Unterstützt durch das IUCN Bonn Challenge-Programm fördert Ruanda die Wiederherstellung von Ökosystemen zur Stärkung von Biodversität und Klimaschutz und zur Sicherung einer lokalen Existenzgrundlage. In der Vergangenheit waren Ruandas Wiederherstellungsbemühungen stark darauf ausgerichtet, mit Hilfe von Eukalyptus-Monokulturen Land zu schützen und Erosion zu mindern. Zu den neueren Initiativen gehören die Integration von Baumschulen verschiedener einheimischer Gehölzarten, welche durch ihre Nutzung positive Biodiversitätseffekte für Ökosystemfunktionen und -leistungen haben. Vor diesem Hintergrund etabliert Sub-Projekt 7 (SP7) ein „Living Lab“ das darauf abzielt, gemeinsam mit Stakeholdern durch Integration von Wissenschaft und Praxis Forschungsexperimente durchzuführen. Dieser transdisziplinäre Ansatz hat zum Ziel, potenzielle soziale, wirtschaftliche und ökologische Vorteile der Wiederherstellung von Ökosystemen zu identifizieren. Hierfür entwickeln, implementieren und evaluieren die involvierten Stakeholder gemeinsam mit den beteiligten Wissenschaftlern Lösungsansätze. SP7 ist eng mit anderen SPs verknüpft: SP4 weist eine besonders hohe analytische und operative Überschneidung auf; zudem findet eine kontinuierliche Spiegelung der Ergebnisse mit SP1 zu Auswirkungen auf die Biodiversität, SP2 zu kontextualisierten Landschaftsanalysen sowie mit SP5 zu Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit statt. Das Living Lab wird wissenschaftliche Experimente in zwei verschiedenen Zellen (vergleichbar mit Landkreisen) einrichten, welche zwei unterschiedliche Governance-Modelle repräsentieren. Aktivitäten in diesen Zellen werden sein (1) der Aufbau einer Stakeholder-Plattform, die Schlüsselakteure für das Living Lab zusammenbringt und als Koordinierungseinheit zur Steuerung des Co-Design-Ansatzes verstanden wird; (2) kollaboratives Co-Design von Feldversuchen und Ausweisung von Demonstrationsparzellen, um gemeinsam Wissen über integrative Modelle zur Wiederherstellung von Ökosystemen zu generieren; (3) Durchführung von Feldversuchen in Form von Demonstrationsparzellen, die das Potenzial für die Nutzung des restaurativen Kontinuums untersuchen, um integrative multifunktionale Ergebnisse für Gemeinschaften zu schaffen; und (4) Durchführung einer integrierten Folgenabschätzung zu Biodiversität, Resilienz und Lebensgrundlagen, um die Auswirkungen verschiedener Governance-Systeme auf den Erfolg implementierter Wiederherstellungsmaßnahmen zu ermitteln. Während der gesamten Laufzeit des Projekts werden zwei Governance-Modelle zwischen den beiden Standorten verglichen werden. Die Ergebnisse dieses Teilprojekts werden für das Thema der Nachhaltigkeitstransformation von großer Bedeutung sein, um eine höhere Reproduzierbarkeit als verallgemeinerbares Modell für die Skalierung (up-scaling) von Praktiken der Wiederherstellung von Ökosystemen zu erreichen und das akademische Verständnis dafür zu stärken, welche Faktoren Nachhaltigkeitstransformation am besten umsetzen.
Die Aufnahme von Biodiversität in unterschiedliche politische Sektoren und Ebenen ist eine zentrale Voraussetzung für eine sozial-ökologische Transformation. Um die globalen Ziele des Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework (GBF) zu erreichen und dessen nationale Umsetzung sicherzustellen, müssen insbesondere die indirekten Treiber des Biodiversitätsverlusts adressiert werden. Die wissenschaftliche Debatte zur Politikintegration von Biodiversität (Biodiversity Policy Integration - BPI) sieht derzeit nur eine limitierte Berücksichtigung der Biodiversität in den meisten Sektoren in Deutschland und identifiziert entsprechende Ansatzpunkte, um die BPI zu verbessern. Im vorliegenden Beitrag gehen wir der Frage nach, wie sich Biodiversitätspolitiken in unterschiedlichen Sektoren und politischen Ebenen in Deutschland weiterentwickeln müssen, um die direkten und indirekten Treiber des Biodiversitätsverlusts zu adressieren. Wir nutzen dazu Erkenntnisse aus sechs Workshops mit 137 Expertinnen und Experten zu den Themenfeldern (1) Wiederherstellung von Ökosystemen, (2) Schutzgebiete und Erhaltungszustand, (3) Klima und Biodiversität, (4) Meere und Küsten, (5) Wirtschaft und Konsum sowie (6) Bildung, Kommunikation und gesellschaftliches Bewusstsein. Anhand der drei Hebel einer gemeinsamen Planung und Vision, einer Anpassung des regulativen Rahmens sowie eines adaptiven institutionellen Lernens zeigt der Beitrag auf, wie diese Transformation im Querschnitt gelingen kann. Dabei wird klar, dass der angestoßene Prozess sein transformatives Potenzial nur entfalten kann, wenn der bestehende regulative Rahmen sowie die zu Grunde liegenden administrativen Routinen und Mandate in Frage gestellt und in Hinblick auf ihre Biodiversitätswirkung neu ausgerichtet werden.
In den vergangenen Jahrzehnten hat Ruanda ein breites Spektrum an Maßnahmen zur Wiederherstellung von Ökosystemen umgesetzt. In den kommenden Jahrzehnten ist zu erwarten, dass sich der Fokus von der primären Wiederherstellung ökosystembasierter Lebensgrundlagen hin zu stärker auf Biodiversität ausgerichteten Wiederherstellungsbemühungen verlagern wird. Dieses Teilprojekt wird untersuchen, 1) wie sich Struktur, Diversität und Funktion von wiederhergestellten Standorten über die Jahre nachdem Wiederherstellungsmaßnahmen ausgeführt wurden verändern, und 2) welche Rolle die funktionelle und taxonomische Vielfalt der gepflanzten Arten spielt. Dieses Wissen kann Ruanda und andere Teile der Welt dabei unterstützen, eine evidenzbasierte, zielgerichtete Wiederherstellung von Ökosystemen zu verfolgen, die wachsenden Ambitionen und sich verändernden Bedürfnissen gerecht werden kann. Auf diese Weise können Wiederherstellungsmaßnahmen zunehmend über die Verringerung gesellschaftlicher Auswirkungen hinausgehen und zur teilweisen oder vollständigen Wiederherstellung von Ökosystemen beitragen. Ansätze zur Wiederherstellung von Ökosystemen können sich hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Vielfalt, Struktur und Funktion von Ökosystemen erheblich unterscheiden. In Ruanda werden üblicherweise vier Arten von Wiederherstellung verfolgt: Agroforstwirtschaft, Baumpflanzungen, Bepflanzungen von Wassereinzugsgebieten und natürliche Regeneration. Inwieweit diese Maßnahmen bei der Wiederherstellung der Vielfalt, Struktur und Funktion von Ökosystemen erfolgreich sind, ist noch weitgehend unbekannt. Darüber hinaus werden verschiedene Standorte je nach Art der Wiederherstellung und geprägt von sogenannten priority effects (Auswirkungen der Reihenfolge der Ankunft von Arten an einem wiederhergestellten Standort) vermutlich unterschiedliche ökologische Pfade verfolgen. Hier betrachten wir vier mögliche Pfade: historische, hybride, neuartige und designte Ökosysteme. Um den gegenwärtigen Zustand eines wiederhergestellten Standorts zu bewerten und seinen möglichen Verlauf zu bestimmen, werden wir die Artenvielfalt, die Ökosystemstruktur sowie die Ökosystemfunktion mit historischen, positiven und degradierten Referenzstandorten vergleichen. Zu diesem Zweck werden wir untersuchen, wie sich Struktur, Diversität und Zusammensetzung von Gehölz- und Vogelarten an verschiedenen restaurierten Standorten im Laufe der Zeit verändert haben. In Ruanda dominieren Gehölze die Struktur, Zusammensetzung und Funktion historischer und gegenwärtiger Referenzökosysteme im Untersuchungsgebiet und stehen außerdem im Mittelpunkt von Wiederherstellungsaktivitäten. Vögel wiederum sind an wichtigen Ökosystemfunktionen beteiligt und stehen auch mechanistisch mit der Zusammensetzung und Struktur der Gehölzvegetation in Verbindung. In einem letzten Schritt werden wir Ökosystemfunktionen quantifizieren, die im lokalen Kontext besonders relevant sind (Bodeneigenschaften, natürliche Regeneration von Bäumen).
Fließgewässer- und Auenökosysteme zählen weltweit zu den am stärksten degradierten Lebensräumen, die unter einer Vielzahl anthropogener Belastungen wie Landwirtschaft, Urbanisierung und Entwaldung leiden. Diese Faktoren bewirken einen rapiden Rückgang der Biodiversität und der ökologischen Integrität. Angesichts der Tatsache, dass globale Schutz- und Wiederherstellungsbemühungen oft unzureichend sind - vor allem aufgrund der Beschränkung auf einzelne Ökosysteme und der begrenzten Reichweite der Initiativen - zielt dieses Projekt darauf ab, auf interkontinentaler Ebene die Zusammenhänge zwischen aquatischen und terrestrischen Ökosystemen zu erforschen und Ansätze für deren Schutz und Renaturierung zu entwickeln. Die Forschung beginnt mit einer Synthese des vorhandenen Wissens über die Renaturierung von Flüssen und Auen, um zu untersuchen, inwiefern aktuelle Projekte aquatisch-terrestrische Verbindungen berücksichtigen. Diese grundlegende Analyse ebnet den Weg für weiterführende empirische Untersuchungen. Anschließend wird die Untersuchung der gegenseitigen Vorteile der Wiederherstellungsbemühungen durch die Analyse der Beziehungen zwischen Gemeinschaften aquatischer Makroinvertebraten und terrestrischen Vogelpopulationen fortgesetzt. Dies wird tiefe Einblicke in die Gesamtintegrität der Ökosysteme und die Wechselwirkungen zwischen Auen- und Wasserhabitaten liefern. Um den Erfolg verschiedener Restaurierungsszenarien vorherzusagen und zu simulieren, werden in diesem Projekt fortschrittliche Techniken des Bayesian Structural Equation Modeling und hochauflösende globale Datensätze genutzt. Diese Modellierung wird die Auswirkungen von Veränderungen im Flussmanagement auf sowohl aquatische als auch angrenzende terrestrische Lebensräume analysieren. Die erwarteten Ergebnisse sollen die Umweltpolitik und Erhaltungsstrategien unterstützen sowie die Implementierung wichtiger internationaler Umweltrahmen fördern. Die gewonnenen Erkenntnisse werden eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung von Strategien zur Ökosystemrestaurierung bieten, die direkt zur Verbesserung der globalen Biodiversität und ökologischen Resilienz beitragen. Diese Ergebnisse werden zukünftige Restaurierungsbemühungen leiten, um sicherzustellen, dass die Bedürfnisse sowohl aquatischer als auch terrestrischer Umgebungen effektiv adressiert werden.
Umweltgerechtigkeit im Kontext von Maßnahmen zur Wiederherstellung von Ökosystemen zu beleuchten ist relevant, um eine Vereinbarkeit mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen herzustellen. Dies ist insbesondere für Länder des globalen Südens wichtig, wo koloniale Pfadabhängigkeiten und Machtgefälle sozial-ökologische Interaktionen beeinflussen. Während verstärkt Aspekte der Verteilungsgerechtigkeit der durch Wiederherstellungsmaßnahmen generierten Vorteile in die Entscheidungsfindung einbezogen werden, fehlt weiterhin ein systemisches und mechanistisches Verständnis von der Beziehung zwischen der mehrstufigen Steuerung der Wiederherstellung von Ökosystemen, Umweltgerechtigkeit und der Nachhaltigkeit von Wiederherstellungsinterventionen. Zu diesem Zweck wird Subprojekt 3 systematisch erkunden, welche Steuerungsanordnungen Strukturen fördern oder hindern, um Umweltgerechtigkeit in den Dimensionen Verteilung, Verfahren, Anerkennung, Befähigung und Macht zu implementieren. Wir nehmen an, dass Steuerungsanordnungen stark mit Machtgefällen zwischen Interessensvertreter*Innen interagieren, was wiederum die sozialen und ökologischen Ergebnisse der Wiederherstellung von Ökosystemen mitbestimmt. Hiernach wird dieses Projekt den Zusammenhang zwischen Steuerung, Umweltgerechtigkeit, Machtstrukturen und orts- und fallspezifischen Folgen der Wiederherstellung von Ökosystemen testen. So können wir, Muster und Mechanismen entdecken, die erklären, wie gewünschte langfristige soziale und ökologische Ergebnisse von Wiederherstellungsmaßnahmen im globalen Süden erreicht werden. Durch eine intersektionale, dekolonialisierte Verankerung des Umweltgerechtigkeitsgedanken wird unsere Arbeit Einsichten darüber generieren, wie eine nuancierte, kritische Umweltgerechtigkeitsperspektive dazu beitragen kann, Wiederherstellungssaktivitäten mit den Zielen der nachhaltigen Entwicklung zu vereinen. In Partnerschaft mit drei ruandischen Forschenden wird dieses Subprojekt eine akademische Qualifikationsarbeit zu Umweltsteuerungsforschung ermöglichen. Erstens wird durch die Analyse der formellen und informellen steuernden Institutionen anhand zwölf ausgewählter Fallstudien in Ruanda untersucht, inwiefern verschiedene Steuerungsprofile die Einbindung von Umweltgerechtigkeit ermöglichen. Zweitens wird erforscht, wie in Wiederherstellungsinterventionen eingebundene und davon betroffene Personen die Berücksichtigung der verschiedenen Umweltgerechtigkeitsdimensionen wahrnehmen und inwiefern dies ihre Einstellung zur Effektivität der Wiederherstellung beeinflusst. Drittens wird ein Verständnis des Einflusses von Machtstrukturen und -Prozessen auf die Effektivität der Steuerung in Wiederherstellungssinterventionen erarbeitet. Schließlich werden diese Erkenntnisse in eine Synthesearbeit münden, in welcher wir die unterschiedliche, kontextspezifische Steuerung von Interventionen mit den facettenreichen, sozial-ökologischen Wiederherstellungsergebnissen in Beziehung stellen.
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