Am Beispiel der bundesweit vom Aussterben bedrohten bzw. gefährdeten Großmuschelarten (GMA), Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera, FPM) und Malermuschel (Unio pictorum, MM), sollen Managementmaßnahmen zur nachhaltigen Etablierung und Wiederansiedlung umgesetzt werden. Zur Analyse, Bewertung und Lösung der sehr komplexen Gefährdungsursachen der GMA wird eine GMA-Datenbank entwickelt, welche das dezentrale Expertenwissen zusammenfasst und validiert. Ein auf der GMA-Datenbank aufbauendes Entscheidungshilfewerkzeug (EHW) wird zur Identifikation von Habitatdefiziten bzw. von geeigneten Pilothabitaten zur Wiederansiedlung der GMA entwickelt. Bei der Habitatauswahl werden zusätzlich die Auswirkungen des Klimawandels berücksichtigt. Notwendige Maßnahmen zur Optimierung identifizierter Habitate werden mit Hilfe eines Decision Support Systems (DSS) definiert und priorisiert. Diese Maßnahmen werden in enger Kooperation von Umsetzungs- und Wissenschaftspartnern als Best Practice-Beispiele für die Bestandssicherung der GMA-Populationen in Niederbayern und im sächsischen Vogtland erarbeitet, die dann Vorbildfunktion für Maßnahmen in anderen aktuellen oder potentiellen GMA-Lebensräumen haben (z.B. Hotspot OHT).
Vorzeigeprojekt in Flögert an der Nister – Förderung durch Aktion Blau Plus Mit der Renaturierung des Mühlgrabens im Nistertal wird ein weiterer wichtiger Baustein für den Schutz bedrohter Süßwassermuscheln in Rheinland-Pfalz aktuell umgesetzt. Der neu gestaltete Gewässerabschnitt stellt dann einen besonders geeigneten Lebensraum für die Wiederansiedlung der stark gefährdeten Bachmuschel dar. „95 Prozent aller Süßwassermuscheln und Süßwasserschnecken in Europa sind bedroht. Umso wichtiger ist es, dass wir im Nistertal im Kreis Altenkirchen einen Hotspot der Biodiversität schaffen und erhalten. Mit der Renaturierung des Mühlgrabens leisten wir einen Beitrag zur Artenvielfalt“, erklärte Umweltstaatssekretär Dr. Erwin Manz bei der offiziellen Vorstellung des Projekts. Die Nister gilt als bedeutendes Rückzugsgebiet für seltene Tierarten und ist in besonderer Weise für die Wiederansiedlung der Bachmuscheln geeignet. Mit dem Projekt wird die natürliche Entwicklung des Fließgewässers unterstützt. Zudem haben die Muscheln eine wichtige ökologische Funktion. Kleine Flussbewohner wie die Bachmuscheln filtern Wasser und lockern obere Bodenschichten auf. Das verbessert die Lebensbedingungen für alle Lebewesen in den betroffenen Gewässern. Erwin Manz erläuterte: „Wir nehmen unsere Verantwortung für bedrohte Arten sehr ernst. Mit der Aktion Blau Plus konnten wir dieses beispielhafte Projekt zu 95 Prozent fördern. Erfreulich ist, dass die tatsächlichen Kosten mit 258.000 Euro unter den veranschlagten Mitteln von 331.000 Euro geblieben sind.“ Hauptbedrohung für die Bachmuschel sind die Zerschneidung von Lebensräumen, Eutrophierung (Überdüngung) und Wasserverschmutzung, invasive Arten sowie die Folgen der Erderwärmung. Projekte wie die Renaturierung des Mühlgrabens im Nistertal tragen dazu bei, diesen Entwicklungen entgegenzuwirken. Staatsekretär Manz blickte auch auf künftige Maßnahmen: „Schon jetzt arbeiten wir an einem weiteren Projekt – der Renaturierung der Nisteraue unterhalb der Abtei Marienstatt. Dort wollen wir auf 21 Hektar naturnahe Auen entwickeln und zur Wiedervernässung der Auenwiesen beitragen.“ Hintergrund Die Reaktivierung des Mühlgrabens ist auf einer Länge von 900 Metern erfolgt. Der Mühlgraben in Flögert ist ein historisches Gewässer an der Nister im Westerwald. Er diente einst dazu, das Wasserrad der Helmerother Mühle anzutreiben. Inzwischen bildet er einen wichtigen ökologischen Lebensraum. Die Nister ist ein Gewässer zweiter Ordnung. Sie entspringt am Westfuß der Fuchskaute und mündet nach etwa 64 Kilometern in Wissen-Nisterbrück in die Sieg. Ihr Einzugsgebiet hat eine Fläche von rund 246 Quadratkilometern.
Ziel des Projektes ist die Ausarbeitung eines detaillierten Maßnahmenkatalogs zum erfolgreichen und einheitlichen Besatz autochthoner Edelkrebsstämme in heimischen Gewässern, um grundlegend die Art und dessen Bestände und insbesondere die Biodiversität noch vorhandener Populationen langfristig zu erhalten und zu erhöhen. In diesem Katalog sollen konkrete Aussagen über abiotische, biotische und soziologische Besatzkriterien und deren Erfolgschancen getroffen werden. Das AWI übernimmt die Gesamt-Projektleitung und folgende Aufgaben: Theoretischer Hintergrund: das AWI führt eine umfangreiche Literaturrecherche zu dokumentierten Besatzmaßnahmen und strukturierte vor-Ort-Interviews mit den jeweiligen Projektträgern und Initiativen durch und fasst die Ergebnisse zusammen. Vom AWI koordiniert werden dann zusammen mit den Projekt- und Kooperationspartnern die zusammengetragenen Bewertungskriterien für einen erfolgreichen Besatz diskutiert und bestimmt. Probennahme und Analyse: das AWI beprobt ausgewählte Besatzgewässer über ein Jahr und bestimmt die Gewässerparameter. Die Beprobungen auf den Krebspesterreger erfolgen in Zusammenarbeit mit dem Projektpartner. Maßnahmenkatalog: die Erkenntnisse aus der Literaturrecherche, den Interviews und der Beprobung der Gewässer werden anschließend vom AWI ausgewertet, in einen Maßnahmenkatalog überführt, auf einem Workshop vorgestellt und in einer öffentlich zugänglichen Datenbank publiziert. Risikoanalyse, Sensibilisierung & Besatzmaßnahme: ausgehend von den im Maßnahmenkatalog festgelegten Kriterien und Empfehlungen sollen unter Leitung des AWI mit Projekt- und Kooperationspartnern die Besatzgewässer ausgewählt und mit den regional typischen Genstämmen besetzt werden. Monitoring: Im Anschluss an die Besatzmaßnahmen bespricht das AWI die Durchführung des nachfolgenden Monitorings anhand des Maßnahmenkatalogs mit den Fischereiverbänden. Ebenso wird das AWI nach Projektende die Fischereiverbände bei dem Monitoring beratend begleiten.
Das hier vorgelegte Projekt untersucht die Habitatselektion bei der Wiederbesiedlung der deutschen Ostseeküste durch Kegelrobben. Die Kegelrobbe wurde zu Beginn des 20 Jh. systematisch an der deutschen Küste ausgerottet. Durch Schutzmaßnahmen erholt sich der Bestand der Ostseekegelrobbe auch an der deustchen Küste. Mit Hilfe von Photo-ID und Ausbringung von Wildtierkameras werden einzelne Robben identifiziert, um Wiedersichtungsraten zu ermitteln. Im Speziellen sollen so die Qualitäten der derzeit etablierten Liegeplätze untersucht und weitere potentielle Liegeplätze ermittelt werden. Aber auch Störungen durch Touristen, Bootsverkehr sowie durch Lärm unter Wasser werden beleuchtet. Die Forschungsergebnisse fließen in nationale und internationale Gremien ein und unterstützen so eine naturverträgliche Rückkehr der Kegelrobben in Mecklenburg-Vorpommern.
Projekt war erfolgreich – Land fördert Auffangstation – Monitoring weiter nötig Das Land will die erfolgreiche Wiederansiedlung von Luchsen im Pfälzerwald weiter unterstützen. Hierzu wird das künftige Management der Luchspopulation von dem Koordinationszentrum Luchs und Wolf (KLuWo) übernommen. Auch das deutsch-französische Luchs-Parlament will weiter zusammenarbeiten. Umweltministerin Katrin Eder wagte nach dem Abschluss des EU-Projektes zur Wiederansiedlung der bedrohten Luchse im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen einen Ausblick. Die Entwicklung der Luchspopulation war Thema im Umweltausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags. „Das Aussterben von Tierarten gefährdet nicht nur die genetische Vielfalt, sondern beschädigt auch unser hochkomplexes Ökosystem. Bedrohte Wildtiere wie der Eurasische Luchs besiedelten ursprünglich gigantische Gebiete vom den Pyrenäen bis zum Pazifik im Osten, aber inzwischen sind sie selten geworden. Daher freut es mich sehr, dass sich inzwischen ein Populationskern im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen gebildet hat. Von 2016 bis 2020 wurden erfolgreich 20 Luchse - 12 Weibchen, acht Männchen - aus der Slowakei und der Schweiz freigelassen. Mindestens 18 Jungtiere aus 9 Würfen wurden inzwischen dokumentiert. Im vergangenen Jahr konnten wir sogar den erfolgreichen Wurf eines Weibchens mit drei Jungen in den Nordvogesen registrieren. Nun geht es darum, den Bestand zu stabilisieren und weiter wachsen zu lassen. Davon wird der Erfolg der Wiederansiedlung abhängen. Da die Population noch klein ist, ist ein umfassendes Monitoring weiterhin geboten und auch begleitende Maßnahmen. Das Land fördert beispielsweise eine Luchsauffangstation zur Pflege verletzter oder verwaister Luchse“, erklärte Umweltministerin Katrin Eder. Die Umweltministerin betonte, dass Luchse eine wichtige Funktion in den Wäldern erfüllten: „Sie jagen Rehwild und Rotwild, verringern somit den Verbiss und erleichtern die Naturverjüngung im Wald. Das ist in Zeiten des Klimawandels, der dem Wald besonders schadet, von großer Bedeutung.“ Das EU-Projekt „LIFE Luchs Pfälzerwald“ begann 2016 und endete Ende September 2021. Luchse waren einst in dieser Region heimisch, wurden dann aber ausgerottet. Über das LIFE-Programm der EU erfolgte eine Co-Finanzierung von 50 Prozent der Projektkosten von insgesamt zirka 2,75 Millionen Euro. Über den Beitrag der genannten Projektpartner hinaus wurden zusätzliche Mittel von Seiten des Landes, der Deutschen Wildtier Stiftung, der Landesverbände von NABU und BUND, der HIT-Umweltstiftung sowie weiterer Förderer bereitgestellt. Das Umweltministerium hat die Wiederansiedlung des Luchses mit 400.000 Euro unterstützt und weitere Mittel für den Entschädigungsfonds bei Nutztier-Rissen sowie Präventionsmaßnahmen bereitgestellt. Aufgrund der großen Reviere, die Luchse haben, und ihren weiträumigen Exkursionen, war zu erwarten, dass sich die Tiere nicht an Ländergrenzen halten würden. Und schon recht schnell streiften die Pinselohren durch die Nordvogesen und schafften es sogar über die Zabener Steige in die Südvogesen zu den dortigen Luchsen. Ein echter Verbund der Populationen wurde hergestellt. Ein Luchs durchquerte sogar den Rhein bis in den Schwarzwald. Ministerin Eder hob die länderübergreifende Bedeutung des Luchs-Projektes hervor: „Der regionale Naturpark Nordvogesen hat sich dankenswerterweise von Anfang an bereit erklärt, die Wiederansiedlung im Pfälzerwald mit Maßnahmen zur Akzeptanz, Öffentlichkeits- und Umweltbildungsarbeit auf französischer Seite zu unterstützen. So konnte das gemeinsame Luchs-Parlament mit Kammern auf der deutschen und der französischen Seite entstehen. Dies ist ein ganz besonderes Beispiel der gelebten deutsch-französischen Freundschaft.“ Katrin Eder zog ein positives Fazit: „Ich bin davon überzeugt, dass das Luchs-LIFE-Projekt eine Blaupause für weitere Projekte im Artenschutz sein kann.“
Ziel des Projektes ist die Ausarbeitung eines detaillierten Maßnahmenkatalogs zum erfolgreichen und einheitlichen Besatz autochthoner Edelkrebsstämme in heimischen Gewässern, um grundlegend die Art und dessen Bestände und insbesondere die Biodiversität noch vorhandener Populationen langfristig zu erhalten und zu erhöhen. In diesem Katalog sollen konkrete Aussagen über Besatzkriterien (u.a. Herkunft, Alter und Geschlecht der Besatztiere, Besatzdichte, Gewässerart und -parameter, Populationsentwicklung, begleitende Maßnahmen wie Sensibilisierung und Monitoring) und deren Erfolgschancen getroffen werden. Die Universität Koblenz-Landau ist im Projekt MaNaKa zuständig für Recherchearbeiten im Vorfeld der weiteren Maßnahmen. Die Literaturrecherche umfasst die Informationssammlung von Methoden bisheriger Besatzprojekte und deren Ergebnisse. Neben den ökologischen Grundlagen sollen hier auch Methoden zusammen mit Vor- und Nachteilen zum Thema Besatz und Monitoring erfasst werden. Die Recherche umfasst die Identifikation autochthoner und für Besatzprojekte geeigneter Stämme sowie eine erste Auflistung in Frage kommender Besatzgewässer in Deutschland. Des Weiteren ist die Uni KO-LD für die Probenahme und genetische Analytik zuständig. Autochthone Edelkrebsstämme müssen für die entsprechenden Regionen identifiziert werden. Die Uni KO-LD nimmt an den Workshops teil um den Wissenstransfer zu ermöglichen. Alle ausgewählten Gewässer werden beprobt und so Informationen über deren ökologische Bedingungen gesammelt. Die Besatzmaßnahmen finden unter Leitung der Uni KO-LD statt. Der Abschluss-Workshop wird von der Uni KO-LD organisiert. Des Weiteren ist die Uni KO-LD weiterhin Ansprechpartner im Anschluss an das Projekt.
Zielstellung: Neben der Weiterführung der wissenschaftlichen Begleitung des Aalbesatzes, der Erfassung der Blankaalfänge eines Fischereibetriebes in der Mittelelbe und der Untersuchungen zur Orientierungsfähigkeit besetzter Blankaale konzentrierten sich die Forschungsarbeiten im Jahr 2014 auf die Aufbereitung von Daten für den Umsetzungsbericht 2015 zum Aalmanagementplan Elbe. Material und Methoden: Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung des Aalbesatzes wurden relevante Transportparameter erfasst, eine visuelle Einschätzung der Vitalität und möglicher Transportschäden des Besatzmaterials vorgenommen sowie Stichproben für weitere Untersuchungen (Morphometrie, Artzugehörigkeit, Geschlecht, Gesundheitszustand, Kondition) entnommen. Insgesamt 75 Blankaale aus zwei verschiedenen Herkünften (Eider: natürlicher Aalaufstieg, Unterhavel: Besatz) wurden im Herbst 2012 mit Datenrecordern versehen und in der Untereider bzw. der Unterelbe ausgesetzt, um ihre Wanderung durch die Nordsee in Richtung Sargassosee zu dokumentieren. Ergebnisse: Insgesamt wurden im Jahr 2014 rund 5.100 ha Gewässerfläche mit insgesamt 2,67 t vorgestreckter Aale (AV) besetzt. Dies entspricht einer mittleren Besatzdichte von 520 g AV/ha. Die unmittelbaren Transportverluste an den zentralen Verteilerstellen waren sehr gering und das Besatzmaterial machte visuell einen vitalen und mobilen Eindruck. Der Transport zu den Besatzgewässern erfolgte fachgerecht. In den Stichproben des Besatzmaterials waren überwiegend Weibchen (92 %) anzutreffen, bei einem allerdings sehr hohen Anteil nicht geschlechtsdifferenzierter Tiere von 95 %. Die Kondition der besetzten Aale kann mit einem mittleren Bruttoenergiegehalt von 8,9 MJ/kg als gut eingeschätzt werden. Die Befallsrate mit dem Schwimmblasennematoden A. crassus war bei den untersuchten Besatzaalen mit durchschnittlich 2,7 % sehr gering. Bis zum Ende des Jahres 2014 konnten die Daten von insgesamt 17 DST-Sendern (8 Aale aus natürlichem Aufstieg, 9 aus Besatz) ausgewertet werden. Jeweils ein Blankaal aus beiden Gruppen hat den kürzesten Weg vom Aussetzungsort zum Atlantik westwärts an der niederländischen Küste vorbei bis in den Ärmelkanal gewählt. Ein Aal aus der Eider (natürlicher Aufstieg) und drei Aale aus der Elbe (Besatz) sind dagegen eher nach Norden zwischen Großbritannien und Dänemark Richtung Norwegen gewandert. Die registrierten Wanderrouten der übrigen Blankaale waren zu kurz, um daraus eine eindeutige Richtungswahl abzuleiten.
[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] Auf leisen Pfoten Denkanstöße 11 Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz D 11 | September 2014 |1 Auf leisen Pfoten Dokumentation zur Tagung: Wildkatze, Luchs und Wolf Titelfoto: Ole Anders |2 INHALT |4 Vorwort Ulrike Höfken | Vorsitzende des Vorstands | Staatsministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz |5 Das EU LIFE-Projekt Soonwald Manuela Hopf | Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz |6 Neue Erkenntnisse zur Verbreitung der Wildkatze in Rheinland-Pfalz Ludwig Simon | Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz | 10 Das Rettungsnetz Wildkatze Sabine Yacoub | BUND | 30 Luchsmonitoring in Rheinland-Pfalz Ditmar Huckschlag | Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz | 33 Der Luchs zurück im Harz Ole Anders | Nationalpark Harz | 38 Einblicke in das Fotofallen-Monitoring von Luchsen, ihrer Nahrungsökologie und der Kampagne »Tierisch Wild« Kirsten Weingarth | Luchsprojekt Nationalpark Bayerischer Wald | 44 Luchsmanagement in Bayern – Monitoring, Ausgleichsfonds und Öffentlichkeitsarbeit Markus Schwaiger | Luchsprojekt Bayern | 12 Verhalten von drei benachbarten weiblichen Wildkatzen (Felis silvestris) während der Jungenaufzucht Dr. Mathias Herrmann | ÖKO-LOG| 48 Status quo? »Runder Tisch Großkarnivoren Rheinland-Pfalz« Dr. Peter Sound | Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz | 18 Der Luchs in der fragmentierten Landschaft Mitteleuropas Dr. Urs Breitenmoser | KORA| 50 Leben mit Wölfen Dr. Janosch Arnold | WWF | 26 Wiederansiedlung des Luchses (Lynx lynx carpathicus) im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen Jochen Krebühl | Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz| 52 Wolfsexkursion in die Lausitz – Erfahrungsaustausch in der Wolfsregion Frank Voigtländer | LJV Rheinland-Pfalz Moritz Schmitt | Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz | 54 Referentinnen und Referenten | 56 Glossar und Abkürzungsverzeichnis | 58 Impressum |3 VORWORT Liebe Leserin, lieber Leser, das diesjährige Heft 11 der Schriftenreihe »Denkanstöße« präsentiert Ihnen die Beiträge der Fachtagung »Wildkatze und Luchs« des LIFE-Projektes Soonwald im Juni 2013 inklusive einem Exkurs zum Wolf. Während die Wildkatze sich einer breiten Akzeptanz erfreut, sind unsere heimischen Großraubtiere Luchs und Wolf mit unter schiedlichen Emotionen verbunden. Der »kulturelle Rucksack« des Luchses ist klein, der Wolf hingegen hat noch immer mit dem Image des bösen Wolfes zu kämpfen, wie es die Gebrüder Grimm einst angelegt haben. Die Rückkehr der Großraubtiere ins Bundesgebiet bedeutet für den Naturschutz einen großen Erfolg, sie stellt unsere heutige Gesellschaft aber auch vor neue und ungewohnte Herausfor- derungen. Auf der Suche nach einer geeigneten Herangehens- weise im Umgang mit den Raubtieren mag ein Blick in andere Länder dazu dienen, das eigene Verhalten zu reflektieren. In anderen Gegenden gehört der Umgang mit Luchs und Wolf zum Alltagsgeschäft – bei uns lösen die Vorbereitungen einer Wiederansiedlung von Luchsen bzw. die Zuwanderung der Wölfe umfangreiche Vorbereitungen aus: Was sind die Ansprüche der Tierarten? Welche Risiken bestehen für die Tiere? Welche Auswirkungen und Schäden haben wir zu erwarten? Gibt es gar ein Risiko für den Menschen? Es ist mir wichtig, dass wir uns diesen Fragen stellen und mit großer Sorgfalt vernünftige Lösungsansätze entwickeln. Der Blick über den Tellerrand mag uns aber daran erinnern, dass die Akzeptanz von Tieren maßgeblich von den gesellschaftli chen Werten und dem Umgang der Gesellschaft mit den Tieren abhängt. Und genau hier sehe ich die aktuelle Aufgabe für Rheinland-Pfalz. Die Tierarten Luchs und Wolf werden nur dann dauerhaft in unserem Bundesland leben können, wenn eine gesellschaftliche Akzeptanz für die Tiere geschaffen werden kann. Das Vorkommen der Wildkatzen in Rheinland-Pfalz zählt in- zwischen zu den bedeutendsten in Mitteleuropa. Deshalb trägt Rheinland-Pfalz eine besondere Verantwortung zur Erhaltung dieser Art. Das Umweltministerium hat bereits zahlreiche Maß- nahmen zu ihrem Schutz – auch im Rahmen des LIFE-Projektes Soonwald – unterstützt. Es ist davon auszugehen, dass die Population der Wildkatzen in weiten Teilen unseres Landes stabil ist und sich im Austausch mit anderen Populationen befindet. |4 Ganz im Gegensatz zur Wildkatze liegt die letzte, bestätigte Sichtung eines einzelnen Luchses fünf Jahre zurück. Experten gehen davon aus, dass sich der Luchs in Rheinland-Pfalz nicht selbständig etablieren wird. Daher haben wir uns dazu ent- schlossen, die Luchse bei der Rückkehr nach Rheinland-Pfalz aktiv zu unterstützen: Die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland- Pfalz hat einen Förderantrag an die Europäische Kommission zur Wiederansiedlung des Luchses im Pfälzerwald gestellt. Dieser ist im April 2014 bewilligt worden. Wir werden damit einen Beitrag leisten, dass auch diese versteckt lebende Katzenart bei uns wieder heimisch werden kann. Beim Wolf ist eine eigenständige Zuwanderung möglich. In den letzten Jahren hatten wir einen sicheren Nachweis eines Wolfes sowie einige unbestätigte Hinweise. Vermutlich werden aus den Vorkommen im Nordosten oder im Süden weitere Tiere zuwan- dern. Zahlreiche Vorbereitungen begleiten bereits eine mögliche Zuwanderung von Wölfen. Im Umweltministerium haben wir einen »Runden Tisch Großkar- nivoren« einberufen. Damit wurde eine Plattform geschaffen, bei der sich unter anderem die Interessengruppen Jagd, Tierhal- tung und Naturschutz einbringen können. In einem gemeinsam entwickelten Managementplan sollen die Maßnahmen zum Mo- nitoring, zur Akzeptanzsteigerung bei verschiedenen Interessen- gruppen, zur Vermeidung und zur finanziellen Kompensation von Schäden an Nutztieren geregelt werden. Die Erfahrungen aus anderen Bundesländern möchten wir hierbei einbinden. Ich freue mich sehr, dass wir über das LIFE-Projekt Soonwald die Möglichkeit hatten, diese Fachtagung durchzuführen. Lassen Sie uns von anderen Menschen und ihren Ansätzen lernen und den Anschluss an vorhandene Erfahrungen im Umgang mit diesen Arten suchen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Freude beim Lesen der einzelnen Beiträge. Ulrike Höfken Vorsitzende des Vorstands Staatsministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz Abb. 1 | Moosbulten im Feuchtbereich des Soonwaldes. Foto: Sonja Klemich Manuela Hopf, Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz DAS EU LIFE-PROJEKT SOONWALD Mit seinen strukturreichen Waldbeständen und Wiesen sowie zahlreichen Fließ- und Stillgewässern bietet der Soonwald man- nigfaltige Lebensräume für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren. Diese besondere Naturraumausstattung, die mosaikartige Verteilung der Lebensräume und die vor- handene Artenvielfalt führten zur Auswei- sung als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) von gesamteuropäischer Bedeutung. Zur Aufwertung und zum Erhalt dieses Gebietes führt die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz gemeinsam mit Landesforsten Rheinland-Pfalz von Januar 2010 bis Dezember 2014 das »LIFE-Pro- jekt Soonwald« mit Förderung der euro päischen Union durch. Aktive Partner vor Ort sind das Forstamt Soonwald in Enten- pfuhl sowie das Walderlebniszentrum Soonwald in Neupfalz. Weitere Akteure und Behörden sind im Projekt eingebunden. Durch menschliche Nutzungseingriffe wurde der Soonwald stark verändert. Ein großer Teil des Waldes wurde bis Ende des 18. Jahrhunderts abgeholzt. Danach folgte eine intensive Wiederaufforstung, vor allem mit Fichten – dabei wurde auch ein künstliches Entwässerungssystem angelegt. Viele natürliche feuchtege- prägte Waldgesellschaften sind dadurch verschwunden. Auf der anderen Seite sind durch unterschiedliche historische Nutzungsformen wie Waldbeweidung wertvolle Lebensräume entstanden. Diese Bereiche sind heute durch eine fehlende Nutzung bzw. Pflege in ihrem Fortbeste- hen gefährdet. Die Maßnahmen des Projektes dienen vor allem der Entwicklung einer naturnahen, für den Soonwald typischen Waldland- schaft. Das heißt, neben feuchtebeein- flussten Eichen-Mischwäldern werden insbesondere Birken- und Erlenbruchwald- standorte sowie bachbegleitende Auen- wälder gefördert. Außerdem sind kleinere Stillgewässer und Offenlandbereiche im Maßnahmenkonzept integriert, um die gesamte Strukturvielfalt des Soonwaldes zu erhalten. Durch die biotopverbessernden Maßnah- men werden viele in diesen Lebensräumen vorkommenden und oftmals gefährdeten Tier- und Pflanzenarten gefördert. Beson- deres Augenmerk gilt hierbei den Amphi- bien, Libellen und Schmetterlingen sowie der Wildkatze. Neben einer gezielten Aufwertung wichtiger Lebensraumstruk- turen an Wiesen und Waldrändern sowie der Schaffung von Wurfplätzen, profitiert die Wildkatze auch von der Beruhigung einzelner Bereiche des Soonwaldes. Durch die Entwicklung und Freistellung einiger Bachtäler kann sich die Wildkatze neue Wanderrouten erschließen. Über die wald-, wasserbaulichen und naturschutzfachlich ausgerichteten Maßnahmen hinaus beinhaltet das Projekt eine umfangreiche Umweltbildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Schaffung zweier Lehrpfade, die Durchführung von Natur erlebnistagen sowie die Herstellung zahl- reicher Publikationen sind unter anderem Bestandteil des Maßnahmenpaketes. Auf der Projekt-Homepage www.life-soon- wald.de finden Sie weitere Informationen rund um das Projekt sowie viele interes- sante Beiträge zu den Lebensräumen und Arten. |5
Die Voruntersuchung wird wichtige theoretische Erkenntnisse der Machbarkeitsstudie 'Aktueller Status der Europäischen Auster (Ostrea edulis) und Möglichkeiten einer Wiederansiedlung in der deutschen Nordsee' (Gercken & Schmidt 2014) in der Praxis testen. Dies umfasst die Bestimmung geeigneter Wiederherstellungsflächen, die Identifikation von Bezugsquellen für geeignete Austern sowie Substrat und die Erhebung konkreter Wachstums- und Fitnessdaten der Europäischen Auster an den entsprechenden Standorten im Freiland. Vorhabenziel Die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen sollen zu allgemein verwertbaren Empfehlungen aufbereitet werden, um weitere Restaurationsmaßnahmen zu definieren und die Erstellung eines Restaurationsprogrammes für die deutsche Nordsee zu unterstützen. Wissenschaftliche und technische Arbeitsziele des Vorhabens - Aussagen zu Wachstum und Fitness (biologische Eignung) - Identifikation von Austernlieferanten - Empfehlung geeigneter Standorte - Empfehlung geeigneter Technologien Unter Berücksichtigung der Empfehlungen aus der vorliegenden Machbarkeitsstudie werden im Rahmen der Voruntersuchung die folgenden Teilbereiche bearbeitet: 1) Prüfung von rechtlichen Rahmenbedingungen und FFH Verträglichkeit 2) Bewertung und Berücksichtigung internationaler Austernrestaurationsvorhaben 3) Biologische Voruntersuchung und Standortauswahl 4) Auswahl von geeigneten Spenderpopulationen und Technologien 5) Ausbringen von Austern verschiedener Alters-/Größenklassen für Freilandversuche 6) Prüfung der perspektivischen Mitwirkungsbereitschaft von Fischerei/Aquakultur In alle Arbeitsbereiche fließen biologisch-ökologische Gesichtspunkte (aktuelle Erkenntnisse zu Erkrankungen/Parasiten, Erhalt der genetischen Vielfalt) sowie die Berücksichtigung der Leitlinien der verantwortungsvollen Wissenschaft mit ein.
Moore sind wichtige Kohlenstoffspeicher. Werden diese drainiert, werden die Kohlenstoffspeicher zu C-Quellen. Mit sachkundigen Wiedervernässungsmaßnahmen können diese Prozesse umgekehrt werden sowie vom Klimawandel bedrohten Tierarten eine Wiederansiedlung ermöglicht werden. Im Rahmen des Vorhabens sollen ausgewählte Moore und Feuchtgebiete im Raum NO-Bayern wiedervernässt werden und an bestehenden sowie wiedervernässten Mooren anhand eines Indikatorsystems eine Effizienzkontrolle durchgeführt werden.
| Organisation | Count |
|---|---|
| Bund | 28 |
| Land | 7 |
| Weitere | 3 |
| Wissenschaft | 3 |
| Zivilgesellschaft | 4 |
| Type | Count |
|---|---|
| Förderprogramm | 28 |
| Text | 3 |
| License | Count |
|---|---|
| Geschlossen | 3 |
| Offen | 28 |
| Language | Count |
|---|---|
| Deutsch | 30 |
| Englisch | 3 |
| Resource type | Count |
|---|---|
| Dokument | 1 |
| Keine | 27 |
| Webseite | 3 |
| Topic | Count |
|---|---|
| Boden | 12 |
| Lebewesen und Lebensräume | 31 |
| Luft | 11 |
| Mensch und Umwelt | 31 |
| Wasser | 23 |
| Weitere | 30 |