Pilze sind zusammen mit den Insekten die artenreichsten und in ökologischer Hinsicht bedeutungsvollsten Organismen der Baumkronen temperater Wälder. Die bisherigen gravierenden Kenntnisdefizite, z.B. über Vielfalt, Habitat- und Substratansprüche sowie Sukzession von Pilzen der Kronenschicht, sollen mittels einer umfassenden Studie deutlich reduziert werden. Die Untersuchungen umfassen sämtliche Makromyzeten, ausgewählte holzbewohnende Mikromyzeten, Phytoparasiten und epiphylle dematioide Pilze. Erste Ergebnisse unterstreichen die hohe Artenvielfalt und enge ökologische Bindungen.
Zur Umsetzung der waldbezogenen Ziele der Nationalen Biodiversitätsstrategie in Baden-Württemberg wurde ein Waldzielartenkonzept entwickelt, das über ausgewählte Zielarten ein effektives, an den Bedürfnissen gefährdeter Arten orientiertes Management von Waldlebensräumen ermöglichen soll. Die 122 Waldzielarten wurden aus verschiedenen Artengruppen (Moose, Gefäßpflanzen, Flechten, Großpilze, Xylobionte Käfer, Schmetterlinge, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere) systematisch ausgewählt. Sie repräsentieren mit ihren Ansprüchen wesentliche in Baden-Württemberg vorkommende Waldgesellschaften und Waldstrukturen auf unterschiedlichen räumlichen Maßstabsebenen. Das Waldzielartenkonzept beinhaltet zwei Schwerpunkte. Zum Einen werden Informationen zu Ansprüchen, Verbreitung und Maßnahmen zur Förderung ausgewählter, naturschutzrelevanter Waldarten erarbeitet und den Waldbewirtschaftenden über das Waldnaturschutz-Informationssystem (www.wnsinfo.de) zur Verfügung gestellt. Zum Anderen wird ein Monitoring konzipiert, um die langfristige Entwicklung von Waldzielarten(-gruppen) unter unterschiedlichen Bewirtschaftungsbedingungen zu beobachten.
Das Reich der Pilze ist vielfältig – nicht nur im Hinblick auf die Artenvielfalt, sondern auch in den Lebensweisen und ökologischen Funktionen. Phytoparasitische Pilze sind Organismen, die auf oder innerhalb von lebenden Farn- und Blütenpflanzen wachsen und sich von diesen ernähren. Aus den in Deutschland vorkommenden wichtigsten Gruppen – den Brand-, Rost- und echten Mehltaupilzen sowie den falschen Mehltauen und Weißrosten – sind 1.324 etablierte Taxa bekannt. Von ihnen sind 1.196 Taxa einheimisch und 128, also fast 10 %, Neomyzeten. Die meisten phytoparasitischen Kleinpilze sind unauffällig. Anstelle der in Stiel und Hut gegliederten Fruchtkörper vieler Großpilze bilden sie an Blättern und Sprossen ihrer Wirtspflanzen oft nur abweichend gefärbte Flecken, Beläge, Krusten, Gallen oder Deformationen aus. Für die genaue Bestimmung der Arten ist es oft notwendig, Sporenmerkmale und andere Strukturen zu mikroskopieren. Eine hervorragende Hilfe bietet das Identifizieren der Wirtspflanzen, denn viele phytoparasitische Pilze wachsen nur auf einer oder wenigen Pflanzenarten. Mit dem Ausdruck ‚Parasit‘ wird schnell etwas Negatives verbunden. Wirt-Parasit-Beziehungen sind aber keine krankhafte und behandlungsbedürftige Ausnahme, sondern allgegenwärtig und von großer regulatorischer Bedeutung für die Ökosysteme. Selbst für seltene Pflanzenarten ist der Befall durch einen phytoparasitischen Pilz nicht existenzbedrohend – Wirt und Parasit stehen in einem ausbalancierten Gleichgewicht. Es handelt sich um Organismen, die in den Lebensgemeinschaften eine ebenso wichtige Rolle spielen können wie andere Pilze, Tiere und Pflanzen auch. Der Naturschutz hat den phytoparasitischen Kleinpilzen bisher nur wenig Beachtung geschenkt. Der Anteil der vom Aussterben bedrohten Arten dieser Organismengruppe liegt bei 13 % und ist damit höher als bei den meisten anderen Tier-, Pflanzen- und Pilzgruppen. Insgesamt sind 34 % der Arten in ihrem Bestand gefährdet. Weiterhin sind mehr als 10 % bereits ausgestorben oder verschollen. Ungefährdet sind nur 40 % der in Deutschland einheimischen 1.196 Taxa. Bei 5 % reicht die Datenlage für eine Gefährdungseinstufung nicht aus. Wegen der engen Wirtsbindung sind viele Arten besonders dann gefährdet, wenn auch ihre Wirtspflanzen zurückgehen. Für ihre Rückgänge sind deshalb die gleichen Ursachen verantwortlich wie für die Rückgänge vieler Farn- und Blütenpflanzen. Dazu gehören die Nutzungsintensivierung in der Landwirtschaft, vor allem die Eutrophierung nährstoffarmer Standorte, die Aufgabe der Bewirtschaftung von ertragsarmen Flächen, die Entwässerung von Feuchtstandorten und die Aufforstung von Offenland. Eine weitere spezifisch auf Pilze wirkende Gefährdungsursache ist der großflächige Einsatz von Fungiziden auf Äckern und landwirtschaftlichen Dauerkulturen. Zusätzlich wirken sich Immissionen und Schadstoffeinträge über die Luft sowie die zunehmende Inanspruchnahme vormals nicht versiegelter Flächen durch Baumaßnahmen negativ auf die Bestände vieler Pflanzenpilze aus. (Stand Dezember 2019 [Daten], Februar 2021 [Taxonomie] ) Thiel, H.; Klenke, F.; Kruse, J.; Kummer, V. & Schmidt, M. (2023): Rote Liste und Gesamtartenliste der phytoparasitischen Kleinpilze Deutschlands [Brandpilzverwandte (Exobasidiomycetes p.p., Ustilaginomycetes p.p.), Rostpilzverwandte (Kriegeriaceae p.p., Microbotryales, Pucciniales), Wurzelknöllchenpilze (Entorrhizaceae), Echte Mehltaupilze (Erysiphaceae), Falsche Mehltaue (Peronosporaceae p.p.) und Weißroste (Albuginaceae)]. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (5): 347 S.
Die Gruppe der Großpilze umfasst deutschlandweit mehr als 6.000 etablierte Arten und Varietäten. Einige Arten aus dieser Gruppe werden seit Jahrhunderten als Speisepilze gesammelt, anderen wird aufgrund ihrer Giftigkeit viel Aufmerksamkeit gewidmet. Den größten Anteil der Großpilze bilden jedoch Arten mit weit geringerem Bekanntheitsgrad, die meist nur von Expertinnen und Experten bestimmt werden können und für den Menschen meist ungenießbar sind. Um die Übersicht im komplexen Verwandtschaftsverhältnis der Echten Pilze zu behalten, werden die Großpilze von den Kleinpilzen abgegrenzt. Eine allgemein anerkannte Schwelle für die Unterscheidung gibt es derzeit noch nicht. Daher haben sich die Großpilz-Expertinnen und -Experten der Roten Liste auf einen durchschnittlichen Mindestdurchmesser der Fruchtkörper von 5 mm geeinigt. Viele Kleinpilze sind bislang so wenig untersucht, dass für sie noch keine Rote Liste erstellt werden kann. Das gilt für über 3.000 in Deutschland bekannte und für wahrscheinlich noch erheblich mehr, bisher unbeschriebene Arten. Viele Großpilzarten stehen in direktem Kontakt mit anderen Lebewesen. Über feine Pilzfäden, die sogenannten Hyphen, nehmen sie beispielsweise Kontakt zu Pflanzenwurzeln auf und leiten einen gegenseitigen Austausch mit Nährstoffen, Mineralien und Wasser ein. Von diesen, auch als Mykorrhiza bezeichneten, Verbindungen profitieren beide Lebewesen und es entsteht ein weiträumiges unterirdisches Austauschnetz. Eine Gefährdungsbewertung war bislang nur für etwa die Hälfte der in Deutschland bekannten Großpilzarten möglich, da zu vielen von ihnen keine flächendeckenden Bestandsdaten vorliegen. Etwa 800 Arten und Varietäten sind in Deutschland bestandsgefährdet und über 700 weitere sind extrem selten. Ausschließlich nach ökonomischen Belangen ausgerichtete Forstwirtschaft, die Aufgabe extensiver Grünlandbewirtschaftung sowie Emissionen aus Landwirtschaft, Industrie und Verkehr stellen für die Großpilze die größten Gefährdungsursachen dar. (Stand 23. April 2016) Dämmrich, F.; Lotz-Winter, H.; Schmidt, M.; Pätzold, W.; Otto, P.; Schmitt, J.A.; Scholler, M.; Schurig, B.; Winterhoff, W.; Gminder, A.; Hardtke, H.J.; Hirsch, G.; Karasch, P.; Lüderitz, M.; Schmidt-Stohn, G.; Siepe, K.; Täglich, U. & Wöldecke, K. (2016): Rote Liste der Großpilze und vorläufige Gesamtartenliste der Ständer- und Schlauchpilze (Basidiomycota und Ascomycota) Deutschlands mit Ausnahme der Flechten und der phytoparasitischen Kleinpilze. – In: Matzke-Hajek, G.; Hofbauer, N. & Ludwig, G. (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 8: Pilze (Teil 1) – Großpilze. – Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (8): 31–433. Die aktuellen Rote-Liste-Daten sind auch als Download verfügbar. Im Datenportal „Pilze Deutschlands“ stehen darüber hinaus Beobachtungsdaten, Kartier-/Artenlisten und Verbreitungskarten zur Verfügung.
Fassung der Art nach Pilát (1958).
Fassung der Art nach Ricken (1915).
Fassung der Art nach Ricken (1915).
Die Art gehört zum Phellinus igniarius (L. : Fr.) Quél. agg.
Die Art ist nach Heim (1931) gefasst.
Die Art ist nach Kühner (1938) gefasst.
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