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Stadtklimatologie

Im Rahmen des Projektes wird seit 1977 die Stadtklimastation Theresienstrasse betrieben, in der im 2-min-Zyklus die meteorologischen Elemente Temperatur, Feuchte, Wind, Windrichtung, Globalstrahlung, Sonnenscheindauer, Niederschlag und Luftdruck, in Dachniveau (27 m) und in 2 m Hoehe gemessen, registriert werden. Die Station wird derzeit um die Elemente Gegenstrahlung, Ausstrahlung des Bodens, Bodentemperatur, Lufttruebung (kontinuierlich) und Einstrahlung auf geneigte Flaechen ergaenzt. Die Messwerte werden geprueft und als Stundenmittelwerte archiviert. Neben einer routimemaessigen statistischen Bearbeitung des Materials wird insbesondere ein Stadt-Land-Vergleich mit den Messungen der Flugwetterwarte Riem des DWD und des Meteorologischen Observatoriums Garching des Meteorologischen Instituts durchgefuehrt.

Stadt-Land-Plus Abschlusskonferenz 2024 - „Aus Stadt und Land wird Plus. Innovative Wege für nachhaltige Stadt-Land-Beziehungen“

Stadt-Land-Plus Abschlusskonferenz (C) Sebastian Wunderlich Unter dem Motto „Innovative Wege für nachhaltige Stadt-Land-Beziehungen“ stellt die Statuskonferenz 2024 als Abschlussveranstaltung der Fördermaßnahme die Erkenntnisse und Erfahrungen aus der mehrjährigen gemeinsamen Forschung, Entwicklung und Umsetzung einer ressortübergreifenden Fachöffentlichkeit vor. Es erwarten Sie informative Themenräume, bei denen die zentralen Ergebnisse präsentiert und diskutiert werden sowie spannende Podien zur Reflexion der Herausforderungen an nachhaltige Stadt-Land-Beziehungen und zur Formulierung von Botschaften für den Transfer und die Verstetigung der Entwicklung. Für diese Reflexion stehen bei der Statuskonferenz Vertreter:innen der kommunalen Praxis, von verschiedenen Fachressorts und der kommunalen Spitzenverbände zur Verfügung. Für die Formulierung der Botschaften hat das Querschnittsvorhaben ein Memorandum zum Abbau rechtlicher Hürden mit einer qualifizierten rechtlichen Expertise sowie ein Positionspapier vorbereitet, das die wichtigsten Botschaften für die gemeinsame Aufgabe formuliert, aus Stadt und Land „Stadt-Land-Plus“ zu machen. Das Veranstaltungsprogramm finden Sie hier . Downloads Dokumentation | Abschlusskonferenz 2024 - PDF Rahmenprogrammpräsentation | Abschlusskonferenz 2024 erster Tag - PDF Rahmenprogrammpräsentation | Abschlusskonferenz 2024 zweiter Tag - PDF Begrüßung Katrin Fahrenkrug, Institut Raum & Energie, eröffnet die Konferenz und begrüßt alle Anwesenden. Die Entwicklung von Stadt und Land ist miteinander verflochten – „gleichwertige Lebensverhältnisse“ sind in diesem Kontext als Stichwort zu nennen. Im Rahmen der seit 2018 laufenden BMBF-Fördermaßnahme „Stadt-Land-Plus“ entstand in den 22 Verbundvorhaben eine Vielzahl an neuen Instrumenten, Produkten und Empfehlungen, die auf dieser Konferenz vorgestellt werden. Dabei besteht die Hoffnung, dass die Ergebnisse über den Teilnehmendenkreis hinaus in die Breite getragen werden. Judith Pirscher, Staatssekretärin des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), begrüßt die Anwesenden zur Abschlusskonferenz. In den sieben Jahren, die diese Fördermaßnahme lief, wurden gute Ergebnisse erzielt. Dabei wirft „Stadt-Land-Plus“ den Blick auf gewachsene Partnerschaften und in die Zukunft. Es zeigt sich bei diesem Projekt, dass die Fördermittel gut investiert waren: In 134 Teilvorhaben und 22 Verbundvorhaben konnte viel in der Fläche angestoßen werden. Entscheidend zum Erfolg beigetragen hat die Vielschichtigkeit der Akteure mit ihren verschiedenen Kompetenzen und die thematische Auswahl der Projekte, da man sich auf Themen fokussiert hat, zu denen bereits erste Ansätze vorlagen. Der Anstoß eines Teilnehmenden, das Projekt bei einer Fortsetzung „Land-Stadt-Beziehungen“ anstatt „Stadt-Land-Beziehungen“ zu nennen, regt zum Nachdenken an: Wer muss sich auf wen zubewegen? Mit dieser Fördermaßnahme hat das Thema Stadt-Land erfreulicherweise nun Einzug in die Literatur gefunden. Frau Pirscher versichert, dass man sich das im Rahmen dieser Fördermaßnahme erarbeitete Memorandum ansehen und die Punkte auf Umsetzbarkeit prüfen wird. Die Bundesregierung wird jedes Jahr Bürokratieabbau als verstetigten Prozess auf den Weg bringen. Es wäre zu begrüßen, wenn die Netzwerke untereinander und mit dem BMBF bestehen bleiben und man gemeinsam Dinge bewegen könnte. Prof. Dr. Lilian Busse, Vizepräsidentin des Umweltbundesamtes, begrüßt ebenfalls die Anwesenden und betont die Relevanz der Förderung und Entwicklung nachhaltiger Stadt-Land-Beziehungen für das Umweltbundesamt. Alle im Rahmen der Fördermaßnahme bearbeiteten Themen betreffen sowohl Stadt als auch Land, aber es gibt unterschiedliche Bedürfnisse. So geht es beim Thema Ernährung z. B. in ländlichen Räumen vielmehr um die Nahrungsmittelproduktion und in urbanen Räumen hingegen um den Konsum von Nahrungsmitteln. Es gibt somit Wechselbeziehungen zwischen Stadt und Land. Daher ist die Kooperation von Stadt und Land umso wichtiger. Dabei geht es darum, die Vorteile beider Räume besser nutzbar zu machen und die Nachteile für beide Seiten zu reduzieren. Das Umweltbundesamt konnte Impulse aus „Stadt-Land-Plus“ in verschiedenen Projekten und Prozessen nutzen. So wurden Erfahrungen aus „Stadt-Land-Plus“ in der Veröffentlichung „UmlandStadt“ des Umweltbundesamtes (hier zu finden: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/umlandstadt-umweltschonend-nachhaltige-verflechtung ) und dem Forschungsvorhaben „Stadt & Land“ (siehe: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/stadt-land ) genutzt. Außerdem hat „Stadt-Land-Plus“ Wissen in nationale Prozesse einspeisen können. Weiterhin informieren zwei DStGB-Dokumentationen über die Ergebnisse von „Stadt-Land-Plus“. Der Dank gilt allen Beteiligten. Multimediale Eröffnung Ein Film stellt die Fördermaßnahme mit ihren 22 Verbundvorhaben vor. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Zielen und Ergebnissen der Verbundvorhaben sowie den vielfältigen Produkten, die in den Vorhaben entwickelt wurden. Den Film finden Sie auf der Website des Instituts Raum und Energie hier . Reformagenda Dr. Uwe Ferber, StadtLand GmbH, und Dr. Michael Melzer, Institut Raum & Energie, stellen drei Produkte aus der „Stadt-Land-Plus“-Fördermaßnahme vor: Schulungsmodul – Hier lässt sich in 7 Schritten lernen, wie man Stadt-Land-Beziehungen gestaltet. Memorandum – Inhalt des Memorandums ist der Abbau rechtlicher Hürden. Die Erstellung erfolgte mit rechtlicher Expertise von Prof. Dr. Wolfgang Köck und Dr. Moritz Reese, beide Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ, Department Umwelt- und Planungsrecht. Weitere Information hierzu finden sich im Kapitel 10 dieser Dokumentation. Reformagenda – Inhalt der Agenda ist die Frage, was zu tun ist, um zu mehr Gerechtigkeit zwischen Stadt und Land zu kommen. Die Reformagenda ruft dazu auf, die Entwicklung von Siedlungsflächen besser zu steuern, die Versorgung mit Nahrungsmitteln und die Wertschöpfung zu sichern, die Kulturlandschaft so zu gestalten, dass sie vielfältig erlebbar wird, regionale Stoffkreisläufe zu organisieren und übergreifend regionale Gerechtigkeit durch neue Stadt-Land-Partnerschaften zu verbessern und dauerhaft zu sichern. Die Reformvorschläge zu den einzelnen Punkten lauten: Um die Entwicklung von Siedlungsflächen besser zu steuern, müssen der Regionalplanung flächendeckend bessere Informations- und Bewertungsinstrumente zur Verfügung gestellt werden. Außerdem müssen informelle Stadt-Land-Siedlungsflächenkonzepte in neuen flexiblen Formaten die formelle Regionalplanung ergänzen. Für die Entwicklung von Wohn-, Gewerbe- und Logistikflächen sind die Logist.Plus-Standards von grünen, klimaresilienten und multicodierten Logistikstandorten mit hoher Aufenthaltsqualität als Maßstab anzusetzen. Ökonomische Instrumente zur Steuerung der Landnutzung in Stadtregionen müssen weiter erforscht und forschungsbegleitende Pilotinitiativen angeschoben werden. Um die Versorgung mit Nahrungsmitteln und die Wertschöpfung zu sichern, muss das Thema Ernährung als sektorübergreifendes Politikfeld in Bund und Ländern interministeriell verankert werden. Außerdem müssen ernährungspolitische Strategien in die strategische Gesamtplanung integriert werden. Des Weiteren sollte im Rahmen eines Landwirtschaftsgesetzes die Ernährungssicherung mit regional festgelegten landwirtschaftlichen Nutzflächen festgeschrieben werden. Kommunen sollten bei der Erarbeitung und Verabschiedung kommunaler Ernährungsstrategien von Bund und Ländern durch Pilotvorhaben unterstützt werden und rechtliche Instrumente sollten landwirtschaftliche Böden wirksam schützen. Um die Kulturlandschaft so zu gestalten, dass sie vielfältig erlebbar wird, sollten Tourismus und Naherholung durch einen neuen Gebietstyp „Bedeutsame Landschaften“ in den Regionalplänen unterstützt werden. Außerdem sollte geprüft werden, inwiefern sich die Eingriff-Ausgleichs-Regelung gegenüber Aufwertungen für Ziele der Daseinsvorsorge öffnen kann. Hinsichtlich des Schutzes von Natur und Landschaft sollte die Zielebene Erholung ergänzend zum Arten- und Biotopschutz behandelt werden. Des Weiteren müssen Regionalparke und Grüne Ringe auch als ökonomische Player gestärkt, Personalressourcen hierfür gebündelt und das Personal im Ehrenamt unterstützt werden. Um regionale Stoffkreisläufe zu organisieren und zu entwickeln, sollte eine regionale Kreislaufwirtschaftsplanung erarbeitet werden. Außerdem sollte die Vernetzung regionaler Akteure erfolgen. Des Weiteren braucht die graue Energie im Gebäudebestand mehr Aufmerksamkeit und das INTEGRAL-Tool sollte zur Etablierung einer Kreislaufwirtschaft für mineralische Stoffströme im Bauwesen flächendeckend eingeführt werden. Um regionale Gerechtigkeit durch neue Stadt-Land-Partnerschaften zu verbessern und dauerhaft zu sichern, sollte das Motto „Small is beautiful“ gelten, denn auch mit wenig Ressourcen kann der Einstieg in dieses Thema gelingen. Das Schulungsmodul bietet hierfür Möglichkeiten. Auch das Online-Handbuch von „Stadt-Land-Plus“ zeigt Einstiegsmöglichkeiten auf. Kommunen sollten Verantwortung übernehmen, indem sie in der regionalen Nachhaltigkeitstransformation eine zentrale Rolle einnehmen. Stadt-Land-Partnerschaften müssen zum zentralen Handlungsfeld der deutschen und europäischen Metropol- und Regiopol-Regionen und zu Innovationslaboren werden, um Kontinuität zu gewährleisten. Außerdem gilt es, „Grüne Ringe“ weiterzuentwickeln sowie Gesetze, Normen und Standards zu reformieren, um Stadt-Land-Beziehungen nachhaltig zu gestalten. Dazu zählt auch, globale Nachhaltigkeitsziele umzusetzen und die Forschung zu verstetigen. Aus dem Plenum wird angemerkt, dass es bei Stadt-Land-Beziehungen nicht um Partnerschaften, sondern um Allianzen geht. Die Aushandlungsprozesse sind somit viel intensiver. Zudem sei es eine Aufgabe, die Politik von vornherein mehr mitzunehmen, als es – bedingt durch die Corona-Pandemie – in der Fördermaßnahme „Stadt-Land-Plus“ möglich war. Am Beispiel der Ernährungswirtschaft wurde die Leistung der Wissenschaft als wichtiger Baustein betont, weil wenige Daten auf regionaler Ebene vorliegen und die Wissenschaft die Bedeutung von Themen bekräftigen kann. Außerdem wurde festgestellt, dass die Entwicklung von Stadtregionen über Fragen der Raumplanung hinaus gedacht werden müsse, wie z.B. in Bezug auf Mobilität. Die Präsentationsfolien zur Reformaganda finden Sie ab Folie 7 in der Rahmenpräsentation von Tag 1 . Die Reformagenda finden Sie hier . Interessen ausgleichen: Erwartungen aus verschiedenen Blickwinkeln Moderiertes Gespräch mit Tanja Blankenburg, Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Jan-Erik Burchardi, Leiter Referat Regional- und Dorfentwicklung, Bundespro-gramm Ländliche Entwicklung, Raumordnung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, Prof. Dr. Rainer Danielzyk, Leibniz-Universität Hannover, Prof. Dr. Claudia Hornberg, Universität Bielefeld, Vorsitzende Sachverständigenrat für Umweltfragen, Vera Moosmayer, Leiterin Unterabteilung Raumordnung des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Worin liegt die größte Herausforderung, um Stadt und Land im Einklang zu entwickeln? Prof. Dr. Danielzyk: Es gibt verschiedene Typen ländlicher und suburbaner Räume. Somit ist von „ländlichen Räumen“, also in der Mehrzahl, und nicht vom „ländlichen Raum“ in der Einzahl zu sprechen. Die größte Herausforderung ist die Stimmungslage: In ländlichen Räumen existiert z. T. eine aggressive Stimmung gegen die Stadt, weil die ruralen Bewohner:innen das Gefühl haben, dass Urbaniten ihnen etwas überstülpen. Daher ist es wichtig, auf eine Differenzierung zu achten, welche – auch in der Politik und in den Medien – verloren geht. So werden beispielsweise politische Entscheidungen nicht „in der Stadt“ getroffen, denn in den dortigen Gremien sind überwiegend Personen vertreten, die in ländlichen Räumen leben. Prof. Dr. Hornberg: Es gibt nicht nur verschiedene Raumtypen, sondern auch verschiedene Menschen. Daher ist zu beachten, welche Erzählungen in den unterschiedlichen Räumen funktionieren. Dabei gilt es zu erklären, was transformative Strukturpolitik ist. Moosmayer: Es gibt strukturelle Unterschiede zwischen Stadt und Land, z. B. eine höhere Eigentumsquote in ländlichen Räumen oder Unterschiede in Wirtschaftssektoren, denn ein Landwirt kann beispielsweise nicht im Homeoffice arbeiten. Diese Unterschiede sind zu berücksichtigen, damit die Personen sich verstanden fühlen. Blankenburg: Der Städter und das Land – dieses Konfliktfeld gibt es selbst in Mecklenburg-Vorpommern. In diesem Kontext gibt es viele Interessenskonflikte, die es auszugleichen gilt. In Mecklenburg-Vorpommern ist der Hauptkonflikt ein Akzeptanzkonflikt. So erlebt die Energiewende beispielsweise starken Gegenwind. Das liegt daran, dass die ländliche Bevölkerung nicht sieht, was das mit ihnen zu tun hat. Sie fühlen sich kolonialisiert von den Energieverbraucher:innen – und die sitzen in den Städten. Dr. Buchardi: Es muss überdacht werden, was die verschiedenen Themen für die Stadt und was sie für die ländlichen Räume bedeuten. Bei der Gesetzgebung gibt es einen Gleichwertigkeitscheck. Dieser sollte mehr in die Anwendung kommen. Andernfalls werden Konflikte produziert, was schließlich in einem Demokratieproblem münden kann. Fokussiert sich Politik zu einseitig auf Städte? Moosmayer: Man hat stets beides im Blick, zumal die Raumordnung das auch vorgibt. Wichtig wäre, die Ergebnisse aus Modellen und Konzepten in einen Dauerbetrieb zu bringen. Prof. Dr. Danielzyk: Bei den Maßnahmen sollte beachtet werden, dass nicht alle ländlichen Räume gleich sind. Das Narrativ, weil jemand, sprich ein:e Politiker:in, in der Stadt sitzt, entscheidet sie/er für ihr/sein Umfeld, sprich die Stadt, ist falsch. Eine Verstetigung der guten Projekte und Modelle braucht es. Blankenburg: Kommunalpolitiker:innen haben nicht die Zeit und ggf. auch nicht das Knowhow, Konzepte für Projekte zu entwickeln, die man mit Fördermitteln ausschreibt. Der Gedanke der Verstetigung ist begrüßenswert. Es gibt die subjektive Wahrnehmung des Abgehängtseins auf der einen Seite und auf der anderen Seite gibt es reale Probleme z. B. beim ÖPNV. Wie kann damit umgegangen werden? Prof. Dr. Hornberg: Abgehängt fühlen sich auch viele in den Städten. Daher gilt es, sich die Verteilungs- und Verfahrensgerechtigkeit anzusehen. Moosmayer: Auf Bundesebene und in den Kommunen fehlt Personal für die Bearbeitung von Förderprogrammen. Die Kommunen sind daher strukturell zu fördern. Dr. Burchardi: Bei alldem sollte mitbedacht werden, den Kommunen Geld zur Verfügung zu stellen, um vor Ort Projekte anstoßen und umsetzen zu können. Regionalbudget lautet hier das Stichwort. Die Menschen vor Ort wissen am besten, was es braucht und wie es umzusetzen ist. Damit würde man ihnen eine Selbstwirksamkeit geben und zugleich die Demokratie fördern. Blankenburg: Es gibt einfachere Wege als Fördermaßnahmen, bei denen zahlreiche Mittelverwendungsnachweise geschrieben werden müssen. Ein Beispiel hierfür ist, einem Ort ein Budget für Sachmittel zu geben, um dieses in Eigenregie zusammen mit den Bürger:innen für notwendige Projekte einzusetzen. Prof. Dr. Danielzyk: Mehr verbindliche Zusammenarbeit – bottom-up – in ländlichen Räumen wäre wünschenswert. Eine vereinfachte Förderung würde zudem auch armen Städten helfen. Wie können wir unser Handeln positiver formulieren? Wie gelingt es uns, unsere Projekte in die Umsetzung zu bringen? Aus dem Publikum: Es braucht Stadt-Land-Allianzen. Der nächste Schritt sollte daher sein, Allianzen zu entwickeln, indem man durch Kommunikation ein gegenseitiges Verständnis füreinander aufbaut, gemeinsam Dinge aushandelt und sodann gemeinsam davon profitiert. Nennen sie bitte einen zentralen Baustein für das Brückenbauen zwischen Stadt und Land! Dr. Burchardi: Miteinander reden – es braucht mehr reflektive Schleifen, auch wenn es schnell gehen soll. So lässt sich eine gerechtere Ebene für eine Transformation entwickeln. Moosmayer: Es bedarf einer Raumordnung anstatt einer Raumplanung. Außerdem muss eine Verbindlichkeit reingebracht werden und dafür braucht es Mut. Prof. Dr. Hornberg: Tue Gutes und rede darüber: Wir sollten über die guten Projekte sprechen. Große Themen gehören zudem differenzierter betrachtet und gut erzählt. Blankenburg: Aufeinander zugehen, miteinander reden und auf Augenhöhe über Befindlichkeiten ins Gespräch kommen. Außerdem sollte geschaut werden, was es wirklich vor Ort braucht. Dafür gilt es zu lernen, richtig zu fragen. Prof. Dr. Danielzyk: Ländliche Räume müssen materiell davon profitieren, wenn ihre Ressourcen genutzt werden. Außerdem sollte die Wissenschaft auch vor Ort gehen – sowohl mit den Ergebnissen als auch durch eine Dezentralisierung von Fachhochschulen. Wie können Stadt und Land kooperativ gleichwertige Lebensverhältnisse befördern? Vorhaben: ReGerecht (Prof. Dr. Thomas Weith, Institut für Landes- und Stadtentwicklungsfor-schung gGmbH und Tanja Blankenburg, Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Mecklenburg-Vorpommern) VorAB (Axel Jürich, diversu, Prof. Dr. Uta von Winterfeld, Wuppertal Institut und Al-fons Wiesler-Trapp, Domäne Fredeburg) Botschafter: Dr. Rupert Kawka, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung Moderation: Julia Reiß, Institut Raum & Energie Der Themenraum startet mit einer Umfrage zum Thema Gerechtigkeit. Zur Frage des Versprechens von Stadt-Land-Gerechtigkeit durch kooperative Zusammenarbeit zeigt sich folgendes Bild: ReGerecht Prof. Dr. Thomas Weith, Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH, führt aus, dass das Thema Gerechtigkeit in der Regel relevant wird, wenn es Konflikte gibt, denn dann braucht es Maßstäbe, um über mögliche Lösungen entscheiden zu können. Dabei gibt es verschiedene Facetten von Gerechtigkeit, bei denen nicht nur Stadt-Umland-Kooperationen eine Rolle spielen, sondern z. B. auch Digitalisierung, das Thema Energie oder rechtliche Aspekte. Die Auslöser für Land-Nutzungs-Konflikte sind divers. Diese Auslöser gilt es besser zu identifizieren und zu begreifen. Die Empirie sagt uns, dass das Thema „Stadt-Land“ dabei nur ein Teil der Konflikte ist. Außerdem gibt es verschiedene Dimensionen räumlicher Gerechtigkeit. Mit diesen Gerechtigkeitsdimensionen sollte man sich differenzierter befassen, um so verschiedene Gerechtigkeitsvorstellungen formulieren zu können. Das Thema Tauschgerechtigkeit würde beispielsweise gut zu Stadt-Land-Beziehungen passen, fehlt aber bislang. Tanja Blankenburg, Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Mecklenburg-Vorpommern, führt aus, dass Mecklenburg-Vorpommern nach Landesraumentwicklungsprogramm drei Raumkategorien hat: Ländliche Räume, Ländliche Gestaltungs-räume und Stadt-Umland-Räume. Für Stadt-Umland-Räume ist, begründet durch die Sub-urbanisierung, ein Abstimmungs- und Kooperationsgebot verankert. Konfliktfelder in Stadt-Umland-Räumen sind die Themen Wohnungsbauflächenentwicklung und großflächige Einzelhandelsentwicklung. Zu erarbeitende Stadt-Umland-Konzepte stellen eine freiwillige Selbstverpflichtung und Selbstbindung dar, die aber für die Landesregierung bindend sind. Dabei ist zu bedenken, dass die Umsetzung von den handelnden Personen und hier insbesondere den Bürgermeister:innen abhängt und daher eine Moderation nötig ist. Im Rahmen des Projektes ReGerecht gab es auch informelle Treffen, um sich auszutauschen. Das hatte eine besondere Qualität, denn es zeigte, dass man auf diese Weise gut zusammenarbeiten kann und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit entsteht. Die Präsentation von ReGerecht finden Sie hier . Die Präsentation von Tanja Blankenburg finden Sie hier . Diskussion: Zur Verteilung von Wohnraumprojekten wird angemerkt, dass ein Bevölkerungszuzug Mehrkosten für die Infrastruktur der Kommunen bedeutet, was häufig schwierig gesehen wird. Dieses deckt sich nicht mit den Erfahrungen aus Mecklenburg-Vorpommern. Dort begrüßen die Bürgermeister:innen es, Wohnraum und großflächigen Einzelhandel ausweisen zu können. Es wird die Frage in den Raum gestellt, wie mit Leerstand und Verfall umzugehen sei mit dem Hinweis, dass es mehr Erhalt und weniger Neubau brauche. Diesem wird von den Vertreter:innen von ReGerecht zugestimmt. Ein Problem dabei ist die Frage der Enteignung, wenn die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Es wird die Frage diskutiert, wie ländliche Räume damit umgehen können, wenn sie nicht mehr wachsen wollen und sich wünschen, dass die Stadt in ihrem eigenen Bereich bleiben möge. Dazu ist zu bedenken, dass unterschiedliche Dimensionen von Gerechtigkeit existieren, zumal es auch nicht „die“ Gerechtigkeit gibt. Außerdem gibt es regionale Unterschiede, wie z .B. schrumpfend vs. wachsend, auf die individuell zu reagieren ist. Ein Top-down-Vorgehen im Kontext von Verteilung sei zu überdenken. Auch daher wurde das Thema Tauschgerechtigkeit im Vorhaben thematisiert. VorAB Eine sozial-ökologische Transformation ist notwendig. Dafür wäre es hilfreich, emotionale Verbindungsmöglichkeiten zu schaffen, damit z. B. auch Kinder an die Themen der Transformation herangeführt werden und diese verstehen, denn weiteres Wachstum ist angesichts knapper Ressourcen nicht möglich. Dabei wäre es gerecht, wenn das, was an Biodiversität etc. in ländlichen Räumen geleistet wird, positiv und das, was dem schadet, negativ bewertet werden würde. Die Hürde für Avantgardisten liegt darin, dass es z. T. auf menschlicher und sozialer Ebene zu Unstimmigkeiten kommt. Dieses stellt eine zusätzliche Hürde dar zu den ohnehin vorhandenen Auseinandersetzungen mit Kommunen sowie Strukturen und Logiken von Wirtschaftsbetrieben. Hier bedarf es kommunaler Unterstützung zur Förderung der Gemeinwohlökonomie. Die Präsentation von VorAB finden Sie hier . Diskussion: Gemäß der Auffassung von VorAB muss es einen anderen Umgang mit der Ressource Boden geben. Dafür sei es wichtig, alle Gesellschaftsgruppen einzubeziehen, da dieses Ziel nur gemeinsam erreicht werden kann. Abschlussworte des Botschafters Dr. Rupert Kawka: Dr. Rupert Kawka, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, führt aus, dass das Thema „Stadt-Land-Zusammenarbeit“ im BBSR bereits seit fast 20 Jahre bearbeitet wird. Neu ist nun das Thema „Gerechtigkeit“ dazugekommen. Im Thema Stadt-Land-Partnerschaften steckt viel mehr als Verkehr oder Daseinsvorsorge – gerade beim Thema Gerechtigkeit. Die Frage der Gerechtigkeit ist auch eine Frage der Governance: Wie wird der Ausgleich zwischen den Bereichen organisiert? Wo kann der Interessenausgleich auf gleicher Augenhöhe ausgehandelt werden? Gibt es ein Arrangement? Gibt es Themen mit bestimmten Prioritäten? Einige Projekte dienen mehr dem Umland, andere mehr den Zentren. Diese Themen müssen über den Moment der Förderung hinaus Gehör finden. Dabei ist wichtig aufzuzeigen, dass man miteinander kooperieren muss, wie das Beispiel aus Mecklenburg-Vorpommern zeigt. Welche Bedeutung hat Kreislaufwirtschaft in Stadt-Land-Beziehungen? Vorhaben: INTEGRAL (Dr. Georg Schiller, Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung) reGIOcycle (Maic Verbücheln, Deutsches Institut für Urbanistik, Dr. Viktor Klein und Christina Zegowitz, Umweltcluster Bayern und Lukas Zeiler, Abfallwirtschafts - und Stadtreinigungsbetrieb der Stadt Augsburg) Botschafterin: Dr. Silke Karcher, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz Moderation: Nadine Pannicke-Prochnow, Umweltbundesamt In Themenraum 2 wurden in zwei Impulsvorträgen die Ergebnisse der Stadt-Land-Plus-Verbundvorhaben des zweiten Stichtags, die zum Thema Kreislaufwirtschaft arbeiten, vorgestellt: Das Verbundvorhaben reGIOcycle arbeitet zum Handlungsfeld Kunststoffabfälle und das Verbundvorhaben INTEGRAL zum Handlungsfeld Bauabfälle. Beide Handlungsfelder werden auch in der nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie, die sich zu diesem Zeitpunkt in der Ressortabstimmung befindet, als prioritäre Handlungsfelder benannt. Kunststoffabfälle sind aufgrund ihrer Lebensdauer und dem Fakt, dass sie weltweit in allen Ökosystemen auftauchen, eine extreme Belastung für Umwelt und Menschen. Bauabfälle sind aufgrund der hohen Mengen – etwas mehr als die Hälfte des Abfallaufkommens in Deutschland – ein Bereich, in dem erhebliche Effekte für Ressourcen- und Umweltschutz erzielt werden können. Stadt und Land sind durch verschiedene Stoffströme miteinander verbunden. Beispielsweise werden häufig Primärrohstoffe für Bautätigkeiten wie Sand und Kies im ländlichen Raum abgebaut und zu einem großen Teil in Städten verbaut. Nach Abriss eines Gebäudes gelangen die Baustoffabfälle zumeist wieder auf Deponien im ländlichen Raum. Eine mögliche Sekundärnutzung der Baustoffe ist insbesondere in der Nähe des Abrisses relevant, bleibt aktuell jedoch hinter ihren Möglichkeiten zurück, z. B. infolge von Downcycling, gesetzlichen oder administrativen Hürden. INTEGRAL Das Verbundvorhaben INTEGRAL, vorgestellt von Dr. Georg Schiller, versucht, die Verlängerung der Lebensdauer von mineralischen Baustoffen durch eine Sekundärnutzung zu fördern. Die Sekundärnutzung kann dazu beitragen, Energie und Emissionen einzusparen, jedoch sind mineralische Stoffkreisläufe durch die Transportentfernung limitiert. Auch Flächen können gespart werden, wenn weniger Primärrohstoffe in Tagebauen abgebaut werden und weniger Deponieraum zur Entsorgung der Baustoffe benötigt wird. Im Verbundvorhaben INTEGRAL wurde daran gearbeitet, die Unsicherheiten sowohl auf Angebots- als auch auf Nachfrageseite zu reduzieren, denn es wurde beobachtet, dass auf Angebotsseite eine geringe Nachfrage kritisiert wurde und auf Nachfrageseite ein geringes Angebot beklagt wird. Um Transparenz über Mengen und Qualitäten von RC-Baustoffen sowie Planbarkeit für beide Seiten herzustellen, wurde im Projekt das INTEGRAL-Tool mit den drei Modulen „Material“, „Fläche“ und „Qualität“ erarbeitet. Im Modul „Material“ wurde ein Materialkataster entwickelt, mit dem kommunale Verwaltungen den Materialbestand in G-bäuden und somit die Potentiale für das Recycling von Baustoffen erfassen und bei Abriss direkt für Neubauten mit einplanen können. Das Modul „Fläche“ ermöglicht die flächenplanerische Unterstützung für die Suche nach Aufbereitungs- und Lagerstandorten. Das Modul „Qualität“ dient der Unterstützung der Bauplanung hinsichtlich Einsatzmöglichkeiten, bau- und umwelttechnischen Anforderungen und zu prüfenden Gütesicherungsnachweisen von Recycling-Baustoffen. Im Projekt wurden Kommunen als größte Bauträger am Beispiel der Modellregion Stadt Dresden und Landkreis Meißen in den Blick genommen. In den Kommunen in Deutschland bestehen beim Baustoffrecycling sehr unterschiedliche Herangehensweisen. Über das Netzwerk „Zirkuläre Städte“ werden die Ergebnisse aus dem Projekt in andere Kommunen weitergetragen. Die Präsentation von INTEGRAL finden Sie hier . reGIOcycle Ein zweiter Impuls wurde zur Thematik Kunststoffabfälle durch die Vertreter:innen des Vorhabens reGIOcycle gegeben. Dabei wurden verschiedene Ansätze vorgestellt, um Kunststoff-abfälle in der Region Augsburg und Umgebung richtig zu entsorgen, zu vermeiden oder zu ersetzen. Der Augsburger Becher wurde als regionales Mehrwegbecher-Konzept entwickelt, um Einweggetränkebecher für den Verzehr von Kaltgetränken außer Haus während der Corona-Pandemie zu ersetzen. Der durchsichtige Plastikbecher im Pfandleihsystem wurde kurzerhand durch das Verbundvorhaben in der lokalen Gastronomie eingeführt. Der Pfandbecher fand Zuspruch, wurde im weiteren Verlauf jedoch wenig nachgefragt und von der ortsansässigen Gastronomie zumeist aus ökonomischen Gründen nach der Testphase nicht weiter genutzt. Der Becher findet nun, durch einen Eventverleih organisiert und in neuer Auflage auch aus biogenem Kunststoff, bei Großveranstaltungen seinen Einsatz. Ein verpflichtendes Pfandsystem für ToGo-Behältnisse und eine Einwegsteuer, z. B. nach Vorbild der Stadt Tübingen, könnten einem Ansatz wie dem Augsburger Becher zu mehr Erfolg verhelfen. Der Handlungsdruck in der Stadt Augsburg entstand im Wesentlichen aufgrund des öffentlichen Drucks infolge der extremen Vermüllung durch Einweggetränkebecher während der Corona-Pandemie. Ein weiteres Handlungsfeld im Verbundvorhaben war die Verringerung von Kunststoffabfällen im Biomüll. In einer Großwohnanlage von Augsburg konnten mithilfe von gezielten Bildungsmaßnahmen für die Bewohnenden, Informationsmaßnahmen durch Hausmeister:innen, Flyer oder gezielt angebrachte Aufkleber, Mitmachaktionen, z.B. Pflanzaktionen in Komposterde, oder das Verteilen einer kleinen Biotonne (Biotonie) für die Sammlung des Biomülls in den Haushalten die Kunststofffehlwürfe erheblich reduziert und damit die „Biotonnen-Challenge“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz gewonnen werden. Weiterhin wurde im Projekt die Substitution fossiler Kunststoffe durch Biokunststoffe an den Produkten Augsburger Becher und Biotonie untersucht. Dem Biokunststoff des Biotonie wurden zudem regionale Fasern beigemischt, die den Kunststoffanteil reduzieren und den Kunststoff stabilisieren. Außerdem wurden Isolationselemente aus gepresstem Stroh in dünnen Plastikfolien entwickelt, die anstelle von Styropor bei der Kühlung von Getränken und Speisen Verwendung finden und vollständig recycelt werden können. Die Präsentation von reGIOcycle finden Sie hier . Diskussion: In der nachfolgenden Diskussion wurde angesprochen, dass die Gastronomie kein Interesse an Mehrweg habe. Von den Vertreter:innen des Verbundvorhabens reGIOcycle wurde geantwortet, dass Mehrwegbecher und Verpackungen in der Gastronomie noch nicht attraktiv seien. Eine Mehrwegangebotspflicht könne helfen, wie Frau Dr. Karcher jedoch schon betonte, sei der Vollzug eine Hürde. Die Stadt Tübingen ist ein Vorbild, da hier eine Abgabe auf Einwegprodukte die externen Entsorgungskosten internalisiere und zusätzliche Anreize für Mehrweg schaffe. In diesem Zusammenhang wurde auch diskutiert, wer in der Akteurskonstellation aus Gastronomie, Kund:innen und Politik welche Interessen hätte und inwiefern ein:e Zirkularitätsmanager:in moderieren könne. Dabei wurde auch diskutiert, wo ein:e sol-che:r Zirkularitätsmanager:in angesiedelt werden könnte und bei welchen Stoffströmen und Fragestellungen sie/er sinnvoll unterstützen könnte. Die weitere Diskussion wechselte zum Verbundvorhaben INTEGRAL. Es wurde über das Abfallende gesprochen, das in der Praxis zu erheblichen Hürden führe, z. B. weil es Sekundärrohstoffen ein negatives Image verleihe und die Akzeptanz für deren Einsatz verringere, aber auch rechtliche Unsicherheiten und Bedenken in der Umsetzung schaffe. Weiterhin wurde ein Vergleich zur Schweiz gezogen, wo der Einsatz von Recycling-Materialien bereits etablierter ist, auch weil er vorgeschrieben wird. Vorschriften ermöglichen Fairness und gleiche Anforderungen für alle Marktteilnehmenden. Dementsprechend kam die Frage auf, warum nicht auch in Deutschland ein bestimmter Prozentsatz Recyclingbaustoffe festgeschrieben wird. Diskutiert wurde in diesem Zusammenhang auch, ob eine Substitutions- oder eine Recyclingquote zielführender sei. Im Vordergrund steht, dass die Qualität der Materialien für eine unbedenkliche Wiederverwendung stimmen muss. Diese Hemmnisse sollen durch die Ersatzbaustoffverordnung reduziert werden, allerdings werden hier noch Anpassungsbedarfe gesehen. In diesem Zuge wurde festgehalten, dass Kreislaufwirtschaft als lernendes System verstanden werden sollte, bei dem es wichtig sei, den Start zu wagen, aber kontinuierlich weiterzuentwickeln. Wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung nachhaltiger Stoffkreisläufe ist, dass sich diese ökonomisch lohnen müssen, damit sie akzeptiert und etabliert werden. Darüber hinaus sollten Ingenieur- und Sozialwissenschaften neben Ökonomie und Kosten der Kreislaufwirtschaft aber auch die weichen Faktoren erforschen, um Governance-Ansätze zu entwickeln, die Nutzende dafür belohnen, wenn sie die nachhaltigere, aber kostenintensivere Variante nutzen. Abschlussworte der Botschafterin Dr. Silke Karcher: Nach den Impulsen aus der Stadt-Land-Plus-Forschung stellt Themenbotschafterin Dr. Silke Karcher ihre Sicht als Referentin des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz auf die Ergebnisse der Verbundvorhaben vor und stellt Bezüge zur nationalen Ebene her. Aus ihrer Sicht entscheidet sich vieles vor Ort. Die nationale Ebene könne nicht alles regeln, aber einen Rahmen schaffen. Wichtige Ansatzpunkte, die vor Ort umgesetzt werden können, seien 1.) die Aufklärung über Stoffkreisläufe und Recycling bzw. Abfall, 2.) die Nutzung von Vergabeverfahren als Hebel in den Kommunen, z. B. indem die Verwendung von Recyclingbaustoffen bei Bauvorhaben in öffentlichen Ausschreibungen gefordert wird, 3.) Satzungen, z. B. hinsichtlich der Nutzung von Mehrweggeschirr bei öffentlichen Veranstaltungen, 4.) der Aufbau regionaler Wirtschaftsbündnisse, z. B. zur Unterstützung des Einsatzes von Sekundärrohstoffen oder Mehrwegsystemen, sowie 5.) der Vollzug. Die nationale Ebene kann mit weiterer Aufklärung und der Gestaltung von Gesetzen die Kommunen bei der Umsetzung von nachhaltigen Stoffkreisläufen unterstützen. Doch zeige sich in der Praxis zum Beispiel, dass das Vorhandensein einer national festgelegten Mehrwegsangebotspflicht nicht ausreiche, um Mehrweg zu etablieren, sondern der Vollzug dieser vor Ort geschehen und geleistet werden muss. Mit welchen Strategien lässt sich in Stadt-Land-Bezügen eine nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung erreichen? Vorhaben: Logist.Plus (Prof. Dr. Kim Philip Schumacher, Universität Osnabrück und Patrick Ul-bert, Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Osnabrücker Land) KoOpRegioN (Joanna Skok, Regionalverband Nordschwarzwald und Martina Leucht, Europäisches Institut für Energieforschung) Botschafter: Ulrich Misgeld, UnternehmensNetzwerk Motzener Straße e.V. Moderation: Dr. Uwe Ferber, StadtLand GmbH Logist.Plus Prof. Dr. Kim Philip Schumacher, Universität Osnabrück, und Patrick Ulbert, Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Osnabrücker Land, stellen die Ergebnisse des Projektes Logist.Plus vor. Da es bisher nicht gelungen ist, den Flächenbedarf der Logistikbranche mit Nachhaltigkeitszielen in Einklang zu bringen, zielt Logist.Plus darauf ab, mittels übergreifender Governancestrukturen eine langfristig tragfähige regionale Entwicklung zu ermöglichen. Entwickelt wurden Governance-Instrumente, Empfehlungen zur Flächenentwicklung und Handlungsleitfäden zur nachhaltigen Standortgestaltung. Ebenso wurden Beratungsangebote für Kommunen und Unternehmen erarbeitet und implementiert. Ergebnisse und Erkenntnisse des Projektes sind die Verbesserung des Bodenschutzes auf Bestandsflächen durch die Integration in das betriebliche Nachhaltigkeitsmanagement. Ein interkommunaler Austausch zu strategischer Flächenentwicklung und Ansiedlungspolitik erfolgt bisher kaum. Eine Governance der Flächenentwicklung unter besonderer Berücksichtigung der Belange und Auswirkungen der Logistik sollte daher weiter vorangetrieben werden. Zusätzlich muss die Sensibilisierung von Unternehmen für eine nachhaltige Gestaltung von Betriebsstandorten intensiviert werden. Die Präsentation von Logist.Plus finden Sie hier . Diskussion: Mit Blick auf die Ergebnisse des Projektes wurden vor allem die Standards für nachhaltige Gewerbegebiete in der Diskussion gewürdigt. Trotz unterschiedlicher Vorstellungen der Kommunen setzt der Leitfaden Mindeststandards und ermöglicht eine flexiblere Herangehensweise für dem Umgang mit Bestandsgebieten und die Entwicklung neuer Gewerbe- und Logistikflächen. Auf die Frage nach der Verstetigung der öffentlichen/privaten Anstrengungen wurde die Verankerung einer Koordinationsstelle bei der Wirtschaftsförderung des Landkreises Osnabrück und des Landkreises Steinfurt in Aussicht gestellt. KoOpRegioN Joanna Skok, Regionalverband Nordschwarzwald, und Martina Leucht, Europäisches Institut für Energieforschung, stellen die Ergebnisse des Projektes KoOpRegioN vor. Das Projekt zeigt Möglichkeiten auf, wie historisch gewachsene Interessens- und Konfliktlagen überbrückt und Entscheidungs- und Planungsprozesse für ein im Vergleich zur bisherigen Praxis breiteres Verständnis von Nachhaltigkeit geöffnet werden können. Ziel war es, gemeinsam mit verschiedenen Praxispartner:innen auf regionaler Ebene eine Strategie zu entwickeln, die drei Handlungsbereiche praxisnah miteinander verbindet: Flächenmanagement, Nachhaltigkeit und interkommunale Kooperation. Als konzeptionell-methodischer Rahmen wurde der Ansatz eines integrierten nachhaltigen Gewerbeflächenmanagements (INGFM) entwickelt, der beispielhaft in der Region Nordschwarzwald angewendet wurde. Mit dem systematischen Management von Gewerbeflächen über den ganzen Nutzungszyklus hinweg, also von Flächenausweisung und Planung über Vergabe, Bebauung und Nutzungsphase bis zur Nachnutzung bzw. Rückbau, können Synergieeffekte innerhalb eines Gewerbegebiets identifiziert und gemeinsam mit den ansässigen Betrieben und den kommunalen Akteuren umgesetzt werden. Die Präsentation von KoOpRegioN finden Sie hier . Diskussion: In der Diskussion wird hervorgehoben, dass es außerordentlich schwierig ist, das Thema Nachhaltigkeit mit dem konkreten Handeln der Unternehmen vor Ort zu verknüpfen. Am besten gelang dies noch bei inhabergeführten Unternehmen aus der Region, die als „Pioniere“ für Nachhaltigkeitsinitiativen gewonnen werden konnten. Teilnehmende weisen auf vergleichbare Initiativen in Nordrhein-Westfalen (SDG Scouts) hin. Abschlussworte des Botschafters Ulrich Misgeld: Die Motzener Straße ist eine Gewerbegebiet mit breit gestreuten Eigentumsverhältnissen, welches gemeinsame Nachhaltigkeitsinitiativen ergriffen hat. Beispiele sind ein betriebsübergreifendes Logistikkonzept für die Anlieferung aller Unternehmen durch einen Spediteur, ein Klimaschutzkonzept und eine gemeinsame Personalstelle für das Gebietsmanagement. Erneuerbare Energien waren von Beginn an ein Thema. Vor drei Jahren wurde ein Grünes Kraftwerk eröffnet – eine Zusammenfassung von 15 Unternehmen und deren Energie- und Wärmeströme. Die beteiligten Firmen produzieren 45% ihres Bedarfes selber. Die Öffentlichkeitsarbeit erfolgt mittels aktiver Kommunikation beispielweise durch Straßenfeste. Erfolgsfaktoren aus Sicht abgeschlossener Vorhaben der 1. Förderphase und Statements der Botschafter:innen aus den Themenräumen Moderiertes Gespräch mit Dr. Silke Karcher, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz Dr. Rupert Kawka, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung Ulrich Misgeld, UnternehmensNetzwerk Motzener Straße e.V. Wie kann es in Stadt-Land-Beziehungen kooperativ gerechter werden, Herr Dr. Kawka? Was haben sie für das BBSR mitgenommen? Dr. Kawka: Territoriale Kohäsion ist ein Begriff der EU. Hier ist regionale Kohäsion entstanden. Es ist gut, dass das Thema Stadt-Land-Beziehungen wieder aufgegriffen wurde. Mit dem Thema Gerechtigkeit hat man sich dabei in der Vergangenheit nicht befasst. Mit Gerechtigkeit ist auch eine Form der Governance verbunden – auch das gab es damals nicht. Ohne Kooperation kann man Regionalentwicklung und -planung heute nicht mehr denken. Wir müssen in Verbindlichkeiten kommen, oder? Dr. Kawka: Ja, es gibt viele Ansätze, aber noch zu wenig Absorptionsfähigkeit. Diese müssen wir stärken mit der Fragestellung, wie man die Regelförderung besser nutzen kann. Welche Relevanz hat Kreislaufwirtschaft, Frau Dr. Karcher, und wie kann man sie in Stadt-Land-Beziehungen fördern? Dr. Karcher: Die Frage lautet, was ist die Vision? Es gibt da zwei Punkte: Ressourcenschonung und Schadstoffausschleusung. Dafür gibt es einen Rechtsrahmen auf EU-Ebene und auf nationaler Ebene. Dann geschieht aber noch ganz viel regional, vor Ort. Am Thema Bauabfälle zeigt sich, was man auf lokaler Ebene tun kann: man kann vorschreiben, dass Bauabfälle nicht anfallen. Dieses kann in kommunalen Satzungen verankert und in regionalen Wirtschaftsbündnissen umgesetzt werden. Ähnlich verhält es sich mit einer Mehrweg-Angebotspflicht, die man auf lokaler Ebene umsetzen müsste. Wie kann nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung kooperativ umgesetzt werden, Herr Misgeld? Ist Nachhaltigkeit Hürde oder Innovation? Misgeld: Nachhaltigkeit ist ein Anreiz. Unternehmen setzen damit z. B. ihre Lieferanten unter Druck. Ein Erfolgsfaktor in Gewerbegebieten lautet, das Gebietsmanagement vor dem Thema Nachhaltigkeit in den Blick zu nehmen. Im Rahmen des Gebietsmanagements kann das Klimaschutzgesetz in Teilprojekten abgearbeitet und so Nachhaltigkeit definiert werden. Wie lassen sich die Forschungsergebnisse umsetzen? Misgeld: Entscheidend ist, ein qualitatives Gebietsmanagement zu stärken. Dr. Karcher: Man sollte die Verantwortung vor Ort stärken – und die Verantwortung muss vor Ort übernommen werden. Außerdem sollte eine Vernetzung früher und stärker erfolgen, um Doppelstrukturen und die parallele Entwicklung benötigter Instrumente zu vermeiden und stattdessen gemeinsam ähnliche Tools zu verwenden. Dr. Kawka: Nachhaltigkeit braucht eine Verstetigung in der Region. Das ist es eine Frage der Kommunikation, die andere, vielfältigere Formen neben der klassische Ergebnispräsentation braucht. Erfolgreiche Projekte sollten über das Bundesgebiet hinweg sichtbar gemacht werden. Abschlussworte und Worte aus dem Publikum: Misgeld: Es gibt eine Begeisterung für den Ansatz „on the ground“. Die Wirkmacht der Kommunen liegt vor Ort – nur dort kann der Funke entfacht werden. Dr. Kawka: Man sollte Stadt-Land-Partnerschaften entdecken, wo man noch nicht danach sucht, z. B. in Regiostädten, in Mittel- und Kleinstädten. Dr. Karcher: Stadt-Land-Partnerschaften brauchen die bislang noch wenig vorhandenen Belege und die Wissenschaft liefert diese. Aus dem Publikum: Die Evidenzbasis ist geschaffen, um die Zusammenarbeit von Stadt und Land zu verbessern. Aber es braucht ein legitimiertes Gremium, das eine Handlungsmacht und Umsetzungskompetenz entwickeln kann. Interaktive Präsentation des Autor:innenpaares des Stadt-Land-Bestsellers „Zwischen Welten“ Juli Zeh und Simon Urban Den Abschluss dieses Tages bildet ein Austausch zwischen Juli Zeh und Simon Urban zu den Themen Kommunikation, Sprachlosigkeit und Aggression im Kontext von Stadt-Land-Beziehungen. Dieses illustre Format ist geprägt durch einen munteren Schlagabtausch zwischen den zwei Autor:innen zu ihren Erlebnissen und Beobachtungen vom urbanen und ländlichen Leben. Zwischendurch lesen sie Passagen aus ihrem Buch „Zwischen Welten“, um am Ende das Publikum in die Diskussion einzubeziehen. Moderiertes Gespräch mit Christian Bodensteiner, Projektträger Jülich Dr. Christian Strauß, Projektträger Jülich Als Vertreter des Projektträgers würdigen Christian Bodensteiner und Dr. Christian Strauß die gute Zusammenarbeit der Projekte und des Querschnittsvorhabens in den vergangenen Jahren. Es wird herausgestellt, dass die Fördermaßnahme „Stadt-Land-Plus“ durch das transdisziplinäre Forschungsformat und die aktive Rolle der Praxispartner:innen Ergebnisse und Innovationen sowohl auf wissenschaftlicher als auch auf regionalpolitischer Ebene einbringt. Damit wurden die Grundlagen für erfolgreiche Stadt-Land-Kooperationen in Deutschland gelegt. Vorstellung eines Memorandums mit Empfehlungen der Vorhaben der Stadt-Land-Plus-Fördermaßnahme Prof. Dr. Wolfgang Köck, Department Umwelt- und Planungsrecht am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ Dr. Michael Melzer, Institut Raum & Energie Das Memorandum formuliert zehn zentrale rechtliche Hürden in den Clustern Ressourcenschutz und -kreisläufe, Raumordnung und Baurecht sowie Vergaberecht und Fördersystematik. Hierzu werden die jeweiligen Herausforderungen, der Rechtsrahmen und die möglichen rechtlichen Anpassungsansätze beschrieben. Dabei ist unstrittig, dass einige der vorgeschlagenen Lösungsmöglichkeiten ihrerseits durchaus konfliktbeladen sind. Mit den Diskussionen zwischen den Verbundvorhaben und der rechtlichen Expertise ist die Thematik zwar kompetent aufbereitet, für die Realisierung von Lösungen sind aber noch weitere Untersuchungen und vielfältige politische Abstimmungsprozesse erforderlich. Es ist deshalb von zentraler Bedeutung, die Thematik und die Erkenntnisse der Fördermaßnahme sowohl in die Fachöffentlichkeit als auch in die Politik zu transferieren. Das Memorandum finden Sie hier . Welche Impulse kann eine regionale Ernährungswirtschaft für eine nachhaltige Landwirtschaft und zugleich ein besseres Stadt-Land-Verhältnis setzen? Vorhaben: KOPOS (Sebastian Rogga, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V., Annabella Jakab, Netzwerk Flächensicherung e.V. und Wolfgang Hees, Wir bündeln Bio! & selbstständiger Landwirt) OLGA (Anke Hahn, Stadt Dresden und Sabrina Röttger, Umweltzentrum Dresden Botschafterin: Dr. Christa Standecker, Europäische Metropolregion Nürnberg/stellvertr. Sprecherin Initiativkreis Europäische Metropolregionen Moderation: Dr. Uwe Ferber, StadtLand GmbH KOPOS Sebastian Rogga, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V., und Annabella Jakab, Netzwerk Flächensicherung e.V., stellen die Ergebnisse des Projektes KOPOS vor. Das Projekt KOPOS entwickelte und erprobte innovative Kooperationsansätze für eine nachhaltige und regionale Nahrungsversorgung. Dies geschah anhand zweier zentraler Herausforderungen: kurze Wertschöpfungsketten und Zugang zu Land. In Freiburg wurde eine neue Infrastruktur am Großmarkt etabliert, die kleinere bio-regionale Produzent:innen mit der städtischen Außer-Haus-Versorgung vernetzt. Der Marktplatz „Wir bündeln Bio!“ schließt eine Lücke, die der Biogroßhandel bislang nicht abdeckte. In Berlin-Brandenburg konzentrierte sich die Forschung auf den „Zugang zu Land“. Neben der Analyse struktureller Defizite, wie der Verpachtungspraxis von Kommunen, wurden Handlungsempfehlungen (KOPOS BIG-5) sowie der Entwurf einer beratenden „Flächenvergabeagentur“ erarbeitet. Zudem wurde das kooperative Geschäftsmodell „Tiny-Farms“ weiterentwickelt, das für Quereinsteiger:innen den Einstieg in die Landwirtschaft erleichtert. Die Präsentationsfolien von KOPOS finden Sie hier . Diskussion: Können die Ergebnisse des Projektes kostendeckend umgesetzt werden? In den ersten Jahren durch viele Investitionen für Werbung und Ähnliches nicht. Aber durch den nahen Kontakt zur Schule und die Regelung „30% Biowaren an Schulen“ haben wir den Einstieg in den Markt geschafft. Wurden Schulen und Kindertagesstätten mitgedacht? In Leipzig wurde lange über einen Kommunalen Caterer gesprochen. Das ist aber gescheitert. „Jein“, da große Caterer die kleinen vertreiben. Wir bedienen 500 bis 600 Portionen und setzen auf kurze Lieferketten nach dem EU-Vergaberecht. Es gab auch Pilotprojekte, in Freiburg 5 und in Brandenburg 5, wo Kindertagesstätten beliefert wurden. Eines dieser Projekte hat sich verstetigt. Wo liegen die Flächen der TinyFarms? Die TinyFams selber wollen gerne stadtnah liegen, haben aber häufig nicht die Möglichkeit, die neuen Standorte zu entwickeln. Sie wachsen langsam, aber stetig. OLGA Anke Hahn, Stadt Dresden, und Sabrina Röttger, Umweltzentrum Dresden, stellen dar, wie im Projekt nachhaltige Landnutzungsansätze, insbesondere mikroklimatische Effekte von gewässernahen agroforstlichen Nutzungen, und deren regionale Wertschöpfungsoptionen untersucht und umgesetzt wurden. OLGA etablierte darüber hinaus ausgewählte Stadt-Land-Kooperationen in der Land- und Ernährungswirtschaft bei der Schaffung von neuen Produkten sowie Anbau-, Verarbeitungs- und Vermarktungswegen, insbesondere mit Hülsenfrüchten aus der Region. In Zusammenarbeit mit einem Landwirtschaftsbetrieb konnte durch das Projekt ein 1 ha großes Agroforstsystem mit 3.500 Pappeln auf Ackerland vor den Toren Dresdens etabliert werden. Durch OLGA wurde außerdem ein neues Produkt aus Hülsenfrüchten kreiert: Die Dresdner Bio-Falafel aus sächsischen Linsen wurde durch die Kooperation zwischen einem Linsen-Landwirt in Mittelsachsen und dem Catering-Unternehmen Zaituna geschaffen und erfährt reißenden Absatz – ob bei Dresdner Stadtteilfesten, der Leipziger Food Messe “Iss Gut!” oder bei den sächsischen Bio-Erlebnistagen. Die Präsentation von OLGA finden Sie hier . Diskussion: Gibt es in Dresden eine:n Wertschöpfungsmanager:in und wenn nicht, wäre dies nicht empfehlenswert? Nein, leider nicht. Dies wäre aber sehr hilfreich. Es wurde daher über andere Institutionen versucht, diese Aufgabe zu erfüllen. Wie hoch war der Forstanteil bei den AgriForstSystemen für die Energieproduktion? Das wurde den Landwirten freigestellt, aber hier gibt es viele Möglichkeiten: Obstanbau oder Bauholzproduktion oder auch Hackschnitzel-Produktion. Abschlussworte der Botschafterin Dr. Christa Standecker: Dr. Christa Standecker stellt kurz die Europäische Metropolregion Nürnberg und deren Aktivitäten im Rahmen von Stadt-Land-Plus vor. Mit dem Projekt REPROLA ist es ebenso wie in OLGA und KOPOS gelungen, regionale Wertschöpfungsketten aufzubauen und hierfür ein stabiles Akteursnetzwerk zu etablieren. Das Thema Ernährungssicherheit und Flächensicherung ist damit zum festen Bestandteil der Aktivitäten in den Stadt-Land-Plus-Pilotregionen avanciert. Mit dem Netzwerk der Deutschen Metropolregionen ist die Veröffentlichung eines gemeinsamen Diskussionspapiers zum Thema „Ernährungssicherheit“ geplant. Dies wird von Frau Dr. Standecker unterstützt, die sich dafür einsetzt, das Thema Fläche mit dem Thema Ernährungssicherheit eng zu verknüpfen und hierdurch deutlich mehr an Gehör und Unterstützung zu finden. Wie lassen sich die unterschiedlichen Qualitäten von Stadt und Land zu einem hochwertigen regionalen Zukunftsraum bündeln? Vorhaben: DAZWISCHEN (Prof. Dr. Dietwald Gruehn, TU Dortmund und Steffen Rosier, Stadt Düren) und NEILA (Katharina Fesel, TU Dortmund und Julia Zendel, Bundesstadt Bonn) Botschafter: Bernhard Faller, vhw-Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V. Moderation: Lutke Blecken, Institut Raum & Energie Dieser Themenraum steht unter der Leitfrage, wie sich die unterschiedlichen Qualitäten von Stadt und Land zu einem hochwertigen regionalen Zukunftsraum bündeln lassen. Ausgangsüberlegung dabei ist, dass Stadt und Land mit ihren Unterschieden sich gegenseitig ergänzen, aufeinander angewiesen und miteinander verbunden sind. Beispielhaft für die Unterschiede stehen in diesem Themenraum sehr plakativ einerseits die Naturnähe und andererseits die Urbanität. Die entscheidende Frage ist, wie diese unterschiedlichen Qualitäten und Potenziale zu einem gemeinsamen hochwertigen regionalen Zukunftsraum gebündelt werden können. Diese Frage betrifft auch das Handlungsfeld der Siedlungs- und Freiraumentwicklung. Dabei sind unterschiedliche Spannungsverhältnisse zu berücksichtigen: z. B. die Zielsetzung einer sparsamen Flächenentwicklung bei teilweise fehlendem Wohnraum in Ballungsgebieten, aber verfügbaren Potenzialen in periphereren Teilregionen, oder Fragen einer regionalen Gerechtigkeit und eines regionalen Ausgleichs von Lasten und Nutzen. So zeigt sich in der Praxis, dass große Hürden bei einer regionalen Betrachtung der Siedlungsentwicklung zu überwinden sind, was die Entwicklung eines gemeinsamen Zukunftsraumes erschwert. In der Fördermaßnahme Stadt-Land-Plus haben sich mehrere der Projekte mit diesen Fragestellungen befasst und wichtige Impulse geliefert. Daraus wurden Reformvorschläge entwickelt, die sich in der Reformagenda wiederfinden. Vor diesem Hintergrund wird der Blick auf zwei dieser Vorhaben geworfen: DAZWISCHEN und NEILA haben sich beide mit einem interkommunalen Land- und Flächenmanagement beschäftigt. DAZWISCHEN Prof. Dr. Gruehn, TU Dortmund, vom Vorhaben DAZWISCHEN führt aus, dass das Projektgebiet zwischen der Schiene Köln, Düsseldorf, Bonn und Aachen liegt. Es handelt sich dabei um einen uralten germanischen Kulturraum, was einen Hinweis auf die Qualität des ländlichen Raumes gibt. Heute ist dieser Raum völlig überprägt von der Braunkohlenutzung. Der bevorstehende Strukturwandel war daher ein Thema ebenso wie der Siedlungsdruck aus Köln, Düsseldorf und Bonn und die dadurch verstärkte Nachfrage in dieser Region. Das von der Zukunftsagentur betriebene Rauminformationssystem (RIS) beinhaltet u. a. ökonomische und soziale Daten. So lässt sich sehen, wo die Hotspots der Siedlungsentwicklung sein werden und wo der Freiraum qualitätvoll entwickelt werden kann. Steffen Rosier, Stadt Düren, führt aus, dass für die Stadt Düren und den Landkreis Euskirchen Entwicklungsprofile erstellt wurden, denen eine SWOT-Analyse vorausging. Die Entwicklungsprofile gingen in Handlungsstrategien über. Dabei lag im Kreis Euskirchen das Thema Nachhaltigkeit und in Düren der Flächennutzungsplan im Fokus. Mit Blick aus der Praxis war der Prozess des Projektes spannend. Insbesondere war interessant, wie man den Prozess mit bestehenden Strategien verknüpfen und Akteur:innen-Beteiligung und -Einbindung initiieren und umsetzen kann. Wichtig dabei ist, dass es Personalmittel für die Durchführung braucht. Außerdem braucht es eine realistische Herangehensweise, um die Forschungsergebnisse auf die Ebene der täglichen Arbeit der Beteiligten herunterzubrechen. Das RIS war vor allem als Bewertungsinstrument hilfreich. Außerdem war die multihierarchische Betrachtungsweise hilfreich und sinnvoll, weil es Unterschiede gibt, was Kreisen und Städten im Kontext der Umsetzung möglich ist. Es gibt jedoch auch administrative Grenzen, was bei solch einer Analyse aber erstmal ausgeblendet werden muss. Die Präsentation von DAZWISCHEN finden Sie hier . Diskussion: Im Rahmen von RIS wurde ein Raum aus einer bestimmten Problemsicht geschaffen, wofür zunächst auf der Gesamtraumebene, wo verschiedene Akteur:innen und Strukturen existieren, Daten gesammelt wurden. Sodann folgte eine Detaillierung, im Rahmen dessen Probleme für die Stadt Düren und den Landkreis Euskirchen identifiziert wurden. Dieses Vorgehen beschreibt den Begriff „multihierarchisch“. Im Sinne einer Transparenz sind all diese gesammelten Informationen in RIS enthalten und dort für alle einsehbar und nachvollziehbar. Mit der Erstautorenschaft der Akteur:innen wurden zudem viele Publikationen veröffentlicht, u. a. auch in internationalen Journals. Die Übertragbarkeit von RIS ist weniger ein technisches Problem als vielmehr eine Frage der Trägerschaft. Will man das Produkt übertragen, gilt es vor allem, einen Träger mit Kompetenzen, Mitteln und Ressourcen zu finden - aus technischer Sicht gestaltet es sich einfach. Der Flächennutzungsplan wurde mit der Politik diskutiert und in einer 2. Runde mit dem Wohnungsmarkt rückgekoppelt. Daraus wurde der Pfad entwickelt, sich mit der Innenentwicklung auseinanderzusetzen. RIS hat den Mehrwert, das Programm in Rahmen von Beteiligungsprozessen nutzen zu können. Das Programm bietet die Möglichkeit, einzelne Analysefelder zu filtern. Diese Wirkungsanalyse gab es bisher nicht. RIS hat den Mehrwert, dass sich sehen lässt, wo es bestimmte Vorgänge aufgrund der Wertigkeit der Räume gibt. Damit lassen sich Maßnahmen fortan besser abwägen in dem Sinne, dass der Gesamtraum davon profitiert. Außerdem lassen sich mit Hilfe von RIS Verflechtungen besser erkennen. Ferner wäre es sinnvoll, die Universitäten besser mit Grundmitteln auszustatten, um weniger Anträge im kompetitiven Bereich schreiben zu müssen. Hier gab es eine Lenkungswirkung der Förderung: es wäre sonst nicht zu dieser Kooperation gekommen. Zudem konnte hier die informelle Ebene eingebunden werden, was für alle Beteiligten sinnvoll ist. Diesen Mehrwert hätte die Universität allein nicht generieren können. NEILA Katharina Fesel, TU Dortmund, vom Vorhaben NEILA erläutert, dass es sich bei der :rak-Region um einen Kooperationsraum handelt, der sich über zwei Bundesländer erstreckt. Die :rak-Region ist von unterschiedlichen Herausforderungen geprägt. Als Beispiele hierfür seien steigende Bodenpreise und Mieten oder ein Druck auf das Umland versus ländliche Räume, die nicht weiter wachsen wollen, der Klimawandel und die notwendige Anpassung daran genannt. Das Projekt NEILA stellte sich die Frage, welche Instrumente es für einen Stadt-Land-Ausgleich gibt. Im 1. Schritt wurde dafür ein gemeinschaftlicher Kriterienkatalog entwickelt. Die dort genannten Eignungskriterien wurden von Gremien, in denen u. a. Bürgermeister:innen vertreten waren, freigegeben. In einem 2. Schritt ging man der Frage nach, welches Konfliktpotential in der Aktivierung der Flächen liegt, um im 3. Schritt das ermittelte Angebot dem Bedarf gegenüber zu stellen. Auf diese Weise wurde ein regionales Dichtekonzept mit potentiellen Entwicklungsflächen erarbeitet. NEILA folgte dabei dem Prinzip, „sich gegenseitig in die Karten zu schauen“. Die so entstandene gemeinsame Wissensgrundlage ermöglichte es, in den Dialog zu treten. Dabei ist NEILA ein informelles Projekt – bindungswirksam wird es erst, wenn Planer:innen die Ergebnisse in die Planung integrieren. Dafür braucht es einen Dialog und auch monetäre Anreize. Sinnvoll ist es zudem, regionale Akteur:innen zu installieren, die den Zukunftsraum gestalten und nicht nur verwalten. Julia Zendel, Bundesstadt Bonn, berichtet, dass der Fachaustausch im Projekt so intensiv war, wie es ihn zuvor nicht gab. Außerdem sind die von NEILA entwickelten Tools enorm hilfreich. So zeigt beispielsweise das Dichtekonzept, dass alle Angst vor Dichte haben, aber es diese Dichte schon längst gibt. Durch das Siedlungs- und Flächentool hat man das Thema Dichte nun regionsweit abgeglichen. Mit Hilfe des Bilanzierungstools lässt sich aufzeigen, dass z. B. einzelne Flächen nicht aus dem Blick genommen werden können. Zu den Herausforderungen des Projektes NEILA gehört die Kommunalwahl im nächsten Jahr und das dadurch bedingte Kirchturmdenken einiger Beteiligter. Eine verbindliche regionale Entscheidungseinheit würde da helfen, um zu vermeiden, dass solch etwas immer wieder bei Wahlen passiert. Ferner muss das :rak  eine neue Struktur finden. Dabei können die Ergebnisse von NEILA helfen. Die Präsentation von NEILA finden Sie hier . Diskussion: Es kam die Frage ob auch untergenutzte Flächen oder Leerstandsflächen in die Bewertung mit einbezogen wurden. Hierzu ist zu sagen, dass NEILA in der 1. Phase nicht in die Innenentwicklung gegangen ist. Dank der Projektverlängerung beginnt das jetzt mit der Fragestellung, wie sozio-ökologische Verdichtung aussehen kann. Ein Monitoring, welche identifizierten Flächen nun genutzt werden, existiert derzeit noch nicht, zumal es das Tool erst seit knapp 1 Jahr gibt. Aktuell finden daher Interviews vor Ort statt, um einen Überblick bezüglich der Umsetzung zu erhalten, da nicht jede:r die Angaben im Tool einpflegt. Mehrere Eigentümer:innen bedeuten potentiell mehr Konflikt. NEILA hat die Eigentümer:innen lediglich zur Kenntnis genommen als Information für das Tool. Zur Frage, warum nicht die Regionalplanung den :rak-Zuschnitt vornimmt, ist zu sagen, dass NEILA den Diskurs beeinflusst und das Konzept entwickelt hat – das ist das, was bleibt. Abschlussworte des Botschafters Bernd Faller: Bernd Faller führt aus, dass im Rahmen dieser Vorhaben mit wissenschaftlichen Mitteln, die begrenzt sind, versucht wurde, auf politische Entscheidungen der Siedlungs- und Flächenplanung Einfluss zu nehmen. Dabei bewegt man sich in einem großen Konflikt: es müsste eine regionale Steuerung geben. Es ist evident, dass dem so ist, aber die Kommunen sind für die Siedlungsplanung zuständig – und die Planungshoheit der Kommunen ist eine heilige Kuh. In diesem Spagat bewegt sich somit alles. Es gibt eine Fehlsteuerung in der Planung, die es zu beeinflussen gilt. Dafür braucht es ein 4-Stufen-Modell: Stufe 0: Stufe 0 ist die Stufe der Regionalplanung. Sie ist aber nur Ordnungsinstrument und nicht Entwicklungsinstrument und daher sehr begrenzt. Sie hat somit ein gutes Bremspedal, aber kein Gaspedal. Die Regionalplanung kann jedoch nicht so eng sein, dass sie die kommunale Entwicklungsplanung beeinflussen kann. Stufe 1: Die Stufe 1 ist die gute wissenschaftliche Basis, um dadurch lokale Entscheidungen zu beeinflussen. Die institutionell verankerten Interessen der Kommunen sind aber im Zweifel stärker als die wissenschaftlichen Ergebnisse. Stufe 2: Die Stufe 2 ist die programmatisch justierte Unterstützung besonders guter Vorhaben. Es werden die Projekte unterstützt, die in die Programme passen. Die regionalen Instrumente sind aber oft zu schwach, um diese Steuerung auszuführen und stringent zu leiten. Daher braucht es Stufe 3. Stufe 3: Stufe 3 sind Bund-Länder-Programme der Raumordnung. Der Bund schiebt etwas an und es hat lokale Wirkungen. In der Schweiz gibt es das Agglomerationsprogramm. Dieses ist nur von der Logik her übertragbar, aber dennoch lohnenswert, sich anzusehen. Das Agglomerationsprogramm führt in der Schweiz u. a. zu informellem Austausch, weil dieser nötig und erforderlich ist. Welche Nachhaltigkeitsziele helfen zur Überwindung von Gegensätzen zwischen Stadt und Land? Welche SDGs müssen adressiert werden? Vorhaben: NaTourHuKi (Prof. Dr. Jörg Dettmar, TU Darmstadt) SUSTIL (Jannis Pfendtner-Heise, Leuphana Universität Lüneburg und Pia Wiebe, Hansestadt Lüneburg) Botschafter: Oliver Haubner, Bertelsmann Stiftung Moderation: Nadine Pannicke-Prochnow, Umweltbundesamt 2015 verabschiedeten die Vereinten Nationen die Agenda 2030 und die darin enthaltenen Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals = SDGs). Seither fungieren die 17 Ziele mit 169 Unterzielen als Rahmen für eine nachhaltige Entwicklung, indem sie zur Förderung von nachhaltigem Frieden und Wohlstand sowie zum Schutz unseres Planeten beitragen. Zudem fördern die Ziele ein vernetztes Verständnis für verschiedene ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeitsherausforderungen und bieten einen ganzheitlichen Ansatz zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung. Demzufolge sollen alle Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung überall und gleichzeitig angegangen werden, denn die Ziele sind in vielfacher Weise miteinander verknüpft und können nicht isoliert betrachtet oder umgesetzt werden. Alle Ziele gelten für alle Länder. Die Verantwortung für die Umsetzung der Ziele liegt also sowohl auf internationaler Ebene als auch im Inland auf allen räumlichen Ebenen. Gleichzeitig bereitet die Allgemeingültigkeit aber auch Schwierigkeiten in der Umsetzung: So wird kritisiert, dass die „Flughöhe“ der SDGs für Regionen und Kommunen oftmals zu hoch sei oder einzelne Ziele teilweise als nicht zutreffend oder relevant für die Regionen Deutschlands an-gesehen werden. Was die einzelnen SDGs für die deutschen Regionen und Kommunen bedeuten und was daran für die Umsetzung in Deutschland relevant ist, wurde bislang nicht konkret formuliert. Aber nachhaltige Entwicklung erfordert eine regionale Umsetzung! Nachhaltige Entwicklung kann nur vor Ort von der Theorie zur Praxis werden, daher sind Kommunen und einzelne Gemeinden gefragt, egal ob städtisch, suburban oder ländlich. Vielfältige inhaltliche Verknüpfungen der SDGs haben auch enge räumliche Verknüpfungen von Teilräumen zur Folge. Dies erfordert nicht nur aus inhaltlicher Perspektive eine ganzheitliche Herangehensweise, sondern auch eine räumlich vernetzte und integrierte Betrachtung von städtischen und ländlichen Gebieten in einer Region: Je konkreter die Umsetzung der 17 SDGs angegangen wird, desto deutlicher werden die Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten sowie Zielkonflikte zwischen den einzelnen SDGs. Da jede Region eigene Anforderungen und Ziele sowie Talente und Widerstände mitbringt, sind pauschale Lösungen nicht zielführend. Die Umsetzung der SDGs wird für jede Region oder Kommune sehr individuell sein. Für ein zielführendes Vorgehen braucht es eine Unterstützung bei der Übersetzung und Übertragung der global gültigen SDGs auf die regionale Ebene, eine „Schablone“ für die Herangehensweise und Best-Practice-Beispiele. Daraus ergeben sich aber auch differenziertere Fragestellungen: Was kennzeichnet überhaupt nachhaltige regionale Entwicklung? Wie kann eine nachhaltige regionale Entwicklung durch Stadt-Land-Partnerschaften unterstützt werden? Was kennzeichnet nachhaltige Beziehungen zwischen Stadt und Land? NaTourHuKi Das Verbundvorhaben NaTourHuKi ist über das Thema nachhaltiger Tourismus und Naherholung mit den SDGs verbunden. Prof. Dr. Jörg Dettmar stellt in seinem Impuls die Ergebnisse des Verbundvorhabens vor und geht auf diese Verbindung ein. Im Verbundvorhaben wurde die Regionalparkroute im Main-Kinzig-Tal als Rückgrat für eine Naherholungsplanung genutzt. Dabei traten verschiedene Konfliktfelder zu Tage, da die anliegenden Städte und Gemeinden zwar Naherholung brauchen, aber im Regionalpark wenig Fläche dafür vorhanden ist. Auch die Naturschutzverbände befürchten teilweise nachteilige Auswirkungen auf die Natur durch die Erweiterung der Naherholung, denn stellenweise zeigte sich bereits, dass die wichtigen Auenökosysteme durch unachtsame Tourist:innen und Naherholungssuchende gefährdet werden. Im Projekt NaTourHuKi wurden zwischen den verschiedenen Raumnutzenden Gespräche initiiert und Synergien gefunden. So wurden z. B. Engpässe bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie durch die Aufwertung von Wasserwegen und Naturräumen in Verbindung mit einer Erholungsinfrastruktur und inklusiven Bildungsangeboten im Auenraum verringert. Diese Aktivitäten wurden durch die Etablierung eines Nachhaltigkeitsrates mit Blick auf Tourismus und Naherholung im Main-Kinzig-Kreis verstetigt. Das ist eine Besonderheit, denn die gezielte Steuerung von Erholungsinfrastruktur ist außerhalb von Tourismusgebieten nicht vorhanden und wird nun langfristig durch den Nachhaltigkeitsrat umgesetzt. Gleichzeitig ist das Thema Tourismus und Erholung ein gute Möglichkeit, Nachhaltigkeit in die Fläche zu bringen, da Erholungsinfrastrukturen gern gesehene Prestigeprojekte von Bürgermeister:innen sind, in denen Umwelt- und Naturschutz greif- und erlebbar integriert werden kann. Die SDGs für diese Arbeit auf Regional- bzw. Kommunalebene herunterzubrechen ist möglich, mindestens im Bereich des Tourismus, da es für die Verbindung von SDGs und Tourismus schon viele Vorarbeiten gibt. Um die Erfolge zu messen, wird durch den Nachhaltigkeitsrat im Main-Kinzig-Kreis eine regelmäßige Prüfung verschiedener Indikatoren, die an 10 Themen angepasst sind, durchgeführt. Indikatoren sind für die Darstellung und Vermittlung der SDGs ein wichtiges Mittel. Weiterhin wurde durch die Vertreter:innen des Verbundvorhabens NaTourHuKi betont, dass es einen langen Atem benötigt, eine Idee oder ein Wording zu finden und auch zu verfolgen. Zu oft werden zwar ähnliche Pläne nach einigen Jahren weiterverfolgt, aber durch neue Namensgebungen verändert und damit intransparent für die Bevölkerung. Außerdem zeigte sich im Projekt, dass der suburbane Raum ein sehr wichtiger Raum für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele ist. Die Präsentation von NaTourHuKi finden Sie hier . SUSTIL Jannis Pfendtner-Heise erklärt in seinem Impuls, dass im Verbundvorhaben SUSTIL die SDGs leitend waren. Das Verbundvorhaben umfasste sehr verschiedene Partner, z.B. aus dem Handwerk, die lokale Vertretung des BUND, Landkreise, Forschung u. a. Grundlegend für die Herangehensweise war eine formative Szenarioanalyse. Zwei Szenarien wurden erarbeitet: Im Jahr 2040 sind die Stadt Lüneburg und der Landkreis Lüneburg im Gleichgewicht. Im Jahr 2040 besteht zwischen Stadt und den einzelnen Kommunen des Landkreises Konkurrenz. In Workshops wurde mit Hilfe der Szenarien herausgearbeitet, was kleinräumig jeweils benötigt wird. So wurde für die Stadt Lüneburg eine Potenzialkarte für Geschosshöhen entwickelt, die eine erste Grundlage bieten kann, die Potenziale für Gebäudeaufstockungen zu eruieren, um den starken Zuzug in Lüneburg ohne weiteren Flächenverbrauch im Umland gerecht zu werden. Für die Stadt Bleckede im Landkreis Lüneburg wurde ein Klimaanpassungsplan erarbeitet, da die Stadt schon negative Folgen des Klimawandels gespürt hat und weitere Auswirkungen fürchtet. Die SDGs wurden dabei für die Kleinräume heruntergebrochen, obwohl sie im ländlichen Raum eher als Belastung wahrgenommen werden. Mit dem richtigen Wording kann dies adressiert werden. Beispielsweise wurde deutlich, dass das Wort „Klimaanpassung“ oft eher negativ bewertet wird, die gleichen Maßnahmen mit Titel „Dorfkernerneuerung“ jedoch akzeptiert oder gar befürwortet werden. Die Präsentation von SUSTIL finden Sie hier . Diskussion: Im Verlauf der Diskussion wurde herausgestellt, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ein wichtiger Hebel für die Vermittlung der Nachhaltigkeitsziele ist und Selbstermächtigung durch Weiterbildung ermöglicht. Die Bildungsangebote sollten langfristig angelegt sein und beständig wiederholt werden. Zudem spielen regionale Steuerungsmöglichkeiten unter Beibehaltung der kommunalen Planungshoheit eine wichtige Rolle für eine nachhaltige Regionalentwicklung, denn Siedlungsentwicklung erfolgt auf regionaler Ebene, z. B. im Hinblick auf Wohnungsmärkte, Gewerbeflächenmärkte und Verkehr. Insgesamt zeigte sich in den Impulsen und im weiteren Verlauf der Diskussion, dass im Stadt-Land-Kontext nicht einzelne Ziele im Fokus stehen, sondern alle SDGs relevant sind. Um die SDGs in die praktische Umsetzung zu bringen, sollten diese nicht als etwas Neues und Abstraktes verstanden oder als separate zusätzliche Aufgabe aufgenommen werden, sondern mit bereits laufenden Aktivitäten und Strategien verknüpft bzw. in diese integriert werden. Werden zum Beispiel Kreisentwicklungsstrategien und die SDGs nebeneinandergelegt, wird oftmals sichtbar, dass bereits signifikante Beiträge zu verschiedenen SDGs bzw. deren Unterzielen erbracht werden. Anhand von vorhandenen Strategien, z. B. auch Wasserstrategien oder anderen Teilstrategien, können verschiedene Nachhaltigkeitsziele adressiert und priorisiert sowie Lücken und Handlungsbedarfe identifiziert werden. Über Fragen wie „Was ist schon da?“ und „Was brauchen wir noch?“ können so die Nachhaltigkeitsziele mit den Bedürfnissen, Wünschen und Herausforderungen vor Ort verknüpft und Hürden für die Umsetzung reduziert werden. Abschlussworte des Botschafters Oliver Haubner: Im Anschluss folgte ein Beitrag von Themenbotschafter Oliver Haubner vom Zentrum für Nachhaltige Kommunen der Bertelsmann Stiftung. Herr Haubner fasste die präsentierten Ergebnisse als gute Beispiele für nachhaltige Entwicklung zusammen. Bis heute sei es nicht geschafft worden, die SDGs zum Allgemeingut zu machen, obwohl der Zielhorizont zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsagenda mit dem Jahr 2030 nicht mehr weit entfernt liegt. Die präsentierten Beispiele zeigen jedoch, dass vor Ort bereits in verschiedenen Handlungsfeldern am Erreichen der Ziele gearbeitet wird. Wichtig sei seiner Einschätzung nach vor allem die Messbarkeit und Evidenz, also die Beobachtung des Entwicklungsfortschritts anhand von Indikatoren für die SDGs in Kommunen, an denen diese ihre Maßnahmen und Aktivitäten ausrichten und ggf. nachjustieren können. Außerdem sei es wichtig, Narrative, positive Bilder, Best-Practice-Beispiele und Begriffe zu entwickeln, die sich an den Menschen vor Ort orientieren, wie in beiden Verbundvorhaben geschehen. Auf Basis der Evidenz können Geschichten über die Erreichung der SDGs in den Kommunen erzählt und vermittelt werden und als Vorbilder für andere dienen. Weiterhin ist eine Unterstützung des Transfers wichtig, z. B. mit Veröffentlichungen, wie bspw. die Halbzeitbilanz zur Umsetzung der Agenda 2030 in deutschen Kommunen (Bertelsmann Stiftung und Deutsches Institut für Urbanistik 2023), sowie Informationen und Aufklärung. Diskussion mit Dr. Vera Grimm, Bundesministerium für Bildung und Forschung Katrin Fahrenkrug, Institut Raum & Energie (Moderation) und den Botschafter:innen aus den Themenräumen Bernhard Faller, vhw - Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V. Oliver Haubner, Bertelsmann Stiftung Dr. Christa Standecker, Europäische Metropolregion Nürnberg/stellvertr. Sprecherin Initiativkreis Europäische Metropolregionen sowie Bernd Düsterdiek, Deutscher Städte- und Gemeindebund Heiko Rosenthal, Bürgermeister und Beigeordneter für Umwelt, Klima, Ordnung und Sport, Stadt Leipzig Wir haben sehr viele Ergebnisse und Produkte, wo sich die Frage des Transfers stellt. Wie können sie als Forschungsministerium den Transfer der Ergebnisse weiter fördern? Dr. Grimm: Indem wir uns in den Haushaltsverhandlungen weiter dafür stark machen und für weitere Förderungen plädieren. Es gibt diese großartigen Forschungsergebnisse, aber auch viele rechtliche Hürden. Da müssen wir konkret bleiben. Es war schwer, die Thematik der SDGs auf der Agenda zu halten. Sind SDGs auf der kommunalen Ebene angekommen? Haubner: Es kommt immer drauf an, in welcher Kommune und welcher Verwaltung wir sind und mit welchen Personen wir sprechen. Die Relevanz wird immer unterschiedlich ausgelegt und das fängt bereits bei der Begrifflichkeit an. Wir haben es nicht geschafft, SDGs zu einem Allgemeingut zu machen. Es ist aber nicht so wichtig, ob Kommunen ihre nachhaltige Entwicklung mit SDGs begründen oder mit der Agenda 2030 erarbeiten. Wir haben viele Instrumente und da ist es wichtiger, dass in diesen Nachhaltigkeit eine Rolle spielt, auch wenn sie nicht mit SDGs betitelt sind. 2021 waren Klimaschutz und Nachhaltigkeit bei einer Befragung von Bürgermeister:innen ganz oben, heute sind die Themen auf Platz 4 gesunken. Brauchen SDGs und Nachhaltigkeit deutlich mehr Stellschrauben und Instrumente? Haubner: Die Angst, dass das Thema immer weiter nach hinten rutscht, besteht. Aber wir haben Hilfsmittel: Sprache und Narrative, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Modellprojekte und Beispiele – das Rad muss nicht neu erfunden werden. Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Es bedarf einer Finanzausstattung für Kommunen sowie Freiräume. Rosenthal: Es braucht überzeugte Menschen und das auch in der Hausspitze. Man braucht Geduld, einen langen Atem und eine politische Verordnung. Dr. Standecker: Nicht die SDGs, aber das Thema Nachhaltigkeit ist auf der Projektebene angekommen. SDGs müssen nicht immer in den Vordergrund gestellt werden. Stattdessen gilt, einfach mal machen. Düsterdiek: Durch den Gesetzgeber wurden viele Instrumente geschaffen und es gibt unzählige Akteure und Initiativen. Wir sind im „DOING“ und wir müssen von den guten Beispielen lernen. Es muss geschaut werden, was der Nachbar-Landkreis und die Nachbar-Kommune machen. Die große Herausforderung ist der massive Aufgabenzuwachs der Kommunen bei struktureller Unterfinanzierung und bei schwindendem Personalbestand. Faller: Die Unternehmen stellen sich auf Veränderungen ein, aber sie stehen auch vor den Herausforderungen, die Herr Düsterdiek zuvor ansprach. Und wenn nicht alles möglich ist, muss man priorisieren. Kommunen und Akteure brauchen mehr Handlungsspielräume. Wie kommen wir von der freiwilligen Selbstverpflichtung zu mehr Verbindlichkeit? Faller: Eine sinnvolle Siedlungsentwicklung ist regional – Wohnungsmärkte sind regional, Märkte sind regional, Verkehr ist regional. Die Hauptzuständigkeiten sind aber kommunal. Es braucht Steuerungsmöglichkeiten unter Wahrung der kommunalen Planungshoheit. Der Erkenntnistransfer von der regionalen Ebene auf die kommunale Ebene ist zu schwach im Gegensatz zu den institutionellen Verankerungen und Grenzen. Es braucht mehr Gestaltungsmöglichkeiten auf regionaler Ebene. Wie kommen wir in die Verbindlichkeit? Leipzig ist an dieser Stelle gut aufgestellt. Rosenthal: Es ist gelungen mit den Kolleg:innen aus der Region Leipzig, als gewählte Vertreter:innen ihrer Region, auf Augenhöhe zu kommunizieren. Wenn solch ein Miteinander vereinbart wurde, dann funktioniert eine Stadt-Land-Beziehung. Wir haben Gremien und Zweckverbände geschaffen sowie Zweckvereinbarungen getroffen, die dies verbindlich organisieren. Nun schauen wir gemeinsam in der Region, wo regional und städtisch zusammengearbeitet und in der Fläche umgesetzt werden kann. Eine gegenseitige finanzielle Unterstützung ist dabei auch ein wichtiges Thema. Ist das Thema der Ernährungssicherheit das richtige, um die nötigen Impulse zu setzen für ein besseres Stadt-Land-Verhältnis? Dr. Standecker: Das ist ein klares „JA“. Das Thema regionale Ernährungssicherheit wird immer wichtiger und wirkt identitätsstiftend. Wie ordnen sie die Ergebnisse aus „Stadt-Land-Plus“ in die bundesweite Diskussion ein, gerade in dem Thema Stadt-Land-Beziehungen auf der Ebene der Metropolregionen? Dr. Standecker: Wir haben die Aufgabe „Kümmert euch um die Ernährungs- und Landwirtschaft“. Diesen Auftrag akzentuiert eigentlich nur die Metropolregion Nürnberg im Vergleich zu anderen Metropolregionen. Andere Metropolregionen machen Projekte in diesem Bereich, aber leisten diesen umfassenden Auftrag nicht. Trotzdem kümmern sie sich um ökologischen Landbau und Stoffkreisläufe. Es wird in Zukunft einen strategischen Ansatz geben müssen, denn das Thema Ernährungssicherheit wird uns einholen. Wie sollen die Ergebnisse dieser BMBF-Fördermaßnahme stärker in die breite Öffentlichkeit gelangen und wie sollen sie stärker miteinander vernetzt werden? Haubner: Die Bertelsmann Stiftung baut eine digitale Plattform für nachhaltige Kommunen auf, auf der alle greifbaren Projekte einsortiert werden sollen. Die Projekte von „Stadt-Land-Plus“ könnten auf dieser Plattform eingebettet werden. Rosenthal: Es ist stärker darüber nachzudenken, wie solch Ergebnisse wie die von „Stadt-Land-Plus“ verbindlich Eingang in die Kommunen finden. Dafür ist eine aufmerksame Zivilgesellschaft sehr wichtig. Aber das ersetzt nicht Beschlussfassungen und Verwaltungsstellen, die nötig sind. Es braucht ein Instrument zur stärkeren Verbindlichkeit für Fördermittelempfangende. Dr. Standecker: Es braucht politischer Unterstützung und persönliche Ressourcen sind durch die Kommunen einzubinden. Fragen, Abschlussworte und Worte aus dem Publikum: Aus dem Publikum: Eine kontinuierliche Weiterbildung der Verwaltung und der Fachbereiche ist von hoher Bedeutung. Aus dem Publikum: Es wäre gut, wenn wir in vielen Datenpools (z. B. BMBF, Bertelsmann-Stiftung) unsere Forschungsergebnisse verlinken, so dass Kommunen schnell und frei darauf zugreifen können. Aus dem Publikum: Wir haben herausgefunden, dass öffentliche Räumlichkeiten für den Austausch sehr von Vorteil sind. Es braucht mehr Austausch. Dr. Standecker: Stärkere Transferprogramme sind zu unterstützen. Die Umsetzungsprojekte waren ein erster Pilot, aber es braucht mehr, um Realitäten zu schaffen. Vielleicht sollten auch sektorübergreifend finanzierte größere Pilotprojekte umgesetzt und in einem Reallabor einem Realitätstest unterzogen werden. Haubner: Beim Transfer fängt die Arbeit erst an. Es ist keine hundertprozentige Übertragbarkeit möglich, aber eine Orientierung wäre vorteilhaft. Wir müssen nicht immer wieder von vorne beginnen, sondern sollten bereits gewonnen Erkenntnisse stärker nutzen. Düsterdiek: Sektoral haben wir viele Kompetenzzentren mit Berater:innen. Hier gilt es, diese Themen und Ergebnisse stärker zu hinterlegen. Rosenthal: Man muss die Menschen dort abholen, wo sie stehen. Das wird auch nicht durch Kompetenzzentren gelingen. Vielmehr handelt es sich um eine gemeinschaftliche Aufgabe, die Kommunen selbst zu ermächtigen. Dafür sind die Erkenntnisse aus „Stadt-Land-Plus“ stärker und verständlicher an die Kommunen zu kommunizieren. Faller: Wir brauchen eine stärkere gesellschaftliche Debatte darüber, welche Bedeutung konkret verräumlichte Politiken haben. Vieles wird zu stark sektoral betrachtet. Dr. Standecker: Es gilt, die Stadt-Land-Beziehungen zu erforschen. Dr. Vera Grimm, Bundesministerium für Bildung und Forschung Zum Abschluss unterstreicht Frau Dr. Grimm, dass nicht nur gute Produkte geschaffen, sondern auch neue Kommunikationswege etabliert wurden, womit Stadt-Land-Partnerschaften den Schritt zur Praxisreife überwunden haben. Städte, wie z. B. Leipzig, engagieren sich weiter – selbst in schwierigen Zeiten – mit dem Einsatz neuer Personalstellen. Auch im BMBF unterstützt Frau Dr. Grimm Initiativen für weitere Forschungsbegleitung, um die Policy Agenda von „Stadt-Land-Plus“ umzusetzen und rechtliche Hürden zu überwinden.

Stadt-Land-Plus Statuskonferenz 2023

Statuskonefrenz 2023 (C) Moritz von Schurer Die Statuskonferenz 2023 hat eine besondere Bedeutung für die Vermittlung der Ergebnisse der Arbeit der letzten Jahre in die Fachöffentlichkeit, da die Laufzeit der Vorhaben des ersten Stichtages bereits endet. Die Statuskonferenz wendet sich deshalb an eine breite Fachöffentlichkeit auf Bundes- und Landesebenen sowie aus Regionen und Kommunen und stellt die Präsentation und Würdigung der Ergebnisse der zwölf Verbundvorhaben des ersten Stichtages in den Mittelpunkt. Aber natürlich werden auch die „jüngeren“ Vorhaben vorgestellt und diskutiert und auch der intensiven Vernetzung der Verbundvorhaben untereinander wird wieder ausreichend Raum gegeben. Der Tagungsort in der UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt Bamberg bietet einen hervorragenden Rahmen für diese Veranstaltung. So bereiten wir mit Unterstützung der Geschäftsstelle der Europäischen Metropolregion Nürnberg ein sehr interessantes Exkursionsprogramm in Bamberg und in der Region vor. Am ersten Konferenztag stehen die Ergebnisse der Projekte im Mittelpunkt. Diese werden im Plenum vorgestellt und anschließend in kleineren Themeninseln vertieft. Wir freuen uns außerdem auf einen Vortrag von Prof. Dr. Davy zu dem Thema „Gerechtigkeit in Stadt-Land-Beziehungen“. In der anschließenden Diskussion im Unterhausformat haben alle Teilnehmenden die Möglichkeit, Position zu beziehen. Für das abendliche Get-together werden die Bamberger Bierbrauereien ein besonderes Ambiente bieten. Am zweiten Konferenztag werden die Themeninseln fortgesetzt und die Ergebnisse im Plenum diskutiert. Des Weiteren werden die Ergebnisse der Befragung zu rechtlichen Hürden für nachhaltige Stadt-Land-Beziehungen vorgestellt. Unterschiedliche Exkursionen in und um Bamberg mit einem Fokus auf Stadt-Land-Beziehungen, auf denen die vielfältigen Querverweise zu einzelnen Projekten aus Stadt-Land-Plus vertieft werden, runden den zweiten Tag ab. Der Sender TVO hier ein Video von der Konferenz bereit, das Eindrücke einer der Exkursionen bereit hält. Downloads Dokumentation | Statuskonferenz 2023 - PDF Rahmenprogrammpräsentation | Statuskonferenz 2023 erster Tag - PDF Rahmenprogrammpräsentation | Statuskonferenz 2023 zweiter Tag - PDF Begrüßung Katrin Fahrenkrug eröffnet die Konferenz und begrüßt alle Anwesenden. Sie übergibt das Wort an Dr. Vera Grimm, BMBF. Auch Dr. Vera Grimm begrüßt die Anwesenden zur fünften Stadt-Land-Plus-Statuskonferenz. In einem Rückblick kommt Frau Dr. Grimm auf die Auftaktveranstaltung von Stadt-Land-Plus in Berlin 2018 zurück - nun in 2023 ist die Statuskonferenz bereits die Abschlussveranstaltung für die zwölf Verbundvorhaben des ersten Stichtags. In der Bilanz sei die Fördermaßnahme ein Erfolg und wird gut angenommen. Frau Dr. Vera Grimm würdigt die Arbeit Ihrer Vorgängerin Frau Dr. Birgit Metz, die die Fördermaßnahme aufgestellt hat. In Stadt-Land-Plus gehe es darum, Stadt und Land gemeinsam zu denken. Metropolregionen, wie die Metropolregion Nürnberg, zu der auch Bamberg gehört, seien ein Role-Model für Stadt-Land-Partnerschaften. In Stadt-Land-Plus werden die nötigen Aushandlungsprozesse zwischen Stadt und Land durch transdisziplinäre Forschung unterstützt. Das bedeutet, dass Kommunen und Gemeinden nicht nur Forschungsthema seien, sondern auch wichtigeForschungspartner. Die Entwicklungen seit 2018, wie z.B. Corona, Krieg in Europa oder die Energiekrise, haben immer wieder zu neuen Fragestellungen und Nachjustierungen innerhalb der Verbundvorhaben geführt. Frau Grimm lobt, dass diese Neusortierung in den Verbundvorhaben gut gemeistert wurde. Die Auswirkungen der Ereignisse der letzten Jahre sind in den Kommunen enorm und werden noch lange spürbar sein. Jedoch ist zu erwarten, dass die Herausforderungen für die Kommunen und Gemeinden auch in Zukunft eher noch größer werden. So wird beispielsweise die Erarbeitung und Umsetzung kommunaler Wärmeleitpläne eine große Aufgabe sein, die entsprechende Aushandlungsprozesse erfordern. Frau Dr. Grimm schließt mit einem Verweis auf rechtliche Hürden für die Umsetzung neuer nachhaltiger Lösungen. Das BMBF sei als Forschungsministerium zwar nicht in der Position, Gesetze zu beeinflussen, sie regt aber an, die Statuskonferenz als Chance zu nutzen, die in den Verbundvorhaben identifizierten rechtlichen Hürden insbesondere den Teilnehmer:innen aus den anderen Ressorts nahezubringen, um etwaige Änderungen anzustoßen. Wie befördert Stadt-Land-Plus nachhaltige Stadt Land Beziehungen? Nadine Pannicke-Prochnow, Umweltbundesamt stellt als Leiterin des Querschnittsvorhabens mit Blick auf die zahlreichen Gäste, die nicht einem der Verbundvorhaben zuzuordnen sind, die Fördermaßnahme Stadt-Land-Plus vor. Die aktuellen Themen, wie Landnutzungswende, Bauwende, Energiewende und Mobilitätswende bieten Chancen und Herausforderungen zugleich. Die Chancen liegen in einer nachhaltigeren Zukunft, die Herausforderungen dafür sind jedoch die Landnutzungsänderungen und die Flächen(neu)inanspruchnahme, die mit den Maßnahmen einhergehen können. Fruchtbare landwirtschaftliche Böden und nutzbare Flächen stehen nur begrenzt zur Verfügung. Gleichzeitig zieht eine hohe Flächeninanspruchnahme negative Folgen für die Umwelt und den Menschen nach sich, z.B. durch den Verlust von Ökosystemleistungen. Die Fördermaßnahme Stadt-Land-Plus ermöglicht die gemeinsame Entwicklung innovativer Lösungen für den Interessenausgleich im Hinblick auf nachhaltige interkommunale Wohnungsmärkte, regionale Kreislaufwirtschaft und Wertschöpfung. Die Maßnahme ist in 5 Themenclustern unterteilt: Regionale Gerechtigkeit - Interessen zwischen Stadt und Land ausgleichen Regionale Integrierte Siedlungsentwicklung – Effiziente Flächennutzung stärken Dynamische Wohnungsmarktregionen – Strategisches Flächenmanagement entwickeln Regionale Stoffkreisläufe – durch Recycling Wertschöpfung erhöhen Regionale Produkte – nachhaltige Landnutzung etablieren Die Fördermaßnahme umfasst 22 Verbundvorhaben in zwei Stichtagen (2018 und 2020), deren Förderung jeweils eine dreijährige Forschungsphase und eine zweijährige Umsetzungsphase umfasst. Die Anschlussfähigkeit der Verbundvorhaben an die kommunale Praxis ist eine Besonderheit der Fördermaßnahme. Die Erkenntnisse aus Stadt-Land-Plus fließen am Umweltbundesamt unter anderem in Eigenforschungsprojekte, z.B. „UMLANDSTADT umweltschonend“, ein. Nachhaltige Stadt-Land-Beziehungen sind am UBA ein wichtiges Thema, das als Querschnittsthema in der Forschungsagenda „Urbaner Umweltschutz“ integriert ist. Dadurch wird sichergestellt, dass die Ergebnisse aus Stadt-Land-Plus auch im Umweltressort und anderen Ressorts, z.B. dem Bauressort, aufgenommen werden. Die Präsentationsfolien zum Vortrag finden Sie hier . Das Unterhausformat ist eine Diskussionsmethode, bei der zugespitzte Fragen in den Raum gestellt werden, zu dem sich die Teilnehmenden klar einer von zwei konträren Positionen zuordnen müssen und in deutlichen Statements verteidigen. Das Format ist dem englischen Unterhaus entlehnt. Die Positionierungen dürfen durch Zurufe oder Beifall unmittelbar kommentiert werden. Die hier dargestellten Meinungen dienen in ihrer Ausgestaltung ausschließlich der Verdeutlichung der polarisierenden Positionen im Diskussionsformat. Sie sind nicht als wahre Stellungnahme der Teilnehmenden zu den Diskussionsthemen zu verstehen, sondern sollen die Möglichkeit zur Reflektion des durchaus kontroversen Themas „Gerechtigkeit in der Raumordnung“ bieten. Durch das konfrontative Format können innerhalb kurzer Zeit in einem schnellen Schlagabtausch viele Argumente und Aspekte zusammengetragen werden, die in anderen Formaten zumeist nicht zur Sprache kommen würden. Ziel ist es dabei, neue Denkanstöße und Sichtweisen auf das „Für und Wider“ einer gerechten räumlichen Ordnung zu geben. Die eine Partei wird durch Dr. Michael Melzer, Institut Raum & Energie und die andere Partei durch Dr. Uwe Ferber, StadtLand GmbH, angeführt. Katrin Fahrenkrug, Institut Raum & Energie übernimmt den Vorsitz des Unterhauses. Muss räumliche Ordnung gerecht sein? Position Partei Ferber: Ja! Gerechtigkeit ist zentrale Aufgabe des Staates! Das gilt insbesondere für die räumliche Ordnung. Diesen Grundsatz anzuzweifeln unterwirft die Raumentwicklung marktliberalen Kräften und damit dem Risiko einer ungerechten Entwicklung. Über die letzten Jahrzehnte wurde erfolgreich ein System der räumlichen Ordnung aufgebaut. Dieses hat nicht nur den verfassungsmäßigen Auftrag eine gerechte Raumentwicklung zu gewährleisten, sondern hat dies schon vielfach unter Beweis gestellt. Die Raumordnung bildet somit einen wichtigen Stützpfeiler für gleichwertige Lebensbedingungen in einer Zeit des zunehmenden „Laisse faire“. Auch partnerschaftliche Kooperationen zwischen verschiedenen Städten und Landkreisen, wie sie beispielsweise in den Stadt-Land-Plus-Verbudnvorhaben NaTourHuKi, ReGerecht und Interko2 entwickelt wurden, erfordern eine starke und auf Gerechtigkeit achtende Raumordnung. Die Herausforderungen auf dem Weg zu gerechter Raumentwicklung und gleichwertigen Lebensverhältnissen kann kein Grund dafür sein, das Streben nach Gerechtigkeit aufzugeben und eine ungerechte Entwicklung zu akzeptieren. Vielmehr wird die Unerreichbarkeit von Gerechtigkeit oftmals als Vorwand von den Interessengruppen genutzt, die Raumentwicklung der Beliebigkeit überlassen und damit einen Grundsatz unserer Verfassung unterhöhlen wollen. Das dient in der Regel nur einzelnen Interessengruppen und fördert Ungerechtigkeit. Über welche Gerechtigkeit streiten wir? Der Verzicht auf eine gerechte räumliche Ordnung verwehrt den Bewohner:innen ländlicher Räume Entwicklungschancen. Eine beliebige Raumentwicklung verstärkt bestehende Ungleichheiten und Ungerechtigkeit: Strukturstarke Räume werden noch stärker, strukturschwache noch schwächer. Ein Beispiel sind die überproportional hohen Investitionen im wohlhabenden Münchener Raum, während dringend benötigte Investitionen in benachteiligten Regionen Bayerns ausbleiben. Position Partei Melzer: Nein! Räumliche Ordnung kann nicht gerecht sein! Gerechtigkeit und gleichwertige Lebensverhältnisse sind oberste Maxime für einen Rechtsstaat, können aber nicht über die räumliche Ordnung allein sichergestellt werden. Räumliche Ordnung hat es bisher nicht geschafft, Gerechtigkeit und gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen und wird es auch in Zukunft nicht schaffen. In einer ungerechten Gesellschaft kann es keine gerechte Raumordnung geben. Vielmehr braucht es die Gesamtheit aller staatlichen Leistungen. Ausgleichsleistungen sind wichtiges und notwendiges Instrument. Statt „Einheitsbrei“ in allen Lebensräumen Deutschlands zu erzeugen, sollte sichergestellt werden, dass alle Raumfunktionen im Gesamtkontext bestmöglich erfüllt werden. Dies führt zwingend bei bestimmten Funktionen zu Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten, z.B. unterschiedliche Gewerbesteuern oder unterschiedlichem Wachstum von Kommunen. Allein um im internationalen Standortwettbewerb mithalten zu können, haben unterschiedliche Räume unterschiedliche Bedürfnisse, die in der räumlichen Ordnung zu berücksichtigen sind. Nicht räumliche Ordnung muss gerecht sein, sondern das für die Menschen verfügbare Angebot. Sollen schwerpunktmäßig strukturpolitische Maßnahmen verfolgt werden oder ist ein monetärer (Finanz-) Ausgleich unverzichtbar und wirksamer? Position Partei Ferber: Nur auf staatlicher Ebene sind die erforderlichen Informationen und Instrumente vorhanden, um die notwendigen Anpassungsprozesse steuern zu können. Diese wichtigen strategischen Weichenstellungen sollten nicht den Kommunen überlassen werden. „Kommunale Wolkenschlösser“ über Sonderprogramme zu finanzieren kann nicht im Interesse einer gerechten, nachhaltigen Raumentwicklung unter der Prämisse eines effizienten Mitteleinsatz sein. Allein die Beschäftigung zahlreicher Rechnungsprüfungsämter mit den zu erwartenden beihilferechtlichen Verstößen kann nicht zielführend sein. Eine zentral gelenkte Strukturpolitik berücksichtigt vielfach Aspekte, die von den Kommunen teilweise (noch) ignoriert werden, beispielsweise die demographische Entwicklung oder der Schutz von Natur oder landwirtschaftlichen Flächen. Das oftmals immer noch vom „Kirchturmdenken“ geleitete Handeln der Kommunen birgt das Risiko weiterer irreversibler Landnutzungsänderungen und Flächeninanspruchnahmen, die sich später als ineffizient und unnötig herausstellen werden. Damit wären nicht nur wichtige Ökosystemleistungen, sondern auch die Funktionalität des Raumes in Gefahr. Strukturpolitik bleibt eine zentrale Aufgabe des Staats und darf kein Fass ohne Boden werden! Position Partei Melzer: Strukturpolitische Maßnahmen sind meist Aktionismus und wenig nachhaltig. In planwirtschaftlicher Art und Weise wird dabei Geld in Massen rausgeworfen und doch nicht die gewünschten Ergebnisse erzielt. Ein Beispiel dafür sind ausgebaute und beleuchtete Gewerbegebiete, in denen nichts passiert. Ein monetärer Ausgleich ist unverzichtbar. Monetäre Anreize haben schon immer besser funktioniert. Viel effektiver und effizienter wäre es, die Kommunen vor Ort monetär in die Lage zu versetzen, bottom-up ihre Entwicklung selbst zu bestimmen. Die Menschen vor Ort wissen selbst am besten, was sie benötigen. Den Kommunen wird zu oft unterstellt, dass sie das Geld nicht gut einsetzen und abrechnen können. Jedoch wird viel Geld auf Landesebene abgeschöpft und viele Fehler, die uns teuer zu stehen kommen, entstehen auf Bundesebene. Stattdessen sollte vielmehr den Kommunen ein stärkeres Vertrauen entgegengebracht werden. Bei einer Führung durch die Stadt Bamberg wird den Teilnehmenden die kulturhistorische Bedeutung Bambergs nahegebracht. Bamberg hat den Status einer UNESCO-Weltkulturerbestadt inne und ist Teil der Metropolregion Nürnberg. Die Metropolregion ist mit 23 Landkreisen und 11 kreisfreien Städten, viele davon in der Größenordnung von Bamberg mit 30.000 bis 70.000 Einwohnern, polyzentral aufgestellt und weist ein spannendes Verhältnis von städtischen und ländlichen Räumen auf. Mit ca. 540.000 Einwohnern ist Nürnberg die größte Stadt in der Metropolregion. Die Führung endet in den Haassälen in der Bamberger Altstadt, wo der Abend mit einem Vortrag und einer lokalen musikalischen Darbietung ausklingt, die das Lebensgefühl in der Metropolregion in drei Liedern vorstellt Exkursion 1: Regionalprodukte als hybrider Wanderweg? Das ReProLa-Umsetzungsprojekt „Begehbare Wertschöpfungskette“ illustriert die verschiedenen Wertschöpfungsstufen der Fränkischen Süßkirsche in der Gemeinde Pretzfeld in der Fränkischen Schweiz. Der hybride Wanderweg vermittelt ReProLa-Projekterkenntnisse über die ökonomische Dimension regionaler Produkte. Bei der Exkursion werden einzelne Stationen des hybriden, App-basierten Lehrformats angelaufen und mit einem Besuch bei einem lokalen Produzenten abgerundet. Exkursion 2: Gemüse in der Großstadt Im Städtedreieck Nürnberg-Fürth-Erlangen liegt eines der größten zusammenhängenden Gemüseanbaugebiete in Deutschland: das Knoblauchsland. 91 landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften die rund 1.900 ha Anbaufläche. Bei der Exkursion besuchen wir einen Erzeugerbetrieb und eine Vermarktungsgenossenschaft. Wir erfahren, wie moderne Bio-Gemüsekulturen und Kräuteranbau im Freiland- und Gewächshausanbau und deren Vermarktung funktionieren. Thematisiert werden auch die Energie- und Wasserversorgung. Exkursion 3: Malerische Gärtnerstadt Bamberg Der Status Bambergs als UNESCO Weltkulturerbe ist auch mit der Gärtnerstadt und dem Gärtnerwesen verknüpft. Bei dieser Themenführung wird der Blick auf ein Stück weniger bekanntes Bamberg gelegt und Gepräge, Tradition und Brauchtum der Gärtnerstadt nahegebracht. Neben einer Führung im Gärtnermuseum werden bei einem ausgedehnten Spaziergang durch die Gärtnerstadt deren Straßenzüge mit ursprünglicher Bebauung, weiten, freien Räumen und noch aktiven Gartenbaubetrieben unter die Lupe genommen. Eine städtebauliche Besonderheit.

Stadt-Land-Plus Statuskonferenz 2022

Ein Blick von Oben auf die Statuskonferenz 2022 (C) Unrau Fotographie Die Statuskonferenz 2022 in der BMBF-Fördermaßnahme „Stadt-Land-Plus“ findet nach zwei Jahren im Online-Format wieder in Präsenz satt. So können sich die Beteiligten aus den Verbundvorhaben der 1. und 2. Förderrunde persönlich austauschen und der Wissenstransfer zwischen den Projekten wird gefördert. Ein „Markt der Projekte“ lädt ein, die (Zwischen-) Ergebnisse aus den Verbundvorhaben näher kennenzulernen. Schwerpunktthema war die Umsetzung und Verstetigung von Projektergebnissen. In einem interaktiven Format sollen die besten Strategien für den Verstetigungsprozess herausgearbeitet und Unterstützungsbedarfe aufgezeigt werden. Am zweiten Konferenztag wurden unterschiedliche Exkursionen in und um Leipzig mit einem Fokus auf Stadt-Land-Beziehungen angeboten, auf denen die vielfältigen Querverweise zu einzelnen Projekten aus „Stadt-Land-Plus“ vertieft werden. Das Verbundvorhaben WertVoll stellt hier ein Video von der Konferenz bereit, das Eindrücke von der Konferenz und einer der Exkursionen bereit hält. Downloads Dokumentation | Statuskonferenz 2022 - PDF Rahmenprogrammpräsentation | Statuskonferenz 2022 - PDF Anna-Luise Conrad , Bürgermeisterin der Stadt Naunhof Heike Strobel , Regionalverband Nordschwarzwald Hildegard Zeck , Abteilungsleiterin a.D. für Landesplanung im Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Kora Kristof , Umweltbundesamt Holger Tschense , Geschäftsführer T&T Business Consulting GmbH & Co. KG und früherer Bürgermeister von Leipzig für Umwelt, Ordnung und Wohnen Katrin Fahrenkrug fragt zum Einstieg Frau Bürgermeisterin Conrad , ob und wie sie und ihre Kolleg:innen in den Kommunen neben ihren Pflichtaufgaben die Auseinandersetzung mit den Forschungsergebnissen bewältigen können. Anna-Luise Conrad antwortet dazu, dass es in der Tat schwierig ist. Die komplexen Forschungsinhalte und die wissenschaftliche Sprache für die Kommunalpolitik zu übersetzen. Aber wer A sagt, also sich an dem Vorhaben beteiligt habe, müsse jetzt auch B sagen. Und die unterschiedlichen Kommunikationswege seien durchaus befruchtend und man lerne laufend voneinander. Katrin Fahrenkrug richtet sich dann an Heike Strobel vom Regionalverband Nordschwarzwald, wo der Verbandsvorsitzende und Projektleiter ausgeschieden ist und fragt, wie man solche Brüche überwinden und dennoch Verstetigung sichern kann. Frau Strobel erklärt das so: Damit Projekte nicht von Personen abhängig sind, die aus den unterschiedlichsten Gründen das Projekt verlassen können, solle an vorhandene organisatorische Strukturen angeknüpft werden. Projekte müssen in die tägliche Arbeit der jeweiligen Institution integrierbar sein und auch politisch interessant. Wichtig dafür sei es, vor oder zu Projektbeginn eine gute Stakeholder Analyse zu machen und überlegen, wo angedockt werden kann. Zur Fragestellung wie die Einbindung der Landesplanung in Forschungsprojekte aussieht (oder auch aussehen sollte) wendet sich Katrin Fahrenkrug an Hildegard Zeck , die als langjährige Abteilungsleiterin für Landesplanung sowohl über eine fundierte Expertise zum Thema Stadt-Land verfügt als auch über vielfältige Erfahrungen mit Förderprogrammen und Forschungsprojekten. Frau Zeck leitet ihre Antwort mit dem Hinweis ein, dass die Förderlandschaft aufgrund der verschiedenen Mittelgebenden auf allen Ebenen sehr bunt und vielfältig sei. Dabei fehle es oft an der nötigen Abstimmung und Transparenz. So konterkarieren der Bund, also die Bundesressorts, teilweise die Landesförderrichtlinien. Dies sollte unbedingt durch eine gezielte Abstimmung mit den Ländern oder mindestens Informationen für die Länder vermindert und verhindert werden – auch um Ressourcen zu sparen und um dichter an den kommunalen Belangen zu handeln. Wichtig sei auch, keine Widersprüche zu landesplanerischen Aussagen zu erzeugen. Denn auf diese müssten sich Kommunen verlassen können. Änderungen seinen immer möglich, müssten aber sorgfältig abgestimmt werden. Als nächstes lenkt Katrin Fahrenkrug die Diskussion auf Planungsprozesse und Projektlaufzeiten, die nur selten aufeinander abgestimmt sind und fragt dazu Kora Kristof vom Umweltbundesamt, wie hier eine Taktung geschaffen werden kann, die zumindest eine möglichst frühzeitige Berücksichtigung von Forschungsergebnissen in Planungsprozesse möglich macht. Frau Kristof erklärt dazu, dass für die Verstetigung von Forschungsprojekten und deren Ergebnissen Transdisziplinarität ein Schlüssel sei. Dabei solle in der Planung von Projekten vom Schluss rückwärts gedacht werden, also immer die Zielsetzung im Zentrum stehen. Trotzdem sollten Projektplanungen immer flexibel gestaltet werden – Adaptionen an neue Situationen können immer notwendig werden. Wichtig sei auch, die Rahmenbedingungen anzuschauen; es solle nicht nur über nachhaltige Lösungen nachgedacht werden, sondern auch über bestehende nicht-nachhaltige Lösungen und dazu geforscht werden. Als weiterer Aspekt wird diskutiert, ob Forschungsinhalte und Förderlogiken für die Wirtschaft vermittelbar sind. viele Unternehmen haben Schwierigkeiten mit den Logiken und der Ausgestaltung von Förderprogrammen, da diese nicht einfach in das Alltagsgeschäft integrierbar sind. Holger Tschense, der mit einer doppelten Brille als Wirtschaftsvertreter und als früherer Bürgermeister argumentiert, sieht die Einbindung der Wirtschaft als sehr wichtig an, wenn man über Verstetigung spricht. Viele Unternehmen haben aber Schwierigkeiten mit den Logiken und der Ausgestaltung von Förderprogrammen. So gibt es in den meisten Förderrichtlinien eine 50% Begrenzung für Mittel, die Unternehmen fordern dürfen. Dies sei schwierig, so Holger Tschense, wenn Innovationen, die mit Risiken verbunden seien, entstehen sollten. Unternehmen und andere Investoren nähmen an Projekten teil, wenn sie einen wirtschaftlichen Mehrwert durch das Projekt erwarteten. Auch sollte die Umsetzungsbegleitung durch Unternehmen von vorne herein mitgedacht werden, damit nicht umsetzbare Lösungen durch die Wirtschaft direkt ausgeschlossen werden können. Im Folgenden wird die Frage diskutiert, wie Verstetigung in den Kommunen vorangebracht werden kann. Wichtige Aspekte, die hierzu genannt werden, betreffen die Förderung von interkommunaler Zusammenarbeit kleiner Kommunen, das frühzeitige Einbeziehen der kommunalpolitischen Ebene in Projekte und die Fördermittelplanung sowie die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den Ebenen. Des Weiteren wird nachdrücklich eine bessere Vernetzung der Bundesressorts gewünscht und Transferstrategien sollten in die Projektplanung einbezogen werden. Dies umfasst das dauerhafte Zugänglichmachen von Daten und Ergebnissen. Dafür sollten dauerhaft offen verfügbare Dateninfrastrukturen, wie Websites, geschaffen und gepflegt werden. Wie die von Kora Kristoff bereits erwähnte Forschung zur Unnachhaltigkeit sollten auch Mittelgeber genau schauen und mitdenken, was man nicht mehr fördert, weil es nicht nachhaltig oder sogar kontraproduktiv ist. Final diskutieren die Podiumsteilnehmenden Möglichkeiten der Kommunikation zwischen Beteiligten. So wird darauf hingewiesen, dass auch Unternehmen Nachhaltigkeit für die eigene Region schaffen wollen. Grenzgänger:innen, die Wissenschaft und Wirtschaft gleichermaßen kennen und ansprechen können, sollen in die Kommunikation eingebunden werden. Vereine und Verbände seien Sprachrohr und Feedbackschleife für Projekte. Sie müssten sich Raum schaffen in Projekten, um sich einzubringen, soweit dies ihre Möglichkeiten erlauben. Als Chance wird gesehen, Gruppen zusammen zu bringen, die vorher nicht miteinander gesprochen oder zusammengearbeitet haben. Gerade auch Konfliktgruppen an einen Tisch zu bringen, könne durchaus neue Ideen generieren und Synergien schaffen. Am Ende der Podiumsdiskussion weist Katrin Fahrenkrug noch darauf hin, dass sich eine für alle Interessierten offene Diskussionsinsel mit der Frage der Bedeutung planerischer Vorgaben befassen wird. Eine Einordnung des Themas erfolgt durch eine Videobotschaft von Dr. Wolfgang Köck, Helmholtz Zentrum für Umweltforschung und durch eine Präsentation von Dr. Christian Sponagel, Fachgebiet für Landwirtschaftliche Betriebslehre der Universität Hohenheim . Die Videobotschaft können Sie hier ansehen. Hier finden Sie die Präsentationsfolien . Für das Matching vorab Zettel ausgeteilt, auf denen jede:r Teilnehmende die drängendste rechtliche Hürde notiert, die in einem SLP Workshop diskutiert werden soll. Die Hürde wird durch die Teilnehmenden den Themenbereichen a) Regionale Produkte, b). Nachhaltige Siedlungsentwicklung, c) Stadt-Land Kreislaufwirtschaft oder c) Flächenmanagement zugeordnet. Im Anschluss an die thematische Einordnung werden alle Teilnehmenden gebeten, sich willkürlich in Dreiergruppen zusammenzufinden und sich zu den jeweils notierten rechtlichen Hürden auszutauschen. Innerhalb der Dreiergruppe werden die Hürden mit vorrangig, wünschenswert, zu spezifisch oder nachrangig bewertet. Im nächsten Schritt werden willkürlich neue Dreiergruppen gebildet und es erfolgte ein neuer Vorstellungs- und Bewertungsdurchlauf. Der gleiche Schritt erfolgt ein drittes Mal. Zum Schluss werden die Zettel für eine Auswertung durch das Querschnittsvorhaben eingesammelt. Die Hürden, die dreimal mit der höchsten Relevanz bewertet werden, werden in einem Workshop zum Thema Rechtsfragen im Jahr 2023 weiter diskutiert. Eine Übersicht der zentralen Botschaften aus dem Matching ist nachfolgend aufgeführt. Botschaften Verbindliche Flächensparziele: Die Zielsetzung ist seit langem eine Forderung der Wissenschaft und es gibt mehrere Optionen (z.B. Flächenzertifikate). Es geht jetzt um eine politische Entscheidung. Enteignungserleichterung bei längeren Leerständen: Auch dies wird schon länger gefordert, um Bodenspekulation zu begegnen und Innenentwicklung zu erleichtern. Für die kommunale Handlungsfähigkeit ist dies fast unabdingbar. Vorgaben zur Bebauungsdichte in der Regionalplanung: Bebauungsdichte ist eine zentrale Stellschraube für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung und sie ist nur regional (oder auch landesweit) realisierbar. Rechtliche Sicherung landwirtschaftlicher Flächen: Die Neuflächeninanspruchnahme betrifft regelmäßig landwirtschaftliche Flächen – ohne Berücksichtigung ihrer landwirtschaftlichen Qualität und Bedeutung für die Nahversorgung. Dies ist kontraproduktiv für eine nachhaltige Entwicklung. Definition des Abfallbegriffs hinsichtlich Recyclings: Es geht darum, wiederverwertbare Reststoffe begrifflich und rechtlich von „Abfall“ abzugrenzen. Einheitliche Regelung Ökopunktekonto: Dies ist ein typisches Beispiel, wie unterschiedliche Regelungen interkommunale und regionale Ansätze erschweren. „Regionalität“ im Vergaberecht als Kriterium möglich machen: Für Resilienz und regionale Wirtschaftskreisläufe ist dies elementar. Allerdings stehen auch EU-Regelungen dagegen. Klimaschutz als kommunale Pflichtaufgabe: Viele Kommunen können ihre Ressourcen nur noch für Pflichtaufgaben einsetzen. Deshalb muss Klimaschutz Pflichtaufgabe werden. Vorgaben zur sozialökologischen Transformation im ROG oder BauGB: Dies ist eine ähnliche Situation. Ohne Vorgaben halten sich Kommunen eher zurück. Umsetzung des Green Deals im Bodenrecht: Gemeint ist vor allem Bodenrecht und die Regelungen zum Schadstoff-eintrag in den Boden und die Gewässer. Exkursion: „Grün-Blaue Infrastruktur“ Mit dem Schiff „Weltfrieden“ begeben wir uns auf eine Zeitreise entlang der dynamischen Entwicklung Leipzigs nach 1989. Von Schrumpfung und Leerstand über die Trendumkehr in der Bevölkerungsentwicklung mit Zuzug hin zu einer nachhaltigen und integrierten Stadtentwicklung. Die Perspektive vom Wasser schärft dabei den Blick für wassersensible Stadtentwicklung sowie die Stadt-Land-Kooperationen in Bezug auf blau-grünen Infrastruktur. „Regionale Siedlungsflächen“ & „Bergbaufolgelandschaften“ (zusammengelegt) Wie kann ein geordnetes Wachstum von Wohnstandorten in der Region durch ein zwischen Kernstädten und Umlandkommunen abgestimmtes Wohnbauflächenkonzept realisiert werden? Diese Frage wollen wir während der Exkursion beleuchten, indem wir verschiedene Neubaugebiete in Leipzig besichtigen und besonders gelungene sowie problematische Herangehensweisen und Ergebnisse aufzeigen. Im Südraum Leipzigs ist in den letzten 30 Jahren durch massive Transformationsprozesse aus Tagebaugebieten ein neuer Siedlungs- und Landschaftsraum entstanden, der neben Wohn- und Gewerbegebieten, Seen und Grünräumen auch vielerlei Freizeitaktivitäten, wie Festivals, einen Bootshafen oder den Freizeitpark Belantis aufweist. Die Exkursion wird an dem Landschaftsraum aufzeigen, wie durch ein ressourcenschonendes Landmanagement über administrative Grenzen hinweg Kulturlandschaftsgestaltung und Wohnflächenentwicklung sinnvoll miteinander verzahnt werden können. Exkursion: „Regionale Nahrungsmittelkreisläufe“ Diese Exkursion führt über Zwischenstationen der regionalen Vermarktung von Nahrungsmitteln zum Wassergut Canitz im Nordosten Leipzigs. Als Tochterunternehmen der Wasserwerke Leipzig ist das vornehmliche Ziel der Schutz der Trinkwasserressourcen im Einzugsgebiet. Daher wird dort seit 1994 auf insgesamt 750 Hektar Fläche Ökolandbau betrieben. Umweltschonung und Bodenfruchtbarkeit stehen hierbei im Mittelpunkt. Online-Reihe Im Nachgang der Statuskonferenz folgt eine vierteilige Online-Reihe, bei der thematisch vertieft Ergebnisse aus den Verbundvorhaben vorgestellt und diskutiert werden. Die Dokumentation und Präsentationen der jeweiligen Veranstaltungen finden Sie hier: 08. November 2022: Stadtregional steuern! Mit stadtregionalen Entwicklungsprozessen Interessensausgleiche erzielen 15. November 2022: Flächen managen! Durch strategisches Flächenmanagement die Nutzungseffizienz der Flächen erhöhen 22. November 2022: Regional produzieren – nachhaltige Landnutzung etablieren 29. November 2022: Kreisläufe schaffen! Durch regionale Kreislaufwirtschaft die lokale Wertschöpfung steiger

Stadt-Land-Beziehungen: Oekologische Verflechtungen und oekologische Ausgleichsmechanismen

In der regionalwirtschaftlichen Literatur zu Stadt-Land-Verflechtungen wird neben der regionalen Arbeitsteilung vor allem auf die unterschiedliche Bereitstellung von Infrastruktur und oeffentlichen Leistungen abgestellt. Mit zunehmender Bedeutung von Umweltaspekten sind aber auch die ueberregionale bedeutsamen Umweltbelastungen und Umweltleistungen in die regionalwirtschaftliche Analyse einzubeziehen. Im Rahmen des Vorhabens sollen solche externen Effekte untersucht und am Beispiel der Stadt Frankfurt a.M. und ihrem laendlichen Umland quantifiziert werden. Die Untersuchungen sollen die Basis fuer die weitergehende Analyse adaequater politischer und oekonomischer Ausgleichsmassnahmen bilden. Dabei werden insbesondere Instrumente wie Verhandlungsloesungen, Oeko-Steuer, oekologischer Finanzausgleich oder kommunale Abgabenstrategien beruecksichtigt und mit klassischen ordnungsrechtlichen Instrumenten der Regional- und Umweltpolitik verglichen.

Sonderforschungsbereich (SFB) 990: Ökologische und sozioökonomische Funktionen tropischer Tieflandregenwald-Transformationssysteme (Sumatra, Indonesien), Teilprojekt C02: Soziokulturelle und institutionelle Transformationsprozesse im ländlichen Jambi

Das Projekt verfolgt zwei Hauptziele der Kulturlandschaftsforschung: i) Erklärung der räumlichen und zeitlichen soziokulturellen Heterogenitäten durch Untersuchung der sozio-ökonomischen Stadt-Land-Beziehungen und soziokultureller Strömungen, und ii) Erklärung der regional verschiedenen Ressourcenpolitiken und -planungen durch Analyse der Governance-Ansätze auf unterschiedlichen räumlichen und administrativen Skalen. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass die gesetzliche Regelungsvielfalt Zugangs- und Eigentumsverhältnisse und das sozial-ökologische System erheblich beeinflusst. Die Arbeiten werden anhand von Fallstudien unter Anwendung qualitativer Methoden durchgeführt.

Stadt-Land-Plus Statuskonferenz 2020

Key-Visual Stadt-Land-Plus - ©iStock.com/Hallgerd Vernetzung und Transfer für die Forschung zu nachhaltigen Stadt-Land-Beziehungen - Über 200 registrierte Teilnehmer*innen Unter dem Motto „ Stadt-Land-Plus: Gemeinsam mehr erreichen für starke Regionen “ soll die Verknüpfung von Stadt und Land in bundesweit verschiedenen Verbundvorhaben mit Akteuren aus Wissenschaft und Praxis neu befruchtet und nachhaltig optimiert werden. Mit der dritten Statuskonferenz zur Fördermaßnahme im Rahmen der BMBF „Leitinitiative Zukunftsstadt“ wurden insbesondere mit Blick auf die "neuen" Verbundvorhaben , die mit dem zweiten Stichtag in 2020 gestartet sind, Impulse für die Vernetzung der Akteure gegeben sowie für die Vorhaben des ersten Stichtags der erreichte Fortschritt diskutiert. Mithin stand vor allem in Themenräumen zu den thematischen Clustern die Identifikation von Synergieeffekten sowie Ansätzen für Erfahrungsaustausch und Zusammenarbeit und möglicher gemeinsamer Vertiefungsthemen im Fokus. Das Programm der Statuskonferenz finden Sie hier . Moderation: Lutke Blecken, Institut Raum & Energie Leitfragen: Wie lässt sich die Befriedigung der Wohnraumbedarfe mit einer flächensparenden Siedlungsentwicklung vereinbaren? Welche Ansätze/Instrumente können helfen, dabei mit Unsicherheiten in der Entwicklung umzugehen? Wie kann man Interessenkonflikte zwischen den kommunalen Partnern ausgleichen? Welche Bedeutung haben Konflikte zwischen Landwirtschaft und Siedlungsentwicklung? Wie werden räumliche Auswirkungen von Strukturveränderungen erfasst und für eine zukunftsfähige Freiraum-, Dorf- und Stadtentwicklung reflektiert? Welche Besonderheiten müssen Governancestrukturen berücksichtigen und welche Akteure müssen eingebunden werden? Projekte und Inputgebende: DAZWISCHEN - Zukunftsorientierter Strukturwandel im Rheinischen Revier Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Prof. Dr. Stefan Greiving , Technische Universität Dortmund Das Verbundvorhaben „DAZWISCHEN“ setzt sich mit den Herausforderungen und Chancen der raumgreifenden Strukturveränderungen im Rheinischen Revier aufgrund des Kohleausstiegs aus-einander. Strukturveränderungen sollen benannt, ihre teilräumlichen Ausprägungen projiziert und dabei Unsicherheiten über Szenariokorridore Rechnung getragen werden. Ein Rauminformations-system als Evidenzgrundlage und Monitoringtool werden bereitgestellt und Handlungsstrategien für ein nachhaltiges Landmanagement kooperativ abgeleitet. In einem multihierarchischen Gover-nance- und Analyseansatz werden drei Ebenen – Stadt Düren, Kreis Euskirchen und Region Rhei-nisches Revier – integriert. Herr Prof. Dr. Greiving merkt an, dass durch eine Kooperation mit dem schulischen Netzwerk „Jugend gestaltet den Strukturwandel“ mehrere Schulen in der Region mit großem Engagement beteiligt werden sollen und dadurch die Einbeziehung einer jungen Zielgruppe ermöglicht wird. Interko2 – Integriertes Wohnflächenkonzept in großstädtischen Wachstumsräumen unter Beachtung des weiterentwickelten Kooperationsraumansatzes Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Dr. Annedore Bergfeld , Leibniz-Institut für Länderkunde Das Projekt „Interko2“ erarbeitet mit einem breiten Beteiligungsansatz in der Region um Leipzig und Halle ein kooperatives integriertes Wohnbauflächen-Entwicklungskonzept. Der Mangel von preisgünstiger Wohnfläche in den Großstädten und der Siedlungsdruck im Umland spielen dabei eine Rolle. Der bisherige Beteiligungsprozess (Befragungen und Szenarien-Workshops gemeinsam mit dem Vorhaben „StadtLandNavi“) verdeutliche, dass sich viele Bürgermeister*innen einer in-tensiveren Innenentwicklung zwar bewusst seien und Folgekosten der Siedlungsentwicklung ent-scheidungsbestimmend wirken, die Notwendigkeit einer Reduzierung der Flächeninanspruchnahme jedoch eher als nachrangig bewertet werde, so Frau Dr. Bergfeld. Langfristig wäre es daher not-wendig, für einen nachhaltigen Umgang der Ressource Fläche zu sensibilisieren.Derzeit führt „Interko2“ eine Unternehmensbefragung zu Themen der Wirtschaftsentwicklung und des Strukturwandels sowie eine Befragung zur Wohnbauflächenentwicklung in der Region durch. Erste Ergebnisse des Landkreises Leipzig zeigen auf, dass das Wohnbauflächenpotenzial der Standorte mit guter Daseinsvorsorgeausstattung und Verkehrsanbindung nicht annähernd ausge-schöpft wird. „Interko2“ generiert zudem Trendaussagen zur Bevölkerungsentwicklung als Grund-lage für detaillierte Wohnbedarfsprognosen und zur Bewertung der verfügbaren Flächen unter raumordnerischen und umweltplanerischen Aspekten, um Präferenzorte ableiten zu können. NACHWUCHS - Nachhaltiges Agri-Urbanes zusammenWachsen Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Prof. Dr. Theo Kötter , Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Das Verbundvorhaben „NACHWUCHS“ in der Projektregion Köln/Rhein-Erft-Kreis strebt ein nach-haltiges agri-urbanes Zusammenwachsen an. Das dynamische Wachstum und der Strukturwandel im Rheinischen Revier führen zu zunehmenden Flächenbedarfen, -konkurrenzen und -konflikten vor allem in Bezug auf wertvolle landwirtschaftliche Flächen. „NACHWUCHS“ analysiert und beur-teilt Siedlungspotenzialflächen durch erarbeitete Szenarien, ein agri-urbanes Raumbild und ein auf den Sustainable Development Goals basiertes Indikatorenset mit 20 Indikatoren. Die Grundlagen-daten werden auf einer gemeinsamen GIS-Plattform gesammelt und den Anwender*innen zur Verfügung gestellt. Der Raumbild-Prozess wird in Workshops durch Raumkategorien, einem Raumbildspiel und einem gegründeten Raumbildforum gemeinsam erarbeitet. Herr Prof. Dr. Kötter betont die hohe Relevanz von Kooperation und Kommunikation für eine erfolgreiche Etablierung des Projekts und die Bedeutung von gemeinsamen Planungsstandards. Zentral sei auch das Auf-zeigen von Best Practice Beispielen. „NACHWUCHS“ schreibt daher einen studentischen Wettbe-werb aus, der sich mit dem Thema Bauen im ländlichen Raum und neuen Wohnformen an ausge-wählten Standorten innerhalb der Projektregion auseinandersetzt und so die Innovationsfähigkeit der Studierenden für neue Impulse nutzen möchte. NEILA - Nachhaltige Entwicklung durch interkommunales Landmanagement Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Prof. Dr. Thorsten Wiechmann , Technische Universität Dortmund „NEILA“ etabliert ein nachhaltiges und interkommunales, nicht nur fiskalisches Lasten-Nutzen-Ausgleichssystem in Form eines virtuellen Ausgleichpools in der Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler (rak-Region). Die vor 25 Jahren gegründete rak-Region weist eine hohe Dynamik im Hinblick auf Siedlungsentwicklung und kommunalpolitische Zusammenarbeit auf. „NEILA“ wird von einer Len-kungsgruppe, einem Fachbeirat und verschiedenen Dialogformaten begleitet. Neben dem Kriteri-enkatalog zur Bewertung von potenziellen Entwicklungsflächen sei das Raumentwicklungsmonito-ring, das regionale Daten georeferenziert aufbereitet (GIS) und zur Entscheidungsunterstützung Verwendung finden wird, ein wichtiger Meilenstein, so Prof. Dr. Wiechmann. Aktuell wird mithilfe messbarer Indikatoren zur Flächenbewertung in einem kommunalen Abstimmungsprozess ausge-handelt, welche Flächen wann und für welchen Zweck zur Verfügung stehen. Die Ergebnisse wer-den in das Siedlungsentwicklungskonzept einfließen. Im weiteren Verlauf wird an der Entwicklung von Ausgleichsmechanismen zur Verteilung von Nutzen und Lasten gearbeitet. Herr Prof. Dr. Wiechmann merkt an, dass der zentrale Konflikt der Region keineswegs ein Stadt-Land-Konflikt sei, sondern vielmehr einer zwischen Flächendruck und Wohnraummangel sowie den Widerstän-den der Öffentlichkeit gegen eine hohe Bebauungsdichte. StadtLandNavi - Kulturlandschaft mit strategischer Navigation ressourcenschonend managen Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Dr. Thomas Zimmermann , HafenCity Universität Hamburg „StadtLandNavi“ entwickelt ein Stadt-Land-Managementtool für ein nachhaltiges ressourcenscho-nendes Landmanagement. In einem gesamträumlichen Konzept werden die Wohnbauflächenent-wicklung und die Kulturlandschaftsgestaltung betrachtet. Eine Besonderheit ist der Ansatz, dass ganz bewusst von einer „unsicheren“ Zukunft mit variablen Entwicklungsrichtungen ausgegangen wird. „StadtLandNavi“ entwickelt dafür vier Szenarien. Diese basieren auf Raumstrukturbildern, die sowohl die Flächenentwicklung (Wachstum vs. Schrumpfung) als auch die angestrebte Land-nutzung (dispers vs. flächensparend) berücksichtigen. In Workshops werden die Raumstrukturbil-der mit Vertreter*innen der Städte und Gemeinden diskutiert und ein gemeinsamer Austausch gefördert. Schlussfolgernd betont Herr Dr. Zimmermann, dass ein kooperatives Landmanagement nur mithilfe eines andauernden, dynamischen Prozesses erreicht werden könne und gewachsene Kooperationen eine größere Rolle spielten als die Zuordnungen zu administrativen Einheiten oder analysierte raumstrukturelle Verflechtungen. Im weiteren Verlauf wird angestrebt, Fragestellun-gen des Landmanagements in teilräumliche Kooperationen zu integrieren und Handlungsmöglich-keiten aufzuzeigen. Moderation: Dr. Stephan Bartke , Umweltbundesamt Leitfragen: Welche Praxispartner*innen sind bei der Etablierung eines regionalen Stoffkreislaufes zu beteiligen? Mit welchen Ansätzen können Regionen ihre Möglichkeit abschätzen sich selbst zu versorgen? Wie kann die Bevölkerung bei der Entwicklung von Recycling-Lösungen beteiligt werden? Wie sichert und misst man Auswirkungen auf eine nachhaltige Landnutzung? Projekte und Inputgebende: CoAct - Integriertes Stadt-Land-Konzept zur Erzeugung von Aktivkohle und Energieträgern aus Restbiomassen Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Dr. Korbinian Kaetzl , Universität Kassel „CoAct“ nutzt Restbiomasse aus dem Bodenseekreis zur Herstellung von Aktivkohle, die u.a. zur Abwasserreinigung in Kläranlagen eingesetzt werden kann. Projektziel sind übertragbare integrierte Verwertungskonzepte zur Herstellung von Aktivkohle und regenerativer Energieträger. Die potenziell verfügbare Biomasse aus der Landschaftspflege in der Region wird auf ungefähr 8.500 Tonnen pro Jahr geschätzt. Untersuchungen aus „CoAct“ bestätigen die gute Filterfunktion von Aktivkohle aus verarbeiteter Restbiomasse. Diese ist vergleichbar mit der konventionellen Aktivkohle. Für die Untersuchungen wurde Wasser mit einer Menge von 40 mg Schmerzmittel kontaminiert. Aktivkohle kann bis zu 90% des Stoffs filtern, wobei bestimmte Restbiomassen im Test fast ebenso gut abschneiden, bspw. Streuwiesenmaterial. Mithilfe der Lagerungsfähigkeit von Restbiomassen kann ein ganzjähriger Einsatz des Materials gewährleistet werden. Die technische Umsetzung funktioniert regionsunspezifisch. Voraussetzung für eine gute Übertragung in andere Regionen ist eine gute Kooperation zwischen Stadt und Land. Für eine Reduzierung der Zielkonflikte, z. B. zwischen den Belangen der Biodiversität und der Energieerzeugung, erstellt „CoAct“ eine Entscheidungsmatrix. Bei der Ökobilanzierung werden die jeweiligen Transportmittel und Streckenanteile berücksichtigt. INTEGRAL - Integriertes Konzept für mineralische Abfälle und Landmanagement zur nachhaltigen Entwicklung von Stadt-Land-Nutzungsbeziehungen Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Dr. Axel Zentner, Technische Universität Dresden „INTEGRAL“ untersucht die Potenziale der Wiederverwertung von Baumaterialien aus dem Abriss im Landkreis Meißen. Ziel ist der Wiedereinsatz und im Idealfall die Deckung von Bedarfen an Baumaterialien im städtischen Umland von Dresden. Eine Herausforderung zu Beginn des Vorhabens ist die Identifizierung von Akteuren in der Region. „INTEGRAL“ verfolgt die Konzeption einer Bewertungsmatrix für die Wiederverwertung von Baumaterialen. Wichtiges Merkmal der Bewertung sind die Transportwege. Das Vorhaben greift zudem Aspekte der Akzeptanz zur Nutzung von wiederverwerteten Baumaterialien auf. „INTEGRAL“ versucht die Akzeptanz in der Region für den Wiedereinsatz von Baumaterialen zu steigern und Bedingungen für Märkte zum Handeln zu bestimmen. Auf die Publikumsfrage, welche Rolle die Stadtverwaltung bei der Beschaffung von Materialien einnehme, wird den öffentlichen Ausschreibungen als Handlungsinstrument eine wichtige Rolle zugeschrieben. reGIOcycle - Vermeidung, Substitution und nachhaltige Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen im Stadt-Land-Kontext am Beispiel der Region Augsburg Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Laura Jantz-Klinkner, Trägerverein Umwelttechnologie-Cluster Bayern e.V. und Maic Verbücheln , Deutsche Institut für Urbanistik „reGIOcycle“ hat zum Ziel, das Management regionaler Wertschöpfungsketten und Stoffströme in der Region Augsburg zu verbessern. Das Individualverhalten beim Umgang mit Abfällen soll ressourceneffizient angepasst werden. Das Vorhaben wird von verschiedenen Leitthemen strukturiert. Hierzu gehört die Etablierung von Mehrweglösungen im Sinne von „Low Waste City“- und Stadt-Land-Konzepten. Die Untersuchung der Agrarpotenziale als Basis zur Herstellung von nachhaltigem Plastik in der Region ist ein weiteres Leitthema. Unter dem Begriff „Stadtmarkt“ wird die Konzeptentwicklung eines Citizen Innovation Lab verfolgt. Als Beispiel eines regionalen Kreislaufes zur Optimierung wird der Bioabfall herangezogen. Eine Analyse hat ergeben, dass 1 bis 2% der Bioabfälle in Augsburg aus „Störmaterial“ bestehen. Hierunter sind Kunststoffe und andere Materialen zu verstehen, die nicht zersetzt werden können. „reGIOcycle“ identifiziert Großwohnanlagen als Brennglas dieses Problems. Deswegen fokussiert das Vorhaben praxisnah auf die Bewusstseinsbildung in diesen Bestandsgebieten. Auch Störstoffdetektoren sollen eingesetzt werden. Bei der Quartiersplanung in Neubaugebieten soll eine frühzeitige Abfallerfassung zu Verbesserungen führen. Auf die Publikumsfrage, ob der technologische Detektoren-Einsatz eine Auswirkung auf das Verhalten der Bewohner*innen habe, wird auf entsprechende Studien verwiesen, denen zufolge eine positive Verhaltensänderung deutlich wird – bei „reGIOcycle“ sei dies aber noch Teil der laufenden Forschung. WieBauin - Wiederverwendung Baumaterialien innovativ Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Prof. Dr. Hans-Joachim Linke, Technische Universität Darmstadt „WieBauin“ entwickelt neue Herangehensweisen und Instrumente, um das Stoffstromsystem von Baumaterialien und Bauteilen zwischen Stadt und Land zum beiderseitigen ökologischen und ökonomischen Vorteil zu gestalten. Als besondere Herausforderung gestaltet sich die Schaffung eines Marktes für wiederverwertbare Materialien in der Region. „WieBauin“ vernetzt hierfür relevante Akteure und setzt auf eine breite Öffentlichkeitsarbeit mit Bauherren, Eigentümerschaft und Architekten sowie dem Handwerk. Die Wiederverwendung von Baustoffen soll Bürger*innen als eindeutige Handlungsoption vermittelt werden. Hierfür entwickelt das Vorhaben eine Aktivierungs- und Unterstützungsstrategie. Für die Initiierung der Prozesse ist die kontinuierliche Bereitstellung von Informationen wichtig. Es wird vorgeschlagen, ein Beratungsangebot bei der städtischen Behörde anzusiedeln. Überdies hinaus sind Weiterbildungsmöglichkeiten für die Aufklärung und Sensibilisierung relevant. Moderation: Katrin Fahrenkrug , Institut Raum & Energie Leitfragen: Wodurch zeichnet sich ein gerechter Interessenausgleich aus?/ Ab wann betrachtet man einen Interessenausgleich als fair? Wie können ökonomische Steuerungsmaßnahmen zur Erreichung des Ziels einer effizienten Beschränkung der Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen beitragen? Welchen Blockaden und Potenzialen für regionale Transformationsprozesse sollte besonderes Augenmerk gelten? Wie kann ein abgestimmtes sektorales Konzept zu einem allgemeinen Interessenausgleich beitragen? Projekte und Inputgebende: NaTourHuKi - Nachhaltiges Tourismuskonzept für Hanau und den westlichen Teil des Main-Kinzig-Kreises im Kontext des Regionalparks RheinMain Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Dr. Inga Bolik , Technische Universität Darmstadt Im Regionalpark RheinMain (Kinzigtal) setzt das Verbundvorhaben „NaTourHuKi“ den Fokus auf regionale Erholungs- und Tourismusangebote und deren Infrastrukturen. Frau Dr. Bolik erläutert, dass ein nachhaltiger regionaler Tourismus Katalysator für einen allgemeinen Interessenausgleich zwischen Stadt und ländlichem Raum sein kann und Lösungsansätze für Flächennutzungskonflikte bietet. Besondere Konflikte bestehen in dem Projektgebiet aufgrund der vorhandenen Schutzgebiete, des attraktiven Siedlungs- und Kulturraumes, Verkehrsinfrastrukturen, der Siedlungsentwicklung insbesondere im Zusammenhang mit Flächen für Logistik und der steigende Bedarf an regionalen Tourismus- und Erholungsangeboten. „NaTourHuKi“ zielt darauf ab, auf Basis der Auswertungen gemeinsam mit Stakeholdern eine nachhaltige Tourismusstrategie samt Kooperationsstruktur mit den beteiligten Akteuren zu entwickeln. Dafür werden aktuell die beteiligten Kommunen in Workshops und durch Interviews eingebunden. ReGerecht - Integrative Entwicklung eines gerechten Interessensausgleichs zwischen Stadt, städtischem Umland und ländlichem Raum Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Prof. Dr. Thomas Weith , Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. Das Verbundprojekt „ReGerecht“ erarbeitet und implementiert integrative und systemorientierte Lösungen für einen gerechten Interessensausgleich zwischen Stadt, städtischem Umland und ländlichem Raum für landbasierte Nutzungsansprüche vorrangig im Stadt-Land-Raum Schwerin. Inhaltlich liegt der Fokus der transdisziplinären Arbeit auf der Steuerung der Wohnbaulandentwicklung, Stadt-Land-Verflechtungen, Landnutzungskonflikte und Lösungsstrategien, Energiewende, Ökosystemleistungen, Digitalisierung und Bodenbevorratung. Diese Themen werden im Kontext von (regionaler) Gerechtigkeit beleuchtet. Herr Prof. Dr. Weith weist auf die Notwendigkeit der Ausdifferenzierung von Gleichwertigkeit und Gerechtigkeit hin, denn der Gerechtigkeitsdiskurs lasse sich nicht allein auf Gleichwertigkeit reduzieren. In der Literatur werden drei Gerechtigkeitsdimensionen diskutiert: Institutionelle, distributive und Tauschgerechtigkeit sowie Kombinationsformen in jeweils räumlicher und zeitlicher Differenzierung. Wichtig sei dabei, dass es um individuelle Eigenschafts- und Ermöglichungszuordnungen sowie gesellschaftliche Zielorientierung geht, als Bewertungsgrundlage für Handeln sowie Anwendung auf konflikthafte Situationen. „ReGerecht“ analysiert dafür u.a. die regionalen Akteure und Konflikte, Stadt-Umland-Beziehungen (Verständnis des Stadt-Land-Nexus), bestehende regionale Konzepte und entwickelt Modelle und Konzepte des gerechten Ausgleichs. Das wissenschaftliche Interesse an dem Thema Gerechtigkeit in „ReGerecht“ gilt es nun in den einzelnen Themenfeldern in den praktischen Austausch zu bringen. SUSTIL - Szenarien zur Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele in Stadt und Landkreis Lüneburg: Implikationen für die Steuerung von Landnutzung Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Prof. Dr. Jacob Hörisch , Leuphana Universität Lüneburg und Frederike von der Lancken , Landkreis Lüneburg Das Verbundprojekt „SUSTIL“ untersucht, welche Szenarien und Interessenskonflikte sich bezüglich der Landnutzung in Stadt und Landkreis Lüneburg aus der Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele auf lokaler Ebene ergeben und welchen Beitrag Steuerungsinstrumente zur Landnutzung leisten können. In der Projektregion Lüneburg bestehen bezüglich der Inanspruchnahme von Land Wechselwirkungen und Interessenskonflikte zwischen unterschiedlichen Anspruchsgruppen. Frau von der Lancken betont aus Sicht der Praxispartner*innen, dass der transdisziplinäre Ansatz als Chance für eine nachhaltige Landnutzung in heterogenen Projektregionen gesehen wird. Herr Prof. Dr. Hörisch berichtet von einer durchgeführten bevölkerungsrepräsentativen Befragung zu Ansprüchen an die Ressource Land und deren Steuerung. Einen hohen Stellenwert der Flächennutzung habe in der Bevölkerung „Wohnraum“ und „Umweltschutz“ eingenommen, im Gegensatz zu „Wirtschaft“. Der Bevölkerung scheinen vor allem folgende Kriterien der Steuerung notwendig: „Durchführbarkeit“, „Verlässlichkeit“ und „Langfristigkeit“. Herr Prof. Dr. Hörisch merkt an, dass der Bevölkerung der Aspekt „Gerechtigkeit“ weniger wichtig erscheint. VorAB - Vorsorgend handeln – Avantgardistische Brückenansätze für nachhaltige Regionalentwicklung Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Dr. Christine Katz , diversu und Prof. Dr. Uta von Winterfeld , Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie Im Stadt-Land-Bereich Lübeck untersucht das Verbundvorhaben „VorAB“ strukturelle Hindernisse einer interkommunalen Zusammenarbeit und erforscht Potenziale avantgardistischer Ansätze für nachhaltige Regionalentwicklung in den Transformationsfeldern Wald-, Energie- und Landwirtschaft. Dabei werden im Kontext von Stadt-Land-Beziehungen Gerechtigkeits-, Demokratie- und Bewertungsprobleme identifiziert. Frau Prof. Dr. von Winterfeld unterscheidet zwischen (Un-)Gerechtigkeiten im Großen (globaler Zwang?) und im Kleinen (regionale Spielräume?). Daher legt „VorAB“ ein besonderes Augenmerk auf deren Verhältnis. Herr Sturm erläutert den Ansatz von „VorAB“ in Bezug auf das Transformationsfeld Wald am Beispiel des Waldkonzepts Lübeck mit einer naturnahen Waldwirtschaft. Moderation: Dr. Uwe Ferber, StadtLand GmbH Leitfragen: Wie können innovative Ausgleichsmaßnahmen sowohl die Qualifizierung der Freiraumnutzung als auch eine abgestimmte Siedlungsentwicklung erreichen? Welchen Beitrag kann die Bewertung von Ökosystemleistungen für eine effiziente Flächennutzung leisten und wie kann sie dauerhaft verankert werden? Wie können Governancestrukturen mit Ansätzen des kooperativen betrieblichen Umwelt- und Transportmanagements kombiniert werden? Mit welcher Idee können die verantwortlichen Akteure für den Dreiklang Flächenmanagement, Nachhaltigkeit und interkommunale Kooperation sensibilisiert werden? Projekte und Inputgebende: KoOpRegioN - Kommunale Kooperationsoptionen für die nachhaltige Flächennutzung in der Region Nordschwarzwald Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Martina Leucht , EIFER - Europäisches Institut für Energieforschung „KoOpRegioN“ sensibilisiert die verantwortlichen Akteure für den Dreiklang aus Flächenmanagement, Nachhaltigkeit und interkommunaler Kooperation in der Region Nordschwarzwald. Das Vorhaben muss sich hierbei mit dem historisch schwierigen Verhältnis zwischen Stadt und Umland und der schwierigen Finanzsituation der Stadt Pforzheim auseinandersetzen. Das Umland sieht sich als „Speckgürtel“, interkommunale Ansätze sind in der Vergangenheit in Bezug auf interkommunale Gewerbegebiete und das Gewerbeflächenmanagement der Stadt Pforzheim nicht nachhaltig gewesen. Mit „KoOpRegioN“ übernimmt der Regionalverband Nordschwarzwald (RV NSW) als ein wichtiger Praxispartner die Initiative. Es wird ein „offener“ Projekt-Ansatz verfolgt: Der Forschungsgegenstand eines „Integrativen Nachhaltigen Gewerbeflächenmanagements (INGFM)“ im Sinne einer gemeinsamen Governance-Strategie zur Auswahl und Nutzung möglicher interkommunaler Gewerbeflächen wird im Projektverlauf immer weiter konkretisiert. Dabei werden integrative Nachhaltigkeitskonzepte, wie IKONE der Helmholtzgemeinschaft und ergänzend Ansätze um ISO, DGNB, DifU und die Bertelsmann Stiftung sowie Konzepte bzw. Standardisierungsprozesse im Bereich nachhaltiges Flächenmanagement angewendet. Die Instrumente, Maßnahmen und Entscheidungshilfewerkzeuge für eine Strategie, auch als Input für unterstützende „Policy-Packages“, werden transdisziplinär in einem Co-Creation Prozess („Experimentier-Raum“) gemeinsam identifiziert, diskutiert und im Rahmen einer „Community of Practice“ (CoP) evaluiert. Logist.Plus - Ressourcenschutz durch Logistik Plus Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Prof. Dr. Kim Philip Schumacher , Universität Osnabrück „Logist.Plus“ verfolgt das Ziel, eine langfristig tragfähige regionale Entwicklung unter Einbeziehung der Interessen der Logistikbranche, der Kommunen sowie der Ziele einer nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung und des Bodenschutzes zu ermöglichen. So soll der Flächenbedarf der Logistikbranche mit Nachhaltigkeitszielen in Einklang gebracht werden. Dabei werden übergreifende Governancestrukturen mit Ansätzen des kooperativen betrieblichen Umwelt- und Transportmanagements verknüpft. Kooperatives betriebliches Umwelt- und Transportmanagement soll durch Digitalisierung vorangetrieben werden. „Logist.Plus“ zielt auf die flächeneffiziente Gestaltung von Logistikprozessen durch Synergien in der gemeinsamen Flächennutzung durch verschiedene Unternehmen. Hierdurch soll darüber hinaus eine ökologische Optimierung der Standortwahl und –gestaltung, die Schonung von Böden hoher Qualität, die Verminderung der Flächenversiegelung und Reduzierung von Energiebedarf und Emissionen durch Etablierung energetischer Nachbarschaften sowie die Senkung lokaler und globaler Klimaemissionen durch Transportsynergien erreicht werden. Folgende Ergebnisse werden erarbeitet: Instrumente zum Abbau von Landnutzungskonflikten und zur Stärkung der Kooperation zwischen Akteuren in Stadt, Stadtumland und ländlichen Räumen, Konzeption von nachhaltigen Geschäftsmodellen als Grundlage für eine Kooperation im Arbeitsfeld Logistik zwischen Kommunen und Unternehmen, Entwicklung von Szenarien für regionale Flächennutzungsstrukturen und Ableitung von Handlungsempfehlungen. Prosper-Ro - Prospektive synergistische Planung von Entwicklungsoptionen in Regiopolen Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Dr. Dr. Dietmar Mehl und Dr. Tim G. Hoffmann , biota-Institut für ökologische Forschung und Planung GmbH „Prosper-Ro“ setzt auf Ökosystemleistungen als zentrale Säule der übergreifenden Bewertung von Landschaftsveränderungen. Eine Bewertung mit dem Konzept der Ökosystemleistungen kann den Widerspruch zwischen ökonomischer Bewertung der handelbaren Nutzungsaspekte und der normativen Regelung zur Sicherung nicht handelbarer Funktionen für das Gemeinwohl auflösen. Dies kann auf Ebene der Bauleitplanung (und der damit gekoppelten Landschaftsplanung) gelingen. „Prosper-Ro“ entwickelt ein GIS-Entscheidungsunterstützungssystem (GISEUS), welches Lösungen für die sektorenübergreifende, integrale Entwicklung von großen Städten und ihrem Umland im Hinblick auf den nachhaltigen Umgang mit der Ressource „Land“ (i. w. S.) anbietet, bei einer sektorenübergreifenden Nutzung einen einheitlichen Bewertungsmaßstab der Ressource Land ermöglicht, Abhängigkeiten/trade-offs (allumfassende Maximierung von Nutzen und Leistungen nicht möglich; immer auch gegenläufige Entwicklungen) sichtbar macht, räumliche und zeitliche Dimensionen, auch für die Analyse und ökonomische Bewertung von Daten (systemhafte Denkweise, raumübergreifend – z. B. nach Gewässereinzugsgebieten) einbezieht, Szenariobetrachtungen in Abhängigkeit geplanter Flächennutzungen und dabei möglichst in allen Raum- bzw. Systemebenen entsprechende Auswertungen als Grundlage von Planungsprozessen ermöglicht und für eine areal- und funktionsbezogene Planung Wechselwirkung von Flächennutzung und resultierenden Prozessen/ Flüssen (spätere Anwendung durch Praktiker*innen) unterstützt. RAMONA - Stadtregionale Ausgleichsstrategien als Motor einer nachhaltigen Landnutzung Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Prof. Dr. Frank Lohrberg , Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen „RAMONA“ setzt an der Schnittstelle Freiraumnutzung/Ausgleichsmaßnahmen und Siedlungsentwicklung an. Durch kommunale Vorsorge, interkommunale Kooperation und regionale Leitplanken sollen Kompensationsmaßnahmen effektiv zur Qualifizierung des regionalen Freiraums, insbesondere zum Aufbau von Biotopverbund oder Grüner Infrastruktur, beitragen. Kompensationsmaßnahmen sollten gezielt regional abgestimmte Freiraumstrukturen unterstützen und somit indirekt einen Beitrag zur Steuerung der Siedlungsentwicklung leisten. Erste Zwischenergebnisse zeigen, dass das gestaffelte Grundprinzip der Eingriffsregelung, daher Vermeidung, Verminderung, Ausgleich, Ersatz, ein möglichst eingriffsnahes Vorgehen erfordert und damit einen flexiblen Einsatz von Kompensationsmaßnahmen zugunsten einer generellen Qualifizierung von Freiräumen und im Hinblick auf die Stadtentwicklung einschränkt. Ein Transfer von Kompensationsmaßnahmen in andere Örtlichkeiten, insbesondere andere Kommunen, wird abgelehnt. Gleichwohl hat „RAMONA“ Potenziale erkannt, die es erlauben, Kompensationsmaßnahmen mit Mehrwert für die räumliche Qualifizierung auszugestalten. Bis zu 40% des Ausgleichsvolumens könnten flexibler im Raum zugunsten anderweitiger Qualifizierungsmaßnahmen, wie der Biotopvernetzung, eingesetzt werden. Dies gilt auch für Kompensationsmaßnahmen aus der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung sowie für Maßnahmen des besonderen Artenschutzes. „RAMONA“ hat darauf aufbauend zwei Prinzipien für eine Kompensation mit Mehrwert identifiziert: Die Kommune – nicht die Region – ist die geeignete Handlungsebene für eine gelungene Kompensation. Die Kommunen müssen dazu aber eine vorsorgende Kompensationspraxis entwickeln, statt nachsorgend zu agieren. Insbesondere für die planexterne Kompensation bedarf es kommunenübergreifender Kooperationen und regionaler Leitplanken. Moderation: Dr. Stephan Bartke , Umweltbundesamt Leitfragen: Wie können die für regionale Produkte erforderlichen Flächen und deren nachhaltige Nutzung gesichert werden? Inwieweit können bestehende Kooperationsstrukturen genutzt werden oder müssen neue spezifische Strukturen aufgebaut werden? Mit welchen Ansätzen lässt sich Marktorientierung und nachhaltige Landnutzung vereinbaren? Wie wirken sich Bildungsangebote auf das Engagement der regionalen Akteure aus? Wie können Flächeneigentümer*innen und Landwirte zur Mitwirkung gewonnen werden? Projekte und Inputgebende: KOPOS - Neue Kooperations- und Poolingmodelle für nachhaltige Landnutzung und Nahrungsversorgung im Stadt-Land-Verbund Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Sebastian Rogga , Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. „KOPOS“ untersucht die Rolle von Kooperations- und Poolingmodellen (KPM) für die Regionalisierung der Lebensmittelproduktion und Unterstützung der Regionalentwicklung. In vielen dynamischen Wachstumsregionen trifft die steigende Nachfrage nach regionalen Nahrungsmitteln auf einen hohen ökonomischen Druck. Bei teils schwach ausgeprägten regionalen Strukturen ist oft ein Höfesterben die Folge. Der KPM-Ansatz von „KOPOS“ bezeichnet ein planvolles Zusammenwirken verschiedener Akteure im regionalen Ernährungssystem sowie eine zweckvolle Bündelung von Ressourcen. Zwei Handlungsfelder werden besonders hervorgehoben: Flächenzugang/-sicherung in der Region Berlin-Brandenburg sowie kurze Wertschöpfungsketten in der Region Freiburg i.B. verknüpft mit Nachhaltigkeitsbewertungen. Neben der Erfassung bestehender KPM-Ansätze in den Modellregionen werden neue Ansätze unter Berücksichtigung der regionalen Anforderungen konzipiert und, wo möglich, implementiert. Mit dem Wissen zum Höfesterben wird aus dem Publikum die Frage gestellt, ob Genossenschaften im Breisgau eine Alternative darböten. Kleine Höfe zeigen Interesse an Genossenschaften aber auch am breiten Spektrum anderer Organisationsformen der Resilienz. OLGA - Optimierung der Landnutzung an Gewässern und auf Agrarflächen zur nachhaltigen Entwicklung der Region Dresden auf Basis hydrologischer, forstwissenschaftlicher, umweltpsychologischer und ökonomischer Forschung- und Umsetzungsarbeiten Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Anke Hahn , Landeshauptstadt Dresden „OLGA“ verfolgt das Ziel nachhaltige Stadt-Land-Kooperationen in der Region Dresden zu etablieren. Der Forschungsansatz basiert auf vier Dimensionen: Die regionale Integration und Verstetigung, Partizipation durch Citizen Science, Ökosystemleistungen von Agrarholzstrukturen an Fließgewässern und auf Agrarflächen sowie Naturschutz und regionale Wertschöpfung. Über Kooperationen mit Akteuren aus der Landwirtschaft werden Versuchsflächen im Projekt gewonnen. Außerdem werden Kooperationen mit Landkreisen, Kommunen und anderen Flächeneigentümern, wie Energieunternehmen, angestoßen. Weitere relevante Akteure, bspw. aus den LEADER Regionalmanagements, werden identifiziert. Für die Aktivierung und Sensibilisierung werden verschiedene Ansätze herangezogen. So wird der Anbau von Agrarholz als ein alternatives Regionalprodukt mit Synergien sowohl für die ökologische Behandlung von gewässernahen Flächen (ÖSL-Ansatz) als auch als Energiequelle kommuniziert und beworben. Der Citizen Science Ansatz von „OLGA“ unterstützt die Sensibilisierung in der Bevölkerung für regionale Produkte. Aus dem Publikum wird nachgefragt, mit welchen partizipativen Methoden die Akteure eingebunden und Kooperationen aufgebaut werden – und mit welchem Erfolg dies geschehe. „OLGA“ kann hier auf Strukturen der Projektpartner, insb. der Stadt Dresden, zurückgreifen – jedoch steht das Vorhaben noch am Anfang. ReProLa - Regionalproduktspezifisches Landmanagement in Stadt-LandPartnerschaften am Beispiel der Metropolregion Nürnberg Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Prof. Dr. Tobias Chilla , Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg „ReProLa“ verbindet für eine regionale Ernährungssouveränität und ein nachhaltiges Landmanagement die drei Dimensionen Regionalprodukte, Ressource Land und Stadt-Land-Partnerschaften/Governance. Als Gesamtziel wird auch der Erhalt der Kulturlandschaft und landwirtschaftlicher Flächen in der Metropolregion Nürnberg kommuniziert. Die Bestandsaufnahme ergab in den Jahren 2004 bis 2018 einen Verlust landwirtschaftlicher Flächen in Höhe von 70.410 ha. Ein Viertel davon (ca. 17.800 ha) wurde in Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewandelt. Als weiteres Zwischenergebnis wird das sogenannte Wertschöpfungs-Mapping vorgestellt. Es stellt die wichtigsten Regionalprodukte schematisch dar und bewertet sie differenziert nach ökonomischer, flächen-/landschafts- und regionaler Relevanz. Bier ist das einzige Produkt mit hoher Relevanz in jeder dieser drei Kategorien. Einige Regionalprodukte beanspruchen mehr Fläche (Bier und mit einem geringeren Umfang Karpfen, Süßkirsche, Kartoffelkloß) als andere (Spargel, Nürnberger Bratwurst, Meerrettich). Das Mapping informiert auch über ökonomische Trends der Regionalprodukte. Der Absatz von Bier und Spargel steigt, wohingegen der Absatz der Süßkirsche abnimmt. Neben dem Mapping war die Entwicklung eines Leitbilds eine zentrale Aufgabe in „ReProLa“. Zur Untersetzung werden verschiedene Umsetzungsprojekte geprüft. So wird eine Short-List der Regionalprodukte nach „ReProLa“-Bewertungskriterien erstellt, die, mithilfe einer wissenschaftlichen Analyse (inkl. Akteursbefragung), zu den Potenzialen in der Region (Wertschöpfung und Flächenrelevanz) bestimmt wird. Diese Short-List wurde von den Teilnehmenden der „ReProLa“ Jahreskonferenz (6.11.2020) diskutiert und derzeit wird die finale Auswahl der Umsetzungsprojekte festgelegt. Aus dem Publikum wird die Frage nach der Definition von Ernährungssouveränität gestellt. Ein hoher Anteil landwirtschaftlicher nicht versiegelter Fläche eröffnet der Bevölkerung in der Metropolregion die Möglichkeit, sich auf kurzem Wege mit frischen, gesunden und nachhaltig erzeugten Lebensmitteln zu versorgen.  Regional und handwerklich erzeugte Produkte tragen somit zur Ernährungssouveränität der Metropolregion bei. Auf die Fragen nach den konkreten Bewertungskriterien der Nachhaltigkeit und zur Methodik der Erfassung der Landschaftsrelevanz wird auf die Präsentationen im Rahmen der Jahreskonferenz verwiesen, die online dokumentiert ist. VoCo - Vorpommern Connect – Nachhaltige Stadt-LandWertschöpfungsketten bewerten und gestalten Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Dr. Michael Rühs , Universität Greifswald „VoCo“ fokussiert in der Region Vorpommern mit den Oberzentren Greifswald und Stralsund auf die drei Themen Energie – Essen – Erleben. Das Vorhaben wird durch fünf wissenschaftliche Teilprojekte, Regionale Wärme aus Moorwiesen, Regionale Produkte, Lernen und Erleben im ländlichen Raum, Finanzierungsinstrumente für Ökosystemleistungen sowie GIS und Szenarien, gegliedert. Die Steigerung der regionalen Versorgung mit Energie aus Biomasse (fuel) sowie der regionalen Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse (food) wird in der Umsetzungsphase mit zwei Modellprojekten unterstützt. Ein weiteres Modellprojekt fokussiert auf Bildung im und für den ländlichen Raum mit Angeboten zur nachhaltigen Entwicklung. In der bisherigen Laufzeit von „VoCo“ wurden zahlreiche relevante Akteure mithilfe von Fokusgruppen zu den drei Themenschwerpunkten beteiligt. Es fanden auch Szenarien-Workshops statt. Im Ergebnis wurden drei visionäre Zielszenarien (eines pro Fokus-Thema) erstellt, 13 Handlungsfelder für die drei Fokus-Themen definiert und wiederum 28 Projektansätze zur Konkretisierung dieser Handlungsfelder definiert. Unter anderem sind hier die Ergebnisse einer großen Bevölkerungsbefragung eingeflossen, zu der der Bericht „Wie denkt die Bevölkerung Vorpommerns über Vorpommern?“ als Download verfügbar ist. Zu den weiteren präsentierten Aktivitäten von „VoCo“ zählt die Sicherung von Flächen für die nachhaltige Nutzung, die Re-Etablierung der Produktion eines Regionalprodukts (Alte Mühle) sowie die Greifswalder Agrarinitiative. WERTvoll - WERTvolle Stadt-Land-Partnerschaft Leipzig & Umland Vortragsfolien (PDF) | Link zum Projekt Martin Kohl , Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) und Sebastian Pomm , Stadt Leipzig „WERTvoll“ verfolgt als Projektziel eine kooperative Landnutzungsstrategie für die Region der interkommunalen Gemeinschaft Wurzener Land mit der Stadt Leipzig. Mithilfe einer diversifizierten Nutzungsstrategie und einem nachhaltigen Landmanagement sollen Wertschöpfung, Resilienz und Identität einen Mehrwert in die Region bringen. Dafür gliedert sich „WERTvoll“ in die vier Teilprojekte Partizipation, Kooperation und Recht, Landwirtschaft und Umwelt, Ökonomie und Wertschöpfung, sowie Projektmanagement und Wissenstransfer. Für die Etablierung einer nachhaltigen Landnutzung wurde eine Marktanalyse durchgeführt und ein Strukturaufbau initiiert. In qualitativen Interviews wurden bestehende und mögliche Absatzwege erfragt und eine Netzwerk- und Akteursanalyse liefert Kenntnisse über bestehende Strukturen in der Landwirtschaft und über regionale Vermarktungsstrukturen. In Workshops mit regionalen Akteuren wurden Anreize und Möglichkeiten in der Landwirtschaft oder Anforderungen von und an den regionalen Handel und die Logistik diskutiert. Im Ergebnis sind bereits sechs Produkte entstanden und drei in der Planung. Ein Kriterienset zur Bewertung von Pachtvergaben ist ein Produkt, das bereits eingesetzt wird. Es bewertet z. B. die ökologische Wirtschaftsweise nach Teil- oder Gesamtbetrieb, solidarische ökologische Landwirtschaft und den Umsatzanteil der regionalen Vermarktung. Des weiteren ist ein Verfahren zur objektiven Bewertung von Nachhaltigkeitsaspekten eingesetzt. Auf Rückfragen aus dem Publikum wird die Rolle von Reststoffen (und Kreisläufen) bei der Betrachtung regionaler Wertschöpfungsketten sowie zur projektspezifischen Definition regionaler Resilienz diskutiert.

Kreisläufe schaffen! Durch regionale Kreislaufwirtschaft die lokale Wertschöpfung steigern

Im Nachgang zur Statuskonferenz werden die zentralen Stadt-Land-Plus-Themen im November 2022 in einer Online-Reihe mit einzelnen, thematisch klar fokussierten Einzelveranstaltungen vertieft behandelt. Dies ermöglicht einen intensiven Austausch und den Transfer von (Zwischen-)Ergebnissen in die breite (Fach-)Öffentlichkeit. Die vierte Veranstalltung handelt von regionalen Stoffkreisläufen. Zahlreiche Stoffströme prägen die Interaktion von Stadt und Land: Während die Nutzung zum Großteil in den Städten stattfindet, erfolgt der Abbau von Rohstoffen und die Ablagerung von Abfällen vor allem im ländlichen Raum, was zu einer ungleichen Verteilung von Kosten und Nutzen für Bevölkerung und Gemeinden in Stadt und Land führt. Durch das Schließen von Stoffkreisläufen können Stadt-Land-Beziehungen nachhaltiger gestaltet werden. Doch sind praxistaugliche Lösungen, die die Heterogenität der verschiedenen Materialien und Nutzungsformen (z. B. Baumaterialien, Kunststoffe, Restbio-massen) sowie die individuellen Akteursstrukturen und Rahmenbedingungen (z. B. rechtliche Aspekte) berücksichtigen, bislang Mangelware. „Stadt-Land-Plus“ präsentiert praktikable Tools und Plattformen, die gemeinsam von Wissenschaft, Kommunen und Abfallwirtschaft entwickelt wurden und zukunftsfähige Alternativen zum linearen Umgang mit Ressourcen aufzeigen. Darüber hinaus werfen wir einen Blick auf Herausforderungen rund um Verstetigung und Transfer der entwickelten Ansätze sowie auf die Bedeutung regionaler Partnerschaften und Netzwerke im sich intensivierenden Verteilungskampf um Rohstoffe, Zuständigkeiten und Dienstleistungen. Downloads Protokoll 4. Online-Veranstaltung: „Kreisläufe schaffen! Durch regionale Kreislaufwirtschaft die lokale Wertschöpfung steigern“ Präsentationsfolien: Herny Forster/Regionale Partnerschaften als Schlüssel für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft? Präsentationsfolien: Felix Assies/ReGIOcycle – Bereitstellung einer Datenbank zu verfügbaren Rohstoffpotenzialen in Bayern und Baden-Württemberg auf NUTS-2-Ebene Präsentationsfolien: Andreas Ziermann/CoAct – Restbiomassen zu Aktivkohle: zwei lose Enden werden verknüpft Präsentationsfolien: Laurine Kim Larsen/PROSPER-RO – GIS-basiertes Entscheidungsunterstützungssystem (GIS-EUS) für Standort- und Logistikaspekte der Abfallwirtschaft Präsentationsfolien: Raphael Bretscher/WieBauIn – Online-Plattform für die Wiederverwendung von Bauteilen Präsentationsfolien: Brenda Uhlig/INTEGRAL – Verbesserung der Kreislaufführung mineralischer Baustoffe mit Hilfe eines Tools Präsentationsfolien: Juliane Thiele/Netzwerk Cradle2Cradle Regionen

Urbaner Umweltschutz

Der urbane Umweltschutz am Umweltbundesamt (UBA) untersucht die Entwicklung von Städten und urbanen Siedlungsräumen aus Umweltperspektive. Bereits die strategische Forschungsagenda „Urbaner Umweltschutz“ aus dem Jahr 2018 hat den Querschnittscharakter des Themas herausgestellt und für die fachübergreifende Zusammenarbeit am UBA und darüber hinaus Forschungsfragen an der Schnittstelle von Umweltschutz und Stadtentwicklung formuliert. Mit der nun vorgelegten Aktualisierung wird die Forschungsagenda weiterentwickelt, an veränderte Fragestellungen und Rahmenbedingungen angepasst und um neue Themen erweitert. Ziel ist, eine Zwischenbilanz zu den Aktivitäten und Ergebnissen zum urbanen Umweltschutz am UBA zu ziehen. Hierfür werden die gegenwärtig drängendsten Herausforderungen im umwelt- und stadtentwicklungspolitischen Diskurs identifiziert, zentrale Fragestellungen abgeleitet und herausgestellt, welchen Fokus die Forschung zur umweltorientierten Stadtentwicklung am UBA in den kommenden Jahren einnehmen sollte.

Teilprojekt 8, Teilprojekt 1

Im Sinne des Nachhaltigkeitsgedankens ist das Ziel des Projektes, die Umwelt- und Landschaftsqualitäten von Kulturlandschaften mit ihren Wechselwirkungen zu den siedlungs-, wirtschafts- und sozialstrukturellen Potenzialen zu einem identitätsstiftenden 'Kulturlandschafts-Branding' zu verknüpfen. Dazu soll Innovationswissen über regionales Branding erzeugt werden, das die Inwertsetzung von Kulturlandschaft als Alleinstellungsmerkmal einbezieht. Um das Projektziel zu erreichen, werden im Rahmen des Vorhabens drei Zielbündel bearbeitet und zusammengeführt: Information, Innovationslernen und Branding. Teilziele von TP 1 sind die Erarbeitung und Bereitstellung übertragbarer Methoden für die Erfassung und Darstellung von Merkmalen der Kulturlandschaft, die als Ausgangsbasis für Identität und Identitätsbildung von Regionen dienen. Weiterhin sollen übertragbare Vorgehensweisen für kulturlandschaftliches Branding anhand der Evaluation von Modellprojekten in den Fokusregionen abgeleitet werden. Zusätzlich sollen die Projektbearbeiter durch Qualifizierungsmaßnahmen in die Lage versetzt werden, Innovationsprozesse selbst zu gestalten und umzusetzen. Zur Bearbeitung der Zielbündel wird in TP 1 zunächst eine breite Grundlagenerhebung in den Fokusregionen der Metropolregion Hamburg durchgeführt. Diese umfasst den aktuellen Zustand der Kulturlandschaft im Hinblick auf kulturlandschaftliche und ökosystemare Voraussetzungen, bauliche Strukturen, regionalökonomische Verflechtungen, historische Entwicklungen und Akteurskonstellationen. Die Ergebnisse werden zusammengeführt, systematisiert und regionsspezifisch aufbereitet. TP 1 stimmt in der Innovationsgruppe Methoden und Vorgehensweisen ab und erarbeitet zusammen mit den anderen TP's Systemwissen für den Brandingprozess. Diese Wissensbasis wird anschließend genutzt um mit allen Projektpartnern Innovationskonzepte und Modellprojekte zu erarbeiten und diese zu evaluieren. Die Ergebnisse werden genutzt um einen Innovationplan für die Metropolregion Hamburg zu erstellen. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt von TP 1 ist die Koordination des Projektes und die Durchführung von Qualifizierungsmaßnahmen mit der Innovationsgruppe.

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