Statistiken zur Bautätigkeit im Hochbau
(Baugenehmigungen, genehmigungsfreie Bauvorhaben, Baufertigstellungen im genehmigungspflichtigen und genehmigungsfreien Bauen, Abriss bzw. Abgang von Gebäuden oder Gebäudeteilen, Bauüberhang, Wohngebäude- und Wohnungsbestandsfortschreibung, Bewilligungen im sozialen Wohnungsbau)
Der Bundesregierung beabsichtigt den Wohnungsbau in Städten zu forcieren und Anreize für mehr Wohnungen zu schaffen. Wohnungsbauplanung gilt als gelungen, wenn sich Menschen in ihrer Wohnung wohl fühlen. Für die dauerhafte Erhaltung der Gesundheit der Menschen ist es wichtig, dass beim Neubau oder einer Gebäudesanierung Fenster eingebaut werden, die verschiedenen Umweltschutzanforderungen genügen. Hierzu gehören insbesondere ein guter Wärmeschutz und ruhige Wohnverhältnisse. In diesem Forschungsvorhaben soll daher untersucht werden, inwieweit diese Anforderungen im Wohnungsbestand bereits erfüllt sind und welche Entwicklungspotentiale bestehen. Ziel ist es, gesunde Wohnverhältnisse im Wohnungsbau sicherzustellen und Synergieeffekte zwischen Schall- und Wärmeschutz zu nutzen. Hierzu sind zunächst Anforderungen an gesunde Wohnverhältnisse unter gesundheitlichen, rechtlichen und sozialen Aspekten zu definieren. Darauf aufbauend ist eine Befragung über die Zufriedenheit der Wohnverhältnisse in deutschen Städten vorzunehmen. Dabei ist der demografische Wandel und die unterschiedliche wirtschaftliche Situation der Bewohnerinnen und Bewohner zu berücksichtigen. Anschließend soll an ausgewählten Beispielfällen die Qualität und Wirkung des Schallschutzes gegen Außen- und Nachbarschaftslärm sowie der Wärmeschutz bei Neu- und Altbauten analysiert werden. Auf der Grundlage der dabei gewonnenen Erkenntnisse sind Handlungsempfehlungen für gesunde Wohnverhältnisse zu erarbeiten.
<p>In Deutschland werden immer mehr und immer größere Wohnungen gebaut. Die beanspruchte Wohnfläche pro Person steigt in der Tendenz. Gründe liegen vor allem in der zunehmenden Zahl der Single-Haushalte und dem Anstieg der Wohnfläche mit zunehmendem Alter.</p><p>Zahl der Wohnungen gestiegen</p><p>Im Jahr 2024 gab es in Deutschland rund 43,8 Millionen (Mio.) Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden, einschließlich Wohnheimen. Das waren rund 3,1 Mio. Wohnungen mehr als im Jahr 2011 (7,7 %). Im gleichen Zeitraum stieg die tatsächlich genutzte Wohnfläche deutlich stärker um 11,2 % an. Grund dafür war auch die im Vergleich zu 2011 größere durchschnittliche Wohnfläche der Wohnungen im Bestand von 2024. Die Wohnfläche je Wohnung betrug 2024 im Durchschnitt 94,0 Quadratmeter (siehe Tab. „Wohnungen und Wohnfläche“).</p><p>Da die meisten neuen Wohnungen in Neubauten entstehen, die zu einem erheblichen Teil in neu ausgewiesenen Baugebieten errichtet werden, zeigt sich das Wohnen als ein bedeutender Treiber der Flächenneuinanspruchnahme in Deutschland.</p><p>Das Statistische Bundesamt definiert die Wohnfläche als die Fläche aller Wohn- und Schlafräume sowie aller Küchen und Nebenräume. Unberücksichtigt bleiben dabei die nicht zum Wohnen bestimmten Boden-, Keller- und Wirtschaftsräume. Außerdem wird die Wohnfläche in Leerständen nicht erfasst.</p><p>Entwicklung von Bevölkerung und Wohnungsbestand in Bundesländern unterschiedlich</p><p>Zwischen 2011 und 2024 nahm die Zahl der Wohnungen in Deutschland um 7,7 % zu, während die Bevölkerung im gleichen Zeitraum um rund 4,0 % wuchs. Hauptursache für den Bevölkerungszuwachs war die Zuwanderung der letzten Jahre. Die Entwicklung verlief unterschiedlich: Während in den meisten Bundesländern die Bevölkerung zunahm, schrumpfte sie in Sachsen-Anhalt (-6,2 %), Thüringen (-3,7 %), Mecklenburg-Vorpommern (-2,1 %) und in Sachsen (-0,3 %). Im gleichen Zeitraum stieg der Wohnungsbestand jedoch in fast allen Bundesländern außer in Sachsen-Anhalt (-1,45 %), also auch in Thüringen (+1,1 %), in Mecklenburg-Vorpommern (+6,1 %) und in Sachsen (+1,4 %). Nur in Berlin und Bremen wächst die Bevölkerung schneller als der Wohnungsbestand. Hingegen wächst in den anderen Ländern der Wohnungsbestand teils wesentlich schneller als die Bevölkerung (siehe Abb. „Bevölkerung und Wohnungsbestand in den Bundesländern 2011 bis 2024“).</p><p>Wohnfläche pro Kopf gestiegen</p><p>Die Wohnfläche pro Kopf nahm in Deutschland zwischen 2011 und 2024 von 46,1 Quadratmetern (m²) auf 49,2 m² zu. Ein Grund dafür ist die immer noch zunehmende Versorgung mit Eigenheimen und großen Wohnungen obwohl die Haushalte im Mittel immer kleiner und vor allem Ein-Personenhaushalte immer häufiger werden (siehe Abb. „Wohnfläche pro Kopf“).</p><p>Wohnfläche pro Kopf in Einpersonenhaushalten am größten</p><p>Der Trend zu Haushalten mit weniger Personen führt dazu, dass die Bevölkerung insgesamt mehr Wohnfläche beansprucht. Im Jahr 2022 (<a href="https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Wohnen/Tabellen/tabelle-wo4-wohnflaeche.html">Zensus 2022</a>) lag die Wohnfläche von Einpersonenhaushalten mit 73,3 Quadratmetern (m²) um mehr als 40 % höher als die Wohnfläche pro Kopf in Zweipersonenhaushalten mit 51,5 m². Die Mitglieder von Haushalten mit vier oder mehr Personen beanspruchten sogar nur eine durchschnittliche Fläche von 30 m². Ein wichtiger Grund für die geringere Wohnflächenbeanspruchung pro Person in Mehrpersonenhaushalten ist die gemeinsame Nutzung von Küche, Bad und Flur.</p><p>Ältere Haushalte verfügen pro Kopf über den meisten Wohnraum</p><p>Das zeigen die Zensusdaten des Statistischen Bundesamtes <a href="https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2023/06/PD23_N035_12.html">(2023)</a>. 2022 verfügten Haushalte, in denen die Haupteinkommensbezieher*in mindestens 65 Jahre alt war, über 68,5 m² Wohnfläche pro Kopf. Die Alleinlebenden in dieser Altersgruppe belegten sogar 83 m². Der Grund dafür ist, dass Personen trotz veränderter Lebensumstände, wie der Auszug der Kinder, Trennung oder Tod des Partners oft in der großen Familienwohnung bleiben. Vor allem Wohnungseigentümer sind wenig geneigt, nach solchen Ereignissen in eine kleinere Wohnung zu ziehen. Laut Zensus 2022 standen den Eigentümerhaushalten, in denen die Haupteinkommensbezieher*in mindestens 65 Jahre alt war, sogar 78,1 m² pro Person zur Verfügung. Im Vergleich dazu bewohnten Personen in Mieterhaushalten aus dieser Altersgruppe nur 58,3 m² pro Person. Die Wohnflächenbelegung in der Altersgruppe 25 – 44 Jahre liegt deutlich darunter in Eigentümerhaushalten bei 50,3 m² pro Person und in Mieterhaushalten bei 42,7 m².</p><p>Folgen der Flächennutzung durch Wohnen für die Umwelt</p><p>Jeder bewohnte Quadratmeter Fläche in Gebäuden führt zu höherem Energieverbrauch, denn die Fläche wird beleuchtet, beheizt, mit Bodenbelag versehen und möbliert, muss gereinigt und instandgehalten werden. Dies führt zu erhöhtem Energie- und Ressourcenverbrauch und ggf. Schadstoffemissionen.</p><p>Haushalte und ihre Mitglieder belegen nicht nur Wohnfläche innerhalb von Gebäuden, sondern ihnen ist allein oder anteilig auch die Grundstücksfläche, auf der das Wohngebäude steht, zuzurechnen. Hinzu kommt weitere Bodenfläche außerhalb des Wohngrundstücks, zum Beispiel die Fläche für Erschließungsstraßen oder andere Infrastrukturen, wie Abwasserbeseitigungsanlagen oder Spiel-, Sport- und Grünflächen, die dem Wohnen dienen. Jede Nutzung von Bodenflächen durch den Menschen hat mehr oder weniger große Auswirkungen auf die Umwelt. Das gilt auch für die Nutzung durch Siedlungsflächen und dadurch bedingt für die Flächen der Verkehrsinfrastruktur. Irreversibel wird etwa in die Fläche eingegriffen, wenn natürliche Bodenstrukturen und -funktionen zum Beispiel durch Überbauung und Versiegelung zerstört werden. Ziel muss es sein, knappe Fläche nachhaltig und umweltschonend, ökonomisch effizient und sozial gerecht mit Rücksicht auf künftige Generationen zu nutzen.</p>