klima gesteuerten Konzentrationen an geloestem anorganisch gebundenem Kohlenstoff (DIC), geloestem organisch gebundenem Kohlenstoff (DOC) und Huminstoffen wird durch quantitative Bioindikation herausgearbeitet.
Jahreszeitlich geschichtete Seeablagerungen entstehen in der humiden gemaessigten Klimazone unter dem Einfluss des jahreszeitlichen Klimawechsels. Dabei setzen jahreszeittypische Sublamina jedes Jahr eine Jahresschicht zusammen. Daraus folgt, dass Jahresschichten von ihrer Entstehung her Klimadaten und praezise Zeitdaten gespeichert haben. Da unterschiedliche Jahres-Klimaverlaeufe ihren Eindruck auf die Jahresschichten (Warven) haben, muessen auch laengerfristige Klimawechsel im Sediment erkennbar sein. Mehrere Jahrtausende lange Warvenserien in Nord- und Sueddeutschland aus Holozaen, Spaetglazial und der letzten (Eem-)Warmzeit mit unterschiedlichem geochemischen und sedimentologischem Aufbau sollen mit modernen Methoden der Sedimentologie (Duennschliff, Radiographie), Mineralogie und Geochemie (Mineralbestand, Zustand des Gewaessers) und Isotopen-Geochemie (Jahreszeiten-Erkennung, Temperaturwerte) gemessen, quantitativ erfasst und klimatisch interpretiert werden. Die Ergebnisse werden durch begleitende mikrofaunistische und palaeobotanische Untersuchungen gestuetzt. Digitale Messwerte von den Warven sollen rechnerisch mit palaeodendrologischen Kurven verglichen werden. Auf die Unterscheidung von klimabedingten Elementen im Sediment, die auf durch den Menschen seit mehr als 6000 Jahren hervorgerufene Umwelt- (auch Klima-)Aenderungen zurueckzufuehren sind, wird besonderes Augenmerk gerichtet.