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Spotlight on "Residential exposure to magnetic field due to high-voltage power lines and childhood leukemia risk in mainland France - GEOCAP case-control study, 2002-2010" by Mancini et al. in Environmental Research (2025)

English: Do magnetic fields from power lines cause cancer in children? In the GEOCAP study, the authors investigate whether childhood leukemia is associated with living close to high-voltage power lines (HVPL) or modeled exposure to extremely low frequency magnetic fields. Results indicate an increased leukemia risk in children <5 years living close to HVPL. No association with modeled magnetic field exposure levels was observed. In the spotlight article, you will learn about the study’s strengths and limitations, and how we interpret the results. Deutsch: Können Magnetfelder von Stromleitungen zu Krebserkrankungen bei Kindern führen? In der großen französischen Fall-Kontroll-Studie GEOCAP untersuchen Mancini et al., ob Leukämie im Kindesalter mit Nähe zu Hochspannungsleitungen bzw. der modellierten Exposition von niederfrequenten Magnetfeldern zusammenhängt. Die Ergebnisse deuten auf ein erhöhtes Leukämierisiko bei Kindern unter fünf Jahren, die sehr nah an Hochspannungsleitungen wohnen, hin. Allerdings zeigt sich kein Zusammenhang mit der modellierten Magnetfeldexposition. Im Spotlight-Beitrag erfahren Sie Stärken und Limitationen der Studie und wie wir die Ergebnisse interpretieren.

Passivrauchen und Lungenkrebs ; Untersuchung zu beruflichen Faktoren des Lungenkrebses

Untersuchung des Einflusses beruflicher Faktoren und des Passivrauchens auf das Lungenkrebsrisko in einer Fall-Kontroll-Studie mit 1004 Faellen und 1004 Kontrollen. Fortfuehrung der statistischen Auswertungen zu dieser 1987-1995 in Bremen durchgefuehrten Studie. Ergebnisse: vielfaeltig, siehe Bericht.

Lungenkrebs und Radon in den Ardennen und der Eifelregion

Ziel der Studie ist die Ermittlung der Expositions-Wirkungs-Beziehung zwischen Innenraumbelastungen an Radon als Lebensexposition und dem Auftreten des Lungenkarzinoms in den Ardennen sowie der Eifel. Die Studie wird von fuenf europaeischen Kooperationspartnern in Grossbritannien, Frankreich, Luxemburg, Belgien und der Bundesrepublik Deutschland als 1 : 3-gematchte Fall-Kontroll-Studie durchgefuehrt.

Entstehungsursachen allergischer und nicht-allergischer Dermatosen bei Berufsanfaengern im Friseur-, Krankenpflege- und Metallhandwerk unter besonderer Beruecksichtigung endogener Risikofaktoren

Im abgeschlossenen Projekt F0054 'Haeufigkeit atopischer Stigmata und deren diagnostische Relevanz bei atopischen Ekzemen' wurde ein Atopie-Score entwickelt, mit dem standardisiert und reproduzierbar die Auspraegung einer Atopie anhand anamestischen, klinischen und laborchemischen Kriterien diagnostiziert werden kann. - Ziel: Validierung des Atopie-Score durch eine Feldstudie; neue Erkenntnisse zum Zusammenwirken von endogenen und exogenen Risikofaktoren bei der Entstehung von Berufsekzemen und Allergien. - Methodik: Prospektive epidemiologische Studie; Untersuchung von Berufsanfaengern in besonders hautbelastenden Berufen (Friseur, Krankenpflege, Metallberufe) zu Beginn der Ausbildung (insbesondere endogene Risikofaktoren) und anschliessend ausbildungsbegleitend mindestens zweimal; gleiches Untersuchungsinstrumentarium wie Projekte 38-08, OF-21 und OF-23 (Projekte sind koordiniert). Ergaenzend je eine Fallkontrollstudie bei Friseuren und Baeckern mit angezeigtem Verdacht auf berufsbedingte Hauterkrankung (mit entsprechenden Kontrollgruppen). - Umsetzung geplant: Verbesserung der Praevention von Berufsekzemen und Allergien durch gezielte Beratung von Berufsanfaengern und durch effektive arbeitsmedizinische Vorsorge in hautbelastenden Berufen.

Lungenkrebsrisiko durch Radon in der Bundesrepublik Deutschland

Ziel der Studie ist die Ermittlung der Expositions-Wirkungs-Beziehung zwischen Innenraumbelastungen an Radon und dem Auftreten des Lungenkarzinoms unter Beruecksichtigung des Rauchens und beruflicher Karzinogene. Dazu werden im Rahmen einer Fall-Kontroll-Studie in einem Zeitraum von vier Jahren mehr als 3000 Lungenkrebsfaelle und 3000 nach Alter und Geschlecht gematchten Kontrollpersonen in drei Studienregionen (Ostbayern, Saarland/NRW, Thueringen (Sachsen)) auf ihre Exposition befragt und durch Messung mittels Kernspurdosimetern in allen in den letzten 35 Jahren bewohnten Wohnungen ihre Exposition ermittelt.

Nachweistechnik fuer Cryptosporidien in Wasserproben (PCR) und Epidemiologie der Cryptosporidiose

Es wurde ein Nachweisverfahren entwickelt, das es ermoeglicht, durch Kombination eines Verdaus freier DNA u. einer in-vitro-Exzystierung mit einem anschliessenden Nachweis von Cryptosporidien-DNA mit Hilfe der PCR einen selektiven Nachweis lebender Cryptosporidien-Oozysten zu fuehren. Dieses Verfahren soll fuer den Nachweis von Cryptosporidien in Wasserproben tauglich gemacht werden. Im epidemiologischen Bereich wurde mittels einer Fall-Kontroll-Studie ermittelt, dass bei sporadischen Erkrankungen immunkompetenter Kinder in der Umgebung Tuebingens eine statistisch signifikante Assoziation der Erkrankung mit Rohmilchkonsum und Kontakt zu Huftieren vorliegt. Diese Faktoren waren allerdings nicht voneinander zu trennen, da die Fallzahl zu gering war. Die Untersuchung soll noch ausgeweitet werden, um eventuell auch trinkwasserbedingte Ausbrueche erkennen zu koennen.

Häufigkeit von Krebs bei Kindern in der Umgebung von Kernkraftwerken – Studien anderer Länder

Häufigkeit von Krebs bei Kindern in der Umgebung von Kernkraftwerken – Studien anderer Länder Die Ergebnisse der KiKK -Studie zeigten ein signifikant erhöhtes Risiko von Kindern unter 5 Jahren, im Nahbereich um deutsche Kernkraftwerke an Krebs zu erkranken. Dieser Befund beruhte im Wesentlichen auf dem Erkrankungsrisiko für Leukämien, wobei hier das Erkrankungsrisiko in etwa verdoppelt war. In Zahlen bedeutet dies, dass im 5- km -Umkreis um alle Standorte von Kernkraftwerken in Deutschland im Mittel nicht, wie zu erwarten wäre, etwa 1 Kind pro Jahr erkrankt, sondern dass die Krankheit jedes Jahr bei etwa 2 Kindern diagnostiziert wird. Was die Hypothese eines Einflusses der radioaktiven Abgaben angeht, lässt sich feststellen, dass nach derzeitigem Kenntnisstand die zusätzliche Strahlenbelastung der Bevölkerung durch den Betrieb der Leistungsreaktoren zu gering ist, um den Effekt erklären zu können. Sie müsste etwa 1.000 bis 10.000-mal höher sein. Daraus kann aber zunächst nur der Schluss gezogen werden, dass nach heutigem Wissen Strahlung als alleinige Ursache ausgeschlossen werden kann. Ein Zusammenspiel verschiedener Ursachen bleibt denkbar, da andere Verursacher alleine ebenfalls unwahrscheinlich sind. Es gibt derzeit keine plausible Erklärung für den festgestellten Effekt, der über die 24 Jahre Untersuchungszeitraum ein insgesamt konsistentes Bild mit kleinen Schwankungen zeigt. Das Ergebnis der KiKK -Studie hat dazu geführt, dass auch in anderen Ländern – Großbritannien, Frankreich, Belgien, Schweiz, Finnland, USA - entsprechende Studien durchgeführt wurden. Einschätzung Die meisten größeren Studien zeigen ein in der Umgebung von Kernkraftwerken erhöhtes Risiko , wobei die Ergebnisse nicht immer statistische Signifikanz erreichen. Eine größere Studie aus dem Vereinigten Königreich ergab für die gesamten Umgebungsregionen und für alle untersuchten Altersklassen kein erhöhtes Risiko . Kleinere Untersuchungen aus Finnland zeigen ebenfalls kein erhöhtes Risiko . Zusammengefasst ist das Ergebnis der Studien nicht einheitlich. Das BfS hatte bereits in seiner Stellungnahme zur KiKK -Studie festgestellt, dass die Strahlenbelastung aus dem Betrieb der Kernkraftwerke um den Faktor 1.000 bis 10.000-mal zu gering ist, um die beobachteten Befunde zu erklären. Das Ergebnis aus Frankreich, das zwar ein erhöhtes Erkrankungsrisiko in der Umgebung von Kernkraftwerken zeigt, dies aber nicht mit den Abgaben in Verbindung bringen kann, unterstützt diese Aussage. Ein Zusammenwirken mit anderen Ursachen bleibt denkbar, zumal Erklärungen über andere Verursacher sich als wenig wahrscheinlich erwiesen. Weitere zielgerichtete Forschung zu den Ursachen kindlicher Leukämieerkrankungen ist notwendig. Weitere Aktivitäten Auf der Basis der Ergebnisse der KiKK -Studie hat das BfS mit Unterstützung international ausgewiesener Experten ein ambitioniertes Forschungsprogramm entwickelt, mit dem mehr über die Ursachen von Leukämieerkrankungen im Kindesalter in Erfahrung gebracht werden soll; denn derzeit kann man, wenn man alle bekannten Risikofaktoren zusammen nimmt, lediglich etwa 20 % der Leukämieerkrankungen erklären [1] . Diese Aktivitäten des BfS erfolgen in internationaler Abstimmung. Dazu organisiert das BfS seit 2008 regelmäßig internationale Workshops zum Stand der Ursachenforschung von Leukämien im Kindesalter . Charakteristika der unterschiedlichen Studienarten Fall-Kontroll-Studie Kohortenstudie Ökologische Studie In einer Fall-Kontroll-Studie werden sowohl für erkrankte Personen (Fälle) als auch für hinsichtlich Alter und Geschlecht vergleichbare nicht erkrankte Personen (Kontrollen) Daten auf individueller Ebene erhoben und miteinander verglichen, um die Fragen zu beantworten, ob Fälle häufiger belastet waren als Kontrollen. Die Maßzahl ist das Odds Ratio ( OR ). Ein Wert von 1 gibt an, dass es keinen Unterschied hinsichtlich der Strahlenbelastung zwischen Fällen und Kontrollen gibt. In einer Kohortenstudie wird eine definierte Bevölkerung über einen längeren Zeitraum beobachtet, um die Frage zu beantworten, ob belastete Personen ein höheres Risiko haben als vergleichbare nicht belastete Personen. Dabei werden auch die Daten auf der individuellen Ebene berücksichtigt. Die Maßzahl ist das relative Risiko ( RR ). Ein Wert von 1 gibt an, dass es keinen Unterschied hinsichtlich des Erkrankungsrisikos zwischen Exponierten und Nicht-Exponierten gibt. In ökologischen Studien wird die Erkrankungshäufigkeit in verschiedenen Regionen miteinander verglichen ( z. B. Umgebung von Kernkraftwerken mit Gesamtdeutschland oder einer definierten Vergleichsregion), um die Frage zu beantworten, ob das Erkrankungsrisiko in einer Region höher ist als in einer anderen. Da dabei keine Daten für einzelne Personen erhoben werden, können auch keine Aussagen zum Einfluss bestimmter Strahlenbelastungen und individueller Störgrößen auf mögliche regionale Unterschiede gemacht werden. Die Maßzahl ist das Verhältnis beobachteter zu erwarteten Fallzahlen (O/E). Ein Wert von 1 gibt an, dass es zwischen den betrachteten Regionen keinen Unterschied in der Erkrankungshäufigkeit gibt. Vertrauensbereich Für die jeweilige Maßzahl wird ein Vertrauensbereich (Konfidenzintervall; KI) berechnet. Liegt der Wert 1 innerhalb dieses Vertrauensbereichs, ist das Ergebnis statistisch nicht signifikant. Der Vertrauensbereich wird meist als 95 % -KI angegeben. Aussagekraft Fall-Kontroll-Studien und Kohortenstudien liefern belastbarere Ergebnisse als ökologische Studien. Prinzipiell dienen sie der Überprüfung festgelegter Fragestellungen im Gegensatz zu den ökologischen Studien, die herangezogen werden, um neue Fragen zu stellen, die dann wieder mit belastbareren Studien überprüft werden müssen. Allerdings werden bei der Fragestellung "Kinderkrebs bei Kernkraftwerken" oft auch ökologische Studien durchgeführt, um andernorts gefundene Ergebnisse zu überprüfen. Dies geschieht, weil ökologische Studien in der Regel schneller und mit deutlich geringerem Aufwand durchgeführt werden können. Überblick über dem BfS bekannte Studien in chronologischer Reihenfolge Weitere Informationen 1. Ziegelberger G, Baum C, Borkhardt A, Cobaleda C, Dasenbrock C, Dehos A, Grosche B, Hauer J, Hornhardt S, Jung T, Kammertöns T, Lagroye I, Lehrach H, Lightfoot T, Little MP, Rossig C, Sanchez-Garcia I, Schrappe M, Schüz J, Shalapour S, Slany R, Stanulla M, Weiss W (2011) Research recommendations toward a better understanding of the causes of childhood leukemia . Blood Cancer Journal 1 2. Heinävaara S, Toikkanen S, Pasanen K, Verkasalo PK, Kurttio P, Auvinen A (2010) Cancer incidence in the vicinity of Finnish nuclear power plants: an emphasis on childhood leukemia. Cancer Causes Control 21: 587-95 3. Bithell JF, Keegan TJ, Kroll ME, Murphy MF, Vincent TJ (2008) Childhood leukaemia near British nuclear installations: methodological issues and recent results . Radiat Prot Dosimetry 132: 191-7 4. COMARE (2011) Fourteenth report: Further consideration of the incidence of childhood leukaemia around nuclear power plants in Great Britain: HPA . 5. Bithell JF, Murphy MF, Stiller CA, Toumpakari E, Vincent T, Wakeford R (2013) Leukaemia in young children in the vicinity of British nuclear power plants: a case-control study . Br J Cancer 109: 2880-5 6. Spycher BD, Feller M, Zwahlen M, Roosli M, von der Weid NX, Hengartner H, Egger M, Kuehni CE (2011) Childhood cancer and nuclear power plants in Switzerland: a census-based cohort study . Int J Epidemiol 40: 1247-1260 7. Sermage-Faure C, Laurier D, Goujon-Bellec S, Chartier M, Guyot-Goubin A, Rudant J, Hemon D, Clavel J (2012) Childhood leukemia around French nuclear power plants--the Geocap study, 2002-2007 . Int J Cancer 131: 769-780 8. Evrard AS, Hemon D, Morin A, Laurier D, Tirmarche M, Backe JC, Chartier M, Clavel J (2006) Childhood leukaemia incidence around French nuclear installations using geographic zoning based on gaseous discharge dose estimates . Br J Cancer 94: 1342-7 9. Bollaerts K, Fierens S, Simons K, Francart J, Poffijjn A, Sonck M, van Bladel L, Geraets D, Gosselin P, van Oyen H, van Eycken L, van Nieuwenhuyse A (2012) Monitoring of Possible Health Effects of Living in the Vicinity of Nuclear Sites in Belgium Brussels . 10. Bollaerts K, Simons K, Van Bladel L, De Schmedt T, Sonck M, Fierens S, Poffijn A, Geraets D, Gosselin P, Van Oyen H, Francart J, Van Nieuwenhuyse A (2018) Childhood leukaemia near nuclear sites in Belgium . Eur J Cancer Prev 27(2): 184-191 11. Demoury C, Faes C, De Schutter H, Carbonnelle S, Rosskamp M, Francart J, Van Damme N, Van Bladel L, Van Nieuwenhuyse A, De Clercq EM (2021). Childhood leukemia near nuclear sites in Belgium: An ecological study at small geographical level. Cancer Epidemiol 72: 101910, doi: 10.1016/j.canep.2021.101910. Epub 2021 Mar 15. Stand: 02.02.2026

Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken – KiKK -Studie

Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken – KiKK -Studie Im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz führte das Deutsche Kinderkrebsregister in Mainz von 2003 bis 2007 die Studie "Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken" ( KiKK -Studie) durch. Die Fall-Kontroll-Studie beschäftigte sich mit der Frage, ob Kinder unter fünf Jahren, die in der Umgebung von Kernkraftwerken wohnen, häufiger an Krebs erkranken als Gleichaltrige aus anderen Gebieten. Es zeigte sich im Nahbereich um deutsche Kernkraftwerke ein signifikant erhöhtes Risiko bei Kindern unter 5 Jahren, an Krebs zu erkranken. Dieser Befund beruhte im Wesentlichen auf dem Erkrankungsrisiko für Leukämien, wobei hier das Erkrankungsrisiko in etwa verdoppelt war. Auch in anderen Ländern – Großbritannien, Frankreich, Belgien, Schweiz, Finnland, USA - wurden entsprechende Studien durchgeführt. Das BfS nahm die wissenschaftlichen Ergebnisse zum Anlass, sich intensiv um die Erforschung der Ursachen für Leukämien im Kindesalter zu bemühen. Das Deutsche Kinderkrebsregister in Mainz führte im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz von 2003 bis 2007 die Studie Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken ( KiKK -Studie) durch. Die Fall-Kontroll-Studie beschäftigte sich mit der Frage, ob Kinder unter fünf Jahren, die in der Umgebung von Kernkraftwerken wohnen, häufiger an Krebs erkranken als Gleichaltrige aus anderen Gebieten. Zwei vorangegangene ökologische Studien hatten bereits die Erkrankungshäufigkeit in Regionen um einen Reaktor mit der von Vergleichsregionen ohne Reaktor verglichen. Die Ergebnisse dieser Studien ließen einen Zusammenhang zwischen dem Wohnort und dem Auftreten von Krebs bei Kindern unter fünf Jahren vermuten. Mit der KiKK -Studie wurde dieser Zusammenhang genauer untersucht. Das Ergebnis Es zeigte sich im Nahbereich um deutsche Kernkraftwerke bei Kindern unter 5 Jahren ein signifikant erhöhtes Risiko an Krebs zu erkranken. Dieser Befund beruhte im Wesentlichen auf dem Erkrankungsrisiko für Leukämien, wobei hier das Erkrankungsrisiko in etwa verdoppelt war. In Zahlen bedeutet dies, dass im 5-Kilometer-Umkreis um alle Standorte von Kernkraftwerken in Deutschland im Mittel nicht, wie zu erwarten wäre, etwa 1 Kind pro Jahr erkrankt, sondern dass die Krankheit jedes Jahr bei etwa 2 Kindern diagnostiziert wird. Aus den Ergebnissen lässt sich keine sichere Aussage darüber ableiten, ob die von den Leistungsreaktoren ausgehende Radioaktivität kausal mit den erhöhten Erkrankungsraten zusammenhängt. Die tatsächliche individuelle Strahlenbelastung der Kinder wurde in der Studie nicht erfasst, da dies praktisch nicht möglich ist. Der Abstand des Wohnortes zu einem Reaktor wurde als Ersatz für die Strahlenbelastung verwendet. Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand ist die resultierende Strahlenbelastung der Bevölkerung allein zu niedrig, um den beobachteten Anstieg des Krebsrisikos zu erklären. Es ist ebenfalls unwahrscheinlich, dass andere in den Untersuchungen betrachtete mögliche Verursacher jeweils allein den Befund erklären können. Es gibt somit derzeit keine plausible Erklärung für den festgestellten Effekt, der über die 24 Jahre Untersuchungszeitraum ein insgesamt konsistentes Bild mit kleinen Schwankungen zeigt. Denkbar ist ein Zusammenspiel verschiedener Ursachen. Die Interaktion verschiedener Faktoren und die grundsätzlichen Entstehungsmechanismen von Leukämien bei Kindern bilden daher die Schwerpunkte der derzeit laufenden Forschungsarbeiten. Das Ergebnis der KiKK -Studie hat dazu geführt, dass auch in anderen Ländern – Großbritannien, Frankreich, Belgien, Schweiz, Finnland, USA - entsprechende Studien durchgeführt wurden. Ausführliche Beschreibung der Studie Fragestellung Die Studie hatte drei Fragestellungen: Treten Krebserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren in der Umgebung von Kernkraftwerken häufiger auf? Nimmt das Risiko mit der Nähe zum Standort von Kernkraftwerken zu (negativer Abstandstrend)? Gibt es gegebenenfalls Einflussfaktoren, die das gefundene Ergebnis erklären können? Zur Beantwortung der Fragen untergliederte sich die Studie in zwei Teile: Teil 1: Fall-Kontroll-Studie ohne Befragung Teil 2: Fall-Kontroll-Studie mit Befragung Eine Untergruppe aus dem ersten Teil der Studie wurde zu möglichen anderen Einflussfaktoren befragt wie etwa zusätzliche Strahlenbelastung (zum Beispiel durch Röntgenuntersuchungen) oder spezifische Faktoren im Zusammenhang mit der immunologischen Situation des Kindes. Damit wollten die Forscher mögliche Störfaktoren berücksichtigen, die das im ersten Teil gefundene Ergebnis erklären könnten. Studiendesign Studienteilnehmer Untersuchte Landkreise Abstand Wohnort - Kernkraftwerk Studienteilnehmer Die Studie umfasste 1.592 an einem Krebs erkrankte und 4.735 nicht erkrankte Kinder (Kontrollen, siehe Infokasten) unter 5 Jahren. Die an einem Krebs erkrankten Kinder waren im Deutschen Kinderkrebsregister erfasst. Nach dem Zufallsprinzip wurden zu jedem erkrankten Kind über die Einwohnermeldeämter drei nicht erkrankte Kinder aus der Umgebung der Kernkraftwerke ermittelt. Alter, Geschlecht und Lebensumstände der nicht erkrankten Kinder entsprachen weitestgehend denen der erkrankten Kinder. Untersuchte Landkreise Untersucht wurden 41 Landkreise in der Umgebung der 16 Standorte der (west-)deutschen Kernkraftwerke mit insgesamt 22 Atomreaktoren, für die Daten aus dem Kinderkrebsregister vorlagen. Betrachtet wurde jeweils der Landkreis, in dem sich der Reaktor befindet, der zum Reaktor nächstgelegene Nachbarlandkreis und der nächste östlich gelegene Landkreis (wegen der in Deutschland allgemein vorherrschenden Westwinde). Abstand Wohnort - Kernkraftwerk Bei den vorangegangenen beiden ökologischen Studien waren die Erkrankungshäufigkeiten in unterschiedlichen Regionen miteinander verglichen worden, nämlich die Häufigkeit von Erkrankungen im Umkreis von bis 5, bis 10 und bis 15 Kilometer Abstand von einem Kernkraftwerk mit der Häufigkeit von Erkrankungen in ausgewählten Vergleichsregionen in Deutschland. Für die KiKK -Studie konnte der Abstand des Wohnortes zum Kernkraftwerk für jedes Kind auf 25 Meter genau angegeben werden - sowohl für die erkrankten als auch für die nicht erkrankten Kinder. Die Forscher betrachteten bei den erkrankten Kindern den Wohnort zum Zeitpunkt der Diagnose. Für die dem kranken Kind zugeordneten nicht erkrankten Kinder wurde dementsprechend der gleiche Zeitpunkt gewählt. Ergebnisse der Studie Erklärungsversuche Nach heutigem strahlenbiologischen Wissen kann die in der Studie ermittelte Risikoerhöhung im Nahbereich um die Kernkraftwerke durch deren radioaktive Emissionen alleine nicht erklärt werden. Die für eine Erklärung erforderliche, zusätzliche Strahlenbelastung der Bevölkerung müsste deutlich höher sein als beobachtet. Daraus kann aber in der Umkehr nicht der Schluss gezogen werden, dass Strahlung als Ursache grundsätzlich ausgeschlossen werden kann. Auch andere denkbare und mit betrachtete Faktoren können den Anstieg des Krebsrisikos alleine nicht erklären. Es gibt derzeit keine plausible Erklärung für den festgestellten Effekt. Auch eine 2022 veröffentlichte ökologische Studie , in der die Erkrankungshäufigkeiten in der Umgebung von im Jahr 2011 abgeschalteten Kernkraftwerken untersucht wurden, kann hierzu nicht wesentlich beitragen. In der Studie wurden Erkrankungsraten bei Kindern im Alter bis 14 Jahre, die im Umkreis von 10 km um ein Kernkraftwerk wohnten, mit denen von Kindern verglichen, die in einer Zone von 10 bis 50 km um das Kernkraftwerk wohnten. Die Erkrankungsraten im Umkreis von 10 km um das Kernkraftwerk waren tendenziell etwas höher als in der Vergleichsregion, und das Verhältnis dieser Erkrankungsraten war im Zeitraum 2012 bis 2019 tendenziell etwas geringer als im Zeitraum 2004 bis 2011. Allerdings waren die Ergebnisse der Studie wegen der geringen Anzahl an Fällen sehr ungenau, sodass Zufallsschwankungen bei den beobachteten Unterschieden eine wichtige Rolle spielen können. Zudem war das Ergebnismuster der Studie nicht konsistent. So nahm das Verhältnis der Erkrankungsraten für die häufigste Form von Leukämien im Kindesalter (Lymphatische Leukämie ) nach Abschalten der Reaktoren zu und nicht ab. Die insgesamt beobachtete Abnahme scheint daher nur auf akute myeloische Leukämie zurückzugehen. Für das Kernkraftwerk Krümmel, in dessen Umgebung lange Zeit ein Leukämie -Cluster beobachtet wurde, nahm die Erkrankungsrate für Leukämie nach Abschalten des Kernkraftwerks ebenfalls nicht ab, sondern stieg sogar an. Denkbar ist, dass bei dem beobachteten Zusammenhang zwischen Krebsrisiko und Abstand des Wohnortes von einem Kernkraftwerk ein Zusammenspiel verschiedener Ursachen eine Rolle spielt. Die Interaktion verschiedener Faktoren und die grundsätzlichen Entstehungsmechanismen von Leukämien bei Kindern bilden daher die Schwerpunkte der derzeit laufenden Forschungsarbeiten. Stand: 02.02.2026

Forschung zur Wirkung von Radon auf die Gesundheit

Forschung zur Wirkung von Radon auf die Gesundheit Eine wichtige Grundlage des heutigen Wissens über die Wirkung von Radon auf die menschliche Gesundheit sind epidemiologische Studien an Bergarbeitern, die seit den 1960er Jahren durchgeführt werden. Die deutsche Wismut Uranbergarbeiter-Studie des BfS umfasst etwa 60.000 ehemalige Beschäftigte der Wismut, die im Uranerzbergbau in der ehemaligen DDR zwischen 1946 und 1990 tätig waren. Seit den 1980er Jahren wurden die Bergarbeiter-Studien durch Fall-Kontroll-Studien zum Lungenkrebsrisiko durch Radon in Wohnungen in Europa, Nordamerika und China ergänzt. Dass Radon beim Menschen Lungenkrebs verursachen kann, ist heute unstrittig. Es ist bekannt, wie Radon auf die Gesundheit des Menschen wirkt und wie man sich vor hohen Radon -Konzentrationen schützen kann. Doch woher weiß man eigentlich, welche Risiken von Radon ausgehen? Schneeberger Krankheit Bereits im 16. Jahrhundert fiel auf, dass junge Bergarbeiter im Erzgebirge häufig an den Lungen erkrankten. Ihre - tödlich verlaufende - Lungenerkrankung wurde unter dem Namen "Schneeberger Krankheit" bekannt. Erst Jahrhunderte später erkannte man, dass es sich bei dieser Erkrankung um Lungenkrebs handelte und dass das Einatmen von Radon und seinen Folgeprodukten sie verursacht hatte. Bergarbeiter-Studien Bergarbeiter unter Tage beim Bohren im Wasser stehend Grundlage des heutigen Wissens über die Wirkung von Radon auf die menschliche Gesundheit sind epidemiologische Studien an Bergarbeitern, die seit den 1960er Jahren durchgeführt wurden. Sie zeigten, dass Radon im Uranbergbau untertage das Lungenkrebsrisiko erhöht. Ein Beispiel für eine Studie an Bergarbeitern ist die deutsche Wismut Uranbergarbeiter-Studie des BfS – sie umfasst etwa 60.000 ehemalige Beschäftigte der Wismut, die im Uranerzbergbau in der ehemaligen DDR zwischen 1946 und 1990 tätig waren. Studien zu Radon in Wohnungen Seit den 1980er Jahren wurden die Bergarbeiter-Studien durch Fall-Kontroll-Studien zum Lungenkrebsrisiko durch Radon in Wohnungen in Europa, Nordamerika und China ergänzt. Die größte und aussagekräftigste davon ist die Studie "Radon in homes and risk of lung cancer: collaborative analysis of individual data from 13 European case-control studies" aus dem Jahr 2005. Diese gemeinsame Auswertung von 13 europäischen Studien mit 7.148 Lungenkrebspatienten und 14.208 Kontrollpersonen zeigte auf, dass Radon auch in Wohnungen das Risiko , an Lungenkrebs zu erkranken, erhöht. Das gilt insbesondere für diejenigen, die rauchen oder geraucht haben, aber auch nachweislich für Menschen, die ihr Leben lang nicht geraucht haben. Das Lungenkrebsrisiko steigt, so die Studie, mit der langjährigen Radon -Konzentration in der Wohnung an. Unter "langjährig" wird hier ein Zeitraum von 30 Jahren verstanden. Genau gesagt steigt das relative Risiko für Lungenkrebs bei langjähriger Radon -Exposition pro 100 Becquerel pro Kubikmeter ( Bq/m³ ) um 16 % an. Das heißt, das Lungenkrebsrisiko, das sich rein rechnerisch ohne Radonbelastung ergeben würde, erhöht sich bei 100 Bq/m³ langjähriger Radonbelastung um 16 %, bei 200 Bq/m³ um 32 %, bei 300 Bq/m³ um 48 %, usw. . In den jetzigen und früheren Wohnungen der Teilnehmenden der 13 Studien wurde die Radon -Konzentration über mindestens ein halbes Jahr gemessen. Ferner wurden alle detailliert nach ihrem lebenslangen Rauchverhalten und anderen Risikofaktoren für Lungenkrebs befragt. Aktuelle Forschungsvorhaben Studie Studie: Aufbau einer Radon-Biobank Dass Radon beim Menschen Lungenkrebs verursachen kann, ist heute unstrittig. Aber wie sieht es mit weiteren Krankheiten aus? Das BfS möchte die Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung näher erforschen. Dazu soll eine Bioproben- und Datenbank erstellt werden, deren Proben und Daten auch anderen Forscher*innen zur Verfügung gestellt werden. mehr anzeigen Studie Studie: Radon im städtischen Raum In einer Studie lässt das BfS am Beispiel der Stadt Bonn untersuchen, wie das Radon -Potenzial in dicht besiedelten städtischen Gebieten einzuschätzen ist. Dazu soll das Sachverständigenbüro Dr. Kemski ermitteln, wie viel Radon in der Boden- und Raumluft vorkommt. mehr anzeigen Artikel Studie: Radon am Arbeitsplatz Um eine deutschlandweite Übersicht der durchschnittlichen Konzentration von Radon an Arbeitsplätzen zu erhalten, soll eine Studie des BfS die Radon-Konzentration an Arbeitsplätzen in verschiedenen Branchen und Regionen erfassen. Zur Teilnahme anmelden konnten sich Arbeitgebende, für die keine gesetzliche Radon-Messpflicht besteht und die Arbeitsplätze in Keller- oder Erdgeschossen betreiben. mehr anzeigen Medien zum Thema Broschüren und Video downloaden : zum Download: Radon - ein kaum wahrgenommenes Risiko (PDF, Datei ist barrierefrei⁄barrierearm) … PDF 3 MB Broschüre Radon - ein kaum wahrgenommenes Risiko downloaden : zum Download: Radon in Innenräumen (PDF, Datei ist barrierefrei⁄barrierearm) … PDF 853 KB Broschüre Radon in Innenräumen Video Radon Zu viel Radon im Haus kann Lungenkrebs verursachen. Aber woher weiß ich, ob ich betroffen bin? Wie kann ich es messen? Was kann ich gegen zu viel Radon tun? mehr anzeigen Stand: 26.11.2025 Ionisierende Strahlung Häufige Fragen Was ist Radon? Wie breitet sich Radon aus und wie gelangt es in Häuser? Welche Radon-Konzentrationen treten in Häusern auf? Alle Fragen

MOBI-Kids-Studie findet kein erhöhtes Risiko bei der Handynutzung von Kindern und Jugendlichen

MOBI-Kids-Studie findet kein erhöhtes Risiko bei der Handynutzung von Kindern und Jugendlichen Die MOBI-Kids-Studie ist die weltweit größte Fall-Kontroll-Studie zu Mobiltelefonnutzung und Hirntumoren bei Kindern und Jugendlichen. Insgesamt wurden Daten aus 14 Ländern von fast 900 Kindern und Jugendlichen mit Hirntumoren und 1900 Kindern und Jugendlichen ohne Hirntumoren ausgewertet. Um das Risiko durch die Nutzung von Mobiltelefonen zu berechnen, verglichen die Forscher jedes Kind mit Hirntumor mit etwa zwei gesunden Kindern gleichen Alters, Geschlechts und aus derselben Wohngegend. Die Ergebnisse der Vergleichsstudie sprechen dafür, dass die Mobiltelefonnutzung das Risiko für Hirntumoren bei Kindern und Jugendlichen nicht erhöht. Damit untermauert die Studie den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand sowie auch die Einschätzung des Bundesamtes für Strahlenschutz ( BfS ), dass es keine belastbaren wissenschaftlichen Belege für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen den elektromagnetischen Feldern von Mobiltelefonen und Hirntumoren gibt – auch nicht bei Heranwachsenden. Ausführliche Informationen zu Hintergrund, Studiendesign, Ergebnissen, Bewertung und Literatur finden Sie in der fachlichen Stellungnahme des BfS . Welche Ergebnisse zeigt die Studie bei der Risikobewertung? Um die Stärke eines Zusammenhangs und damit das Risikoverhältnis von Handynutzung und Hirntumoren zu bestimmen, wird in Fall-Kontroll-Studien das sog. Odds Ratio berechnet. Bei seltenen Erkrankungen wie bspw. Hirntumoren entspricht es in etwa dem Verhältnis zwischen der Erkrankungswahrscheinlichkeit von exponierten Personen (siehe auch: Exposition ) zur Erkrankungswahrscheinlichkeit der nicht exponierten Personen. Für exponierte und nicht exponierte Personen ist das Erkrankungsrisiko genau dann gleich groß, wenn das Odds Ratio 1 beträgt. In diesem Fall hat die Exposition keinen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko. Ist das Odds Ratio größer als 1, ist das Risiko für die exponierten Personen größer als für die nicht exponierten Personen. Bei einem Odds Ratio unter 1 ist das Risiko der exponierten Personen kleiner als das Risiko der nicht exponierten Personen. In der MOBI-Kids-Studie betrug das Odds Ratio für Hirntumoren für regelmäßige Nutzende von Mobiltelefonen 0,85. Das heißt, das Risiko der Erkrankung an einem Hirntumor war bei der regelmäßigen Nutzung von Mobiltelefonen in der Studie nicht höher als bei der Nichtnutzung. Bedeuten die Ergebnisse ein sinkendes Hirntumorenrisiko bei steigender Nutzung? Nein. Tatsächlich sind die in der Studie ermittelten Odds Ratios für die Mobiltelefonnutzung weitestgehend kleiner als 1. Bedeutet das, die Handynutzung senkt sogar das Risiko für Hirntumoren? Nein, es gibt keinen Grund für die Annahme eines schützenden Effektes durch die Nutzung von Mobiltelefonen. Vermutlich gibt es hier eine gewisse Verzerrung der Ergebnisse. Nach Beurteilung der Autoren der Studie könnte es unterschiedliche Erklärungen für diese Verzerrung geben: Eine mögliche Ursache könnte sein, dass Informationen zur Nutzung bei den erkrankten Jugendlichen häufiger von den Eltern stammen als bei den Kontrollen – und die Eltern die Handynutzung ihrer Kinder unterschätzten. Die Autoren geben an, dass tatsächlich gerade in der Gruppe der 15- bis 19-Jährigen, bei denen die Odds Ratios am deutlichsten mit der Intensität der Nutzung abnahmen, die Interviews bei den Fällen zum Teil nur mit den Eltern geführt wurden. Werden in der Analyse nur Interviews berücksichtigt, die mit der erkrankten Person alleine oder zusammen mit den Eltern geführt wurden, liegen die Odds Ratios deutlich näher bei 1 als in der Gesamtauswertung. Eine weitere mögliche Ursache könnte sein, dass Kinder mit einem Hirntumor ihre Handynutzung wegen vor der Diagnose aufgetretener Symptome verändert haben könnten. Insgesamt gehen die Autoren davon aus, dass aufgrund dieser möglicherweise verbleibenden Verzerrungen ein geringer Anstieg des Hirntumor-Risikos durch Handynutzung nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann. Wie ist die MOBI-Kids-Studie vor dem Hintergrund der Gesamtstudienlage zu bewerten? Die MOBI-Kids-Studie ist die bislang größte Fall-Kontroll-Studie zum Zusammenhang zwischen Mobilfunknutzung und Hirntumorerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Die sogenannte CEFALO-Studie, die einzige andere zum Thema, umfasste 352 Fälle und 646 Kontrollen aus vier Ländern (Dänemark, Schweden, Norwegen und der Schweiz). Sie zeigte ein statistisch nicht signifikant erhöhtes Risiko . Die Nutzungsdauer und -häufigkeit sind in der MOBI-Kids-Studie deutlich größer als in der CEFALO-Studie. Ein möglicher Zusammenhang zwischen Mobilfunknutzung und Hirntumorrisiko hätte sich in der MOBI-Kids-Studie mit größerer Wahrscheinlichkeit gezeigt als in der CEFALO-Studie, wenn ein solcher Zusammenhang bestehen würde. Der Anteil der Langzeit-Nutzenden (mehr als zehn Jahre) ist mit 22,5 % in der MOBI-Kids-Studie sogar größer als in der bei Erwachsenen durchgeführten INTERPHONE-Studie (bevölkerungsbasierte Fall-Kontroll-Studie , die in 13 Ländern zwischen 2000 und 2004 durchgeführt wurde), bei der dieser Anteil nur bei 13,6 % lag. Warum sind ihre Ergebnisse wichtig für den Strahlenschutz? Im Gegensatz zur robusten Datenlage zu Gesundheit und Mobilfunk bei Erwachsenen gab es bislang nur wenige Studien mit Kindern. Die Ergebnisse der MOBI-Kids-Studie stützen die Ergebnisse vorliegender Studien an Erwachsenen, die mehrheitlich kein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Hirntumoren in Abhängigkeit von Mobiltelefon-Nutzung fanden. Die große, sorgfältig durchgeführte multizentrische Studie trägt damit wesentlich zur Verringerung bestehender Unsicherheiten bezüglich des Gesundheitsrisikos von Kindern und Jugendlichen durch Nutzung von drahtlosen Telefonen bei. Ist die 2009 gestartete MOBI-Kids-Studie auf den Mobilfunkstandard 5G anwendbar? Der neue Mobilfunkstandard 5G nutzt überwiegend Frequenzbereiche, die denjenigen älterer Mobilfunkstandards gleichen oder ähneln. So wird bspw. das im Mobilfunkstandard 3G verwendete 2- GHz -Band mittlerweile im Mobilfunkstandard 5G verwendet. Die bisherigen Studienergebnisse sind deshalb auf 5G übertragbar. Weiterhin ist zu erwähnen, dass die durchschnittliche Sendeleistung der Mobiltelefone sich in den vorigen Jahren mit der flächendeckenden Einführung neuer Mobilfunktechnologien deutlich reduziert hat. Während bei der INTERPHONE-Studie vorwiegend 1G- und 2G-Telefone für die Exposition verantwortlich waren, nutzten Teilnehmende an der MOBI-Kids-Studie bereits Telefone mit dem deutlich effizienteren Standard 3G ( UMTS ). Gibt es aktuell weitere Studien zum Thema Kinder und Jugendliche und Mobilfunknutzung? Wichtige Daten könnte in diesem Zusammenhang eine Kohortenstudie zur Mobilfunknutzung liefern. Kohortenstudien gelten als noch belastbarer als Fall-Kontroll-Studien , da z.B. Angaben zum Nutzungsverhalten fortlaufend erhoben werden können. Kohortenstudien sind jedoch deutlich aufwändiger. Seit 2007 läuft mit der COSMOS-Studie eine Langzeit- Kohortenstudie , die 300.000 Teilnehmende aus sechs Nationen (Niederlande, England, Schweden, Finnland, Dänemark und Frankreich) umfasst. In der aktuellsten Veröffentlichung zu COSMOS werden ausschließlich Ergebnisse für Erwachsene vorgestellt. Dieser Artikel wurde sprachlich mit KI überarbeitet. Stand: 26.09.2025

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