A) Problemstellung: Die Entwicklung individueller Orientierungshilfen und Handlungsanreize, denen gemäß sich nachhaltigkeitsorientierte Lebensstile im Alltag der Bürgerinnen und Bürger ausbilden - und deren Ausbildung anregen und fördern - lassen, wird bereits in der Agenda 21 empfohlen und stellt ein wichtiges Element einer nationalen Nachhaltigkeitsstrategie dar. Es ist auf diesem Gebiet auch schon viel geleistet worden. Das hat aber auch zu einer gewissen Unübersichtlichkeit geführt, die sich in Repräsentativumfragen in Gestalt einer erheblichen Verunsicherung in der Bevölkerung - z.B. auch im Hinblick auf die Vertrauenswürdigkeit von Umweltzeichen - niederschlägt. B) Handlungsbedarf (BMU; ggf. UBA): Daher ist eine Konsolidierung und Stabilisierung der einschlägigen Beratungsangebote dringend von nöten. Eine wichtige Rolle kann dabei das Internet spielen. Auch dort gibt es bereits vielfältige Angebote zur Information über nachhaltige Konsummuster. Da das Netz sich aber in einem rasanten Aufbau befindet, ist hier das Informationsangebot noch mehr zersplittert und unübersichtlich. C) Ziel des Vorhabens ist es daher, in einer dem Portalaufbau vorgeschalteten Konzeptionsstudie zu klären, ob und wie ein spezifisches Internetportal zu dem Thema eingerichtet werden kann. Dieses sollte auch interaktive Elemente (zur zielgruppenspezifischen Information und Motivation) beinhalten. In der Konzeptionsstudie (inkl. einem Expertenworkshop) ist zu klären, wie ein solches Portal mit einer großen Reichweite und Öffentlichkeitswirksamkeit aufgebaut werden kann und welche Finanzierungsinstrumente (z.B. in Kooperation mit Ländern, Kommunen, Umwelt-, und Verbraucherverbänden) gewählt werden müssen, so dass das Portal auch langfristig über eine stattliche Anschubfinanzierung hinaus realisiert und aufrechterhalten werden kann. Ebenso ist zu klären, wie das Portal zu einem umfassenden Angebot für ökologische Alltagsorientierung ausgebaut werden kann und welche begleitende Öffentlichkeitsarbeit dazu notwendig ist.
Die Lebensstile sind in der Alltagspraxis der Menschen nur teilweise und im Hinblick auf einzelne Aspekte frei waehlbar, sehr oft setzen die situativen (oekonomischen, regionalen, vom sozialen Umfeld kontrollierten) Rahmenbedingungen klare Grenzen fuer eine staerkere oekologische Ausrichtung von Verhaltensmustern. Das alles ist in der sozialwissenschaftlichen Forschung wohlbekannt. Da aber die sozialwissenschaftliche Umweltforschung sich weiterhin noch immer in einer Art freiem Feld zwischen den Mainstreams der Sozialwissenschaften einerseits und denen der Umweltforschung andererseits befindet, ist die wichtige Aufgabe des wissenschaftlichen Erforschens und Aufzeigens entsprechender Umorientierungsmoeglichkeiten bislang nur sehr wenig und mit geringer wissenschaftlicher wie praktischer Ausstrahlungskraft bearbeitet worden. In diesem F+E-Vorhaben sollen zunaechst die neueren sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse ueber den aktuellen Wandel der Sozialstruktur (gleich Ausdifferenzierung von Lebensstilmilieus) aufgearbeitet werden. Dann sind die einschlaegig relevanten Studien ueber absehbare Zukunftstrends beim Uebergang zur Informations- und Dienstleistungsgesellschaft im Hinblick auf ihre Bedeutung fuer die Umweltpolitik auszuwerten. Es gibt laengst eine sehr intensive Diskussion ueber den sozialen Wandel in den hochindustrialisierten Gegenwartsgesellschaften (unter Stichworten wie 'Globalisierung', 'Umbau der Wohlfahrtssysteme', 'Zukunft der Erwerbsarbeit' u.a.), die immer auch umweltpolitische Implikationen aufweisen. Die Auswertung soll in Empfehlungen muenden, wie das Konzept der nachhaltigen Entwicklung verstaerkt in die sozialwissenschaftlich orientierte Zukunftsdiskussion eingebracht werden kann. Ebenso sollen Vorschlaege entwickelt werden fuer die Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsdebatte aus sozialwissenschaftlicher Sicht.