[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] LUA-BILANZ
INFEKTIONSPRÄVENTION
Zahlen, Daten und Fakten für das Jahr 2025
© James Gathany, CDC / Wikimedia
Bilanz „Infektionsprävention“ der
Abteilung Humanmedizin des LUA
Die Bürgerinnen und Bürger vor den gesundheitli-
chen Folgen negativer Umwelteinflüsse zu schüt-
zen ist der zentrale Auftrag des Landesuntersu-
chungsamtes (LUA). In enger Zusammenarbeit
mit den kommunalen Überwachungsbehörden
untersuchen die 500 Mitarbeiterinnen und Mitar-
beitern des LUA neben Lebensmitteln, Bedarfsge-
genständen und Kosmetika auch Bioproben von
Mensch und Tier. Verschiedenste Fachdisziplinen
bewerten gemeinsam diese Analysen und beraten
neben den beauftragenden Behörden auch die in-
teressierte Öffentlichkeit und politische Entschei-
dungsträger in allen Fragen des umweltbezogenen
Verbraucherschutzes.
Für die Abteilung für Humanmedizin steht die Be-
ratung der Gesundheitsämter bei der Umset-
zung von Infektionsschutzmaßnahmen im Mit-
telpunkt des Aufgabenspektrums. Die jährlich
rund 120.000 Laboruntersuchungen der Abtei-
lung umfassen neben mikrobiologischen Analy-
sen zum Nachweis von Infektionserregern in hu-
manem Probenmaterial auch trinkwasser- und
krankenhaushygienische Untersuchungen. Die-
se Labortätigkeit wird ergänzt durch epidemio-
logische Analysen von Labor- und Meldedaten.
Durch fortlaufende Beschreibung und Bewertung
des Vorkommens von Krankheitserregern entste-
hen so die Daten für Rückschlüsse auf die Entste-
hung und Übertragung von Infektionskrankheiten
und damit die Grundlage für die Implementierung
wirksamer Schutzmaßnahmen.
Mit Hilfe von Daten aus der gesetzlichen Melde-
pflicht von Infektionskrankheiten und -erregern
überwacht das LUA auch solche Infektionen, die
durch blutsaugende Insekten (sog. „Vektoren“)
auf den Menschen übertragen werden. In den ver-
gangenen Jahren geschieht dies mit erhöhter Auf-
merksamkeit, da mit einer Ausbreitung vekto-
rassoziierter Infektionskrankheiten als Folge des
Klimawandels zu rechnen ist. Ein solcher Zusam-
menhang liegt nahe, da in vielen Fällen sowohl
die Entwicklung infektiöser Stadien des Erregers
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im Vektor als auch das Vorkommen der Vektoren
selbst temperaturabhängig sind.
Vektorübertragene Infektionen:
Gesundheitsrisiko durch Klimawandel
Bestimmte Stechmücken, Stechfliegen oder Ze-
cken können beim Stich Krankheitserreger wie
Viren, Bakterien oder Parasiten übertragen.
Durch den Klimawandel, veränderte Umweltbe-
dingungen und die zunehmende globale Mobi-
lität verändern sich auch die Lebensräume die-
ser sog. „Vektoren“. Einige ursprünglich tropische
oder subtropische Arten breiten sich inzwischen
auch in Europa aus. Dadurch können Erkrankun-
gen auftreten, die früher in Deutschland keine
Rolle spielten.
In Rheinland-Pfalz sind bestimmte vektorüber-
tragene Erkrankungen bereits etabliert, etwa die
durch Zecken übertragene Lyme-Borreliose oder
die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). An-
dere Infektionen wie Dengue- oder Chikungunya-
Fieber kommen bislang nur als Reiseerkrankungen
vor, könnten jedoch künftig auch lokal übertragen
werden - wenn geeignete Vektoren vorhanden
sind und die klimatischen Bedingungen eine Über-
tragung ermöglichen.
Der folgende Überblick stellt wichtige Vektoren
und vektorübertragene Erkrankungen vor, die in
Rheinland-Pfalz bereits vorkommen oder vor dem
Hintergrund veränderter klimatischer Bedingun-
gen perspektivisch relevant werden könnten.
Culex-Mücken: Heimische Überträger
des West-Nil- und des Usutu-Virus
Die Culex-Mücken zählen zu den häufigsten Mü-
ckenarten in Deutschland. Besonders Vertreter
der Culex pipiens-Gruppe sind nahezu überall ver-
breitet – auch in Rheinland-Pfalz. Die Tiere sind
schlank gebaut, haben lange Beine sowie schmale,
durchsichtige Flügel und haben meist eine bräunli-
che Färbung. Mit einer Körpergröße von etwa drei
bis sieben Millimetern wirken sie eher unscheinbar,
sind im Sommer aber allgegenwärtig. Männliche
Culex-Mücken sind harmlose Nektarsauger, Weib-
chen hingegen benötigen eine Blutmahlzeit, um
Eier abzulegen. Aktiv sind diese Mücken vor allem
in den warmen Sommermonaten, insbesondere in
den Abend- und Nachtstunden. Bevorzugt leben
Culex-Mücken in der Nähe von stehenden Gewäs-
sern wie Teichen, Pfützen oder Regentonnen. Dort
legen die Weibchen ihre Eier ab.
Bedeutung haben Culex-Mücken vor allem als
mögliche Überträger von Krankheitserregern, zum
Beispiel des West-Nil-Virus oder des Usutu-Virus.
Beide Viren zirkulieren hauptsächlich zwischen
Vögeln und Mücken. Erst wenn eine infizierte Mü-
cke außerhalb dieses Zyklus einen Menschen oder
ein Pferd sticht, wird das Virus auch an sie weiter-
gegeben. Menschen und Pferde gelten jedoch als
sogenannte „Fehlwirte“, da von ihnen aufgrund
der niedrigen Viruskonzentration im Blut das Virus
nicht weiterverbreitet werden kann. Um sich vor
möglichen Infektionen zu schützen helfen das Tra-
gen langer, heller Kleidung, die Verwendung von
Mückenschutzmitteln und Fliegengitter an den
Fenstern. Außerdem sollte stehendes Wasser im
Garten vermieden werden; Regentonnen sollten
abgedeckt und Wasserbehälter geleert werden.
Das West-Nil-Fieber beim Menschen wird haupt-
sächlich durch die Subtypen 1 und 2 des West-Nil-
Virus verursacht. Das Virus gehört zur Familie der
Flaviviren und stammt ursprünglich aus Afrika. In-
zwischen ist das West-Nil-Fieber in vielen Regio-
nen der Welt verbreitet, auch in Teilen Europas, z.
B. in Griechenland und Italien, wo es regional zu
größeren Fallzahlen kommen kann.
In Deutschland wurde das West-Nil-Virus (Sub-
typ 2) erstmals im Jahr 2018 bei Vögeln und Pfer-
den nachgewiesen. Seit 2019 sind zudem erste
autochthone, also durch heimische Mücken über-
tragene Erkrankungsfälle beim Menschen in Ost-
deutschland bekannt geworden. Begünstigt durch
warme Sommer und eine verlängerte Mückensai-
son breitet sich das Virus zunehmend aus. Auch
in Rheinland-Pfalz wurde das Virus im Jahr 2023
erstmals nachgewiesen – bei einer Schnee-Eule in
einem Vogelpark. Im Sommer 2026 wurde dann
bei der Untersuchung von Blutspenden erstmals
auch eine in Rheinland-Pfalz erworbene Infekti-
on mit dem West-Nil-Virus bei einem Menschen
festgestellt.
Ungebetener Gast: Eine Culex-Mücke bei einer Blut-
mahlzeit. © Urmas Tartes I Wikimedia
Die meisten Infektionen verlaufen ohne Be-
schwerden. Etwa 20 Prozent der infizierten Per-
sonen entwickeln grippeähnliche Symptome
wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdig-
keit oder Hautausschlag. Die Beschwerden dau-
ern meist drei bis sechs Tage. Die Inkubationszeit
beträgt in der Regel zwei bis vierzehn Tage. Nur
selten, etwa bei einem Prozent der Infektionen,
kommt es zu schweren Krankheitsverläufen mit
Hirnhaut- oder Gehirnentzündungen. Besonders
gefährdet sind ältere Menschen sowie Personen
mit geschwächtem Immunsystem. Einen speziel-
len Impfstoff für Menschen gibt es derzeit nicht.
Das Usutu-Virus gehört, wie das West-Nil-Virus,
zur Familie der Flaviviren. Das Virus wurde erst-
mals 1959 in Südafrika isoliert und hat sich seit
den 1990er-Jahren zunehmend in Europa ausge-
breitet. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich
durch Culex-Mücken. In Deutschland wird das Vi-
rus vor allem bei Wildvögeln, insbesondere Am-
seln, nachgewiesen. Bisher wurden humane In-
fektionen in Deutschland nur bei Blutspendern
entdeckt, die im Rahmen routinemäßiger Unter-
suchungen getestet wurden und keine Sympto-
me hatten.
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Usutu-Virus-Infektionen verlaufen meistens
asymptomatisch. In symptomatischen Fällen
können grippeähnliche Beschwerden wie Fieber,
Kopfschmerzen, Hautausschlag und allgemeines
Krankheitsgefühl auftreten. In sehr seltenen Fäl-
len (<1%), insbesondere bei immungeschwächten
Personen, kann es zu neurologischen Komplikati-
onen wie Hirnhautentzündung (Meningitis) oder
Gehirnentzündung (Enzephalitis) kommen. Ein
Impfstoff steht nicht zur Verfügung.
Aedes-Mücken: Invasive Tigermücken als
mögliche Überträger tropischer Viren
Die Asiatische Tigermücke, auch Aedes albopic-
tus genannt, stammt ursprünglich aus Südost-
asien. Aedes albopictus wurde erstmals 2007 in
Deutschland nachgewiesen und hat sich seitdem
stark ausgebreitet. Es handelt sich dabei um eher
kleine Mücken, die leicht an ihrer Färbung zu er-
kennen sind: Sie sind tiefschwarz gefärbt mit sil-
berweißen Schuppen an mehreren Körperteilen.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Mücken-
arten sind Aedes albopictus auch tagsüber aktiv,
was die Exposition gegenüber Stichen erhöhen
kann. Daneben können sie mehrere ursprünglich
tropische Viruskrankheiten wie Denguefieber, Chi-
kungunya und Zika übertragen.
kehrenden aus Asien, Süd- und Mittelamerika
nachgewiesen. Dem LUA wurden auf Grundlage
des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) in den vergan-
genen zehn Jahren insgesamt 270 Fälle von Den-
gue-Erkrankungen von den Gesundheitsämtern in
Rheinland-Pfalz übermittelt; alle Betroffenen hat-
ten sich im Ausland infiziert. Übertragungen des
Dengue-Virus innerhalb Deutschlands gab es bis-
her noch nicht. Anders sieht es etwa in Frankreich
und Italien aus: Dort wurden im Jahr 2025 nach
Angaben des European Centre for Disease Preven-
tion and Control (ECDC) insgesamt über 30 Per-
sonen durch einen Stich einer Aedes-Mücke mit
dem Dengue-Virus infiziert.
Typische Symptome einer solchen Infektion sind
hohes Fieber, sehr starke Muskel- und Gelenk-
schmerzen, Kopfschmerzen und ein fleckiger
Hautausschlag. Selten können schwere Verläufe
mit Blutungen auftreten, die eine stationäre Be-
handlung notwendig machen.
Für Reisende in bestimmte Risikogebiete stehen in-
zwischen Impfstoffe zur Verfügung. Ob eine Imp-
fung sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Rei-
seziel, der Reisedauer und möglichen früheren
Dengue-Infektionen ab. Eine reisemedizinische Be-
ratung durch Hausärztinnen, Hausärzte oder tro-
penmedizinische Beratungsstellen wird empfohlen.
Die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung mü-
ckenübertragener Infektionen ist der Schutz vor
Stichen. Dazu gehören lange Kleidung, Insekten-
schutzmittel und die Vermeidung von Brutstätten.
Da sich Aedes albopictus in Deutschland bislang
noch nicht flächendeckend etabliert hat, kann die
Bevölkerung durch das Entfernen kleiner Wasser-
ansammlungen aktiv zur Eindämmung beitragen.
In Deutschland hat sich die Asiatische Tigermücke
zuerst in der Oberrheinregion etabliert. Mittler-
weile kommt sie aber auch innerhalb von Rhein-
land-Pfalz vor, beispielsweise im Landkreis Ger-
mersheim, im Rhein-Pfalz-Kreis, in Ludwigshafen,
in Speyer und in der Stadt Mainz.
Denguefieber ist weltweit eine der häufigsten
durch Mücken übertragenen Virusinfektionen und
wird in Deutschland gelegentlich bei Reiserück-
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Gefahr im Anflug: Die Asiatische Tigermücke breitet
sich im Zuge des Klimawandels auch in Deutschland im-
mer weiter aus. © James Gathany, CDC / Wikimedia
© mrsbella / Pixabay
Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke
verhindern: So kann jeder mithelfen
Von der Eiablage bis zur erwachsenen Mücke
vergehen bei warmen Temperaturen über 25
Grad oft nur sieben bis zehn Tage. Im Gegen-
satz zu vielen heimischen Stechmückenarten
benötigt die Asiatische Tigermücke (Aedes al-
bopictus) keine größeren dauerhaft feuchten
Gewässer. Bereits kleinste Wasseransamm-
lungen reichen für die Entwicklung aus, etwa
Regentonnen, Gießkannen, Blumenunterset-
zer, Dachrinnen, Gullys, alte Autoreifen oder
im Freien liegendes Kinderspielzeug. Die Eier
der Tigermücke sind zudem relativ wider-
standsfähig gegen Austrocknung. Nach erneu-
tem Kontakt mit Wasser kann die Entwicklung
fortgesetzt werden.
Für die Eindämmung der Asiatischen Tigermü-
cke ist daher auch die Mithilfe der Bevölke-
rung wichtig. Grundstücke und Gärten sollten
regelmäßig auf kleine Wasseransammlungen
überprüft und diese möglichst entfernt oder
abgedeckt werden. Der wirksamste Schutz vor
vektorübertragenen Erkrankungen bleibt die
Vermeidung von Mückenstichen und die Kon-
trolle der Vektoren selbst. Da sich die Asiati-
sche Tigermücke in Deutschland bislang noch
nicht flächendeckend etabliert hat, können
solche Maßnahmen ihre weitere Ausbreitung
verlangsamen.
Weiterführende Informationen zum Umgang
mit Brutstätten gibt es bei der Kommuna-
len Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der
Schnakenplage e.V.
Chikungunya ist deutlich seltener als Dengue, hat
aber ein ähnliches Verbreitungsgebiet in Südame-
rika und Südostasien. Von den in den vergangenen
zehn Jahren 30 übermittelten Chikungunya-Fäl-
len in Rheinland-Pfalz haben sich alle Personen im
Ausland infiziert. Während es bisher keine Über-
tragungen innerhalb Deutschlands gab, kam es in
Frankreich im Jahr 2025 zu einer sehr großen An-
zahl autochthoner Übertragungen (= Übertragun-
gen innerhalb Frankreichs) mit insgesamt 633 Fäl-
len. Zuvor waren autochthone Übertragungen von
Chikungunya sehr selten. Im Jahr 2025 kam es
auch zu Übertragungen in der Großregion Grand
Est, die an Rheinland-Pfalz grenzt.
Die Symptomatik einer Infektion mit dem Chikun-
gunya-Virus ist in der Akutphase vergleichbar mit
dem Dengue-Virus und äußert sich vor allem durch
Fieber, Kopfschmerzen und starke Muskel- und Ge-
lenkschmerzen. Die Verläufe sind in der Regel mil-
der, und es kommt seltener zu Komplikationen.
Allerdings können sich sehr starke Muskel- und Ge-
lenkschmerzen anschließen, die sich über mehrere
Monate hinziehen können. Chikungunya heißt da-
her übersetzt „der gekrümmt Gehende“.
Für Reisende in bestimmte Risikogebiete ste-
hen inzwischen Impfstoffe zur Verfügung. Ob eine
Impfung sinnvoll ist, hängt unter anderem vom
Reiseziel, der Reisedauer und möglichen Vorer-
krankungen ab. Eine reisemedizinische Beratung
durch Hausärztinnen, Hausärzte oder tropenme-
dizinische Beratungsstellen wird empfohlen.
Zika-Viren sind vor allem in Südostasien und in
Südamerika verbreitet. Im Jahr 2015 kam es in
Süd- und Mittelamerika zu einem großen Aus-
bruch des Zika-Virus. In Deutschland und Europa
wurden bisher keine autochthonen Übertragungen
nachgewiesen. In Rheinland-Pfalz gab es in den
vergangenen zehn Jahren insgesamt neun gemel-
dete Fälle von Erkrankungen mit dem Zika-Virus,
alle Betroffene hatten sich im Ausland infiziert.
Typisch für Zika ist ein meist milder Krankheits-
verlauf mit Fieber, Gelenkschmerzen und ei-
nem oft juckenden Hautausschlag. Während die
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Erkrankung selbst meist mild verläuft und von
selbst wieder abklingt, kann es durch eine Infek-
tion der Mutter in der Schwangerschaft zu Fehl-
bildungen beim ungeborenen Kind kommen.
Entscheidend ist der Schutz vor Mückenstichen,
denn es steht bislang kein Impfstoff gegen das
Zika-Virus zur Verfügung. Aufgrund einer Virus-
persistenz in Samen- und Vaginalflüssigkeit nach
Infektion kann das Zika-Virus auch sexuell über-
tragen werden.
Der Gemeine Holzbock:
Die wichtigste heimische Zecke
Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) ist die
in Deutschland häufigste Zeckenart und in ganz
Rheinland-Pfalz verbreitet. Zecken leben vor allem
in Wäldern, hohem Gras, Gebüschen und zuneh-
mend auch in Gärten oder Stadtparks. Besonders
aktiv sind sie in den warmen Monaten zwischen
Frühjahr und Herbst. Durch milde Winter verlän-
gern sich ihre Aktivitätszeiten zunehmend.
Im Gegensatz zu Stechmücken springen oder flie-
gen Zecken nicht. Heimische Zeckenarten sit-
zen meist auf Gräsern oder niedrigen Pflanzen
und werden beim Vorbeigehen abgestreift. Die
wichtigsten durch den Gemeinen Holzbock über-
tragenen Erkrankungen in Deutschland sind die
Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Menin-
goenzephalitis (FSME).
Die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung von
durch Zecken übertragenen Erkrankungen ist die
Vermeidung von Zeckenstichen. Beim Aufenthalt
in Wäldern, hohem Gras oder Gebüschen sollten
möglichst lange Kleidung und festes Schuhwerk
getragen werden. Zusätzlich können Insekten-
schutzmittel verwendet werden. Zecken kommen
auch in Stadtparks vor, so dass es innerhalb städ-
tischer Grünflächen empfehlenswert ist, Gebüsch
oder hohe Gräser grundsätzlich zu meiden. Nach
Aufenthalten im Freien sollte der Körper sorgfäl-
tig abgesucht und Zecken möglichst frühzeitig
entfernt werden. Dafür eignen sich besonders Ze-
ckenkarten oder ähnliche spezifische Werkzeuge.
Aber auch Pinzetten oder notfalls Fingernägel sind
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hilfreiche Werkzeuge. Im Vordergrund steht die
schnellstmögliche Entfernung der Zecke.
Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Ze-
cken übertragene Erkrankung in Deutschland und
kommt auch in Rheinland-Pfalz regelmäßig vor.
Die Zahl der gemeldeten Erkrankungen schwankt
von Jahr zu Jahr deutlich. Im Jahr 2025 wurden
dem LUA rund 1.150 Fälle übermittelt. Damit la-
gen die Fallzahlen höher als in den unmittelbar
vorangegangenen Jahren, jedoch weiterhin unter
dem Niveau der Jahre 2011 bis 2020.
Typisch ist eine ringförmige Hautrötung um die
Einstichstelle, die sogenannte Wanderröte. Zu-
sätzlich können Fieber, Kopf- und Gliederschmer-
zen auftreten. Unbehandelt können später Ge-
lenke, das Nervensystem oder das Herz betroffen
sein. Da in Deutschland sehr viele Personen schon
Kontakt mit den Bakterien hatten, lassen sich
Spätfolgen oft nicht sicher einer vorangegange-
nen Infektion zuordnen.
Eine Impfung gegen Borreliose steht derzeit
nicht zur Verfügung. Ist eine Zecke mit Borre-
lien infiziert, erfolgt die Übertragung auf den
Menschen nicht direkt nach dem Stich, sondern
erst nach mehreren Stunden. Daher ist es essen-
ziell, sich direkt nach Aufenthalten im Grünen
nach Zecken abzusuchen und diese zu entfer-
nen, um das Risiko einer Infektion zu minimie-
ren. Nach einem Zeckenstich sollte die Haut in
den folgenden Tagen und Wochen auf Verände-
rungen beobachtet werden. Tritt eine ringförmi-
ge Hautrötung um die Einstichstelle auf, kann
nach entsprechender Abklärung durch den Haus-
arzt gegebenenfalls mit Antibiotika behandelt
werden.
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
tritt vor allem im Süden und Osten Deutschlands
auf. In Rheinland-Pfalz wurde bislang nur der
Landkreis Birkenfeld als FSME-Risikogebiet ausge-
wiesen. Allerdings sind die Zahlen in Rheinland-
Pfalz konstant niedrig mit etwa vier gemeldeten
Fällen pro Jahr. Weiterhin ist im Landkreis Bir-
kenfeld FSME seit 2020 nicht mehr aufgetreten.
Eine Infektion mit dem FSME-Virus bei Aufenthal-
Kann Krankheitserreger im Gepäck haben: Der Gemeine Holzbock. © Erik Karits / Pexels
ten im Grünen in Rheinland-Pfalz ist also insge-
samt unwahrscheinlich - anders als im benachbar-
ten Baden-Württemberg, wo 2025 267 Fälle von
FSME gemeldet wurden.
Symptomatische Fälle einer FSME klagen zumeist
über grippeähnliche Beschwerden mit Fieber,
Kopf- und Gliederschmerzen. Nur bei einem ge-
ringen Teil der Erkrankten kommt es anschließend
zu einer Entzündung der Hirnhäute, des Gehirns
oder des Rückenmarks. Schwere Verläufe können
bleibende neurologische Schäden hinterlassen.
Für Menschen in FSME-Risikogebieten oder mit
häufiger Exposition gegenüber Zecken wird eine
Schutzimpfung empfohlen. Das gilt auch für Ur-
laubsreisende, die in FSME-Risikogebiete reisen. In
diesen Fällen können Hausärztinnen und Hausärz-
te entsprechend beraten.
Hyalomma-Zecken: Mögliche
Überträger tropischer Erkrankungen
Hyalomma-Zecken stammen ursprünglich aus
wärmeren Regionen Afrikas, Asiens und Südeuro-
pas. Sie werden gelegentlich durch Zugvögel, die
im Frühjahr aus dem Süden zurückkehren, nach
Deutschland eingeschleppt. Im Gegensatz zum
heimischen Gemeinen Holzbock sind sie deutlich
größer und bewegen sich aktiv auf ihre Wirte zu.
In den vergangenen Jahren wurden auch in Rhein-
land-Pfalz wiederholt einzelne Hyalomma-Zecken
nachgewiesen. Dauerhaft ist diese Zeckenart je-
doch bislang nicht in Deutschland etabliert. Auf-
grund des Klimawandels mit steigenden Tempera-
turen und längeren Trockenperioden könnte sich
dies künftig verändern.
Hyalomma-Zecken können verschiedene Krank-
heitserreger übertragen, zum Beispiel das Krim-
Kongo-Fieber. Bislang kommt diese Viruserkran-
kung insbesondere vor allem in Teilen Afrikas,
Asiens, des Nahen Ostens und Südosteuropas vor.
In Deutschland wurden bislang keine autochthonen
Erkrankungen nachgewiesen. Da Hyalomma-Ze-
cken jedoch regelmäßig eingeschleppt werden und
dabei bereits mit dem Virus infiziert sein könnten,
wird die Situation aufmerksam beobachtet.
Ein Krim-Kongo-Fieber beginnt meist plötzlich
mit hohem Fieber, starken Kopf- und Muskel-
schmerzen sowie ausgeprägtem Krankheitsgefühl.
Nicht selten kommt es zu Blutungen und Organ-
versagen und in 5 bis 30 Prozent verläuft die Er-
krankung tödlich. Entscheidend für die Prävention
ist daher der Schutz vor Zeckenstichen sowie ein
weiteres Monitoring des Vektors.
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Herausgeber:
Landesuntersuchungsamt
Mainzer Straße 112
56068 Koblenz
poststelle@lua.rlp.de
https://lua.rlp.de
null Feldsperling im Sinkflug, Buntspecht im leichten Aufwind Baden-Württemberg/Karlsruhe. „Das Artensterben betrifft seit vielen Jahren nicht mehr nur spezialisierte Arten. Es sind zunehmend auch sogenannte Allerweltsarten betroffen, die in der Vergangenheit sehr häufig waren“, kommentiert Werner Altkofer, stellvertretender Präsident der LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg die aktuellen Auswertungen der LUBW zur langjährigen Bestandsentwicklung der häufigen Brutvogelarten im Land. Verlierer, aber auch Gewinner So zeigen die neuen Trendberechnungen für Baden-Württemberg bis einschließlich des Jahres 2020 eine starke Abnahme des Feldsperlings. Die Population des Buntspechtes nimmt hingegen moderat zu. Eine ähnliche Entwicklung spiegelt sich auch bundesweit wider: Von 93 Vogelarten, die in Deutschland im Rahmen des MhB im Zeitraum von 1990 bis 2018 erfasst wurden, nahmen die Feldvögel stark und die Vögel der Siedlungen deutlich ab. Hingegen erholten sich die Bestände der Waldvögel nach dem Jahr 2010 wieder. Insbesondere die insektenfressenden Vogelarten des Ackerlandes nehmen seit dem Jahr 2000 stark ab. Langstreckenzieher zeigten negativere Trends als Standvögel und Kurzstreckenzieher. „Wir dürfen uns an diese Rückgänge nicht gewöhnen. Sie belegen deutlich, wie schlecht es immer noch um den Artenschutz und damit um unsere Lebensgrundlage bestellt ist“, sagt Altkofer. Gleichzeitig sprach er seinen Dank allen ehrenamtlichen Mitarbeitenden aus, die das umfassende Monitoring für Baden-Württemberg in ihrer Freizeit durchführen und damit erst ermöglichen. Amseln kommt trotz Usutu-Virus noch überall vor Die Amsel war im Jahr 2020 die einzige Art, die auf allen Probeflächen als Brutvogel in Baden-Württemberg registriert wurde, gefolgt von der Kohlmeise, die auf 99 % aller Flächen vorkam. So hat sich offenbar das dem Usutu-Virus zuzuschreibende „Amsel-Sterben“ in den vergangenen Jahren nicht nachhaltig auf die Verbreitung der Art ausgewirkt. Auch der landesweite Bestandstrend der Amsel ist in den Jahren 1999 bis 2020 stabil. Grundsätzlich können Faktoren wie ungünstige Witterungsbedingen, schlechte Nahrungsverfügbarkeit oder auch Krankheitserreger jährliche Bestandsschwankungen bewirken. Zur Interpretation sind daher die über viele Jahre im Vogelmonitoring nach standardisierter Methodik erhobenen Daten so wichtig. Hintergrundinformation Das „Monitoring häufiger Brutvögel“ (MhB) wurde ursprünglich vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) e. V. in Zusammenarbeit mit den ornithologischen Fachverbänden und Fachbehörden der Länder ins Leben gerufen. Seit dem Jahr 2001 verantwortet die LUBW die Erfassungen in Baden-Württemberg und arbeitet eng mit dem NABU-Vogelschutzzentrum Mössingen zusammen, welches die Koordination und die Betreuung der ehrenamtlich Kartierenden im Auftrag des Landes übernimmt. Anhand der Daten können Auswirkungen verschiedener Landnutzungen auf die Vogelwelt eingeschätzt werden, sie liefern die Basis für Indikatoren zur Artenvielfalt, zur Nachhaltigkeit und zum Klimawandel in den Strategien der Bundesregierung. Ohne das MhB wüssten wir über die Bestands- veränderungen unserer „Allerweltsarten“ nicht Bescheid. Weiterführende Informationen: LUBW: Brutvogelmonitoring https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/brutvogelmonitoring NABU-Vogelschutzzentrum, Monitoring häufiger Brutvögel: https://www.nabu-vogelschutzzentrum.de/projekte-partner/brutvogelmonitoring/ Dachverband Deutscher Avifaunisten e. V., Monitoring häufiger Brutvögel: https://www.dda-web.de/index.php?cat=monitoring&subcat=mhb&subsubcat=aktuell Bundesweite Auswertung der MhB-Daten: „Population trends of common breeding birds in Germany 1990–2018, Kamp et al. (2020)“: https://link.springer.com/article/10.1007/s10336-020-01830-4 Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW. Telefon: +49(0)721/5600-1387 E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de