<p> <p>Klimawandelfolgen treffen alle Menschen, doch nicht alle gleichermaßen. Manche sind Hitze, Starkregen oder Hochwasser stärker ausgesetzt – oft aufgrund sozioökonomischer und demografischer Faktoren. Ein Forschungsprojekt zeigt: Technisch-planerische und sektorale Lösungen allein reichen nicht. Es braucht gezielte Maßnahmen für besonders verwundbare Gruppen, um soziale Ungleichheiten abzumildern.</p> </p><p>Klimawandelfolgen treffen alle Menschen, doch nicht alle gleichermaßen. Manche sind Hitze, Starkregen oder Hochwasser stärker ausgesetzt – oft aufgrund sozioökonomischer und demografischer Faktoren. Ein Forschungsprojekt zeigt: Technisch-planerische und sektorale Lösungen allein reichen nicht. Es braucht gezielte Maßnahmen für besonders verwundbare Gruppen, um soziale Ungleichheiten abzumildern.</p><p> Verstehen, wie <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/vulnerabilitaet">Vulnerabilität</a> gegenüber <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimafolgen">Klimafolgen</a> und soziale Ungleichheit sich gegenseitig verstärken <p>Der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimawandel">Klimawandel</a> verändert die Lebensbedingungen in Deutschland grundlegend. Hitzewellen, <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/starkregen">Starkregen</a> und Dürren nehmen zu. Das Forschungsprojekt „<a href="https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/soziale-dimensionen-von-klimawandelfolgen">Soziale Dimensionen von Klimawandelfolgen“</a> hat 250 internationale Publikationen umfassend ausgewertet. Das deutliche Fazit: Soziale Faktoren bestimmen, wie verwundbar eine Person oder Gruppe gegenüber diesen Klimafolgen ist.</p> <p>Die Literatur zeigt, dass die sozialen Dimensionen von Klimawandelfolgen weltweit insbesondere für Hitzewellen sowie Starkregen/Überschwemmungen gut erforscht sind. Sozial bedingte Vulnerabilität gegenüber Klimafolgen kann nicht eindeutig einzelnen Gruppen zugeschrieben werden, da sie kontextabhängig, dynamisch und intersektional geprägt ist. Berücksichtigt werden müssen: </p> <ul> <li>soziodemografische Merkmale wie Alter und Geschlecht,</li> <li>sozioökonomische Faktoren wie Einkommen und Bildung,</li> <li>sowie individuelle Voraussetzungen wie Gesundheitszustand oder Migrationsgeschichte.</li> </ul> <p>Diese Faktoren können sich im Zeitverlauf je nach Lebensabschnitt wie Ausbildung oder Berufsleben und Lebensphasen (beispielsweise Neugeborene, Kinder, Schwangerschaft, Senioren*Seniorinnen) verändern. Oft wirken diese Faktoren zusammen und verstärken sich gegenseitig. Dieses Phänomen bezeichnet die Forschung als Intersektionalität.</p> Welche sozialen Faktoren erhöhen die Vulnerabilität? <p>In der Literatur identifizierte relevante soziale Faktoren für eine erhöhte <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/verwundbarkeit">Verwundbarkeit</a> sind: </p> <ul> <li>(Vor-)Erkrankungen und Behinderungen <ul> <li>Berufsgruppe</li> <li>Geringes Einkommen und ungünstige Wohnverhältnisse wie Dachgeschosse und dicht besiedelte Stadtviertel</li> <li>Begrenzte zeitliche und räumliche Flexibilität im Alltag</li> </ul> </li> </ul> <p>Soziale Faktoren stellen eine häufige Ursache erhöhter Vulnerabilität gegenüber Klimafolgen dar, aber nicht die einzige. Auch bereits bestehende strukturelle Ungleichheiten beeinflussen und verstärken die Vulnerabilität, die unter anderem durch etablierte Rahmenbedingungen geprägt sind, wie wirtschaftliche Verhältnisse, politische Entscheidungen, historische Gegebenheiten und kulturelle Prägungen. Die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 ist dafür ein deutliches Beispiel: Historische Flussregulierungen, hohe Siedlungsdichte im Talboden und gewachsene Siedlungsstrukturen haben die Katastrophe massiv verstärkt.</p> Verwundbarkeit gegenüber Starkregen und Hochwasser <p>Wie stark eine Person von Starkregen oder Hochwasser betroffen ist, hängt von vielen Faktoren ab – nicht nur von Alter, Geschlecht, Bildung und Einkommen, sondern auch von der körperlichen und psychischen Verfassung einer Person. Eine wichtige Rolle spielt auch, wie man wohnt: Eigentum oder Miete, und wie der Versicherungsstatus eines Gebäudes ist. Eigentümer*innen können ihr Haus zwar präventiv besser schützen, tragen aber in der Wiederaufbauphase das höhere finanzielle Risiko. Mieter*innen haben weniger Einfluss auf bauliche Schutzmaßnahmen. Auch Sprachbarrieren und die Wohnlage beeinflussen die Betroffenheit erheblich.</p> <p>Ein zentrales Ergebnis der Studie: Der Alltag und die Gewohnheiten einer Person entscheiden darüber, wie vulnerabel sie gegenüber verschiedenen Extremwetterereignissen ist. Ältere Menschen sind etwa aufgrund geringerer Mobilität besonders gefährdet, wenn ein Fluss langsam in der Nacht über seine Ufer tritt und sie nicht schnell aus der Gefahrenzone kommen. Jüngere Menschen sind häufiger bei schnell einsetzenden Sturzfluten gefährdet, da sie mehr unterwegs sind. Zudem unterscheidet sich die Betroffenheit stark zwischen den Phasen des Ereignisses (Prävention, Reaktion, Erholung): Ältere Menschen, besonders mit Mobilitätseinschränkungen oder alleinlebend, sind beispielsweise vor allem in der Reaktions- und Wiederaufbauphase bei Hochwasser besonders gefährdet. Sie reagieren langsamer, erleiden oft stärkere physische und psychische Folgen und erhalten weniger Hilfe. Dafür sind sie in der Präventionsphase besser informiert und häufiger versichert. </p> Wer ist besonders vulnerabel gegenüber <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/hitzestress">Hitzestress</a>? <p>Bislang liegen vergleichsweise wenige Untersuchungen aus Europa und Deutschland zu den sozialen Dimensionen von Hitzestress und <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/anpassungskapazitaet">Anpassungskapazität</a> vor. Die Zahl entsprechender Studien in den vergangenen Jahren nimmt jedoch zu. Die Literatur zeigt, dass weltweit insbesondere fünf Bevölkerungsgruppen aufgrund sozialer Faktoren einem erhöhten Hitzestress ausgesetzt sind und/oder über eine verringerte Anpassungskapazität verfügen:</p> <ul> <li>ältere Menschen und Kinder</li> <li>Personen mit niedrigem sozioökonomischem Status</li> <li>ethnische Minderheiten beziehungsweise Personen mit Migrationserfahrung</li> <li>Personen, die im Freien arbeiten</li> <li>arbeitslose Menschen</li> </ul> Wo die Politik steht: Fortschritte und offene Fragen <p>Manche Bundesländer gehen in diesem Feld bereits voran. Berlin etwa erhebt bereits kleinräumige Daten zu Umweltgerechtigkeit, in denen soziale Benachteiligung u.a. mit Daten zur thermischen Belastung verknüpft werden. Dies ermöglicht eine Planung von lokal und sozial passgenauen Anpassungsmaßnahmen vor Ort. Andere setzen auf gesetzliche Pionierarbeit: Als erstes Bundesland hat Nordrhein-Westfalen im Jahr 2021 ein eigenes Klimaanpassungsgesetz verabschiedet – und darin verankert, dass beim <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/monitoring">Monitoring</a> des Klimawandels ausdrücklich auch seine sozialen Auswirkungen in den Blick genommen werden müssen. Das Land Berlin hat im Jahr 2025 mit einem Klimaanpassungsgesetz nachgezogen, das vorschreibt, dass sozialstrukturell benachteiligte „Hitzeviertel“ bei der Maßnahmenumsetzung priorisiert werden. Insgesamt werden die sozialen Dimensionen der Klimaanpassung in den Strategie-Dokumenten der Länder teils bereits differenziert adressiert.</p> <p>Die Analyse der deutschen Klimaanpassungspolitik zeigt, dass soziale Aspekte mehr Beachtung finden sollten. Die bisherigen Strategien des Bundes, wie die Deutsche <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/anpassungsstrategie">Anpassungsstrategie</a> an den Klimawandel (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/das">DAS</a>) und die Aktionspläne zur <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/anpassung-an-den-klimawandel">Anpassung an den Klimawandel</a>, fokussieren stark auf planerisch-technische und sektorale Lösungen. Ein Meilenstein ist das im Jahr 2024 in Kraft getretenen Bundes-Klimaanpassungsgesetz. Das Gesetz formuliert erstmals explizit das Ziel, eine Zunahme sozialer Ungleichheiten durch Klimawandelfolgen zu verhindern. Ein neues Cluster „übergreifende Handlungsfelder" adressiert vulnerable Gruppen und Arbeitsschutz. </p> Dialog mit der Gesellschaft: Bürger*innen haben klare Forderungen <p>Um die Perspektive der Betroffenen direkt einzubeziehen, führte das Forschungsprojekt ein Dialogforum durch. Bis zu 60 zufällig ausgeloste Bürger*innen mit unterschiedlichen sozialen Profilen erarbeiteten konkrete Maßnahmenempfehlungen. Ihre Kernbotschaften: </p> <ol> <li>Es braucht verbindliche Standards und gesetzliche Vorgaben – etwa für kühle Räume in Schulen und Altenheimen oder für den Arbeitsschutz bei Hitze. Die Verantwortung darf nicht allein bei den Einzelnen liegen.</li> <li>Öffentliche Infrastrukturen müssen so ausgebaut werden, dass sie allen Menschen offenstehen – auch denen, die besonders auf Unterstützung angewiesen sind: barrierefreie Trinkwasserstellen, kostenfreier Nahverkehr in kühle Umlandgebieten und mehr Begrünung in den Quartieren.</li> <li>Klimaanpassung muss sozial gerecht gestaltet werden: Vulnerable Gruppen sollten von Anfang an in die Planung einbezogen werden – mit aufsuchenden Formaten, die Menschen dort abholen, wo sie leben.</li> </ol> Handlungsempfehlungen für eine sozial gerechte Anpassung <p>Das Projekt gibt folgende Handlungsempfehlungen, um die Klimaanpassung von einer primär technischen hin zu einer gesellschaftlichen Gestaltungsaufgabe weiterzuentwickeln:</p> <ul> <li><strong>Ganzheitliche Perspektive und Intersektionalität:</strong> Anpassungsmaßnahmen müssen die komplexen Wechselwirkungen zwischen Klimawandel, sozialer Benachteiligung und Vulnerabilität berücksichtigen. Statt isolierter Betrachtungen braucht es handlungsfeldübergreifende Analysen, die die konkreten Lebenswelten und Lebensphasen der Betroffenen einbeziehen.</li> <li><strong>Von der Verhaltens- zur Verhältnisprävention:</strong> Die Verantwortung darf nicht allein auf das individuelle Verhalten abgewälzt werden. Vielmehr müssen strukturelle Rahmenbedingungen geschaffen werden – etwa durch flexible Arbeitszeiten, angepasste Öffnungszeiten öffentlicher Einrichtungen und den Ausbau von Schutzinfrastrukturen.</li> <li><strong>Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe verankern:</strong> Die Berücksichtigung sozialer Aspekte erfordert verbindliche Ressourcen. Viele Akteure fordern daher, die Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe nach Artikel 91a des Grundgesetzes zu verankern. Dies würde eine bessere Koordination und finanzielle Absicherung auf allen Ebenen – Bund, Ländern und Kommunen – garantieren.</li> <li><strong>Aktive Beteiligung vulnerabler Gruppen:</strong> Qualitative, lebensweltbezogene Erhebungen sind unverzichtbar, um Alltagspraktiken zu verstehen. Klassische Beteiligungsverfahren müssen durch aufsuchende Formate ergänzt werden, die schwer erreichbare Gruppen gezielt einbeziehen.</li> <li><strong>Beim Hitzeschutz braucht es ein breites Maßnahmenpaket:</strong> Soziale Faktoren sollten in Hitzeindizes einfließen, grüne und blaue Infrastrukturen so ausgebaut werden, dass sie fußläufig erreichbar sind, und Sprachbarrieren durch mehrsprachige Informationsangebote abgebaut werden. Der ländliche Raum braucht besondere Aufmerksamkeit, dort sind ältere Menschen und Beschäftigte in der Landwirtschaft häufig überproportional von Hitze betroffen. Der gesundheitliche Hitzeschutz sollte als gemeinschaftliche Aufgabe prioritär behandelt werden, um Zuständigkeiten und Finanzierung über die Sektoren hinweg zu bündeln.</li> </ul> <p>Um bestehende Wissenslücken zu schließen, braucht es weitere Forschung, unter anderem zu sozialer Ungleichheit bei gemessener Hitzestressbelastung in Europa, zum Einfluss von Mobilitätsmustern auf die Hitzebelastung sowie zu besonders vulnerablen Gruppen wie Wohnungslosen oder Geflüchteten, über die bislang kaum Daten vorliegen. </p> <p> </p> <p>Autorinnen: Vivien Kargoll, Christiane Bunge (Umweltbundesamt)</p> <p> </p> <p>Hier finden Sie den vollständigen <a href="https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/soziale-dimensionen-von-klimawandelfolgen">Abschlussbericht "Soziale Dimensionen von Klimawandelfolgen"</a> des Projekts.</p> <p> </p> <p><em>Dieser Artikel wurde als Schwerpunktartikel im Newsletter Klimafolgen und Anpassung Nr. 102 veröffentlicht. </em><a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/newsletter"><em><strong>Hier</strong></em></a><em> können Sie den Newsletter abonnieren.</em></p> </p><p> </p><p>Informationen für...</p>
Das Ziel von SP4 in Kili-SES-1 war es, die Beziehung zwischen dem Angebot von Naturleistungen (NCP) und dem menschlichen Wohlbefinden im sozial-ökologischen System (SES) des Kilimandscharos zu analysieren. Dabei wurde untersucht, wie ökonomische Präferenzen, sozioökonomische Charakteristika und die Interaktion auf Märkten diese Beziehung beeinflussen. Kili-SES-2 ergänzt diese Analyse durch die Untersuchung von Transformationspotenzialen. Da das SES u.a. aufgrund von Klimawandel und Populationsdynamiken einem steten Wandel unterworfen ist, ist die Anpassungsbereitschaft von Menschen innerhalb des SES von zentraler Bedeutung für die Resilienz des Systems. Der Impuls für Veränderungen in Interaktionsmustern mit der Natur, um sich an ökologische Veränderungen im SES anzupassen, kann von Institutionen, Initiativen oder von Einzelpersonen in einer Gemeinschaft ausgehen. In SP4 liegt der Fokus weiterhin auf der Rolle von Individuen, deren Transformationspotenzial anhand von zwei Leitfragen untersucht wird: Wie reagieren Menschen im SES auf Veränderungen im NCP-Angebot und welches Potential haben sie, andere Menschen im SES ebenfalls zu einer Veränderung ihrer Interaktionsmuster mit der Natur zu bewegen? Um die erste Frage zu beantworten, untersuchen wir individuelle Einflussfaktoren für die Bereitschaft, Änderungen in der Interaktionsweise mit der Natur vorzunehmen. Insbesondere betrachten wir die Rolle von Merkmalen der NCP-Änderung (z.B. Angebotsanstieg vs. - rückgang) und Merkmalen der Lösungspfade (marginale vs. transformative Veränderung). Die Beantwortung der zweiten Frage erfordert ein Verständnis dafür, wie individuelle Veränderungen zu gesellschaftlichen Veränderungen führen können, wobei neben den soziodemografischen Merkmalen einer Person insbesondere ihre Einbettung in das soziale Netzwerk betrachtet wird. Diese Fragestellungen sollen in drei miteinander verbundenen Arbeitspaketen (WPs) analysiert werden. In WP1 wird ein multifaktorielles Vignettenexperiment verwendet, um die individuelle Bereitschaft zu Verhaltensänderungen aufgrund einer Änderung des NCP-Angebots in Abhängigkeit von den Merkmalen der NCP-Änderung und der möglichen Lösungspfade zu untersuchen. In WP2 wird eine auf dem Experiment aufbauende Fragebogenuntersuchung durchgeführt, die neben soziodemografischen Charakteristika insbesondere die Rolle der Wahrnehmung von Problemen, Lösungspfaden und vorhandenen Ressourcen analysiert. In WP3 wird schließlich durch ein Experiment und der Analyse des sozialen Netzwerkes der jeweiligen Person betrachtet, wer besonders geeignet ist, um Veränderungen in der Gemeinschaft zu verbreiten. Insgesamt wird unsere Forschung damit umfassende Informationen für die Beurteilung der Frage liefern, wie Individuen im Kili SES auf ökologische Veränderung reagieren und so maßgeblich zum Verständnis der Dynamiken innerhalb des SES beitragen. SP4 liefert auf diese Weise wichtiges System- und Transformationswissen für die Arbeit der Forschungsgruppe.
Der Nationalpark (NLP) Bayerischer Wald und der tschechische NLP Šumava, die gemeinsam das größte zusammenhängende streng geschützte Waldgebiet Mitteleuropas bilden, sind seit Anfang der 1990er-Jahre von Massenvermehrungen von Borkenkäfern betroffen. Die damit verbundenen Totholzflächen prägen das Waldbild und die Wahrnehmung der Besucherinnen und Besucher. Im Rahmen eines grenzüberschreitenden sozioökonomischen Monitorings wurde 2018/2019 in beiden NLP eine standardisierte Befragung zum Naturerlebnis und zur Wahrnehmung von Totholzflächen durchgeführt (N = 867). Ziel war es, mehr über die emotionale Totholzwahrnehmung der deutschen und tschechischen Besucherinnen und Besucher zu erfahren und Unterschiede bei den Zusammenhängen zwischen soziodemographischen Faktoren und der Totholzwahrnehmung zu untersuchen. Dabei konnten signifikante Unterschiede zwischen den Gästen der beiden NLP identifiziert werden. Im Gegensatz zu den deutschen Befragten empfanden die tschechischen Befragten häufiger Stress- und Trauergefühle, wenn sie große Flächen mit Totholz sahen. Es zeigte sich zudem, dass soziodemographische Faktoren und die emotionale Totholzwahrnehmung bei deutschen und tschechischen Befragten unterschiedlich zusammenhingen. Während bei den tschechischen Befragten Frauen und ältere Personen Totholz tendenziell stärker mit negativen Gefühlen verbanden, waren dies bei den deutschen Befragten Personen ohne Hochschulabschluss. Signifikante Unterschiede zwischen den beiden Gruppen konnten jedoch nur beim Faktor Alter identifiziert werden. Als Gründe für die unterschiedliche Totholzwahrnehmung können voneinander abweichende historische Entwicklungen und soziokulturelle Bedeutungszuschreibungen der beiden NLP angeführt werden. Die vorliegenden Erkenntnisse können als Orientierungsrahmen für eine dialogorientierte Öffentlichkeitsarbeit dienen, die zielgruppenspezifische Informationsangebote bereitstellt.
Zielsetzung: - die durch Massentourismus hervorgerufenen Probleme (insbesondere die oekologischen Probleme) sollen aufgezeigt werden, - die Wahrnehmung und das Verhalten von Touristen und Einheimischen mit unterschiedlichen sozio-demographischen Merkmalen bezueglich der oben genannten Probleme sollen untersucht werden, - Vorschlaege zur Minderung der oben genannten Problematik sollen formuliert werden.
Welche Rolle spielt Vertrauen für die Risikowahrnehmung von Rezipient*innen in verschiedenen Kommunikationskontexten? Forschungsnehmer: Nationales Institut für Wissenschaftskommunikation (NaWik) gGmbH Projektleitung: Dr. P. Niemann Beginn: 01.04.2023 Ende: 31.05.2024 Finanzierung: 115.212,68 Euro Hintergrund Vertrauen wird eine wichtige Rolle im Kontext der Wissenschafts- und Risikokommunikation zugeschrieben. Während die deutsche Bevölkerung Wissenschaft und Forschung in hohem Maße vertraut ( Wissenschaft im Dialog/Kantar 2020 ), ist ihr Vertrauen in die staatlichen Einrichtungen des Strahlenschutzes etwas geringer ausgeprägt ( Götte/Ludewig 2019 ). Für die Kommunikationspraxis des BfS und des Bundesumweltministeriums stellt sich damit die Frage, wie das Vertrauen der Bevölkerung in die Behörden des Strahlenschutzes verbessert werden kann. Vor diesem Hintergrund behandelt das Forschungsprojekt folgende Fragestellungen: Was sind die relevanten Faktoren für Vertrauen seitens der Bevölkerung in die Institutionen des Strahlenschutzes? Wie beeinflusst Vertrauen die Wahrnehmung und Bewertung von Strahlenrisiken und wie wirkt sich die Kommunikationspraxis des BfS und des Bundesumweltministeriums auf das Vertrauen in den Strahlenschutz aus? Welche Strategien zur Stärkung des Vertrauens in die Behörden des Strahlenschutzes lassen sich ableiten? Zielsetzung Das Ziel des Forschungsvorhabens ist es, Erkenntnisse über die Wirkung sowie über die Voraussetzungen von Vertrauen in die Institutionen des Strahlenschutzes zu gewinnen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Fragen nach der Bedeutung von Risikokommunikation für diesen Zusammenhang lag. Mit Blick auf die fortschreitende Digitalisierung ist zudem die spezifische Wirkung von Online-Medien und Online- Risikokommunikation auf das Institutionenvertrauen von Interesse. Auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse sollen Handlungsempfehlungen zur Verbesserung des Vertrauens in die Behörden des Strahlenschutzes entwickelt werden. Methodik und Durchführung Literaturrecherche Im ersten Arbeitspaket wurde eine Recherche zum aktuellen themenbezogenen Forschungsstand sowie zu den Methoden durchgeführt, die für die Fragestellungen des Forschungsvorhabens relevant sind. Dazu zählen Definitionen von Vertrauen sowie Erkenntnisse zu den Voraussetzungen der Vertrauensbildung, insbesondere zur Bedeutung von Vertrauen für die Risikokommunikation und die gesellschaftliche Wahrnehmung von Risiken. Relevant war in diesem Zusammenhang auch der Forschungsstand zu Vertrauen in Wissenschaft sowie in wissenschaftliche Institutionen, insbesondere in Behörden des Strahlenschutzes. Ein weiterer Schwerpunkt der Literaturrecherche lag auf der Wirkung von Online-Medien und Onlinekommunikation auf die Risikowahrnehmung und das Institutionenvertrauen bei Rezipient*innen. Darüber hinaus wurde der Kenntnisstand in Bezug auf für das Forschungsvorhaben relevante Erhebungsinstrumente zusammengetragen. Qualitative Erhebung Im zweiten Arbeitspaket wurden 40 leitfadengestützte Interviews durchgeführt. Diese zielten darauf ab, Erkenntnisse zu den Bedingungen von Vertrauen in die Institutionen des Strahlenschutzes, zum Einfluss der Risikokommunikation auf Institutionenvertrauen sowie zur Wirkung von Vertrauen auf die Risikowahrnehmung der Befragten zu gewinnen. Quantitative Erhebung Im dritten Arbeitspaket wurde eine standardisierte und hinsichtlich soziodemographischer Merkmale repräsentative Online-Befragung (CAWI) durchgeführt, die in Deutschland und in Privathaushalten lebende Personen ab 18 Jahren berücksichtigt. Analog zur qualitativen Teilstudie werden folgende Themenkomplexe behandelt: Grundlagen von Institutionenvertrauen, Einfluss von Risikokommunikation auf Vertrauen , Einfluss von Vertrauen auf die Risikowahrnehmung der Befragten. In der quantitativen Erhebung sollte überprüft werden, ob und inwieweit die im vorherigen Arbeitsschritt gewonnenen Erkenntnisse verallgemeinert werden können. Dabei sollte auch Erkenntnisse über die Stärke des Einflusses relevanter Variablen und Faktoren (etwa hinsichtlich des Einflusses von Risikokommunikation auf Vertrauen bzw. des Einflusses von Vertrauen auf die Risikowahrnehmung ) gewonnen werden. Abschluss Im vierten Arbeitsschritt werden alle im Verlauf des Forschungsvorhabens durchgeführten Arbeiten sowie die dabei gewonnenen Erkenntnisse bilanziert und zu Handlungsempfehlungen für eine Steigerung des Vertrauens in die Institutionen des Strahlenschutzes verdichtet. Im vierten Arbeitsschritt wurden alle im Verlauf des Forschungsvorhabens durchgeführten Arbeiten sowie die dabei gewonnenen Erkenntnisse bilanziert und zu Handlungsempfehlungen für eine Steigerung des Vertrauens in die Institutionen des Strahlenschutzes verdichtet. Die Ergebnisse des Vorhabens wurden in einem Abschlussbericht veröffentlicht. Literatur Götte, S. /Ludewig, Y. (2019). Was denkt Deutschland über Strahlung? Umfrage 2019 Wissenschaft im Dialog/Kantar (2020). Wissenschaftsbarometer Corona Spezial (letzter Zugriff: 08.08.2022). Stand: 22.08.2025
Risikowahrnehmung der Öffentlichkeit zur Mobilfunktechnologie Diskussionen über mögliche gesundheitliche Risiken durch hochfrequente elektromagnetische Felder, zum Beispiel in der Umgebung von Rundfunk- und Fernsehsendern, finden bereits seit Jahrzehnten statt. Der rasante Ausbau der Mobilfunknetze seit der Jahrtausendwende und widersprüchliche Berichte darüber führten zu Diskussionen über die möglichen Gefahren der Mobilfunktechnologie. Nutzung und Akzeptanz der Mobilfunktechnologie Die Mobilfunktechnologie ist gekennzeichnet durch eine hohe Akzeptanz in großen Teilen der Bevölkerung. Einige Bevölkerungsgruppen nutzen das Mobiltelefon inzwischen bereits deutlich mehr als das Festnetztelefon bzw. besitzen gar keinen Festnetzanschluss mehr. Einer Befragung zufolge, die das Bundesamt für Strahlenschutz ( BfS ) in Auftrag gegeben hat, nutzten im Jahr 2013 80 Prozent der Deutschen über 14 Jahre ein Mobiltelefon. Die Telefonie steht dabei nicht mehr im Vordergrund, es wird mehr im Internet gesurft, gechattet und auch gespielt. Das tatsächliche Ausmaß der Smartphone - und Handynutzung ist dabei von Person zu Person und in verschiedenen Altersgruppen sehr unterschiedlich. Ausführliche Informationen hierzu sind in den Berichten über die Umfragen zu Mobilfunk 2003 bis 2006, 2009 und 2013 zu finden. Smartphones und inzwischen stark eingeschränkt klassische Handys sind in der Bevölkerung zu wichtigen Alltagsgegenständen geworden, mit denen Familienleben, Arbeit und Freizeit organisiert werden. Im Jahre 2020/2021 wurde eine weitere Umfrage zum Thema Mobilfunk und insbesondere den 5G-Ausbau durchgeführt. Der Abschlussbericht zu dieser Studie ist in DORIS verfügbar. Diskussionen um die möglichen Risiken des Mobilfunks Bei der Diskussion um mögliche gesundheitsbeeinträchtigende Wirkungen der hochfrequenten elektromagnetischen Felder des Mobilfunks spielen mögliche Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche eine besondere Rolle. Sie könnten auf Umwelteinflüsse empfindlicher reagieren als Erwachsene und deshalb aus Gründen der Vorsorge besonders berücksichtigt werden. In Debatten wird eine Vielzahl tatsächlicher oder vermuteter Wirkungen diskutiert. Fundierte Informationen, Vermutungen und feststehende Überzeugungen treffen hier aufeinander. Extreme Positionen dramatisieren entweder ein mögliches Risiko oder verneinen es vollständig. Auch die Meinungen über gesundheitliche Wirkungen der elektromagnetischen Felder des Mobilfunks sind sehr unterschiedlich. Neben den gesundheitlichen Risiken geht es zum Beispiel um die Grundlagen der deutschen Immissionsschutz-Grenzwerte oder das komplexe Feld des Ineinandergreifens von Politik, Mobilfunkbetreibern und Strahlenschutzgremien. Kenntnisse der Bevölkerung in Wissenschaft und Technik Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die Bevölkerung über die verschiedenen Teilbereiche des Themas "Mobilfunk" schlecht informiert fühlt. So hat sie zum Beispiel wenig Verständnis für die Diskussionen unter Wissenschaftlern über Qualität und Bedeutung einzelner Studien zu biologischen Wirkungen hochfrequenter Felder und interpretiert diese oft als bewusstes Zurückhalten wichtiger Ergebnisse. Die bestehenden wissenschaftlichen Unsicherheiten über die biologischen Wirkungen der elektromagnetischen Felder des Mobilfunks werden oft als Beweis für deren Schädlichkeit interpretiert. Um Mobilfunk richtig zu verstehen, braucht man viele physikalische und technische Vorkenntnisse. Beim sachlichen Dialog zwischen Fachleuten und der Öffentlichkeit kommt es entsprechend zu Missverständnissen, weil die Bevölkerung diese Kenntnisse oft nicht hat. Hinzu kommt, dass die häufig emotional geprägte Argumentation der Bevölkerung einer rein sachlichen Kommunikation von Vertretern von Behörden, Kommunen oder Mobilfunknetzbetreibern gegenübersteht. Diese sachliche Kommunikation von Seiten der Experten blendet Emotionen aus und die Experten können sich oftmals nicht in die Argumente der besorgten Bevölkerung hineinversetzen. Auch die Frage, ob Vorsorgemaßnahmen erforderlich sind und wenn ja, welche Maßnahmen sinnvoll und notwendig sind, wird in der Bevölkerung, der Politik, in den Behörden, in den Medien und von verschiedenen Interessengruppen unterschiedlich diskutiert. Dazu kommt die Verunsicherung der Bevölkerung, inwieweit Medienberichte richtig sind und die Frage, welchen Aussagen über wissenschaftliche Erkenntnisse man Glauben schenken kann. Das BfS hat daher in einem Forschungsvorhaben Leitfäden für die Beurteilung von Medienberichten sowie von wissenschaftlichen Publikationen in Form von Fragenkatalogen erstellen lassen. Proteste in der Bevölkerung In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Protesten gegen einzelne Sendeanlagen . Anlässe waren unter anderem die Errichtung von Sendeanlagen für den digitalen Behördenfunk BOS und die Einführung des Mobilfunkstandards LTE (Long-Term Evolution, auch als 4G-Standard bekannt). Bei der Einführung des 5G-Standards kam es wie in der Vergangenheit zuvor erneut zu Protesten. Von Seiten der Kritiker wird als ein wichtiges Argument gegen die Sendeanlagen eine starke und dauerhafte Exposition durch die elektromagnetischen Felder der Anlagen angeführt. Dieser Dauerexposition fühlen sich Teile der Bevölkerung "ausgesetzt". Man könne ihr nicht entkommen. Wohingegen sich jeder einzelne selbst entscheiden könne, ob er ein Smartphone oder Handy benutzt und die damit verbundene Strahlenbelastung in Kauf nimmt. Zudem wurde das Vorgehen der Mobilfunkbetreiber bei der Errichtung neuer Mobilfunkanlagen häufig kritisiert. Zudem kritisiert die Bevölkerung oft die Errichtung neuer Mobilfunkantennen. Vor allem am Anfang des Ausbaus fühlten sich viele, als würden die Antennen heimlich und ohne ihre Mitbestimmung aufgestellt. Zielgruppengerechte Informationen nötig Um Informationen über den Mobilfunk zielgruppengerecht bereitstellen zu können, hatte das BfS mehrere Studien in Auftrag gegeben. Die Studien beschäftigten sich mit der Frage, wie die Bevölkerung den Mobilfunk wahrnimmt und welches Informationsbedürfnis sie hat. Es zeigte sich zum Beispiel, dass sich verschiedene Zielgruppen über ihre jeweils spezifische Einstellung zum Mobilfunk hinaus auch durch weitere Merkmale unterscheiden – wie zum Beispiel ihr Informationsverhalten, die Persönlichkeitsstruktur, ihre generelle Einstellung zu Risiken, Vertrauen in den Staat und soziodemografische Merkmale wie zum Beispiel das Alter. Die Ergebnisse dieser Studien und die dazu gehörigen Bewertungen des BfS finden Sie im Forschungsbericht Zielgruppenanalyse zur differenzierten Information und im Abschlussbericht des Deutschen Mobilfunkforschungsprogramms ( DMF ). Zur näheren Beschreibung der Wahrnehmung und Sorgen der Bevölkerung im Zusammenhang mit dem Mobilfunk gab das BfS in den Jahren 2003 bis 2006 sowie in den Jahren 2009 und 2013 repräsentative Umfragen in Auftrag. Hier wurden verschiedene Faktoren untersucht, die für den Umgang mit dem Thema Mobilfunk in der Öffentlichkeit eine Rolle spielen. Ebenso wurde deren Entwicklung über die Zeit beobachtet. Die Abschlussberichte geben einen detaillierten Einblick in die Befragungsergebnisse . Elektrosensibilität Personen, die gesundheitliche Beschwerden auf das Vorhandensein elektrischer und magnetischer Felder zurückführen, bezeichnen sich zum Teil selbst als "elektrosensibel". Das Phänomen der Elektrosensibilität gibt es schon seit vielen Jahren, wobei die Beschwerden von den Betroffenen zunächst auf die niederfrequenten Felder des Haushaltsstroms zurückgeführt wurden. Seit dem starken Ausbau der Mobilfunknetze zu Beginn der Jahrtausendwende benennen sie auch die hochfrequenten elektromagnetischen Felder als mögliche Ursachen. Zukünftige Forschung Es ist davon auszugehen, dass es auch in Zukunft Konfliktpotential bei der Errichtung von Sendeanlagen geben wird. Aufgrund der Erweiterung bzw. des Ausbaus des Mobilfunknetzes für 5G entstanden wieder Konflikte. Nach wie vor bestehen Diskrepanzen zwischen den von Teilen der Bevölkerung befürchteten Risiken und den Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung. Daher werden die Themen der Risikowahrnehmung und der Risikokommunikation im Zusammenhang mit dem Mobilfunk weiterhin Gegenstand der Forschung sein. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt im Zusammenhang mit der Risikowahrnehmung und Risikokommunikation ist der Ausbau der Stromnetze . Die Forschungsergebnisse sind Grundlage für die Weiterentwicklung praktischer Konzepte, die bei der Optimierung der Risikokommunikation des BfS im Sinne einer umfassenden und objektiven Information der Öffentlichkeit umgesetzt werden können. Dieser Artikel wurde sprachlich mit KI überarbeitet. Stand: 30.07.2025
| Organisation | Count |
|---|---|
| Bund | 40 |
| Europa | 1 |
| Kommune | 1 |
| Land | 2 |
| Weitere | 3 |
| Wissenschaft | 7 |
| Type | Count |
|---|---|
| Ereignis | 1 |
| Förderprogramm | 23 |
| Text | 9 |
| unbekannt | 12 |
| License | Count |
|---|---|
| Geschlossen | 21 |
| Offen | 24 |
| Language | Count |
|---|---|
| Deutsch | 41 |
| Englisch | 12 |
| Resource type | Count |
|---|---|
| Bild | 4 |
| Dokument | 9 |
| Keine | 25 |
| Multimedia | 1 |
| Webseite | 17 |
| Topic | Count |
|---|---|
| Boden | 26 |
| Lebewesen und Lebensräume | 41 |
| Luft | 27 |
| Mensch und Umwelt | 45 |
| Wasser | 21 |
| Weitere | 44 |