Waldbrände in der Umgebung von Tschornobyl Die Sperrzone um das Kernkraftwerk Tschornobyl ( russ. : Tschernobyl) wurde durch den Reaktorunfall 1986 schwerwiegend und langanhaltend radioaktiv kontaminiert. Wenn radioaktiv kontaminierte Wälder in der Sperrzone brennen, können die in der Biomasse und in den obersten organischen Bodenschichten enthaltenen Radionuklide in die Atmosphäre freigesetzt werden. Kleinere radioaktive Partikel können über weite Strecken transportiert werden und bei ungünstigen Luftströmungen auch Deutschland erreichen. Die Aktivitätskonzentrationen in Deutschland sind sehr gering und aus Sicht des Strahlenschutzes unbedenklich. Der Reaktorunfall in Tschornobyl ( russ. : Tschernobyl) in der Ukraine setzte 1986 große Mengen radioaktiver Stoffe in die Umwelt frei . Während leichtflüchtige Stoffe wie radioaktives Cäsium oder radioaktives Jod aufgrund hoher Temperaturen des brennenden Reaktors in große Höhen gelangten und sich mit Wind und Wetter weit verteilen konnten, lagerten sich schwerflüchtige radioaktive Stoffe wie Strontium und Plutonium vor allem in der näheren Umgebung des Kernkraftwerks Tschornobyl in der Ukraine und in den angrenzenden Gebieten von Belarus ab. Dabei wurde insbesondere die unmittelbare Umgebung des Kernkraftwerks schwerwiegend radioaktiv kontaminiert. Bis heute sind radioaktives Cäsium, radioaktives Strontium und Transurane , wie Plutonium und Americium, wegen ihrer langen physikalischen Halbwertszeiten im näheren Umfeld des Kernkraftwerks Tschornobyl vorzufinden. Zum Schutz der Bevölkerung vor der hohen Strahlung in der Umgebung des havarierten Reaktors wurde 1986 eine Sperrzone eingerichtet. Rund 10 Prozent der bei dem Unfall in Tschornobyl insgesamt freigesetzten radioaktiven Stoffe haben sich innerhalb der Sperrzone abgelagert. Waldbrände in der Sperrzone können radiologische Folgen haben Trocknen Bäume, Sträucher, Gras und die obersten organischen Bodenschichten witterungsbedingt aus, steigt die Waldbrandgefahr. In den Wäldern der Sperrzone rund um Tschornobyl ( russ. : Tschernobyl) befinden sich die meisten der beim Reaktorunfall 1986 freigesetzten und anschließend abgelagerten radioaktiven Stoffe in den obersten organischen Bodenschichten und in der Biomasse, also beispielsweise in Bäumen, Sträuchern und Gras. Bei einem Waldbrand können die abgelagerten radioaktiven Stoffe in die Atmosphäre freigesetzt werden, mit dem Brandrauch in unterschiedliche Höhen aufsteigen und mit den dort herrschenden Luftströmungen verbreitet werden. Die Menge und Aktivität der radioaktiven Stoffe, die bei einem Waldbrand freigesetzt werden können, sind deutlich geringer als bei dem Reaktorunfall 1986. Trocknen Bäume, Sträucher, Gras und die obersten organischen Bodenschichten witterungsbedingt aus, steigt die Waldbrandgefahr. Ein Waldbrand kann dann zum Beispiel durch einen Blitzschlag ausgelöst werden. Verstärkt wird die Waldbrandgefahr in der Sperrzone zudem dadurch, dass dort keine Bewirtschaftung des Waldes stattfindet und somit große Mengen an leicht brennbarem Totholz vorhanden sind. Durch Waldbrände kann Radioaktivität in die Atmosphäre gelangen Wieviel Radioaktivität bei einem Waldbrand in die Atmosphäre freigesetzt wird, hängt von vielen Faktoren ab, wie beispielweise der Größe der brennenden Fläche, der Art und Aktivität der Radionuklide in der oberirdischen Biomasse (etwa in Bäumen, Sträuchern und Gras) und in den oberen organischen Waldbodenschichten, dem Feuchtigkeitsgehalt der oberirdischen Biomasse und der oberen organischen Bodenschichten, den Brandbedingungen, insbesondere der Brandtemperatur, sowie den Wetterbedingungen, insbesondere Wind und Niederschlag. In der direkten Umgebung der Brände (in oder nahe der Rauchfahne) können Menschen – je nach Intensität des Feuers und der Kontamination der brennenden Flächen - einer erhöhten Strahlung durch das Einatmen von aus Biomasse und Bodenschichten freigesetzten Radionukliden ausgesetzt sein. Auch außerhalb der Sperrzone rund um Tschornobyl können bei großen Waldbränden radioaktive Stoffe in der Luft nachgewiesen werden. Radiologische Folgen von Waldbränden in der Sperrzone von Tschornobyl ( russ. : Tschernobyl) Wenn kontaminierte Wälder brennen, werden die in der Biomasse und in den obersten Bodenschichten enthaltenen Radionuklide zum Teil in die Atmosphäre freigesetzt. Mit dem thermischen Auftrieb gelangen die radioaktiven Partikel in die Höhe und werden mit Wind und Wetter räumlich verteilt und abgelagert: Größere Partikel werden schnell wieder in der näheren Umgebung abgelagert. Kleinere Partikel können mit dem Wind über weite Strecken transportiert und abgelagert werden, wobei sich ihr Anteil in der Luft mit zunehmendem Transportweg verringert. Bei trockenem Wetter werden beim Transport relativ wenig Partikel abgelagert. Regnet es jedoch während des Transports, werden die radioaktiven Partikel aus der Atmosphäre ausgewaschen und mit dem Regen verstärkt abgelagert. Dies führt dann zu einer (zusätzlichen) radioaktiven Kontamination des betreffenden Gebiets. Nähere Umgebung (Tschornobyl) Fernere Umgebung (Deutschland) Nähere Umgebung (Tschornobyl) Radiologische Folgen für die nähere Umgebung Die Umgebung des Kernkraftwerks Tschornobyl ( russ. : Tschernobyl) ist unterschiedlich hoch radioaktiv kontaminiert. Werden Radionuklide bei Waldbränden freigesetzt und in der näheren Umgebung abgelagert, können dort auch bisher nur gering kontaminierte Gebiete erheblich kontaminiert werden (Sekundärkontamination). Schutzhülle (New Safe Confinement) über dem havarierten Reaktor von Tschernobyl Quelle: SvedOliver/stock.adobe.com Der 1986 havarierte Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks Tschornobyl und der zunächst zum Schutz vor radioaktiven Freisetzungen darüber errichtete so genannte alte Sarkophag, sind durch eine riesige Schutzhülle mit einer Höhe von etwa 110 Meter, einer Länge von 165 Meter und einer Spannweite von etwa 260 Meter, das sogenannte "New Safe Confinement", vor Waldbränden geschützt. Die unmittelbare Umgebung des zerstörten Reaktorblocks ist jedoch extrem hoch kontaminiert. Zudem befinden sich in der Nähe des Kernkraftwerks Zwischenlager für radioaktive Abfälle und Anlagen zur Behandlung und Aufbereitung von radioaktiven Abfällen. Käme es in der unmittelbaren Umgebung des zerstörten Blocks 4 zu Waldbränden, hätten diese voraussichtlich hohe Radionuklidfreisetzungen zur Folge und würden aktuell stattfindende weitere Sicherungsmaßnahmen wie etwa die Umlagerung der über 20.000 Brennelemente aus dem Nasslager in ein Trockenzwischenlager, den Abbau der instabilen Teile des alten Sarkophags oder die Bergung des kernbrennstoffhaltigen Materials und dessen sichere Endlagerung erheblich verzögern. Fernere Umgebung (Deutschland) Radiologische Folgen für die weitere Umgebung (Deutschland) Bei ungünstigen Luftströmungen können kleine radioaktive Partikel auch Deutschland erreichen, allerdings nur noch in sehr geringen Mengen. Der Grund: Waldbrände setzen selbst in hochkontaminierten Gebieten in erheblich geringerem Maße Radioaktivität frei als der Reaktorunfall 1986. Zudem werden die Radionuklide während des langen Transports in der Atmosphäre bis nach Deutschland sehr stark verdünnt. Die zusätzliche Strahlung , der Menschen in Deutschland durch Waldbrände in der radioaktiv kontaminierten Umgebung von Tschornobyl ( russ. : Tschernobyl) ausgesetzt sein können, ist selbst unter ungünstigen Umständen äußerst gering gering (im Falle von radioaktivem Cäsium ( Cäsium-137 ) beispielsweise etwa 10 Millionen Mal kleiner als nach dem Reaktorunfall 1986). Aus Sicht des Strahlenschutzes besteht dadurch keinerlei Gefahr für die Gesundheit von Mensch und Umwelt. BfS bewertet radiologische Folgen für Deutschland Wenn ungewöhnliche Freisetzungen von Radionukliden zu erwarten sind oder bereits stattgefunden haben, wie zum Beispiel bei Waldbränden in hoch kontaminierten Gebieten, prüft das BfS zunächst die möglichen radiologischen Auswirkungen auf Deutschland. Modellrechnungen des Deutschen Wetterdienstes erlauben dabei die Vorhersage, ob die freigesetzten radioaktiven Partikel vom Ort des Waldbrandes überhaupt nach Deutschland gelangen können. Luftstaubsammler an der BfS-Messstation Schauinsland Gelangen Luftmassen mit radioaktiven Partikeln nach Deutschland, können die geringen Aktivitätskonzentrationen in der Luft nur mithilfe von extrem empfindlichen Messsystemen – wie sie etwa die Spurenmessstelle des BfS auf dem Schauinsland bei Freiburg nutzt – gemessen werden. Die Aktivitätskonzentrationen in der Luft sind so gering, dass andere Frühwarnsysteme wie etwa das ODL -Messnetz diese nicht wahrnehmen. Auch die Spurenmessstellen in anderen europäischen Ländern messen kontinuierlich die Aktivitätskonzentration von Radionukliden in der Luft und tauschen diese Informationen untereinander aus. Als Mitglied dieses wissenschaftlichen Netzwerks erhält auch das BfS alle relevanten Daten der anderen Länder. Das BfS bewertet auf der Grundlage eigener Messungen, der Messungen weiterer europäischer Spurenmessstellen sowie der Ausbreitungsrechnungen die radiologische Lage in Deutschland und informiert das Bundesumweltministerium, die Medien und die Öffentlichkeit. Medien zum Thema Mehr aus der Mediathek Tschornobyl (russ. Tschernobyl) Was geschah beim Reaktorunfall 1986 in Tschornobyl? In Videos berichten Zeitzeugen. Broschüren und Bilder zeigen die weitere Entwicklung. Stand: 16.03.2026
Überwachung der Radioaktivität in Böden im Rahmen des Strahlenschutzvorsorgegesetzes unter besonderen Berücksichtung des Eintrages durch den Tschernobyl-Fallout.
Wer macht was nach einem Atomunglück? Textfassung des Videos " Wer macht was nach einem Atomunglück? " Ein radiologischer Notfall ist ein plötzlich auftretendes Ereignis, das eine Gefahr darstellt und bei dem radioaktive Stoffe im Spiel sind.< In unseren letzten Videos haben wir das schon ganz genau erklärt und euch gezeigt, welche Szenarien es gibt und in welchen Phasen ein Notfall abläuft. Schaut gerne noch mal rein. Die beiden wahrscheinlich bekanntesten Notfälle dieser Art waren die Reaktorkatastrophen in Tschornobyl und Fukushima. In so einem Notfall müssen viele Dinge gleichzeitig getan und beachtet werden und es können im schlimmsten Fall auch sehr viele Menschen betroffen sein. Man kann sich daher vorstellen, dass auch im radiologischen Notfallschutz viele Akteure beteiligt sind. Bei uns in Deutschland gibt es im radiologischen Notfallschutz Akteure, die vor Ort aktiv sind und von den Bundesländern gesteuert werden, und Akteure, die bundesweit aktiv sind. Auf Bundesebene wird in einem radiologischen Notfall, der überregional oder sogar international eintritt, ein spezieller Krisenstab einberufen. Das Radiologische Lagezentrum des Bundes, kurz RLZ. Das RLZ wird vom Bundesumweltministerium geleitet. Außerdem sind wir, das Bundesamt für Strahlenschutz, darin vertreten, das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung, die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Außerdem beraten die Strahlenschutzkommission und die Reaktorsicherheitskommission das RLZ. Da kommen viele Behörden und andere Player zusammen. Das Umweltministerium ist dafür verantwortlich, ihre Arbeit zu koordinieren, den Informationsaustausch zu steuern und auch die Öffentlichkeit zu informieren. Unsere Aufgaben als BfS umfassen die Erstellung und Bereitstellung des radiologischen Lagebilds. Dafür führen wir Messungen durch, sowohl durch unser Messnetz, das permanent die Umweltradioaktivität misst, als auch durch mobile Messteams. Im Lagebild stellen wir unsere Messergebnisse und die Messergebnisse der Länder dar, stellen Prognosen zur Verfügung, wie sich zum Beispiel eine radioaktive Wolke ausbreiten könnte und aus welchen radioaktiven Stoffen sie besteht. Und wir geben Empfehlungen für Schutzmaßnahmen. Der eigentliche Katastrophenschutz ist in Deutschland Aufgabe der Bundesländer. Im Katastrophenschutz arbeiten Feuerwehren mit Hilfsorganisationen wie zum Beispiel dem Roten Kreuz zusammen. Auch das THW, das eine Einrichtung des Bundes ist, kann von den Ländern angefordert werden. Sie setzen zusammen die eigentlichen Schutzmaßnahmen um. Im radiologischen Notfall sorgen sie zum Beispiel dafür, dass Menschen in geschlossenen Gebäuden bleiben. Im schlimmsten Fall können sie auch evakuieren. Welche Maßnahmen es genau gibt, erklären wir euch in einem anderen Video. Falls es sich bei einem auftretenden Notfall um eine Störung oder einen Unfall in einem Kernkraftwerk handelt, sind natürlich auch die Betreiber des Kernkraftwerks gefordert. Sie müssen in ihrem anlageninternen Notfallschutz dafür sorgen, dass es außerhalb des Kernkraftwerks gar nicht erst zu einem Notfall, also zum Austritt von radioaktiven Stoffen kommt. Außerdem müssen Sie das RLZ informieren. Dieses ist rund um die Uhr erreichbar und in Einsatzbereitschaft. Sind mehrere Länder (Staaten) von einem Unfall betroffen, gibt es natürlich eine enge Zusammenarbeit, in der ähnliche Strukturen funktionieren. Koordiniert wird diese Zusammenarbeit vom RLZ. Eben haben wir schon erwähnt, dass wir im Ernstfall mit mobilen Messteams unterwegs wären, und zwar zu Lande und in der Luft. Das wird natürlich auch geübt. Im nächsten Video zeigen wir euch, wie so eine Messübung per Hubschrauber abläuft. Das solltet ihr nicht verpassen. Also bleibt dran, abonniertden Kanal und bis dahin: Bleibt gut geschützt. Stand: 02.02.2026
Auch 40 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschornobyl (russisch Tschernobyl) können in manchen Teilen Bayerns noch erhöhte Aktivitäten des Radionuklids Cäsium-137 (Cs-137) in einigen Arten wild wachsender Speisepilze gemessen werden. Einige Pilzarten können noch bis zu einige tausend Becquerel (Bq) Cs-137 pro Kilogramm (kg) Frischmasse aufweisen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) untersucht seit 1987 die radioaktive Kontamination von Wildpilzen mit Radiocäsium im Süden Deutschlands. Dieses Gebiet wurde mit Aktivitätsablagerungen zwischen 2 000 und 50 000 Bq Cs-137 pro Quadratmeter sowie lokalen Spitzenwerten von 100 000 Bq Cs-137 pro Quadratmeter durch den Reaktorunfall von Tschornobyl besonders betroffen. Die Messwerte für Wildpilze variieren je nach Untersuchungsgebiet und Pilzart sehr stark. Im Zeitraum von 2023 bis 2025 wurden insgesamt 153 Pilzarten untersucht.
Was würde man heute anders machen als 1986 in Tschornobyl Textfassung des Videos " Was würde man heute anders machen als 1886 in Tschornobyl " 1986 ereignete sich das bis heute schwerste Kernkraftwerksunglück der Geschichte. Was genau damals passiert ist, haben wir im letzten Video beschrieben. Wir stellen euch den Link noch einmal in die Videobeschreibung. Heute, 40 Jahre später, hat sich sehr viel verändert, sowohl bei den Sicherheitsstandards der Kernkraftwerke als auch im radiologischen Notfallschutz. Was macht man heute also anders? Der Unfall von Tschornobyl im Jahr 1986 war das Ergebnis einer fehlerhaften Reaktorkonstruktion in Verbindung mit unzureichender Ausbildung und schwerwiegenden Fehlern des Reaktorpersonals. Im Kernkraftwerk Tschornobyl wurde ein Reaktortyp eingesetzt, den es nur in der Sowjetunion bzw. im sowjetischen Einflussbereich gab. Dieser Reaktortyp hat Konstruktionsmängel, die zu einer Instabilität, insbesondere beim Hoch- und Runterfahren des Reaktors, führen. Außerdem gab es keinen Sicherheitsbehälter um den Reaktorkern. Aus diesem Grund wäre dieser Reaktorkern im damaligen Westen nicht zum Einsatz gekommen und wird auch nicht mehr gebaut. Es sind allerdings noch Reaktoren dieses Typs in Russland im Einsatz. Die Sicherheitsstandards wurden aber nach 1986 erhöht. Es gab natürlich auch 1986 schon Sicherheitsstandards. Zuvor schon und bis heute wird aus jedem Störfall und Unfall gelernt und die Sicherheitsstandards werden stetig weiterentwickelt und verbessert. Seit 1986 wurden sie also enorm verbessert. Bei der Katastrophe von Tschornobyl wurden allerdings die auch damals schon geltenden Sicherheitsvorschriften missachtet und ganze Sicherheitsverfahren außer Kraft gesetzt. Dies lag einerseits daran, dass das Personal nicht ausreichend geschult wurde und mit den Sicherheitsvorkehrungen nicht ausreichend vertraut gewesen ist. Es scheint außerdem zu diesem Zeitpunkt keine Fehlerkultur gegeben zu haben, sodass das Personal Bedenken nicht offen äußern konnte. Die Notfallpläne für den Schutz von Mensch und Umwelt nach einem schweren Kernkraftwerksunfall waren damals aus - heutiger Sicht - unzureichend. Das gilt sowohl für die frühen Schutzmaßnahmen, die sofort ergriffen werden müssen. wie Evakuierung, Aufenthalt in Gebäuden oder Einnahme von Jodtabletten, wie auch für Vorsorgemaßnahmen wie Überwachung der Kontamination von Nahrungsmitteln und Trinkwasser, die nach dem Tschernobyl-Unfall auch noch in Gebieten hätten ergriffen werden müssen, die mehr als 1000 Kilometer vom Unfallort entfernt lagen. Zum Beispiel in Süddeutschland. Die Umsetzung der Schutzmaßnahmen kam nicht nur wegen mangelnder Planung schleppend in Gang, sondern auch, weil die sowjetischen Behörden die Schwere des Unfalls massiv heruntergespielt haben. Die zuständigen Behörden führten die Evakuierung der umliegenden Gebiete nur zögerlich über mehr als zwei Wochen durch, sodass teilweise die betroffene Bevölkerung hohen Strahlendosen ausgesetzt war. In weiter entfernt gelegenen Gebieten, die trotzdem wegen des Unfalls stark kontaminiert waren, wurden weitere Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung viel zu spät ergriffen. Das wäre vor allen Dingen eine Warnung an die Bevölkerunggewesen, Lebensmittel wie zum Beispiel Feldfrüchte, zum Beispiel Blattgemüse, oder auch Milchprodukte, nicht zu verwenden. Dies ist einer der Hauptgründe, neben der nicht erfolgten Ausgabe von Jodtabletten für die über 10.000 Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern und Jugendlichen, die in den folgenden Jahren in Belarus, der Ukraine und Russland aufgetreten sind. Heutzutage gibt es weltweit Notfallpläne, in denen die schnelle Reaktion auf radiologische Notfälle umfassend vorbereitet wird. In Deutschland werden sie im Allgemeinen Notfallplan des Bundes zusammengefasst. Zum Zeitpunkt des Unfalls gab es in Europa und der Sowjetunion noch keine flächendeckende Überwachung der Umweltradioaktivität und schon gar nicht einen internationalen Austausch dieser Messdaten, wie es heute üblich ist. In Europa gibt es heute nahezu flächendeckend Radioaktivitätsmessnetze mit mehr als 5000 Messsonden. In Deutschland umfasst das Messnetz des BfS 1.700 solcher Sonden. Über dieses Messnetz haben wir eine eigene Videoserie. Wir verlinken sie euch auch. Weil es ein solches flächendeckendes Messnetz damals noch nicht gab, konnte das Ausmaß des Unfalls damals nur sehr langsam bestimmt werden. Und so wurden auch Schutzmaßnahmen zu spät ergriffen. Eine Ausnahme bildete zwar Deutschland, das schon damals über ein dichtes Radioaktivitätsmessnetz verfügte. Allerdings war dieses für deutlich höhere Strahlungslevel ausgelegt, wie sie nach einer Nuklearexplosion in Deutschland hätten auftreten können. Und die Daten wurden damals noch nicht unverzüglich an einer zentralen Stelle zusammengeführt, so wie das heute der Fall ist. Neben der Überwachung durch Sonden gibt es heute auch die Möglichkeit, in vielen spezialisierten Laboren Umwelt- und Nahrungsmittelproben zu messen. Ein weiteres Problem war, dass es keine Zusammenarbeit bzw. Warnung an die Nachbarländer gab. Wie gesagt spielte die Sowjetunion auch die Schwere des Unfalls systematisch herunter. Heutzutage gibt es international bindende Verträge und regelmäßig getestete Verfahren, die eine unverzügliche Warnung an die Nachbarländer sicherstellen. In Deutschland waren damals die Zusammenarbeit und die Zuständigkeiten der verschiedenen Behörden bei einem radiologischen Notfall nicht geregelt. Das führte zum Beispiel zu langen Verzögerungen und widersprüchlichen Entscheidungen, die zu einer großen Verunsicherung der Bevölkerung führten. Heute ist auch durch die intensive Arbeit an Notfallplänen in den letzten Jahren in diesem Bereich eine erhebliche Verbesserung erreicht worden. 1986 gab es in Deutschland keine Vorbereitungen für die schnelle Einschätzung der radiologischen Situation. Das heißt für die Erstellung eines radiologischen Lagebilds. So dauerte es damals Monate, bis die radiologische Lage in Deutschland charakterisiert werden konnte. Heute ist dies eine Hauptaufgabe des Radiologischen Lagezentrums des Bundes, das es seit 2020 gibt. Die Fähigkeit dazu wird bei uns im BfS seit Jahren kontinuierlich ausgebaut und regelmäßig geübt, sodass innerhalb von Stunden die radiologische Lage deutschlandweit erfasst und bewertet werden kann. Das war der letzte Teil unserer Serie rund um das Thema Notfallschutz. Den Link zur Playlist mit allen Videos findet ihr in der Videobeschreibung. Wir sehen uns hier auf dem Kanal demnächst wieder zu anderen Themen des Strahlenschutzes. Bis dahin: Bleibt gut geschützt. Stand: 02.02.2026
Durch den Reaktorunfall in Tschernobyl wurde unter anderem das langlebige radioaktive Isotop Cs-137 freigesetzt und ueber weite Regionen Europas - einschliesslich der norddeutschen Tiefebene - verteilt. Die Verlagerung des Caesiums wird in charakteristischen Boeden Norddeutschlands - Marsch, Moor, Podsol, Pseudogley - verfolgt und die Verfuegbarkeit dieses Nuklides fuer die Pflanze festgestellt. Die Untersuchungen sollen dazu beitragen, die Kenntnisse ueber das Verhalten des Cs in geringen Konzentrationen zu verbessern. Sie sollen ausserdem klaeren helfen, inwieweit Standorteigenschaften - insbesondere hohe Humusgehalte und Kalkgehalt - zur verstaerkten Mobilitaet beitragen. Ergebnisse unmittelbar praktischer Bedeutung koennten in Bezug auf Verbesserung der Vorhersagbarkeit des Cs-Verhaltens in Boeden, auf die Pflanzenverfuegbarkeit des Cs und auf das problem der stark variierenden Angaben zu Transferfaktoren erzielt werden.
Im weiträumigsten Gebiet um die militärischen 239Pu-Produktionsanlagen in Tscheljabinsk, Tomsk und Krasnojarsk und um das Testgebiet von Semipalatinsk wird mit Hilfe von Messungen des langlebigen 129I eine retrospektive Dosimetrie des kurzlebigen 131I durchgeführt. Unter Miteinbeziehung der 129I-Einträge durch die Kernwaffentests, die zivilen Aufbereitungsanlagen La Hague und Sellafield und den Reaktorunfall von Tschernobyl wird eine Datenbasis für die Verwendung von 129I als Tracer in der Umwelt erstellt. Wasserproben von Seen mit langen Abflusszeiten wie Khuvsugul Nuur, Uvs Nuur, Orog, Achit (alle Mongolei), Baikal, Balachasch, Issyk Kul und von kleineren Seen und Bodenproben aus dem Gebiet werden genommen. Mit Beschleunigungsmassenspektrometrie werden 129I /127I-Verhältnisse gemessen und 129I-Fluenzen abgeleitet. 129I-Immissionen und -Verteilungen werden mit atmosphärischen Transportrechnungen erhalten. In Abhängigkeit der Bestrahlungszeit der Brennelemente und der Wartezeit zwischen Bestrahlung und Aufbereitung werden mit atmosphärischen Transportmodellen 131I-Aktivitäten im Bereich der Anlagen und im Altai-Gebiet berechnet.
Das Ziel des vorliegenden Projektes ist die praxisnahe Durchfuehrung folgender Untersuchungen, die sich auf die Radionuklide Cs-137, Ra-226, Co-60 und Sr-90 beziehen: 1) Lysimeterversuche zur Ermittlung des Transfers von Cs-137, Ra-226 und Co-60 aus vier verschiedenen Boeden (drei Wiederholungen). 2) Versuche mit Boeden, die durch den Reaktorunfall von Tschernobyl kontaminiert wurden zum Sr-90 Transfer. Zu 1) In den Jahren 1988 bis 1990 wurde eine Lysimeteranlage mit zwoelf Bodenmonolithen errichtet. Der Oberboden (0-20 cm) wurde mit den oben angefuehrten Radionukliden kontaminiert. Seit Sommer 1990 wird eine landwirtschaftliche Fruchtfolge auf den 1 m2 grossen Gefaessen durchgefuehrt und das anfallende Sickerwasser auf allfaellige Radionuklidauswaschungen untersucht. Zu 2) Seit 1988 wurden etwa 150 Pflanzenproben und die dazugehoerigen Bodenproben im Freiland entnommen und die Sr-90 Transferfaktoren ermittelt. Parallel dazu wird eine eingehende Charakterisierung der Boeden durchgefuehrt.
Unmittelbar nach dem ersten Auftreten erhoehter Radioaktivitaet in Erlangen infolge des Unfalls im Kernkraftwerk Tschernobyl wurde ein umfangreiches Programm der Gammadosisleistung und der Aktivitaet der Fall-out-Radionuklide in Boden, Bewuchs, Wasser, Futter- und Nahrungsmitteln begonnen. Auf der Grundlage der Ergebnisse aus den ersten Monaten und Jahren konnte eine erste Abschaetzung der kurz- und langfristigen Strahlenbelastung der Bevoelkerung der Region durchgefuehrt werden. Die Untersuchungen wurden und werden fortgefuehrt mit Schwerpunkt auf der Verlaufskontrolle der Fall-out-Aktivitaeten in Bodenprofilen, Bewuchs, Klaerschlamm, Futter- und Nahrungsmitteln. Durch das so ermittelte Langfristverhalten der Radionuklide in der Umwelt soll eine praezise Abschaetzung des langfristigen Beitrags zur Strahlenexposition der Bevoelkerung erreicht werden. Als Messmethode dient die low-level-Labor- und Feld-Gammaspektrometrie. In messtechnischer Hinsicht dient das Forschungsvorhaben der Ermittlung von Genauigkeit, Aussagekraft und Anwendungsgrenzen der Feld-Gammaspektrometrie.
| Organisation | Count |
|---|---|
| Bund | 143 |
| Land | 35 |
| Weitere | 90 |
| Wissenschaft | 18 |
| Type | Count |
|---|---|
| Ereignis | 11 |
| Förderprogramm | 83 |
| Text | 70 |
| unbekannt | 89 |
| License | Count |
|---|---|
| Geschlossen | 126 |
| Offen | 126 |
| Unbekannt | 1 |
| Language | Count |
|---|---|
| Deutsch | 244 |
| Englisch | 100 |
| Resource type | Count |
|---|---|
| Archiv | 1 |
| Bild | 6 |
| Datei | 11 |
| Dokument | 55 |
| Keine | 122 |
| Multimedia | 19 |
| Webseite | 65 |
| Topic | Count |
|---|---|
| Boden | 151 |
| Lebewesen und Lebensräume | 234 |
| Luft | 140 |
| Mensch und Umwelt | 247 |
| Wasser | 137 |
| Weitere | 253 |