[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] LUA-BILANZ INFEKTIONSPRÄVENTION Zahlen, Daten und Fakten für das Jahr 2025 © James Gathany, CDC / Wikimedia Bilanz „Infektionsprävention“ der Abteilung Humanmedizin des LUA Die Bürgerinnen und Bürger vor den gesundheitli- chen Folgen negativer Umwelteinflüsse zu schüt- zen ist der zentrale Auftrag des Landesuntersu- chungsamtes (LUA). In enger Zusammenarbeit mit den kommunalen Überwachungsbehörden untersuchen die 500 Mitarbeiterinnen und Mitar- beitern des LUA neben Lebensmitteln, Bedarfsge- genständen und Kosmetika auch Bioproben von Mensch und Tier. Verschiedenste Fachdisziplinen bewerten gemeinsam diese Analysen und beraten neben den beauftragenden Behörden auch die in- teressierte Öffentlichkeit und politische Entschei- dungsträger in allen Fragen des umweltbezogenen Verbraucherschutzes. Für die Abteilung für Humanmedizin steht die Be- ratung der Gesundheitsämter bei der Umset- zung von Infektionsschutzmaßnahmen im Mit- telpunkt des Aufgabenspektrums. Die jährlich rund 120.000 Laboruntersuchungen der Abtei- lung umfassen neben mikrobiologischen Analy- sen zum Nachweis von Infektionserregern in hu- manem Probenmaterial auch trinkwasser- und krankenhaushygienische Untersuchungen. Die- se Labortätigkeit wird ergänzt durch epidemio- logische Analysen von Labor- und Meldedaten. Durch fortlaufende Beschreibung und Bewertung des Vorkommens von Krankheitserregern entste- hen so die Daten für Rückschlüsse auf die Entste- hung und Übertragung von Infektionskrankheiten und damit die Grundlage für die Implementierung wirksamer Schutzmaßnahmen. Mit Hilfe von Daten aus der gesetzlichen Melde- pflicht von Infektionskrankheiten und -erregern überwacht das LUA auch solche Infektionen, die durch blutsaugende Insekten (sog. „Vektoren“) auf den Menschen übertragen werden. In den ver- gangenen Jahren geschieht dies mit erhöhter Auf- merksamkeit, da mit einer Ausbreitung vekto- rassoziierter Infektionskrankheiten als Folge des Klimawandels zu rechnen ist. Ein solcher Zusam- menhang liegt nahe, da in vielen Fällen sowohl die Entwicklung infektiöser Stadien des Erregers 2 im Vektor als auch das Vorkommen der Vektoren selbst temperaturabhängig sind. Vektorübertragene Infektionen: Gesundheitsrisiko durch Klimawandel Bestimmte Stechmücken, Stechfliegen oder Ze- cken können beim Stich Krankheitserreger wie Viren, Bakterien oder Parasiten übertragen. Durch den Klimawandel, veränderte Umweltbe- dingungen und die zunehmende globale Mobi- lität verändern sich auch die Lebensräume die- ser sog. „Vektoren“. Einige ursprünglich tropische oder subtropische Arten breiten sich inzwischen auch in Europa aus. Dadurch können Erkrankun- gen auftreten, die früher in Deutschland keine Rolle spielten. In Rheinland-Pfalz sind bestimmte vektorüber- tragene Erkrankungen bereits etabliert, etwa die durch Zecken übertragene Lyme-Borreliose oder die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). An- dere Infektionen wie Dengue- oder Chikungunya- Fieber kommen bislang nur als Reiseerkrankungen vor, könnten jedoch künftig auch lokal übertragen werden - wenn geeignete Vektoren vorhanden sind und die klimatischen Bedingungen eine Über- tragung ermöglichen. Der folgende Überblick stellt wichtige Vektoren und vektorübertragene Erkrankungen vor, die in Rheinland-Pfalz bereits vorkommen oder vor dem Hintergrund veränderter klimatischer Bedingun- gen perspektivisch relevant werden könnten. Culex-Mücken: Heimische Überträger des West-Nil- und des Usutu-Virus Die Culex-Mücken zählen zu den häufigsten Mü- ckenarten in Deutschland. Besonders Vertreter der Culex pipiens-Gruppe sind nahezu überall ver- breitet – auch in Rheinland-Pfalz. Die Tiere sind schlank gebaut, haben lange Beine sowie schmale, durchsichtige Flügel und haben meist eine bräunli- che Färbung. Mit einer Körpergröße von etwa drei bis sieben Millimetern wirken sie eher unscheinbar, sind im Sommer aber allgegenwärtig. Männliche Culex-Mücken sind harmlose Nektarsauger, Weib- chen hingegen benötigen eine Blutmahlzeit, um Eier abzulegen. Aktiv sind diese Mücken vor allem in den warmen Sommermonaten, insbesondere in den Abend- und Nachtstunden. Bevorzugt leben Culex-Mücken in der Nähe von stehenden Gewäs- sern wie Teichen, Pfützen oder Regentonnen. Dort legen die Weibchen ihre Eier ab. Bedeutung haben Culex-Mücken vor allem als mögliche Überträger von Krankheitserregern, zum Beispiel des West-Nil-Virus oder des Usutu-Virus. Beide Viren zirkulieren hauptsächlich zwischen Vögeln und Mücken. Erst wenn eine infizierte Mü- cke außerhalb dieses Zyklus einen Menschen oder ein Pferd sticht, wird das Virus auch an sie weiter- gegeben. Menschen und Pferde gelten jedoch als sogenannte „Fehlwirte“, da von ihnen aufgrund der niedrigen Viruskonzentration im Blut das Virus nicht weiterverbreitet werden kann. Um sich vor möglichen Infektionen zu schützen helfen das Tra- gen langer, heller Kleidung, die Verwendung von Mückenschutzmitteln und Fliegengitter an den Fenstern. Außerdem sollte stehendes Wasser im Garten vermieden werden; Regentonnen sollten abgedeckt und Wasserbehälter geleert werden. Das West-Nil-Fieber beim Menschen wird haupt- sächlich durch die Subtypen 1 und 2 des West-Nil- Virus verursacht. Das Virus gehört zur Familie der Flaviviren und stammt ursprünglich aus Afrika. In- zwischen ist das West-Nil-Fieber in vielen Regio- nen der Welt verbreitet, auch in Teilen Europas, z. B. in Griechenland und Italien, wo es regional zu größeren Fallzahlen kommen kann. In Deutschland wurde das West-Nil-Virus (Sub- typ 2) erstmals im Jahr 2018 bei Vögeln und Pfer- den nachgewiesen. Seit 2019 sind zudem erste autochthone, also durch heimische Mücken über- tragene Erkrankungsfälle beim Menschen in Ost- deutschland bekannt geworden. Begünstigt durch warme Sommer und eine verlängerte Mückensai- son breitet sich das Virus zunehmend aus. Auch in Rheinland-Pfalz wurde das Virus im Jahr 2023 erstmals nachgewiesen – bei einer Schnee-Eule in einem Vogelpark. Im Sommer 2026 wurde dann bei der Untersuchung von Blutspenden erstmals auch eine in Rheinland-Pfalz erworbene Infekti- on mit dem West-Nil-Virus bei einem Menschen festgestellt. Ungebetener Gast: Eine Culex-Mücke bei einer Blut- mahlzeit. © Urmas Tartes I Wikimedia Die meisten Infektionen verlaufen ohne Be- schwerden. Etwa 20 Prozent der infizierten Per- sonen entwickeln grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdig- keit oder Hautausschlag. Die Beschwerden dau- ern meist drei bis sechs Tage. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel zwei bis vierzehn Tage. Nur selten, etwa bei einem Prozent der Infektionen, kommt es zu schweren Krankheitsverläufen mit Hirnhaut- oder Gehirnentzündungen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem. Einen speziel- len Impfstoff für Menschen gibt es derzeit nicht. Das Usutu-Virus gehört, wie das West-Nil-Virus, zur Familie der Flaviviren. Das Virus wurde erst- mals 1959 in Südafrika isoliert und hat sich seit den 1990er-Jahren zunehmend in Europa ausge- breitet. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch Culex-Mücken. In Deutschland wird das Vi- rus vor allem bei Wildvögeln, insbesondere Am- seln, nachgewiesen. Bisher wurden humane In- fektionen in Deutschland nur bei Blutspendern entdeckt, die im Rahmen routinemäßiger Unter- suchungen getestet wurden und keine Sympto- me hatten. 3 Usutu-Virus-Infektionen verlaufen meistens asymptomatisch. In symptomatischen Fällen können grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Hautausschlag und allgemeines Krankheitsgefühl auftreten. In sehr seltenen Fäl- len (<1%), insbesondere bei immungeschwächten Personen, kann es zu neurologischen Komplikati- onen wie Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Gehirnentzündung (Enzephalitis) kommen. Ein Impfstoff steht nicht zur Verfügung. Aedes-Mücken: Invasive Tigermücken als mögliche Überträger tropischer Viren Die Asiatische Tigermücke, auch Aedes albopic- tus genannt, stammt ursprünglich aus Südost- asien. Aedes albopictus wurde erstmals 2007 in Deutschland nachgewiesen und hat sich seitdem stark ausgebreitet. Es handelt sich dabei um eher kleine Mücken, die leicht an ihrer Färbung zu er- kennen sind: Sie sind tiefschwarz gefärbt mit sil- berweißen Schuppen an mehreren Körperteilen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Mücken- arten sind Aedes albopictus auch tagsüber aktiv, was die Exposition gegenüber Stichen erhöhen kann. Daneben können sie mehrere ursprünglich tropische Viruskrankheiten wie Denguefieber, Chi- kungunya und Zika übertragen. kehrenden aus Asien, Süd- und Mittelamerika nachgewiesen. Dem LUA wurden auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) in den vergan- genen zehn Jahren insgesamt 270 Fälle von Den- gue-Erkrankungen von den Gesundheitsämtern in Rheinland-Pfalz übermittelt; alle Betroffenen hat- ten sich im Ausland infiziert. Übertragungen des Dengue-Virus innerhalb Deutschlands gab es bis- her noch nicht. Anders sieht es etwa in Frankreich und Italien aus: Dort wurden im Jahr 2025 nach Angaben des European Centre for Disease Preven- tion and Control (ECDC) insgesamt über 30 Per- sonen durch einen Stich einer Aedes-Mücke mit dem Dengue-Virus infiziert. Typische Symptome einer solchen Infektion sind hohes Fieber, sehr starke Muskel- und Gelenk- schmerzen, Kopfschmerzen und ein fleckiger Hautausschlag. Selten können schwere Verläufe mit Blutungen auftreten, die eine stationäre Be- handlung notwendig machen. Für Reisende in bestimmte Risikogebiete stehen in- zwischen Impfstoffe zur Verfügung. Ob eine Imp- fung sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Rei- seziel, der Reisedauer und möglichen früheren Dengue-Infektionen ab. Eine reisemedizinische Be- ratung durch Hausärztinnen, Hausärzte oder tro- penmedizinische Beratungsstellen wird empfohlen. Die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung mü- ckenübertragener Infektionen ist der Schutz vor Stichen. Dazu gehören lange Kleidung, Insekten- schutzmittel und die Vermeidung von Brutstätten. Da sich Aedes albopictus in Deutschland bislang noch nicht flächendeckend etabliert hat, kann die Bevölkerung durch das Entfernen kleiner Wasser- ansammlungen aktiv zur Eindämmung beitragen. In Deutschland hat sich die Asiatische Tigermücke zuerst in der Oberrheinregion etabliert. Mittler- weile kommt sie aber auch innerhalb von Rhein- land-Pfalz vor, beispielsweise im Landkreis Ger- mersheim, im Rhein-Pfalz-Kreis, in Ludwigshafen, in Speyer und in der Stadt Mainz. Denguefieber ist weltweit eine der häufigsten durch Mücken übertragenen Virusinfektionen und wird in Deutschland gelegentlich bei Reiserück- 4 Gefahr im Anflug: Die Asiatische Tigermücke breitet sich im Zuge des Klimawandels auch in Deutschland im- mer weiter aus. © James Gathany, CDC / Wikimedia © mrsbella / Pixabay Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke verhindern: So kann jeder mithelfen Von der Eiablage bis zur erwachsenen Mücke vergehen bei warmen Temperaturen über 25 Grad oft nur sieben bis zehn Tage. Im Gegen- satz zu vielen heimischen Stechmückenarten benötigt die Asiatische Tigermücke (Aedes al- bopictus) keine größeren dauerhaft feuchten Gewässer. Bereits kleinste Wasseransamm- lungen reichen für die Entwicklung aus, etwa Regentonnen, Gießkannen, Blumenunterset- zer, Dachrinnen, Gullys, alte Autoreifen oder im Freien liegendes Kinderspielzeug. Die Eier der Tigermücke sind zudem relativ wider- standsfähig gegen Austrocknung. Nach erneu- tem Kontakt mit Wasser kann die Entwicklung fortgesetzt werden. Für die Eindämmung der Asiatischen Tigermü- cke ist daher auch die Mithilfe der Bevölke- rung wichtig. Grundstücke und Gärten sollten regelmäßig auf kleine Wasseransammlungen überprüft und diese möglichst entfernt oder abgedeckt werden. Der wirksamste Schutz vor vektorübertragenen Erkrankungen bleibt die Vermeidung von Mückenstichen und die Kon- trolle der Vektoren selbst. Da sich die Asiati- sche Tigermücke in Deutschland bislang noch nicht flächendeckend etabliert hat, können solche Maßnahmen ihre weitere Ausbreitung verlangsamen. Weiterführende Informationen zum Umgang mit Brutstätten gibt es bei der Kommuna- len Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e.V. Chikungunya ist deutlich seltener als Dengue, hat aber ein ähnliches Verbreitungsgebiet in Südame- rika und Südostasien. Von den in den vergangenen zehn Jahren 30 übermittelten Chikungunya-Fäl- len in Rheinland-Pfalz haben sich alle Personen im Ausland infiziert. Während es bisher keine Über- tragungen innerhalb Deutschlands gab, kam es in Frankreich im Jahr 2025 zu einer sehr großen An- zahl autochthoner Übertragungen (= Übertragun- gen innerhalb Frankreichs) mit insgesamt 633 Fäl- len. Zuvor waren autochthone Übertragungen von Chikungunya sehr selten. Im Jahr 2025 kam es auch zu Übertragungen in der Großregion Grand Est, die an Rheinland-Pfalz grenzt. Die Symptomatik einer Infektion mit dem Chikun- gunya-Virus ist in der Akutphase vergleichbar mit dem Dengue-Virus und äußert sich vor allem durch Fieber, Kopfschmerzen und starke Muskel- und Ge- lenkschmerzen. Die Verläufe sind in der Regel mil- der, und es kommt seltener zu Komplikationen. Allerdings können sich sehr starke Muskel- und Ge- lenkschmerzen anschließen, die sich über mehrere Monate hinziehen können. Chikungunya heißt da- her übersetzt „der gekrümmt Gehende“. Für Reisende in bestimmte Risikogebiete ste- hen inzwischen Impfstoffe zur Verfügung. Ob eine Impfung sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Reiseziel, der Reisedauer und möglichen Vorer- krankungen ab. Eine reisemedizinische Beratung durch Hausärztinnen, Hausärzte oder tropenme- dizinische Beratungsstellen wird empfohlen. Zika-Viren sind vor allem in Südostasien und in Südamerika verbreitet. Im Jahr 2015 kam es in Süd- und Mittelamerika zu einem großen Aus- bruch des Zika-Virus. In Deutschland und Europa wurden bisher keine autochthonen Übertragungen nachgewiesen. In Rheinland-Pfalz gab es in den vergangenen zehn Jahren insgesamt neun gemel- dete Fälle von Erkrankungen mit dem Zika-Virus, alle Betroffene hatten sich im Ausland infiziert. Typisch für Zika ist ein meist milder Krankheits- verlauf mit Fieber, Gelenkschmerzen und ei- nem oft juckenden Hautausschlag. Während die 5 Erkrankung selbst meist mild verläuft und von selbst wieder abklingt, kann es durch eine Infek- tion der Mutter in der Schwangerschaft zu Fehl- bildungen beim ungeborenen Kind kommen. Entscheidend ist der Schutz vor Mückenstichen, denn es steht bislang kein Impfstoff gegen das Zika-Virus zur Verfügung. Aufgrund einer Virus- persistenz in Samen- und Vaginalflüssigkeit nach Infektion kann das Zika-Virus auch sexuell über- tragen werden. Der Gemeine Holzbock: Die wichtigste heimische Zecke Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) ist die in Deutschland häufigste Zeckenart und in ganz Rheinland-Pfalz verbreitet. Zecken leben vor allem in Wäldern, hohem Gras, Gebüschen und zuneh- mend auch in Gärten oder Stadtparks. Besonders aktiv sind sie in den warmen Monaten zwischen Frühjahr und Herbst. Durch milde Winter verlän- gern sich ihre Aktivitätszeiten zunehmend. Im Gegensatz zu Stechmücken springen oder flie- gen Zecken nicht. Heimische Zeckenarten sit- zen meist auf Gräsern oder niedrigen Pflanzen und werden beim Vorbeigehen abgestreift. Die wichtigsten durch den Gemeinen Holzbock über- tragenen Erkrankungen in Deutschland sind die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Menin- goenzephalitis (FSME). Die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung von durch Zecken übertragenen Erkrankungen ist die Vermeidung von Zeckenstichen. Beim Aufenthalt in Wäldern, hohem Gras oder Gebüschen sollten möglichst lange Kleidung und festes Schuhwerk getragen werden. Zusätzlich können Insekten- schutzmittel verwendet werden. Zecken kommen auch in Stadtparks vor, so dass es innerhalb städ- tischer Grünflächen empfehlenswert ist, Gebüsch oder hohe Gräser grundsätzlich zu meiden. Nach Aufenthalten im Freien sollte der Körper sorgfäl- tig abgesucht und Zecken möglichst frühzeitig entfernt werden. Dafür eignen sich besonders Ze- ckenkarten oder ähnliche spezifische Werkzeuge. Aber auch Pinzetten oder notfalls Fingernägel sind 6 hilfreiche Werkzeuge. Im Vordergrund steht die schnellstmögliche Entfernung der Zecke. Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Ze- cken übertragene Erkrankung in Deutschland und kommt auch in Rheinland-Pfalz regelmäßig vor. Die Zahl der gemeldeten Erkrankungen schwankt von Jahr zu Jahr deutlich. Im Jahr 2025 wurden dem LUA rund 1.150 Fälle übermittelt. Damit la- gen die Fallzahlen höher als in den unmittelbar vorangegangenen Jahren, jedoch weiterhin unter dem Niveau der Jahre 2011 bis 2020. Typisch ist eine ringförmige Hautrötung um die Einstichstelle, die sogenannte Wanderröte. Zu- sätzlich können Fieber, Kopf- und Gliederschmer- zen auftreten. Unbehandelt können später Ge- lenke, das Nervensystem oder das Herz betroffen sein. Da in Deutschland sehr viele Personen schon Kontakt mit den Bakterien hatten, lassen sich Spätfolgen oft nicht sicher einer vorangegange- nen Infektion zuordnen. Eine Impfung gegen Borreliose steht derzeit nicht zur Verfügung. Ist eine Zecke mit Borre- lien infiziert, erfolgt die Übertragung auf den Menschen nicht direkt nach dem Stich, sondern erst nach mehreren Stunden. Daher ist es essen- ziell, sich direkt nach Aufenthalten im Grünen nach Zecken abzusuchen und diese zu entfer- nen, um das Risiko einer Infektion zu minimie- ren. Nach einem Zeckenstich sollte die Haut in den folgenden Tagen und Wochen auf Verände- rungen beobachtet werden. Tritt eine ringförmi- ge Hautrötung um die Einstichstelle auf, kann nach entsprechender Abklärung durch den Haus- arzt gegebenenfalls mit Antibiotika behandelt werden. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) tritt vor allem im Süden und Osten Deutschlands auf. In Rheinland-Pfalz wurde bislang nur der Landkreis Birkenfeld als FSME-Risikogebiet ausge- wiesen. Allerdings sind die Zahlen in Rheinland- Pfalz konstant niedrig mit etwa vier gemeldeten Fällen pro Jahr. Weiterhin ist im Landkreis Bir- kenfeld FSME seit 2020 nicht mehr aufgetreten. Eine Infektion mit dem FSME-Virus bei Aufenthal- Kann Krankheitserreger im Gepäck haben: Der Gemeine Holzbock. © Erik Karits / Pexels ten im Grünen in Rheinland-Pfalz ist also insge- samt unwahrscheinlich - anders als im benachbar- ten Baden-Württemberg, wo 2025 267 Fälle von FSME gemeldet wurden. Symptomatische Fälle einer FSME klagen zumeist über grippeähnliche Beschwerden mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Nur bei einem ge- ringen Teil der Erkrankten kommt es anschließend zu einer Entzündung der Hirnhäute, des Gehirns oder des Rückenmarks. Schwere Verläufe können bleibende neurologische Schäden hinterlassen. Für Menschen in FSME-Risikogebieten oder mit häufiger Exposition gegenüber Zecken wird eine Schutzimpfung empfohlen. Das gilt auch für Ur- laubsreisende, die in FSME-Risikogebiete reisen. In diesen Fällen können Hausärztinnen und Hausärz- te entsprechend beraten. Hyalomma-Zecken: Mögliche Überträger tropischer Erkrankungen Hyalomma-Zecken stammen ursprünglich aus wärmeren Regionen Afrikas, Asiens und Südeuro- pas. Sie werden gelegentlich durch Zugvögel, die im Frühjahr aus dem Süden zurückkehren, nach Deutschland eingeschleppt. Im Gegensatz zum heimischen Gemeinen Holzbock sind sie deutlich größer und bewegen sich aktiv auf ihre Wirte zu. In den vergangenen Jahren wurden auch in Rhein- land-Pfalz wiederholt einzelne Hyalomma-Zecken nachgewiesen. Dauerhaft ist diese Zeckenart je- doch bislang nicht in Deutschland etabliert. Auf- grund des Klimawandels mit steigenden Tempera- turen und längeren Trockenperioden könnte sich dies künftig verändern. Hyalomma-Zecken können verschiedene Krank- heitserreger übertragen, zum Beispiel das Krim- Kongo-Fieber. Bislang kommt diese Viruserkran- kung insbesondere vor allem in Teilen Afrikas, Asiens, des Nahen Ostens und Südosteuropas vor. In Deutschland wurden bislang keine autochthonen Erkrankungen nachgewiesen. Da Hyalomma-Ze- cken jedoch regelmäßig eingeschleppt werden und dabei bereits mit dem Virus infiziert sein könnten, wird die Situation aufmerksam beobachtet. Ein Krim-Kongo-Fieber beginnt meist plötzlich mit hohem Fieber, starken Kopf- und Muskel- schmerzen sowie ausgeprägtem Krankheitsgefühl. Nicht selten kommt es zu Blutungen und Organ- versagen und in 5 bis 30 Prozent verläuft die Er- krankung tödlich. Entscheidend für die Prävention ist daher der Schutz vor Zeckenstichen sowie ein weiteres Monitoring des Vektors. 7 Herausgeber: Landesuntersuchungsamt Mainzer Straße 112 56068 Koblenz poststelle@lua.rlp.de https://lua.rlp.de
Die Gefahr, nach einem Mücken- oder Zeckenstich krank zu werden, ist in Rheinland-Pfalz angestiegen. Zu diesem Schluss kommt das Landesuntersuchungsamt (LUA) in seiner Bilanz zur Infektionsprävention für das Jahr 2025. Angetrieben wird diese Entwicklung durch die spürbaren Veränderungen des Klimas und die zunehmende Mobilität der Menschen. Dadurch steigt auch das Vorkommen von Krankheitserregern und Überträgerorganismen. „Die Erkennung und Behandlung mückenübertragener Viruserkrankungen könnten hierzulande bald zur hausärztlichen Routine gehören“, prognostiziert Prof. Dr. Philipp Zanger, Leiter der Abteilung Humanmedizin im LUA. „Ihre zunehmende Ausbreitung ist spürbar“, warnt der Tropenmediziner und Epidemiologe und verweist auf die erst kürzlich erstmals in Rheinland-Pfalz erworbene Infektion mit dem West-Nil-Virus . Der 58-jährige Blutspender aus dem Rhein-Pfalz-Kreis hatte das Bundesland in den Wochen davor nicht verlassen. Ursprünglich stammt das West-Nil-Virus aus dem südlichen Afrika – hatte sich aber Anfang der 2000er Jahre in Zugvögeln zunächst über Südosteuropa bis zu einem Erstnachweis im Osten Deutschlands 2018 ausgebreitet. Übertragen wird das West-Nil-Virus von Culex-Mücken, die zu den häufigsten Mückenarten in Deutschland zählen. Die meisten Infektionen verlaufen ohne Beschwerden. Etwa 20 Prozent der infizierten Personen entwickeln grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit oder Hautausschlag. Nur selten kommt es zu schweren Krankheitsverläufen mit Hirnhaut- oder Gehirnentzündungen. Hiervon betroffen sind insbesondere ältere und anderweitig immunschwache Menschen. Mit Hilfe von Daten aus der gesetzlichen Meldepflicht von Infektionskrankheiten und -erregern überwacht das LUA Infektionen, die durch blutsaugende Insekten (sogenannte Vektoren) auf den Menschen übertragen werden. Einige vektorübertragene Erkrankungen sind in Rheinland-Pfalz bereits seit längerem etabliert, etwa die durch Zecken übertragene Lyme-Borreliose oder die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Ein Vektor für tropische Viruskrankheiten wie Denguefieber, Chikungunya und Zika, der in unseren Breiten gerade heimisch wird, ist die ursprünglich aus Südostasien stammende Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). In Deutschland wurde sie erstmals 2007 in der Oberrheinregion nachgewiesen und hat sich seitdem entlang des Rheins auch in Rheinland-Pfalz ausgebreitet. Hier kommt sie mittlerweile im Landkreis Germersheim, im Rhein-Pfalz-Kreis, in Ludwigshafen, Speyer und Mainz vor. Denguefieber ist weltweit eine der häufigsten durch Mücken übertragenen Virusinfektionen und wird in Deutschland gelegentlich bei Reiserückkehrenden aus Asien sowie Süd- und Mittelamerika nachgewiesen. „Die Gesundheitsämter in Rheinland-Pfalz haben uns in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 270 Fälle von Dengue-Erkrankungen übermittelt“, so Prof. Dr. Philip Zanger. „Alle Betroffenen hatten sich im Ausland infiziert.“ Übertragungen des Dengue-Virus innerhalb Deutschlands gab es bisher noch nicht. Anders sieht es etwa in Frankreich und Italien aus: Dort wurden im Jahr 2025 nach Angaben des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) insgesamt über 30 Personen durch den Stich einer Aedes-Mücke mit dem Dengue-Virus infiziert. Typische Symptome einer Dengue-Infektion sind hohes Fieber, sehr starke Muskel- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen sowie eine diffuse Rötung der Haut. Selten birgt ein virusbedingter Kapillarschaden die Gefahr eines Schocks und eine stationäre Überwachung und Behandlung wird notwendig. Im Gegensatz zu vielen heimischen Stechmückenarten, die größere, dauerhaft feuchte Gewässer benötigen, reichen der Asiatischen Tigermücke bereits kleinste Wasseransammlungen wie Regentonnen, Gießkannen, Blumenuntersetzer, Dachrinnen, Gullys, alte Autoreifen oder im Freien liegendes Kinderspielzeug zur Entwicklung aus. „Für den Erfolg der Eindämmungsmaßnahmen ist die Mitarbeit der Bevölkerung von zentraler Bedeutung“, betont Prof. Dr. Zanger. Grundstücke und Gärten sollten regelmäßig auf kleine Wasseransammlungen überprüft und diese möglichst entfernt oder abgedeckt werden. Die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung von Infektionen ist außerdem der Schutz vor Mückenstichen durch lange Kleidung und hautverträgliche Insektenschutzmittel. Hintergrund Das Landesuntersuchungsamt (LUA) ist in Rheinland-Pfalz der zentrale staatliche Dienstleister im Verbraucher- und Gesundheitsschutz von Menschen und Tieren. Rund 500 Mitarbeitende arbeiten an der landesweiten Untersuchung von Lebensmitteln, Bedarfsgegenständen, Arzneimitteln und Kosmetik, der Diagnostik und Bekämpfung von Tierseuchen sowie dem Schutz der Menschen vor ansteckenden Krankheiten. Für die Abteilung Humanmedizin des LUA steht die Beratung der Gesundheitsämter bei der Umsetzung von Infektionsschutzmaßnahmen im Mittelpunkt des Aufgabenspektrums. Die jährlich rund 120.000 Laboruntersuchungen umfassen neben mikrobiologischen Analysen zum Nachweis von Infektionserregern in humanem Probenmaterial auch trinkwasser- und krankenhaushygienische Untersuchungen. Diese Labortätigkeit wird ergänzt durch epidemiologische Analysen von Labor- und Meldedaten. Die vollständige Bilanz Infektionsprävention 2025 finden Sie hier auf der Homepage .
Die Entwicklung und Planung klimaresilienter Städte ist ein wichtiger Baustein für die Anpassung an den Klimawandel und den Klimaschutz. Naturbasierte Lösungen für blau-grüne Infrastrukturen spielen bei der Planung klimaresilienter Städte eine besondere Rolle. Veränderungen im Wasserhaushalt, die Verbesserung von Versickerungsmöglichkeiten und Schaffung von grünen Bändern in Städten sind hier einige wichtige Eckpunkte. Gleichzeitig muss bei diesen Maßnahmen aber auch die potentielle Begünstigung der Ansiedelung und Ausbreitung von Lästlingen, Gesundheitsschädlingen und allergieauslösenden Pflanzen mitgedacht werden. Damit eine Transformation urbaner Lebensräume hin zu Orten mit hoher Lebensqualität gelingen kann, müssen nicht-intendierte Nebeneffekte mitberücksichtigt werden. Dies ist besonders bedeutsam vor dem Hintergrund des Auftretens von invasiven Arten (Asiatische Tigermücke, Ambrosia), aber auch heimische Arten können auf die herbeigeführte Veränderung von Lebensbedingungen in urbanen Räumen mit vermehrter Verbreitung reagieren. Es fehlt an einer aktuellen Gesamtschau der gesundheitlichen Effekte, die durch planerische Voraussicht vermeidbar wären. Im Rahmen des Projektes sollen daher die gesundheitlichen Effekte von Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels in Städten und Gemeinden empirisch in Feldstudien an ausgesuchten und möglichst repräsentativen Fallbeispielen untersucht werden. Hierzu sollen mehrere Projekte, in denen urbane Bereiche klimaresilient gestaltet wurden, mit ökologischen Untersuchungen begleitet werden, um die komplexen Folgen planerischen Handelns adäquat zu erfassen. Die Erkenntnisse aus diesen Untersuchungen fließen in einen Leitfaden für die vorrausschauende Planung klimaresilienter Städte ein, in dem der aktuelle Kenntnisstand dargestellt, mögliche positive und negative Wirkungen der Maßnahmen benannt und Empfehlungen formuliert werden. HInweis: Anpassung des VH (Teiling in zwei Teilvorhaben) - FKZ 3723484011+3723484012
Seit einigen Jahren gewinnen Stechmücken als Vektoren auch in Deutschland immer mehr an Bedeutung. Der fortschreitende Klimawandel und die damit verbundenen veränderten Umweltbedingungen können die Ausbreitung nicht-heimischer Stechmückenarten wie der Asiatischen Tigermücke Aedes albopictus begünstigen. Asiatische Tigermücken können zahlreiche Viren auf den Menschen übertragen. Auch wenn durch sie bisher noch keine autochthonen, das heißt in Deutschland erworbenen Krankheitsfälle aufgetreten sind, häufen sich seit einiger Zeit durch andere, heimische Stechmücken übertragene Fälle des West-Nil-Virus. Das Management von vektorkompetenten Stechmücken umfasst eine Reihe von vorbeugenden Maßnahmen, die auch durch Verbraucher und Verbraucherinnen umgesetzt werden können. Darüber hinaus stellt die Bekämpfung mit Biozid-Produkten eine wichtige Säule sowohl bei der Eindämmung der Verbreitung von Stechmücken als auch bei der Eindämmung eines aktiven Krankheitsgeschehens dar. Quelle: UMID : Umwelt und Mensch - Informationsdienst ; Umwelt & Gesundheit, Umweltmedizin, Verbraucherschutz / Boden- und Lufthygiene (Berlin) Institut für Wasser-. - Berlin. - (2025), Heft 1, Seite 25
<p> <p>In Deutschland lebende heimische und exotische Stechmücken können Überträger für Chikungunya- und Zika-Viren sein – so eine Analyse im Auftrag des Umweltbundesamtes. Das Risiko nimmt zu, wenn es durch den Klimawandel wärmer wird. Kehren Menschen beispielsweise von Fernreisen mit den Viren infiziert zurück, können diese bei Stichen von Mücken aufgenommen und auf andere Menschen übertragen werden.</p> </p><p>In Deutschland lebende heimische und exotische Stechmücken können Überträger für Chikungunya- und Zika-Viren sein – so eine Analyse im Auftrag des Umweltbundesamtes. Das Risiko nimmt zu, wenn es durch den Klimawandel wärmer wird. Kehren Menschen beispielsweise von Fernreisen mit den Viren infiziert zurück, können diese bei Stichen von Mücken aufgenommen und auf andere Menschen übertragen werden.</p><p> <p>In dem Projekt <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/104921">„Vektorpotential einheimischer Stechmücken“</a> wurden sowohl ausgewählte einheimische Stechmückenarten als auch die eingewanderte Asiatische Tigermücke als mögliche Überträger für Chikungunya- (CHIKV) und Zika-Viren (ZIKV) in Deutschland berücksichtigt. Das Übertragungsrisiko durch die verschiedenen Stechmückenarten wurde in Abhängigkeit von Temperatur, Stechmückenverbreitung und der Populationsdichte des Menschen untersucht. Grundsätzlich konnte durch die datenbasierte Risikoanalyse gezeigt werden, dass nicht nur neu auftretende exotische Arten wie die Asiatische Tigermücke, sondern auch einheimische Stechmückenspezies als Überträger von eingeschleppten Erregern in Betracht gezogen und bei zukünftigen Risikobetrachtungen berücksichtigt werden müssen.</p> <p>Bei den untersuchten einheimischen <em>Culex- </em>und <em>Aedes</em>-Arten konnte kein Übertragungspotential für ZIKV nachgewiesen werden, mit Ausnahme der ausschließlich in Küstengebieten verbreiteten Stechmückenart <em>Ae. detritus</em>. Die exotische Spezies <em>Ae. albopictus </em>zeigte ein Übertragungspotential für ZIKV, allerdings ausschließlich bei höheren Umgebungstemperaturen. Diese Stechmücken hingegen übertragen das CHIKV bereits bei niedrigen Temperaturen. In geringerem Ausmaß übertragen auch die Überschwemmungsmücke <em>Ae. sticticus </em>und die weit verbreitete Art <em>Culex torrentium</em> das CHIKV.</p> <p>Durch die starke Temperaturabhängigkeit von ZIKV in <em>Ae. albopictus </em>und der sehr lokalen Verbreitung von <em>Ae. sticticus </em>in Überflutungsgebieten besteht für die Übertragung von ZIKV deutschlandweit aktuell ein sehr geringes Risiko. Im Gegensatz dazu besteht ein erhöhtes Risiko für die Zirkulation von CHIKV: Die Kombination von Temperatur, Verbreitung der übertragenden Stechmückenart und Bevölkerungsdichte führt zu einem erhöhten Risiko einer Übertragung in Nordrhein-Westfalen, dem Oberrheingebiet und dem zentralen Ostdeutschland. Mit steigender Temperatur aufgrund des Klimawandels muss langfristig mit der weiteren Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke und damit mit einem steigenden Risiko der lokalen CHIKV-Übertragung in Deutschland gerechnet werden. Bisher sind hierzulande aber Krankheitsausbrüche, die mit dieser Stechmückenart assoziiert sind, ausgeblieben.</p> <p><strong>Welche Gefahren gehen von </strong><strong>Chikungunya- und Zika-Viren aus?</strong></p> <p>Die meisten ZIKV-Infektionen verlaufen symptomlos, allerdings kann eine Infektion während der Schwangerschaft zu Fehlbildungen beim Fötus führen (zum Beispiel Mikrozephalie). Die Hauptbeschwerden des CHIK-Fiebers sind starke Muskel- und Gliederschmerzen, die eine schmerzhaft zusammengekrümmten Körperhaltung auslösen und über Monate anhalten können.</p> <p><strong>Wie kann die Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke in Deutschland eingedämmt werden?</strong></p> <p>Präventivmaßnahmen, insbesondere gegen die weitere Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke, spielen im Hinblick auf den Schutz der menschlichen Gesundheit eine wichtige Rolle. Dazu gehören neben professionellen Überwachungsmaßnahmen auch Maßnahmen, die durch die Bevölkerung durchgeführt werden. Diese betreffen insbesondere die Verhinderung und Beseitigung von potentiellen Brutstätten. Nähere Informationen finden Sie dazu in den Handlungsempfehlungen der <a href="https://www.fli.de/de/kommissionen/nationale-expertenkommission-stechmuecken-als-uebertraeger-von-krankheitserregern/">Nationalen Expertenkommission „Stechmücken als Überträger von Krankheitserregern“</a>.</p> <p> </p> </p><p>Informationen für...</p>
In den letzten Jahren haben sich klinisch relevante Arboviren geographisch ausgebreitet. Im Rahmen des Projektes "Vektorpotential einheimischer Stechmücken" wurden Daten erhoben, um für Deutschland eine räumliche Risikoanalyse in Abhängigkeit von Temperatur, Stechmückenverbreitung und der Populationsdichte des Menschen für relevante tropische Arboviren durchzuführen (Dengue-, Chikungunya- und Zika-Virus). Im Forschungsbericht werden die im Labor erhobenen Daten zur Vektorkompetenz einheimischer und exotischer Stechmückenarten sowie die Adaptionsfähigkeit von Viren an niedrigere Temperaturen in Zellkultur dargestellt. Das Vektorpotential der Stechmückenspezies ist dabei sehr unterschiedlich bezüglich der untersuchten Temperaturen sowie der verschiedenen Viren. Übergreifend ergibt sich, dass die Verbreitung von exotischen Arten wie Aedes albopictus mit hohem Vektorpotential verbunden ist, aber auch einheimische Arten (Aedes sticticus, Culex torrentium) beobachtet werden müssen, um auf mögliche Eintragungen neuer Arboviren vorbereitet zu sein. Quelle: Forschungsbericht
Die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus ist als Überträger von Infektionskrankheiten (beispielsweise Chikungunya und Denguefieber) von enomer gesellschaftlicher und medizinischer Relevanz. Unter der globalen Erwärmung wird sich A. albopictus und wahrscheinlich auch die assoziierten Viren in kühlere Ökoregionen ausbreiten. Um eine wissenschaftliche und technische Basis auf dem Gebiet der medizinischen Entomologie und One Health zu etablieren, fokussiert der biologische und sozio-ökologische Forschungsplan der vorgeschlagenen Nachwuchsgruppe AECO auf (i) die Vektorbiologie der invasiven Stechmücke Aedes albopictus entlang eines natürlichen Klimagradienten und (ii) sozioökologische Aspekte, welche Präventions- & Kontrollmassnahmen in einem Chikungunya- und Dengue-epidemischen Land (Nepal) beeinflussen. Das Forschungsvorhaben AECO hat konkret zum Ziel 1.) die Kältetoleranz der invasiven Stechmücke Aedes albopictus auf physiologischer, ultrastruktureller und epigenetischer Ebene zu verstehen und 2.) signifikante sozial-ökologische Faktoren für deren Prävention und Bekämpfung in verschiedenen Ökoregionen zu identifizieren und zu vergleichen.
The Asian tiger mosquito Aedes albopictus has undergone a dramatic expansion of its range in the last few decades. Since its first detection in 2007 in Germany at the motorway A5 coming from Italy via Switzerland to Germany, it has been continuously introduced by vehicles, most probably from Italy. After a hint from an alert gardener in an allotment garden area in Freiburg, Southwest Germany, in 2015, a surveillance programme was started focusing on the garden area and adjacent areas as well as most of the cemeteries as potential infestation areas. The surveillance programme confirmed a high infestation of the allotment garden. The container index (CI) exceeded almost 30% in August 2015. In lethal gravid Aedes traps (GATs) and BG-Sentinel traps, 4038 adults were caught. It could be proven that the Aedes population is more or less still spatially restricted to the allotment garden area which is adjacent to a train station where trucks from Novara, Italy, arrive loaded on trains. Outside the garden area, only a few breeding sites with developmental stages and adults were found within a radius of approximately 600 m from the highly infested garden area. It is most likely that Ae. albopictus females are constantly introduced as ĺblind passengers̷ to Freiburg via trucks from Italy to Freiburg, Germany. After the first detection of the mass development of Ae. albopictus immediate and comprehensive control measures were initiated to reduce or even eliminate the Aedes population. Citizen awareness, especially of the gardeners, was increased by providing thorough information about the biology and control of Ae. albopictus. Beside environmental management, tablets based on Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) were applied. The success of the control activities by the gardeners is reflected by the data gained during monthly inspection of the garden plots. The number of gardens without any container increased from 17% in July to 22% in August and 35% in September, 2015, resulting in a successful reduction of the Ae. albopictus population. The study underlines the importance of a comprehensive surveillance programme to assess the population density of Ae. albopictus as a basis for integrated control activities. Quelle: http://link.springer.com
<p> <p>In Deutschland sorgt eine ausbreitungsfreudige Mückenart aus Ostasien bei Fachleuten für Besorgnis.</p> </p><p>In Deutschland sorgt eine ausbreitungsfreudige Mückenart aus Ostasien bei Fachleuten für Besorgnis.</p><p> <p>Mückenstiche jucken und oft schwellen sie an. Aber besonders unangenehm kann es werden, wenn die Asiatische Tigermücke zusticht. Denn sie kann u.a. das Chikungunya-, Dengue-, Gelbfieber- und West-Nil-Virus übertragen. Auch in Teilen Südeuropas kam es durch diese Mückenart bereits zu Krankheitsfällen von Dengue- und Chikungunya-Fieber.</p> <p>Die Asiatische Tigermücke – auch Aedes albopictus genannt – gehört zu den hundert Arten der Welt, die sich am aggressivsten ausbreiten. Unter den Stechmücken rangiert sie hier unangefochten auf Platz eins.</p> <p>Seine Eier legt das Weibchen oberhalb von Wasserflächen ab, etwa an Rändern von Gewässern oder Gefäßen wie Regentonnen oder an aus dem Wasser ragenden Strukturen. Die Larven schlüpfen, wenn der Wasserpegel steigt und die Eier ins Wasser geraten – oft erst Monate nach der Eiablage. Die Eier sind sehr resistent gegenüber Kälte und Trockenheit. Mit dem internationalen Warenverkehr – vor allem dem Handel mit Altreifen und „Glücksbambus“ – werden die Eier über weite Strecken verschleppt. So hat sich die Mücke aus ihren ursprünglichen Verbreitungsgebieten in Ostasien inzwischen fast weltweit ausgebreitet. Auch in Europa ist die Ausbreitung rasant verlaufen. In Italien ist sie mittlerweile nahezu flächendeckend etabliert und wurde bis heute in mindestens 26 weiteren europäischen Staaten nachgewiesen.</p> <p>Nach Deutschland wird die Mücke mit dem Fernreiseverkehr eingeschleppt. Seit 2011 ist die Asiatische Tigermücke in den Sommer- und Herbstmonaten regelmäßig im südlichen Bayern und Baden-Württemberg entlang von Reiserouten aus dem Süden kommend anzutreffen. Trotz intensiver Gegenmaßnahmen konnte diese Stechmücke mittlerweile auch lokal in Deutschland überwintern: In Baden-Württemberg sind beispielsweise etablierte Populationen nachgewiesen worden. Allerdings wurden in den gefangenen Exemplaren keine Krankheitserreger nachgewiesen.</p> <p>Um einer Gefährdung der menschlichen Gesundheit vorzubeugen, sollte eine Ausbreitung dieser Mückenart in Deutschland verhindert werden. Dazu ist eine Überwachung an Risikostandorten notwendig, wie sie derzeit im Rahmen eines vom Bundeslandwirtschaftsministerium (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/bmel">BMEL</a>) geförderten Projektes durchgeführt wird.</p> <p>Wer sich aktiv an der Forschung über die Verbreitung verschiedener Stechmückenarten in Deutschland beteiligen und außerdem gerne erfahren möchte, mit welcher Mückenart er es zu tun hat, kann ausgewachsene Mücken an das <a href="http://www.mueckenatlas.de/">Projekt „Mückenatlas“</a> schicken.</p> <p>Was gegen die Ausbreitung in Deutschland getan wird, erläutert unser <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/26350">Faltblatt</a>. Auch im eigenen Garten kann man tätig werden, in dem man Regentonnen mückensicher verschließt und alle Behältnisse mit stehendem Wasser, wie etwa Vogeltränken, mindestens wöchentlich restlos leert. Das hilft auch gegen andere Mückenarten, die "nur" lästig sind.</p> </p><p>Informationen für...</p>
Neue exotische Stechmückenarten wie die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus oder der Japanische Buschmoskito Aedes japonicus können als Vektoren für unterschiedliche Viren erheblich zur Ausbreitung neuer, bisher in Deutschland nicht heimischer Infektionskrankheiten beitragen. Die Einschleppung von Ae. albopictus nach Deutschland erfolgt hauptsächlich über den nach Norden gerichteten Kraftfahrverkehr aus Südeuropa. Zur Entwicklung gezielter Präventionsmaßnahmen zum Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier wurden in diesem Forschungs- und Entwicklungsvorhaben die bekannten Autobahnen sowie weitere mögliche Einfallwege für Ae. albopictus wie Reifenlager und Eisenbahnverkehr untersucht. In dem Zeitraum zwischen 2014 und 2016 wurden jeweils von April bis Oktober insgesamt 71 Rastplätze an süddeutschen Autobahnen sowie zwei Reifenlager von internationalen Altreifenhändlern regelmäßig auf Stechmücken untersucht. Darüber hinaus wurden Stechmückenfallen in Zügen mitgeführt, die Lastkraftwagen auf der Schiene von Novara in Italien nach Freiburg im Breisgau transportieren. Der Eintrag von Ae. albopictus lag im Beobachtungszeitraum deutlich über dem Eintrag in den vorangegangenen Jahren. Auch eine deutlich vermehrte lokale Reproduktion der Stechmücke konnte nachgewiesen werden. Die Zunahme des Eintrags von Ae. albopictus nach Deutschland stand in direktem Zusammenhang mit der Abundanz der Quellpopulationen in den südeuropäischen Herkunftsländern (insbesondere Italien) und war weniger ein Ausdruck veränderter klimatischer Bedingungen. Neben den Raststätten an den Bundesautobahnen wurde der Schienenverkehr aus Italien als zusätzliche, signifikante Einfallspforte für Ae. albopictus nach Deutschland identifiziert, während der Reifenhandel offenbar keine Rolle spielt. Die molekulargenetische Untersuchung einzelner Exemplare vier etablierter Populationen in Baden-Württemberg ergaben, dass (1) es sich um vier unabhängige Eintragungen handelte und (2) Ae. albopictus in der Lage war, an den einzelnen Standorten zu überwintern. Frühzeitige und gezielte Bekämpfungsmaßnahmen unter Einbeziehung der Bevölkerung führten zu einer deutlichen bzw. kompletten Elimination verschiedener Ae. albopictus-Populationen. Eine exemplarische Bekämpfung wurde in einer Kleingartenanlage durchgeführt, wo sich eine besonders große Population von Ae. albopictus etabliert hatte. Durch die Mitarbeit der Kleingärtner, gezieltes Reinigen von Gartentonnen und Entfernen weiterer möglicher Brutplätze sowie den Einsatz von Bacillus thuringiensis israelensis (B. t. i.) konnte die Stechmückenpopulation in kurzer Zeit deutlich reduziert werden. Kleinere Populationen an weiteren Standorten konnten durch entsprechende Maßnahmen sogar völlig eliminiert werden. Quelle: Forschungsbericht
| Organisation | Count |
|---|---|
| Bund | 27 |
| Land | 17 |
| Weitere | 3 |
| Wissenschaft | 1 |
| Type | Count |
|---|---|
| Förderprogramm | 13 |
| Text | 23 |
| Umweltprüfung | 8 |
| License | Count |
|---|---|
| Geschlossen | 31 |
| Offen | 13 |
| Language | Count |
|---|---|
| Deutsch | 43 |
| Englisch | 7 |
| Resource type | Count |
|---|---|
| Bild | 6 |
| Dokument | 6 |
| Keine | 16 |
| Webseite | 27 |
| Topic | Count |
|---|---|
| Boden | 32 |
| Lebewesen und Lebensräume | 44 |
| Luft | 30 |
| Mensch und Umwelt | 44 |
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| Weitere | 43 |