Der Klimawandel führt in deutschen Städten zu einem hohen Anpassungsdruck. Ein besonders vielversprechender Ansatz, um resilienter gegenüber Wetterextremen wie Hitze, Dürre und Starkregen zu sein, sind Naturbasierte Lösungen (NbS). Das neue Forschungsvorhaben Blue Green City Coaching (BGCC) - Implementierung blaugrüner Infrastrukturen zur Klimaanpassung kleinerer deutscher Großstädte: Aufbau eines wissenschaftsbasierten und anwendungsorientierten Coachings für Entscheidungsträger*innen in Stadt- und Regionalplanung, erarbeitet vor diesem Hintergrund bis Ende 2027 Analyse-Instrumente, die Potenziale und Grenzen von NbS für die Stärkung der urbanen Klimaresilienz offenlegen. Im Rahmen des Projektes durchlaufen ca. 10 deutsche mit 100.000 bis 300.000 Einwohnern ein individuelles Coaching. Das Coaching stellt Praxisnähe her, schafft institutionalisierte Partizipation der Entscheidungsträger*innen in der Stadt und testet zugleich verschiedene Bewertungsmethoden für NbS. Konkret soll das BGCC Entscheidungsträger*innen befähigen, wissenschaftlich koordiniert anwendbare Implementierungsstrategien für blaugrüne Infrastrukturen (BGI) zu erstellen. Dabei werden Potentiale und Grenzen identifiziert und diese möglichst im interkommunalen Austausch und mit Hilfe der sozialwissenschaftlichen, juristischen und siedlungswasserwirtschaftlichen Expertise des Projektteams überwunden. Methodisch werden vorhandene Bewertungssysteme für die Effekte und Potentiale wasserbezogener NbS in einer Coaching-Toolbox gebündelt, um Stadtakteuren Argumente und praxisnahe Hilfestellungen für NbS-Potentiale an die Hand zu geben. Bei diesen in der Coaching-Toolbox enthaltenen Potentialen geht es neben finanziellen Anreizen beispielsweise um Monitoring von Biodiversität und Stadtklima mit vielfältigen Effekten auf die Stadtgesundheit – dazu zählen unter anderem die Verringerung der Anzahl von Hitzetoten, eine erhöhte Lebenserwartung und verringerte Gesundheitskosten. Abschließend analysieren sozialwissenschaftliche Expert*innen des Projektteams systematisch die Umsetzungspotenziale und -hemmnisse und bündeln die Ergebnisse. Als Kernprodukt von BGCC entsteht das “BG-Coaching-Handbook”, welches die Toolbox-Inhalte als Handlungsanleitung für die Infrastrukturplanung auch für andere Kommunen replizierbar macht.
Stadtklima und Gesundheit – eine Herausforderung für die Gestaltung städtischer Lebensräume Die menschliche Gesundheit ist unsere Lebensgrundlage. Die städtischen Lebens- und Umweltbedingungen haben maßgeblich Einfluss auf das Wohlbefinden, die Gesundheit und die Lebenserwartung für städtische Bevölkerungen. Die Umweltwirkungen auf die menschliche Gesundheit im Kontext des städtischen Klimas können von den bioklimatischen Eigenschaften der Stadt, vor allem bestimmt durch städtische Wärmeinseln und Luftschadstoffe, abgeleitet werden. Bereits heute, vor allem aber in der Zukunft stellen die Besonderheiten des Stadtklimas im Verbund mit den Auswirkungen des Klimawandels, der Überalterung der Gesellschaft, städtischen Lebensweisen und einer ungleichen sozialen Verteilung von Umweltbelastungen große Herausforderungen für die Gestaltung städtischer Lebensräume dar. Da Metropolen wie Berlin ein innerstädtisches Mosaik verschiedener Stadt-, Bevölkerungs- und Sozialstrukturen sowie Umweltbedingungen aufweisen, sind gesundheitliche Auswirkungen ebenso räumlich unterschiedlich ausgeprägt. So sind nicht nur die Umweltbedingungen in einem Stadtgebiet entscheidend, sondern auch wie hoch der Anteil der Personengruppen ist, die diesen Belastungen gegenüber eine besondere Vulnerabilität aufweisen. Vor allem ältere und allein lebende Personen, chronisch Kranke oder sozial Schwache sind von Umweltbelastungen häufig in einem stärkeren Ausmaß betroffen (Böhme et al. 2013). Zum Erhalt bzw. zur Schaffung einer für den Menschen gesunden städtischen Umwelt ist einerseits das Verständnis von den Wirkungen des Stadtklimas auf die Gesundheit entscheidend. Andererseits stellen räumlich differenzierte Betrachtungen zu Mensch-Umwelt-Beziehungen in städtischen Gebieten eine wichtige Grundlage dar. Der Stadtplanung kommt dabei eine maßgebliche Aufgabe zuteil, gerade im Hinblick auf die Folgen des Klimawandels. So hat die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt 2011 den Stadtentwicklungsplan Klima (SenStadtUm 2011) veröffentlicht und im Rahmen der Klimaanpassungsstrategie des Landes Berlin das Klimaschutzteilkonzept „Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ (SenStadtUm 2016) entwickelt. Planungshinweiskarten unterstützen das Ziel, ein gesundes Stadtklima zu erhalten bzw. zu schaffen. Bei der Bewertung stadtklimatischer Belastungssituationen und Entlastungsfunktionen sowie der Ausweisung von Flächen mit besonderen stadtklimatischen Missständen und der Vulnerabilität gegenüber dem Stadtklima werden neben Flächennutzungen und Grünflächenversorgungen auch demographische Strukturen berücksichtigt. Die Identifizierung von erhöhten gesundheitlichen Risiken durch Wärme- und Luftschadstoffbelastungen auf Basis von Gesundheitsdaten in räumlicher Auflösung können als wichtige Ergänzung für die Planung und Umsetzung von Minderungs- und Anpassungsmaßnahmen zum Schutz der Gesundheit verstanden werden. Wie ist der Zusammenhang zwischen dem Stadtklima und der menschlichen Gesundheit? Stadtstrukturen modifizieren die bioklimatisch relevanten Parameter Lufttemperatur, Luftfeuchte und Luftbewegungen sowie den Strahlungs- und Energieaustausch. Dabei kann sich das Stadtklima auf direktem und indirektem Wege auf den Menschen auswirken. Denn städtische Wärmeinseln und Luftschadstoffe in der Stadtatmosphäre haben nicht nur direkten Einfluss auf den Menschen, sondern auch auf Wasser, Boden, Flora sowie Fauna in der Stadt. Und über diese Teilsphären (Hydrosphäre, Pedosphäre, Biosphäre) lassen sich ebenso indirekte Wirkungspfade zum Menschen feststellen. Im Folgenden soll der Schwerpunkt der Betrachtung auf den direkten Auswirkungen der städtischen Wärmebelastung auf die menschliche Gesundheit liegen. Städtische Wärmeinseln Die städtische Wärmeinsel wirkt bioklimatisch sowohl vorteilig als auch nachteilig auf die menschliche Gesundheit. Positiv zu bewerten sind eine Verkürzung der winterlichen Frostperiode und eine Reduzierung der Anzahl der Heiztage, wodurch Luftschadstoffimmissionen nachlassen (Kuttler 1998) und das Risiko bezüglich kälteassoziierter Erkrankungen und Sterbefälle vermindert ist. Verkürzte Frostperioden bzw. mildere Winter bedingen allerdings auch eine Verlängerung der Vegetationsperiode und damit der Pollensaison, was Allergien fördern und verstärken bzw. das Allergenspektrum verändern kann (Eis et al. 2010). Ebenso ist mit erhöhten Infektionsrisiken zu rechnen, da es zu günstigeren Lebens- und Ausbreitungsbedingungen für tierische Zwischenwirte und Überträger (Vektoren) von Krankheitserregern kommt (Eis et al. 2010). Nachteilig äußert sich die städtische Überwärmung vor allem in den Sommermonaten, wo die größte Intensität nachts ausgeprägt ist. Da diese Belastungsschwerpunkte mit der nächtlichen Erholungsphase des Menschen zusammentreffen, stellen sie an kontinuierlich heißen Tagen eine zusätzliche Beanspruchung für den menschlichen Organismus dar (Koppe et al. 2004). Aber auch tagsüber können im Sommer hohe Lufttemperaturen, geringe Windintensitäten und räumlich unterschiedliche Strahlungsverhältnisse zu Hitzestress führen. Dabei ist der Grad der Wärmebelastung hauptsächlich durch die Sonneneinstrahlung bestimmt. Hitzewellen, also mehrere wärmebelastete Tage in Folge, stellen in Städten ein spezielles Problem dar, da sich Gebäude und versiegelte Flächen über Tage aufheizen, diese Wärme speichern und verzögert wieder abgeben. Wenn in diesen Fällen eine adäquate Belüftung über Nacht ausbleibt, empfinden Einwohner in diesen Stadtgebieten einen anhaltenden thermischen Stress über die Tages- und Nachtstunden, während Bewohner in begünstigten Stadtarealen durch den kühlenden Einfluss benachbarter Freiflächen eine Wärmeentlastung über Nacht erfahren. Berlin zeichnet sich mit seiner herausragenden Mischung von bebauten und begrünten Flächen durch ein Mosaik verschiedener mikroskaliger Klimate und damit große Unterschiede in den thermischen Bedingungen auf kleinem Raum aus. Deren klimatische Auswirkungen zu bewerten, ist eine vorrangige Aufgabe der dreigeteilten Planungshinweiskarte Stadtklima. Wärmebelastung Unter Wärmebelastung wird eine gesundheitsrelevante Bewertung der thermischen Umwelt verstanden. Die Wärmebelastung wird entweder anhand einfacher Verfahren bestimmt, z.B. Schwellenwerte der Lufttemperatur (klimatologische Kenntage), oder anhand komplexer Verfahren, z.B. mittels dem Predicted Mean Vote (PMV), der gefühlten Temperatur, der Physiological Equivalent Temperature (PET) oder dem Universal Thermal CIimate Index (UTCI), einer Fortschreibung des vom Deutschen Wetterdienst angewendeten Klima-Michel-Modells und der gefühlten Temperatur (Koppe 2005, Jendritzky et al. 2009). Die thermische Belastung unterscheidet sich in Wärmebelastung und Kältereiz. Ab einer starken Wärmebelastung wird auch von Hitzebelastung oder Hitzestress gesprochen, wobei die Begriffe häufig synonym verwendet werden bzw. keine einheitlichen Definitionen vorliegen. Werden die Mortalität (Sterblichkeit oder Sterberate bezogen auf die Gesamtheit der Bevölkerung) und z.B. die Lufttemperaturen über das Kalenderjahr betrachtet, kann im Allgemeinen ein U-förmiger Kurvenverlauf festgestellt werden (vgl. Abbildung 21). h6. Durchgezogene Linie: Temperatur-Mortalitäts-Beziehung über das Kalenderjahr. Gestrichelte Linie: Temperatur-Mortalitäts-Beziehung während Phasen starker Wärmebelastung oder während Sommermonaten (Scherber 2014) Der Kurvenverlauf kann in Abhängigkeit des regionalen Klimas, der betrachteten Saison im Jahr und der Todesursache variieren (Koppe et al. 2004, Michelozzi et al. 2009, Schneider et al. 2009). In den mittleren Breiten weist die Gesamtmortalität (alle Todesursachen) ein Maximum im Winter und ein Minimum im Sommer auf. In besonders heißen Sommern, wie es in Berlin in den Jahren 1994, 2006 und 2010 der Fall war, kann die Gesamtmortalität jedoch das Wintermaximum auch überschreiten (vgl. Abbildung 22). Hitzebedingte Erkrankungen Der menschliche Organismus toleriert Abweichungen der Körperkerntemperatur nur in sehr geringem Maße. Die Körperschale (Arme, Beine und Haut) kann hingegen variierende Temperaturen viel stärker tolerieren. Steigt die Körperkerntemperatur an bzw. kommt es zur Überschreitung der oberen Grenze des sogenannten thermischen Komforts oder zur Störung des menschlichen Wärmehaushaltes, wird der Organismus zunehmend durch Hitzestress belastet. Selbst bei gesunden Personen kann es bereits bei körperlicher Ruhe zu erheblichen Zunahmen der Pumpleistung des Herzens und damit zum Abbau physiologischer Funktionsreserven und eingeschränkter geistiger kognitiver Arbeit kommen (BMU 2011). Der Körper reagiert mit Unwohlsein, verminderter physischer Leistungsbereitschaft und Konzentrationsschwäche. Symptome von Hitzestress sind ein Beeinträchtigungs- und Belastungsgefühl. Bei bereits Erkrankten kann es zur Notwendigkeit vermehrter Medikamenteneinnahme kommen. Eine anhaltende Exposition gegenüber hohen Temperaturen kann zu hitzebedingten Notfallsituationen (z.B. Hitzekrämpfe, Hitzschlag), Erkrankungen bis hin zu Todesfällen führen. Bei hitzebedingten Erkrankungen sind hauptsächlich das Herz-, Gefäß- und Atmungssystem betroffen, welches aufgrund zusätzlicher Einwirkungen von Luftschadstoffen und Pollen beansprucht ist (BMU 2011, Michelozzi et al. 2009, Schneider et al. 2011). Hohe Temperaturen und eine geringe Luftfeuchte können zudem die Schleimhäute austrocknen, was im Sommer als auch im Innenraum im Winter relevant ist. Auf trockenen Schleimhäuten können sich leicht Erreger festsetzen, welche Atmungssystemerkrankungen hervorrufen oder bestehende Symptome verschlechtern. Gefährdete Personen und Risikofaktoren gegenüber Wärmebelastung Der Wasserverlust über die Haut bei der Schweißverdunstung steigt bei erhöhter Umgebungstemperatur erheblich an und wird bei körperlicher Arbeit oder bestehender Erkrankung, die ihrerseits Wasser verbraucht (z.B. Diabetes mellitus, Durchfall), weiter verstärkt. Für ältere und kranke Menschen, Säuglinge und Kleinkinder ist ein hoher Wasserverlust besonders problematisch, da ihr Thermoregulationssystem eingeschränkt arbeitet, die Durstwahrnehmung vermindert und die hormonelle Regulation des Wasser- und Elektrolythaushaltes verändert sind. Wenn der Wasser- und Elektrolythaushalt nicht entsprechend ausgeglichen wird, kommt es in Folge des Wasserverlustes zum Volumenmangel im Kreislaufsystem mit Beeinträchtigung der Kreislauffunktion und Nierentätigkeit, der bis zum Zusammenbruch des Organismus führen kann. Junge Erwachsene können kurzfristig durch alleiniges Trinken selbst schweren Wasserverlust ausgleichen. Ältere Menschen benötigen häufig mehrere Tage dafür (Wichert, von 2004). Zu den hitzegefährdeten Menschen gehören des Weiteren Personen mit bereits bestehenden schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch z.B. Herz-Kreislauf- und Atmungssystemerkrankungen, Bettlägerigkeit, neurologische oder psychiatrische Erkrankungen. Sie können sich unter Umständen nicht selbstständig versorgen und nehmen zumeist Medikamente ein, die sich auf den Elektrolyt- und Wärmehaushalt auswirken, wie z.B. Diuretika (wasserausschwemmend), Neuroleptika (antipsychotisch), Betablocker (blutdrucksenkend) und Barbiturate (schlaffördernd). Neben dem Alter und Vorerkrankungen sind als weitere Risikofaktoren für hitzebedingte Erkrankungen Alkohol- und Drogenmissbrauch, anstrengende körperliche Tätigkeiten während extremer Wetterbedingungen, Akklimatisationsmangel, geringe Fitness, Übergewicht, körperliche Ermüdung, physische und soziale Isolation, niedriger sozioökonomischer Status, Wohnen in Ballungsräumen sowie fehlende oder unzureichende Klimatisierung zu nennen (Eis et al. 2010, Koppe et al. 2004). Akklimatisation Die Akklimatisation ist ein wesentlicher Aspekt bei den Auswirkungen von Wärmebelastung. Unter Akklimatisation ist die physiologische Anpassung des menschlichen Organismus an veränderte klimatische Bedingungen zu verstehen. Durch Effizienzsteigerung im Thermoregulationssystem und hormonelle Veränderungen wird die auf den Körper wirkende thermische Belastung reduziert. Eine Kurzzeit-Hitzeakklimatisation stellt sich für gewöhnlich nach 3 – 12 Tagen ein, wobei eine Langzeit-Hitzeakklimatisation mehrere Jahre dauern kann. Die Kurzzeit-Hitzeakklimatisation führt u.a. zu einer vermehrten Schweißproduktion schon bei geringerer Körpertemperatur und einer verringerten Salzkonzentration im Schweiß und Urin. Diese Form der Akklimatisation stellt sich jedoch nur ein, wenn die Hitzeexposition täglich über mehrere Stunden erfolgt, und sie bildet sich innerhalb mehrerer Wochen nach der Hitzeexposition wieder zurück (Koppe et al. 2004). Geschwindigkeit und Stärke der Akklimatisation hängen von unterschiedlichen individuellen Faktoren wie dem Alter, dem Geschlecht, der genetischen Prädisposition, dem Gesundheitszustand, der körperlichen Leistungsfähigkeit und der Fitness ab. Ebenso sind äußere Faktoren, wie z.B. die Nutzung von Klimaanlagen, sowie nationale, geographische und jahreszeitliche Unterschiede für die Akklimatisation und individuelle Hitzetoleranz entscheidend (Koppe 2005). Aufgrund der Relevanz der physiologischen Anpassung bei der Bewertung der thermischen Umwelt wurde die Methode HeRATE (Health Related Assessment of the Thermal Environment) eingeführt (Koppe 2005). Diese Methode wird für die Berechnung der Schwellenwerte des thermischen Indexes „gefühlte Temperatur“ für Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes mit berücksichtigt. Deshalb liegen die Schwellenwerte der gefühlten Temperatur für Hitzewarnungen bei frühsommerlichen Hitzewellen und in höheren Breiten etwas niedriger, im Hochsommer und in niederen Breiten etwas höher. Wie können Auswirkungen des städtischen Klimas auf die Gesundheit untersucht werden? Zusammenhänge zwischen dem städtischen Klima und der menschlichen Gesundheit können einerseits anhand der Auswirkungen von Wärme- und Luftschadstoffbelastungen auf die Mortalität (Sterblichkeit), Morbidität (Krankheitshäufigkeit) oder z.B. auf individuelle körperliche und psychische Parameter untersucht werden. Diese Gesundheitsindikatoren stammen häufig von Daten der Sterbefallstatistiken, Krankenhausdiagnosestatistiken (z.B. Patientenaufnahmen in Krankenhäusern), von gesetzlichen Krankenkassen (z.B. Abrechnungsdaten) oder Rettungsdiensteinsätzen. Zur Erfassung der Wärme- und Luftbelastung werden Daten über stationäre Messnetze, mobile Messungen oder auf Basis räumlicher Interpolationen bezogen. Bei den Untersuchungen von Zusammenhängen zwischen Umweltexpositionen und gesundheitlichen Auswirkungen wird in Kurzzeit- und Langzeiteffekte unterschieden. Kurzfristige Wirkungen treten in unmittelbarer zeitlicher Nähe zur Exposition auf (d.h. innerhalb weniger Tage). Langfristig können aber auch chronische Erkrankungen resultieren (Breitner et al. 2013). Andererseits kann das Risiko für gesundheitliche Folgen von Wärme- und Luftschadstoffbelastungen auch von Stadt-, Bevölkerungs- und Sozialstrukturen abgeleitet werden. Unter Berücksichtigung von weiteren Gesundheits- und meteorologischen Indikatoren stellen im Ergebnis dieses Ansatzes Vulnerabilitäts-, Umweltrisiko- oder Hitzestresskarten das potentielle Risiko für Hitzestress oder weitere Umweltbelastungen räumlich dar (vgl. Kapitel „besondere Vulnerabilität aufgrund der demographischen Zusammensetzung“, Dugord et al. 2014, Kim et al. 2014, SenStadtUm 2015d). Der Zusammenhang zwischen Wärme- oder Hitzebelastung, Luftschadstoffen und gesundheitlichen Auswirkungen wird am häufigsten anhand von epidemiologischen Studien untersucht. Die Epidemiologie ist eine wissenschaftliche Disziplin, die sich mit den Ursachen und Folgen sowie der Verbreitung von gesundheitsbezogenen Zuständen und Ereignissen in Populationen beschäftigt (Mücke et al. 2013). In Zeitreihenstudien werden Daten von Umweltexpositionen und sogenannten Gesundheitsendpunkten (z.B. Erkrankung, Todesfall) auf der Ebene aggregierter Populationen (anstelle von Einzelpersonen) zugrunde gelegt und Änderungen der Stärke von Umwelteinflüssen und bestimmte gesundheitliche Effekte über Regressionsanalysen in verschiedenen zeitlichen Auflösungen (meist Tag oder Monat) untersucht. Dabei können auch mögliche Störeinflüsse, wie z.B. saisonale Einflüsse, zeitliche Trends, Meteorologie und sozioökonomischer Status der untersuchten Population berücksichtigt werden. Da sich gesundheitliche Wirkungen nicht immer unmittelbar nach Veränderungen der Umwelteinflüsse zeigen, wird die beobachtete zeitliche Verzögerung der gesundheitlichen Wirkungen auch als Zeit-Lag oder Lag bezeichnet (Breitner et al. 2013). Zeitreihenstudien ermöglichen den Einbezug großer Fallzahlen und Zeiträume, sowie auch hohe Auflösungen auf räumlicher Ebene, was gerade für innerstädtische Differenzierungen von Umweltwirkungen auf die Stadtbevölkerung relevant ist. Zusammenhänge zwischen Umweltexpositionen und gesundheitlichen Wirkungen lassen sich aber auch auf personen- oder personengruppenbezogener Basis mittels z.B. Fall-Kontroll-Studien, Kohortenstudien oder über Befragungen exponierter Personen zum Gesundheitszustand, der Leistungsfähigkeit oder dem Wohlbefinden erfassen. Diese Studiendesigns halten meist weniger Fallzahlen vor, ermöglichen aber eine bessere Kontrolle von Störfaktoren und lassen Zusammenhänge auf individueller Ebene abbilden. Einen Überblick zu Untersuchungen der Auswirkungen von Wärme- und Luftbelastungen auf die Gesundheit in Berlin mit Angabe der verwendeten Daten, zeitlichen und räumlichen Auflösungen zeigt Tabelle 3. Stadtklima und Gesundheit in Berlin – Ein Überblick zu Forschungsergebnissen Bereits in den 1980er Jahren gingen Turowski und Haase der Frage nach, welche bioklimatischen Wirkfaktoren die tägliche Sterbehäufigkeit beeinflussen und werteten dafür Totenscheine u.a. aus Ost-Berlin für den Zeitraum 1958 – 1967 hinsichtlich des Klima- und Wettereinflusses statistisch aus. Die Untersuchung zeigte, dass eine erhöhte Sterblichkeit im Sommerhalbjahr mit erhöhten Werten von Lufttemperatur, Luftfeuchte und Globalstrahlung einhergingen. Die Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislaufsystemerkrankungen war bei überdurchschnittlich hohen Lufttemperaturen im Sommer in Ost-Berlin signifikant erhöht (bis zu 10 % Abweichung vom Erwartungswert). Für die Sterblichkeit aufgrund von Atmungssystemerkrankungen betrug die Abweichung vom Erwartungswert bis zu 45 %. Am Beispiel von Erkältungskrankheiten bei Berliner Kindern konnte zudem ein Wärmeinseleffekt festgestellt werden. Erkältungen bei Kindern, die in der Innenstadt lebten, kamen im Sommer bei überdurchschnittlich hohen Lufttemperaturen signifikant häufiger vor, wohingegen sich diese Effekte für die Außenbezirke nicht zeigten (Turowski 1998, Turowski und Haase 1987). Gabriel konnte für den Untersuchungszeitraum 1990-2006 anhand von Daten zur Gesamtmortalität (alle Ursachen) und meteorologischer Parameter in Tagesauflösung darstellen, dass in Berlin und Brandenburg hauptsächlich Ältere (> 50-Jährige) und besonders Frauen eine erhöhte Hitzevulnerabilität aufwiesen. Die Mortalitätsraten waren im Untersuchungszeitraum während Hitzewellen höher (bis zu 67 % im Sommer 1994 im Stadtzentrum Berlins), und ein Zusammenhang zwischen Mortalitätsraten und der Dichte urbaner Strukturen innerhalb Berlins konnte festgestellt werden. Die Mortalitätsraten stiegen mit der Dichte urbaner Strukturen (Gabriel 2009, Gabriel und Endlicher 2011). Burkart et al. stellten für den Untersuchungszeitraum 1998-2010 in einer statistischen Auswertung von Gesamtmortalitäts-, Wetter- und Luftgütedaten in Tagesauflösung dar, dass in Berlin das Mortalitätsrisiko mit zunehmender Wärmebelastung steigt und hohe Ozon- sowie Feinstaub (PM10)-Konzentrationen mit einer erhöhten hitzebedingten Mortalität verbunden sind (Burkart et al. 2013). Da zwischen der Lufttemperatur und Luftschadstoffbelastungen oft ein enger Zusammenhang besteht, wurden in der Studie auch mögliche Interaktionen zwischen der Wärmebelastung (ermittelt über den Universal Thermal Climate Index) und den Ozon- und PM10-Konzentrationen einerseits und deren Einfluss auf die Mortalität andererseits untersucht. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Mortalität bei hoher Wärme- und Ozonbelastung stark ansteigt (vgl. Abbildung 23). Diese Interaktionseffekte zeigen sich für PM10 weniger stark ausgeprägt (vgl. Abbildung. 24). Auch Scherer et al. verwendeten Daten zur Gesamtmortalität (alle Ursachen), um unter Anwendung eines hitzeereignisbasierten Risikomodells die mit der Wärmebelastung einhergehende Mortalität in Berlin zu quantifizieren. Das Modell identifiziert Hitzeereignisse auf Basis von Lufttemperaturdaten in Tagesauflösung. Ein Hitzeereignis wird dabei als Folge von mindestens drei aufeinander folgenden Tagen definiert, an denen die Lufttemperatur einen bestimmten Schwellenwert übersteigt. Die Studie weist nach, dass ca. 5 % aller Todesfälle in Berlin in den Jahren von 2001 bis 2010 statistisch mit erhöhten Lufttemperaturen korreliert sind. Die betroffenen Personen sind meist 65 Jahre oder älter, während der Zusammenhang zwischen erhöhten Lufttemperaturen und Mortalität bei jüngeren Personen statistisch nur schwach ausgeprägt ist. Die besten Ergebnisse wurden auf der Basis von Tagesmittelwerten der Lufttemperatur und bei einer Überschreitung des Schwellenwertes von 21 °C erzielt (vgl. Abbildung 25). Auf der Basis räumlich verteilter Daten würde die Risikoanalyse auch räumliche Variationen des Stadtklimas und demographischer Eigenschaften berücksichtigen können (Scherer et al. 2013). Die größten sogenannten Überschussmortalitäten, welche als hitzebezogene zusätzliche Sterblichkeit (zusätzlich zur Basisrate der Gesamtmortalität) verstanden wird und eine statistisch berechnete Größe darstellt, wurden für die Jahre 2006 und 2010 anhand des hitzeereignisbasierten Risikomodells von Scherer et al. (2013) ermittelt (vgl. Tab. 4). Eine erhöhte Mortalität in den besonders heißen Sommern 2006 und 2010 in Berlin weisen auch die Untersuchungen von Gabriel und Endlicher (2011), Scherber (2014) und Schuster et al. (2014) nach. Fenner et al. untersuchten für den Zeitraum 2001 – 2010 in Berlin, inwieweit sich die klimatischen Bedingungen innerhalb dichter Bebauung von Bedingungen auf Freiflächen und außerhalb des bebauten Stadtgebietes unterscheiden und welchen Effekt diese Bedingungen auf das Mortalitätsrisiko haben. Das Mortalitätsrisiko (Gesamtmortalität) wurde mit dem hitzeereignisbasierten Risikomodell von Scherer et al. (2013) ermittelt, und zur Identifizierung von Hitze wurden die klimatologischen Kenntage „Heißer Tag (Hitzetag)“ (Tagesmaximumtemperatur ≥ 30 °C) und „Tropennacht“ (Tagesminimumtemperatur ≥ 20 °C) berechnet. Während die Anzahl heißer Tage ähnlich an den vier unterschiedlichen Messstationen ist, treten Tropennächte innerhalb der dichten Bebauungsstruktur wesentlich häufiger auf als auf Freiflächen (vgl. Abbildung 26). Die gestrichelten farbigen Linien zeigen den arithmetischen Mittelwert der Jahre 2001–2010 der jeweiligen Station. Die schwarze Schraffur zeigt die Anzahl der Tage, an denen heiße Tage in Kombination mit Tropennächten aufgetreten sind. Stationen: DAHF – Dahlemer Feld, DESS – Dessauer Straße, TGL – Berlin-Tegel, THF – Berlin-Tempelhof. An der Station DAHF gab es im August 2004 Messausfälle. Die Stationen DAHF und DESS sind Teil des Stadtklima-Messnetzes des Fachgebiets Klimatologie, Institut für Ökologie, Technische Universität Berlin. Die Stationen TGL und THF werden vom Deutschen Wetterdienst betrieben Es wird an allen vier Stationen deutlich, dass die Mehrzahl der Tropennächte in Kombination mit heißen Tagen auftritt (Schraffur in Abb. 26). Dies sind die aus bioklimatischer Sicht äußerst problematischen Situationen, an denen die Menschen nicht nur während des Tages starker Hitze im Freien ausgesetzt sind, sondern der Körper auch in den Nachtstunden durch hohe Lufttemperatur belastet sein kann. Die hitzebezogenen zusätzlichen Sterbefälle zeigen für die Messstation Dessauer Straße (dichte Bebauung) und Tempelhof (Freifläche), dass ca. 4-5 % der Sterbefälle im Untersuchungszeitraum statistisch mit Hitzeereignissen in Verbindung gebracht werden können (Fenner et al. 2015). Sterbefälle sind die gravierendste Folge von Umweltwirkungen. So ist anzunehmen, dass bei extremen Umweltbedingungen auch sonst Gesunde in Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden beeinträchtigt werden und Menschen mit krankheitsbedingter mangelhafter Anpassungskapazität schon bei geringeren äußeren Störungen mit einer Zustandsverschlechterung reagieren (Laschewski, 2008). Um angemessene Präventionsmaßnahmen zu etablieren und hitzebedingte Sterbefälle zu vermeiden, sind Untersuchungen zu Auswirkungen von Wärmebelastung bereits auf der Ebene von Gesundheitsindikatoren, wie z.B. Erkrankungs- oder Behandlungsfälle oder physiologische Parameter (z.B. körperliche Aktivität, Lungenfunktion) wichtig. In klinischen Studien an der Charité Berlin (Arbeitsbereich Pneumologische Onkologie) wurde in den Sommern 2011 und 2012 in Berlin untersucht, inwieweit sich Wärmebelastung auf Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) oder mit pulmonal-arterieller Hypertonie (PAH) auswirkt (Jehn et al. 2013, 2014). Dazu wurden Lungenfunktion, der klinische Status und die körperliche Aktivität der Patienten ermittelt und in Abhängigkeit von der Lufttemperatur bzw. der Wärmebelastung ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass Wärmebelastung die Symptome der Patienten verschlechtert, andererseits aber Möglichkeiten bestehen, frühzeitig auf die Verschlechterungen zu reagieren, z.B. durch eine telemedizinische Versorgung der Patienten (Jehn et al. 2013). Eine epidemiologische Studie in Berlin für den Zeitraum 1994-2010 über die Zusammenhänge zwischen Wärme- und Luftbelastungen und Patientenaufnahmen sowie Sterbefällen im Krankenhaus zeigte, dass das relative Risiko für die Mortalität (Sterbefälle) als auch Morbidität (Patientenaufnahmen) ab einer starken Wärmebelastung (UTCImax = 32 °C) zunimmt und vor allem ältere Menschen und chronisch Kranke unter Hitzestress leiden (Scherber 2014). Der Risikoanstieg ist für die Mortalität stärker ausgeprägt als für die Morbidität. Allerdings muss dabei berücksichtigt werden, dass die Fallzahlen für Patientenaufnahmen um ein vielfaches größer sind als die Sterbefälle. Die Atmungssystemerkrankungen zeigten neben den Herz-Kreislaufsystemerkrankungen und der Gesamtheit aller Erkrankungen die stärksten Wärmebelastungseffekte an. Wärmebelastung wirkt sich auf das Herz-Kreislaufsystem als auch auf das Atmungssystem aus. Das Atmungssystem wird zudem durch zusätzliche Luftschadstoffeffekte und Begleiterkrankungen beansprucht (Michelozzi et al. 2009; Schneider et al. 2011). In der Untersuchung der Luftschadstoffbelastungseffekte wies Feinstaub (PM10) die stärksten Assoziationen auf, vor allem für Patientenaufnahmen und Sterbefälle im Krankenhaus mit der Diagnose Atmungssystemerkrankungen (Scherber 2014). Im Hinblick auf eine klimawandelbedingte Zunahme der Wärmebelastung in Berlin (SenStadtUm 2015a), stellt sich die Frage, wie sich Wärmebelastungseffekte in naher Zukunft auf Patientenaufnahmen und Sterbefälle auswirken könnten. Unter Annahme mittlerer Bevölkerungsprognosen (SenStadtUm/AfS 2012) und Lufttemperatur-Szenarien für das Tagesmaximum (STAR2-Projektionen, 2 K-Szenario, Realisierung 50) bis 2030 konnte für Berlin eine Zunahme der Patientenaufnahmen und Sterbefälle im Krankenhaus für die Sommermonate ermittelt werden (Scherber 2014). Die Zunahme ist für ≥ 65-Jährige und Herz-Kreislauf-Systemerkrankungen am stärksten ausgeprägt (vgl. Tab. 5). Da Großstädte wie Berlin ein innerstädtisches Mosaik hinsichtlich der Stadt-, Bevölkerungs- und Sozialstrukturen aufweisen, können gesundheitliche Auswirkungen der Wärmebelastung ebenso räumlich unterschiedlich ausgeprägt sein. Räumlich epidemiologische Analysen sind daher ein wichtiger Ansatz, um Stadtgebiete mit erhöhten gesundheitlichen Risiken gegenüber Wärmebelastung zu identifizieren, gerade im Hinblick auf die Entwicklung von spezifischen Interventions- und Präventionsstrategien im Gesundheitswesen und auch langfristig für die Berücksichtigung in der Stadtplanung. Daher wurden für Berlin Sterbefälle und Patientenaufnahmen in Assoziation mit Wärmebelastung auch räumlich differenziert untersucht (Gabriel und Endlicher 2011, Scherber et al. 2014, Schuster et al. 2014). Schuster et al. betrachteten die Gesamtmortalität (alle Ursachen) für eine räumliche Analyse hitzebedingter Überschussmortalität auf Ebene der Planungsräume (SenStadt 2009) im Untersuchungszeitraum 2006-2010 für Berlin. Die hitzebedingte Überschussmortalität wurde anhand des Verhältnisses der Gesamtsterblichkeit in den heißen Julimonaten 2006 und 2010 zur Gesamtsterblichkeit in den eher kühlen Julimonaten von 2007-2009 berechnet, welche im Untersuchungszeitraum die niedrigsten Monatsmittel des täglichen Lufttemperaturmaximums aufwiesen (vgl. Abb. 27). Die Überschussmortalität wurde altersstandardisiert berechnet, um Einflüsse unterschiedlicher Altersausprägungen der Bevölkerung in einzelnen Planungsräumen (PLR) auszuschließen. Im Ergebnis zeigt sich eine innerstädtische Variabilität der hitzebedingten Überschussmortalität, ausgedrückt durch das relative Risiko (RR) (vgl. Abbildung 28). Planungsräume mit erhöhtem und bzw. geringerem relativen Risiko waren relativ gleichverteilt über das Stadtgebiet. Ein erhöhtes relatives Risiko (RR > 1) wurde für mehr als zwei Drittel der Planungsräume festgestellt, in welchen insgesamt 2,26 Mio. von 3,35 Mio. Einwohnern (Stand 31.12.2007) wohnen. Ein allgemeiner Mortalitätsgradient vom Zentrum zum Stadtrand, entsprechend dem städtischen Wärmeinseleffekt, war nicht zu beobachten. Planungsräume mit hohem relativem Risiko fanden sich sowohl innerhalb als auch außerhalb des Innenstadtrings. Planungsräume mit den höchsten relativen Risiken (RR > 4) wurden im Bezirk Neukölln (PLR Rollberg) aber auch in Stadtrandlagen (PLR Döberitzer Weg, PLR Bucher Forst, PLR Schlangenbader Str.) identifiziert (Schuster et al. 2014). Räumliche Ausprägungen von hitzebezogenen Mortalitätsrisiken unter Einbezug aller Diagnosen und Altersgruppen weisen demnach für Berlin keine eindeutigen Zusammenhänge zwischen verdichteten Stadtgebieten und erhöhten gesundheitlichen Risiken auf. Anders stellt es sich für differenzierte Betrachtungen nach hitzevulnerablen Personengruppen dar. Auf Basis von Postleitzahlgebieten wurden relative Risiken für Patientenaufnahmen und Sterbefälle im Krankenhaus während der Sommermonate im Zeitraum 2000 – 2009 mit räumlich aufgelösten Daten zur Wärmebelastung (SenStadtUm 2010b) korreliert (Scherber 2014). Dabei konnte ein signifikanter schwach positiver Zusammenhang zwischen der mittleren Wärmebelastung und den relativen Risiken für Patientenaufnahmen mit Atmungssystemerkrankungen bei ≥ 65-Jährigen auf Postleitzahlebene (Patientenwohnorte) identifiziert werden (Scherber et al. 2014). Die unterschiedlichen Bevölkerungsanteile der ≥ 65-Jährigen in den Postleitzahlgebieten wurden dabei berücksichtigt. Da Atmungssystemerkrankungen und ein Alter über 65 Jahre zu den Risikofaktoren gegenüber Wärmebelastung zählen, sind diese Gruppen besonders relevant. Bei der Suche nach räumlichen Häufungen (Clustern) erhöhter relativer Risiken (als Risikorate) für Patientenaufnahmen mit Atmungssystemerkrankungen bei ≥ 65-Jährigen konnten fünf signifikante Cluster identifiziert werden (vgl. Abb. 29). Folgende Patientenwohnorte weisen innerhalb dieser Cluster die höchsten relativen Risiken (RR > 1,5) auf: die Ortsteile Gesundbrunnen, Mitte, Moabit, Tiergarten und Wedding im Bezirk Mitte und der Ortsteil Neukölln im Bezirk Neukölln. Diese Stadtgebiete weisen zugleich hohe Bebauungsdichten und starke Wärmebelastungen im Sommer bei gleichzeitig gesundheitlich nachteiligen sozioökonomischen Bedingungen auf (SenGUV 2011, SenStadtUm 2015d).
This metadata refer to the dataset presenting the modelled annual heat-related mortality incidence (annual deaths per million inhabitants) in Europe between 2000 and 2020 Heat-related deaths are estimated to have increased in 931 (94%) of the 990 regions monitored from 2000 to 2020, with an overall mean increase of 15·1 (95% CI –1·51 to 31·6) annual deaths per million inhabitants per decade for the general population, and 60·4 (–17·8 to 138·6) extra deaths per million inhabitants per decade for people 65 years and older.
<p> <p>Sommerlich hohe Lufttemperatur birgt für Mensch und Umwelt ein hohes Schädigungspotenzial. Der Klimawandel führt nachweislich vermehrt zu extremer Hitze am Tag und in der Nacht, wodurch sich die gesundheitlichen Risiken für bestimmte Personengruppen erhöhen können. Für die Gesundheit von besonderer Bedeutung sind Phasen mit mehrtägig anhaltender, extremer Hitze.</p> </p><p>Sommerlich hohe Lufttemperatur birgt für Mensch und Umwelt ein hohes Schädigungspotenzial. Der Klimawandel führt nachweislich vermehrt zu extremer Hitze am Tag und in der Nacht, wodurch sich die gesundheitlichen Risiken für bestimmte Personengruppen erhöhen können. Für die Gesundheit von besonderer Bedeutung sind Phasen mit mehrtägig anhaltender, extremer Hitze.</p><p> Indikatoren der Lufttemperatur: Heiße Tage und Tropennächte <p>Die klimatologischen Kenngrößen „<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/heisse-tage">Heiße Tage</a>“ und „<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/tropennaechte">Tropennächte</a>“ des Deutschen Wetterdienstes (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/dwd">DWD</a>) werden unter anderem zur Beurteilung von gesundheitlichen Belastungen verwendet. So ist ein „<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/heisser-tag">Heißer Tag</a>“ definiert als Tag, dessen höchste Temperatur oberhalb von 30 Grad Celsius (°C) liegt, und eine „Tropennacht“ als Nacht, deren niedrigste Temperatur 20 °C nicht unterschreitet.</p> <p>Die raumbezogene Darstellung von „Heißen Tagen“ (HT) und „Tropennächten“ (TN) über die Jahre 2000 bis 2024 zeigt, dass diese zum Beispiel während der extremen „<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/hitzesommer">Hitzesommer</a>“ in den Jahren 2003, 2015, 2018 und 2022 in Deutschland verstärkt registriert wurden.</p> <p>Zu beachten ist, dass Heiße Tage und Tropennächte regional unterschiedlich verteilt und ausgeprägt sein können, wie die Sommer der Jahre 2015, 2018, 2019 und 2022 zeigen. So traten Heiße Tage 2015 erheblich häufiger in Süddeutschland (maximal 40 HT) als in Norddeutschland (2015: maximal 18 HT) auf. Auch Tropennächte belasteten die Menschen im Süden und Westen Deutschlands häufiger: 2015 in Südwestdeutschland (maximal 13 TN). Besonders und wiederkehrend betroffen von extremer Hitze Demgegenüber betraf die extreme Hitze der Sommer 2018 und 2019 sind einige Teilregionen Süd- und Südwestdeutschlands (oberes Rheintal und Rhein-Maingebiet) sowie weite Teile Mittel- und Ostdeutschlands, wie Südbrandenburg und Sachsen (bis zu 45 HT und 13 TN). Während 2022 vor allem die Oberrheinische Tiefebene von Basel bis Frankfurt am Main sowie weitere Ballungsräume in Süddeutschland mit weit mehr als 30 Heißen Tage betroffen waren, lag der Hitzeschwerpunkt des Sommers 2024 mit bis zu 30 Heißen Tagen erneut in Brandenburg und Sachsen, bei nur sehr wenigen Tropennächten. 2025 gab es 11 Heiße Tage (gemittelt über die Fläche Deutschlands).</p> </p><p> Gesundheitsrisiko Hitze <p>Der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimawandel">Klimawandel</a> beeinflusst in vielfältiger Weise unsere Umwelt. Klimamodelle prognostizieren, dass der Anstieg der mittleren jährlichen Lufttemperatur zukünftig zu wärmeren bzw. heißeren Sommern mit einer größeren Anzahl an Heißen Tagen und Tropennächten führen wird. Extreme Hitzeereignisse können dann häufiger, in ihrer Intensität stärker und auch länger anhaltend auftreten. Es gibt bereits belastbare Hinweise darauf, dass sich die maximale Lufttemperatur in Deutschland in Richtung extremer Hitze verschieben wird (vgl. Friedrich et al. 2023). Dieser Trend ist in der Abbildung „Anzahl der Tage mit einem Lufttemperatur-Maximum über 30 Grad Celsius“ bereits deutlich erkennbar.</p> <p>Die mit der Klimaerwärmung verbundene zunehmende Hitzebelastung ist zudem von erheblicher gesundheitlicher Bedeutung, da sie den Organismus des Menschen in besonderer Weise beansprucht und zu Problemen des Herz-Kreislaufsystems führen kann. Außerdem fördert eine hohe Lufttemperatur zusammen mit intensiver Sonneneinstrahlung die Entstehung von gesundheitsgefährdendem bodennahem Ozon (siehe <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/12286">„Gesundheitsrisiken durch Ozon“</a>). Anhaltend hohe Lufttemperatur während Hitzeperioden stellt ein zusätzliches Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung dar. Bei Hitze kann das körpereigene Kühlsystem überlastet werden. Als Folge von Hitzebelastung können bei empfindlichen Personen Regulationsstörungen und Kreislaufprobleme auftreten. Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Erschöpfung und Benommenheit. Ältere Menschen und Personen mit chronischen Vorerkrankungen (wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen) sind von diesen Symptomen besonders betroffen. So werden während extremer Hitze einerseits vermehrt Rettungseinsätze registriert, andererseits verstarben in den beiden Hitzesommern 2018 und 2019 in Deutschland insgesamt etwa 15.600 Menschen zusätzlich an den Folgen der Hitzebelastung (vgl. Winklmayr et al. 2022). Modellrechnungen prognostizieren für Deutschland, dass zukünftig mit einem Anstieg hitzebedingter Mortalität von 1 bis 6 Prozent pro einem Grad Celsius Temperaturanstieg zu rechnen ist, dies entspräche über 5.000 zusätzlichen Sterbefällen pro Jahr durch Hitze bereits bis Mitte dieses Jahrhunderts.</p> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/de_indikator_klim-03_heisse-tage_2025-11-24_2.png"> </a> <strong> Anzahl der Tage mit einem Lufttemperatur-Maximum über 30 Grad Celsius </strong> Quelle: Deutscher Wetterdienst Downloads: <ul> <li><a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/de_indikator_klim-03_heisse-tage_2025-11-24_0.pdf">Diagramm als PDF (141,17 kB)</a></li> <li><a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/de-en_indikator_klim-03_heisse-tage_2025-11-24_1.xlsx">Diagramm als Excel mit Daten (47,48 kB)</a></li> </ul> </p><p> Der Wärmeinseleffekt: Mehr Tropennächte in Innenstädten <p>Eine Studie untersuchte die klimatischen Verhältnisse von vier Messstationen in Berlin für den Zeitraum 2001-2015 anhand der beiden Kenngrößen „<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/heisse-tage">Heiße Tage</a>“ und „<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/tropennaechte">Tropennächte</a>“. Während an den unterschiedlich gelegenen Stationen die Anzahl Heißer Tage vergleichbar hoch war, traten Tropennächte an der innerhalb dichter, innerstädtischer Bebauungsstrukturen gelegenen Station wesentlich häufiger (mehr als 3 mal so oft) auf, als auf Freiflächen (vgl. <a href="https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/4031/publikationen/uba_krug_muecke.pdf">Krug & Mücke 2018</a>). Eine Innenstadt speichert die Wärmestrahlung tagsüber und gibt sie nachts nur reduziert wieder ab. Die innerstädtische Minimaltemperatur kann während der Nacht um bis zu 10 Grad Celsius über der am Stadtrand liegen. Dies ist als städtischer Wärmeinseleffekt bekannt.</p> </p><p> Hitzeperioden <p>Von besonderer gesundheitlicher Bedeutung sind zudem Perioden anhaltender Hitzebelastung (umgangssprachlich „Hitzewellen“), in denen <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/heisse-tage">Heiße Tage</a> in Kombination mit Tropennächten über einen längeren Zeitraum auftreten können. Sie sind gesundheitlich äußerst problematisch, da Menschen nicht nur tagsüber extremer Hitze ausgesetzt sind, sondern der Körper zusätzlich auch in den Nachtstunden durch eine hohe Innenraumtemperatur eines wärmegespeicherten Gebäudes thermophysiologisch belastet ist und sich wegen der fehlenden Nachtabkühlung nicht ausreichend gut erholen kann. Ein Vergleich von Messstellen des Deutschen Wetterdienstes (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/dwd">DWD</a>) in Hamburg, Berlin, Frankfurt/Main und München zeigt, dass beispielsweise während der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/hitzesommer">Hitzesommer</a> 2003 und 2015 in Frankfurt/Main 6 mehrtägige Phasen beobachtet wurden, an denen mindestens 3 aufeinanderfolgende Heiße Tage mit sich unmittelbar anschließenden Tropennächten kombiniert waren (vgl. <a href="https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/4031/publikationen/uba_krug_muecke.pdf">Krug & Mücke 2018</a>). Zu erwarten ist, dass mit einer weiteren Erwärmung des Klimas die Gesundheitsbelastung durch das gemeinsame Auftreten von Heißen Tagen und Tropennächten während länger anhaltender Hitzeperioden – wie sie zum Beispiel in den Sommern der Jahre 2003, 2006, 2015 und vor allem 2018 in Frankfurt am Main beobachtet werden konnten – auch in Zukunft zunehmen wird (siehe Abb. „Heiße Tage und <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/tropennaechte">Tropennächte</a> 2001 bis 2020“). Davon werden insbesondere die in den Innenstädten (wie in Frankfurt am Main) lebenden Menschen betroffen sein. Eine Fortschreibung der Abbildung über das Jahr 2020 hinaus ist aktuell aus technischen Gründen leider nicht möglich. </p> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/3_abb_heisse-tage-tropennaechte_2020-11-27.png"> </a> <strong> Heiße Tage und Tropennächte 2001 bis 2020 </strong> Quelle: Umweltbundesamt / Deutscher Wetterdienst Downloads: <ul> <li><a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/3_abb_heisse-tage-tropennaechte_2020-11-27.pdf">Diagramm als PDF (153,66 kB)</a></li> <li><a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/3_abb_heisse-tage-tropennaechte_2020-11-27.xlsx">Diagramm als Excel mit Daten (283,55 kB)</a></li> </ul> </p><p> <p><em>Tipps zum Weiterlesen:</em></p> <p><em>Winklmayr, C., Muthers, S., Niemann, H., Mücke, H-G, an der Heiden, M (2022): Hitzebedingte Mortalität in Deutschland zwischen 1992 und 2021. Dtsch Arztebl Int 2022; 119: 451-7; DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0202</em></p> <p><em>Bunz, M. & Mücke, H.-G. (2017): <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimawandel">Klimawandel</a> – physische und psychische Folgen. In: Bundesgesundheitsblatt 60, Heft 6, Juni 2017, S. 632-639.</em></p> <p><em>Friedrich, K. Deutschländer, T., Kreienkamp, F., Leps, N., Mächel, H. und A. Walter (2023): Klimawandel und Extremwetterereignisse: Temperatur inklusive Hitzewellen. S. 47-56. In: Guy P. Brasseur, Daniela Jacob, Susanne Schuck-Zöller (Hrsg.) (2023): Klimawandel in Deutschland. Entwicklung, Folgen, Risiken und Perspektiven. 2. Auflage, 527 S., über 100 Abb., Berlin Heidelberg. ISBN 978-3-662-6669-8 (eBook): Open Access.</em></p> </p><p> </p><p> </p><p>Informationen für...</p>
Im Rahmen des Projekts konnte bestätigt werden, dass insbesondere in Sommern mit kurzen Hitzeperioden eine tagesgenaue Analyse die hitzebedingten Sterbefälle vollständiger erfasst als Analysen mit mehrtägiger oder wöchentlicher Auflösung. Als Schwellenwert zur Definition von Hitze wurde das bisherige Kriterium verallgemeinert um methodisch zwischen nur wärmeassoziierten und hitzebedingten Sterbefällen zu unterscheiden. Hitzebedingte Mortalität tritt aufgrund einer stärkeren Hitzeexposition stärker in städtischen Regionen auf, vornehmlich in West- und Süddeutschland. Hitze zeigte eine sehr ähnliche Wirkung auf die Mortalität von Männern und Frauen in der Altersgruppe der über 65-Jährigen.
Im Rahmen des Projekts konnte bestätigt werden, dass insbesondere in Sommern mit kurzen Hitzeperioden eine tagesgenaue Analyse die hitzebedingten Sterbefälle vollständiger erfasst als Analysen mit mehrtägiger oder wöchentlicher Auflösung. Als Schwellenwert zur Definition von Hitze wurde das bisherige Kriterium verallgemeinert um methodisch zwischen nur wärmeassoziierten und hitzebedingten Sterbefällen zu unterscheiden. Hitzebedingte Mortalität tritt aufgrund einer stärkeren Hitzeexposition stärker in städtischen Regionen auf, vornehmlich in West- und Süddeutschland. Hitze zeigte eine sehr ähnliche Wirkung auf die Mortalität von Männern und Frauen in der Altersgruppe der über 65-Jährigen. Veröffentlicht in Umwelt & Gesundheit | 04/2025.
<p><p>Versiegelte Parkplätze heizen die Städte auf. Bäume könnten dem entgegenwirken. Doch unsere Datenrecherche zeigt: Städte kümmern sich kaum darum – obwohl sie es könnten.</p></p><p>Die wichtigsten Punkte in Kürze:<ul><li>Bäume funktionieren wie natürliche Klimaanlagen und können Städte deutlich kühlen.</li><li>In Bebauungsplänen fehlen oft Vorgaben, wie viele Bäume auf Parkplätzen gepflanzt werden müssen. </li><li>Die Städte könnten auch auf bestehenden Parkplätzen Bäume pflanzen lassen, tun dies allerdings nicht.</li><li>Dort, wo Bäume vorgeschrieben sind, werden sie nicht immer ausreichend gepflanzt – und nicht ausreichend kontrolliert. </li><li>Viele Bäume, die gepflanzt werden, sind so klein, dass sie weder Schatten spenden noch kühlen. </li></ul><p><a href="https://fragdenstaat.de/newsletter/">Keine Recherche verpassen und hier den Newsletter abonnieren!</a></p><p><em>„36 Grad und es wird immer heißer / unser Beat wird nie mehr leiser / nur ein halbes Grad noch bis zur Katastrophe / die Welt singt schon die letzte Strophe.“</em></p><p>Als die Band 2raumwohnung den Song <a href="https://www.youtube.com/watch?v=wIRyoh5TClI&list=RDwIRyoh5TClI&start_radio=1">„36grad“</a> in den 2000er Jahren veröffentlichte, waren Sommertage mit Temperaturen über 30 Grad noch etwas Besonderes. Mittlerweile hat die Band den Refrain umgeschrieben. Denn was einst nach Freibad, Eis und lauen Nächten klang, steht heute für aufgeheizte Wohnungen, glühenden Asphalt – und Hitzetote. </p><p>Allein 2024 starben in Deutschland <a href="https://www.mdr.de/wissen/medizin-gesundheit/rki-schaetzt-zahl-der-jaehrlichen-hitzetoten-100.html#:~:text=Das%20Robert%20Koch%2DInstitut%20(RKI,Sachsen%20war%20am%20st%C3%A4rksten%20betroffen.&text=Die%20Analyse%20des%20RKI%20basiert,vergangenen%20Sommer%20der%20Nordwesten%20Deutschlands.">rund 3.000 Menschen</a> an den Folgen extremer Hitze. Unser Planet heizt sich auf. <a href="https://www.zdfheute.de/panorama/hitze-hitzetage-wetter-deutschland-100.html">Hitzetage sind häufiger</a> – und belasten vor allem das Leben in den Städten. Dort ist der Boden stark versiegelt: Asphalt, Beton und Pflastersteine lassen kein Wasser versickern, speichern die Hitze und geben sie nachts wieder ab. Dabei gäbe es eine einfache und wirksame Methode, um entgegenzusteuern: Bäume. Sie spenden Schatten, senken die Umgebungstemperatur und verbessern so das Mikroklima. Doch sie fehlen, weil Städte versäumen, sie vorzuschreiben – obwohl sie es könnten. </p><p>Gemeinsam mit der <a href="https://www.ardmediathek.de/video/story/wie-schuetzen-wir-staedte-vor-hitze/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIyNTk0NzA">ARD Story</a> haben wir uns die am stärksten versiegelten Parkplätze in sechs Städten angesehen, in denen es besonders heiß wird: Mannheim, Stuttgart, Frankfurt am Main, Hannover, Braunschweig und Köln. Wir wollten wissen, auf welchen Parkplätzen die Städte Bäume vorgeschrieben haben und auf welchen nicht. Anschließend haben wir mithilfe von Satellitenbildern und Luftaufnahmen überprüft, ob Bäume den Vorgaben entsprechend gepflanzt wurden. Das Ergebnis: Die Städte tun zu wenig. Sie machen kaum Vorgaben, obwohl sie das könnten. Und wo es Vorgaben gibt, werden sie oft nicht umgesetzt – ohne dass es bislang aufgefallen ist. </p>Vorgaben? Fehlanzeige<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bebauungsplan_(Deutschland)">Ein Bebauungsplan</a> ist ein wichtiges Instrument. Darin steht, wie eine Fläche bebaut und genutzt werden darf. So ein Plan prägt das Stadtbild – und das Stadtklima. Wenn eine Supermarktkette eine neue Filiale bauen möchte, steht im Bebauungsplan, ob auf dem Grundstück überhaupt ein Supermarkt gebaut werden darf, wie hoch das Gebäude sein darf – und meist auch, wie viele Bäume auf dem Parkplatz gepflanzt werden sollen. Ausgestellt wird der Bebauungsplan von der Stadt selbst. </p><p>Unsere Analyse der Bebauungspläne der Parkplätze zeigt: In vielen Fällen schreiben die Städte gar nicht vor, wie viele Bäume auf den Parkplätzen zu pflanzen sind. In Köln gab es bei mehr als zwei Dritteln der von uns untersuchten Parkplätze keine Vorgaben. In Mannheim und Braunschweig betraf dies knapp die Hälfte. In Stuttgart gab es bei fast keinem der Parkplätze Vorgaben. <br> </p><p><br> Ein Grund dafür: Viele der Bebauungspläne stammen aus einer Zeit, in der Maßnahmen zur Anpassung an die Klimakrise noch kein Thema waren. Erst in den letzten zehn Jahren ist das Thema auch bei der Stadtplanung angekommen. Dies ist vor allem der <a href="https://difu.de/projekte/klimaschutz-in-der-verbindlichen-bauleitplanung">Klimaschutznovelle des Baugesetzbuches von 2011</a> zu verdanken. Sie hat Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel im Städtebau gesetzlich verankert. Dadurch haben Kommunen mehr Möglichkeiten, Begrünung, wie Bäume auf Parkplatzflächen, vorzuschreiben. Doch die Möglichkeit nutzen die Städte zu wenig, wie unsere Recherche zeigt. </p>Dranbleiben<p>Abonniere jetzt unseren Newsletter, um keine Recherche mehr zu verpassen!</p>Bitte geben Sie hier nichts einE-MailAbonnierenBäume bleiben Nebensache <p>„Die Klimaschutznovelle 2011 hat den Kommunen nochmals zusätzliche Handlungsmöglichkeiten im Bereich der Bauleitplanung gegeben“, erklärt Philipp Schulte. Er ist Fachanwalt für Verwaltungsrecht. „Auch bei bestehenden Bebauungsplänen ist es rechtlich zulässig, diese nachträglich zu ändern und die Begrünung des jeweiligen Plangebietes vorzuschreiben.“ Wenn es durch den vielen Asphalt auf Parkplatzflächen zu heiß wird, können dort beispielsweise die Anpflanzung und der Erhalt von Bäumen oder die Begrünung der angrenzenden Gebäude von der Gemeinde verbindlich festgesetzt werden. </p><p>Als Orientierungswert für die Zumutbarkeit solcher Klimaschutzmaßnahmen müssten die Interessen der Eigentümer*innen abgewogen werden, sagt Schulte. Dabei gelte, dass die Kosten der Maßnahmen den Wert des Grundstücks nicht überschreiten sollen. Einen Laubbaum zu kaufen, zu pflanzen und drei Jahre zu pflegen <a href="https://www.berlin.de/sen/uvk/natur-und-gruen/stadtgruen/stadtbaeume/stadtbaumkampagne/fragen-und-antworten/?utm_source=chatgpt.com">kostet etwa 3.000 Euro</a>. In den meisten deutschen Großstädten kann man damit nur <a href="https://www.deutschlandatlas.bund.de/DE/Karten/Wie-wir-wohnen/043-Baulandpreise.html#_lfw8r58u4">wenige Quadratmeter Grundstücksfläche</a> kaufen. Am Geld dürfte es also nicht scheitern.</p><p>Unsere Analyse zeigt: Viele Kommunen haben seit 2011 ihre Bebauungspläne angepasst. Doch Klimaschutz war dabei selten das Ziel. Meist geht es darum, Spielhallen, Bordelle oder neue Discounter aus bestimmten Vierteln auszuschließen. Das war vor allem in Stuttgart der Fall. Das Grün bleibt Nebensache. </p><p>Wir haben die Städte dazu befragt und sie haben ausführlich geantwortet. Zusammenfassend lässt sich sagen: Bebauungspläne seien sehr komplex. Es sei sehr kompliziert, Bäume bei bestehenden Parkflächen vorzuschreiben. Mannheim beispielsweise setzt auf Freiwilligkeit und versucht vor allem auf den eigenen Flächen zu entsiegeln – also Asphalt und Beton gegen Grün zu tauschen. Ob die Vorgaben regelmäßig kontrolliert werden? Dazu antworteten alle sechs Städte: Nein, dafür fehle Personal. Manche prüfen nach Hinweisen aus der Bevölkerung. </p>Zu klein, zu mickrig<p>Für diese Recherche hat das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erstmals ausgewertet, wo in den sechs Städten Bäume stehen – und wo nicht. Dazu wurde ein Deep-Learning-Modell verwendet, das bestimmen kann, ob sich an einer bestimmten Stelle Asphalt, ein Dach oder ein Baum befindet. Fast die Hälfte der Stadtflächen sind komplett versiegelt. Nicht einmal ein Viertel der Flächen sind Bäume. Dabei könnten mehr Bäume Leben retten: Laut <a href="https://www.eurekalert.org/news-releases/978104">einer Studie</a> mit Daten aus 93 europäischen Städten würde ein Drittel weniger Menschen an Folgen der Hitze sterben, wenn 30 Prozent der Fläche mit Bäumen bepflanzt wäre. Davon sind die untersuchten Städte weit entfernt.<br> </p><p><br> Bäume kühlen auf zwei Arten: Wenn es heiß ist, <a href="https://www.wsl.ch/de/news/stadtbaeume-kuehlen-auch-bei-extremer-hitze/">verdunstet Wasser über die Blätter</a>. Außerdem spenden ihre Kronen Schatten, der die Umgebung um <a href="https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/stadtentwicklung/hitzeschutzstrategie.pdf?__blob=publicationFile&v=3">bis zu 10 Grad abkühlen</a> kann. Ein <a href="https://gruene-stadt-der-zukunft.de/wp-content/uploads/Steckbrief_Baeume-als-Hitzeschutz_Feder_Welling_2023.pdf">80 Jahre alter Baum</a> kühlt das fast zehnmal besser als ein 20 Jahre alter Baum. Um wachsen zu können, muss der Baum allerdings gepflegt werden.</p><p>Wie wichtig das ist, zeigt sich in Hannover. Bei den Vorschriften ist die niedersächsische Stadt ein positives Beispiel. Schon 1995 wurde festgelegt, dass Bäume auf Parkplätzen gepflanzt werden müssen. In fast jedem Bebauungsplan steht, dass je vier Stellplätze ein großkroniger Laubbaum gepflanzt werden soll. Beim Abgleich mit den Satellitenbildern und Luftaufnahmen fällt jedoch auf, dass viele der gepflanzten Bäume alles andere als großkronig sind. Eher zart und mickrig – weshalb sie auch schlechter kühlen. </p><p>„Häufig werden Städtbäume, nachdem sie angepflanzt wurden, sich selbst überlassen und von Billiganbietern gepflegt und kaputt geschnitten“, erklärt Daniela Antoni. Sie ist Baumsachverständige für Stadtbäume und klärt auf ihrem Instagram-Kanal <a href="https://www.instagram.com/baumkontrolle_im_netz/?hl=de"><em>Baumkontrolle im Netz</em></a> darüber auf, was ein Baum wirklich braucht, um gesund zu bleiben. Vor allem Jungbäume müssten regelmäßig und häufig gegossen werden, um wachsen zu können. „Es werden Jungbäume gekauft, aber nicht gepflegt. Wenn sie absterben, werden sie durch neue ersetzt“, berichtet Antoni. So sei die gesetzliche Pflicht laut Bebauungsplan erfüllt. Einen tatsächlichen Nutzen, um das Stadtklima zu verbessern, brächten solche Bäume allerdings nicht. <br> </p>Datenauswertung im Detail<p>Wir haben für unsere Analyse sechs Städte ausgewählt, in denen Menschen besonders stark hitzebelastet sind – also besonders betroffen von Hitze, Versiegelung und fehlendem Grün. Als Grundlage haben wir den <a href="https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Pressemitteilungen/Kommunal/Hitze-Check_2025/Hitze-Check_Staedte-Deutschland_Uebersicht_2025.pdf">Hitze-Check</a> der Deutschen Umwelthilfe herangezogen, der bewertet, wie gut Städte auf die zunehmenden Hitzewellen vorbereitet sind. Alle Parkplätze, die wir analysiert haben, sind größer als 1.000 m2 und laut dem KI-Modell des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) stark versiegelt. Insgesamt haben wir 220 Parkplätze analysiert. <br> </p>Wie wir vorgegangen sind:<ol><li><strong>Parkplätze identifizieren</strong></li></ol><p>Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat gemeinsam mit der ci-tec GmbH für uns alle Parkplätze größer als 1.000 m2 markiert und analysiert, wie stark diese Flächen versiegelt sind. Dafür nutzten die Wissenschaftlerinnen den sogenannten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Normalized_Difference_Vegetation_Index">NDVI</a> – das steht für Normalized Difference Vegetation Index. Der NDVI wird anhand von Satellitenbildern und Luftaufnahmen berechnet und gibt an, wie viel Vegetation auf einer Fläche vorhanden ist. Ein niedriger Wert zeigt versiegelte oder unbepflanzte Flächen. </p><ol><li><strong>Bebauungspläne recherchieren </strong></li></ol><p>Wir haben städtische Webseiten nach Bebauungsplänen gescrapt und diese den Parkplatzflächen zugeordnet. Dabei haben wir auch das Jahr dokumentiert, wann die Pläne erstellt oder geändert wurden. </p><ol><li><strong>Sortieren und filtern </strong></li></ol><p>Wir haben die Parkplätze nach dem NDVI sortiert, also danach wie wenig grün sie sind. Dann haben wir nach dem Jahr, in dem die Bebauungspläne erstellt oder geändert wurden, gefiltert. Zuerst haben wir uns nur auf Bebauungspläne, die nach der Klimaschutz-Novelle im Baugesetzbuch im Jahr 2011 erstellt wurden, konzentriert.</p><p>Diesen Filter haben wir im Lauf der Recherche für einzelne Städte angepasst:</p><ul><li>In Hannover haben wir Bebauungspläne ab 1995 berücksichtigt – ab dem Jahr der Baumschutzsatzung.</li><li>In Mannheim und Frankfurt am Main haben wir den Stichtag auf das Jahr 2000 gelegt, weil uns aufgefallen ist, dass bereits vor 2011 Vorschriften zur Pflanzung von Bäumen gemacht wurden. </li></ul><ol><li><strong>Vorgaben suchen </strong></li></ol><p>In den Bebauungsplänen haben wir nach sogenannten Grünfestsetzungen für die Parkplätze gesucht – also behördlichen Vorgaben für das Pflanzen von Bäumen. </p><ol><li><strong>Vorgaben überprüfen</strong></li></ol><p>Wenn wir Vorgaben gefunden haben, haben wir sie mit Satellitenbildern und Luftaufnahmen abgeglichen. Wir haben die Bäume gezählt und uns die Größe der Baumkronen angesehen. Dafür haben wir auf die Satellitenbilder und Luftaufnahmen zurückgegriffen, mit denen auch das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und die ci-tec GmbH ihre Analysen aufgebaut haben. Diese basierten nicht nur auf den Bilddaten selbst, sondern vor allem auf den Ergebnissen eines Deep-Learning-Modells, das die Bäume automatisch erkannt und vermessen hat. Die Satellitenbilder stammen von Google Satellite; die Luftaufnahmen aus den Beflugsdaten der Landesämter. Die Aufnahmen wurden 2022, 2023 oder 2024 erstellt. Ergänzend haben wir uns auch Google-Street-View-Bilder angeschaut. Die Größe haben wir anhand der Breite des Parkplatzes geschätzt und mit dem vermuteten Alter verglichen.</p><ol><li><strong>Konfrontieren</strong></li></ol><p><strong></strong>Wir haben alle Unternehmen, Kaufhäuser, Hochschulen und Händler kontaktiert, die an die untersuchten Parkplätze angrenzen und wo es erscheint, als wären Vorgaben nicht eingehalten worden – und sie um Informationen zum Baujahr und zur Pflanzung der Bäume gebeten. Nicht alle haben geantwortet. Einige verwiesen darauf, dass sie lediglich Mieter*innen seien und keine Verantwortung für die Flächen tragen. Die Eigentümer*innen oder Bauherr*innen konnten wir nicht kontaktieren, da nicht öffentlich einsehbar ist, wem welcher Parkplatz gehört. Letztlich ist es aber nicht möglich, festzustellen, wer die Verantwortung für die Bepflanzung und Pflege der Bäume trägt.</p><p><br> </p><ul><li> Braunschweig </li><li> Frankfurt am Main </li><li> Hannover </li><li> Köln </li><li> Mannheim </li><li> Stuttgart </li></ul>versiegeltDachunversiegeltniedriges Grün (Wiese)mittelhohes Grün (Büsche)hohes Grün (Bäume)GewässerVergleich des Satellitenbildes von Braunschweig mit der Versiegelungsanalyse. Rote Flächen zeigen versiegelte Bereiche, während grüne und blaue Flächen unversiegelte Naturflächen darstellen.<br>Das KIT weist darauf hin, dass Modellunsicherheiten aufgrund der Referenzdatenlage und der Komplexität gegeben sind.Quelle: <a href="https://www.kit.edu">KIT & ci-tec GmbH</a>•Erstellt mit: <a href="https://github.com/NUKnightLab/juxtapose">JuxtaposeJS</a><p>46 Prozent der Menschen in Braunschweig sind laut dem <a href="https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Pressemitteilungen/Kommunal/Hitze-Check_2025/Hitze-Check_Staedte-Deutschland_Uebersicht_2025.pdf">Hitze-Check</a> stark hitzebelastet. Die Oberflächentemperatur beträgt im Sommer durchschnittlich 35,08 Grad. </p><p>Wir haben 47 Parkplätze analysiert:</p><ul><li>Bei 19 Parkplätzen stehen in den Bebauungsplänen keine Vorgaben zu Bäumen auf Parkplätzen.</li><li>Bei 28 Parkplätzen gibt es hingegen Vorgaben, dass Bäume auf den Parkplätzen gepflanzt werden müssen. <ul><li>Auf 10 Parkplätzen wurden Bäume entsprechend dieser Vorgaben gepflanzt. </li><li>Auf 14 Parkplätzen sind laut Satellitenbildern weniger Bäume als vorgegeben sichtbar. </li><li>Auf 2 Parkplätzen wurden zwar so viele Bäume gepflanzt, wie im Bebauungsplan vorgesehen, allerdings scheinen die Kronen auf den Satellitenbildern sehr klein. </li><li>Auf 2 Parkplätzen gibt es zwar Vorgaben im Bebauungsplan, diese greifen jedoch nicht. Die Vorgabe gilt nur für Neu- und Zubau; die Parkflächen sind allerdings älter – also Bestand. </li></ul></li></ul><p><strong>Was sagt die Stadt dazu? </strong><br> Die Stadt Braunschweig schreibt, dass Entsiegelung ein wichtiger Bestandteil ihrer Klimaanpassungsstrategie sei. Man prüfe seit Jahren in allen Bebauungsplanverfahren, ob Klimaanpassungsmaßnahmen – etwa die Begrünung von Parkplätzen – umsetzbar seien. Wenn möglich, würden entsprechende Vorgaben gemacht. Ob Vorgaben eingehalten werden, wird nur bei Projekten mit städtebaulichen Verträgen mit Investoren überprüft. <br> </p>versiegeltDachunversiegeltniedriges Grün (Wiese)mittelhohes Grün (Büsche)hohes Grün (Bäume)GewässerVergleich des Satellitenbildes von Frankfurt am Main mit der Versiegelungsanalyse. Rote Flächen zeigen versiegelte Bereiche, während grüne und blaue Flächen unversiegelte Naturflächen darstellen.<br>Das KIT weist darauf hin, dass Modellunsicherheiten aufgrund der Referenzdatenlage und der Komplexität gegeben sind.Quelle: <a href="https://www.kit.edu">KIT & ci-tec GmbH</a>•Erstellt mit: <a href="https://github.com/NUKnightLab/juxtapose">JuxtaposeJS</a><p>61 Prozent der Menschen in Frankfurt am Main sind laut dem <a href="https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Pressemitteilungen/Kommunal/Hitze-Check_2025/Hitze-Check_Staedte-Deutschland_Uebersicht_2025.pdf">Hitze-Check</a> stark hitzebelastet. Die Oberflächentemperatur beträgt im Sommer durchschnittlich 36,14 Grad. </p><p>Wir haben 31 Parkplätze analysiert: </p><ul><li>Bei 6 Parkplätzen stehen in den Bebauungsplänen keine Vorgaben zu Bäumen auf Parkplätzen.</li><li>Bei 25 Parkplätzen gibt es hingegen Vorgaben, dass Bäume auf den Parkplätzen gepflanzt werden müssen. <ul><li>Auf 6 Parkplätzen wurden Bäume entsprechend dieser Vorgaben gepflanzt. </li><li>Auf 8 Parkplätzen sind laut Satellitenbildern und Luftaufnahmen weniger Bäume als vorgegeben sichtbar. </li><li>Auf 1 Parkplatz wurden zwar so viele Bäume gepflanzt, wie im Bebauungsplan vorgesehen, allerdings scheinen die Kronen auf den Satellitenbildern und Luftaufnahmen sehr klein.</li><li>Auf 10 Parkplätzen gibt es zwar Vorgaben im Bebauungsplan, diese greifen jedoch nicht. Die Vorgabe gilt nur für Neu- und Zubau; die Parkflächen sind allerdings älter – also Bestand. </li></ul></li></ul><p><strong>Was sagt die Stadt dazu? </strong><br> Die Stadt Frankfurt am Main hat die teilweise Daten überprüft und in einem Fall Maßnahmen wegen eines Verstoßes eingeleitet. Kontrolliert werde üblicherweise im Rahmen einer Besichtigung kurz vor der Fertigstellung einer Bebauung. Danach kontrolliere die Stadt nicht regelmäßig. <br> </p>versiegeltDachunversiegeltniedriges Grün (Wiese)mittelhohes Grün (Büsche)hohes Grün (Bäume)GewässerVergleich des Satellitenbildes von Hannover mit der Versiegelungsanalyse. Rote Flächen zeigen versiegelte Bereiche, während grüne und blaue Flächen unversiegelte Naturflächen darstellen.<br>Das KIT weist darauf hin, dass Modellunsicherheiten aufgrund der Referenzdatenlage und der Komplexität gegeben sind.Quelle: <a href="https://www.kit.edu">KIT & ci-tec GmbH</a>•Erstellt mit: <a href="https://github.com/NUKnightLab/juxtapose">JuxtaposeJS</a><p>43 Prozent der Menschen in Hannover gelten laut dem <a href="https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Pressemitteilungen/Kommunal/Hitze-Check_2025/Hitze-Check_Staedte-Deutschland_Uebersicht_2025.pdf">Hitze-Check</a> als stark hitzebelastet. Die Oberflächentemperatur erreicht im Sommer durchschnittlich 35,75 Grad. Die Stadt hat bereits 1995 eine Baumschutzsatzung eingeführt, die Bäume auf Parkplätzen vorschreibt. </p><p>Wir haben 37 Parkplätze analysiert:</p><ul><li>Bei 5 Parkplätzen stehen in den Bebauungsplänen keine Vorgaben zu Bäumen auf Parkplätzen.</li><li>Bei 32 Parkplätzen gibt es hingegen Vorgaben, dass Bäume auf den Parkplätzen gepflanzt werden müssen. <ul><li>Auf 7 Parkplätzen wurden Bäume entsprechend dieser Vorgaben gepflanzt. </li><li>Auf 21 Parkplätzen sind laut Satellitenbildern und Luftaufnahmen weniger Bäume als vorgegeben sichtbar. </li><li>Auf 4 Parkplätzen wurden zwar so viele Bäume gepflanzt, wie im Bebauungsplan vorgesehen, allerdings scheinen die Kronen auf den Satellitenbildern und Luftaufnahmen sehr klein. </li></ul></li></ul><p><strong>Was sagt die Stadt dazu? </strong><br> Hannover erklärt, dass mögliche Verstöße nur bei Hinweisen geprüft werden. Für präventive Kontrollen fehle das Personal. Zusätzliche Stellen seien beantragt worden.<br> </p>versiegeltDachunversiegeltniedriges Grün (Wiese)mittelhohes Grün (Büsche)hohes Grün (Bäume)GewässerVergleich des Satellitenbildes von Köln mit der Versiegelungsanalyse. Rote Flächen zeigen versiegelte Bereiche, während grüne und blaue Flächen unversiegelte Naturflächen darstellen.<br>Das KIT weist darauf hin, dass Modellunsicherheiten aufgrund der Referenzdatenlage und der Komplexität gegeben sind.Quelle: <a href="https://www.kit.edu">KIT & ci-tec GmbH</a>•Erstellt mit: <a href="https://github.com/NUKnightLab/juxtapose">JuxtaposeJS</a><p>43 Prozent der Menschen in Köln gelten laut dem <a href="https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Pressemitteilungen/Kommunal/Hitze-Check_2025/Hitze-Check_Staedte-Deutschland_Uebersicht_2025.pdf">Hitze-Check</a> als stark hitzebelastet. Die Oberflächentemperatur erreicht im Sommer durchschnittlich 33,93 Grad. </p><p>Wir haben 41 Parkplätze analysiert:</p><ul><li>Bei 32 Parkplätzen stehen in den Bebauungsplänen keine Vorgaben zu Bäumen auf Parkplätzen.</li><li>Bei 9 Parkplätzen gibt es hingegen Vorgaben, dass Bäume auf den Parkplätzen gepflanzt werden müssen. <ul><li>Auf 4 Parkplätzen wurden Bäume entsprechend dieser Vorgaben gepflanzt. </li><li>Auf 2 Parkplätzen sind laut Satellitenbildern weniger Bäume als vorgegeben sichtbar. </li><li>Auf 3 Parkplätzen wurden zwar so viele Bäume gepflanzt, wie im Bebauungsplan vorgesehen, allerdings scheinen die Kronen auf den Satellitenbildern sehr klein. </li></ul></li></ul><p><strong>Was sagt die Stadt dazu? </strong><br> Die Stadt Köln sagt, dass die Begrünung von Parkplätzen im Einzelfall verhandelt werde. Bei privaten Parkplätzen – etwa im Einzelhandel – sei oft zu wenig Platz, um Bäume zu pflanzen. Bei manchen Bebauungsplänen ohne Vorgaben habe es lediglich Nutzungsänderungen gegeben, etwa zum Ausschluss bestimmter Händler. Aktuell arbeite die Stadt an einem Entsiegelungskataster. Die Einhaltung von Begrünungsvorgaben werde stichprobenartig geprüft.<br> </p>versiegeltDachunversiegeltniedriges Grün (Wiese)mittelhohes Grün (Büsche)hohes Grün (Bäume)GewässerVergleich des Satellitenbildes von Mannheim mit der Versiegelungsanalyse. Rote Flächen zeigen versiegelte Bereiche, während grüne und blaue Flächen unversiegelte Naturflächen darstellen.<br>Das KIT weist darauf hin, dass Modellunsicherheiten aufgrund der Referenzdatenlage und der Komplexität gegeben sind.Quelle: <a href="https://www.kit.edu">KIT & ci-tec GmbH</a>•Erstellt mit: <a href="https://github.com/NUKnightLab/juxtapose">JuxtaposeJS</a><p>88 Prozent der Menschen in Mannheim sind laut dem <a href="https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Pressemitteilungen/Kommunal/Hitze-Check_2025/Hitze-Check_Staedte-Deutschland_Uebersicht_2025.pdf">Hitze-Check</a> stark hitzebelastet. Die Oberflächentemperatur beträgt im Sommer durchschnittlich 38,38 Grad. </p><p>Wir haben 36 Parkplätze analysiert:</p><ul><li>Bei 15 Parkplätzen stehen in den Bebauungsplänen keine Vorgaben zu Bäumen auf Parkplätzen.</li><li>Bei 21 Parkplätzen gibt es hingegen Vorgaben, dass Bäume auf den Parkplätzen gepflanzt werden müssen. <ul><li>Auf 3 Parkplätzen wurden Bäume entsprechend dieser Vorgaben gepflanzt. </li><li>Auf 7 Parkplätzen sind laut Satellitenbildern und Luftaufnahmen weniger Bäume als vorgegeben sichtbar. </li><li>Auf 4 Parkplätzen wurden zwar so viele Bäume gepflanzt, wie im Bebauungsplan vorgesehen, allerdings scheinen die Kronen auf den Satellitenbildern und Luftaufnahmen sehr klein. </li><li>Auf 7 Parkplätzen gibt es zwar Vorgaben im Bebauungsplan, diese greifen jedoch nicht. Die Vorgabe gilt nur für Neu- und Zubau; die Parkflächen sind allerdings älter – also Bestand.</li></ul></li></ul><p><br><strong>Was sagt die Stadt dazu?</strong><br> Die Stadt Mannheim erklärt, dass neue Bebauungspläne in der Regel Begrünungsvorgaben enthalten. In Wohngebieten würden zudem gezielt Pläne zum Schutz und zur Weiterentwicklung von Grünflächen aufgestellt. Wenn Vorgaben fehlen, liege das meist daran, dass die betroffenen Parkplätze bereits vor Erlass des Bebauungsplans bestanden und neue Regelungen daher “keine unmittelbare Wirkung” gehabt hätten. Ob Vorgaben eingehalten werden, prüfe die Stadt bei allgemeinen Kontrollfahrten und bei Hinweisen aus der Bevölkerung. <br> </p>versiegeltDachunversiegeltniedriges Grün (Wiese)mittelhohes Grün (Büsche)hohes Grün (Bäume)GewässerVergleich des Satellitenbildes von Stuttgart mit der Versiegelungsanalyse. Rote Flächen zeigen versiegelte Bereiche, während grüne und blaue Flächen unversiegelte Naturflächen darstellen.<br>Das KIT weist darauf hin, dass Modellunsicherheiten aufgrund der Referenzdatenlage und der Komplexität gegeben sind.Quelle: <a href="https://www.kit.edu">KIT & ci-tec GmbH</a>•Erstellt mit: <a href="https://github.com/NUKnightLab/juxtapose">JuxtaposeJS</a><p>50 Prozent der Menschen in Stuttgart gelten laut <a href="https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Pressemitteilungen/Kommunal/Hitze-Check_2025/Hitze-Check_Staedte-Deutschland_Uebersicht_2025.pdf">Hitze-Check</a> als stark hitzebelastet. Die Oberflächentemperatur beträgt im Sommer durchschnittlich 35,02 Grad. </p><p>Wir haben 29 Parkplätze analysiert: </p><ul><li>Bei 25 Parkplätzen stehen in den Bebauungsplänen keine Vorgaben zu Bäumen auf Parkplätzen.</li><li>Bei 4 Parkplätzen gibt es hingegen Vorgaben, dass Bäume auf den Parkplätzen gepflanzt werden müssen. <ul><li>Auf 2 Parkplätzen wurden Bäume entsprechend dieser Vorgaben gepflanzt. </li><li>Bei 2 gibt es zwar eine Vorgabe, Bäume zu pflanzen. Allerdings nennt der Bebauungsplan keine Zahl. </li></ul></li></ul><p><strong>Was sagt die Stadt dazu?</strong><br> Die Stadt Stuttgart erklärt, dass aktuelle Bebauungspläne grundsätzlich Begrünung und wasserdurchlässige Beläge vorschreiben, um das Stadtklima zu verbessern. Viele der untersuchten Pläne seien jedoch keine klassischen Bebauungspläne, sondern Pläne zur Nutzungssteuerung. Damit könne man etwa festlegen, ob dort eine Spielhalle sein darf oder nicht. Diese enthalten keine Regeln zur Begrünung oder Flächengestaltung<br> </p></p>
<p> <p>Die Folgen des Klimawandels in Umwelt und Gesellschaft werden zunehmend spürbar. Der dritte Monitoringbericht zur Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) wurde 2023 veröffentlicht und gibt einen breiten Überblick über bereits beobachtete Klimafolgen. Die 2021 veröffentlichte Klimawirkungs- und Risikoanalyse (KWRA) des Bundes zeigt künftige Folgen des Klimawandels in Deutschland.</p> </p><p>Die Folgen des Klimawandels in Umwelt und Gesellschaft werden zunehmend spürbar. Der dritte Monitoringbericht zur Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) wurde 2023 veröffentlicht und gibt einen breiten Überblick über bereits beobachtete Klimafolgen. Die 2021 veröffentlichte Klimawirkungs- und Risikoanalyse (KWRA) des Bundes zeigt künftige Folgen des Klimawandels in Deutschland.</p><p> <p>Das <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klima">Klima</a> ändert sich bereits und wird sich auch in Zukunft weiter wandeln. Der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimawandel">Klimawandel</a> manifestiert sich dabei sowohl in langfristigen Klimaänderungen (wie langsam steigenden Durchschnittstemperaturen) als auch in einer veränderten <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimavariabilitaet">Klimavariabilität</a> (also stärkeren <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimaschwankungen">Klimaschwankungen</a> und häufigeren Extremwetter-Ereignissen wie Stürmen, Dürren, Überschwemmungen und Sturzfluten oder Hitzesommern).Die Klimafolgen sind also vielfältig und haben Einfluss auf unser tägliches Leben.</p> <p>Um die in Deutschland erwarteten Folgen des Klimawandels zu beschreiben, wurden verschiedene Indikatoren entwickelt. Mit ihrer Hilfe können die Folgen und die bereits begonnene <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/anpassung-an-den-klimawandel">Anpassung an den Klimawandel</a> beschrieben, sowie seine weitere Entwicklung verfolgt werden. Dargestellt werden Veränderungen in der natürlichen Umwelt, aber auch gesellschaftliche Folgen wie zum Beispiel die Entwicklung von Einsatzstunden bei wetter- und witterungsbedingten Schadensereignissen. Die fachlichen Grundlagen hat das <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/70366">Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung (KomPass</a>) zusammen mit anderen Bundesbehörden erarbeitet.</p> <p>Alle vier Jahre veröffentlicht die Bundesregierung einen Monitoringbericht. Der aktuelle <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/106954">Monitoringbericht</a> erschien im November 2023. Er liefert mit Hilfe von Indikatoren einen breiten Überblick über beobachtete Klimafolgen und die begonnene Anpassung. Mehr als 50 Bundesbehörden, wissenschaftliche Einrichtungen und Universitäten sind an der Erstellung des Monitoringbericht beteiligt. </p> <p>Das Behördennetzwerk „Klimawandel und Anpassung“, ein Netzwerk von 25 Bundesbehörden und -instituten und unterstützt von einem wissenschaftlichen Konsortium, hat in der Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 (KWRA) über 100 Wirkungen des Klimawandels und deren Wechselwirkungen untersucht und bei rund 30 davon sehr dringender Handlungsbedarf festgestellt. Dazu gehören tödliche Hitzebelastungen - besonders in Städten, Wassermangel im Boden und häufigere Niedrigwasser. Dies hat schwerwiegende Folgen für alle Ökosysteme, die Land- und Forstwirtschaft sowie den Warentransport. Es wurden auch ökonomische Schäden durch <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/starkregen">Starkregen</a>, Sturzfluten und Hochwasser an Bauwerken untersucht sowie der durch den graduellen Temperaturanstieg verursachte Artenwandel, einschließlich der Ausbreitung von Krankheitsüberträgern und Schädlingen.</p> Quelle: Umweltbundesamt 23.11.2015 Animation: Bedrohung durch den Klimawandel – Analyse zur Verletzlichkeit Deutschlands <p>Seit 2011 wurde von 16 Bundesbehörden und -institutionen im Auftrag der Bundesregierung die Vulnerabilität – also Verletzlichkeit – Deutschlands gegenüber dem Klimawandel analysiert.</p> </p><p> </p><p>Informationen für...</p>
Derzeit existieren unterschiedliche Indikatoren auf Bundes- und Länderebene, die einer Harmonisierung bedürfen. Unterschiedliche Angaben würden ansonsten zu Verständnisschwierigkeiten, Kommunikationsproblemen und Akzeptanzschwierigkeiten führen. Es ist außerdem notwendig, den bundesweiten Indikator weiterzuentwickeln und auch tagesscharf eine Analyse der Todesfälle vorzunehmen. Momentan wurde nur ein Indikator für eine wochenweise Betrachtung entwickelt. Einige Hitzeereignisse sind allerdings weniger als ein oder zwei Tage lang.
<p> <p>Das neue Forschungsprojekt "Blue Green City Coaching (BGCC)" unterstützt kommunale Entscheider*innen, Potenziale und Grenzen von naturbasierten Lösungen (NbS) für die Klimaanpassung zu ermitteln. Im Fokus stehen dabei die Bewertung der NbS bei Klimafolgen wie Hitze und Dürre sowie der Einfluss von NbS auf die urbane Klimaresilienz kleinerer Großstädte und deren Umland.</p> </p><p>Das neue Forschungsprojekt "Blue Green City Coaching (BGCC)" unterstützt kommunale Entscheider*innen, Potenziale und Grenzen von naturbasierten Lösungen (NbS) für die Klimaanpassung zu ermitteln. Im Fokus stehen dabei die Bewertung der NbS bei Klimafolgen wie Hitze und Dürre sowie der Einfluss von NbS auf die urbane Klimaresilienz kleinerer Großstädte und deren Umland.</p><p> <p>Naturbasierte Lösungen (<em>Nature-based Solutions</em>, NbS) zählen laut einer Studie der Europäischen Umweltagentur zu den effizientesten Wegen, um die Folgen des Klimawandels – wie zunehmende Hitze und Trockenheit in vielen deutschen Städten und deren Umland – zu bewältigen.1 Auch die nationale Wasserstrategie forciert die Umsetzung von naturbasierten Lösungen, insbesondere in Kombination und Synergie mit technischen Infrastrukturen.2 Gleichzeitig gilt es, wichtige Fragen anzugehen und einige Hindernisse zu überwinden, um die vielseitigen Potentiale von NbS für die urbane Klimaanpassung in Deutschland noch besser auszuschöpfen. Hauptsächlich kommen derzeit blaugrüne Infrastrukturelemente zum Einsatz, dabei können wasserbezogene NbS vielfältige Formen und Ausgestaltungen annehmen: Auenstrukturen, Moore zum Wasserrückhalt in der Landschaft, urbane Gewässer, grüne Freiräume im urbanen Raum, de- und semizentrale Pflanzenkläranlagen sowie Dach- und Fassadenbegrünen. Folgende Punkte können für eine flächendeckende und vernetzte Umsetzung von NbS in deutschen Kommunen förderlich sein3:</p> <ul> <li>Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses von NbS und der Vorteile, die sie bringen können – inklusive klarer Definitionen;</li> <li>umfassende und transparente Beleuchtung von Bedenken, Fragen und möglichen Interessenskonflikten;</li> <li>Verständnis der potenziellen Synergien und Kompromisse im Zusammenhang mit NbS; NbS-kompatiblere institutionelle Strukturen und klare Zuständigkeiten.</li> </ul> <p>Im <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/bmbf">BMBF</a>-Vorhaben „Leipziger BlauGrün“ werden bis Sommer 2025 mehrere Tools entwickelt, die an diese Anforderungen anknüpfen. Die siedlungswasserwirtschaftliche Modellierung abflussfreier Stadtquartiere mit Hilfe blaugrüner Infrastriukturen kann methodisch in jeder Stadt bei ausreichender Datenlage angewandt werden. Blaugrüne Investitionspotentialkarte, blaugrüne Bewertungssteckbriefe und blaugrüne Toolboxen sind ebenso wie die Bausteine einer blaugrünen Infrastrukturplanung grundsätzlich von Leipzig aus übertragbar auf andere deutsche Großstädte. </p> Fundierte Analysen und praxisnahe Forschung als Schlüssel zum Erfolg bei NbS <p>Damit NbS ihre Rolle als zentrale Lösung in der Klimaanpassung einnehmen können, sind mehrere Faktoren von Bedeutung. So erfordert etwa das Ermitteln und Quantifizieren von Potenzialen und Grenzen von NbS für die Klimawandelanpassung einen handlungsorientierten Ansatz. Neben technischen und ökologischen Parametern sollten ebenfalls soziale und ökonomische Kriterien und Indikatoren einbezogen werden. Diese gilt es, wissensbasiert auszuwählen und praxisnah zu operationalisieren. Essentiell ist ferner die transparente Bewertung, in welchem Maße NbS zur Erreichung urbaner Klimareslilienz beitragen können.</p> <p>Das neue Forschungs- und Entwicklungsvorhaben „Blue Green City Coaching (BGCC) - Implementierung blaugrüner Infrastrukturen zur Klimaanpassung kleinerer deutscher Großstädte: Aufbau eines wissenschaftsbasierten und anwendungsorientierten Coachings für Entscheidungsträger*innen in Stadt- und Regionalplanung“ kann die blaugrüne Stadtentwicklung vorantreiben. Das Forschungsprojekt des Umweltbundesamtes wird vom <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/bmuv">BMUV</a> aus Mitteln des Aktionsprogramms Natürlicher <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimaschutz">Klimaschutz</a> (ANK) gefördert und vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ in Kooperation mit Fresh Thoughts und dem Deutschem Institut für Urbanistik umgesetzt. Es wird aktiv unterstützt vom Zentrum Klimaanpassung und dem Deutschen Städtetag.</p> <p>Das Projekt unterstützt kleinere deutsche Großstädte mit 100.000 bis 300.000 Einwohnern dabei, Risiko- und Potenzialanalysen von NbS durchzuführen und die Basis für gemeindeübergreifende Transformationsstrategien sowie integrierte Konzepte und Kooperationen zu schaffen. Ingesamt zehn Kommunen werden ab ca. Mitte 2025 bis Ende 2027 intensiv begleitet. Im Frühjahr 2025 wird es die Möglichkeit geben, sich dafür zu bewerben.</p> BGCC: Praxisnahes Coaching für blaugrüne Infrastrukturen <p>Das Coaching stellt Praxisnähe her, schafft institutionalisierte Partizipation der Entscheidungsträger*innen in der Stadt und testet zugleich verschiedene Bewertungsmethoden für NbS. Konkret soll das BGCC Entscheidungsträger*innen befähigen, wissenschaftlich koordiniert anwendbare Implementierungsstrategien für blaugrüne Infrastrukturen (BGI) zu erstellen. Dabei werden Potentiale und Grenzen identifiziert und diese möglichst im interkommunalen Austausch und mit Hilfe der sozialwissenschaftlichen, juristischen und siedlungswasserwirtschaftlichen Expertise des Projektteams überwunden. Methodisch werden vorhandene Bewertungssysteme für die Effekte und Potentiale wasserbezogener NbS in einer Coaching-Toolbox gebündelt, um Stadtakteuren Argumente und praxisnahe Hilfestellungen für NbS-Potentiale an die Hand zu geben. Bei diesen in der Coaching-Toolbox enthaltenen Potentialen geht es neben finanziellen Anreizen beispielsweise um <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/monitoring">Monitoring</a> von <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/biodiversitaet">Biodiversität</a> und Stadtklima mit vielfältigen Effekten auf die Stadtgesundheit; dazu zählen unter anderem die Verringerung der Anzahl von Hitzetoten, eine erhöhte Lebenserwartung und verringerte Gesundheitskosten. </p> <p>Ein Forschungsschwerpunkt von BGCC bezieht die Perspektive des Stadtumlandes ein. Es wird dabei analysiert, ob die Einführung von wasserbezogenen NbS für die Klimaresilienz in der Stadt zu Wasserkrisen und Nutzungskonflikten zwischen Stadt und Umland führt. Der Fokus liegt dabei auf lokalem Rückhalt des Regenwassers zur Linderung der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimafolgen">Klimafolgen</a> wie Hitze, <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/duerre">Dürre</a> und <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/starkregen">Starkregen</a>.</p> <p>Abschließend analysieren sozialwissenschaftliche Expert*innen des Projektteams systematisch die Umsetzungspotenziale und -hemmnisse und bündeln die Ergebnisse. Als Kernprodukt von BGCC entsteht das “BG-Coaching-Handbook”, welches die Toolbox-Inhalte als Handlungsanleitung für die Infrastrukturplanung auch für andere Kommunen replizierbar macht.</p> In vier Phasen zum Handbuch für kommunale Entscheider*innen <p>Die bis Ende 2027 dauernde Projektlaufzeit des BGCC unterteilt sich in vier Phasen. Die erste Projektphase zielt darauf ab, die Coaching-Toolbox zu Abläufen, zur Methodik und zu Vermittlungsinhalten des Coachings zu entwickeln. Zu diesem Zweck werden Synergien eigener Planungstools und vorhandener NbS-Konzepte geschaffen. Gegenstand der zweiten Phase mit Beginn Frühjahr 2025 ist der Bewerbungsprozess von Großstädten mit bis zu 300.000 Einwohnern für das Schwammstadt-Coaching. Phase drei umfasst die systematische Beratung und Begleitung der ausgewählten Kommunen zur Implementierung blaugrüner Infrastrukturen auf Basis der in der ersten Phase entwickelten Toolbox. Das Coaching befähigt teilnehmende Städte, kurz-, mittel- und langfristige Handlungserfordernisse, Ressourcenbedarfe und Voraussetzungen einer klimaangepassten und wassersensiblen Stadtentwicklung zu bestimmen. Zum Abschluss des Foschungsvorhabens werden in der vierten Phase die entwickelte Coaching-Toolbox sowie die Inhalte der Implementierungsstrategien evaluiert und optimiert. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Erstellung des Coaching Handbooks sowie in Fachpublikationen ein.</p> <p>Auf diese Weise stellt das BGCC sicher, dass die Erkenntnisse aus der systematischen Unterstützung der teilnehmenden Städte zukünftig auch anderen Kommunen zugutekommen und die Weichen für den gezielten Einsatz von NbS im Rahmen der Klimaanpassung in ganz Deutschland stellen können.</p> <p> </p> <p>Autor*innen: Nike Sommerwerk (Fresh Thoughts), Frank Hüesker (UFZ), Andreas Huck (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/uba">UBA</a>)</p> <p>Kontakt: frank.hueesker@ufz.de</p> <p> </p> <p><em>Dieser Artikel wurde als Schwerpunktartikel im Newsletter </em><em>Klimafolgen</em><em> und Anpassung Nr. 93 veröffentlicht. </em><a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/newsletter">Hier</a><em> können Sie den Newsletter abonnieren.</em></p> <p> </p> <p>1 https://www.eea.europa.eu/publications/nature-based-solutions-in-europe</p> <p>2 www.bmuv.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Binnengewaesser/BMUV_Wasserstrategie_bf.pdf</p> <p>3 <a href="https://wedocs.unep.org/bitstream/handle/20.500.11822/40822/nature_based_solutions_Summary.pdf?sequence=1&isAllowed=y">https://wedocs.unep.org/bitstream/handle/20.500.11822/40822/nature_based_solutions_Summary.pdf?sequence=1&isAllowed=y</a></p> </p><p> </p><p>Informationen für...</p>
| Organisation | Count |
|---|---|
| Bund | 40 |
| Europa | 1 |
| Land | 5 |
| Weitere | 4 |
| Type | Count |
|---|---|
| Ereignis | 3 |
| Förderprogramm | 3 |
| Text | 30 |
| unbekannt | 13 |
| License | Count |
|---|---|
| Geschlossen | 41 |
| Offen | 7 |
| Unbekannt | 1 |
| Language | Count |
|---|---|
| Deutsch | 44 |
| Englisch | 11 |
| andere | 2 |
| Resource type | Count |
|---|---|
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