Hier finden Sie eine Auflistung der bekanntesten und größten Berliner Gewässer. Die kleineren Fließgewässer wurden zusätzlich mit einer kurzen Beschreibung versehen. Weitere Informationen finden Sie unter Oberflächengewässer . Ferner stellt die Senatsverwaltung das vollständige Gewässerverzeichnis des Landes Berlin und die Karten der Gewässerstrukturgütebewertung zur Verfügung. Havel Länge: ca. 325 km, davon rund 27 km in Berlin Quellen: bei Ankershagen/Mecklenburg-Vorpommern Mündung: in die Elbe (bei Gnevsdorf/Brandenburg) Einzugsgebiet: rd. 24.096 km² Gewässerstruktur: deutlich bis vollständig verändert (Gewässerstrukturklassen 4 – 7) Gewässertyp: Flusssee des Norddeutschen Tieflandes mit großem Einzugsgebiet (Verweilzeit des Wasser 3-30 Tage) Nutzung: Bundeswasserstraße (kanalisierte Havel zwischen Spreemündung und Pichelssee) Dahme Länge: ca. 95 km, davon rund 16 km in Berlin Quelle: bei Kolpien/Brandenburg Mündung: in die Spree (in Berlin-Köpenick) Einzugsgebiet: rd. 1.894 km² Gewässerstruktur: deutlich bis vollständig verändert (Gewässerstrukturklassen 4 – 7) Gewässertyp: Flusssee des Norddeutschen Tieflandes Nutzung: Bundeswasserstrasse Spree Länge: ca. 382 km, davon rund 46 km in Berlin Quellen: bei Ebersbach-Spreedorf, Neugersdorf und am Kottmar (Sachsen) Mündung: in die Havel (in Berlin-Spandau) Einzugsgebiet: 10.100 km² Gewässerstruktur: stark bis vollständig verändert (Gewässerstrukturklassen 6 – 7) Gewässertyp: sandgeprägter Tieflandfluss (Typ 15 groß), vollständig verändertes Gewässer (HMWB) Nutzung: Bundeswasserstraße Dämeritzsee Fläche: 103 ha Mittlere Tiefe: 2,7 m / maximale Tiefe: 4,5 m Mittlere Sichttiefe: ca. 1 m von Plankton getrübt, kaum Blaualgen Lage: Bezirk Köpenick von Berlin / Stadt Erkner Gewässertyp: Flusssee (Typ 12), durchflossen von Spree und Löcknitz Wasseraufenthaltszeit < 30 d, nährstoffreich Großer Müggelsee Fläche: 766 ha Mittlere Tiefe: 4,8 m / maximale Tiefe: 8,9 m Mittlere Sichttiefe: ca. 1,50 m Lage: Bezirk Treptow-Köpenick von Berlin Gewässertyp: von der Spree durchflossener See (Typ 11), nährstoffreich, im Sommer können Blaualgen auftreten Wasseraufenthaltszeit 60 d NATURA 2000-Gebiet Seddinsee Fläche: 262 ha Mittlere Tiefe: 4,0 m / maximale Tiefe: 7,5 m Mittlere Sichttiefe: ca. 1,0 m Lage: Bezirk Treptow-Köpenick von Berlin Gewässertyp: von der Spree durchflossener Flusssee (Typ 12), nährstoffreich, im Sommer können zeitweise Blaualgen auftreten Zeuthener See Fläche: 233 ha Mittlere Tiefe: 2,5 m / maximale Tiefe: 4,9 m Mittlere Sichttiefe: ca. 0,5 m, getrübt durch Phytoplankton Lage: Bezirk Treptow-Köpenick von Berlin / Gemeinde Zeuthen Gewässertyp: von der Dahme durchflossener Flusssee (Typ 12), sehr nährstoffreich, im Sommer dominieren Blaualgen Wasseraufenthaltszeit Erpe / Neuhagener Mühlenfließ Länge: ca. 31 km, davon rund 5 km in Berlin Quellen: oberhalb von Werneuchen/Land Brandenburg Mündung: in die Spree (Bezirk Köpenick) Einzugsgebiet: rd. 220 km² Gewässerstruktur: deutlich bis vollständig verändert (Gewässerstrukturklassen 4 – 7), in Berlin vollständig verändert Gewässertyp: organisch geprägter Bach (Typ 11) bzw. organisch geprägter Fluss (Typ 12) sowie sandgeprägter Tieflandbach (Typ 14) Außerhalb der Städte Altlandsberg und Werneuchen sowie der Gemeinden Hoppegarten und Neuenhagen durchfließt das Neuenhagener Mühlenfließ überwiegend gering verändert die Barnimhochfläche. Dennoch weist sie zum Teil erhebliche ökologische Beeinträchtigungen auf. Hauptdefizite sind fehlende Gewässerstrukturen und stoffliche Belastungen. Eine erhebliche Einflussgröße ist der Kläranlagenzulauf des Klärwerkes Münchehofe. Neben diesen gewässerökologischen Qualitätsdefiziten besteht für die Erpeanlieger in Berlin ein Hochwasserrisiko. Diese Situation zu verbessern ist Ziel der Maßnahmenplanung im Rahmen des Gewässerentwicklungskonzeptes Erpe. Panke Länge: ca. 27 km, davon rund 18 km in Berlin Quelle: Pankeborn nordöstlich von Bernau frühere Mündung: in die Spree Schiffbauerdamm 2 (vor dem Berliner Ensemble) heutige Mündung: in den Nordhafen im Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal (Bezirk Mitte) Gefälle: ca. 40 m Einzugsgebiet: ca. 201 km² Namensgeber: von Berlin-Pankow und der 2003 gebildeten Gemeinde Panketal Gewässerstruktur: stark bis vollständig verändert (Gewässerstrukturklassen 5 – 7) Gewässertyp: in Brandenburg organisch geprägter Bach (Typ 11) bis Ossietzkystraße sandgeprägter Bach (Typ 14) bis zur Mündung kleines Niederungsfließgewässer (Typ 19) Die Hydromorphologie und die Hydraulik der Panke weichen stark vom natürlichen Zustand ab – insbesondere im Einflussbereich des Berliner Misch- und Trennsystems. Die strukturellen Defizite sind besonders für die wasserlebenden Tiere (Makorzoobenthos) von großem Nachteil. Die Fischfauna ist aufgrund der mangelnden Habitat- bzw. Strukturvielfalt und der durch Querbauwerke erschwerten Durchwanderbarkeit sowie der Nährstoffeinträge überwiegend in einem schlechten Zustand (Bewertungsergebnisse für das Jahr 2007). Die geringe Wasserpflanzenvielfalt und verarmte wirbellose Fauna weisen auf die Nährstoffbelastung der Panke hin. Diese Defizite greift das Gewässerentwicklungskonzept Panke mit dem Ziel auf, den guten ökologischen Zustand mittelfristig wieder herzustellen. Tegeler Fließ Länge: ca. 27 km, davon rund 14,5 km in Berlin Quellen: zwei Quellen bei Basdorf in Brandenburg Mündung: in den Tegeler See (Bezirk Reinickendorf) Gefälle: im Brandenburger Teil ca. 12 m, in Berlin gering (ca. 1,5 m) Einzugsgebiet: rd. 153 km² Gewässerstruktur: durchschnittlich deutlich verändert, (Gewässerstrukturklasse 4, vertreten sind alle Klassen von 2 – 7) Gewässertyp: organisch geprägter Bach (Typ 11) Dieses Gebiet ist in Berlin und Brandenburg von großer Bedeutung, denn es ist reich an wertvollen Lebensräumen und zahlreichen fließgewässertypische schützenswerten und bedrohten Arten. Es ist auf der Berliner Landesseite als Natura 2000 (d.h. FFH- und Vogelschutz-Gebiet) Tegeler Fließtal geschützt. Im Land Brandenburg ist das Tegeler Fließtal Bestandteil von zwei FFH-Gebieten. Trotzdem das Fließ zu den naturnäheren Gewässern Berlins gehört, zeigt die Bewertung des ökologischen Zustandes und der Gewässerstruktur hydromorphologische Defizite und eine zu geringe Lebensraumvielfalt, die derzeit dem guten Zustand abträglich sind. Diese Mängel sollen mit dem Gewässerentwicklungskonzept Tegeler Fließ behoben werden. Wuhle Länge: ca. 16,5 km, davon rund 15 km in Berlin Quellen: im brandenburgischen Ahrensfelde Mündung: in die Spree (Bezirk Köpenick) Gefälle: ca. 21 m Einzugsgebiet: rd. 101 km² Gewässerstruktur: wird erhoben Gewässertyp: organisch geprägter Bach (Typ 11) Die Wuhle verläuft von der Barnimhochfläche kommend durch den Osten Berlins in der eiszeitlichen Schmelzwasser-Rinne des Wuhletals. 1984 wurde die sogenannte “Neue Wuhle” als Klarwasser-Ableiter für das Klärwerk Falkenberg in Betrieb genommen. Sie fließt parallel zur Alten Wuhle bis sie sich im Wuhleteich mit ihr vereint. Das Klärwerk hat die Hydraulik der Wuhle in fast 20 Jahren stark verändert. 2003 wurde das Klärwerk außer Betrieb genommen – und auch das hatte weitreichende Folgen für die Landschaft und den Wasserhaushalt. In der Agenda 21 engagierte Bürger initierten Renaturierungsprojekte (z.B. Feuchtgebiet Fabiansteich) und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ergriff erste Maßnahmen zur Renaturierung der Wuhle im Bezirk Marzahn-Hellersdorf (bis zur Bundesstraße B1/B5) von 2006 bis 2008. An diese Maßnahmen schließt sich das Gewässerentwicklungskonzept Wuhle an.
Turbulent flows in rivers govern complex mixing and transport processes crucial for many aspects of functioning and sustainable management of fluvial systems, hence representing the challenge of accurate quantitative assessment. Proposed research is aimed to expand the analysis of shallow shear flows toward both higher Reynolds numbers and realistic flow conditions, and to test recently developed models as the basis for predictive schemes facilitating computations of velocity fields, characteristics of turbulence, and mixing at river confluences and engineering constructions. The research is designed as a field-scale physical modeling experiment and measurement study of turbulence with one- and multi-probe techniques expanded with methods of particle tracking velocimetry. Field-scale physical modeling implies the construction of converging flows and groynes in a straight shallow reach of a lowland river with simplifications allowing to control the experimental conditions. Numerical simulations with some standard computational fluid dynamics codes will provide understanding on how to formulate the boundary conditions for these complex flows. The proposed research will gather together the expertise in field methods provided by the German team of IGB, Berlin and the advanced methods of laboratory investigation and numerical simulations developed by the Dutch team of TU Delft.
Der Gewässertyp des Jahres 2012 ist der sandiglehmige Tieflandfluss. Dieser Typ kommt in zwei Ausprägungen in Deutschland vor, die sich hinsichtlich ihrer Größe unterscheiden: Typ 15 (sand- und lehmgeprägter Tieflandfluss) und Typ 15g (großer sand- und lehmgeprägter Tieflandfluss). Unsere Gewässer liegen in unterschiedlichen Ökoregionen, Höhenlagen, haben unterschiedliche Größen und Lebensräume und lassen sich daher verschiedenen Typen zuordnen. Dementsprechend unterscheiden sich die Zusammensetzungen ihrer Lebensgemeinschaften. Veröffentlicht in Flyer und Faltblätter.
Die EU-Wasserrahmenrichtlinie fordert für jeden Gewässertyp die Definition von Referenzbedingungen als Grundlage für ein Klassifizierungssystem, das auf Abweichungen von diesem Status höchster Qualität beruht. Um die Referenzbedingungen der Unteren Spree zu rekonstruieren wurden Paläomäander mittels paläohydrologischer und paläolimnologischer Methoden untersucht. Die unbeeinflusste Untere Spree war im Vergleich zu heutigen Bedingungen enger und flacher. Die Fließgeschwindigkeiten und der Abfluss im bordvollen Zustand waren geringer und die Variabilität der Fließgeschwindigkeiten höher. Die über Diatomeenanalysen rekonstruierten Gesamtphosphorkonzentrationen waren etwas geringer als die aktuellen und indizieren eutrophe bis hypertrophe Bedingungen für den Referenzzustand. Eutrophe Bedingungen sowie die rekonstruierte Morphologie und große Mengen makrofossiler Reste submerser Makrophyten deuten auf optimale Bedingungen für die Entwicklung submerser Makrophyten.
Während Studien in Teichmesokosmen ein in der ökotoxikologischen Forschung allgemein akzeptiertes Instrument zur Erzielung einer höheren Realitätsnähe in den Aussagen darstellen, werden vor allem die Einsatzmöglichkeiten von Fließgewässermesokosmen für entsprechende Fragestellung kontrovers gesehen. Im Vordergrund stehen dabei Fragen der Handhabbarkeit von Fließgewässermesokosmen, insbesondere der Übertragbarkeit der Verhältnisse in den Fließrinnen auf die Natur und umgekehrt. B) Handlungsbedarf: Der neue Fließgewässermesokosmos des UBA befindet sich derzeit in der Einfahrphase. Neben der Ermittlung der Kenngrößen für ein wissenschaftlich-technisches Handbuch wird die Abbildbarkeit der Simulationsgegenstände 'Stehendes Gewässer' und 'Flusssee' mit Schwerpunkt auf Plankton geprüft. Aufgrund des bei der Ersteinrichtung solcher Systeme notwendigen zeitlichen Vorlaufes sollte der ebenfalls wichtige und schwierigere Simulationsgegenstand 'Tieflandfluss' mit Schwerpunkt Zoobenthos bearbeitet werden, um die Möglichkeiten der Anlage voll auszuschöpfen und zu einer fundierten eigenen, d.h. unabhängigen Beurteilung des Wertes von Mesokosmenstudien zu kommen und damit sprachfähig zu bleiben. Es ist zu prüfen, in welchem Umfang der Simulationsgegenstand 'Tieflandfluss im landwirtschaftlichen Bereich' in der Anlage des UBA abgebildet werden kann mit dem Ziel, die Leistungsfähigkeit der Anlage für diesen Simulationsgegenstand abschätzen und Erkenntnisse zum Verhalten und Verbleib von Stoffen und Mikroorganismen unter reproduzierbaren Bedingungen gewinnen zu können. Die unabhängige statistische Auswertung der Datensätze wird mit Hilfe von verschiedenen multivariaten Verfahren (PCA, PCR etc.) durch Einbindung externen Sachverstandes nach neuesten Erkenntnissen gewährleistet.
Integrated water resources management in an ecologically and economically adequate way is receiving more and more attention when it comes to the development of sustainable strategies in either developed or developing countries. Ecohydrological models like the SWAT model are widely applied tools for sustainable management of water resources at river basin scale. Nevertheless it is still not clearly understood, how river basin management drives changes in the hydrological balance and the water quality of catchments. This is especially apparent in lowland catchments characterized by low hydraulic gradients, flat topography, high potential for water retention, a large amount of tile drainages and a close interaction of surface- and groundwater. The objective of this project is thus to test the applicability of a biological tracer (i.e. diatoms) for the detection of surface runoff and drainage flow in the example case of the Kielstau catchment (50 km2) in northern Germany. Based on the diatom and water quality analyses of daily mixed, rain event based river and tile drainage samplings, we aim to1) quantify the contribution of surface runoff to total river discharge in lowlands,2) separate surface runoff from tile drainage flow based on different diatom concentration of each flow component and determine the entry pathways of phosphorus into the river, and 3) implement the detected runoff generation and phosphorous transport processes into the newly introduced tile-drainage routine of the ecohydrological SWAT model to improve the routine structure and the model performance.
Turbulent flows govern transport processes, morphodynamics and thus also ecosystem functioning in rivers. In spite of increased computational capacity, uncomfortable uncertainties still persist in the modeling of complex natural water bodies. The proposed research examines by linked laboratory, numerical and field-scale approaches the relationships between complex flow, morphology and ecology in meander bends, including their effect on aquatic invertebrate distribution and use of food resources. The field studies will be generalized by numerical simulations which will contribute to refine ecological modeling. The hydrodynamic and morphodynamic studies in bended sections of two lowland rivers will provide detailed datasets on the cross-sections (bed morphology and composition) and on flow patterns (mean, secondary and turbulent flows), and will facilitate the elaboration and validation of numerical codes. These hydromorphological data will be related to those on habitat and food availability, invertebrate distribution, drift and diversity, and resulting changes in food web structure. This will enable to develop an improved modeling approach for these biological variables. The proposed research is a follow-up project of a joint IGB-TU Delft research project on shallow mixing layers, and is part of a larger joint research program on meander bends by IGB, TU Delft and EPF Lausanne.
Informationsdienst Gewässerkunde | Flussgebietsmanagement 1/2021 Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz Gewässerunterhaltung an landeseigenen Gewässern in Niedersachsen Umsetzung im Kontext von Wasserrahmenrichtlinie und Naturschutz Die landeseigenen Gewässer in Niedersachsen Der NLWKN ist insgesamt für ein landeseigenes Gewässernetz von circa 800 km Gewässern erster und zweiter Ordnung sowie für rund 250 km Gewässer dritter Ordnung zuständig. Die Zielvorgabe der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), die Erreichung eines guten ökologischen Zustands oder Potenzials, konnte bisher für keines der Gewässer festgestellt werden. Einer naturschonenden und bedarfsan- gepassten Gewässerunterhaltung kommt eine bedeutende Rolle zu, um eine zu- künftige Zielerreichung gemäß WRRL zu unterstützen und zu ermöglichen. Von Julia Huckschlag, NLWKN Direktion Inhalt Die landeseigenen Gewässer in Niedersachsen2 Unterhaltung im Kontext der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie und unter Berücksichtigung naturschutzrechtlicher Aspekte4 Instrument Unterhaltungsrahmenplan8 Unterhaltungsbeispiele Große Hase Untere Oste10 12 Wissensvermittlung für Unterhaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter14 Berücksichtigung des Artenschutzes bei der Gewässerunterhaltung – Aktuelles zum NLWKN-Leitfaden 15 Die Betreuung der landeseigenen Ge- wässer erfolgt durch den Geschäftsbe- reich I „Betrieb und Unterhaltung“ an den NLWKN-Standorten in Aurich, Brake, Cloppenburg, Lüneburg, Meppen, Stade und Göttingen. Die praktischen Arbeiten zur Gewässerunterhaltung finden zum Großteil durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des NLWKN auf den eigenen Betriebshöfen der jeweiligen Standorte statt. Neben der Gewässerunterhaltung stellen Betrieb und Unterhaltung landes- eigener wasserwirtschaftlicher Anlagen wie Schleusen, Sperrwerke, Brücken, Schöpfwerke, Wehranlagen, Talsperren weitere Aufgaben dar. Die landeseigenen Gewässer erster und zweiter Ordnung setzen sich aus etwa 520 km Fließgewässern natürlichen Ur- sprungs und 280 km künstlichen Kanälen zusammen. Ein Großteil der Kanäle so- wie einige der Fließgewässer sind schiff- bar und für die Schifffahrt zugelassen. Die meisten der Gewässer dritter Ord- nung sind Seitengräben der Kanäle oder Beckenrandgräben der Talsperren und dienen dort dem Erhalt der Standsicher- heit von Deichen und Verwallungen. Auch Altarme der Gewässer erster Ordnung sind meist als Gewässer dritter Ordnung eingestuft. Hinsichtlich der Gewässertypologie domi- nieren „Sand- und lehmgeprägte Tief- landgewässer“. Hierzu gehören bei- spielsweise Hase, Vechte, Dinkel, Mittelaller, Hunte, Jeetzel, Sude und Teile der Oste. Aber auch etliche „Marschen- gewässer“ gehören zu den landeseige- nen Gewässern. Diese befinden sich vor allem in Ostfriesland sowie im Zuständig- keitsbereich der Betriebsstelle Stade. 2 Einige dieser Gewässer sind tidebeein- flusst (zum Beispiel die Oste unterhalb von Bremervörde, das Aper Tief und die Jümme sowie Teile des Nordgeorgsfehn- kanals). Einzelne Kanäle in den Moorre- gionen im Westen des Landes rund um die Betriebsstellen Aurich und Meppen sind derzeit als „Organisch geprägte Gewässer“ eingestuft. Im Zuständigkeits- bereich der Betriebsstelle Süd ist mit der Leine innerhalb des Rückhaltebeckens Salzderhelden und einem Teil der Rhume auch der Gewässertyp „Flüsse des Mit- telgebirges“ vertreten. Die Jeetzel, die bei Hitzacker in die Elbe mündet, ist teilweise als „Kiesgeprägter Tieflandfluss“ einge- stuft. Zukünftig werden einige der landes- eigenen Kanäle dem Sondertyp Schiff- fahrtskanal zuzuordnen sein. Die meisten der landeseigenen Gewässer sind nicht als natürliche Wasserkörper (Natural Water Body; NWB) ausgewie- sen. Aufgrund des starken Ausbaugrades und ihrer Funktion für den Hochwasser- schutz, die Landentwässerung und die Schifffahrt sind viele der Fließgewässer als erheblich veränderte Gewässer (Heavily Modified Water Body; HMWB) gemäß WRRL eingestuft. Nur die Oste oberhalb von Bremervörde sowie Leine und Rhume stellen landeseigene natürli- che Wasserkörper dar. Die Kanäle sind als künstliche Gewässer (Artificial Water Body; AWB) einzuordnen. Der ökologische Zustand und das ökolo- gische Potenzial werden derzeit überwie- gend mit mäßig bis unbefriedigend be- wertet. Die Zielvorgabe der WRRL, die Erreichung eines guten ökologischen Zustands oder Potenzials, hat bislang keines der Gewässer erreicht. Landeseigene Gewässer Einer naturschonenden und bedarfsan- gepassten Gewässerunterhaltung kommt in diesem Zusammenhang eine bedeu- tende Rolle zu, um eine zukünftige Zieler- reichung gemäß WRRL zu unterstützen und zu ermöglichen. Informationen zur Anpassung der Gewässerunterhaltung können unter anderem den „Leitfäden Gewässerunterhaltung in Niedersachsen“ 1, 2 sowie dem Merkblatt DWA-M 610 3 entnommen werden. 1 2 3 Insgesamt haben die landeseigenen Gewässer aufgrund ihrer diversen Typo- logie und den jeweiligen örtlichen Rah- menbedingungen sehr unterschiedliche Anforderungen im Bereich der Unterhal- tung. Neben der Optimierung der Unter- haltung unter ökologischen Gesichts- punkten, als wichtiger Baustein zur Zielerreichung gemäß WRRL, werden an die landeseigenen Gewässer zudem weitere Nutzungsansprüchen gestellt, die es zu berücksichtigen gilt. Hierzu zählen sowohl der Erhalt der Schiffbarkeit als auch Ansprüche hinsichtlich des Wasser- abflusses und des Wasserstandes für die Be- und Entwässerung landwirtschaftlich genutzter Flächen sowie zunehmend auch touristische Ansprüche, welche eine umfassende ökologische Ausrichtung der Unterhaltung erschweren können. Ent- lang eingedeichter Gewässerstrecken, Wasserverbandstag e.V. (2011): Gewässerunterhaltung in Niedersachsen, Teil A: Rechtlich-fachlicher Rahmen Wasserverbandstag e.V. (2020): Gewässerunterhaltung in Niedersachsen, Teil B: Grundlagen, Anforderungen, Entscheidungs- und Umsetzungs- prozesse Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (2010): Merkblatt DWA-M 610, Neue Wege der Gewässerunterhaltung – Pflege und Entwicklung von Fließgewässern 3
Gibt es im norddeutschen Tiefland überhaupt sandgeprägte Fließgewässer? Auf einem Treffen des Gesprächskreises Umweltverbände und Wasserwirtschaft des Deutschen Naturschutzringes (DNR) am 14. 12. 2004 in Hannover referierte der Limnologe Dr. Herbert Reusch aus Suhlendorf. Er stellte dar, dass die von der LAWA festgelegten Fließgewässertypen des deutschen Tieflandes Nr. 14 (sandgeprägte Tieflandbäche ) und Nr. 15 (sand- und lehmgeprägte Tieflandflüsse) nicht als eigenständige Fließgewässertypen bezeichnet werden dürften. Sie wären eigentlich nichts anderes als nur degradierte kiesgeprägte Bäche (Typ 16) oder Flüsse (Typ 17) des Tieflandes. Der Sand wäre aus den flächendeckend vorhandenen Grund- und Endmoränen der Nacheiszeit in den Gerinnen längst ausgewaschen. Dafür hätten sich in den Flüssen und Bächen kiesige Substrate gebildet, die den natürlichen Lebensraum vieler Arten des Makrozoobenthos bilden. An Hand der ähnlichen Artenzusammensetzung z.B. der ca. 60 Eintags-, Stein- und Köcherfliegen, die sowohl in den kiesgeprägten als auch in den ausgewiesenen sandgeprägten Fließgewässern gefunden wurden, machte er deutlich, dass diese Qualitätskomponente der WRRL keine Unterschiede bei den beiden Gewässertypen zuließe. Lebensraum für alle diese Arten sind überwiegend kiesige Habitate, Erlenwurzeln und Totholz aber kaum Wasserpflanzen und nie mobiler Sand, der heute in vielen Bächen und Flüssen in Norddeutschland anzutreffen ist. Mit einem Leitbild eines sandgeprägten Baches würde man deshalb ein Ziel verfolgen, dass so Jahrtausende nicht existierte und erst durch die Veränderung unserer Landschaft durch Land- und Forstwirtschaft und Siedlungen in den letzten hundert Jahren entstanden ist. Mobiler Sand eingetragen aus Abbruchkanten von nicht durch Erlen stabilisierter Ufer, von Viehtritt und von nicht ordnungsgemäß funktionierenden Drainagen zerstörten Lebensräume und würde das Aufkommen der Wirbellosen und der Fische stark beeinträchtigen. Warum in den sandgeprägten Bächen das gleiche Arteninventar gefunden wird wie in kiesgeprägten, obwohl diese doch geschädigt seien, beantwortete er dahingehend, dass es auch in den sandüberformten Gerinnen immer übriggebliebene Bereiche gäbe, die natürlich- also kiesig – wären und Totholz käme auch immer vor. Teilnehmer der Veranstaltung meinten, dass wenn also die sandgeprägten Bäche und Flüsse nur eine falsche Bezeichnung darstellten, das Ziel aber das gleiche Arteninventar wäre, könnte man zwar nicht wissenschaftlich aber praktisch damit leben. Dieser Aussage stimmte er nicht zu, da damit dem weiteren Eintrag von mobilen Sand nicht entgegengetreten wird und auch der notwendige Aufbau von Gewässerrandstreifen verhindert würde, die die Fließgewässer nicht nur vor Sandeintrag sondern auch vor Nährstoffeintrag und starker Sonnenbestrahlung schützten und auch zusätzlichen Lebensraum schufen und außerdem die Gewässerunterhaltungskosten reduzierten. Teilnehmer der Veranstaltung äußerten ihre Verwunderung, dass die Überlegungen von Herrn Reusch nicht in die LAWA-Arbeitsgruppe „Biozönotisch bedeutsame Fließgewässertypen der BRD – Qualitätskomponente Makrozoobenthos“ eingeflossen sind. Kontakt: Gerd Wach WASSERNETZ Niedersachsen/Bremen c/o BUND, Goebenstr. 3a 30161 Hannover, Tel. 0511-96569-20 www.wassernetz.org
| Organisation | Count |
|---|---|
| Bund | 7 |
| Land | 2 |
| Wissenschaft | 3 |
| Type | Count |
|---|---|
| Förderprogramm | 5 |
| Text | 4 |
| License | Count |
|---|---|
| Geschlossen | 4 |
| Offen | 5 |
| Language | Count |
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| Deutsch | 6 |
| Englisch | 4 |
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