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Laser Scanning im Dienste der Landschaftsforschung

Das Lasescanning als neues Fernerkundungsverfahren um Zeugen traditionneller Kulturlandschaften zu dokumentieren Die bereits im Rahmen des Projektes 'Wölbäcker von Rastatt' gewonnenen Erfahrungen zum Einsatz des Laser Scanning wurden auch 2007 und 2008 weiter ergänzt und vor allem in breiten Kreisen potentieller Anwender im In- und Ausland vorgestellt. Wölbäcker sind Zeugen früherer Formen des Ackerbaus, die sich als wellenartige Folge von Furchen und Scheiteln ausdrücken. Ein größeres Vorkommen solcher Reste einer mittelalterlichen Flur ist bei Rastatt unter Wald noch gut erhalten. Zur genauen Dokumentation wurde dabei erstmals das Laser Scanning eingesetzt. Mit diesem Verfahren, das auf einer flächenhaften Abtastung der Erdoberfläche von einem Flugzeug aus basiert, können Reliefunterschiede im Dezimeterbereich, selbst unter Wald aufgezeigt und vermessen werden. Die Daten stammen aus flächendeckenden Befliegungen des Landesvermessungsamtes Baden-Württemberg. Weitere Gebiete wurden auch auf das Vorkommen von Wölbäckern untersucht. So konnten dank Laser auch in der Rheinaue bzw. in Lagen wo sie nicht vermutet wurden, solche Altfluren ausfindig gemacht werden. Zu den wesentlichen Beiträgen in den beiden letzten Jahren zählt auch der erfolgreiche Abschluß des EU-Vorhabens Culture 2000 in dem wir Partner aus vielen europäischen Ländern an unseren Erfahrungen mit der Lasertechnologie teilhaben lassen konnten. Die Kooperation mit Frankreich insbesondere mit der Denkmalpflege Elsaß führte ferner zur Konkretisierung gezielter Laserprospektionen von 8 verschiedenen archäologischen Stätten in der Rheinebene und in den Vogesen, an deren Auswertungen wir ebenfalls beratend beteiligt sind.

NWP-Modellverifikation über komplexem Gelände mit VERA

Seit 2003 wird am Institut für Meteorologie und Geophysik in Verbindung mit dem Analysesystem VERA (Vienna Enhanced Resolution Analysis) ein operationelles Modellvergleichssystem mit mehreren namhaften Wettervorhersagemodellen betrieben (ALADIN, ECMWF, LME). Im Rahmen des internationalen Projekts MAP D-PHASE (2007) wurde das System an eine Neuversion von VERA, VERAXX, angepasst, und um einige Modelle (COSMO, MM5, GEM-LAM) erweitert. Diese Erneuerung erlaubt, die räumliche Auflösung (bis zu 2km) und den geographischen Ausschnitt flexibel zu wählen, und so auf skalenabhängige Phänomene besser einzugehen. Im Rahmen von VERITA soll eine Reihe von hochauflösenden Modellen mit Hilfe der aktuellsten Verifikationsmethoden ausgewertet und verglichen werden. Besonders Methoden, die sich mit der spektralen Dekomposition von Modellfeldern, der getrennten Behandlung einzelner Skalen und der Bestimmung und Fortpflanzung (in Modellketten) von Phasenfehlen befassen, sollen entwickelt, getestet und eingesetzt werden. Im Zuge dieser Arbeiten, sollen aber auch Fragen bezüglich der Anwendbarkeit von VERA für Verifikationszwecke, einerseits im Vergleich mit alternativen Analysemethoden, und andererseits im Vergleich mit Beobachtungsdaten meteorologischer Stationen, beantwortet werden. Festzustellen ist z.B., ob, und ab welcher räumlichen Skala, bei welcher Stationsdichte und bei welcher Modellauflösung Analyse und (räumlich unregelmäßige) Beobachtungsdaten äquivalent einsetzbar wären. Die Datengrundlage des Projekts, hochauflösende Prognosemodelle und ein dichtes Netz an Beobachtungen, stammt von zwei internationalen Projekten, and denen das IMGW beteiligt ist: Im Rahmen von COPS (Convective and Orographically-induced Precipitation Study) wurde von Juni bis August 2007 eine Messkampagne im Gebiet Vogesen, Rheintal, Schwarzwald und Schwäbischer Alb durchgeführt. Ziel des Projekts ist ein erweitertes Verständnis von Konvektionsprozessen in der Atmosphäre. Dieses ist nötig, um die Niederschlagsvorhersagen der gängigen, feinmaschigen Lokalmodelle zu verbessern, sowie deren Fehler und Schwachstellen ausfindig zu machen. In zeitlicher Übereinstimmung mit COPS fand die Demonstrationsphase des Forecast Demonstration Projects (FDP) MAP D-PHASE (Demonstration of Probabilistic Hydrological and Atmospheric Simulation of flood Events in the Alpine region) von Juni bis November 2007 statt. In der Demonstrationsphase wurde eine durchgehende Vorhersagekette, vom Modellentwickler bis zum Anwender, für Starkniederschlags- und Überflutungsereignisse betrieben. Die Modellprognosen, die von verschiedensten Institutionen für diesen Zeitraum und für den Alpenraum gerechnet wurden, stehen den Projektpartnern ebenso für weitere wissenschaftliche Anwendungen zur Verfügung, wie die Messergebnisse aus der COPS-Region. Um die Datendichte im gesamten Alpenraum zu erhöhen, wurden zudem bei sämtlichen nationalen Wetterdiensten im Einflussbereich der Alpen zusätzliche Daten angefordert.

Geologische Übersichtskarte der Bundesrepublik Deutschland 1:200.000 (GÜK200) - CC 7102 Saarbrücken

Blatt Saarbrücken zeigt einen Ausschnitt des linksrheinischen Mesozoikums, das sich zwischen den Grundgebirgsaufbrüchen des Rheinischen Schiefergebirges und der Vogesen erstreckt. Flach lagernde Schichten der Trias und des Unteren und Mittleren Juras lagern westlich des Oberrheingrabens dem Rhenoherzynikum, Saxothuringilum und Moldanubikum des variszischen Grundgebirges auf und bilden so das Gegenstück zum Deckgebirge der Süddeutschen Scholle. Die Störung von Metz, die sich Nordost-Südwest quer über das Kartenblatt verfolgen lässt, markiert die Grenze zwischen Rhenoherzynikum und Saxothuringikum der Varisziden. Am Nordrand des Kartenblattes sind die südlichen Ausläufer des Hunsrück mit variszisch verfaltetem und verschiefertem Schichten des Unterdevons erfasst. In Südost-Richtung schließt sich die Saar-Nahe-Senke an. Die hier lagernden Molassesedimente (Konglomerate, Sand- und Schluffstein) und Vulkanite (Rhyolith, Tholeyit, Kuselit, Andesit) des Perms reichen bis an die Oberkarbon-Schichten des Saarbrückener Hauptsattels. Im Oberkarbon bildeten sich in und um das variszische Gebirge Rand- und Binnensenken heraus, die sich mit Gebirgsschutt füllten. Eingelagerte Kohleflöze sind charakteristisch für diese Becken, die an der Grenze Oberkarbon/Perm von erneuter tektonischer Deformation erfasst und aufgefaltet wurden. Das Saargebiet war Teil einer solchen Binnensenke im ehemaligen variszischen Gebirge. Ihre Oberkarbon-Schichten (Sand-, Schluff- und Tonstein mit eingelagerten Kohleflözen) sind im Saarbrücker Hauptsattel aufgeschlossen. Die Sattelstruktur setzt sich nach Südwesten im Lothringer Sattel fort, im Südosten ist sie durch die Saarbrücker Hauptüberschiebung begrenzt, die den Übergang zur Pfälzer Mulde bzw. dem Nancy-Pirmasens-Becken markiert. Überlagerungen durch quartäre Lockersedimente, wie pleistozänem Lehm oder fluviatilen Sanden und Kiesen, sind in den Beckenlandschaften weit verbreitet. Neben der Legende, die über Alter, Genese und Petrographie der dargestellten Einheiten informiert, gewährt ein geologischer Schnitt zusätzliche Einblicke in den Aufbau des Untergrundes. Das Profil schneidet in seinem Nordwest-Südost-Verlauf die Unterdevon-Schichten des Hunsrück, das Perm der Saar-Nahe-Senke, das Oberkarbon des Saarbrückener Hauptsattels und das Mesozoikum der Pfälzer Mulde bzw. des Nancy-Pirmasens-Beckens.

Geologische Übersichtskarte der Bundesrepublik Deutschland 1:200.000 (GÜK200) - CC 7110 Mannheim

Auf Blatt Mannheim ist der nördliche Oberrheingraben mit seinen mesozoischen Flanken dargestellt. Die dominierende Baueinheit im Kartenausschnitt ist der Oberrheingraben. Er durchzieht von Südsüdwest nach Nordnordost das Kartenblatt und lässt sich durch seine Randverwerfungen klar abgrenzen. Die tertiäre Sedimentfüllung der Grabenstruktur tritt nur vereinzelt unter der quartären Deckschicht aus fluviatilen Ablagerungen, Löss- und Flugsanden zu Tage. Geomorphologisch lässt sich der Oberrheingraben in zwei Gebiete unterteilen: das Vorderpfälzer Tiefland und die Rheinaue. Das Vorderpfälzer Tiefland ist eine altpleistozäne Flussterrasse, die in West-Ost-Richtung von den Schwemmfächern der Pfälzerwalder Bäche zerschnitten wird. Die jüngere Rheinaue ist in diese altpleistozäne Flussterasse eingetieft und mit holozänen Auesedimenten verfüllt. Im westlichen Teil des Kartenausschnitts ist das linksrheinische Mesozoikum angeschnitten, das sich zwischen den Grundgebirgsaufbrüchen des Rheinischen Schiefergebirges und der Vogesen erstreckt. Aufgeschlossen sind Ausläufer der Saar-Nahe-Senke, die Westricher Hochfläche, der Pfälzer Wald und die Zaberner Senke. Östlich des Oberrheingrabens sind die mesozoischen Schichten (hauptsächlich Trias) der Kraichgau-Senke erfasst. Sie reichen südlich bis zu den Ausläufern des Nordschwarzwaldes (Oberrotliegend). Neben der Legende, die über Alter, Genese und Petrographie der dargestellten Einheiten informiert, gewährt ein geologisches Profil zusätzliche Einblicke in den Aufbau des Untergrundes. Die West-Ost-verlaufende Schnittlinie kreuzt die Westricher Hochfläche, den Pfälzer Wald und den Oberrheingraben.

Geologische Übersichtskarte der Bundesrepublik Deutschland 1:200.000 (GÜK200) - CC 7910 Freiburg - Nord

Blatt Freiburg-Nord zeigt den südlichen Oberrheingraben mit seinen beiden Flanken: den Vogesen im Westen und dem Schwarzwald im Osten. Der Schwarzwald, an der Ostflanke des Oberrheingrabens, wird von variszischen Graniten, Gneisen und Anatexiten aufgebaut. Bei der variszischen Faltung kam es zur Metamorphose präkambrischer Sedimentgesteine; zudem drangen im Oberkarbon granitische Tiefengesteinsplutone auf. Permische Rhyolithe (Quarzporphyre), die an mehreren Stellen des mittleren und nördlichen Schwarzwald zu finden sind, werden als Ignimbrite interpretiert. Nach Norden und Osten tauchen die Kristallingesteine des Schwarzwaldes unter das permo-mesozoische Deckgebirge. Am Westrand des Kartenblattes ist ein kleiner Teil der Nordvogesen angeschnitten. Der ebenfalls variszisch geprägte Gebirgszug ist von Struktur und Gesteinsaufbau dem Schwarzwald sehr ähnlich, jedoch sind größere Vorkommen paläozoischer Sedimente erhalten geblieben. So sind im Kartenausschnitt neben Graniten, Dioriten und Paragneisen auch kambrische bis silurische Schiefer sowie Schuttsedimente des Rotliegenden erfasst. Der Oberrheingraben durchzieht das Blatt von Südsüdwest nach Nordnordost. Die Grabenstruktur ist mit tertiären Sedimenten verfüllt. Das Tertiär tritt jedoch nur vereinzelt unter der quartären Deckschicht aus Löss- und Flugsanden, fluviatilen bzw. glazifluviatilen Ablagerungen, Verwitterungs- und Schwemmlehm zu Tage. Der Grabenrandbereich wird von den äußeren Randverwerfungen, an denen der vertikale Hauptversatz der Grabenstruktur stattfand, und Bruchfeldern mit Staffelbrüchen geringerer Verwurfshöhe gebildet. In den sogenannten Vorberg-Zonen sind Grundgebirge und permo-mesozoische Bedeckung staffelförmig gegen das Grabeninnere abgesunken und somit, vor Abtragung geschützt, erhalten geblieben. Am Westrand des Oberrheingrabens ist das Bruchfeld von Ribeauvillé, südlich der Vogesen, und das Bruchfeld von Zabern, in der Nordwest-Ecke des Kartenblattes, angeschnitten. Am Ostrand des Grabens sind die Vorbergzone von Emmendingen-Lahr und die Freiburger Bucht erfasst. Mit der Grabenbildung im Tertiär ging ein verstärkter Vulkanismus einher, der seinen Höhepunkt in der Förderung Olivin-nephelinitischer Schmelzen im Vulkangebiet des Kaiserstuhls fand. Die heute stark abgetragene Vulkanruine aus miozänen Vulkaniten und Tuffen ist von pleistozänem Löss ummantelt und teilweise überlagert. Neben der Legende, die über Alter, Genese und Petrographie der dargestellten Einheiten informiert, verdeutlicht eine tektonische Übersichtskarte die geologischen Großeinheiten im Kartenausschnitt. Ein geologischer Schnitt gewährt zusätzliche Einblick in den Aufbau des Untergrundes. Das West-Ost-Profil kreuzt den Oberrheingraben mit dem Kaiserstuhl und der Freiburger Bucht sowie die Kristallingesteine des Schwarzwaldes.

Untersuchung des physikalischen und chemischen Zustandes von Quellgewässern und Böden in den Vogesen und im Schwarzwald

Zwischen Herbst 2008 und Sommer 2010 wurden in den Vogesen und im Schwarzwald insgesamt 152 Quellen zu den verschiedenen Jahreszeiten beprobt. Neben den Quellgewässern sind auch die Böden der Quellgebiete Gegenstand der Untersuchung. Anhand verschiedener physikalischer und chemischer Parameter soll eine Aussage über den Versauerungsgrad der Quellen und der Böden in beiden Gebirgen getroffen werden. Zudem wird angestrebt, Korrelationen zwischen den Boden- und Quellwerten nachzuweisen. Diese Auswertungen dienen als Basis für die Analyse des Zustandes der Tonminerale in den Böden.

Untersuchung der Auswirkungen unterirdischer hydrologischer Prozesse und interindividueller Interaktionen auf den Wasserstress von Bäumen durch gekoppelte ökohydrologische-pflanzenhydraulische Modellierung

Wie das jüngste dürrebedingte Waldsterben und der Waldwachstumsrückgang in Europa und auf der ganzen Welt zeigen, hat der Klimawandel verheerende Auswirkungen auf die Waldökosysteme. Daher werden dringend neue Strategien zur Stabilisierung bestehender Wälder benötigt. Eine zentrale Herausforderung für die Waldbewirtschaftung besteht darin, dass die meisten Vorhersagen zur Abschätzung des Trockenstresses in Wäldern auf vereinfachten Ansätzen auf der Bestandsebene beruhen, wodurch verschiedene potenziell wichtige unterirdische Prozesse vernachlässigt werden. In diesem Projekt werden die Auswirkungen zweier solcher unterirdischer Prozesse—(i) die Dynamik des tiefen Wassers und (ii) die Artenmischung—auf die Widerstandsfähigkeit von Waldökosystemen gegenüber Wasserstress mit Hilfe eines gekoppelten ökohydrologisch-pflanzenhydraulischen Modells untersucht, das durch Felddaten zu stabilen Wasserisotopen, Wasserstress der Bäume und Saftfluss, die in diesem Projekt gesammelt wurden, sowie durch Synergien mit laufenden Projekten aus Deutschland und Frankreich ergänzt wird. Die Innovation dieses gekoppelten Modells besteht darin, dass der Schwerpunkt auf trockenheitsbedingten Prozessen in den Pflanzen und im Boden liegt. Das Projekt besteht aus vier Arbeitspaketen (APs), die von vier Arbeitsgruppen (zwei in Deutschland und zwei in Frankreich) geleitet werden. Das erste AP wird stabile Wasserisotopenmessungen nutzen, um unterirdische Prozesse im Feld zu untersuchen. Diese Messungen werden zur Information und Validierung der Berechnungsmodelle verwendet, die im zweiten und dritten Arbeitspaket entwickelt werden. Darüber hinaus werden Daten, die im Rahmen laufender Forschungsprojekte gesammelt wurden, für die Modellierung herangezogen. Das zweite AP wird ein ökohydrologisches und ein pflanzenhydraulisches Modell miteinander koppeln, um die topographischen Einflüsse auf das tiefe Wasser in einer räumlich verteilten Weise zu untersuchen. Das dritte AP wird ein pflanzenhydraulisches Multispeziesmodell entwickeln, um die Auswirkungen der Artenmischung auf die Widerstandsfähigkeit der Wälder gegen Trockenheit zu untersuchen. Schließlich wird das vierte AP eine detaillierte modellgestützte Fallstudie in den Vogesen, Frankreich, durchführen, wo sowohl topografische Einflüsse als auch interindividueller Wettbewerb eine wichtige Rolle für die Muster der Baumsterblichkeit spielen dürften. Das Projekt wird wertvolle Einblicke in zwei bisher wenig erforschte Komponenten der Widerstandsfähigkeit von Wäldern gegen Trockenheit liefern und mit dem gekoppelten ökohydrologisch-pflanzenhydraulischen Modell ein neuartiges Instrument für zukünftige Trockenheitsstudien bereitstellen. Außerdem erwarten wir, dass dieses Projekt die Zusammenarbeit zwischen den französischen und deutschen Gruppen stärkt, was zu künftigen gemeinsamen Forschungsanstrengungen führen soll.

Genetisches Management von Rotwild

Ein mehrjaehriges Projekt zur Beurteilung des Einflusses von Trophaeenselektion, anthropogener Bestandeszerteilung und Einbringung standortfremder Tiere auf die autochthone Rotwildpopulation der Nordvogesen wird durch Einbeziehung immungenetischer Marker (MHC-Gene) fortgefuehrt. Bisherige Arbeiten dieser internationalen Kooperation umfassen Untersuchungen zum Verhalten und Oekologie des Bestandes, eine Inventarisierung der Allozym-Variabilitaet und methodische Vorarbeiten zur immungenetischen Charakterisierung. Als erste Anwendung von Befunden wurde der Bejagungsplan im Department Bas-Rhin modifiziert.

Denkanstöße 14 - Der Luchs in West- und Mitteleuropa

[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] DER LUCHS IN WEST- UND ­MITTELEUROPA Denkanstöße 14 D 14 | Mai 2023 Empfehlungen für den Schutz des Eurasischen Luchses Lynx lynx in West- und Mitteleuropa Schlussfolgerungen aus dem Workshop der „Bonn Lynx Expert Group“ in Bonn, Deutschland,16. bis 19. Juni 2019 Die Denkanstöße basieren auf den Schlussfolgerungen aus dem Workshop der „Bonn Lynx Expert Group“ in Bonn, Deutschland, 16. bis 19. Juni 2019. Diese wurden ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht in den CATnews Nr. 14 – Herbst 2021. Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um eine Übersetzung des Newsletters CATnews – Special Issue – The Eurasian lynx in Continental Europe. Herausgeber: Christine und Urs Breitenmoser. Co-Chairs IUCN / SSC, Cat ­Specialist Group, KORA, Stiftung KORA, Talgut-Zentrum 5, CH-3063 Ittigen CATnews ist der Newsletter der Cat Specialist Group, einer Sektion der Species Survival Commission SSC der International Union for Conservation of Nature (IUCN). Die Bezeichnung der geografischen Einheiten in dieser Veröffentlichung und die Darstellung des Materials bedeuten nicht, dass dies der Meinung der IUCN über den rechtlichen Status eines Landes, eines Territoriums oder eines ­Gebiets oder seiner Behörden oder über die Abgrenzung oder Grenzen entspricht. Wir danken für die gute Kooperation! INHALT 1. Herausforderungen für die ­Erhaltung des Eurasischen ­Luchses in Kontinentaleuropa – eine Einführung4 2.Erhaltungszustand des Eura­sischen Luchses in West- und Mitteleuropa7 3.Erhaltung der nordosteuropäischen Tieflandpopulation des Eurasischen Luchses14 4.Erhaltungsbedarf der Luchs­population in den Karpaten 19 5.Balkanluchs und das „Balkan Lynx Recovery Programme“ 26 6.Herausforderungen bei der Erhaltung der böhmisch-bayerisch-öster­reichischen ­Luchspopulation  7. 31 Der Eurasische Luchs im Dinarischen Gebirge und in den südöstlichen ­Alpen und die Notwendigkeit einer Bestandsstärkung 35 8.Die Entwicklung der Harzer Luchs­population 41 9.Situation des Luchses im Juragebirge 48 10. Situation des Eurasischen Luchses in den Vogesen 56 11. Wiederansiedlung des E ­ urasischen Luchses im Pfälzerwald, ­Deutschland 62 12. Die Rückkehr des Luchses in den Nordwesten Polens 71 13. Schritte zu einer Luchspopulation im Schwarzwald? 74 14. Der Beitrag von Trittstein-­Ansiedlungen zur Verbesserung der Verbreitung des Luchses 76 15. SCALP: Monitoring des Eurasischen Luchses in den Alpen und darüber hinaus  82 16. Günstiger Erhaltungszustand und Management auf Populations­ebene – die böhmisch-bayerisch-öster­reichische Luchspopulation als Fallbeispiel  87 17. Grenzüberschreitende Zusammen­arbeit bei der Erhaltung des ­Luchses unter der Schirmherrschaft der Oberrheinkonferenz 91 18. Auswirkungen der Fragmentierung und Vernetzung von Luchs­habitaten auf die Populationsgenetik in K ­ ontinentaleuropa 94 19. EUROLYNX: Wissenschaftliche Zusammen­arbeit bei der Untersuchung der Bewegungsökologie des Eurasischen Luchses in seinem Verbreitungs­gebiet  99 20. Gesundheitsüberwachung im Wildtierschutz: Erfahrungen mit dem ­Eurasischen Luchs in der Schweiz 21. EAZA-Zuchtprogramme als Quelle für Luchswiederansiedlungen  105 124 22. Empfehlungen für den Schutz des Eurasischen Luchses Lynx lynx in West- und Mitteleuropa 127 3| URS BREITENMOSER1*, JOCHEN KREBÜHL2, CHRISTOPH HEIDER3 & CHRISTINE ­BREITENMOSER-WÜRSTEN4 1. HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE ­ERHALTUNG DES EURASISCHEN ­ LUCHSES IN KONTINENTALEUROPA – EINE EINFÜHRUNG Der Eurasische Luchs Lynx lynx besiedelte einst ganzGegenwärtig gibt es in Kontinentaleuropa drei kleine bis Kontinentaleuropa, wurde aber einerseits mit demmittelgroße autochthone und elf winzige bis kleine wieder- Rückgang der Wälder und des Wildtierbestandes undeingeführte Populationen, die sich auf 23 Länder verteilen andererseits dem menschlichen Bevölkerungswachstum,(von Arx et al. 2021). In den letzten Jahren wurden neue der Ausdehnung der Anbauflächen und der Zunahme derWiederansiedlungsprojekte initiiert (z. B. Idelberger et Viehbestände allmählich verdrängt. Die endgültige Aus-al. 2021, Tracz et al. 2021). Es wurden Anstrengungen rottung der Restpopulationen erfolgte im Laufe des 19.unternommen, um getrennte Populationen miteinander zu Jahrhunderts. Eine Ausnahme bildeten die Populationenverbinden (Molinari et al. 2021), und die genetische Sa- im nordosteuropäischen Tiefland, in den Karpaten undnierung früherer Wiederansiedlungspopulationen wurde im südlichen Dinarischen Gebirge, die alle in den spätendiskutiert und – in einem Fall (Fležar et al. 2021) – bereits 1940er Jahren ein Minimum erreichten, aber schließlichin Angriff genommen. Solche Projekte erfordern den Zu- überlebten (für einen Überblick über den historischengang zu geeigneten Ausgangstieren und den Transport Rückgang und die Originalliteratur siehe Breitenmoser &von umgesiedelten Luchsen über internationale Grenzen Breitenmoser-Würsten 2008). Die Wiederansiedlungspro-hinweg. Gemäß den IUCN-Leitlinien für Wiederansied- gramme begannen vor fast 50 Jahren; nicht ausschließ-lungen und andere Umsiedlungen zu Erhaltungszwecken lich, aber meistens mit Fundtieren aus der slowakischen(IUCN/SSC 2013), aber auch gemäß den EU- und/oder Population. Bis heute wurden Eurasische Luchse innationalen Rechtsvorschriften müssen für solche Er- Kontinentaleuropa in Frankreich, der Schweiz, Deutsch-haltungsmaßnahmen eine geeignete Ausgangspopulation land, Polen, der Tschechischen Republik, Italien, Öster-ermittelt, der Erhaltungszustand der Ausgangspopulation reich und Slowenien wieder angesiedelt (siehe Beiträge inbewertet und tierärztliche Gesundheitsvorkehrungen ge- dieser Sonderausgabe). Einige Wiederansiedlungsprojek-troffen werden, um die Übertragung von Krankheitserre- te scheiterten bereits in einem frühen Stadium, und allegern zu verhindern. Die „traditionellen“ Quellpopulationen neu entstandenen Populationen der Wiederansiedlungenin den Karpaten und vor allem in der Slowakei haben sind immer noch relativ klein, meist isoliert und weisenjedoch ihre eigenen Erhaltungsprobleme (Kubala et al. einen recht hohen Grad an Inzucht auf, unter anderem2021), was (erneut) die Diskussion über die Nutzung von aufgrund der begrenzten Anzahl von NachzuchttierenErhaltungszuchtprogrammen als Quelle für Wiederansied- (Breitenmoser & Breitenmoser-Würsten 2008).lungen ausgelöst hat (Lengger et al. 2021). Letztendlich sollten diese jetzt isolierten Populationen alle zu wenigen 1 2 3 4 |4 IUCN/SSC Cat Specialist Group, Stiftung KORA, Muri, Schweiz *Email: u.breitenmoser@kora.ch Stiftung Natur und Umwelt RLP, Mainz, Deutschland HIT Umwelt- und Naturschutz Stiftungs-GmbH, Siegburg, Deutschland IUCN/SSC Cat Specialist Group, Stiftung KORA, Muri, Schweiz großen und lebensfähigen Metapopulationen zusammen-Die Ergebnisse des Symposiums sind in dieser Sonder- geführt werden, um die negativen Auswirkungen derausgabe zusammengefasst. Im Anschluss an die Be- Fragmentierung ihres Lebensraums abzumildern (Premierstandsaufnahme erarbeiteten die Teilnehmenden Empfeh- et al. 2021). Erschwerend kommt hinzu, dass Kontinen-lungen (Bonn Lynx Expert Group 2021), um den Schutz taleuropa drei phylogenetisch unterschiedliche Linien desdes Luchses in Kontinentaleuropa zu koordinieren. Die Eurasischen Luchses beherbergt, die als gültige Unter-Ergebnisse des Bonner Workshops wurden dem Sekreta- arten anerkannt sind (Kitchener et al. 2017). Ist also jederriat und dem Ständigen Ausschuss des Übereinkom- Luchs überall willkommen? Wie sollen wir Gebiete für diemens über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Unterarten in denjenigen Regionen abgrenzen, in denenPflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume wir keine Informationen über die ursprünglichen Bewoh-(Berner Konvention) des Europarates vorgelegt, der am 6. ner haben?Dezember 2019 die Empfehlung Nr. 204 (Ständiger Aus- schuss 2019) verabschiedete. Diese ist mit den am Ende Diese Fragen und die komplexe Situation erfordern einedieses Sonderheftes vorgestellten Empfehlungen (Bonner einvernehmliche Strategie zum Schutz des EurasischenLuchsexpertengruppe 2021) deckungsgleich. Luchses, vereinbarte Standards und Protokolle, die die internationale und interregionale Zusammenarbeit erleich-Die geografische Bezeichnung ‚Kontinentaleuropa‘ be- tern, sowie gemeinsame Leitlinien und einen koordiniertenzieht sich im Kontext des vorliegenden Tagungsbandes Ansatz für den Erhalt des Luchses in Kontinentaleuropa.und der Empfehlungen auf das historische und aktuelle Aktuelle Herausforderungen sind z. B.Verbreitungsgebiet des Eurasischen Luchses südlich der 1. die Abgrenzung von Erhaltungseinheiten, 2. die genetische Sanierung von Inzuchtpopulationen, 3. die Ausgangspopulationen für weitere Umsiedlungen, 4. die Vernetzung kleiner Populationen und 5. das Management von Luchspopulationen im Hinblick auf die Koexistenz mit Menschen. großen autochthonen Populationen in Fennoskandina- vien und Russland. Die Bonner Konferenz konzentrierte sich auf die biologischen und ökologischen Aspekte im Hinblick auf die Wiederherstellung lebensfähiger Meta- populationen des Luchses in dieser Region. Obwohl wir uns der Bedeutung der menschlichen Dimension eines solchen Unterfangens voll bewusst sind, konnten wir Vom 16. bis 19. Juni 2019 trafen sich rund 50 Luchsex-aus praktischen Gründen nicht auch die sozialwissen- pertinnen und -experten in Bonn (Abb. 1, Anhang I), umschaftlichen Aspekte der Luchserhaltung behandeln. Alle über den Erhalt des Eurasischen Luchses in Kontinental-Teilnehmenden waren sich jedoch einig, dass die Dis- europa zu diskutieren. Ziele des Workshops waren,kussionen in Bonn fortgesetzt werden sollten und dass in 1. den Erhaltungszustand der kontinentalen Luchspo- pulationen und die Durchführung von Projekten zur Erhaltung des Luchses zu überprüfen, 2. Empfehlungen für einen koordinierten langfristigen An- satz zur Wiederansiedlung und Erhaltung des Luchses in West- und Mitteleuropa zu diskutieren und 3. sich auf die Entwicklung von Standards und gemein- samen Protokollen für die praktische Erhaltungsarbeit zu einigen. Zukunft weitere Themen des Luchserhalts in Kontinental- europa behandelt werden müssen. Die Bonner Luchskonferenz wurde gemeinsam von der HIT Umwelt- und Naturschutz Stiftung, der Stiftung Natur und Umwelt (SNU) Rheinland-Pfalz, der IUCN SSC Cat Specialist Group und der Stiftung KORA organisiert. Finanzielle Unterstützung wurde großzügig von der HIT Umwelt- und Naturschutz Stiftung, der SNU, dem EU-Förderprogramm LIFE und dem Europarat (Berner Konvention) gewährt. 5|

Abschlusstagung LIFE Luchs - Vorträge

[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] gefördert mit Mitteln der EU / soutenu par des fonds de l'UE Abschluss-Tagung des Projekts „LIFE Luchs Pfälzerwald“ Réunion finale du projet „LIFE Lynx Forêt du Palatinat“ Zusammenfassung der Vorträge an der Tagung am 11.09.2021 in Annweiler Résumé des présentations à la conférence du 11.09.2021 à Annweiler Umsiedlung der Schweizer Luchsin Bell in den Pfälzerwald – April 2017 © GREVE Martin – SNU. Lâcher du lynx suisse Bell dans la Forêt du Palatinat - Avril 2017 © GREVE Martin - SNU. Projektpartner / Partenaires du projet Projekt-Kofinanzierer / Co-financeurs du projet 2 Ergebnisse und Erfahrungen aus dem EU LIFE-Projekt „Wiederansiedlung von Luchsen im Biosphärenreservat Pfälzerwald“ SYLVIA IDELBERGER1, JOCHEN KREBÜHL1, JUDITH OHM1, MICHAEL BACK1 Mit Hilfe des Förderprogramms LIFE der Europäischen Union führten die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz (SNU) und ihre Projektpartner Landesforsten Rheinland-Pfalz, SYCOPARC in Frankreich und WWF Deutschland das LIFE Projekt zur Wiederansiedlung des Eurasischen Luchses im Pfälzerwald durch. Der Pfälzerwald ist Teil des grenzüberschreitenden UNESCO-Biosphärenreservats Pfälzerwald - Nordvogesen, das eine Gesamtfläche von 3028 km² umfasst. Das Wiederansiedlungsprojekt beinhaltet die Umsiedlung von 20 wildlebenden Luchsen (Lynx lynx carpathicus) aus der Schweiz und der Slowakei. Es begann im Januar 2015 und endete im September 2021. Das LIFE-Programm der EU kofinanziert 50 % der Projektkosten von insgesamt ca. 2,75 Millionen Euro. Über den Beitrag der genannten Projektpartner hinaus wurden zusätzliche Mittel vom Land Rheinland-Pfalz (Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität – MKUEM), der Deutschen Wildtier Stiftung, den Landesverbänden von NABU und BUND, der HIT-Umweltstiftung sowie weiteren Förderern bereitgestellt. Öffentlichkeits- und Akzeptanzarbeit Alle relevanten Interessengruppen und Behörden sowie die regionale Bevölkerung wurden vor Beginn des Projekts informiert bzw. konsultiert. Das Land, alle neun Landkreise und kreisfreien Städte im Bereich des Pfälzerwalds begrüßten die Wiederansiedlung. Das Projekt sah eine umfassende Berichterstattung und Öffentlichkeitsarbeit während der Freilassungen und des anschließenden Monitorings vor. Mitarbeiter des Projekts besuchten regelmäßig lokale Zusammenkünfte insbesondere von Jägern und Nutztierhaltern und berichteten über den aktuellen Stand der Wiederansiedlung. Der direkte Austausch mit den Leuten war immer ein wichtiges Anliegen im Projekt. Er ermöglichte ein kontinuierliches Feedback und eine Verbesserung der Projektarbeit. Um die Akzeptanzarbeit zu fördern, wurden verschiedenste Materialien erstellt, die interessensgruppenspezifische Informationen rund um das Thema Luchs bieten. Insbesondere der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz unterstützt die Projektkommunikation aktiv. Für Schulklassen wurde das Umweltbildungsprogramm "Auge des Luchses" etabliert, mit dem sich Kinder intensiv und kreativ mit der Rückkehr des Luchses in seinen ehemaligen Lebensraum auseinandersetzen können. Durch die Einbindung lokaler Institutionen und Schulen sowie die Bereitstellung von Umweltbildungsmaterialien wurden Multiplikatoren geschult, die eine zusätzliche Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Projektziele bewirken. Im Rahmen des sogenanten "Luchs-Parlaments" kamen Vertreter aller am Thema Luchs beteiligten Interessensgruppen und von Behörden, Kommunen und Institutionen aus der Region zusammen. Neben den Aspekten Jagd und Tierhaltung kommen auch viele andere Themenfelder wie Naturschutz, Forst, Straßenbau, Tierschutz und Tourismus zur Sprache. Gemeinsam wurde über zu erwartende oder befürchtete Auswirkungen der Wiederansiedlung gesprochen, die sinnvolle Gestaltung von Herdenschutz und Kompensationsmaßnahmen diskutiert und möglicher Forschungsbedarf ermittelt. Konkrete, praktische Fragen bei der Wiederansiedlung wurden erörtert, bestehende Regelungen und 3 Abläufe anhand der aktuellen Geschehnisse immer wieder überprüft und bei Bedarf angepasst. Auch das Potential der Tierart Luchs bzw. des Wiederansiedlungsprojektes für die Region, den Tourismus und die Natur im Biosphärenreservat wurden gemeinsam ausgelotet. Das Parlament tagte in zwei getrennten Kammern, eine im Pfälzerwald, die andere in den Nordvogesen. Einmal im Jahr tagten beide Kammern gemeinsam. Die im Rahmen des begleitetenden Monitoringprogramms gesammelten Daten zu Vorkommen, Verbreitung und Verhalten der Luchse wurden in die partizipativen Prozesse mit den verschiedenen Interessengruppen einbezogen. Das Luchs-Parlament hat sich als interessenübergreifende Institution etabliert, die anerkannt ist und sich aktiv in die Entwicklung des Projektes einbringt. Die offene und direkte Kommunikation hat dazu beigetragen, eine Vertrauensbasis zwischen allen Beteiligten aufzubauen und die Akzeptanz für den Luchs und das Wiederansiedlungsprojekt zu stärken. Ein Managementplan für den Umgang mit Luchsen in Rheinland-Pfalz wurde bereits vor der Freilassung des ersten Luchses veröffentlicht (MKUEM 2016). Er umfasst Aspekte des demografischen Monitorings, Lösungsvorschläge für den Fall von Konflikten, Präventions- und Kompensationsmaßnahmen, Regeln für das Konfliktmanagement und Verantwortlichkeiten. Die Regelungen wurden im Konsens mit allen beteiligten Intressensgruppen verabschiedet und können gemeinsam geändert werden, wenn es die Situation erfordert. Umsiedlungen Die Partner aus den Ländern der Luchsspenderpopulation Slowakei (DIANA, Zoo Bojnice) und Schweiz (KORA, FIWI*, BAFU*) sowie die Partner im Aufnahmeland Rheinland-Pfalz (SNU, MKUEM) einigten sich in einem „Memorandum of Understanding“ auf festgelegte Regeln und Protokolle für die Umsiedlungen. Die Luchse wurden in einem sogenannten "hard release" freigelassen, d. h. unmittelbar nach ihrer Ankunft im Freilassungsgebiet und einem abschließenden (Gesundheits-)Check. Abb. 1: Luchsmännchen Lucky in seinem Revier – März 2018 © SOMMER Alexander – SNU Alle freigelassenen Luchse wurden mit GPS/GSM-Telemetriehalsbändern (Betriebszeit 1-2 Jahre), welche mit einer mechanischen Sollbruchstelle versehen waren, ausgestattet. Die Sendehalsbänder 4 ermöglichten die Begleitung des räumlichen Verhaltens, der Beutefunde und des Verlaufs des Wiederansiedlungsprozesses (Abb. 1). Ein genetisches Monitoring wurde durchgeführt, um einen Stammbaum zu erstellen und die Entwicklung der genetischen Vielfalt innerhalb der neuen Teilpopulation langfristig bewerten zu können. Bei den Wiederansiedlungen von Juli 2016 bis März 2020 wurden insgesamt 20 Luchse (zwölf Weibchen, acht Männchen) eingefangen und mit Hilfe der Partner und Behörden der Herkunftsländer umgesiedelt. Zwölf Luchse wurden in der Schweiz gefangen, acht stammen aus der Slowakei, davon waren sieben Waisen, die Menschen abgewandt aufgezogen wurden. Bis Ende August 2021 gab es vier dokumentierte Verluste von umgesiedelten Luchsen durch (Verkehrs-)Unfälle. In den Vogesen wurde ein im Pfälzerwald 2019 geborenes Jungtier 2021 tot aufgefunden (Ursache unbekannt). Abb. 2: Kombinierter Aktionsradius von acht GPS-besenderten Luchsen aus dem Pfälzerwald, dargestellt als MCP (minimum convex polygon) für das Monitoringjahr 2019/2020, © SNU Die Luchse haben ihre körperlichen Fähigkeiten und ihre Anpassungsfähigkeit bei verschiedenen Gelegenheiten unter Beweis gestellt. Ein Männchen (ARCOS) wanderte in die Hochvogesen und legte dabei in einem Monat eine Strecke von ca. 350 km zurück. Ein anderes Männchen (CYRIL) nahm sich die Freiheit, den Rhein zu überqueren. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang die regelmäßige Nutzung der Wildbrücken im Pfälzerwald (A6 und B10) durch Luchse. Auch der Bereich der Zaberner Steige, die schmalste Stelle der Vogesen an der eine Autobahn, eine TGV-Bahntrasse und der Rhein- 5

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