API src

Found 11 results.

Related terms

Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht

Viele technische Einrichtungen und bauliche Strukturen in der Stadt können Probleme für die Tierwelt bereiten. Glas und Licht sind zwei typisch städtische Faktoren, die sich erheblich auf die Biodiversität auswirken. Um ihren Einsatz kommen wir nicht herum. Gleichzeitig müssen wir aber alle Möglichkeiten nutzen, um schädliche Auswirkungen zu minimieren. Glas als Problem für Vögel Licht als Problem für Tiere Wieviele Vögel fliegen gegen Glas? Glas ist der menschlich bedingte Faktor, durch den am meisten Vögel umkommen. Die Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten hat hochgerechnet, dass jährlich in Deutschland vermutlich über 100 Millionen Vögel an Glas sterben. Das wären über 5 % aller im Jahresverlauf vorkommenden Vogelindividuen (LAG VSW 2017). Damit dürfte Glas inzwischen dafür mitverantwortlich sein, dass die Zahl der Vögel in Deutschland, Europa und weltweit zurückgeht und unser Planet Jahr für Jahr mehr an Biodiversität verliert. Betroffen sind auch zahlreiche Zugvögel. Warum fliegen Vögel gegen Glas? Die Ursachen, die zu Anflügen führen, sind schon lange bekannt: Transparenz oder Reflexion. Entweder sehen Vögel durch die Glasscheibe hindurch Bäume, Sträucher, den Himmel oder ein sonstiges Ziel und wollen dorthin fliegen. Oder sie sehen die Spiegelung ihres Ziels in der Scheibe. Reflexionen sind besonders in der Stadt ein relevanter Faktor. In beiden Fällen prallen fliegende Vögel mit erheblicher Geschwindigkeit gegen das Glas. Die Folge sind meist starke Kopf- oder innere Verletzungen. Beleuchtung kann als verstärkender Faktor hinzukommen: Zugvögel können nachts vom Licht angelockt oder irritiert werden und kollidieren dann an den Glasscheiben der Umgebung. Welche Vögel fliegen gegen Glas? Tatsächlich kann kein Vogel Glas erkennen, betroffen sein kann daher theoretisch jede Art. Es ist vielmehr eine Frage, ob sich Glas in ihrem Lebensraum befindet. Und hierbei muss das gesamte Jahr betrachtet werden. Manche Wasservögel und Vogelarten der offenen Landschaft treffen so gut wie nie auf gläserne Strukturen. Aber die meisten anderen Vogelarten kommen auch in Siedlungsräume, sowohl als Brutvögel als auch als Durchzügler oder im Winter. Das in Berlin dokumentierte Artenspektrum reicht von Haussperling über Nebelkrähe, Gelbspötter, Eisvogel, Sing- und Rotdrossel, Sommer- und Wintergoldhähnchen, Teichrohrsänger bis Habicht und Waldohreule. Direkt an innerstädtischen Gewässern wurden auch Stockente und Höckerschwan als Anprallopfer gefunden. Gerade Zugvögel sind vielfach betroffen. So ist die Waldschnepfe ein regelmäßiges Glasopfer im März und Oktober/November, obwohl diese Art nicht hier brütet. Selbst sehr seltene Arten wie Ringdrossel und Zwergschnäpper, die nur ausnahmsweise beobachtet werden, sind in der Innenstadt als Glasopfer gefunden worden. Welche Glasscheiben sind gefährlich? Jede Glasscheibe hat ein Gefährdungspotenzial, aber die konkrete Gefahrensituation hängt von ihrer Größe, der Menge Glas an der Fassade, Durchsicht, Reflexion und dem Standort ab. Die Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten hat ein Bewertungsschema entwickelt, mit dem man die Gefährlichkeit von Glas an Bauwerken abschätzen kann (LAG VSW 2021). Meist unproblematisch sind danach Lochfassaden mit „normalen“ Fenstern unter 1,5 m² Fläche. Häufig problematisch sind hingegen freistehende Glaswände (auch z.B. in Wartehäuschen von Bus und Bahn) oder -gänge mit Durchsichten, auch zusammenhängende Glasbereiche über 6 m². Je mehr Vegetation sich in der Glasscheibe spiegelt, desto größer ist die Vogelschlaggefahr. Straßenbäume reichen hier bereits aus, da sie von zahlreichen Vögeln genutzt werden, auch in der Innenstadt. Aber auch gegen Scheiben, die den freien Himmel spiegeln, können Vögel fliegen. Transparente Gebäudeecken und -kanten, bergen ein großes Anprallrisiko. Vegetation hinter Glas kann eine regelrechte Vogelfalle darstellen, z.B. Gewächshäuser oder Wintergärten. Wie sind Hochhäuser zu bewerten? Bei Hochhäusern können die unteren Bereiche genauso wie andere Bauwerke bewertet werden (siehe vorstehend). Die Häuser ragen aber meist über die umliegende Bebauung hinaus. Mit einem höheren Glasanteil, der den freien Himmel spiegelt, steigt damit die Gefahr für alle über Baumhöhe fliegenden Vögel. Auf dem Durchzug kann das jede Vogelart sein. Hier gilt ebenfalls, dass Lochfassaden in der Regel unproblematischer sind als Fassaden mit größeren zusammenhängenden Glasflächen. Ein weiterer relevanter Aspekt für Hochhäuser ist die Beleuchtung. Die Bauwerke ragen in den Raum der nächtlich ziehenden Vögel. Bei bestimmten Wetterlagen können diese von Licht angelockt und irritiert werden. Sie fliegen Kreisbahnen um die Lichtquelle und können gegen Glas und andere Hindernisse prallen. Wie kann man Vogelschlag erfassen? Selten wird man direkt Zeuge eines Anfluges. Auch die Kadaver findet man kaum, weil diese schnell von Verwertern wie Krähen und anderen Vögeln (tagsüber) oder Füchsen, Mardern, Ratten und anderen Säugetieren (vor allem nachts) abgesammelt werden. In der Stadt beseitigen auch Reinigungsdienste die toten Vögel, gerade an öffentlich genutzten Orten. Sichtbare Spuren an den Scheiben hinterlassen meist größere Vögel, während die Anprallstellen von Kleinvögeln allenfalls durch ein paar unauffällige Federchen erkannt werden können. Systematische Untersuchungen über mehrere Monate (vor allem von Juli bis November) können trotzdem gute Erkenntnisse über das Vogelschlaggeschehen erbringen, auch wenn man von einer hohen Dunkelziffer ausgehen muss. Der Aufwand hängt von den jeweiligen Fassaden ab und steigt vor allem bei Höhen über ca. 5 m an, weil die Flächen dann kaum noch optisch absuchbar sind. Die Frequenz der morgendlichen Kadaversuchen muss dann erhöht werden. Vereinzelt kann eine Kontrolle von innen hilfreich sein. Was kann man gegen Vogelschlag tun? Vogelschlag an Glas kann durch eine umsichtige Objektplanung und -gestaltung vermieden werden. Sollen trotzdem potenziell problematische Glasdimensionen zur Realisierung kommen, müssen die Glasflächen durch technische Maßnahmen sichtbar gemacht werden (z.B. Sandstrahlen, Ätzen, Digital- oder Siebdruck). Diese dauerhaft wirksamen Maßnahmen sind wirtschaftlicher als nachträgliche Lösungen wie z.B. das Aufkleben von Folien, denn diese müssen in mehrjährigen Abständen erneuert werden. Welche Markierungen sind wirkungsvoll? Als Faustregel gilt: Vögel nehmen senkrechte Linien ab 5 mm Breite wahr, und Kantenabstände von maximal 95 mm sind erforderlich, damit Vögel nicht zwischen ihnen hindurch fliegen („alle 10 cm eine Linie“). Bei horizontalen Linien sind 3 mm Breite ausreichend, bei einem maximalen Kantenabstand von 47 mm („alle 5 m eine Linie“). Der Deckungsgrad derartiger Markierungen beträgt 5 % bzw. 6 %, so dass der Lichtverlust sehr gering ist. Ein guter Kontrast ist hierbei essenziell – Vögel müssen die Markierungen gut erkennen können. Dies gilt insbesondere auch für Punkte, die erst in den letzten Jahren intensiver untersucht werden (siehe hierfür die Webseite der Wiener Umweltanwaltschaft für aktuelle Ergebnisse). Um gegen Reflexionen wirksam sein zu können, müssen Markierungen in der Regel außen auf das Glas angebracht werden (Ebene 1 der Glasscheibe). Es deutet sich an, dass glänzend-helle oder weiße Strukturen, die das Sonnenlicht spiegeln, auch auf der Innenseite (Ebene 2) angebracht werden können. Über deren Wirksamkeit liegen aber erst wenige Befunde vor (siehe hierfür ebenfalls die Webseite der Wiener Umweltanwaltschaft für aktuelle Ergebnisse). Einige neue Gläser und Materialien mit anderen Eigenschaften sind in der Testphase, so dass sich der Blick auf die Webseite der Wiener Umweltanwaltschaft von Zeit zu Zeit lohnt. Welche Markierungen sind (weitgehend) nutzlos, entgegen der Versprechungen? Die seit langem angewandten Greifvogelsilhouetten sind leider völlig wirkungslos. Zwar fliegt kein Vogel gegen die Silhouette, aber schon wenige Zentimeter daneben gegen das Glas. Denn die Vögel sehen in dem Aufkleber keinen “Greifvogel”, sondern nur das schwarze oder farbige Hindernis, dem sie ausweichen. Den gleichen Effekt hätte man mit einem beliebigen Aufkleber. Ebenfalls völlig bis weitgehend wirkungslos sind UV-Licht reflektierende Strukturen . Diesen liegt die Idee zugrunde, dass einige Vogelarten im Unterschied zum Menschen Licht im ultravioletten Bereich wahrnehmen können. Die Entwickler entsprechender Produkte nahmen daher an, dass Vögel applizierten UV-Strukturen ausweichen, die wir Menschen nicht sehen. In der Praxis funktioniert dies vermutlich aus mehreren Gründen nicht oder nur sehr wenig (siehe hierzu die Testergebnisse auf der Webseite der Wiener Umweltanwaltschaft). Und schließlich sind Gläser mit geringer Außenreflexion (maximal 15 %) allein in der Regel keine wirksame Lösung. Es ist zwar richtig, dass stärker spiegelnde Gläser die Gefährlichkeit von Glas häufig erhöhen, jedoch spiegelt grundsätzlich jedes Glas, wenn es in dem dahinter liegenden Raum deutlich dunkler ist als draußen. Und dies ist tagsüber fast überall der Fall, insbesondere wenn die Sonne scheint. Wann gibt es Handlungsbedarf? Ist dieser rechtlich durchsetzbar? Auch an den kleineren Glasscheiben einer Lochfassade können Vögel verunglücken – völlig auszuschließen ist die Gefährdung nie. Wenn sich aber Anflüge häufen, ist Handlungsbedarf gegeben. Tatsächlich gibt es ein striktes Tötungsverbot bei allen in Europa natürlicherweise vorkommenden Vogelarten in § 44 Abs. 1 Bundesnaturschutzgesetz. Nach geltender Rechtsauslegung greift dieses Verbot bei nicht beabsichtigen Tötungen (wie bei Windkraft, Straßentrassen oder eben Glas) dann, wenn das Tötungsrisiko „signifikant erhöht“ wird. Dies ist fachlich zu erläutern, und die Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten hat dies getan (LAG VSW 2021). Danach sind auf 100 m Fassadenlänge zwei Vogelschlagopfer je Jahr noch „normal“ und rechtlich hinzunehmen, mehr als doppelt so viele (also ab fünf Vogelschlagopfer jährlich auf 100 m Fassadenlänge) „signifikant erhöht“. Wenn diese Situation erreicht ist, kann die zuständige Naturschutzbehörde über Anordnungen tätig werden. Die Gefahrenstelle muss entschärft werden. Unter der Überschrift „Lichtverschmutzung“ ist in den letzten Jahren bekannt geworden, dass sich Licht ungünstig auf Mensch und Tier auswirken kann. Die drei wichtigsten Aspekte für Vögel, Insekten und Fledermäuse werden nachfolgend benannt. Wann ist Licht für Vögel gefährlich? Wie schon im Abschnitt über Hochhäuser angesprochen, kann Licht unter bestimmten Umständen für Zugvögel kritisch sein und insbesondere nachts bei bestimmten Wetterlagen (Wolkendecke, Regen, Nebel) eine anlockende oder irritierende Wirkung haben. In Kombination mit Hindernissen (z.B. Glasscheiben, Abspannungen) kann es hierbei zu Massenanflügen kommen. Bei Untersuchungen im Jahr 2020 hat sich gezeigt, dass Zugvögel nachts auch in Bodennähe von starken Lichtquellen angelockt werden können. Dies kann Leuchtreklame sein, aber auch helle Innenbeleuchtung, die nach außen dringt. Vögel verunglücken dann an den Glasscheiben in der Nähe der Lichtquelle. Wichtig ist daher, keine deutlich über das allgemeine Beleuchtungsniveau der Umgebung hinausragende Lichtstärke zu installieren. Darüber hinaus können sogenannte “Skybeamer”, stark gebündelte Lichtstrahlen, zu Irritationen bei Zugvögeln führen, bis hin zum Absturz der Vögel. Aus dem Tötungsverbot in § 44 Abs. 1 Bundesnaturschutzgesetz ergibt sich daraus, dass derartige Beleuchtungen zu den Vogelzugzeiten verboten sind. In Berlin betrifft dies die Zeiträume 1. März bis 31. Mai und 15. August bis 30. November. Was ist für Insekten schädlich und wie sehen Vermeidungsmaßnahmen aus? Die Anlockwirkung von Licht auf Insekten ist altbekannt. Vor allem in der Nähe von Stadtgrün und Gewässern kann hierbei die örtliche Artenvielfalt (Biodiversität) erheblich gemindert werden, wenn viele Insekten aus ihren Lebensräumen quasi herausgezogen werden. Denn sie umkreisen die Lichtquelle und verhungern dort oft. Diese Tiere gehen dann für den Populationserhalt verloren. Hieraus wird deutlich, dass man mit Licht in durchgrünten Gebieten sehr sorgsam umgehen muss. Handlungsmöglichkeiten hat fast jeder auch im privaten Bereich: Möglichst wenig Licht verwenden, mit geringstmöglicher Helligkeit. Später in der Nacht nicht benötigtes Licht abschalten. Leuchtkörper mit geringen blauen und UV-Anteilen verwenden, also eher gelbliches Licht wie LED-Amber oder Natriumdampflampen. Wenn weißes Licht unbedingt erforderlich ist, kann warmweißes LED-Licht verwendet werden. Beleuchtung niedrig anbringen und nur nach unten abstrahlen – keine Abstrahlung in die Landschaft. Was ist für Fledermäuse wichtig? Zwar gibt es einige Fledermäuse, die gezielt Lichtquellen anfliegen, um die dort angesammelten Insekten zu erbeuten, doch grundsätzlich weichen die meisten Fledermäuse hell beleuchteten Bereichen aus. Dies geht so weit, dass sie für ihre Flüge durch die Stadt nur dunkle Verbindungsstrukturen verwenden können, z.B. nicht beleuchtete Grünzüge. Fledermäuse werden also durch Licht gleich doppelt betroffen: Zum einen verringert sich ihr Nahrungsangebot, weil die Insektenpopulationen verkleinert werden. Und zum anderen wird ihre Bewegungsfähigkeit durch Beleuchtung eingeschränkt. In der Folge verringert sich auch die Zahl der Fledermäuse, die in der Stadt leben können.

Pflanzenschutz im Obstgarten: Steinobst

<p> So gelingt die Ernte in Ihrem Obstgarten <ul> <li>Wählen Sie widerstandsfähige Sorten und vielfältige Arten.</li> <li>Achten Sie auf einen passenden Standort, am besten sonnig und luftig.</li> <li>Lichten Sie die Bäume regelmäßig aus.</li> <li>Kontrollieren Sie die Bäume regelmäßig, um frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen.</li> <li>Verwenden Sie engmaschige Kulturschutznetze.</li> <li>Ein Verzicht auf <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflanzenschutzmittel">Pflanzenschutzmittel</a> schont die Umwelt und Ihre Gartenmitbewohner.</li> </ul> Gewusst wie <p><strong>Schädlingen und Krankheiten vorbeugen:</strong></p> <ul> <li>Wählen Sie Sorten, die gegen problematische Krankheiten resistent bzw. generell robust und widerstandsfähig sind. Informieren Sie sich zu passenden Sorten in Fachmedien und lassen Sie sich im Fachhandel (z.B. Gärtnereien, Baumschulen) dazu beraten.</li> <li>Sorgen Sie für optimale Standortbedingungen um den unterschiedlichen Ansprüchen der Bäume gerecht zu werden. Prüfen Sie, ob die gewünschten Obstarten zum ⁠<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klima">Klima</a>⁠ in Ihrer Region passen.</li> <li>Pflanzen Sie nicht zu eng und entfernen Sie zu dicht stehende oder ins Bauminnere hineinwachsende Äste. Das sorgt für eine gute Durchlüftung.</li> <li>Vermeiden Sie Verletzungen an den Bäumen (z.B. beim Mähen), denn diese erleichtern das Eindringen von Krankheitserregern. Achten Sie beim Baumschnitt auf saubere, fachgerechte Schnittflächen.</li> <li>Gestalten Sie Ihren Garten möglichst naturnah, so dass sich viele Nützlinge darin wohl fühlen. Konkrete Tipps dazu finden Sie <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/57308">HIER</a>.</li> <li>Achten Sie auf hygienische Bedingungen damit sich Erreger gar nicht erst ausbreiten können. Desinfizieren Sie Schnittwerkzeuge mit 70-prozentigem Alkohol, wenn sie Kontakt mit kranken Pflanzen hatten.</li> <li>Entsorgen Sie befallene Pflanzenteile im Haus- oder Biomüll. Im Kompost können die erforderlichen Temperaturen, um die Erreger abzutöten, eventuell nicht erreicht werden.</li> </ul> Die wichtigsten Schädlinge im Überblick <p><strong>Kirschfruchtfliege:&nbsp;</strong>Die Kirschfruchtfliege (<em>Rhagoletis cerasi</em>) wird etwa vier Millimeter groß und ist schwarz-gelb gefärbt. Sie legt ihre Eier in heranreifende, gerne auch in vorgeschädigte Kirschen. Die Kirschfruchtfliege ist der wichtigste heimische Schädling an Süßkirschen, aber auch Sauerkirschen werden befallen.</p> <ul> <li>Bauen Sie Süßkirschen-Sorten an, die früh reifen. Je früher die Reifung, desto weniger Fruchtfliegen sind unterwegs.</li> <li>Gemulchte oder ungemähte Baumscheiben verzögern den Schlupf der Kirschfruchtfliege, weil sich der Boden dann langsamer erwärmt.</li> <li>Bei kleineren Bäumen können Sie die Kronen von Mitte Mai bis zur Ernte mit Kulturschutznetzen umspannen. Das hält die erwachsenen Fliegen von der Eiablage im Baum ab. Gegen Kirschfruchtfliegen reichen Netze mit einer maximalen Maschenweite von 1,3 Millimetern. Um gleichzeitig auch Kirschessigfliegen (siehe unten) abzuwehren, darf die Maschenweite aber nur maximal 0,8 Millimeter betragen.</li> <li>Wenn Sie nicht alle Kirschen brauchen, reicht es auch, nur einzelne Äste einzunetzen. Hungrige Vögel und Insekten freuen sich über die restlichen Früchte.</li> <li>Bei großen Bäumen können Sie, statt der Krone, den Boden unterhalb des Kirschbaums mit einem Netz bedecken. Das Netz sollte Mitte Mai ausgelegt sein und eine maximale Maschenweite von 0,8 Millimetern haben. Das Netz hält aus dem Boden geschlüpfte Fruchtfliegen zurück und senkt den Befall im nächsten Jahr, weil sich die Larven nicht wieder im Boden verpuppen können.</li> <li>Hühner fressen die im Boden eingegrabenen Puppen der Kirschfruchtfliege und vertilgen heruntergefallene Kirschen samt den Maden. Auch eine Schafbeweidung trägt zur Reduzierung der Kirschfruchtfliegen bei. Der Tritt der Tiere dezimiert die schlüpfenden Fliegen im Frühjahr und am Boden liegende Kirschen werden aufgefressen. Achten Sie auf eine artgerechte Haltung der Hühner und Schafe.</li> <li>Sofern nicht die Stare den Baum leer gefressen haben sollten Sie möglichst keine Kirschen hängen lassen und abgefallene Früchte rasch auflesen.</li> <li>Natürliche Feinde der Fruchtfliegen sind Ameisen, Schlupfwespen, Spinnen, Laufkäfer und Kurzflügler. Fördern Sie diese Nützlinge durch eine naturnahe Gartengestaltung und den Verzicht auf <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflanzenschutzmittel">Pflanzenschutzmittel</a>.</li> <li>Sie können gelbe Leimtafeln in den Baumkronen aufhängen. Diese dienen jedoch eher der Befallskontrolle als der direkten Bekämpfung. Gelbtafeln locken Insekten durch ihre Farbe an, einige enthalten auch zusätzlich Lockstoffe (Pheromone). Die Insekten, nützliche wie schädliche, bleiben am Leim kleben. Aber auch <a href="https://www.nabu-leipzig.de/gruppen/arbeitskreis-ornithologie-und-vogelschutz/leimfallen/">Vögel und Fledermäuse können daran kleben bleiben</a> und verenden. Die Flugzeit der Kirschfruchtfliege dauert von Mitte Mai bis Anfang Juli. Ist sie vorbei sollten die Gelbtafeln schnellstmöglich abgenommen werden. Besser wäre, auf Leimtafeln zu verzichten.</li> </ul> <p><strong>Kirschessigfliege:</strong> Die <a href="https://drosophila.julius-kuehn.de/">Kirschessigfliege</a> (<em>Drosophila suzukii</em>) ist nur drei Millimeter groß, kann aber große Ernteverluste verursachen. Sie befällt nicht nur Kirschen, sondern auch andere Steinobstarten und Beerenfrüchte. Markant sind die roten Augen und der sägeartige Ei-Legeapparat, mit dem die Weibchen in die Fruchthaut eindringen. Die invasive, aus Asien stammende Kirschessigfliege wurde 2011 erstmalig in Deutschland nachgewiesen und hat sich innerhalb von nur drei Jahren bundesweit ausgebreitet. Sie wird durch befallene Früchte verbreitet, kann aber auch selbst weite Strecken zurücklegen. Unter den klimatischen Bedingungen in Deutschland kann sie bis zu acht Generationen pro Jahr zeugen. Es gibt keine Insektizide, die für den Haus- und Kleingarten zugelassen sind. Aufgrund der hohen Vermehrungsrate und des kurzen Entwicklungszyklus würde die Kirschessigfliege wahrscheinlich schnell Resistenzen gegen Insektizide entwickeln.&nbsp;</p> <ul> <li>Kirschessigfliegen gehören zu den Taufliegen, sie mögen es dementsprechend feucht. Sonne, Wind und Frost mögen sie dagegen nicht. Sorgen Sie also dafür, dass die Obstgehölze möglichst sonnig stehen, fachgerecht geschnitten sind und Unterbewuchs kurzgehalten wird.</li> <li>Kleinere Bäume können mit <a href="https://droso-demo-netz.julius-kuehn.de/index.php?menuid=41">Kulturschutznetzen</a> (Maschenweite maximal 0,8 Millimeter) komplett eingenetzt werden. Schließen Sie die Netze sofort nach der Blüte und kontrollieren Sie die Netze regelmäßig auf Schadstellen.</li> <li>Natürliche Gegenspieler der Kirschessigfliege sind Ohrwürmer und parasitierende Wespen (Gallwespen, Brackwespen, Zehrwespen, Erzwespen). Fördern Sie Nützlinge durch eine naturnahe Gartengestaltung.</li> <li>Pflücken Sie regelmäßig alle reifen Früchte und auch solche, die von Krankheiten und Schädlingen befallen sind. Entsorgen Sie befallene Früchte, am besten gut verpackt, im Hausmüll. Kompostieren können Sie befallene Früchte nur, wenn vorher die Larven der Kirschessigfliege abgetötet werden. Dazu müssen Sie die Früchte entweder in einem dicht verschlossenen Behälter in die Sonne legen oder einfrieren. Auch vergraben in einer Bodentiefe von mindestens 50 Zentimetern ist eine Option.</li> </ul> <p><strong>Vogelfraß: </strong>Für Amseln, Drosseln und Stare sind Kirschen ein beliebtes Futter. Dabei können insbesondere Stare einen entsprechenden Schaden verursachen, wenn sie in großen Schwärmen auftreten.</p> <ul> <li>Verwenden Sie keine Vogelabwehrnetze! Vögel verfangen sich darin und sterben qualvoll. Wenn Sie trotzdem nicht auf die Netze verzichten wollen, dann achten Sie darauf, dass sie straff gespannt sind und nach unten dicht verschlossen sind. Kontrollieren Sie die Netze mehrmals täglich, um etwaig gefangene Vögel zu befreien.</li> <li>Bringen Sie, anstatt eines Netzes, einen Starenkasten an Ihrem Kirschbaum an. Das darin brütende Starenpaar wird den Baum gegen Artgenossen verteidigen, Sie müssen die Kirschen dann nur mit einem Paar, und nicht mit einem ganzen Schwarm teilen. Bieten Sie dem ansässigen Starenpaar weitere beerentragende Gehölze an, so dass diese über das Jahr verteilt Futter in Ihrem Garten finden. Stare mögen z.B. Holunder, Sanddorn, Ebereschen und Efeubeeren.</li> <li>Weitere Alternativen zu Netzen sind Abwehrdrachen mit Greifvogelsilhouetten oder andere abschreckende Dinge, die während der Kirschreife im Baum aufgehangen werden (z.B. Konservendosen, CDs, Folienstreifen, holographische Bänder, Vogelschreckballons). Leider lernen die schlauen Tiere schnell, dass diese Dinge nicht wirklich gefährlich sind. So sind immer wieder Veränderungen nötig, um den Gewöhnungseffekt zu begrenzen.</li> <li>Auch die Pflanzung einer gelben Kirschsorte kann Abhilfe schaffen. Vögel erkennen reife Früchte an den Signalfarben rot und blauschwarz, gelbe Kirschen werden dagegen als "unreif" angesehen.</li> </ul> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/3111/bilder/steinobst_made-kirschfruchtfliege.jpg"> </a> <strong> Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi) </strong> <br>Gegen Kirschfruchtfliegen helfen Netze und Hühner. Quelle: Bauer Karl | www.wikimedia.org | Made der Kirschfruchtfliege in einer geöffneten Kirsche | https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.en <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/3111/bilder/steinobst_kirschessigfliege.jpg"> </a> <strong> Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) </strong> <br>Mit einer Lupe kann man die roten Augen der Kirschessigfliege erkennen. Die Männchen haben auf ihren Flügeln einen gut sichtbaren schwarzen Punkt. Quelle: Martin Hauser Phycus | www.wikimedia.org | male of Drosophila suzukii. California | https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/deed.en <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/klebetafel_nabu_leipzig.jpg"> </a> <strong> Vorsicht beim Einsatz von Leimringen und Klebetafeln zur Schädlingsbekämpfung! </strong> <br>Auch nützliche Insekten, kleine Singvögel und Fledermäuse bleiben daran kleben und verenden. Wenn Sie nicht auf Klebefallen verzichten wollen, dann nutzen Sie diese nur kurzzeitig in der jeweiligen Aktivitätsphase des Schädlings. Entfernen Sie die Fallen danach umgehend. Mit dem Anbringen einer Gittermanschette über dem Leimring verhindern Sie, dass Vögel und Fledermäuse kleben bleiben. Im besten Fall verzichten Sie auf den Einsatz von Leimfallen. Quelle: NABU Leipzig Weiter <i> </i> Vorherige <i> </i> Die wichtigsten Krankheiten im Überblick <p><strong>Schrotschusskrankheit und Sprühfleckenkrankheit:</strong>&nbsp;Beide Krankheiten äußern sich ähnlich und können bei allen Steinobstarten auftreten. Die Schrotschusskrankheit wird durch den Pilz <em>Stigmina carpophila </em>verursacht. Sind Blätter davon befallen, sehen sie aus, als wären sie von Schrotkugeln durchlöchert. Die burgunderroten Blattflecken der Sprühfleckenkrankheit sind etwas kleiner. Diese Krankheit wird durch den Pilz <em>Blumeriella jaapii</em> verursacht. Die Blätter werden kurz nach der Infektion gelb und fallen ab. Beiden Krankheiten können Sie mit denselben Maßnahmen vorbeugen.</p> <ul> <li>Ein regelmäßiger fachgerechter Schnitt beugt der Infektion vor. So gelangen Wind und Sonne gut ins Kroneninnere und Feuchtigkeit kann entweichen.</li> <li>Kontrollieren Sie insbesondere die unteren Triebe regelmäßig und pflücken Sie befallene Blätter ab. Schneiden Sie erkrankte Triebe bis ins gesunde Holz zurück.</li> <li>Die Pilze überwintern im Falllaub. Entfernen Sie deshalb befallenes Laub und entsorgen Sie dieses. Falls Sie das Laub <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/15470">kompostieren</a>, decken Sie es gut mit anderen Gartenabfällen ab, damit daraus keine neuen Sporen ausfliegen.</li> <li>Pflücken und entsorgen Sie vertrocknete, im Baum hängengebliebene Früchte. Schaderreger können darin überwintern und den Baum im nächsten Jahr erneut infizieren.</li> <li>Achtung, die Schrotschusskrankheit kann leicht mit Bakterienbrand verwechselt werden. Eine sorgfältige Diagnose ist wichtig um die richtige Bekämpfungsstrategie zu finden. Während erstere durch einen Pilz verursacht wird, entsteht letztere durch ein Bakterium (<em>Pseudomonas syringae</em>).</li> </ul> <p><strong>Scharka-Virus:</strong>&nbsp;Das Scharka-Virus (<em>plum pox virus</em>) tritt vorwiegend an ⁠<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflaumen">Pflaumen</a>⁠ auf, kann aber auch Aprikosen, Pfirsiche und Nektarinen treffen. Die befallenen Früchte sind pockenartig eingesunken oder verformt, die Blätter sind unregelmäßig aufgehellt. Das Fruchtfleisch der Pflaumen ist an einigen Stellen rötlich verfärbt, es ist gummiartig zäh und nahezu geschmacklos. Die Übertragung erfolgt durch Blattläuse, insbesondere durch die Grüne Pfirsichblattlaus (<em>Myzus persicae</em>).</p> <ul> <li>Das Scharka-Virus ist eine gefährliche Pflanzenkrankheit und daher meldepflichtig! Übermitteln Sie jeden Verdachtsfall an den<a href="https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/02_Verbraucher/03_HausKleingarten/01_amtl_Auskunftsstellen/Auskunftsstellen_node.html"> in Ihrem Bundesland zuständigen Pflanzenschutzdienst</a>.</li> <li>Sie können das Virus nicht direkt bekämpfen, sondern nur vorbeugen, indem Sie resistente bzw. widerstandsfähige Sorten anbauen.</li> <li>Vom Virus befallene Bäume sollten gerodet werden und durch robustere Sorten ersetzt werden.</li> </ul> <p><strong>Narren- oder Taschenkrankheit:</strong>&nbsp;Früchte, die von dem Pilz <em>Taphrina pruni</em> befallen sind, nehmen eine verkrümmte Form an, die an eine Narrenkappe oder eine Handtasche erinnert. Die sogenannte Narren- oder Taschenkrankheit betrifft vor allem Pflaumen und Pfirsiche. Die befallenen Früchte vertrocknen und bleiben so am Baum hängen.</p> <ul> <li>Beschneiden Sie die Baumkronen regelmäßig. Entfernen Sie zu dicht stehende und in die Krone hineinwachsende Äste. Dann kann Wind durch die Krone wehen und Feuchtigkeit rasch verdunsten.</li> <li>Entfernen Sie alle befallenen Früchte und Fruchtmumien.</li> <li>Bepflanzen Sie die Baumscheibe mit Knoblauch.</li> <li>Der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/grundstoff">Grundstoff</a> Ackerschachtelhalm kann unterstützend verwendet werden.</li> </ul> <p><strong>Monilia-Pilze:&nbsp;</strong>Die Erreger <em>Monilia laxa</em> und <em>Monilia fructigena</em> befallen vor allem Pflaumen- und Kirschbäume, aber auch Apfel- und Birnbäume. Sie sorgen für Fruchtfäule und lassen die Triebspitzen absterben, man spricht deshalb auch von Spitzendürre. Jede Verletzung der Fruchthaut, z. B. durch Hagel, Wespenfraß oder Pflaumenwicklerbefall, begünstigt eine Infektion. Um die <em>Monilia</em>-Pilze vom Feuerbrand, einer gefährlichen Bakterienerkrankung, zu unterscheiden, können Sie ein Stück eines erkrankten Triebs mit einem feuchten Tuch in eine saubere Kunststofftüte legen. Ist der Trieb mit <em>Monilia laxa</em> befallen, hat sich nach spätestens zwei Tagen ein weißer Pilzrasen gebildet.</p> <ul> <li>Wählen Sie einen sonnigen, aber luftigen Standort. Vermeiden Sie Staunässe.</li> <li>Lichten Sie den Baum regelmäßig aus, damit das Laub schnell trocknen kann.</li> <li>Die Infektion geht von Fruchtmumien aus. Ernten Sie die Obstbäume deshalb vollständig ab. Unbrauchbare Früchte und Fruchtmumien sollten entsorgt werden.</li> <li>Falls es zum Befall kommt, schneiden Sie die Triebe mindestens 20 Zentimeter tief ins gesunde Holz zurück.</li> <li>Die Sporen der <em>Monilia</em>-Pilze sind sehr widerstandsfähig. Entsorgen Sie Schnittabfälle und Fruchtmumien deshalb nicht auf dem Kompost, sondern im Haus- oder Biomüll.</li> </ul> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/3111/bilder/steinobst_schrotschusskrankheit.jpg"> </a> <strong> Schrotschusskrankheit (Stigmina carpophila) </strong> <br>Rote Blattflecken sind typisch für Kirschen, die von der Schrotschusskrankheit befallen sind. Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Schrotschusskrankheit (Clasterosporium carpophilum) an Süßkirsche | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/clasterosporium_carpophilum.jpg"> </a> <strong> Schrotschusskrankheit (Stigmina carpophila) </strong> <br>Die ehemals roten Blattflecken der Schrotschusskrankheit trocknen nach und nach ein. Das trockene Material fällt aus dem Blatt heraus. Quelle: Rainer Wahl | www.greencommons.de | Schrotschusskrankheit | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/spruehfleckenkrankheit.jpg"> </a> <strong> Sprühfleckenkrankheit (Blumeriella jaapii) am Blatt der Süßkirsche </strong> Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Sprühfleckenkrankheit Blumeriella jaapii an Süßkirsche | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/3111/bilder/steinobst_scharka-virus.jpg"> </a> <strong> Scharka-Virus (plum pox virus) </strong> <br>Unregelmäßige bis ringförmige Blattaufhellungen deuten auf das Scharka-Virus hin. Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Typische Blattsymptome durch das Scharka-Virus (PPV = plum pox virus) | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/narrentaschenkrankheit_an_mirabellen.jpg"> </a> <strong> Pflaumen-Narrentasche (Taphrina pruni) </strong> <br>Längliche gekrümmte Früchte sind ein Symptom der Narren- oder Taschenkrankheit. Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Narrentaschenkrankheit an Mirabellen | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/monilia_laxa2.jpg"> </a> <strong> Monilia-Pilze (Monilia laxa und Monilia fructigena) </strong> <br>Monilia-Pilze sorgen unter anderem dafür, dass die Triebspitzen der Bäume absterben. Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Monilia laxa | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ Weiter <i> </i> Vorherige <i> </i> <p><strong>⁠Pflanzenschutzmittel⁠&nbsp;nur im Notfall:</strong>&nbsp;Bevorzugen Sie grundsätzlich immer nicht-chemische Maßnahmen, bevor Sie&nbsp;<a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/pflanzenschutzmittel/wissenswertes-ueber-pflanzenschutzmittel">Pflanzenschutzmittel</a>&nbsp;einsetzen. Verwenden Sie Pflanzenschutzmittel nur, wenn alle anderen Maßnahmen keinen Erfolg gebracht haben und wenn mit großen Ernteverlusten zu rechnen ist. Prüfen Sie, ob Ihr Ziel auch mit&nbsp;<a href="https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/01_Aufgaben/04_Pflanzenstaerkungsmittel/psm_Pflanzenstaerkungsmittel_node.html">Pflanzenstärkungsmitteln</a>&nbsp;oder mit dem Einsatz von&nbsp;<a href="https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/04_Anwender/02_AnwendungGrundstoffe/psm_AnwendungGrundstoffe_node.html;jsessionid=FDBEE81656F55AB03C484996E1D3360E.internet942#doc11030656bodyText2">Grundstoffen</a>&nbsp;erreicht werden kann. Entscheiden Sie sich doch für ein Pflanzenschutzmittel, wählen Sie möglichst umweltverträgliche Wirkstoffe. Verwenden Sie nur zugelassene Pflanzenschutzmittel und halten Sie sich genau an die Packungsbeilage. Weitere Tipps zum richtigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln finden Sie <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/57293">HIER</a>.</p> </p><p> So gelingt die Ernte in Ihrem Obstgarten <ul> <li>Wählen Sie widerstandsfähige Sorten und vielfältige Arten.</li> <li>Achten Sie auf einen passenden Standort, am besten sonnig und luftig.</li> <li>Lichten Sie die Bäume regelmäßig aus.</li> <li>Kontrollieren Sie die Bäume regelmäßig, um frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen.</li> <li>Verwenden Sie engmaschige Kulturschutznetze.</li> <li>Ein Verzicht auf <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflanzenschutzmittel">Pflanzenschutzmittel</a> schont die Umwelt und Ihre Gartenmitbewohner.</li> </ul> </p><p> Gewusst wie <p><strong>Schädlingen und Krankheiten vorbeugen:</strong></p> <ul> <li>Wählen Sie Sorten, die gegen problematische Krankheiten resistent bzw. generell robust und widerstandsfähig sind. Informieren Sie sich zu passenden Sorten in Fachmedien und lassen Sie sich im Fachhandel (z.B. Gärtnereien, Baumschulen) dazu beraten.</li> <li>Sorgen Sie für optimale Standortbedingungen um den unterschiedlichen Ansprüchen der Bäume gerecht zu werden. Prüfen Sie, ob die gewünschten Obstarten zum ⁠<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klima">Klima</a>⁠ in Ihrer Region passen.</li> <li>Pflanzen Sie nicht zu eng und entfernen Sie zu dicht stehende oder ins Bauminnere hineinwachsende Äste. Das sorgt für eine gute Durchlüftung.</li> <li>Vermeiden Sie Verletzungen an den Bäumen (z.B. beim Mähen), denn diese erleichtern das Eindringen von Krankheitserregern. Achten Sie beim Baumschnitt auf saubere, fachgerechte Schnittflächen.</li> <li>Gestalten Sie Ihren Garten möglichst naturnah, so dass sich viele Nützlinge darin wohl fühlen. Konkrete Tipps dazu finden Sie <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/57308">HIER</a>.</li> <li>Achten Sie auf hygienische Bedingungen damit sich Erreger gar nicht erst ausbreiten können. Desinfizieren Sie Schnittwerkzeuge mit 70-prozentigem Alkohol, wenn sie Kontakt mit kranken Pflanzen hatten.</li> <li>Entsorgen Sie befallene Pflanzenteile im Haus- oder Biomüll. Im Kompost können die erforderlichen Temperaturen, um die Erreger abzutöten, eventuell nicht erreicht werden.</li> </ul> Die wichtigsten Schädlinge im Überblick <p><strong>Kirschfruchtfliege:&nbsp;</strong>Die Kirschfruchtfliege (<em>Rhagoletis cerasi</em>) wird etwa vier Millimeter groß und ist schwarz-gelb gefärbt. Sie legt ihre Eier in heranreifende, gerne auch in vorgeschädigte Kirschen. Die Kirschfruchtfliege ist der wichtigste heimische Schädling an Süßkirschen, aber auch Sauerkirschen werden befallen.</p> <ul> <li>Bauen Sie Süßkirschen-Sorten an, die früh reifen. Je früher die Reifung, desto weniger Fruchtfliegen sind unterwegs.</li> <li>Gemulchte oder ungemähte Baumscheiben verzögern den Schlupf der Kirschfruchtfliege, weil sich der Boden dann langsamer erwärmt.</li> <li>Bei kleineren Bäumen können Sie die Kronen von Mitte Mai bis zur Ernte mit Kulturschutznetzen umspannen. Das hält die erwachsenen Fliegen von der Eiablage im Baum ab. Gegen Kirschfruchtfliegen reichen Netze mit einer maximalen Maschenweite von 1,3 Millimetern. Um gleichzeitig auch Kirschessigfliegen (siehe unten) abzuwehren, darf die Maschenweite aber nur maximal 0,8 Millimeter betragen.</li> <li>Wenn Sie nicht alle Kirschen brauchen, reicht es auch, nur einzelne Äste einzunetzen. Hungrige Vögel und Insekten freuen sich über die restlichen Früchte.</li> <li>Bei großen Bäumen können Sie, statt der Krone, den Boden unterhalb des Kirschbaums mit einem Netz bedecken. Das Netz sollte Mitte Mai ausgelegt sein und eine maximale Maschenweite von 0,8 Millimetern haben. Das Netz hält aus dem Boden geschlüpfte Fruchtfliegen zurück und senkt den Befall im nächsten Jahr, weil sich die Larven nicht wieder im Boden verpuppen können.</li> <li>Hühner fressen die im Boden eingegrabenen Puppen der Kirschfruchtfliege und vertilgen heruntergefallene Kirschen samt den Maden. Auch eine Schafbeweidung trägt zur Reduzierung der Kirschfruchtfliegen bei. Der Tritt der Tiere dezimiert die schlüpfenden Fliegen im Frühjahr und am Boden liegende Kirschen werden aufgefressen. Achten Sie auf eine artgerechte Haltung der Hühner und Schafe.</li> <li>Sofern nicht die Stare den Baum leer gefressen haben sollten Sie möglichst keine Kirschen hängen lassen und abgefallene Früchte rasch auflesen.</li> <li>Natürliche Feinde der Fruchtfliegen sind Ameisen, Schlupfwespen, Spinnen, Laufkäfer und Kurzflügler. Fördern Sie diese Nützlinge durch eine naturnahe Gartengestaltung und den Verzicht auf <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflanzenschutzmittel">Pflanzenschutzmittel</a>.</li> <li>Sie können gelbe Leimtafeln in den Baumkronen aufhängen. Diese dienen jedoch eher der Befallskontrolle als der direkten Bekämpfung. Gelbtafeln locken Insekten durch ihre Farbe an, einige enthalten auch zusätzlich Lockstoffe (Pheromone). Die Insekten, nützliche wie schädliche, bleiben am Leim kleben. Aber auch <a href="https://www.nabu-leipzig.de/gruppen/arbeitskreis-ornithologie-und-vogelschutz/leimfallen/">Vögel und Fledermäuse können daran kleben bleiben</a> und verenden. Die Flugzeit der Kirschfruchtfliege dauert von Mitte Mai bis Anfang Juli. Ist sie vorbei sollten die Gelbtafeln schnellstmöglich abgenommen werden. Besser wäre, auf Leimtafeln zu verzichten.</li> </ul> <p><strong>Kirschessigfliege:</strong> Die <a href="https://drosophila.julius-kuehn.de/">Kirschessigfliege</a> (<em>Drosophila suzukii</em>) ist nur drei Millimeter groß, kann aber große Ernteverluste verursachen. Sie befällt nicht nur Kirschen, sondern auch andere Steinobstarten und Beerenfrüchte. Markant sind die roten Augen und der sägeartige Ei-Legeapparat, mit dem die Weibchen in die Fruchthaut eindringen. Die invasive, aus Asien stammende Kirschessigfliege wurde 2011 erstmalig in Deutschland nachgewiesen und hat sich innerhalb von nur drei Jahren bundesweit ausgebreitet. Sie wird durch befallene Früchte verbreitet, kann aber auch selbst weite Strecken zurücklegen. Unter den klimatischen Bedingungen in Deutschland kann sie bis zu acht Generationen pro Jahr zeugen. Es gibt keine Insektizide, die für den Haus- und Kleingarten zugelassen sind. Aufgrund der hohen Vermehrungsrate und des kurzen Entwicklungszyklus würde die Kirschessigfliege wahrscheinlich schnell Resistenzen gegen Insektizide entwickeln.&nbsp;</p> <ul> <li>Kirschessigfliegen gehören zu den Taufliegen, sie mögen es dementsprechend feucht. Sonne, Wind und Frost mögen sie dagegen nicht. Sorgen Sie also dafür, dass die Obstgehölze möglichst sonnig stehen, fachgerecht geschnitten sind und Unterbewuchs kurzgehalten wird.</li> <li>Kleinere Bäume können mit <a href="https://droso-demo-netz.julius-kuehn.de/index.php?menuid=41">Kulturschutznetzen</a> (Maschenweite maximal 0,8 Millimeter) komplett eingenetzt werden. Schließen Sie die Netze sofort nach der Blüte und kontrollieren Sie die Netze regelmäßig auf Schadstellen.</li> <li>Natürliche Gegenspieler der Kirschessigfliege sind Ohrwürmer und parasitierende Wespen (Gallwespen, Brackwespen, Zehrwespen, Erzwespen). Fördern Sie Nützlinge durch eine naturnahe Gartengestaltung.</li> <li>Pflücken Sie regelmäßig alle reifen Früchte und auch solche, die von Krankheiten und Schädlingen befallen sind. Entsorgen Sie befallene Früchte, am besten gut verpackt, im Hausmüll. Kompostieren können Sie befallene Früchte nur, wenn vorher die Larven der Kirschessigfliege abgetötet werden. Dazu müssen Sie die Früchte entweder in einem dicht verschlossenen Behälter in die Sonne legen oder einfrieren. Auch vergraben in einer Bodentiefe von mindestens 50 Zentimetern ist eine Option.</li> </ul> <p><strong>Vogelfraß: </strong>Für Amseln, Drosseln und Stare sind Kirschen ein beliebtes Futter. Dabei können insbesondere Stare einen entsprechenden Schaden verursachen, wenn sie in großen Schwärmen auftreten.</p> <ul> <li>Verwenden Sie keine Vogelabwehrnetze! Vögel verfangen sich darin und sterben qualvoll. Wenn Sie trotzdem nicht auf die Netze verzichten wollen, dann achten Sie darauf, dass sie straff gespannt sind und nach unten dicht verschlossen sind. Kontrollieren Sie die Netze mehrmals täglich, um etwaig gefangene Vögel zu befreien.</li> <li>Bringen Sie, anstatt eines Netzes, einen Starenkasten an Ihrem Kirschbaum an. Das darin brütende Starenpaar wird den Baum gegen Artgenossen verteidigen, Sie müssen die Kirschen dann nur mit einem Paar, und nicht mit einem ganzen Schwarm teilen. Bieten Sie dem ansässigen Starenpaar weitere beerentragende Gehölze an, so dass diese über das Jahr verteilt Futter in Ihrem Garten finden. Stare mögen z.B. Holunder, Sanddorn, Ebereschen und Efeubeeren.</li> <li>Weitere Alternativen zu Netzen sind Abwehrdrachen mit Greifvogelsilhouetten oder andere abschreckende Dinge, die während der Kirschreife im Baum aufgehangen werden (z.B. Konservendosen, CDs, Folienstreifen, holographische Bänder, Vogelschreckballons). Leider lernen die schlauen Tiere schnell, dass diese Dinge nicht wirklich gefährlich sind. So sind immer wieder Veränderungen nötig, um den Gewöhnungseffekt zu begrenzen.</li> <li>Auch die Pflanzung einer gelben Kirschsorte kann Abhilfe schaffen. Vögel erkennen reife Früchte an den Signalfarben rot und blauschwarz, gelbe Kirschen werden dagegen als "unreif" angesehen.</li> </ul> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/3111/bilder/steinobst_made-kirschfruchtfliege.jpg"> </a> <strong> Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi) </strong> <br>Gegen Kirschfruchtfliegen helfen Netze und Hühner. Quelle: Bauer Karl | www.wikimedia.org | Made der Kirschfruchtfliege in einer geöffneten Kirsche | https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.en <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/3111/bilder/steinobst_kirschessigfliege.jpg"> </a> <strong> Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) </strong> <br>Mit einer Lupe kann man die roten Augen der Kirschessigfliege erkennen. Die Männchen haben auf ihren Flügeln einen gut sichtbaren schwarzen Punkt. Quelle: Martin Hauser Phycus | www.wikimedia.org | male of Drosophila suzukii. California | https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/deed.en <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/klebetafel_nabu_leipzig.jpg"> </a> <strong> Vorsicht beim Einsatz von Leimringen und Klebetafeln zur Schädlingsbekämpfung! </strong> <br>Auch nützliche Insekten, kleine Singvögel und Fledermäuse bleiben daran kleben und verenden. Wenn Sie nicht auf Klebefallen verzichten wollen, dann nutzen Sie diese nur kurzzeitig in der jeweiligen Aktivitätsphase des Schädlings. Entfernen Sie die Fallen danach umgehend. Mit dem Anbringen einer Gittermanschette über dem Leimring verhindern Sie, dass Vögel und Fledermäuse kleben bleiben. Im besten Fall verzichten Sie auf den Einsatz von Leimfallen. Quelle: NABU Leipzig Weiter <i> </i> Vorherige <i> </i> </p><p> Die wichtigsten Krankheiten im Überblick <p><strong>Schrotschusskrankheit und Sprühfleckenkrankheit:</strong>&nbsp;Beide Krankheiten äußern sich ähnlich und können bei allen Steinobstarten auftreten. Die Schrotschusskrankheit wird durch den Pilz <em>Stigmina carpophila </em>verursacht. Sind Blätter davon befallen, sehen sie aus, als wären sie von Schrotkugeln durchlöchert. Die burgunderroten Blattflecken der Sprühfleckenkrankheit sind etwas kleiner. Diese Krankheit wird durch den Pilz <em>Blumeriella jaapii</em> verursacht. Die Blätter werden kurz nach der Infektion gelb und fallen ab. Beiden Krankheiten können Sie mit denselben Maßnahmen vorbeugen.</p> <ul> <li>Ein regelmäßiger fachgerechter Schnitt beugt der Infektion vor. So gelangen Wind und Sonne gut ins Kroneninnere und Feuchtigkeit kann entweichen.</li> <li>Kontrollieren Sie insbesondere die unteren Triebe regelmäßig und pflücken Sie befallene Blätter ab. Schneiden Sie erkrankte Triebe bis ins gesunde Holz zurück.</li> <li>Die Pilze überwintern im Falllaub. Entfernen Sie deshalb befallenes Laub und entsorgen Sie dieses. Falls Sie das Laub <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/15470">kompostieren</a>, decken Sie es gut mit anderen Gartenabfällen ab, damit daraus keine neuen Sporen ausfliegen.</li> <li>Pflücken und entsorgen Sie vertrocknete, im Baum hängengebliebene Früchte. Schaderreger können darin überwintern und den Baum im nächsten Jahr erneut infizieren.</li> <li>Achtung, die Schrotschusskrankheit kann leicht mit Bakterienbrand verwechselt werden. Eine sorgfältige Diagnose ist wichtig um die richtige Bekämpfungsstrategie zu finden. Während erstere durch einen Pilz verursacht wird, entsteht letztere durch ein Bakterium (<em>Pseudomonas syringae</em>).</li> </ul> <p><strong>Scharka-Virus:</strong>&nbsp;Das Scharka-Virus (<em>plum pox virus</em>) tritt vorwiegend an ⁠<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflaumen">Pflaumen</a>⁠ auf, kann aber auch Aprikosen, Pfirsiche und Nektarinen treffen. Die befallenen Früchte sind pockenartig eingesunken oder verformt, die Blätter sind unregelmäßig aufgehellt. Das Fruchtfleisch der Pflaumen ist an einigen Stellen rötlich verfärbt, es ist gummiartig zäh und nahezu geschmacklos. Die Übertragung erfolgt durch Blattläuse, insbesondere durch die Grüne Pfirsichblattlaus (<em>Myzus persicae</em>).</p> <ul> <li>Das Scharka-Virus ist eine gefährliche Pflanzenkrankheit und daher meldepflichtig! Übermitteln Sie jeden Verdachtsfall an den<a href="https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/02_Verbraucher/03_HausKleingarten/01_amtl_Auskunftsstellen/Auskunftsstellen_node.html"> in Ihrem Bundesland zuständigen Pflanzenschutzdienst</a>.</li> <li>Sie können das Virus nicht direkt bekämpfen, sondern nur vorbeugen, indem Sie resistente bzw. widerstandsfähige Sorten anbauen.</li> <li>Vom Virus befallene Bäume sollten gerodet werden und durch robustere Sorten ersetzt werden.</li> </ul> <p><strong>Narren- oder Taschenkrankheit:</strong>&nbsp;Früchte, die von dem Pilz <em>Taphrina pruni</em> befallen sind, nehmen eine verkrümmte Form an, die an eine Narrenkappe oder eine Handtasche erinnert. Die sogenannte Narren- oder Taschenkrankheit betrifft vor allem Pflaumen und Pfirsiche. Die befallenen Früchte vertrocknen und bleiben so am Baum hängen.</p> <ul> <li>Beschneiden Sie die Baumkronen regelmäßig. Entfernen Sie zu dicht stehende und in die Krone hineinwachsende Äste. Dann kann Wind durch die Krone wehen und Feuchtigkeit rasch verdunsten.</li> <li>Entfernen Sie alle befallenen Früchte und Fruchtmumien.</li> <li>Bepflanzen Sie die Baumscheibe mit Knoblauch.</li> <li>Der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/grundstoff">Grundstoff</a> Ackerschachtelhalm kann unterstützend verwendet werden.</li> </ul> <p><strong>Monilia-Pilze:&nbsp;</strong>Die Erreger <em>Monilia laxa</em> und <em>Monilia fructigena</em> befallen vor allem Pflaumen- und Kirschbäume, aber auch Apfel- und Birnbäume. Sie sorgen für Fruchtfäule und lassen die Triebspitzen absterben, man spricht deshalb auch von Spitzendürre. Jede Verletzung der Fruchthaut, z. B. durch Hagel, Wespenfraß oder Pflaumenwicklerbefall, begünstigt eine Infektion. Um die <em>Monilia</em>-Pilze vom Feuerbrand, einer gefährlichen Bakterienerkrankung, zu unterscheiden, können Sie ein Stück eines erkrankten Triebs mit einem feuchten Tuch in eine saubere Kunststofftüte legen. Ist der Trieb mit <em>Monilia laxa</em> befallen, hat sich nach spätestens zwei Tagen ein weißer Pilzrasen gebildet.</p> <ul> <li>Wählen Sie einen sonnigen, aber luftigen Standort. Vermeiden Sie Staunässe.</li> <li>Lichten Sie den Baum regelmäßig aus, damit das Laub schnell trocknen kann.</li> <li>Die Infektion geht von Fruchtmumien aus. Ernten Sie die Obstbäume deshalb vollständig ab. Unbrauchbare Früchte und Fruchtmumien sollten entsorgt werden.</li> <li>Falls es zum Befall kommt, schneiden Sie die Triebe mindestens 20 Zentimeter tief ins gesunde Holz zurück.</li> <li>Die Sporen der <em>Monilia</em>-Pilze sind sehr widerstandsfähig. Entsorgen Sie Schnittabfälle und Fruchtmumien deshalb nicht auf dem Kompost, sondern im Haus- oder Biomüll.</li> </ul> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/3111/bilder/steinobst_schrotschusskrankheit.jpg"> </a> <strong> Schrotschusskrankheit (Stigmina carpophila) </strong> <br>Rote Blattflecken sind typisch für Kirschen, die von der Schrotschusskrankheit befallen sind. Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Schrotschusskrankheit (Clasterosporium carpophilum) an Süßkirsche | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/clasterosporium_carpophilum.jpg"> </a> <strong> Schrotschusskrankheit (Stigmina carpophila) </strong> <br>Die ehemals roten Blattflecken der Schrotschusskrankheit trocknen nach und nach ein. Das trockene Material fällt aus dem Blatt heraus. Quelle: Rainer Wahl | www.greencommons.de | Schrotschusskrankheit | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/spruehfleckenkrankheit.jpg"> </a> <strong> Sprühfleckenkrankheit (Blumeriella jaapii) am Blatt der Süßkirsche </strong> Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Sprühfleckenkrankheit Blumeriella jaapii an Süßkirsche | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/3111/bilder/steinobst_scharka-virus.jpg"> </a> <strong> Scharka-Virus (plum pox virus) </strong> <br>Unregelmäßige bis ringförmige Blattaufhellungen deuten auf das Scharka-Virus hin. Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Typische Blattsymptome durch das Scharka-Virus (PPV = plum pox virus) | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/narrentaschenkrankheit_an_mirabellen.jpg"> </a> <strong> Pflaumen-Narrentasche (Taphrina pruni) </strong> <br>Längliche gekrümmte Früchte sind ein Symptom der Narren- oder Taschenkrankheit. Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Narrentaschenkrankheit an Mirabellen | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/monilia_laxa2.jpg"> </a> <strong> Monilia-Pilze (Monilia laxa und Monilia fructigena) </strong> <br>Monilia-Pilze sorgen unter anderem dafür, dass die Triebspitzen der Bäume absterben. Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Monilia laxa | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ Weiter <i> </i> Vorherige <i> </i> </p><p> <p><strong>⁠Pflanzenschutzmittel⁠&nbsp;nur im Notfall:</strong>&nbsp;Bevorzugen Sie grundsätzlich immer nicht-chemische Maßnahmen, bevor Sie&nbsp;<a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/pflanzenschutzmittel/wissenswertes-ueber-pflanzenschutzmittel">Pflanzenschutzmittel</a>&nbsp;einsetzen. Verwenden Sie Pflanzenschutzmittel nur, wenn alle anderen Maßnahmen keinen Erfolg gebracht haben und wenn mit großen Ernteverlusten zu rechnen ist. Prüfen Sie, ob Ihr Ziel auch mit&nbsp;<a href="https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/01_Aufgaben/04_Pflanzenstaerkungsmittel/psm_Pflanzenstaerkungsmittel_node.html">Pflanzenstärkungsmitteln</a>&nbsp;oder mit dem Einsatz von&nbsp;<a href="https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/04_Anwender/02_AnwendungGrundstoffe/psm_AnwendungGrundstoffe_node.html;jsessionid=FDBEE81656F55AB03C484996E1D3360E.internet942#doc11030656bodyText2">Grundstoffen</a>&nbsp;erreicht werden kann. Entscheiden Sie sich doch für ein Pflanzenschutzmittel, wählen Sie möglichst umweltverträgliche Wirkstoffe. Verwenden Sie nur zugelassene Pflanzenschutzmittel und halten Sie sich genau an die Packungsbeilage. Weitere Tipps zum richtigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln finden Sie <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/57293">HIER</a>.</p> </p><p>Informationen für...</p>

Pflanzenschutz im Obstgarten: Kernobst

<p> So gelingt die Ernte in Ihrem Obstgarten <ul> <li>Wählen Sie widerstandsfähige Sorten und vielfältige Arten.</li> <li>Achten Sie auf einen passenden Standort, am besten sonnig und luftig.</li> <li>Lichten Sie die Bäume regelmäßig aus.</li> <li>Kontrollieren Sie die Bäume regelmäßig, um frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen.</li> <li>Ein Verzicht auf <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflanzenschutzmittel">Pflanzenschutzmittel</a> schont die Umwelt und Ihre Gartenmitbewohner.</li> </ul> Gewusst wie <p><strong>Schädlingen und Krankheiten vorbeugen:</strong></p> <ul> <li>Wählen Sie Sorten, die gegen problematische Krankheiten resistent bzw. generell robust und widerstandsfähig sind. Informieren Sie sich zu passenden Sorten in Fachmedien und lassen Sie sich im Fachhandel (z.B. Gärtnereien, Baumschulen) dazu beraten.</li> <li>Sorgen Sie für optimale Standortbedingungen um den unterschiedlichen Ansprüchen der Bäume gerecht zu werden. Prüfen Sie, ob die gewünschten Obstarten zum ⁠<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klima">Klima</a>⁠ in Ihrer Region passen.</li> <li>Kümmernde Kernobstgehölze sind nicht in jedem Fall krank. Dafür kann auch Bodenmüdigkeit verantwortlich sein. Vermeiden Sie deshalb, Kernobstgehölze an einen Platz zu pflanzen, an dem schon zuvor verwandte Arten standen.</li> <li>Pflanzen Sie nicht zu eng und entfernen Sie zu dicht stehende oder ins Bauminnere hineinwachsende Äste. Das sorgt für eine gute Durchlüftung.</li> <li>Vermeiden Sie Verletzungen an den Bäumen (z.B. beim Mähen), denn diese erleichtern das Eindringen von Krankheitserregern. Achten Sie beim Baumschnitt auf saubere, fachgerechte Schnittflächen.</li> <li>Gestalten Sie Ihren Garten möglichst naturnah, so dass sich viele Nützlinge darin wohl fühlen. Konkrete Tipps dazu finden Sie <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/57308">HIER</a>.</li> <li>Achten Sie auf hygienische Bedingungen damit sich Erreger gar nicht erst ausbreiten können. Desinfizieren Sie Schnittwerkzeuge mit 70-prozentigem Alkohol, wenn sie Kontakt mit kranken Pflanzen hatten.</li> <li>Entsorgen Sie befallene Pflanzenteile im Haus- oder Biomüll. Im Kompost können die erforderlichen Temperaturen, um die Erreger abzutöten, eventuell nicht erreicht werden.<strong>&nbsp;</strong></li> </ul> Die wichtigsten Schädlinge im Überblick <p><strong>Apfelwickler: </strong>Der Apfelwickler (<em>Cydia pomonella</em>) ist ein eher unauffälliger Falter, dessen Larven einen erheblichen Schaden anrichten können. Sie erkennen den Befall an den braunen Kotkrümeln, die rund ums Bohrloch an der Apfelschale haften. Apfelwickler befallen gelegentlich auch Birnen, Quitten, Aprikosen und Pfirsiche.</p> <ul> <li>Die Larven des Apfelwicklers überwintern gerne in rissigem Holz und in Fruchtmumien. Entfernen Sie deswegen Fruchtmumien und vermeiden Sie Verletzungen des Baumes. Lagern Sie Altholz nicht in der Nähe des Baumes.</li> <li>Hängen Sie Bambusstäbe in den Baum und entfernen Sie diese im Winter mit den eingesponnenen Larven. So lässt sich der Befall im nächsten Jahr reduzieren.</li> <li>Bringen Sie im Juni etwa zehn Zentimeter breite Wellpappenringe am Baumstamm an. Ende Juni wandern die Larven aus dem Obst und verstecken sich darin. Bürsten Sie diese Pappmanschetten wöchentlich über einem Eimer ab oder erneuern Sie diese. Die Larven können Sie an anderer Stelle gut sichtbar in Ihren Garten legen – als Delikatesse für die Vögel.</li> <li>Pflücken Sie befallene Früchte bereits im Juni / Juli und entsorgen Sie diese.</li> <li>Setzen Sie am Stamm und unter der Baumkrone Nematoden der Art&nbsp;<em>Steinernema feltiae</em>&nbsp;ein. Die winzigen Fadenwürmer dringen in die Larven ein und geben ein Bakterium ab, an dem die Schädlinge sterben. Rühren Sie die Nematoden in Wasser ein und spritzen Sie diese abends oder an einem bedeckten Tag im Herbst bei mindestens 12 Grad.</li> <li>Ebenfalls nützlich sind Schlupfwespen der Art&nbsp;<em>Trichogramma cacoeciae</em>, die ihre Eier in die Eier der Apfelwickler legen. Verteilen Sie die Kärtchen mit den Schlupfwespen ab Mai in vier Durchgängen im Abstand von drei bis vier Wochen im Baum. Die Temperatur sollte möglichst bei über 15 Grad liegen.</li> <li>Ein Einsatz der Grundstoffe Fruktose oder Saccharose als Blattspritzung im Frühjahr kann hilfreich sein, um den Apfelwickler von der Eiablage auf den Blättern abzuhalten.</li> <li>Fördern Sie natürliche Gegenspieler des Apfelwicklers wie Vögel, Ohrwürmer und Wanzen. Bieten Sie zum Beispiel Ohrwürmern kleine Häuschen an. Befüllen Sie dazu Blumentöpfe mit Stroh und hängen Sie diese kopfüber in Ihre Bäume.</li> <li>Auch Schafe und Ziegen tragen zur Reduzierung der Schädlinge bei indem sie heruntergefallene Früchte mitsamt den Larven fressen.</li> </ul> <p><strong>Sägewespen:</strong>&nbsp;Die Apfel- und die Birnensägewespe (<em>Hoplocampa testudinea</em>&nbsp;und&nbsp;<em>Hoplocampa brevis</em>) sowie die Schwarze und die Gelbe Pflaumensägewespe (<em>Hoplocampa minuta</em>&nbsp;und&nbsp;<em>Hoplocampa flava</em>) fressen sich durch das Fleisch der Früchte. Die Fraßgänge unterscheiden sich optisch vom Apfelwickler.</p> <ul> <li>Achten Sie auf die Sortenwahl. Apfelsorten werden umso stärker befallen, je weißer ihre Blüten sind. Entsprechend sind reinweiß blühende Sorten stärker gefährdet als rosa blühende.</li> <li>Gehen Sie nicht in jedem Fall gegen den Befall vor. In Jahren, in denen die Bäume sehr viele Blüten ansetzen, kann ein leichter Befall durch Sägewespen nützlich sein und so die ⁠<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/fruchtausdunnung">Fruchtausdünnung</a>⁠ ersetzen. Schütteln Sie die befallenen Früchte nach der Blüte ab und entsorgen Sie diese.</li> <li>Zur Apfelblüte schlüpfen die ausgewachsenen Sägewespen aus dem Boden und im Juni begeben sich die Larven wieder in den Boden zurück, wo sie den Sommer und Winter verbringen. Werden Hühner in diesem Zeitraum (April bis Juni) unter den Obstbäumen gehalten, vertilgen sie einen Großteil der Schädlinge.</li> <li>Auch Singvögel sind natürliche Feinde der Sägewespen. Unterstützen Sie Vögel mit Nisthilfen und einer naturnahen Gartengestaltung.</li> <li>Ein Einsatz der Grundstoffe Fruktose oder Saccharose als Blattspritzung im Frühjahr kann hilfreich sein, um Sägewespen von der Eiablage auf den Blättern abzuhalten.</li> <li>Sie können weiße Leimtafeln in den Baumkronen aufhängen. Diese dienen jedoch eher der Befallskontrolle als der direkten Bekämpfung. Die Sägewespen halten die weißen Tafeln für große Blüten und bleiben daran kleben. Doch Vorsicht, auch Nützlinge, <a href="https://www.nabu-leipzig.de/gruppen/arbeitskreis-ornithologie-und-vogelschutz/leimfallen/">Vögel und Fledermäuse können daran kleben bleiben</a> und verenden. Die Flugzeit der Sägewespen beginnt etwa eine Woche vor der Blüte und endet eine Woche nach der Blüte. Ist sie vorbei sollten die Leimtafeln schnellstmöglich abgenommen werden. Besser wäre, ganz darauf zu verzichten.</li> </ul> <p><strong>Kleiner Frostspanner:</strong>&nbsp;Die Larven des Kleinen Frostspanners (<em>Operophtera brumata</em>) hinterlassen Fraßschäden an einigen Obstbaumarten und anderen Laubgehölzen. Oft sind die Schäden jahrelang gering, dann plötzlich treten die Frostspanner in Massen auf. Die grasgrünen etwa 2,5 Zentimeter langen Räupchen bewegen sich vorwärts, indem sie zunächst einen hohen Katzenbuckel machen und sich dann strecken.</p> <ul> <li>Frostspanner haben viele Fraßfeinde. Je mehr Nützlinge in Ihrem Garten vorkommen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit eines massenhaften Auftretens von Frostspannern. Allein 77 Vogelarten fressen die Raupen des Frostspanners. Insbesondere zur Brutzeit sind die Raupen eine wertvolle Nahrung für Vögel. Bieten Sie Nisthilfen an, zum Beispiel für Kohlmeisen. Auch Schlupfwespen, Käfer, Spinnen und Ameisen sind Gegenspieler des Frostspanners.</li> <li>Wenn Sie im Frühjahr zur Zeit des Blattaustriebs sehr viele frischgeschlüpfte Raupen finden, kann ein Präparat mit <em>Bacillus thuringiensis</em> helfen. Das Präparat wird ins Wasser einrührt und auf die Bäume gespritzt.</li> <li>Das Anbringen von Leimringen am Stamm im Oktober soll die Weibchen des Frostspanners daran hindern, den Baum hochzukriechen und ihre Eier dort abzulegen. Doch Vorsicht, auch <a href="https://www.nabu-leipzig.de/gruppen/arbeitskreis-ornithologie-und-vogelschutz/leimfallen/">Vögel und Fledermäuse können am Leim kleben bleiben</a> und sterben. Wer nicht auf Leimringe verzichten will kann eine Drahtmanschette um den Ring anbringen, damit Vögel und Fledermäuse nicht daran kleben bleiben. Eine andere Möglichkeit ist, die Leimringe relativ niedrig, 30 bis 40 Zentimeter über dem Boden, anzubringen.</li> </ul> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/einbohrung.jpg"> </a> <strong> Apfelwickler (Cydia pomonella) </strong> <br>Am Bohrloch und den anhaftenden Kotkrümeln sind vom Apfelwickler befallene Früchte gut zu erkennen. Quelle: Lampe | www.greencommons.de | Apfelwicklereinbohrung Sorte Rubinette | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/apfelsaegewespebefall_4.jpg"> </a> <strong> Apfelsägewespe (Hoplocampa testudinea) </strong> <br>Die gut sichtbaren bogenförmigen Fraßgänge verraten, dass hier eine Apfelsägewespe am Werk war. Quelle: Uwe Harzer DLR Rheinpfalz | www.hortipendium.de | Apfelsägewespe Hoplocampa testudinea - Fruchtbefall | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/apfelsaegewespe_made_001.jpg"> </a> <strong> Larve der Apfelsägewespe (Hoplocampa testudinea) in befallener Frucht </strong> Quelle: Uwe Harzer DLR Rheinpfalz | www.greencommons.de | Apfelsägewespe (Hoplocampa testudinea) - Made (Larve) in befallener Frucht | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/operophtera_brumata01.jpg"> </a> <strong> Kleiner Frostspanner (Operophtera brumata) </strong> <br>Der Kleine Frostspanner legt seine Eier im Spätherbst an jungen Trieben ab. Zum Knospenaufbruch im Frühjahr schlüpfen die Larven. Quelle: Jeffdelonge | www.wikimedia.org | Operophtera brumata | https://commons.wikimedia.org/wiki/Template:Attribution_Entomart <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/operophtera_brumata_larva.jpg"> </a> <strong> Raupe des Kleinen Frostspanners (Operophtera brumata) </strong> <br>Die grasgrünen Raupen des Kleinen Frostspanners bewegen sich in katzenbuckelartigen Bewegungen vorwärts. Quelle: Gyorgy Csoka Hungary Forest Research Institute Hungary | www.wikimedia.org | English Operophtera brumata larva | https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/us/deed.en <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/klebetafel_nabu_leipzig.jpg"> </a> <strong> Vorsicht beim Einsatz von Leimringen und Klebetafeln zur Schädlingsbekämpfung! </strong> <br>Auch nützliche Insekten, kleine Singvögel und Fledermäuse bleiben daran kleben und verenden. Wenn Sie nicht auf Klebefallen verzichten wollen, dann nutzen Sie diese nur kurzzeitig in der jeweiligen Aktivitätsphase des Schädlings. Entfernen Sie die Fallen danach umgehend. Mit dem Anbringen einer Gittermanschette über dem Leimring verhindern Sie, dass Vögel und Fledermäuse kleben bleiben. Im besten Fall verzichten Sie auf den Einsatz von Leimfallen. Quelle: NABU Leipzig Weiter <i> </i> Vorherige <i> </i> Die wichtigsten Krankheiten im Überblick <p><strong>Apfelschorf:</strong>&nbsp;Flecken mit einer rauen, oft rissigen Oberfläche sind charakteristische Symptome eines Befalls mit Apfelschorf (<em>Venturia inaequalis</em>). Spät befallene Früchte zeigen lediglich kleine schwarze Punkte. Auf den Blättern erkennen Sie den Befall jedoch schon früh an den dunkelgrünen bis braunen Flecken. Apfelschorf ist eher ein optischer Makel, die Früchte können bedenkenlos gegessen werden. Allerdings ist die Lagerfähigkeit durch den Schorf verringert. Es können sich dunkle, eingesunkene Flecken während der Lagerung bilden.</p> <ul> <li>Der Pilz überwintert auf den heruntergefallenen Blättern, lassen Sie deshalb bei Befall kein Laub liegen. <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/15470">Kompostieren</a> Sie das Laub oder bringen Sie es an anderer Stelle wieder aus, z.B. als Überwinterungsquartier für Igel unter einer Hecke.</li> <li>Durch das Ausbringen von Vinasse oder von Bierhefeextrakt auf das Falllaub können Sie die schnellere Verrottung des Falllaubs anregen. Das fördert eine vermehrte Ansiedlung von Mikroorganismen, wodurch das Laub für Regenwürmer attraktiver wird. Zusätzlich reduziert das die Sporen des Schorfpilzes. Eine zwei- bis dreimalige Ausbringung zwischen Laubfall und März ist zu empfehlen.</li> <li>Nutzen Sie ⁠<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflanzenstaerkungsmittel">Pflanzenstärkungsmittel</a>⁠ wie Gesteinsmehle, Schwefelsaure Tonerde, Schachtelhalm und Algenextrakte.</li> <li>Der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/grundstoff">Grundstoff</a> Calciumhydroxid kann vorbeugend eingesetzt werden.</li> <li>Auch Schafe und Ziegen helfen bei der Befallsregulation, sie fressen das abgefallene Laub mitsamt der Pilzsporen. Achten Sie auf eine artgerechte Haltung.</li> <li>Achtung Verwechslungsgefahr: Eingesunkene braune Flecken an Äpfeln können auch durch einen Calcium-Mangel hervorgerufen werden, der sogenannten Stippe. Bei tatsächlichem Calcium-Mangel sollten Sie den Boden kalken oder Calcium über eine Blattdüngung zuführen. In Jahren mit übermäßigem Blüten- oder Fruchtansatz können Sie der Stippe auch mit einer <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/fruchtausdunnung">Fruchtausdünnung</a> vorbeugen.</li> </ul> <p><strong>Obstbaumkrebs:&nbsp;</strong>Für den sogenannten Obstbaumkrebs ist ein Pilz namens <em>Neonectria ditissima </em>verantwortlich. Er ist ein Wundparasit, bei feuchtem ⁠<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/wetter">Wetter</a>⁠ dringt er über Risse und Wunden in die Rinde ein.</p> <ul> <li>Machen Sie schwere Böden schon bei der Pflanzung mit gewaschenem Sand durchlässiger. So vermeiden Sie Staunässe.</li> <li>Schneiden Sie die Bäume fachgerecht und nur bei trockener ⁠<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/witterung">Witterung</a>⁠.</li> <li>Vermeiden Sie Verletzungen des Baumes, zum Beispiel beim Rasenmähen.</li> <li>Beugen Sie Frostrissen bei jungen Obstbäumen mit einem Weißanstrich vor.</li> <li>Vermeiden Sie übermäßige Stickstoff-Düngung.</li> <li>Befallene junge Triebe sollten Sie etwa 30 Zentimeter unterhalb der befallenen Stelle kappen. Schneiden Sie die Befallsstellen bei größeren Ästen bis ins gesunde Holz zurück. Befallenen Baumschnitt sollten Sie nicht kompostieren, sondern entsorgen.</li> </ul> <p><strong>Feuerbrand:</strong>&nbsp;Die hochansteckende Bakterienkrankheit (<em>Erwinia amylovora</em>) kann diverse Obst- und Ziergehölze, wie Birnen, Quitten, Äpfel, Rot- und Weißdorn innerhalb kurzer Zeit erheblich schädigen. Vor allem bei feucht-warmer ⁠Witterung⁠ verbreitet sich der Erreger explosionsartig. Die infizierten Blätter, Blüten und Früchte färben sich rotbraun bis schwarz und schrumpeln lederartig zusammen. Feuerbrand gilt als gefährlichste Krankheit des Kernobstes. Seit 2019 ist die Krankheit nicht mehr meldepflichtig. Tritt sie in der Nähe von Baumschulen oder Obstanlagen auf, sollten Sie sich dennoch an den <a href="https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/02_Verbraucher/03_HausKleingarten/01_amtl_Auskunftsstellen/Auskunftsstellen_node.html">in Ihrem Bundesland zuständigen Pflanzenschutzdienst</a> wenden.</p> <ul> <li>Pflanzenstärkungsmittel aus schwefelsaurer Tonerde können vorbeugend ausgebracht werden.</li> <li>Sind nur einzelne Triebe betroffen, sollten Sie diese 50 Zentimeter unter der Befallsstelle abschneiden. Tragen Sie danach ein Wundpflegemittel auf.</li> <li>Ist der Befall stark, sollten Sie das Gehölz roden.</li> <li>Überprüfen Sie auch benachbarte mögliche Wirtspflanzen (z.B. Vogelbeere, Mehlbeere, Cotoneaster, Eberesche, Felsenbirne) auf Befall.</li> <li>Vorsicht bei der Entsorgung! Melden Sie sich bei der Kommune! Befallene Pflanzenteile auf keinen Fall kompostieren!</li> <li>Tragen Sie Einmalhandschuhe und desinfizieren Sie die Schnittwerkzeuge mit 70-prozentigem Alkohol.</li> </ul> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/apfelschorf_ojl_fotolia_45577456_m.jpg"> </a> <strong> Apfelschorf (Venturia inaequalis) </strong> <br>Nicht schön, aber auch nicht gesundheitsschädlich. Mit Schorf befallene Äpfel können bedenkenlos verzehrt werden. Quelle: ojl / de.fotolia.com <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/apfel-nectria1-hoyer.jpg"> </a> <strong> Obstbaumkrebs (Neonectria ditissima) </strong> <br>Obstbaumkrebs tritt vor allem an Apfelbäumen auf, seltener auch an Birnbäumen. Quelle: Christoph Hoyer <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/feuerbrand_ninjatacoshell_wikimedia_cc_by-sa_3.0.png"> </a> <strong> Feuerbrand (Erwinia amylovora) gilt als gefährlichste Krankheit des Kernobstes. </strong> Quelle: Ninjatacoshell / Wikimedia / CC BY-SA 3.0 Weiter <i> </i> Vorherige <i> </i> <p><strong>Pflanzenschutzmittel⁠&nbsp;nur im Notfall:</strong>&nbsp;Bevorzugen Sie grundsätzlich immer nicht-chemische Maßnahmen, bevor Sie&nbsp;<a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/pflanzenschutzmittel/wissenswertes-ueber-pflanzenschutzmittel">Pflanzenschutzmittel</a>&nbsp;einsetzen. Verwenden Sie Pflanzenschutzmittel nur, wenn alle anderen Maßnahmen keinen Erfolg gebracht haben und wenn mit großen Ernteverlusten zu rechnen ist. Prüfen Sie, ob Ihr Ziel auch mit&nbsp;<a href="https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/01_Aufgaben/04_Pflanzenstaerkungsmittel/psm_Pflanzenstaerkungsmittel_node.html">Pflanzenstärkungsmitteln</a>&nbsp;oder mit dem Einsatz von&nbsp;<a href="https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/04_Anwender/02_AnwendungGrundstoffe/psm_AnwendungGrundstoffe_node.html;jsessionid=FDBEE81656F55AB03C484996E1D3360E.internet942#doc11030656bodyText2">Grundstoffen</a>&nbsp;erreicht werden kann. Entscheiden Sie sich doch für ein Pflanzenschutzmittel, wählen Sie möglichst umweltverträgliche Wirkstoffe. Verwenden Sie nur zugelassene Pflanzenschutzmittel und halten Sie sich genau an die Packungsbeilage. Weitere Tipps zum richtigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln finden Sie <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/57293">HIER</a>.</p> </p><p> So gelingt die Ernte in Ihrem Obstgarten <ul> <li>Wählen Sie widerstandsfähige Sorten und vielfältige Arten.</li> <li>Achten Sie auf einen passenden Standort, am besten sonnig und luftig.</li> <li>Lichten Sie die Bäume regelmäßig aus.</li> <li>Kontrollieren Sie die Bäume regelmäßig, um frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen.</li> <li>Ein Verzicht auf <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflanzenschutzmittel">Pflanzenschutzmittel</a> schont die Umwelt und Ihre Gartenmitbewohner.</li> </ul> </p><p> Gewusst wie <p><strong>Schädlingen und Krankheiten vorbeugen:</strong></p> <ul> <li>Wählen Sie Sorten, die gegen problematische Krankheiten resistent bzw. generell robust und widerstandsfähig sind. Informieren Sie sich zu passenden Sorten in Fachmedien und lassen Sie sich im Fachhandel (z.B. Gärtnereien, Baumschulen) dazu beraten.</li> <li>Sorgen Sie für optimale Standortbedingungen um den unterschiedlichen Ansprüchen der Bäume gerecht zu werden. Prüfen Sie, ob die gewünschten Obstarten zum ⁠<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klima">Klima</a>⁠ in Ihrer Region passen.</li> <li>Kümmernde Kernobstgehölze sind nicht in jedem Fall krank. Dafür kann auch Bodenmüdigkeit verantwortlich sein. Vermeiden Sie deshalb, Kernobstgehölze an einen Platz zu pflanzen, an dem schon zuvor verwandte Arten standen.</li> <li>Pflanzen Sie nicht zu eng und entfernen Sie zu dicht stehende oder ins Bauminnere hineinwachsende Äste. Das sorgt für eine gute Durchlüftung.</li> <li>Vermeiden Sie Verletzungen an den Bäumen (z.B. beim Mähen), denn diese erleichtern das Eindringen von Krankheitserregern. Achten Sie beim Baumschnitt auf saubere, fachgerechte Schnittflächen.</li> <li>Gestalten Sie Ihren Garten möglichst naturnah, so dass sich viele Nützlinge darin wohl fühlen. Konkrete Tipps dazu finden Sie <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/57308">HIER</a>.</li> <li>Achten Sie auf hygienische Bedingungen damit sich Erreger gar nicht erst ausbreiten können. Desinfizieren Sie Schnittwerkzeuge mit 70-prozentigem Alkohol, wenn sie Kontakt mit kranken Pflanzen hatten.</li> <li>Entsorgen Sie befallene Pflanzenteile im Haus- oder Biomüll. Im Kompost können die erforderlichen Temperaturen, um die Erreger abzutöten, eventuell nicht erreicht werden.<strong>&nbsp;</strong></li> </ul> Die wichtigsten Schädlinge im Überblick <p><strong>Apfelwickler: </strong>Der Apfelwickler (<em>Cydia pomonella</em>) ist ein eher unauffälliger Falter, dessen Larven einen erheblichen Schaden anrichten können. Sie erkennen den Befall an den braunen Kotkrümeln, die rund ums Bohrloch an der Apfelschale haften. Apfelwickler befallen gelegentlich auch Birnen, Quitten, Aprikosen und Pfirsiche.</p> <ul> <li>Die Larven des Apfelwicklers überwintern gerne in rissigem Holz und in Fruchtmumien. Entfernen Sie deswegen Fruchtmumien und vermeiden Sie Verletzungen des Baumes. Lagern Sie Altholz nicht in der Nähe des Baumes.</li> <li>Hängen Sie Bambusstäbe in den Baum und entfernen Sie diese im Winter mit den eingesponnenen Larven. So lässt sich der Befall im nächsten Jahr reduzieren.</li> <li>Bringen Sie im Juni etwa zehn Zentimeter breite Wellpappenringe am Baumstamm an. Ende Juni wandern die Larven aus dem Obst und verstecken sich darin. Bürsten Sie diese Pappmanschetten wöchentlich über einem Eimer ab oder erneuern Sie diese. Die Larven können Sie an anderer Stelle gut sichtbar in Ihren Garten legen – als Delikatesse für die Vögel.</li> <li>Pflücken Sie befallene Früchte bereits im Juni / Juli und entsorgen Sie diese.</li> <li>Setzen Sie am Stamm und unter der Baumkrone Nematoden der Art&nbsp;<em>Steinernema feltiae</em>&nbsp;ein. Die winzigen Fadenwürmer dringen in die Larven ein und geben ein Bakterium ab, an dem die Schädlinge sterben. Rühren Sie die Nematoden in Wasser ein und spritzen Sie diese abends oder an einem bedeckten Tag im Herbst bei mindestens 12 Grad.</li> <li>Ebenfalls nützlich sind Schlupfwespen der Art&nbsp;<em>Trichogramma cacoeciae</em>, die ihre Eier in die Eier der Apfelwickler legen. Verteilen Sie die Kärtchen mit den Schlupfwespen ab Mai in vier Durchgängen im Abstand von drei bis vier Wochen im Baum. Die Temperatur sollte möglichst bei über 15 Grad liegen.</li> <li>Ein Einsatz der Grundstoffe Fruktose oder Saccharose als Blattspritzung im Frühjahr kann hilfreich sein, um den Apfelwickler von der Eiablage auf den Blättern abzuhalten.</li> <li>Fördern Sie natürliche Gegenspieler des Apfelwicklers wie Vögel, Ohrwürmer und Wanzen. Bieten Sie zum Beispiel Ohrwürmern kleine Häuschen an. Befüllen Sie dazu Blumentöpfe mit Stroh und hängen Sie diese kopfüber in Ihre Bäume.</li> <li>Auch Schafe und Ziegen tragen zur Reduzierung der Schädlinge bei indem sie heruntergefallene Früchte mitsamt den Larven fressen.</li> </ul> <p><strong>Sägewespen:</strong>&nbsp;Die Apfel- und die Birnensägewespe (<em>Hoplocampa testudinea</em>&nbsp;und&nbsp;<em>Hoplocampa brevis</em>) sowie die Schwarze und die Gelbe Pflaumensägewespe (<em>Hoplocampa minuta</em>&nbsp;und&nbsp;<em>Hoplocampa flava</em>) fressen sich durch das Fleisch der Früchte. Die Fraßgänge unterscheiden sich optisch vom Apfelwickler.</p> <ul> <li>Achten Sie auf die Sortenwahl. Apfelsorten werden umso stärker befallen, je weißer ihre Blüten sind. Entsprechend sind reinweiß blühende Sorten stärker gefährdet als rosa blühende.</li> <li>Gehen Sie nicht in jedem Fall gegen den Befall vor. In Jahren, in denen die Bäume sehr viele Blüten ansetzen, kann ein leichter Befall durch Sägewespen nützlich sein und so die ⁠<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/fruchtausdunnung">Fruchtausdünnung</a>⁠ ersetzen. Schütteln Sie die befallenen Früchte nach der Blüte ab und entsorgen Sie diese.</li> <li>Zur Apfelblüte schlüpfen die ausgewachsenen Sägewespen aus dem Boden und im Juni begeben sich die Larven wieder in den Boden zurück, wo sie den Sommer und Winter verbringen. Werden Hühner in diesem Zeitraum (April bis Juni) unter den Obstbäumen gehalten, vertilgen sie einen Großteil der Schädlinge.</li> <li>Auch Singvögel sind natürliche Feinde der Sägewespen. Unterstützen Sie Vögel mit Nisthilfen und einer naturnahen Gartengestaltung.</li> <li>Ein Einsatz der Grundstoffe Fruktose oder Saccharose als Blattspritzung im Frühjahr kann hilfreich sein, um Sägewespen von der Eiablage auf den Blättern abzuhalten.</li> <li>Sie können weiße Leimtafeln in den Baumkronen aufhängen. Diese dienen jedoch eher der Befallskontrolle als der direkten Bekämpfung. Die Sägewespen halten die weißen Tafeln für große Blüten und bleiben daran kleben. Doch Vorsicht, auch Nützlinge, <a href="https://www.nabu-leipzig.de/gruppen/arbeitskreis-ornithologie-und-vogelschutz/leimfallen/">Vögel und Fledermäuse können daran kleben bleiben</a> und verenden. Die Flugzeit der Sägewespen beginnt etwa eine Woche vor der Blüte und endet eine Woche nach der Blüte. Ist sie vorbei sollten die Leimtafeln schnellstmöglich abgenommen werden. Besser wäre, ganz darauf zu verzichten.</li> </ul> <p><strong>Kleiner Frostspanner:</strong>&nbsp;Die Larven des Kleinen Frostspanners (<em>Operophtera brumata</em>) hinterlassen Fraßschäden an einigen Obstbaumarten und anderen Laubgehölzen. Oft sind die Schäden jahrelang gering, dann plötzlich treten die Frostspanner in Massen auf. Die grasgrünen etwa 2,5 Zentimeter langen Räupchen bewegen sich vorwärts, indem sie zunächst einen hohen Katzenbuckel machen und sich dann strecken.</p> <ul> <li>Frostspanner haben viele Fraßfeinde. Je mehr Nützlinge in Ihrem Garten vorkommen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit eines massenhaften Auftretens von Frostspannern. Allein 77 Vogelarten fressen die Raupen des Frostspanners. Insbesondere zur Brutzeit sind die Raupen eine wertvolle Nahrung für Vögel. Bieten Sie Nisthilfen an, zum Beispiel für Kohlmeisen. Auch Schlupfwespen, Käfer, Spinnen und Ameisen sind Gegenspieler des Frostspanners.</li> <li>Wenn Sie im Frühjahr zur Zeit des Blattaustriebs sehr viele frischgeschlüpfte Raupen finden, kann ein Präparat mit <em>Bacillus thuringiensis</em> helfen. Das Präparat wird ins Wasser einrührt und auf die Bäume gespritzt.</li> <li>Das Anbringen von Leimringen am Stamm im Oktober soll die Weibchen des Frostspanners daran hindern, den Baum hochzukriechen und ihre Eier dort abzulegen. Doch Vorsicht, auch <a href="https://www.nabu-leipzig.de/gruppen/arbeitskreis-ornithologie-und-vogelschutz/leimfallen/">Vögel und Fledermäuse können am Leim kleben bleiben</a> und sterben. Wer nicht auf Leimringe verzichten will kann eine Drahtmanschette um den Ring anbringen, damit Vögel und Fledermäuse nicht daran kleben bleiben. Eine andere Möglichkeit ist, die Leimringe relativ niedrig, 30 bis 40 Zentimeter über dem Boden, anzubringen.</li> </ul> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/einbohrung.jpg"> </a> <strong> Apfelwickler (Cydia pomonella) </strong> <br>Am Bohrloch und den anhaftenden Kotkrümeln sind vom Apfelwickler befallene Früchte gut zu erkennen. Quelle: Lampe | www.greencommons.de | Apfelwicklereinbohrung Sorte Rubinette | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/apfelsaegewespebefall_4.jpg"> </a> <strong> Apfelsägewespe (Hoplocampa testudinea) </strong> <br>Die gut sichtbaren bogenförmigen Fraßgänge verraten, dass hier eine Apfelsägewespe am Werk war. Quelle: Uwe Harzer DLR Rheinpfalz | www.hortipendium.de | Apfelsägewespe Hoplocampa testudinea - Fruchtbefall | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/apfelsaegewespe_made_001.jpg"> </a> <strong> Larve der Apfelsägewespe (Hoplocampa testudinea) in befallener Frucht </strong> Quelle: Uwe Harzer DLR Rheinpfalz | www.greencommons.de | Apfelsägewespe (Hoplocampa testudinea) - Made (Larve) in befallener Frucht | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/operophtera_brumata01.jpg"> </a> <strong> Kleiner Frostspanner (Operophtera brumata) </strong> <br>Der Kleine Frostspanner legt seine Eier im Spätherbst an jungen Trieben ab. Zum Knospenaufbruch im Frühjahr schlüpfen die Larven. Quelle: Jeffdelonge | www.wikimedia.org | Operophtera brumata | https://commons.wikimedia.org/wiki/Template:Attribution_Entomart <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/operophtera_brumata_larva.jpg"> </a> <strong> Raupe des Kleinen Frostspanners (Operophtera brumata) </strong> <br>Die grasgrünen Raupen des Kleinen Frostspanners bewegen sich in katzenbuckelartigen Bewegungen vorwärts. Quelle: Gyorgy Csoka Hungary Forest Research Institute Hungary | www.wikimedia.org | English Operophtera brumata larva | https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/us/deed.en <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/klebetafel_nabu_leipzig.jpg"> </a> <strong> Vorsicht beim Einsatz von Leimringen und Klebetafeln zur Schädlingsbekämpfung! </strong> <br>Auch nützliche Insekten, kleine Singvögel und Fledermäuse bleiben daran kleben und verenden. Wenn Sie nicht auf Klebefallen verzichten wollen, dann nutzen Sie diese nur kurzzeitig in der jeweiligen Aktivitätsphase des Schädlings. Entfernen Sie die Fallen danach umgehend. Mit dem Anbringen einer Gittermanschette über dem Leimring verhindern Sie, dass Vögel und Fledermäuse kleben bleiben. Im besten Fall verzichten Sie auf den Einsatz von Leimfallen. Quelle: NABU Leipzig Weiter <i> </i> Vorherige <i> </i> </p><p> Die wichtigsten Krankheiten im Überblick <p><strong>Apfelschorf:</strong>&nbsp;Flecken mit einer rauen, oft rissigen Oberfläche sind charakteristische Symptome eines Befalls mit Apfelschorf (<em>Venturia inaequalis</em>). Spät befallene Früchte zeigen lediglich kleine schwarze Punkte. Auf den Blättern erkennen Sie den Befall jedoch schon früh an den dunkelgrünen bis braunen Flecken. Apfelschorf ist eher ein optischer Makel, die Früchte können bedenkenlos gegessen werden. Allerdings ist die Lagerfähigkeit durch den Schorf verringert. Es können sich dunkle, eingesunkene Flecken während der Lagerung bilden.</p> <ul> <li>Der Pilz überwintert auf den heruntergefallenen Blättern, lassen Sie deshalb bei Befall kein Laub liegen. <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/15470">Kompostieren</a> Sie das Laub oder bringen Sie es an anderer Stelle wieder aus, z.B. als Überwinterungsquartier für Igel unter einer Hecke.</li> <li>Durch das Ausbringen von Vinasse oder von Bierhefeextrakt auf das Falllaub können Sie die schnellere Verrottung des Falllaubs anregen. Das fördert eine vermehrte Ansiedlung von Mikroorganismen, wodurch das Laub für Regenwürmer attraktiver wird. Zusätzlich reduziert das die Sporen des Schorfpilzes. Eine zwei- bis dreimalige Ausbringung zwischen Laubfall und März ist zu empfehlen.</li> <li>Nutzen Sie ⁠<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflanzenstaerkungsmittel">Pflanzenstärkungsmittel</a>⁠ wie Gesteinsmehle, Schwefelsaure Tonerde, Schachtelhalm und Algenextrakte.</li> <li>Der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/grundstoff">Grundstoff</a> Calciumhydroxid kann vorbeugend eingesetzt werden.</li> <li>Auch Schafe und Ziegen helfen bei der Befallsregulation, sie fressen das abgefallene Laub mitsamt der Pilzsporen. Achten Sie auf eine artgerechte Haltung.</li> <li>Achtung Verwechslungsgefahr: Eingesunkene braune Flecken an Äpfeln können auch durch einen Calcium-Mangel hervorgerufen werden, der sogenannten Stippe. Bei tatsächlichem Calcium-Mangel sollten Sie den Boden kalken oder Calcium über eine Blattdüngung zuführen. In Jahren mit übermäßigem Blüten- oder Fruchtansatz können Sie der Stippe auch mit einer <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/fruchtausdunnung">Fruchtausdünnung</a> vorbeugen.</li> </ul> <p><strong>Obstbaumkrebs:&nbsp;</strong>Für den sogenannten Obstbaumkrebs ist ein Pilz namens <em>Neonectria ditissima </em>verantwortlich. Er ist ein Wundparasit, bei feuchtem ⁠<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/wetter">Wetter</a>⁠ dringt er über Risse und Wunden in die Rinde ein.</p> <ul> <li>Machen Sie schwere Böden schon bei der Pflanzung mit gewaschenem Sand durchlässiger. So vermeiden Sie Staunässe.</li> <li>Schneiden Sie die Bäume fachgerecht und nur bei trockener ⁠<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/witterung">Witterung</a>⁠.</li> <li>Vermeiden Sie Verletzungen des Baumes, zum Beispiel beim Rasenmähen.</li> <li>Beugen Sie Frostrissen bei jungen Obstbäumen mit einem Weißanstrich vor.</li> <li>Vermeiden Sie übermäßige Stickstoff-Düngung.</li> <li>Befallene junge Triebe sollten Sie etwa 30 Zentimeter unterhalb der befallenen Stelle kappen. Schneiden Sie die Befallsstellen bei größeren Ästen bis ins gesunde Holz zurück. Befallenen Baumschnitt sollten Sie nicht kompostieren, sondern entsorgen.</li> </ul> <p><strong>Feuerbrand:</strong>&nbsp;Die hochansteckende Bakterienkrankheit (<em>Erwinia amylovora</em>) kann diverse Obst- und Ziergehölze, wie Birnen, Quitten, Äpfel, Rot- und Weißdorn innerhalb kurzer Zeit erheblich schädigen. Vor allem bei feucht-warmer ⁠Witterung⁠ verbreitet sich der Erreger explosionsartig. Die infizierten Blätter, Blüten und Früchte färben sich rotbraun bis schwarz und schrumpeln lederartig zusammen. Feuerbrand gilt als gefährlichste Krankheit des Kernobstes. Seit 2019 ist die Krankheit nicht mehr meldepflichtig. Tritt sie in der Nähe von Baumschulen oder Obstanlagen auf, sollten Sie sich dennoch an den <a href="https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/02_Verbraucher/03_HausKleingarten/01_amtl_Auskunftsstellen/Auskunftsstellen_node.html">in Ihrem Bundesland zuständigen Pflanzenschutzdienst</a> wenden.</p> <ul> <li>Pflanzenstärkungsmittel aus schwefelsaurer Tonerde können vorbeugend ausgebracht werden.</li> <li>Sind nur einzelne Triebe betroffen, sollten Sie diese 50 Zentimeter unter der Befallsstelle abschneiden. Tragen Sie danach ein Wundpflegemittel auf.</li> <li>Ist der Befall stark, sollten Sie das Gehölz roden.</li> <li>Überprüfen Sie auch benachbarte mögliche Wirtspflanzen (z.B. Vogelbeere, Mehlbeere, Cotoneaster, Eberesche, Felsenbirne) auf Befall.</li> <li>Vorsicht bei der Entsorgung! Melden Sie sich bei der Kommune! Befallene Pflanzenteile auf keinen Fall kompostieren!</li> <li>Tragen Sie Einmalhandschuhe und desinfizieren Sie die Schnittwerkzeuge mit 70-prozentigem Alkohol.</li> </ul> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/apfelschorf_ojl_fotolia_45577456_m.jpg"> </a> <strong> Apfelschorf (Venturia inaequalis) </strong> <br>Nicht schön, aber auch nicht gesundheitsschädlich. Mit Schorf befallene Äpfel können bedenkenlos verzehrt werden. Quelle: ojl / de.fotolia.com <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2618/bilder/apfel-nectria1-hoyer.jpg"> </a> <strong> Obstbaumkrebs (Neonectria ditissima) </strong> <br>Obstbaumkrebs tritt vor allem an Apfelbäumen auf, seltener auch an Birnbäumen. Quelle: Christoph Hoyer <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11906/bilder/feuerbrand_ninjatacoshell_wikimedia_cc_by-sa_3.0.png"> </a> <strong> Feuerbrand (Erwinia amylovora) gilt als gefährlichste Krankheit des Kernobstes. </strong> Quelle: Ninjatacoshell / Wikimedia / CC BY-SA 3.0 Weiter <i> </i> Vorherige <i> </i> </p><p> <p><strong>Pflanzenschutzmittel⁠&nbsp;nur im Notfall:</strong>&nbsp;Bevorzugen Sie grundsätzlich immer nicht-chemische Maßnahmen, bevor Sie&nbsp;<a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/pflanzenschutzmittel/wissenswertes-ueber-pflanzenschutzmittel">Pflanzenschutzmittel</a>&nbsp;einsetzen. Verwenden Sie Pflanzenschutzmittel nur, wenn alle anderen Maßnahmen keinen Erfolg gebracht haben und wenn mit großen Ernteverlusten zu rechnen ist. Prüfen Sie, ob Ihr Ziel auch mit&nbsp;<a href="https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/01_Aufgaben/04_Pflanzenstaerkungsmittel/psm_Pflanzenstaerkungsmittel_node.html">Pflanzenstärkungsmitteln</a>&nbsp;oder mit dem Einsatz von&nbsp;<a href="https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/04_Anwender/02_AnwendungGrundstoffe/psm_AnwendungGrundstoffe_node.html;jsessionid=FDBEE81656F55AB03C484996E1D3360E.internet942#doc11030656bodyText2">Grundstoffen</a>&nbsp;erreicht werden kann. Entscheiden Sie sich doch für ein Pflanzenschutzmittel, wählen Sie möglichst umweltverträgliche Wirkstoffe. Verwenden Sie nur zugelassene Pflanzenschutzmittel und halten Sie sich genau an die Packungsbeilage. Weitere Tipps zum richtigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln finden Sie <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/57293">HIER</a>.</p> </p><p> </p><p>Informationen für...</p>

Katrin Eder: „Littering verursacht immense ökologische und ökonomische Kosten“

Klimaschutzministerin Katrin Eder packt als Schirmherrin beim RhineCleanUp an, um Ufer von Müll zu befreien – Kosten für Müll in der Landschaft betragen Rheinland-Pfalz weit rund 3,3 Millionen Euro jährlich. „Achtlos weggeworfener Müll verursacht immense Schäden in der Natur, in unserem Wasser und auch in den Haushaltskassen. Das muss ein Ende haben. Ich setze mich dafür ein, dass wir weiterhin sauberes Wasser trinken und uns weiterhin an sauberen Gewässern erholen können, statt in Müll zu tauchen“, so Klimaschutzministerin Katrin Eder anlässlich des heutigen RhineCleanUps, für den sie die Schirmherrrschaft in Rheinland-Pfalz übernommen hat. Anlässlich dieses Tages werden der gesamte Rhein von der Quelle bis zur Mündung sowie weitere Flüsse von zahlreichen freiwilligen Helferinnen und Helfern von Müll befreit, auch die Klimaschutzministerin packt mit an. „Die Vermüllung unserer Landschaft hat ein schreckliches Ausmaß angenommen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler prognostizieren, dass bis 2050 bezogen auf das Gewicht mehr Plastik im Meer schwimmt als Fische. Deshalb appelliere ich an alle, Müll nicht achtlos in der Landschaft zu entsorgen sowie auf Mehrweg- statt auf Einwegprodukte zu setzen und Dinge zu reparieren statt neu zu kaufen. Sogenanntes Littering ist für das qualvolle Sterben tausender Vögel und Fische verantwortlich, da sie das Plastik irrtümlich für Nahrung halten, dieses dann aber nicht verdauen können oder aufgrund von Verletzungen, etwa wenn sie sich an Plastikschnüren verheddern, sterben. Das muss ein Ende haben“, so Eder. Joachim Umbach, Gründer und Organisator von RhineCleanUp sagte: „RhineCleanUp unterstützt alle Aktivitäten, die die Vermüllung unserer Städte und Flüsse stoppen. Unsere Organisation bietet aber auch allen die Gelegenheit, selbst aktiv zu werden, selbst einen Beitrag gegen Umweltverschmutzung zu leisten. Das ist unser Erfolgsrezept. So können wir einen Beitrag leisten, dass die Weltmeere nicht im Plastikmüll ersticken. Wir sind froh und dankbar, dass das Land Rheinland-Pfalz uns dabei unterstützt.“ Nicht nur ökologisch und ästhetisch wird Müll in der Landschaft immer weiter zum Problem. Littering verursacht auch hohe Ausgaben der Kommunen: In Deutschland zahlen diese jährlich rund 700 Millionen Euro, um Parks und Straßen von Zigarettenkippen, To-Go-Bechern und anderen Einwegplastik-Produkten zu reinigen sowie öffentliche Abfallbehälter zu leeren und diese Abfälle zu entsorgen. Davon entfallen allein auf die Entsorgung von Zigarettenkippen rund 225 Millionen Euro. Für die Entsorgung von To-Go-Bechern aus Plastik fallen rund 120 Millionen Euro pro Jahr an. Pro Einwohnerin und Einwohner entsorgen die kommunalen Stadtreiniger in Deutschland knapp 140 Liter Straßenmüll pro Jahr. Das ist die Menge, die in Straßenpapierkörben, auf der Straße oder im Gebüsch landet. Ein Großteil dieser Abfälle sind mit mehr als 40 Prozent Produkte aus Einwegplastik und Verpackungen. In Rheinland-Pfalz betragen die Kosten für das Entsorgen von Littering rund 3,3 Millionen Euro jährlich. Der ökologische Schaden ist dabei nicht eingerechnet. „Umweltsünderinnen und -sünder müssen spüren, dass sie einen hohen Schaden anrichten und entsprechend zur Kasse gebeten werden. Daher können rheinland-pfälzische Kommunen Verstöße gegen Umweltschutzbestimmungen seit 2020 mit höheren Bußgeldern verfolgen. Littern von Zigarettenkippen und -schachteln kann nun mit Bußgeld von bis zu 250 Euro geahndet werden. Denn allein eine einzige in der Natur weggeworfene Zigarettenkippe kann mehr als 40 Liter Wasser vergiften“, so Eder. Ihr ist es wichtig, alle Menschen auf umwelt- und klimaschonende Alternativen hinzuweisen, um generell weniger Müll zu produzieren. So unterstützt das Klimaschutzministerium gemeinsam mit dem Umweltministerium in Hessen das Projekt Mehrweg-Modell-Stadt, das es in Mainz und Wiesbaden erleichtert, unterschiedliche Mehrweg-To-Go Behälter bei allen teilnehmenden Ausgabestellen zurückzugeben. Auch ein Projekt an der Hochschule Trier unterstützt das MKUEM, hier konnten seit Projektbeginn in der Mensa bereits circa 10.000 Einwegplastikbehälter eingespart werden. Die Kampagne Müll-nicht-rum zeigt außerdem zahlreiche Beispiele, was Müll verursacht und wie er vermieden werden kann. Ein Positivbeispiel für den Umgang mit Abfällen sind Handy-Sammelstellen, bei denen nicht mehr gebrauchte Handys zurückgegeben werden können, um die darin enthaltenen Rohstoffe in den Wirtschaftskreislauf zurückführen zu können. Die Müll nicht rum-Website gibt einen Überblick über Termine zu Veranstaltungen rund um das Thema Müll: https://muellnichtrum.rlp.de/aktionen/ Über RhineCleanUp: RhineCleanUp ist seit 2018 aktiv. Seitdem registriert die Organisation einen enormen Zulauf. Mittlerweile werden von über 700 Gruppen die Ufer von 26 Flüssen sauber gemacht – sowohl an einem großen Aktionstag, der stets am zweiten Samstag im September stattfindet, als auch ganzjährig. https://www.rhinecleanup.org/de

Berücksichtigung von Artenschutzbelangen bei der Errichtung von Kleinwindenergieanlagen

Ziel des Projektes ist es, erstmals in größerem Umfang Grundlagendaten zu erheben und somit die Auswirkungen von Kleinwindenergieanlagen (KWEA) auf Vögel und Fledermäuse zu beurteilen. Zusätzlich soll versucht werden, erste Einschätzungen über die Wirkfaktoren zu gewinnen, die mögliche Beeinträchtigungen beeinflussen (landschaftl. Kontext, Nutzung des Standorts, Abstand von Wald und Gebäuden etc.). Sollte sich bestätigen, dass in erhebl. Umfang negative Auswirkungen von KWEA auf Fledermäuse und Vögel ausgehen, werden Maßnahmen zur Vermeidung und Minderung dieser Auswirkungen aufgezeigt. Insgesamt soll mit dem Projekt ein erster Schritt zur Vereinheitlichung der Planungspraxis geleistet werden. Projektziele: a) Ermittlung der Kollisionsrate von Vögeln an KWEA. Die Gefährdung von Vogelarten durch Kollision mit den Rotoren der KWEA kann ein erhebl. Gefährdungspotential für Arten im Siedlungsbereich darstellen. Deshalb wird die Kollisionsrate von Vögeln an KWEA durch die Suche von Schlagopfern ermittelt. Zur Bestimmung der Kollisionsrate findet an den KWEA eine Suche nach mögl. Opfern nach den Vorgaben zur Schlagopfersuche nach KORNER-NIVERGELT et al. (2013) statt. Dabei soll das betroffene Artenspektrum ermittelt werden und versch. Wirkfaktoren wie der Typ der KWEA und die Geländestruktur Berücksichtigung finden. b) Beantwortung der Frage, ob Fledermäuse an KWEA getötet oder verletzt werden. In einem ersten Schritt werden akustische Dauererfassungen von Fledermausrufen an KWEA durchgeführt. Auf Grundlage dessen werden geeignete KWEA Standorte mit ausreichend Aktivität identifiziert. An diesen sollen intensive Beobachtungen mittels Wärmebild- bzw. Infrarotkameras und Fledermausdetektoren erfolgen, um herauszufinden, ob und in welcher Weise Tiere mit den Rotoren kollidieren. Im Rahmen der Schlagopfersuch von Vögeln werden auch Fledermausschlagopfer erfasst und falls möglich mit den akustischen Erfassungen korreliert. Um quantitative Ergebnisse bzgl. der Schlagopfer von Fledermäusen zu erhalten ist jedoch eine intensivere Nachsuche erforderlich. Dies erfolgt im Rahmen der intensiven Untersuchungen an ausgewählten KWEA. Insofern möglich, werden erste Zusammenhänge zwischen Kollision und versch. Wirkfaktoren dargestellt. c) Ermittlung möglicher Verdrängung von Vögeln durch KWEA. Ein weiterer Effekt von KWEA stellt die Verdrängung von Vogelarten dar. Mit Hilfe von vergl. Brutvogel- und Rastvogelkartierungen im Umkreis von 250 m der KWEA und auf Probeflächen wird der Verdrängungseffekt von KWEA auf Vogelarten untersucht. d) Ermittlung des Meideverhaltens von Fledermäusen an KWEA. Falls möglich sollten die KWEA parallel zu den akustischen Dauererfassungen an ausgew. Tagen abgeschaltet werden, um etwaige Veränderungen der Aktivität gegenüber dem Betrieb und somit ein Meideverhalten feststellen zu können. Kleinräumige Meideverhalten bei Fledermäusen an KWEA werden durch Beobachtung mit Wärmebild- bzw. Infrarotkameras und Fledermausdetektoren untersucht.

Massensterben unter Seevögeln an französischer Atlantikküste

Die zahlreichen Winterstürme an der französischen Atlantikküste haben zu einem Massensterben unter Seevögeln geführt: Mehr als 21.000 Vögel seien seit Ende Januar aufgrund von Erschöpfung infolge der Stürme an den Atlantikstränden tot gefunden worden, teilte die Liga zum Schutz von Vögeln (LPO) am 26. Februar 2014 in Paris mit. Papageitaucher und Trottellummen waren demnach besonders betroffen. Es sei das schlimmste Vogelsterben dieser Art seit dem Jahr 1900. Bis zum 24. Februar wurden vom Baskenland im Süden bis Finistère im Nordwesten 21.341 tote Seevögel gezählt. Weitere 2784 Vögel mussten von Tierschützern gepflegt und wieder aufgepäppelt werden.

UNEP-Studie zu sozioökonomischen Aspekten der Meeresvermüllung im Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft

Ölkatastrophe im Süden Brasiliens

Aus einer geborstenen Pipeline des staatlichen Ölkonzerns Petrobas fließen 700 km südwestlich von Rio de Janeiro rund 4 Mio. Liter Rohöl in die Flüsse Barigui und Iguacu. Der Iguacu fließt durch den Nationalpark Iguacu Falls. Der mehrere Zentimeter dicke Ölteppich führt zu einem massiven Fisch- und Vogelsterben. Außerdem ist die Wasserversorgung einiger Städte bedroht. In Gefahr waren auch die Iguacu-Wasserfälle selbst, eine der bekanntesten Touristenattraktionen des Landes. Mit schwimmenden Barrieren soll der Ölteppich aufgehalten und dann abgesaugt werden. Dem Ölkonzern wurde eine Strafe in zweistelliger Mio. Höhe auferlegt.

VogelmonitoringLSA2003.pdf

Vogelmonitoring in Sachsen-Anhalt 2003 Herausgegeben durch das Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt Staatliche Vogelschutzwarte in Zusammenarbeit mit dem Ornithologenverband Sachsen-Anhalt (OSA) e.V. 1 Vogelmonitoring in Sachsen-Anhalt 2003 Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt Halle Sonderheft 4/2004 Einleitung Kai Gedeon: Warum brauchen wir ein Vogelmonitoring in Sachsen-Anhalt 1. Monitoring seltener Brutvogelarten Stefan Fischer & Gunthard Dornbusch: Bestandssituation seltener Vogelarten in Sachsen- Anhalt – Jahresbericht 2001 bis 2003 Stefan Fischer & Gunthard Dornbusch: Brutvogelkartierungen in EU SPA-Gebieten in Sachsen-Anhalt – Einleitung Thomas Hellwig: Brutvorkommen ausgewählter Vogelarten und deren Erhaltungszustand im EU SPA Elbaue Jerichow im Jahr 2003 Martin Schulze & Frank Meyer: Brutvorkommen ausgewählter Vogelarten und deren Erhaltungszustand im EU SPA Glücksburger Heide im Jahr 2003 3 5 32 33 40 2. Brutvogelkartierung Sachsen-Anhalt – Nord Stefan Fischer & Klaus George: Stand der Brutvogelkartierung im Nordteil Sachsen-Anhalts47 3. Monitoring häufiger Brutvogelarten Stefan Fischer: Monitoring häufiger Vogelarten in Sachsen-Anhalt – Stand 2003 und neue Entwicklungen ab 200449 4. Integriertes Monitoring von Singvogelarten Harald Dorsch & Stefan Fischer: Das Integrierte Monitoring von Singvogelpopulationen in Sachsen-Anhalt – erste Ergebnisse und Stand 200352 5. Monitoring von Greifvogel- und Eulenarten Ubbo Mammen & Michael Stubbe: Bestandsentwicklung und Reproduktion von Greifvogel- und Eulenarten in Sachsen-Anhalt58 6. Langzeit-Vogelschutzversuch Gunthard Dornbusch, Stefan Fischer & Andreas Hochbaum: Der Langzeit-Vogelschutzver- such der Vogelschutzwarte Steckby – Langfristige Trends und Brutergebnisse 200365 7. Wasservogel- und Gänsemonitoring Martin Schulze: Die Wasservogelzählung in Sachsen-Anhalt 2003/200469 8. Monitoring der Rastbestände anderer Arten Gunthard Dornbusch & Stefan Fischer: Ergebnisse von Sondererfassungen in Sachsen- Anhalt 2003 (Kormoran-Mittwinterzählung, Goldregenpfeifer-Synchronzählung) 10. Bestandszahlen und Zielwerte Gunthard Dornbusch, Kai Gedeon, Klaus George, Reinhard Gnielka, Bernd Nicolai: Bestände der Brutvögel Sachsen-Anhalts – Stand 1999 Stefan Fischer, Gunthard Dornbusch, Kai Gedeon & Peter Südbeck: Zielwerte für Bestände ausgewählter Brutvogelarten in Sachsen-Anhalt 76 79 84 Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Sonderheft 4/2004: 3–4 Warum brauchen wir ein Vogelmonitoring in Sachsen-Anhalt? Kai Gedeon Mit einer Fläche von etwa 4 Millionen km² und ei- ner Bevölkerung von über 450 Millionen Einwoh- nern umfassen die fünfundzwanzig Mitgliedsstaa- ten der Europäischen Union den größten Teil West- und Mitteleuropas. Die klimatischen Unter- schiede sowie die Verschiedenheit der Böden, Topographien und menschlichen Aktivitäten ha- ben eine große Vielfalt natürlicher und naturna- her Lebensräume zur Folge, in denen eine Viel- zahl von Tier- und Pflanzenarten lebt. Trotz der im Rahmen der Naturschutzpolitik der Mitgliedsstaaten erzielten Erfolge nehmen die Po- pulationen zahlreicher Tier- und Pflanzenarten stän- dig ab. Von diesem schnellen und anhaltenden Rückgang sind nicht nur seltene Arten betroffen. In neueren Untersuchungen wurde beispielsweise eine starke Verringerung der Populationen „gemei- ner“ Vogelarten wie der Feldlerche oder des Reb- huhnes festgestellt. Heute sind in Sachsen-Anhalt die Hälfte der Säugetierarten und etwa zwei Drittel der Reptilien- und Fischarten gefährdet. Bei den Vögeln sind über 70 Arten bedroht und 12 im Aus- sterben begriffen. Mit der europäischen Naturschutzkonzeption NA- TURA 2000 haben sich die Staaten der Europäi- schen Union die Erhaltung der biologischen Viel- falt in Europa zum Ziel gesetzt. 1992 beschlossen sie mit der FFH-Richtlinie (Fauna = Tierwelt, Flo- ra = Pflanzenwelt, Habitat = Lebensraum) den Aufbau eines Netzes von natürlichen und natur- nahen Lebensräumen und von Vorkommen ge- fährdeter Tier- und Pflanzenarten, um so das eu- ropäische Naturerbe für kommende Generationen zu bewahren. Hierfür sind ausgewählte Lebens- räume von europäischer Bedeutung aus verschie- denen geographischen Regionen miteinander zu verknüpfen. Sie bilden zusammen mit den Gebie- ten der bereits 1979 erlassenen EU-Vogelschutz- richtlinie das europäische Schutzgebietsverbund- system NATURA 2000. FFH-Richtlinie und Vogelschutzrichtlinie sind ver- bindlich umzusetzendes EU-Recht, auf das im Abschnitt 6 des „Naturschutzgesetzes des Lan- des Sachsen-Anhalt“ unmittelbar Bezug genom- men wird. Im Artikel 11 der FFH-Richtlinie wird die Überwachung des Erhaltungszustandes der natürlichen Lebensräume und der wildlebenden Tiere und Pflanzen gefordert und Artikel 4 (Ab- satz 3) der Vogelschutzrichtlinie legt fest, dass der EU-Kommission alle sachdienlichen Informationen zur Koordination der Schutzerfordernisse zu über- mitteln sind. Bestandserfassung und Monitoring von Vogelar- ten in Sachsen-Anhalt dienen jedoch nicht nur der Erfüllung internationaler Berichtspflichten, sondern schaffen zugleich die fachlichen Grundlagen für die Umsetzung konkreter Schutzvorhaben und für das Management in den Schutzgebieten. Auch für die Bewertung von Eingriffen in Natur und Land- schaft sind Daten zur Häufigkeit und Bestandssi- tuation der Arten unerlässlich. Zur fristgerechten Aktualisierung der sogenann- ten Standard-Datenbögen und zur Einschätzung der Wirksamkeit von Pflege- und Entwicklungs- maßnahmen sind zunächst Erfassungen in den Vogelschutzgebieten erforderlich. Um jedoch die Repräsentanz und Wirksamkeit des Schutzge- bietssystems insgesamt beurteilen zu können, sind für eine ganze Reihe von Arten auch landes- weite Erfassungen unbedingt notwendig. Auf der Basis dieser Überlegungen wurde im Lan- desamt für Umweltschutz eine Konzeption zum Vogelmonitoring in Sachsen-Anhalt erarbeitet und seit dem Jahr 2003 konsequent umgesetzt. Im vorliegenden Bericht werden die Ergebnisse des landesweiten Monitorings erstmals in komprimier- ter Form vorgestellt. Sie sollen den Behörden des Landes als Arbeitsgrundlage dienen. Darüber hi- naus ist die Broschüre als Informationsrücklauf für die zahlreichen ehrenamtlich tätigen Spezialisten gedacht. Nur durch deren engagierte Mitarbeit wird die Fortführung des Vogelmonitorings in Sachsen-Anhalt auch in Zukunft zu gewährleis- ten sein. Zusätzliche Anstrengungen sind in den kommen- den Monaten und Jahren bei der Abstimmung der länderübergreifenden Umweltbeobachtung erfor- derlich. Dazu sind sowohl der Bund als auch die Länder gemäß § 12 des Bundesnaturschutzge- setzes verpflichtet. Um die Umweltbeobachtung in Deutschland weiter zu fördern, fassten die zu- ständigen Minister bei ihrer Beratung in Bad Wil- dungen im Mai 2004 folgenden wichtigen Be- schluss: „Bund und Länder werden im Rahmen ihrer Arbeiten zur nachhaltigen Entwicklung die gemeinsamen Indikatoren vorrangig berücksich- tigen.“ Es wurden sogenannte „Kernindikatoren“ für die Beurteilung einer nachhaltigen Entwicklung fest- gelegt, wobei einer der Indikatoren die Situation des Artenschutzes widerspiegeln soll. Um jedoch diesen Indikator erstellen zu können, benötigen wir fortlaufende und zuverlässige Datenreihen zu den ausgewählten Indikatorarten – das heißt, ein funk- tionierendes Monitoringsystem. Der vorliegende Bericht liefert auch dazu einen wichtigen Baustein. 3

Turteltaube

<p><p>Die als Friedenssymbol geltende Turteltaube ist die kleinste bei uns lebende Wildtaubenart. Ihren Namen verdankt sie den Lautäußerungen der männlichen Tiere nach der Ankunft im Brutgebiet. Sogar der hebräische Name „tōr“ scheint eine Nachahmung ihres wehmütigen Rufes zu sein. Diese melden sich nach der Reihenfolge des Eintreffens aus dem Winterquartier mit einem eintönigen „turr turr turr“. Ihr Bestand hat in Folge von Bejagungen auf ihren Zugstrecken, vor allem in den Mittelmeerländern, zwischen 1970 und 1990 erheblich abgenommen. Die Bestände in Frankreich und Großbritannien sind in diesem Zeitraum um die Hälfte zurückgegangen. Auch die auf landwirtschaftlich genutzten Flächen vorgenommenen Veränderungen, die unter dem Begriff der Flurbereinigung zusammengefasst werden, trugen und tragen dazu bei, dass die Bestände rückläufig sind.</p><strong>Aussehen:</strong><p>Die kleinste Wildtaube Europas weist eine Länge von 26 bis 28 Zentimetern auf. Das Gewicht von ausgewachsenen Exemplaren beträgt 100 bis 170 Gramm. Auf der Oberseite trägt die ansehnliche Taubenart eine rotbraun-schwarze Musterung. Am Hals besitzt sie beidseitig eine schwarz-weiße Zeichnung. Die Brust ist leicht rötlich und die Unterseite ist hell gefärbt. Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich nicht.</p></p><p><p>Turteltauben kommen mit Ausnahme von Island, Irland und Skandinavien in ganz Europa vor. Ebenso sind sie in Westasien vertreten und im Winter in ihren Winterquartieren im Sudan und in der westlichen Sahelzone südlich der Sahara anzutreffen.<br>Die Turteltaube bevorzugt aufgelockerte, sonnige und warme Landschaften mit Feldgehölzen und Sträuchern sowie südlich exponierte Waldränder. In Parks und Obstgärten fühlt sich diese Taubenart ebenfalls zu Hause. Sie lieben extensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen mit genügend Feldgehölzen zwischen relativ klein parzellierten Äckern.</p></p><p><strong>Verhalten:</strong><p>Als ausgesprochener <a href="/start-landesforsten-rheinland-pfalz/service/glossar#c1999">Zugvogel </a>verlässt die Taube ab August unser Gebiet und zieht in großen Schwärmen gen Süden. Dabei sammeln sich die in Mitteleuropa brütenden Vögel in der westlichen Sahelzone (Senegal, Mali) und die aus Westasien und Südosteuropa kommenden Turteltauben eher im Sudan (östliche Sahelzone).<br> Von Mitte März bis Mitte April verlassen die Turteltauben ihren winterlichen Urlaubsort und kehren in ihre Brutgebiete nach Europa zurück. Hier treffen sie etwa Mitte Mai ein. Die Täuberiche, die immer etwas früher eintreffen als ihre weiblichen Artgenossinnen, besetzen gleich nach ihrer Ankunft ein Revier und geben durch wiederholtes „turr, turr, turr“ bekannt, dass sie nun wieder vor Ort sind, und das jeweilige Revier das ihre ist. Aus dichten Sträuchern rufen sie meist früh morgens, mittags und am Abend. Bemerkenswerte Balzflüge, sollen ebenfalls den Rivalen zeigen, dass hier bereits Anspruch auf ein bestimmtes Territorium erhoben wird. Außerdem wollen die Tauber mit ihren spektakulären Steilflügen selbstverständlich auch den Damen imponieren. Nicht umsonst steigen sie ganz plötzlich und flügelklatschend aus ihrem Strauchversteck 20 bis 30 Meter steil in die Lüfte empor, um dann mit weit ausgebreiteten Schwingen in einem Bogen wieder auf ihrem Ausgangspunkt zu landen. Nachdem sie diese Kunststücke einige Male vollführt haben, beginnen sie erneut mit zu rufen. Gesellt sich nun ein Weibchen zu einem balzenden Tauber, beginnt dieser gleich sein schmuckes Halsgefieder aufzuplustern. Der stolze Liebhaber baut sich vor seiner Angebeteten auf, um sich wiederholend und gurrender Weise vor ihr zu verbeugen.</p><strong>Nahrung:</strong><p>Die Nahrung der Turteltauben besteht in der Regel aus Sämereien und Wildpflanzen. Seltener nehmen die Tiere Insekten, Würmer und kleinere Schnecken zu sich. Ihre Nahrung sucht die Turteltaube ausschließlich am Erdboden auf Acker- oder Grünflächen.</p><strong>Paarungszeit und Aufzucht der Jungen:</strong><p>Entscheidet ein Weibchen sich für einen Turteltauber und bleibt es bei ihm, lässt die Begattung nicht lange auf sich warten. Zusammen suchen sie dann einen geeigneten Nistplatz zur Aufzucht der Jungen. Dabei führt das Männchen seine weibliche Eroberung zu mehr oder weniger geeigneten Stellen, die das Weibchen vor Ort kritisch bewertet. Sie entscheidet dann vor Ort ob es dort bleiben und die Jungen aufziehen möchte oder nicht. Die beiden Turteltauben sieht man in dieser Zeit oft nebeneinander im Geäst hocken, wo sie eine gegenseitige Gefiederpflege betreiben, verliebt herumschnäbeln und dabei leise gurren – eben turteln. Ab und an fliegt das Männchen davon, um Baumaterial für das Nest zu besorgen, das vom Weibchen konstruiert wird und eine einfache Mulde in meist schützendem, dornigem Strauchwerk ist.<br> Die im Abstand von zwei Tagen gelegten Eier werden abwechselnd von Männchen und Weibchen bebrütet. Die Jungtauben schlüpfen nach etwa zwei Wochen. Sie werden in ihren ersten Lebenstagen mit der aus den Halsschleimhäuten ausgeschiedenen Kropfmilch gefüttert. Nach etwa einer Woche erhalten die Kleinen zusätzlich feste Nahrung, die von den Eltern zu einem Brei vorverarbeitet wird. Nach drei Wochen ist das Federkleid der Jungen so weit ausgebildet, dass sie bereits erste Flugversuche unternehmen können. Nach vier Wochen sind die Jungvögel vollkommen selbständig und verlassen das elterliche Nest. Die Brutzeit spielt sich bei den Turteltauben somit recht schnell und in einem kurzen Zeitraum ab. Da viele Vögel während der Aufzuchtsphase sterben, legen Turteltauben in der Regel noch ein zweites Gelege im Jahr an.</p></p>

1 2